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11. April 1894.

Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ansgabri

OE-S6. Ha. 18V.

Aschen, al!» ns

Schöpfer

der

Arabesken

helfend und unterstützend einzugreifen. Dies zu sagen, hatte ich M ständischer Beamter keine Ermächtigung und auch kein Recht, solch« jß allerdings von anderer Seite gesagt worden."

viel kunstvoller Zierrath angebracht. *- ucr Aravrsken, Satyrn, Bacchanten, der BilMu b. Werth, der Hofschreiner Christoph, der Z«nw - mns Klebboff und der Hofkeller Johann ML der That Kunstwerke geschaffen haben. Aber die thienswe

den Stämmen cinsammeln. Bequemer findest Du es auch wohl in kleinen Perlen, in gröberen Tropfen, oder in unregelmäßig gestalteten Stücken auf Lern Boden umhcrliegen. Dieses Harz, 500 Gr., das Du auch unter dem Rarneu „Kolophonium" in gereinigtem Zustande in den Droguengeschäftcn unb für gutes Geld in der Apotheke käuflich erwerben kannst, laß in einem Topfe über schwachem Feuer ganz flüssig werden, und gieß« alsdann unter fortwährendem Umrühren 200 Gramm Weingeist hinzu. Um etwaige Unreinigkeiten, wie Sandkörnchcn, Rindentheilchen, Woosfasern u. s. w., die dem gesammelten Harze angehaftet haben, zu be­seitigen, kannst Du die zähe Flüssigkeit durch Lcinewand seihen, und Du hast dann nach dem Erkalten bereit» ein Baumwachs, wie Du es zur Be­deckung von Wunden an Bäumen oder bei Veredlungen gebrauchst. Sollte es bei kalter Witterung zu zähe sein, so hast Du nur nöthig, bei der Zu­bereitung zugleich mit dem Weingeist einen Löffel voll Schmalz zuzufügen oder in Ermangelung desselben einen halben Löffel Baumöl zuzusetzen. Beim Gebrauch im Sommer könnte sich das Baumwachs zu weich erweisen, alsdann fetze dem fertigen Baumwachs festes Harzpulver oder etwas Pech zu, und dem Uebelstand wird abgeholfen sein."

— Unfall. Gestern Vormittag ist dem städtischen Taglöhner Heinrich Euler von hier bei dem Abladen von Steinen in der Nähe der „Beau- Site" der kleine Finger der linken Hand derart gequetscht worden, daß der Verletzte in das städtische Krankenhaus ausgenommen werden mußte.

* Durch einen schlechten Witz mittelst einer Postkarte find so­wohl der Postbehörde als der Berliner Polizei Umstände gemacht Morien Vor einiger Zeit lief dort eine mit dem Poststempel „Abbazzia" oeisetM Postkarte ein, welche die Adresse „Herrn L. Friedländer, Berlin" trug- Der Text der Karte lautete folgendermaßen: „Ich bin beauftragt, Ihm" Namens Sr. Mas. des Kaisers Allerhöchstdessclben aufrichtigste Gm- wünsche zum bevorstehenden Passah-Feste zu übermitteln. Indem ich wi« dieses Auftrages hierdurch entledige, zeichne ich mit Hochachtung v. SdM Hofmarschall." Natürlich konnte die Bestellung wegen der unvollkommen!« Ädressirung nicht erfolgen, die Karte wurde dem Meldeamt überwiese» Die Polizei ist jetzt bemüht, sowohl den Absender, wie auch den Adressat!« der Karte ausfindig zu machen.

* Der Fatzriese im Heidelberger Schlosse verdient es, daß ibs zu Gunsten die hier und da aufgctauchre Behauptung, in Paris sei jung« ein weit größeres Faß von 850 Hektoliter Rauminhalt fertiggestellt Word!«, zurückgewiesen werde. Nimmermehr wird dieses „Kunstwerk deutsch« Denkens" von einem französischen Nebenbuhler geschlagen. Das am Kurfürsten Karl Theodor von derPfalz getreu den Ueberlieferunycn sew« Hauses, das seit 1591 immer darauf hielt, im Heidelberger Schloß M« größte Faß der Welt zu beherbergen, im Jahre 1751 erbaute RiesenW welches noch heute den Schloßkeller der Neckarstadt ziert, kann nicht wenP als 283,200 Flaschen oder 2370 Hektoliter aufnehmen; das ist gerade da« Dreifache des Inhalts, dessen das Pariser Faß sich rühmen bart M« Heidelberger Faß bat übrigens, wie die „Köln. Ztg." schreibt, drei gänqer an derselben Stelle gehabt. Der erste aus Veranlass«"! Johann Kasimirs 1591 erbaute Faßkönig enthielt 158,000 Triilkstasv" Den Riesenlcib umgürtetcn 24 eiserne Reifen, die die Kleinigkeit w 122 Gentnern wogen. Als der Herzog von Neuburg in Heidelberg der Kurpfalz die Erdverbrüderung bekräftigte, ließ der Kurfürst nl«« damals leerstehende Faß die Trompeter und Pauker setzen und hielt auf der Gallerie Tafel. Die Wirkung des nagenden Zahne« bet 3«”’.' anlaßte den Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, im Jahre l™t. neues Werk anfertigen zu lassen. Da» barg 283,000 Flaschen, als» " 200 weniger, als da» heutige Heidelberger Faß. An seinen und Rändern war viel kunstvoller Zierrath angebracht.

