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Wiesba-km TsgblÄ.

«1. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis: 6® Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit be­gannen «erden.

Verlag: Laiiggasse 27.

Avonnenten.

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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reclamrn die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg.. für Auswärts 75 Pfg.

Wo. 360.

Donnerstag, de» 30. Uovember

1893.

Abend-Ausgabe

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Deutscher Reichstag.

O Kerlin, 29. November.

Zu der heutigen Sitzung des Reichstages kam Herr v. L c v e tz o w U Eintritt in die Tagesordnung mit kurzen, aber herzlichen juxten auf die gegen des Kaisers Majestät und den Reichskanzler v. Caprivi von Orleans aus unternommenen Attentate zu Iprechc» — wobei der Präsident des Reichstages denselben Sprach- Wsr beging, der als ein Laster des Zeitungsdentjchcn bezeichnet k »erden pflegt, nämlich von dem „Versuch eines Attentats" zu Zechen. Als er Gott dankte, daß dieser Versuch weitere Folgen

Kaiser und Reich nicht gehabt, erhoben sich alle Mitglieder des Msez unter lebhaften Beifallsrufen — uur die Sozialdemokraten

2 fitzen. Auf dem Platze des Frhrn. v. Manteuffel be- dch ein duftender Busch von Marschall Niel-Rosen, die übliche L^urtsiagsspende, die den Mitgliedern des Hauses zu Thei! wird, di?» Freiherr seinen Sitz einnehmen wollte, war, ehe er noch .'Rosen in die Hand nehmen konnte, schon Staatssekretär ' «oetticher zur Stelle, um als Erster den streitbaren Agrarier ^beglückwünschen. Zur Fortsetzung der Etatsdebatte erhielt zu- mr die natioualliberale Fraktion Abg. Möller (Dort- das Wort. Er beleuchtete einig« Jrrthümer des Abg.

Gin soziales Experiment.

Auf die „Freiland"-Theorie soll eine praktische Probe gemacht werden. Ihr Vater ist bekanntlich Dr. Hertzka- Wieu, ein in mittleren Jahren stehender Gelehrter, welcher als entschiedener Gegner der sogen, kapitalistischen Wirth- schaftsordnung ähnlichen Anschauungen huldigt wie die Sozialdemokraten, aber sich von ihnen insofern unterscheidet, als er die sozialdemokratische Theorie der Regelung der Produktion durch die Gesammtheit für falsch hält. Dr. Hertzkas Ideal ist ein wirthschaftliches System, unter dem der Einzelne volle individuelle Freiheit besitzt und als Ergänzung dazu wirkliches Eigenthum. Als Triebfeder zur Arbeit soll in dem „Freiland"-Zirkunftsstaat nicht der Zwang, sondern der Eigennutz dienen, und jedem"Arbeitenden soll bas Erirägniß seiner.Arbeit selP zu gut« kommen. Durch Wort und Schrift hat Dr. Hertzka seit einer Reihe von Jahren für seine Idee Propaganda gemocht, und er hat auch eine Anzahl Anhänger gefunden, die sich in größeren Städten zu freiländischen Ortsgruppen vereinigt haben. In weiteren Kreisen hat man Dr. Hertzka indeß immer nur als ' en Phantasten angesehen, der nicht ernst zu nehmen ist. Um nun den Beweis zu liefern, daß seine Theorie praktisch ausführbar ist, will Dr. Hertzka jetzt den Versuch machen, in den Hochlanden von Centralafrika eine Kolonie nach seinem wirthschaftlichen System zu gründen. Es ist hierzu das ostafrikanische Plateau rund um den Kenia ausersehen, in dessen Gletschergebiet der Tana- Strom entspringt. Die „Freiland"-Expedition will auf Dampfern bis zn dem Tana-Stromschnellcn Vordringen, dort eine Station errichten und dann Kolonnen aussenden, die in der als paradiesisch bezeichneten Gegend die ge­eignetsten Bestedelungsstätten ausfindig machen. Das lateau ist trotz seiner reichen Fruchtbarkeit noch unbewohnt, t es für den Neger dort oben zu kalt ist. Ungefähr

Männer haben sich zu dem Unternehmen zusammen­gefunden, davon ein Drittel mit Kapitalbetheiligung; Ge- e und Angehörige aller Berufsklassen sind unter den ditions-Theilnehmern vertreten, sogar ein österreichischer slnd ein englischer Generalstäbler sind dabei. Mit 50 er- enen Genossen wird in aller Kürze eine Vorexpedition

