WiksUmkr Sagblatt
4». Jahrgang.
Verlag: Langgasie 27.
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K». 9
Sonntag, den 6. Jamme
BezirkS-Fernsprecher No. 52.
1895.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Morgenausgabe.
(Fortsetzung..) (Nachdruck verboten.)
Das Jahr 1894.
Afrika.
Schwere Kämpfe hatten im Herbste die Portugiesen in ihrer Kolonie Mozambique zu bestehen, in deren Hinter- land ein gefährlicher Aufstand der Eingeborenen ausgcbrochen war, der sich namentlich gegen die Hafenstadt Lorenzo- Marquez richtete. — Der Ricseninsel Madagaskar steht ein Krieg um die Unabhängigkeit mit Frankreich bevor. Die Versuche der Hovas, sich der unbequemen Schutzherrschaft zn entledigen, führten im August zu offener Feindseligkeit. Im October entsandte Frankreich einen Sonderbevollmüchtigten nach der Hauptstadt Antananarivo, der der Hovasregierung ein Ultimatum auf Innehaltung des mit Frankreich geschloffenen Vertrages überbrachte. Dasselbe wurde abgclehnt, und am 15. November- erklärte Frankreich den Krieg und besetzte bald darauf die Hafenstadt Tamatave. Eine Expedition von 15,000 Mann, für welche ein Kredit von 40 Mill. Frcs. bewilligt wurde, soll im März den Feldzug eröffnen, dessen Ausgang bei dem jedenfalls entschlossenen Widerstande der Hovas'noch 'itiyt ist. Bnz-w-eschrn VTA £)je
Feindseligkeiten an der Küste ihren Anfang genommen. „ Auch die Transvaalrepublik wurde durch einen Aufftavg der Kaffern unter Malatoch von Norden her bedroht, der Anfang August mit dessen Unterwerfung endete. — In Deutschsüdwestafrika dauerten das ganze Jahr hindurch die Kämpfe mit dem unermüdlichen Namaquahüupt- ling Hendrik Witbooi an. Er wurde vom Gouverneur- Major v. Francois und von dessen Nachfolger, Major Leutwein, zwar mehrere Male geschlagen, kam aber immer wieder zum Vorschein und verübte dann freche Räubereien. Endlich gelang es dem Major Ende August, den Häuptling in der Naukluft derart in die Enge zu treiben, daß er sich auf Gnade und Ungnade ergeben mußte. Man ließ Gnade vor Recht ergehen und gewann Witbooi gegen ein Jahresgehalt von 6000 Mk. für die deutsche Herrschaft. Die Beendigung dieses Aufstandes wird sicherlich für die weitere Entwickelung der Kolonie von weittragender Bedeutung sein. Neue Kämpfe wurden Ende October gegen die rüubcrischeit Khomas nöthig.— Im Kongo st aat flackerten hie und da immer wieder Aufstände der im Vorjahre niedergcwvrfenen Araber auf. So fiel im Januar bei Kassongo Major Ponthier im Kampfe mit dem aufständischen Häuptling Rumaliza, dessen Vertreibung erst nach harten Kämpfen Mitte August gelang. Handel und Anbau entwickelten sich auch im Jahre 1894 gedeihlich weiter, sodaß der Kongostaat auf der Antwerpener Weltausstellung bereits einen ehrenvollen Platz einnehmen konnte. — In unliebsamer Weise machte unsere Kolonie Kamerun von sich reden. Es stellte sich heraus, daß der Ende 1893 ausgebrochene Aufstand der in Dahome geworbenen Schutztruppe infolge von aller Civilisation und Sittlichkeit hohnsprechenden Gceuelthaten des Kanzlers Leist und des Assessors Wehlau hervorgerufen war. Beide wurden abberufen und in Deutschland vor Gericht gestellt. Auch der Gouverneur Zimmerer wurde durch den seitherigen Landeshauptmann von Togo, v. Pultkamer, ersetzt. — Nach Dahome, woselbst der im Vorjahre von General Dodds besiegte König Vchanzin sich wieder bemerkbar machte, wurde im Januar ein zweiter Feldzug der Franzosen nothwendig. Behanzin wurde in die Enge getrieben, ergab sich und ward nach der Insel Martinique gebracht; zu seinem Nachfolger wurde Agoliagbo eingesetzt. Auch außer diesem Feldzug entwickelte Frankreich eine lebhafte Thätigkeit zur Festiguug und Erweiterung seines Kolonialbesitzes. Es schloß mit dem Kougostaate und der Negerrepublik Liberia Handelsverträge, mit Deutschland betreffs des Hinterlandes von Kamerun ein Abkommen ab und rückte von Senegambien aus, nach Unterwerfungdortausgebrochener Aufstände, von Westen her gegen den Sudan vor. Im Januar besetzte Oberst Bonuier die einst hochbedeutende, noch jetzt wichtige Hauptstadt des westlichen Sudans, Timbuktu, die Frankreich, trotzdem Bonnier bald darauf bei Tuab von den Tuaregs geschlagen und getödtet worden war, in Besitz behielt. Aus dem östlichen Sudan kam die Kunde von im Jahre 1893 stattgehabten blutigen Kriegen. Ein ehemaliger Sklave, Rabah, der sich zum Heerführer aufgeschwungen hatte, eroberte die mächtigen Sultanate Baghirmi und Bornu, dessen Sultan Hachem im Kampfe fiel, dessen Neffen und Nachfolger Abubekr cs aber mit Hülfe Wadais gelang, Rabah zu besiegen und zu tödten. Rabahs Sohn trat den Rückzug an, während die Sultanate Baghirmi und Bornu von den Mahdisten erobert wurden. Von den letzteren wird man wohl bald wieder etwas zu hören bekommen, da sie, wie es heißt, einen Rachezug gegen die Italiener in Kassala planen. (Schluß folgt.)
