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unb überreichen Kunstleben unierer Stadt diese Aufgabe nur dann mit Erfolg zu bewältigen, wenn alle massgebenden Faktoren vor Beginn der Saison sich über die Termine ihrer Veranstaltungen verständigen und alsdann diese Vereinbarungen strenge innehalten. Das liegt im Interesse Aller.
* Ueber eine interessante sprachliche EigerrtstümlichKett, die an der Saar in der Nähe von Saargemünd herrscht, wird der Atraßb. Post" von einem Mitarbeiter berichtet. In jener Gegend hat Aon drei verschiedene Formen für das Zahlwort zwei, je eine für das männliche, das weibliche und das sächliche Geschlecht. „Der Gebrauch dieser drei Formen für die verschiedenen Geschlechter ist so in Fleisch und Blut übergegangen, daß selbst bei Kindern eine Verwechselung nie vor- lommt. IN der Gegend von Saargemünd habe ich seiner Zeit einmal einem Buben von etwa fünf Jahren zwei Aepfel vorgelegt und ihn gefragt, was das sei. Der Kleine antwortete, ohne zu zögern: „zween Ebbe!". Ich zeigte ihm dann zwei Gabeln und stellte dieselbe Frage: „das sinn SM Gaweln" war die rasche Antwort. Als ich dann zwei Messer zur and nahm, sagte der kleine Bursche sofort, ohne meine Frage abzuwarten, M sinn zwei Mässcre". Ich habe, weil mir die Sache Vergnügen machte, öfters solche Fragen gestellt und die Leute im Gespräche beobachtet. Nie bat man das Geschlecht verwechselt. Die Leute sagen regelmäßig „zween Männer", „zwo Franc" und „zwei Situier" und werben vielleicht in hundert Jahren noch ebenso sagen."
* Napoleon als Tsteaterkritiker. In diesem Augenblick, in welchem Napoleon in dem Zugstück des Lessing-Theaters „Madame Sans- Göne" sich den Berlinern auf den Brettern präsentirt, kommt, so schreibt Has „Berl. Tagebl.", ein neuanfgefundener Brief des korsischen Imperators ganz gelegen, um zu zeigen, wie er Theaterkritiken schrieb. Und zwar kritisirte er dabei, wie auch heute nicht ungewöhnlich, das Publikum in einer sehr drastischen Art. Seine „Kritik" ist in dem folgenden Briefe enthalten, den er an seinen Generalstabschef, den Marschall Verthier, Prinzen von Neufchatel, sandte. Sie betrifft das Königsberger Publikum und lautet:
Rambouillet, 7. September 1807.
Mein Vetter! Sie wollen dem Marschall Soult das Ereigniß zur Kenntniß bringen, das eben in Königsberg sich vollzogen hat, wo zwei Schauspieler, die in der Uniform französischer Offiziere auf der Bühne erschienen waren, vom Publikum ausgepfiffen wurden.
Sie wollen dem Marschall Soult mittheileu, daß ich vom König von Preußen Genugthuung für diese Beschimpfung habe verlangen lassen, mit der Forderung, die zwei Hauptschuldigen zu erschießen. Der Marschall Soult wird dem Offizier, dem er sich gegenüber befindet, erklären, wie ungehörig und niedrig diese Beleidigung ist, über die ich mich zu beklagen habe, und daß ich die bestimmtesten Befehle gegeben habe, um Genugthuung zu erhalten.
Wir fügen gleich einen weiter bekannt gewordenen Brief bei, in welchem Napoleon seinem Uebermuth gegen das besiegte Königshaus und seinem kindischen Zorn gegen Frau v. Staöl Ausdruck giebt. Der Brief ist'an Marschall Victor, Gouverneur von Berlin, gerichtet und lautet:
Venedig, 6. Dezember 1807.
Mein Vetter! Ich habe den Brief erhalten, aus dem hervorgeht, daß Prinz August von Preußen sich unpassend in Berlin aufiührt. Tas wundert mich, nicht bei seiner Geistlosigkeit.
Er hat seine Zeit damit zugebracht, Frau von Staöl in Coppäe den Hof zu machen, und konnte daselbst nur mit solchen Grundsätzen erfüllt werden. Man mutz ihm eins versetzen. Lassen Sie ihm sagen, daß bei den ersten anstößigen Reden, die er führen sollte. Sie 'ihn arretiren, in einem Schloß einsperren lassen und ihm Frau von Stabt zusenden werden, damit sie ihn tröste. Es giebt doch nichts so Plattes, wie diese Prinzen von Preußen. Napoleon.
An der Spitze seiner siegreichen Armeen hatte Napoleon es ungemein leicht, solchen „Geist" zu zeigen.
