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s. Mai 1895.

Wiesbadener Tagdlatt (Margen-Ansgave)

Kette 24. U». 215

interesstrte dort den Höchst-Kommanbirenben, den Kronprinzen von Sachsen, unseren hochverehrten Chef, lebhaft, und man beschloß, das Kunstwerk zu retten. Aber wie? Die Frage beantworlele sich durch einen Zufall. Es lag für wen, ist ja uninteressant, ich weiß es, will den Empfänger aber nicht nennen jeden Morgen unter einem großen Steine einer zerschossenen Zuckerfabrik zwischen Epinay und Enghien die neueste in der Nacht vorher in Paris gedruckte Nummer desConstitutionell". Der selbstredend französische Ueberbringer fand mit peinlichster Pünktlichkeit dafür täglich 10 Francs an derselben Stelle. Ich erkundete nun von meinem spritseligen Gärtner die Wohnung von Carrö's Vater in Paris der Dichter selbst war nach Belgien geflohen schrieb an diesen, ließ meinen Brief zu besagtem Goldstück legen und stellte dem alten Herrn in der Rue d'Amsterdam Nr. 10 die Rettung seines Kunstschatzes anheim. . . . Nach vier Tagen hing plötzlich der leere Rahmen in der Musikstube der jardinier lächelte verschmitzt und glaubte nun vielleicht, das Ende meiner Besuche sei gekommen. Er irrte sich...... Als ich von

Arbeit erdrückt gegen Weihnachten zum ersten Male wieder vorsprach, fand ich die Villa, die ich wie ein sauber geordnetes Schmuck­kästchen verlassen hatte, zum dritten Theil ausgeraubt, zerstört und ruinirl. Ich war vor Wuth außer mir, und als ich den betrunkenen Wächter dieses infam geschändeten Asyls der Kunst etwas unsanst schüttelte und ob solcher Gemeinheit interpellme. lallte der Spitzbube lauter unverständliches Zeug. . . . Natürlich wird nun in der Chronik von Argenteuil aus den Januartagen von 1871 die saubere Mär der Nachwelt aufgebunden, daßdie prussiens Alles das pour Berlin geraubt haben!" ... So machten und machen noch heute die großen Kinder jenseits der VogesenGeschichte und Geschichtchen!" Den Dankesbrief von

dort holte, die bei der nichtsnutzigen Kälte und dem Typhus nicht auf der Erde liegen sollten freilich mußte ich die kurzen Bettchen der Demoiselles erst durch die Feldschmiedestrecken" lassen, sonst gingen meine Grenadiere nicht halb hinein die etwas unerquickliche Bekanntschaft mit französischem Blei gemacht, das mir glücklicherweise nicht in die Knochen ging, sondern als Uhrberloque verwerthet werden konnte..... Aber das Nest

hatte für mich einen eigenthümlichen Reiz. Einmal lagen die liebenswürdigsten Offiziere der Garnison meiner engeren Heimath da, und zum anderen hatte ich bei einer gelegentlichen Rekognos- zirung an dem gefährlichen Boulevard das gänzlich intakte Haus Michel Carrö's, des berühmten Librettisten der Gounod'schen Opern, gefunden bis auf die Nippesfigurcn auf der Etagere Alles in dem glänzendsten Arrangement eines feinen und distinguirten künstlerischen Geschmacks..... Ein alter betrunkener Gärtner '

öffnete uns widerwillig die Thüren. Ich ließ die Läden c

mußten selbstredend geschlossen bleiben, sonst schoß man uns einsach in die Fenster, wie dies auch geschah, und zwar fiel die Kugel in die Suppenterrine, die eben aufgetragen ward ein paar Kron­leuchter anzünden. Musikalische Freunde setzten sich mit mir ans Klavier, wir fanden die interessantesten und werthvollsten Noten- manuscripte und verlebten ein paar köstliche Stunden des lang entbehrten ächt künstlerischen Genusses..... Man wird zugeben,

daß das Ganze speziell in der gegebenen Atmosphäre einer dauernden Lebensgefahr des Parfüms einer ganz eigenartig pikanten Romantik nicht ermangelte! . . . Dicht neben dieser meiner" (?) Villa lag Ambroise Thomas' Haus, von Granaten zerschossen, und wir sahen, wie die freundlichen Kompatrioten die reichen Schätze dieser glänzenden Villa bargen, d. h. mausten, was selbstredend alles nachher a conto unseresRollens" gebucht ist! Das ekelhafte Gesindel zu verscheuchen, fehlte es an Zeit und Laune. . . .