Dentschrs Reich.
* Turnwesen. Ter „Vorwärts" veröffentlichte gestern ein an die Regierungspräsidenten gerichtetes Rundschreiben des Ministers des Inner» vom 24. November 1894, welches sich mit den Turnvereinen beschäftigt. In dem Schreiben heißt es, cs sei bekannt geworden, daß die Anbängcr der Sozialdemokratie neuerdings auch oas Turnwesen als ein Mittel benutzen, ihren Einfluß aus immer weitere Kreise auszndehnen, namentlich aber auf jugendliche Personen und auf die Gründuiig von Turnvereinen, welche sich angeblich nur mit Turnen befassen, in Wahrheit aber der sozialdemokratischen Agitation dicneii. Herr v. Köller fordert die Regierungspräsidenten auf, ihm zu berichten wie weil sie in ihren Bezirken derartige Erfahrungen gemacht haben und in welcher Richtung etwa gegen den Arbeitertnrnerbnnd vor- zugcheu fei. Gegen das Treiben staatsgefährlicher Turnvereine sei Seitens der Ilnterrichtsverwaltung durch entsprechende Maßnahmen entgcgenzuwirkcu versucht worden.
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Aus Kunst und Leben.
+ Feuerbestattung. Bekanntlich hat da» Königliche Kon- ßvormui zu Wiesbaden die amlliche Beiheiligung der evangelischen Geistlichen bei durch Feuer zu bestnttendeu Leichen untersagt nnd erUcren nur gsttattet, eine Rede im Trauerhausc, auch in Gegenwart der Leiche, doch nicht im Ornate, zu halten. Dieser Erlaß findet am besten Beleuchtung durch eine Zusaninienstcllung der Ansichten anderer evangelischer Kirchenbchörden nnd kirchlicher Bcrttctnngen Deutschlands über die Feuerbestattuna. Dies hat der Vorsttzende des hiesigen Feuerbestattungs-Vereins. Herr Dr. med. Proehsttng, in der Zeitschrift für fakultative Feuerbestattung „Phönix" gcthan (Separatabdruck Wie» 1894). Wir vernehmen an ber Hand dieser Arbeit u. 81., daß in Sachsen-Koburg und Gotha, in Hamburg und in Baden die Kirchenbehörden der Feuerbestattung nicht feindlich gegeuübersteheii, auch nicht ablehnend sich gegen letztere äußern, da sie nicht gegen die evangelische Lehre sei.