Atems Ghrsmk.
Wegen schwerer Mißhandlung ihres Dienstmädchens wurden in Berlin ein gewisser Cohn zu 4 Monaten Gefängniß und seine mitbetheiligte Tochter zu 600 Mk. Geldbuße verurtheilt.
Zu dem Anschlag gegen den Kaufmann Friedländer in Berlin, durch den vor einiger Zeit ein Sohn Friedländers und eine Erzieherin verletzt wurden, wird nunmehr berichtet, daß ein 17-jähriger Lehrling als wuthmaßlicher Thäter verhaftet worden ist.
Großes Aussehen erregt die Verhaftung des wohlhabenden Gutsbesitzers Johann Mitzinger in Groß-Aupa bei Reichenberg wegen der 1886 stattgefundeiien Ermordung seiner Eltern.
Mit der ganzen Bemannung — 60 Mann — ist nach einem §"Äi'-Telegramm aus New-Dark der Dampfer „Millard", Eigeuthum der Nicaragua-Navigation-Company, an der Stifte von Nicaragua unter« gegangen. ‘
Familie, auf das Peinlichste von dieser Bitte überrascht wurde, gab seinem Neffen zunächst zwölf Monate Bedenkzeit, in der festen Hoffnung, daß inzwischen eine Sinnesänderung erfolgen werde. Als diese ausblieb und bet Prinz nach Ablauf der ihm gestellten Frist seinen Verwandten erklärte, er werde niemals anderen Sinnes werden, eriheilte der König endlich schwere» Herzens die erbetene Erlaubniß, aber unter der ausdrücklichen Bedingung, daß Prinz Max niemals einem Orden beitrete. Der Prinz hält sich zur Zeit bekanntlich in Eichstätt auf; seine Verwandten, die sein Vorhaben, wie bemerkt, durchaus mißbilligen, hatten sich indessen der Hoffnung hin- gegeben, daß es dem Einfluß des Bischofs v. Leonrod gelingen werde, ihn noch in zwölfter Stunde von dessen Ausführung abzubringen. Auch diese letzte Hoffnung hat inzwischen aufgegeben werden müssen. Prinz Max hat an den Papst geschrieben und seinen unabänderlichen Wunsch ausgesprochen, die priesterlichen Gelübde abzulegen, woraus dieser in seinem Antwortschreiben seine hohe Freude und Befriedigung zu erkennen gegeben und den Prinzen gleichzeitig zu seinem neuen Berufe auf das Wärmste beglückwünscht hat, sodaß die königliche Familie sich außer Stande sieht, einer Verwirklichung der Absichten des letzteren noch irgendwie weiter beeinflussend entgegenzutreten.
* Nostne Zanbsnreißer, die als 10-jähriges Mädchen Augenzeugin von der Auffindung des im Gefecht bei Lützen verwundeten Lützowers Theodor Körner gewesen war, ist am Sonntag in Groß- zfchocher im Haufe ihrer Tochter im Alter von 91 Jahren gestorben. Am MvMN des 18. Juni 1813 wurde die Aufmerksamkeit von Leuten, die sich im Walde bei Großzschocher befanden, durch menschliches Stöhnen und das Schnauben eines Pferdes nach einer Stelle im Gehölz gelenkt, an der man bei näherem Nachforschen den verwundeten Dichter fand, der nach feiner Verwundung bis hierher gekommen war. Bei den Leuten, die den Verwundeten auffanden, aufhoben und zu seiner weiteren Unterbringung behülflich waren, befand sich auch die nunmehr verstorbene Rösinc Haubenreißer. Sie bezog eine jährliche Pension, die ihr vom Kaiser Wilhelm I. ausgesetzt worden war.
* Ehrbegriff des russischen Hauer«. A. Subbotin erzäblt in einem im „Sseweruski Westnik" veröffentlichten Reiseberichte: Ein Bauer wurde für irgend ein Verbrechen aller besonderen Rechte und Vorrechte für verlustig erklärt, wobei ihm dieBedeutung dieser Strafe erklärt wurde. Du kannst nicht Mehr zum Dorfältesten gewählt (der Bauer verbeugt sich), ferner weder als Zeuge vernommen (er verbeugt sich), noch zunt Geschworenen ernannt werden (er verbeugt sich und dankt) und kannst auch nicht als Soldat dem Zaren dienen. Der Bauer verbeugt sich noch tiefer und bittet: „Ew. Wohlgeboren, ginge es nicht an, mich auch von der Steuerpflicht zu befreien?"
