Wiesbadener Tagblatt (Worsea Ansgaae).
KM-88. S». 194.
87. April 1894.
zweiter Schriftführer und ein weiterer Beisitzer gewählt. Bei der Neuwahl des Vorstandes sind neu« refp. wiedergcwählt worden btt Herren A.Kroll- mann, 1. Vorsitzender, A. Stamm, 2. Vorsitzender, K. Heylmann, 1. Schriftführer, O. Seeger, 2. Schriftführer, A. Forst Kassirer, A. Zimmer, Oekonom, G. Nölker, O. Faust und H. Stahl, Beisitzer, F. Dey, Fahnenträger. Aus der weiteren Verhandlung wäre noch hervorzuheben, daß der Verein am 1. Psingstfeirrtage ein Konzert ra Bad Nauheim veranstaltet, und daß das diesjährige Waldfest am 25. Mai am Abhange Unter den Eichen stattftndet. Bevor der Vorsitzende Herr A. Krollmann die Versammlung schloß, ersuchte er die Mitglieder, auch in diesem Jahre treu zu der Fahne zu halten, indem er an das verdtcnstvolle Wirken des dirigirenden Herrn Lehrers W. Geis erinnerte, und brachte auf die fernere gedeihliche Entwickelung der „Cäcilia" ein dreifaches Hoch aus, welche» begeistert ausgenommen wurde.
Stimme» a«s dem Publikum.
fltot Veröffentlichungen unter dieser Ueberschrift übernimmt bte Redamon reineriet Verantwortung.)
* Die Reichspostverwaltung und Wiesbaden. Seit Jahren bemühen sich Geschäftshäuser in Wiesbaden und im Rheingau um Zulassung von Fernsprechaesprächen zwischen Mannheim eüterseits und Wiesbaden und Rheinqau anderseits. Unseres Wissens hat auch die Handelskammer Wiesbaden wiederholt, aber stets vergeblich, dte Wunsche dieser Häuser vertreten, die umso berechtigter waren, als eme Zett lang der Fernsprechverkehr Wiesbaden-Mannheim bestanden. Nun lesen wir in der Köln. Zeitung" vom 25. April, daß seit dem 20. April ein Fernsprechverkehr Bingen-Mannheim eingeführt ist. Man mutz demgegenüber wirklich fragen: Soll denn die Stadt Wiesbaden und der Rheingau immer dem benachbarten Hessen nachstehen? Die Reichspüstverwaltung dürfte doch Veranlassung haben, auch nur den Schein einer Anrucksetzung preußischer Landestheile zu vermeiden._________ *•
?? Oestrich, 26. April. Die gestrige Wein Versteigerung des Herrn C. I. B. Steinheimer batte folgendes Resiiltat: Angeboten 6/2 St. 1889r, genehmigt 1/2 St. zu 1600 Mk., angeboten 4/2 St. 1890r, genehmigt 4/2 St. zu 3770 Mit. oder 1 St. zu 1883 SDif., angeboten 26/2 St. 1892r, genehmigt 17/2 St. zu 16,080 Mk. oder 1 St. zu 1892 Mk., zusammen 22'2 St zu 21,450 Mk. Die Preise verstehen sich mit Faß und nach deren Inhalt. — Au der König!. Lehranstalt zu Geisenheim wird soeben unter Leitung des Herrn Dr. Wortinann ein Hefekursus abgehalten, an dem sich 16 Herren betheiligen. Nach Pfingsten ivird cin mchrwochent- licher Analysenkursus unter Leitung des Herrn Dr. Kulffch abgehalten werden Diesem folgt ein achttägiger Reblauskursus, geleitet von den Herren Dr. Christ und Fachlehrer Zweifler.
Deutsches Reich.
♦ ßnltn, 26. April. Das Gerücht, daß für den MonatMai dreißig Generale und eine sehr starke Zahl von Stabsoffizieren pensiomrt würden, um an der Verjüngung der Armee stetig weiter zu arbeiten, ist, wie das B T " erfährt unrichtig. Es haben allerdings einige (Nenerokteutenants und Brigadekommandeure den Abschied eingcreicht. Die bin den letzten Zabrcn zahlreicher gewordenen Frühjahrsverabschiednngen hangen aber mit dem veränderten Zeitpunkt des RcuerscheinenS der Rangliste zusammen, damit der Stand an Offizieren bis nach den Manövern sich möglichst wenig ändere. Die diesjährige Rangliste wird zwar nut dem Stande vom 20 Mai abschlicßen, allein hierfür sind diesmal nicht die oben erwähnten Verabschiedungen bestimmend, vielmehr die Aufnahme des wurttembergischen Osfizierkorps (13. Armeekorps) in die preußische Rangliste.