Hamburg aufbrechen, an deren Spitze Dr. Wilhelm- furt a. M. steht. Dr. Hertzka verkündet, daß die ständische Kolonie in Centralafrika für die ökonomische Befreiung der Kulturvölker von derselben Bedeutung Serben wird wie die Gründung der Vereinigten Staaten

Nordamerika für die politische Wellfteiheit. Das „Frei- «nd" verheiße nicht nur die wirthschaftliche Selbständigkeit "tS Individuums, sondern auch die Besserung und Ver­ölung der Menschen, die in der heutigen bürgerlichen Gesellschaft einen brutalen Vernichtungskainpf gegeneinander Riten. Man wird ja sehen, was bei dem praktischen ’Skriment der „Freiland"-Theoretiker herauskommt.

Iüv Dezember'!

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des in zwei Ausgaben erscheinenden „Wiesbadener Tagblatt" Anzeiger für amtliche und nichtamtliche Bekannt- mschnngen der Stadt Wiesbaden und Umgebung täglich bis zu 1OO Tnartseiten

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Richter über den angeblichen Reichthmn an Mitteln in Preußen, trat dein Einkomiucnsteuerprojckt des Abg. Bebel entgegen und ging dann auf einzelne Kapitel des Etats ein. Mit Wärme befür­wortete er die Mehrforderungen im Kolonialetat. Für den Militär­etat verlangte er eine sorgfältige Prüfung. Angesichts der bedenk­lichen, in dem hannoverschen Prozeß hervorgetrcteuen Symptome forderte er strenges Vorgehen gegen derartige Schäden, sprach aber dem Offizierskorps im Allgemeinen sein Vertrauen ans. Mit Be­dauern bemerkte er, daß die Reform des Militärstrafprozesses noch immer keine Fortschritte mache. Auch beim Marineetat ermahnte er zn strenger Sparsamkeit. Entschieden bemängelte er die Nebernahme von Ausgaben auf die Anleihen, welche dazu ihrer Natur nach nicht geeignet seien. Könne man noch nicht an eine regelmäßige Tilgung der Schuld Heran­gehen, so solle man wenigstens das rapide Weilerwachsen derselben nach Möglichkeit vermeiden. Was den Fehlbetrag im Reiche an­langt, so meinte er, daß derselbe Seitens der Negierung wohl etwas zu hoch beziffert sei, erkannte aber die Nothwendigkeit au, bedeutende neue Mittel zu beschaffen. In seiner eingehenden Kritik der einzelnen Steuerprojekte konstatirte er, daß die Meinungen in der national- liberalen Fraktion über dieselben noch auseinandergehen; er selbst hat namentlich der Tabakfabrikatsteuer gegenüber die lebhastcstcn Bedenken, aber er hoffte, daß in der Kommissionsarbeit eine Ver­ständigung über das eintreten werde, was durchaus zur Befriedigung der Bedürfnisse des Reichs erforderlich sei. — Abg. Haußmann von der süddeutschen Volkspartei erging sich in einer durchweg ab­fälligen Kritik der wichtigsten Etatspositioueti und der Fiuauz- resormvorschläge. Seine Ausfälle gegen das Ossizierkorps ans Anlaß des hannoverschen Prozesses wies General v. Spitz, seine Angriffe auf die Reichsfinauzvmoaltung Finanzminister Miguel zurück. Ter letztere zeigte, daß der Abg. Haußmann den Finauz- resormvorschlag der Regieriing noch garmcht verstanden habe. Mit seinem Vorschläge, den Mehrbedarf des Reiches auf dieMatriknlar- beiträge zu übernehmen, verwies er ihn an den württembergischen Landtag; dort möge er sehen, welchen Empfang er finden werde. Sehr eindringlich eiitwickelte der Minister nochmals die Undurch- fnhrbarkeit einer Reichseinkommensleiler und ermnijute zu gewissen­hafter Prüfung der Regiemngsvorschläge. Ausdrücklich stellte er dabei die Bereitwilligkeit der Regierung in Aussicht, ans Vorschläge zur Vereinfachung der Weinsteuereinzngeheii. — Abg. v. Kardorsf verwahrte den Bund der Landwirthe gegen den Tadel, welchen die Agitation desselben in der „Nordd. Allg. Zlg." erfahr»», und ver­las eine Erklärung der Mitglieder des Bundes der Landwirthe in der Neichspartei, welche die treue monarchische Gesinnung derselben außer Zweifel zu stellen bestimmt war. Er vertheidigke die NotMendigkeit der sag. Liebesgabe im Interesse der Laiidwirth- fchaft, rieth zn ernstester Sparsamkeit im Etat und sprach sich für den FinaMesormvorschlag der Regierung ans. —Abg. Rickert be­schwerte sick) über antisemitische Ausfälle des Mg. v. Frege, trat dem Vorredner betreffs der Liebesgabe entgegen, fritifirte eine An­zahl Etatspositionen und wandte sich sehr scharf gegen den ganzen Finanzreformplan. Lieber als Wein- und Tabaksteuer wolle er die Erhöhung der Matriknlarbeiträge. Doch befürwortete er seiner­seits eine Neichseinkommenstener von Einkommen über 6000 Mk. Die Steuervorlagen bezeichnete er als den schwersten politischen Fehler, der seit lauge begangen sei. Vom Reichskanzler verlangte er eine scharfe Absage an den Bund der Landwirthe. Nachdem Finaiizminister Miguel einige Jrrthümer des Vorredners richtig gestellt, wurde die Debatte nochmals auf morgen 1 Uhr vertagt.