* Neues elektrisches submarines Boot. In Toulon soll ein neues submarines Boot in Benützung genommen werden, das vermöge seiner Dimensionen seine beiden Vorgänger „Le Gynmotc" und „Le Goudct" weit hinter sich läßt. Das in Rede stehende Boot, nach seinem kürzlich verstorbenen Erbauer, dem Schiffbaudirektor Gustave, Zsdö benannt, besitzt ein Deplacement von 226 Tonnen und eine Betriebskrajt von 720 Pferdekräften. Der Bewegungsmechanismus beruht auf dem gleichen Prinzip wie beim Whitebeadschen Torpedo, Das Tauchen wird durch die Stellung eines horizontalen Steuerruders erzielt, dessen entsprechend schief gestellte Flächen das in Bewegung befindliche Boot nach unten drücken; steht die Maschine jedoch, so steigt. das Boot sofort wieder auf. Die nöthige Triebkraft wird von elektrischen Akkumulatoren geliefert, welche für ein Unterseeboot den großen Vortheil besitzen, das Gewicht des Schiffes konstant zu erhalten — während bei Betriebsmitteln, wie Dampf, kom- primirte Luft zur Aufrechterhaltung eines gleichbleibenden Gewichtes, besondere komplizirte Einrichtungen nothwendig werden würden. Das Schiff wurde unter der Leitung des Untertugemeine Mangat geprüft und führte zwei Tauchungen mit elf Mann Besatzung in zufriedenstellender Weise aus.
* Me ToUmuth ist in Glasgow bei einer beträchtlichen Zahl von Hunden ausgebrochen. Es giebt dort eine Reihe herrenloser Hunde. Da die Maßregeln gegen dieselben nicht entfernt so streng durchgeführt werden wie in Deutschland, ist die Gefahr für die Menschen, gebissen zu werden, sehr groß. Der städtische Gesundheits-Ausschuß hat nun verordnet, daß alle Hunde Maulkörbe tragen müssen, und verschiedene Preise für das Einfangen herrenloser Hunde ausgesetzt. Leute, welche von tollen Hunden gebissen sind, werden auf Kosten der Stadt nach Paris geschickt, um von Pasteur behandelt zu werden. Bis jetzt sind vier Personen hin- gefanbt worden.
* Der graue Mantel. In einer Ehe hatte längere Zeit der Unfriede geherrscht. Dann vertrugen sich Beide wieder. Da saßen sie, wie' in früheren gemächlichen Zeiten, beim traulichen Scheine der Lampe, und er las ihr aus der Zeitung vor: „Der Kaiser hat sich mit Bismarck aus- , gesöhnt." — „Wie rührend," bemerkt sie, „gerade wie bei uns." — Er las weiter: „Der Kaiser hat ihm einen grauen Mantel geschenkt." — „Stehst' Du, Männchen," tagte sie, „einen grauen Mantel könntest Du mir auch zur Versöhnung schenken i"
Urrmischtes.
* Ern Prinz als Geistlicher. lieber die näheren Umstände, die Pen Prinzen Max von Sachsen zu dem Entschluß geführt haben, fein Leben flent Dienste der katholischen Kirche zu weihen, sind wir, so wird der „Frankf. Zig." geschrieben, auf Grund zuverlässigster Informationen nunmehr tn der Lage, nachstehende Mittheilungen zu machen: Dem Prinzen n-.or ungefähr zwei Jahren ein Buch in die Hände gefallen, dessen -tetture einen solchen Eindruck auf ihn machte, daß er beschloß, den Ver- LaJLe^— ~ncn Benediktinerpater — persönlich aufzusuchen. Dies geschah, und das Ergebniß dieses Besuches war, daß der Prinz den König von sachten um die Erlaubniß bat, sich dem geistlichen Stande widmen zu dürfen. König Albert, der, wie die übrigen Mitglieder der königlichen
Geldmarkt. i
Coursbericht der Frankfurter Effecten - Societät vom 22. Februar, Abends 5‘/s Uhr. — Eredit-Actieu 2973/«, Disconto-Commandit 187.50—70, Lombarden Wjt, Gotthardbcchu- Actien 155.—, Lanrahütte » Säten 124.90—125,' Bochumer 134.—, Gelsenkirchener 148.50, Harpeucr 138,80, 3°/». Portugiesen — —, Schweizer Central 117.70, Schweizer Nordost 108.90, Schweizer. Union 76.50, 6°/o. Mexikaner —, 5>. Italiener 75.50—60, Italien.' Mittelmeer —.—, Italienische Meridian. —, Staatsbann — , Darmstadter —, Dresdener Bank —, Berliner Handelsgesellschaft, —, 4°/o. Ungarn —, Bangne Ottomane —, Türkische Loose- —.—. Tendenz; fest; nur Italiener auf Paris matt.