' * 3um Duell Kiderlen-Polstorst wissen dte Leipziger „Reuest. Nachricht." folgende Einzelheiten nachträglich zu erzählen: „Zwischen der Publikation des ersten Polstorffschen Brieses und der Forderung verstrichen fast zwei Wochen, während welcher General Spitz rat Einverstandntß mit hohen Herren des Auswärtigen Amtes in bekannter Weise zu tnterventrcn versuchte Erst am 18. Marz ließ Herr v. Kiderlen-Wächter auf einen neuen an eben diesen Vermittler gerichteten, von Beleidigungen strotzenden Brief Polstorffs diesem eine Herausforderung unter allerschwersten Bc- dinaunaen zngehen. Herr Polstorff nahm dieselbe an, erbat sich aber vier Wochen Frist, nicht etwa, „um seine Hintermänner heranzuzichen , wie behauptet worden ist, sondern um den im „Kladderadatsch begonnenen Feldzug zu Ende zu führen. Inzwischen gelang es den Be- mühungen der beiderseitigen Sekundanten - auf Sette
u A Herr Hofmann, der Verleger des „Kladderadatsch , auf der Seite des Herrn v. Kiderlen-Wächter ein Adiutant einer sehr hohen Persönlichkeit —, eine Milderung der ursprünglichen, geradezu un« erhörten Bedingungen zu erzielen. Man einigte sich auf 10 Schritte Distanz und fünfmaligen Kngelwechsel. Zum RendezvonAlatz wurde das Terrain des Grünewalds in der Nähe des Spandauer Bockes bestimmt. Ans den Unterhandlungen ging ferner deutlichst hervor, daß der Geh. Lea -Rath in feiner Spezialeigenschaft als Landwehroffizier sich beleidigt fühle bezw. Genugthuung verlange. Am 18. April Früh gegen 5 Uhr fand alsdann in Gegenwart dreier Aertte und eines Krankenträger» der Zweikampf statt. Im dritten Gang erhielt Polstorff, dem das Hochhalten der Mtole vor dem Kommando „Eins!" Beschwerden verursachte, unmittelbar nach dem Kommando „Zwei!" einen Schub unter den rechten Arm der unter Zerstörung größerer Blntgesaße seitlich unter das Schulte^ blatt drang und die Spitze der Lunge verletzte. Polstorff brach sofort zusammen, der Blutstrom, der aus der Wunde und dem Munde des Ge- Iroffemn quoll, ließ das Schlimmste befürchten, so daß Herr v Kiderlen- Wächter bereits den Versuch machte, dem anscheinend verscheidenden Gegner noch die Hand zur Versöhnung zu reichen. Dcr Kunst des erster> AMenten der Bergmanuschen Klinik, Dr. Sch., gelang er ledoch alsbald, die Blutung
so weit zu stillen, datz man den . Verletzten in die Königliche^ Kttink verbringen konnte, wo er noch jetzt liegt. S«n Befinden hat fich nicht verschlimmert, aber auch nfibt merklich gebessert, da bk Kngel nod) nicht aus dem Körper entfernt werden konnte; dagegen blieb btt gefürchtete Entzündung der verletzten Lunge erfreulicher Weise bis jetzt.aus. Eine Gefahr für das Leben, oder zum Mindesten eme fchwere Schädigung der Gesundheit des in den vierziger Jahren stehenden Manne» erscheint leider nicht ausgeschlossen." _______
Ausland.
* Frankreich. Mehrere Blätter melden, der wegen Spionage in Marseille Verhaftete, der sich für einen deutschen Offizier au» Bitsch ausgegeben habe, sei bisher noch nicht tn Freiheit gesetzt. Die Untersuchung dauere fort.
* Großbritannien. Das Unterhaus hat vorgestern mit 281 gegen 194 Stimmen in 2. Lesung die Bill, betreffend Einführung des Achtstundentags in Bergwerken, angenommen. Die umontstischen Blätter begrüßen die Annahme des Achtstundentags vor dem 1. Mai als geeignet, England große Unruhen zu ersparen, ohne datz die Produktion verringert werde.
Ans Kunst und Keder».
* Prinresstn Therese, die einziqe Tochter des bayrischen Regenten, hat in Osteuropa, in Nord- und Südamerika weitere nnd auch wissenschaftlich ergiebigere Reifen unternommen, als sie wenigstens in Deutschland für Damen von solch hohem Stande üblich sind. Ihre Aufnahme unter die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften verdankt die Prm- zessin den über ihre Reffen veröffentlichten Büchern. Neuerdings ,st die höbe Dame mit der Ausstellung ihrer Sammlungen vorgegangen, die zwei Säle des alten Münchener Rathhauses füllen, und wenn sie auch mit verhciltnißmäßig geringen Mitteln und keineswegs nach einheitlichen Gesichtspunkten znsammengebracht wurden, dennoch eine reiche ?yuUe ethnographisch nnd naturwissenschaftlich interessanten Materials enthalten.