Volttische Tages Km»d sch tm.

— Dem Reichstag ist der Gesetzentwurf zum Schutz der W aaren bezeichnungen wieder zitgegaugen. Er entspricht ganz dem in der Session von 1892/93 vorgelegten Gesetzentwurf, der im Reichstag zur ersten Berathung ge­langte und dann ans einer Kommission nicht wieder her­vorkam. Die Vorlage erstrebt eine, durch die fort­geschrittenen praktischen Bedürfnisse nothwendig gewordene weitere Ausbildung des deutschen Markenreckts. Die wesentlichsten Aenderungen des Entwurfs bestehen darin, daß die Anmeldungen zum Schutz der Waarenbezeichuungen künftig bei deut Reichspatentamt erfolgen sollen, während sie bisher bei den Lokalgerichten stattfanden. Ferner soll zum Waarenschntz die Anmeldung auch von Wörtern zu­lässig sein ohne Verbindung mit einem figürlichen Zeichen. Ferner soll das Recht der Eintragung nicht bloß beschränkt sein auf Diejenigen, welche in die Firmenregister ein­getragen worden sind. Endlich sind die Strafparagraphen so gefaßt, um mehr als bisher Umgehungen und Täuschungen int Handel und Verkehr zu verhindern. Die Eintragungs­gebühr ist auf 30 Mark herabgesetzt und soll für die Dauer von zehn Jahren gelten. Die Vorschläge wnrben in der früheren Verhandlung im Reichstag im Wesentlichen als zweckmäßig erkannt.

— Die Freisinnige Vereinigung hat nunmehr die Entwürfe über ihre Organisation und über ihr Pro­gramm versandt, über welche in der Generalversammlung am nächsten Sonntag in Berlin Beschluß gefaßt werden soll. Danäch nimmt die Freisinnige Vereinigung für ihre Organisation im Lande von der Bezeichnung „freisinnig" Abstand und organisirt sich als „Wahlverein der Liberalen". Der Verein soll sich über das ganze Reich erstrecken. Jedes Mitglied zahlt jährlich mindestens 2 Mark. Die General­versammlung wird nach Bedürfniß oder auf Verlangen von mehr als Via der Mitglieder einberufen. Sie wählt einen Vorstand von mindestens löMitgliedern, und dieser Vorstand bestellt einen geschäftsführenden Ausschuß von 5 Mitgliedern, welcher seinen Sitz in Berlin hat.

— In der gestrigen Sitzung der bayrischen Kammer brachte Abg. Schädler in einer großen Rede zum Militär-Etat auch das Duellunwesen im Offizier­stand zur Sprache, namentlich im Hinblick auf die Aus­schließung von Mitgliedern katholischer Studenten-Korpora-

tionen von der Beförderung. Der Kriegsminister antwortete unter lautem Protest der Rechten, das Duell sei unter den dermaligen sozialen Verhältnissen, trotz den gesetzlichen Bestimmungen, nicht aus der Welt zu schaffen; man könne die Forderung stellen, daß der Offiziers-Aspirant sich den Prinzipien des Ofsizierkorps unterwerfe. Die Abgg. Lerno und Schädler wiesen den Standpunkt des Ministers ent­schieden zurück.