In Carrö's Villa hing ein entzückendes Oelgemälde, dir verfängliche Situation Joseph's beim Besuch der Ministerin Potiphar mantelhaften Angedenkens darstellend. ... Ein Kenner, ein Kunstprofessor, zur Zeit Vice-Wachtmeister bei den sächsischen Dragonern, hielt es für einen Carlo Dolor von enormem ' Werth. Daß es ein Meisterwerk war, begriff jeder Laie. Ich sah dem täglichen Ruin der Villa entgegen und erzählte im Haupt­quartier zu Margen?y von meinem romantisch-musikalischen Abenteuer und der dabei gemachten Entdeckung. Die Sache

Heringsfässer zehn Schock Käse von Wagenradgröße, die ich mit dem Säbel zerschnitt und unentwegt 121600 Flaschen Cognac, Rum und Gilka!--

Selbstverständlich ist Haltbarkeit und Lebensfähigkeit eines solchen eingefügten Depötgliedes in die enorme Kette der Ver- proviüntirungs- und Bekleidungsmaßnahmen einer Armee, selbst nur eines Armeekorps man wolle niemals den Divisor der 30000 vergessen! nur dann möglich, wenn die bestimmte, fest garantirte Opferbereitschaft der Heimath, nicht erlahmt, sondern eine unablässige und stetig sich betheiligende bleibt! . . . Die zweite Vorbedingung für den zweckentsprechenden Erfolg, das sind die Nerven des jeweiligen Vertrauensmannes für eine derartige Regie. Wer sich nicht einer Gesundheit erfreut, wie zwei Bären, nicht Nerven hat, wie das atlantische Kabel, wer eine Aversion gegen den unvermutheten Knall eines Gewehrs hat u. dergl., der lasse die Hände hübsch davon . . . Allein die Verhandlungen mit den Franzosen, den wenigen g-ardiens, die wir während der häuslichen Arrangements in der Zeit der Einschließung von Paris in den Städten, Flecken und Villen vorfanden und die stetshalb Kind, halb Bestie" waren, erforderten ein Nervensystem von ganz ungewöhnlicher Elasticität . . .

Ich mag an diesem Punkt nicht so hastig vorübercilen, ohne nicht gleich hier noch einmal aus den zehnfach unterstrichenen Glossen meiner ungedruckten Tagebücher den grenzenlosen Nonsens zu kennzeichnen, der in der hirnverwirrten Flucht der gebildeten und besitzenden Franzosen aus Eigenthum und Heimath lag, und sich so schwer bestraft hat. Je bevorzugter und reicher der Theil der nördlichen Enceinte von Paris war, den ich so sveciell genau von den Oklobertagen 1870 bis Ende Februar 1871 kennen lernte von Montmorency bis St. Germain, um so tiefer darf ich die Thorheit beklagen, die in sinnloser Flucht ein Heil suchte und damit Alles verdarb! Hielten uns diese reichen Villenbesttzer in Enghien, Eaubonne, Sartrouville, Argenteuil und aufwärts an ' der Seine bis nach Versailles in der That für ein Abbild jener wüsten Halbbarbaren, mit denen sie ihren frivolen Spaziergang nach Berlin machen wollten? Sagten sie sich nicht, daß ein Daheimbleiben, ein Empfangen des Feindes, wenn auch mit zuckender Lippe, mit dem tiefsten Groll im Herzen, ihnen tausend­faches Ungemach und ungezählte Verluste erspart haben würde? . . . Es ist unglaublich, mit welcher an Wahnsinn grenzenden Furcht hochgebildete Familien den märchenhaften Zauber und Reichthum ihres Daheims eine Stunde vor unfern Einrücken verlassen haben. Ich habe angefangene Briefe in offenen Secretairen gefunden, die ich heut noch besitze, die das Datum desselben Tages trugen, an dem ich von Haus und Quartier der Entflohenen Besitz nahm und Herr einer Einrichtung wurde, in der auch nicht ein Theelöffel fehlte . . . Wozu dieser Abscheu, diese forcirte Komödie, als ob die Hunnen und Vandalen einrückten? Und bann kamen post festen die entstellten und verlogenen Geschichten von den Pendülen- räubern und dergleichen erbitternder Blödsinn! Daß aber Fünf- Sechstheil von dem, was ruinirt und gestohlen ist, von beni eigenen Abschaum von Gesinbcl veruntreut würbe, bas man hier als Bock zum Gärtner gesetzt hatte, bafür kann ich in Dutzenb Fällen den Beweis der Wahrheit antreten unb erhärten! . . . Für zehn

Anekboten nur eine! . . .

Argenteuil, eine Stabt von 68000 Einwohnern, lag an der Seine, etwa l'/s Stunden von meinem Stand - Quartier Eaubonne. Es war eine der gefahrvollsten Positionen in der ganzen Cernirungslinie. Jenseits der Seine h^rl^O bis 180 Schritt breit lagen, schaarenweise eingegraben, die Rothhojen und schossen mit Miniö-Büchsen herüber, sobald sich nur eine Nase auf dem Boulevard Hortense (oder Heloise) sehen ließ. Dieser Boulevard ist eine, an einer Seite mit reizenden Villen bebaute Promenade, hart an der Seine. Dabei gab der Mont Valorieii seine liebenswürdigsten Visitenkarten in Form von 12- bis 24-pfündigen Granaten täglich zwei Stunden in der ^tabt ab. Das geschah aber es geht nichts über bie geistreiche OrganiM-m französischer artilleristischer Maßnahmen mit so prämier Pünktlichkeit, baß unsere Leute währenb biejer elsernen Be­grüßungen ruhig in ben Kellern ber Häuser verweilen konnten.

Trotzbem war ber Aufenthalt in Argenteml ziemlich unbe­haglich. Ich selbst hatte eines Nachts, als ich aus einem , ft i ! r...... CYX ti't v AttIO ATttt (>'

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