L. Siaakuian» in Leipzig erschienenen Roman von Friedrich Spiel- Hagen, urtteilt Karl v. Per fall, der geistvolle Kritiker der „Köln. Zig.", u. 81.: „Der seltsam klingende Titel ist ein Ausdruck Jean Pauls zur Bezeichiiung solcher Dulder, denen es nicht gegeben ist, ihr Leid mitfühlenden Seelen klagen zu dürfen. Der Roman flieht einen psychologisch-sittlichen Konflikt, er ist kein politisirender Zeitroman. Allerdings begegneil wir auch hier der Gewohnheit spiel- hagciis, Adelige nnd Bürgerliche gegenüberzustellen, aber von einer stark in die Karikatur gehenden Generalin abgesehen, geht der Dichter diesmal sehr glimpflich niit den Blanblütigeu nm. An Stelle des bürgerlichen Helden, der alle Damen in sich verliebt macht, ist es diesmal eine bürgerliche Heldin, die allen Männern das Herz warm macht. Eleonore Ritter war bisher Gouvernante bei einem englischen Lord. Vor Bewerbung um eine neue Stelle ruht sie sich mit ihren Ersparnissen in Norderney aus. Während sie aus der Däne malt, niacht sie die Bekanntschaft des Gutsbesitzers Herrn v. Randow, der sie vor einem berannahenden Unwetter warnt, ihr sein Geleit anbietet und, da das drohende Unwetter sehr heftig losbricht, mit großen Schwierigkeiten sie beschützt, und nach ihrer Wohnung bringt. Herr v. lliandow, eilt Mann von geistigen Ansprüchen, ist mit einer etwas nüchternen, wenig gebildeten Dame bisher ganz zufrieden verheirathet gewesen und Vater mehrerer Kinder. Unter diesen Umständen ist die gar so rasch entbrennende Leidenschaft Randows dem denkenden Leser zunächst unbequem, zweifelhaft. Ei» tüchtiger Mann solcher Lebensverhültnisse tritt an ein schönes Mädchen doch mit anderen Stiminuiigen heran als ein warmblütiger Jüngling, und wenn er selbst eine lebhaftere Regung verspürt, giebt er sich ihr nicht von Anfang an in so unvorsichtigem und bei ihm charakterschwach erscheinendem Gefiihlsspiele hin. Ist man über diese Voraussetzung hinweggekommen, dann gewähren die hochpoetischen Züge, mit denen der Dichter die von verhaltener Leidenschaft durchzitterteu Beziehungen der beiden für einander geschaffen scheinenden und nur durch die Schuld einander erreichbaren Menschenkinder schildert, einen großen künstlerischen Genuß. Skachdem die Leidenschaft sich schließlich doch in einer Kußscene Lust gemacht, retten sich beide vor einander durch die Abreise. Eleonore lernt int Eisenbahnwagen einen jungen Grasen kennen, der später, als sie in Berlin bei ihrer Tante wohnt, um ihre Hand anhält, aber freundlich ab- gewiesen wird. Die Tante hält ein Pensionat für ausländische Herren, und romantische Beziehuugen knüpfen sich zwischen Eleonore und einem russischen Nihilisten. Diese tritt als Gesellfchasterin bei einer Generalin ein, und zu spät erfährt sie, daß deren Gut, wohin man alsbald abreist, sowohl den Güler» des abgewiesene» Grafen wie denen des Herrn v. lliandow benachbart sei. Die beiden Liebenden werden immer wieder zu schweren Kämpfen einnnber näher gebracht. Frau v. Randow leidet schwer unter Vernachläfsigung ihres Gatten und erführt schließlich die Ursache. Es kommt zu einer Scene, in der sie Eleonore anfleht, ihr den Gatten zn schenken. Endlich nimmt sie die Hand des immer noch um sie werbenden Grasen Guido an. Sie zieht sich erst eine Weile nach Berlin zurück zur Tante und will dann zu ihrer künftigen Schwiegermutter, einer edel» alten Dame, reifen. Unterwegs trifft sie in einem überfüllten Gasthofe wieder mit Randow zusammen. Sie übernachten — Zimmer an Zimmer. Am anderen Morgen ertränkt sich Eleonore im nahen See, und Ulrich v. Randow folgt ihr. Reich an seinen seelischen Zügen und an packenden Scenen, durch echt dichterische Anschauungsweise die Empfindung berührend, entrollt sich vor uns mit neuem Reize das romantische Thema von der allgewaltigen Leidenschaft, die am unüberwindlichen Hinderniß tragisch scheitern muß, vom Verhänginß zweier Menschen, denen eine zufällige Begegnung zum Schicksal wird. Der Roman gehört zu den werthvollsten Schöpfungen des Dichters, weil er ein reines Kunstwerk ist."