Stimmen an« dem

lFür Veröffentlichungen unter dieser Ueberschrist übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)

* Seit einigen Tagen finden nicht nur die Nachmittagskonzerte, son­dern auch die Abendkonzerte unseres städtischen Kurorchesters im Freien statt. So anerkennenswerth das Bestreben der Löbl. Kur- Direktion ist, den Genuß der Frühlingsluft dem Publikum zu verschaffen, kann ich doch nicht umhin, hiergegen einige ärztliche Bedenken zu äußern. Die gegenwärtige Jahreszeit ist mit der am Abend stattfindenden Ab­kühlung bei noch feuchtem, nicht ausgetrocknctem Boden die aUcrungünstigste Zeit für einen längeren Gartenaufenthalt. Gerade mit Rücksicht auf die vielen Rheumatismuskranken, die unsere Bäder aufsuchen, würde es sicher­lich mit Freuden begrüßt werden, wenn die Abendkonzerte vorläufig noch nicht im Freien abgehalten werden würden. Ein Arzt.

* Ein gestriges Eingesandt über den Beginn des Schulunter­richts beruft sich auf die vielen Klagen über den frühen Schulanfang im Annoncentheil des Abendblatts vom 7. April. Sollten aber diese 6 oder 7 Stoßseufzer, die dazu alle sehr nach derselben Schablone geprägt auS- sahcn, wirklich die Ansicht eines bedeutenden Bruchthcils der Betheiligtcn darstellen, die möglicher Weise eine so umfassende Aendcrung des Schul­betriebs herbeiführen könnte? Wer sind die Kreise, denen eine Verlegung des Schulbeginns am Herzen liegt? Mittelstand und Arbeiterbevölkerung doch gewiß nicht, denn hier gilt für die Eltern oft ein noch weit früherer äeitpünkt zur Aufnahme der Tagesarbeit. Fast jede spätere Berufs- ätigkeit verlangt von dem jungen Menschen, daß er spätestens nm 7 Uhr antritt. Auch unsere Hochschulen lassen schon viele Kollegien

um diese Stunde beginnen, während das Militär noch ganz andere Anforderungen ans Frühaufstehen stellt. Es kann sich

bei den Neuerern höchstens um jene Kreise, handeln, wo das Spätaussteben zum guten Ton gehört. Da ist es denn freilich lästig, wenn die Kinder schon so viel früher aufstehen, frühstücken und das Haus verlassen müssen. Jedoch auch eine Verlegung des Schulbeginns auf 8 Uhr würde hier nichts helfen, höchstens eine solche auf 10 oder 11 Uhr könnte diesen anomalen Verhältnissen gerecht werden! Aber grade hier ist die heutige Einrichtung überaus segensreich, denn wo jene Zustande herrschen, ist überhaupt die häusliche Erziehungsmethode eine durchaus verkehrte, und da muß man es der Schule nur Dank wissen, wenn sie helfend eingreift und den Kindern die Ordnung in der Zeitverwendung beibringt, die sie von den angeborenen Erziehern, ihren Eltern, nicht lernen können. Ein 8—10-stündiger Schlaf reicht hin für Kinder, und ein solcher kann ihnen unter den jetzigen Verhältnissen bequem gewährt werden. DieGc- sammtheit kann sich nicht nach den Ausnahmen richten, wo Kinder von 9 Jahren schon ihre Abende mit Konzert, Theater unb Kinberbällcn ausfüllen. Bei solcher Erziehungsmethobe freilich würden die Kinder unter allen Umstanden nervös, einerlei," ob sie um 7 ober um 8 Uhr zur Schule gehen. Der jetzige Schulbeginn an sich hat also nicht nur keine hygieinischeu Bedenken, sondern vielmehr Vortheile, ba er bessere Ausnutzung bet Tageszeit, vor Allem längeren Aufenthalt im Freien ermöglicht. Darum ist vom mebiztntschen wie vom päbagogischcn Stanbpunkt au» der Schulverwaltung nur zu danken, wenn sie" beharrt bei dem altbewährten Grundsatz Franklins: fleitia zu Bett und zeitig heraus, macht uns gesund, wohlhabend und

verständig l" Dr. W.