* Me Kchack-Gallerie bleibt in München. Kaiser Wilhelm hat zufolge einer im Rathhause eingelangten Nachricht beschlossen, daß die Schackschc Gemäldegallerie in ihrem bisherigen Heim an der Bnennerstraße in München zu verbleiben habe. Gestern Vormittag versammelte sich beide städtische Kollegien in einer Kumulativfitzung, um diese für München so erfreuliche Nachricht in offizieller Weise entgegenzunehmen. — Das Magistrats- und Gemeindekollegium in München beschloß in feierlicher ge- meinfchaftticher Sitzung einstimmig, eine gemeinsame Deputation nach Berlin zu senden, um dem Kaiser den Dank der Stadt München ans- zusprcchen und mitzutheilen, daß in der Gallerie des Grafen Schack eine Marmortasel angebracht wird, auf der das Telegramm, inhaltlich dessen der Kaiser die Sammlung der Stadt München überläßt, verewigt wird.
* Goethe« „Merthrrv Leiden" sind unlängst in der japanischen belletristischen Wochenschrift „Shigarami Zoshl' in klassischerUeber- fetzuna aus der Feder des Professors Mori erschienen. Das Werk hat in den lilterarischen Kreisen Japans ungeheures Aufsehen erregt und groben Absatz gefunden. ,
Kleine Chronik.
Der vor einiger Zeit von dem Polhtechniker Rodriguez, dem Sohne des Präsidenten von Nicaragua, durch einen Dolchstich schwer verwundete Aktuar Mathes in Karlsruhe, ist gestorben.
Daß der Berliner Witz den Doweschen Panzer bereit»„friw tifizirt", darf nicht überraschen, da er den Ereignissen ja stets dicht aus dem Fuße zu folgen pflegt. So wird jetzt folgende Scherzfrage kolportirt: Ihren Ueberrock haben Sie wohl von Dome machen lassen?" — „Warum denn?" — „Nun, er sieht so v erfch offen aus."
Die zehnjährige Erzherzogin Elisabeth, die Tochter weiland des Kronprinzen Rudolph von Oesterreich, hat dem Papste eine von ihr angefertigte wollene Schärpe als Geschenk übersendet. Ueberbringer dieses Geschenkes war der Religionslehrer der Erzherzogin, Hofkaplan Dr" Ji'?dem° Centrumsblatte „Köln. VolkSztg." findet sich folgendes Inserat: „Ein Cent rum S-Red alt cur, in den erbittertsten Kämpfen stehend, beabsichttgt seinen aufreibenden Beruf auszugeben und ein Geschäft, am liebsten ein Pianino- und Harmonium-Magazin zu gründen. Erbittet daher Parteigenossen nm freundliche Rathschlage, betreffend Anlage eines Geschäftes an einem geeigneten Orte. Gefl. Fr.- Offerten unter E. V. 1605 an die Geschäftsstelle der „Kölnischen VolkS- ^'^Zn München erstickten Nachts beim Aborträumen in der Zenetti- straße d r e i A r b e i t e r. Die Polizei wurde zur Hülfelcistmig reqmrirt.
In Eichstctten bei Freiburg i. B. ist Nachts das der Wtktwe Denz- effen gehörige Wohnhaus nebst Scheune abgebrannt. Die Besitzerin selbst ist in den Flammen umaekommen. x „
Eine alte Zigeunerin, Friederike Herrmann, genannt „Mutter Strauß", ist am 16. d. M. im Alter von 102 Jahren 2 Monaten und 15 Tagen zu Unter-Lindow (Kreis Lebus) gestorben. Sie war nach ihren eigenen Angaben zu Stechhanpt bei Rathenow am 1. Februar 1792 geboren, zog nach Zigeuner Weise von Ort zu Ort und ist seit ettva 80Jahren in Unter-Lindow atffäsfig gewesen. Sie war nurwntigeWochen I bettlägerig, sonst immer verhältnißmäßig geistig und körperlich ffffch.
Die Wittwe Boulanger- hat in der Um Wend von Tum« em kleines Befttzchmn, .Lee Pierrettes* genannt, kairflich erworben. Die schwergeprüfte Frau beaWchtigt, dort ,hr Leben zu beMrehen.