* Gin sonderbarer Zug zu wohtthättgr» Zwecken erregte am letzten Sonnabend in Rom Aufsehen. Die Stndenten, unterstützt von den Einjährig-Freiwilligen, welche General Pellonx zur Theilnahme an dem originellen Unternehiuen zur Einsammlnng freiwilliger Gaben für die Dom Erdbeben Betroffenen beordert hatte, zogen im Verein mit Süiiftleru und Waisenkinder» aus Militärwagen durch die Straßen der ewigen Stadt, um Gaben aller Art zu erbitten und entgegenzunehmeu. Um 10 Uhr Vormittags brach der Wohl- thätigkeitszng von Macao auf. Acht Artilleristen zu Pferde eröffneten den von Polizisten eskortirleu Zug. Ans drei großen, mit Fahnen geschmückten Karren hatten Studenten aller Fakultäten, Akademiker und die Kapelle der Karabinieri-Schule Platz genommen. Dann folgte ein Monumentalwagen mit einer vom Bildhauer Ettore Xinienes in aller Eile modellirten Gruppe, die ein eingestürztes Haus darstellt, aus dessen Trümmern ein Soldat eine Mutter hervorzieht, die ihr gleichfalls gerettetes Kind an die Brust drückt und zu
der tröstend und Hülse spendend eine barmherzige Schwester sich her- niederbeugt. Auf einem weiteren Wagen war die Stadtinnsik unter» »cbracht, dann folgte eine Reihe von Karren zur Aufnahme der Gaben. Watseiiktnder, welche durch ihre Tracht aufsielen, wie die Studenteir mit buntfarbigen Müyen suchten durch eine allerdings nicht sehr harmonische Trompeteiimusik die Aufmerksamkeit zu erregen und den Eifer der Geber, der ohnehin nichts zu wünschen ließ, noch zu erhöhen. Aus der Piazza Termini angelangt, theilte sich der ftug in Einzelgruppen, welche bis spät hin die verschiedenen Quartiere der Stadt durchzogen. Der Zweck des ebenso eigenartigen wie humanen Unternehmens wurde vollkommen erreicht, beim Alte und Junge Vornehiue tinb Geringe, Reiche unb miiiber Bemittelte beeilten sich' ihre Speuben darzubringeu: in vielen Fällen gaben Frauen den Lchninck, beu sie gernbe trugen, währenb Kinder ihre Sparbüchsen !"rten. Aus den Fenstern regnete es Couverts mit Banknoten, kleine Päckchen mit hartem Geld, Ballen mit Wäsche und Kleibuitgs- ttucken k. Die Fiakerkntscher unterbrachen die jeweilige Fahrt, um deren Erlös beizusteuern, unb bie kleinen Straßeuverkäuser opferten willig von ihrem schmalen Verdienst einige Soldi, König Humbert und bie Königin ließe» dem Bilbhaner Ximcues, als derselbe mit bem Comitöivagen vor bem Qnirinal erschien, bnrch einen Fliigel- nbjutüiiten 5000 Lire aushänbigen. Auch bie Minister unb die Mitglieder des diplouiatischen Corps habe» reichlich beigesteuert, ebenso zeichneten sich bie Klöster durch namhafte Gaben aus Man spendete, so viel man eben verinochte, Niemand aber wollte fehlen bei dieser caritä pubblica.
Ans Stadt und Zand.
Wiesbaden, 6. Januar.
— Zur Erinnerung. Am 6. Januar 1821 fand der Kongreß zu Laibach statt, eine Zusammenkunft der Fürsten, welche den sogenannten heiligen Bund" geschlossen hatten, um dg. Dieses Metternich nurgefteUte Ziel in allen Ländern zu erreichen.de jede Ziel bestand m letzter Linie darin, nicht nur im eigenen Lach dahin zu wirken, daß in allen anderen Ländern jede derartige Regung durch Einkerkerung und Hinrichtung unterdrückt werde. ' lieber eilt Jahrzehnt stand Europa unter bem Einfluß biefer „heiligen Allicenz". Erhaltung des bestehenben Zustandes ober Rückführung des alten, b. h. den künstlichen Stillstaub ber rastlos vorwärts strebenden Zeil sollte dieser Lund bewirken; aber das Bemühen war auf die Dauer natürlich vergeblich, unb alle Kongresse,bie sich in großer Zahl folgten, vermochten nicht bie Jbeeit einer neuen Zeit zu vernichten, — Vor siiiifJahren, am 7. Ja n >i a r 1890, starb Kaiserin Augusta, die Geniahliii Kaiser Wilhelm I., eine der edelsten und synipatbischesten Fraiieiigestalleu unter den Fürstinnen aller Zeiten. Die Hohe Frau, welche auf bem Gebiete ber hohen Politik nur wenig hervorgetreten ist, aber stets beulsch bachtc und kühlte, insbesondere mit bem regsten Interesse uifb wärmster Theilnahme bas Kriegsbrama von 1870/71 verfolgte, war hochgebilbet unb in Kunst unb Wissenschaft wohl erfahren, benen sie beftäubig ihre volle Aufmerksamkeit zuweubete. Sie erachtete es aber als ihren bejonberen Beruf, auf bem Gebiete ber Wohlthätigkeit, ber Krankenpflege, der Schule tbätig unb anregend zu wirken, und sie selbst ist wiederholt organisatorisch auf diesen Feldern des Friedens hervorgetreten. Das Andenken ber eblen, hochherzigen Frau unb Fürstin wird vom deutschen Volke stets in Ehren gehalten werden.