* Dank, vielen Dank den Herren Einsendern, die sich der müden, schlafbedürstigen Kinder annehmen. Wie gern möchten die Stuber Abends noch eine Stunde im Garten spielen, um sich zu erholen, statt dessen müssen sie im heißen Zimmer zu Bett geben, damit wenigstens 9 Stunden Schlaf herauskommen, der aber bei der Hitze, die im Sommer um 8 Uhr Abends noch herrscht keine Erquickung ist. Morgens sind sie müde, un­lustig und appetitlos und sollen von 7 Uhr ab getfttg arbeiten! Dann kommt der Bäcker ober ber Milchmann nicht pünktlich, es ist eine große Unruhe im Hause und Alles um eine Stunde zu frühen Unterrichts.

4- Walia«, 10. April. Von Herrn Wegemeister Genfel (nicht Güntzel) erhalten wir folgende Zuschrift: „In der am 8. b. W. ister statt- aefimdenen Versammlung bezüglich bet Kleinbahn Erben beim-HatterSheim habe ich nicht gesagt, baß ber Herr Lanbesdirektor die Unterstützung de» Komrnunal-Lanbtag's zugefagt unb auch der Kreis bte Pflicht habe,

Reinhard v. Werth, man n Hans Klebboff und ber

müssen in t;: Thal Kunstwerk: gffchnff:.. -------- --------

beit französischer Horben unter MelacS Führung hat vor diesem deutschen Fleißes keine andere Achtung gezeigt, wie vor dem vertu . Denkmal deutscher Baukunst, besten Ruinen jetzt im Schloßgatten zu j berg klagenb unb antlagenb auf den Beschauet hetniebcrsckauea. 35-iähriger Faßlosigkeir erhielt die Schloßtuine im Jahre 1728 »urw Kurfürsten Karl Philipp einen neuen Faßriesen. Er überragte an^na inhalt seine beide Vorgänger nicht nur, sondern auch seinen Aa-m

Deutsches Reich»

* Das yermägen der Stadt Kerlin. Der jetzt beendet, Ab­schluß des Lagerbuches ber Stadtgemeinde Berlin für da» Rechnungsjahr 1892/93 erzielst einen Werth des Grundstücksbefitzes Ende März 1893 von 851,418,259 Mk. gegen 388,340,321 Mk. im Vorjahre, also mehr 13,077,938Ml. An ausstehenden Forderungen, Werthpapieren und Kassenbeständen waren vorhanben 52,690,432 Mk. gegen 47,160,501 Mk. im Vorjahre. Der Werth ber Natural-, Material-, Betriebsbestänbe unb Vorrätbe, sowie der Werth des Mobiliar-Inventar», ber Bibliotheken, Apparate, Sammlungen u.f.to. betrug 134,895,282 Mk. gegen 128,123,720 Mk. im Vorjahre. Da, Ge- sammtvermögen der Stadt einschließlich der Stiftungen stellte fich Ende März 1893 auf 539,003,973 Mk. gegen 513,624,632 Mk. im Vorjahre; dasselbe hat sich also um 25,379,341 Mk. vermehrt. Dem gegenüber steh! eine Schuldenlast von 266,724,749 Mk. am 1. April 1898 gegen 246,603,626 Mk. im Vorjahre, darunter an Stadt-Obligationen und An­leihen von 256,593,650 Mk.; es haben sich also die stadfischen Schulden um 20,121,123 Mk. vermehrt. Das Aktiv-Vermögen ber Stadt war am 1. April 1893 um 272,279,224 Mk. höher als die Schuldenlast der Stadl

Kleine Chronik.

Der Steuereinnehmer Raith in Kirchenlaibach bei Bayreuth hat sich Nachts im Bette erschossen. In seiner Kaste fand sich ein großes Manko. Das Motiv des Selbstmordes ist danach Furcht vor Strafe. Raith unterschlug auch Beträge für von ihm verkaufte Loose, weshalb Anzeige gegen ihn erstattet war. g

Lina Frandin, die bekannte Sängerin, welche bei dem Eisenbahnunfall von Limibo verunglückte, erhielt von der Bahn eine Ent­schädigung von 100,000 Frcs. j

Aus Buenos-Aires, 12. März, wird geschreiben: In den letzte» vierzehn Tagen haben wir es zweimal erlebt, daß ein heftiger Pamvero-Wind (gelbliche Staubwolke) die ganze Stadt mitten m Tage jo verfinsterte, daß man die Gasflammen in den Häusern anzünde» mußte. Dies währte jedes Mal fünf bis zehn Minuten lang, brachte jedoch keinen Regen, sondern nur eine bedeutende Abkühlung der Tempe­ratur. Solche Verfinsterung am Hellen Tage ist eine Seltenheit in 6er „Stadt der guten Lüfte mit dem ewig heitern Himmelsblau".

Vermischtes.