— Drei Königotag. Und es kamen bie Weisen aus bem Morgenlanbe, um dem neugeborenen König ber Silben ihre Ehrfurcht zu bezeugen. Die Erinnerung an ben Tag, an welchen» der Stern über ber Hütte in Bethlehem hielt, wird noch heute in christlichen Lauben gefeieit, vorzüglich aber ttt katholischen Geaenben, wo er von ganz anberer und viel wichtigerer Bebeutnng ist, als für bie protestantische Bevölkerung; so wirb er heute noch im ©üben als Epiphaniastag mit großem religiösen Prunk gefeiert. Mit bem Einzüge der heiligen drei Könige beginnt aber andererseits auch bie Zeit der Freude unb ungebundenen Karuevalslust; ba erklingen Zither unb Geigen, ba wird der Hypochonder fidel und die Zurückhaltung dreist, ber Kranke scheint zu gdunben in ber Atmosphäre prickelnder Faschingslust, und ber echte Rheinläuber wird eher eine Zeit lang batben unb Noth leiden, als das geliebte Karnevalstreibeu meiden. Im Norden unseres Vaterlandes, im nüchternen, rnhi(vn Rn-d- deutschlaiid, kennt man kaum etwas von Maskentreiben und Maskenscherz, von ber tollen, närrischen, sinn- unb herzverwirrenben Zeit ber Faschingstage. Maskenbälle fiub dort kaum bekannt, unb wenn es solche giebt so ähneln sie eigentlich mehr einem Kostümfest in ber Familie, ans bem sich trotz ber Vermummung Alles kennt, Rang- inib Stanbesunterschiebe ebenso scharf beachtet werden, wie bei dein roiirbigfleu Ceremonienball, unb die Mädchen kaum zu sprechen wagen, weil sie sich nicht verrathen wolle», ober weil ihnen überhaupt der harmlose, sprudelnde, überschäumende Karnevalsgcist fehlt. Wie gesagt, so ist es im nüchterne», ruhigen Norddeutschlaiib. Wir hier haben aber durchaus nicht nöthig, nüchtern unb ruhig zu sein. Nüchtern hier am Rhein, inmitten ber herrlichsten Weinlagen; das wäre Etwas! Unb bann gar ruhig, wenn es prickelnb unb schäumend von ben Füßen zum Kops unb vom Kopf luteber in bie Füße zuckt, wobei naturgemäß das arme Herz hoppelt in Thätigkeit gesetzt wirb! Das ist aber nicht zu vermeiden, unb gar so schlimm ist da» schließlich auch nicht; ba werden uns unsere jungen Damen und jungen Herren und ebenso auch wohl die lieblichen Backfischlein gnädigst Recht geben. Bei uns ist es eben einfach ander», als ba unten im nebelgrauen „Nordischen"; und das ist gut so. — In einer Volkssitte, bie wir am Dreikönigstag überall in Deutschland fanden, steckt wohl noch ein Stück Erinnerung an den Zug ber heiligen drei Könige am 6. Januar pflegen Kinder in phantastischem Aufputz, als richtige Morgeuläuder mit geschwärzten Gesichtern, mit Brumminstruinenten, einer'Art Waldteufel, und mit Krone und Stern in den Häusern herum- znziehen unb allerlei Sprüchlein herzusagen, wofür sie bann wohl mit kleinen Geschenken belohnt werben; statt Kronen unb Stern haben die Kinder auch manchmal bereits Schellenkappe und Peitsche, und unter diesen Zeichen beginnt dann bei uns die fröhliche Zeit ber Faschiiigsfreuben; Prinz Karneval, ber tolle, närrische Gast, hält seinen Einzug bei Groß unb Klein, in Stadt unb Dorf an den Ufern bes schönen Rheins. Vom heiligen Köln, welches sich rühmt, in feinen Mauern die Gebeine ber heiligen brei Könige zu bewahren, bis hinauf in das schöne Schwabenlaub schwingt Seine Tollheit sein närrisches Scepter, unb willig beugt sich Alle» vor feiner Macht; vor ihm schwinbe» Rang- unb Stanbesunterschiebe, fein Wille nur gilt, unb wo die Lust am tollsten schäumt, wo ber Jubel am lautesten braust, wo Humor und Narrheit schellenrasselnb unb peitschenknallend ben Höhepunkt erklommen haben, da ist auch Seine närrische Hoheit zu»