Keder den Kau der Höllenmaschine», welche dem Kaiser und dem Reichskanzler übersandt wurden und die dem Polizeipräsidium übermittelt worden sind, werden der „T. R." folgende Angaben gemacht:

Die äußere Hülle bildet ein Holzkasten, der genau die Form eines Domiuokastens hat und auch mit einem Deckel versehen ist. An der einen schmalen Seite des Kastens liegt ziemlich am Boden eine mit Nitroglycerin gefüllte Messinghülse, die unten ein kleines Loch hat und vorn mit einem gewöhnlichen Zündhütchen versehen ist. Die Patrone war von losem Pulver umgeben. Dem Zünd­hütchen gegenüber ist in einer Holzführung ein hölzerner Bolzen an­gebracht, dessen Spitze mit einem Nagel versehen ist. Der Bolzen steht mit zwei Gununischitüren in Verbindung, die rechts und links von der Patrone an dem Holzkasteu befestigt sind und das Bestreben haben, den Bolzen wie bei einer Armbrust vorzuschnellen und mit dem Nagel genau das Zündhütchen zu treffen. Durch einen an der inneren Seite des Deckels befindlichen Ansatz wurde der Bolzen zurückgehalten und die Gnmmischnüren gleichzeitig gespannt. Beim Abnehmeu des Deckels sollte der Bolzen frei werden und durch die Kraft der Schnüren auf das Zündhütchen stoßen. Dieses sollte das Pulver entzünden und dann ine Explosion des Sprengstoffes herbei- sühren. Nach der Meinung eines Technikers, des Büchsenmachers Förster, der die eine Höllenmaschine öffnete, war, selbst für den Fall, daß Alles im Sinne des Absenders glatt verlaufen märe, eine sichere Bürgschaft für die Explosion nicht vorhanden, weil der Bolzen durch die zu geringe Kraft der Gnmmischnüren nicht die ge­hörige Durchschlagswiikung gehabt hätte. Anders wäre es gewesen, wenn die Schnüren durch eine Spirale ersetzt worden mären. Die Ladung der Maschine hätte nur für den Oeffner des Packets ver- hängnißvoll 'werden können. Der Sprengstoff ist dem chemischen Laboratorium zur Feststellung, ob es sich vielleicht um Dynamit handelt, übergeben worden.

Ein Gutachten, das der Hosbüchseumacher Förster der Polizei eiligereicht hat, besagt, daß der Kegel, auf dem das Zündhütchen saß, nadelscharf zngespitzt war. Da ferner der Sprengstoff, mitdem das Zündbiitcheu gefüllt war, dem ähnlich zu fein scheint, den die frühere Zündnadelpatroue hatte, so dürfte der von den Gumini- schliüren znrückgeschnellte Bolzen zur Entzündung des Pulvers aus­gereicht haben. Das Pulver, das frei int Kasten lag, war mit Nitroglycerin gemischt. Major Ebmeyer hatte bereits eine dahin­gehende Befürchtung ausgesprochen, weil das von ihm in dem Asch­becher entzündete Pulver eine bedeutende Stichflamme ergeben hatte. Bezüglich der Gesammtladnng des Kästchens ist mit Sicherheit an- zuuehmen, daß fie nicht bloß ausgereicht hätte, den Oeffner des Packets zu zerreißen, sondern auch noch Schaden an dem Gebäude zu verursachen. Herr Förster hat das Kästchen, ehe er es öffnete, etwa 18 Stunden im Wasser liegen lassen, daun zwischen eine Kopirpresse eingeklemmt, eine Schnur daran befestigt und mittels dieser von dem Nachbarzimiuer aus den Deckel langsam abgelöst.

Deutsches Keich.

* Hof. itu» Personal Nachricht«». Der Kaiser hatte gestern Vormittag mit dem Reichskanzler eine längere Unterredung über die Attentatsaugelegenheit. Dem Kaiser sind zahlreiche Glück­wünsche von befreundeten Herrscherhäusern über das Mißlingen des Mordstreiches zugegaiigen.

* Berlin, 30. No». Die Reichstags-Kommission zur Vorberathuug der Handelsverträge beginnt heute ihre Thätigkeit. Der Senioren-Konvent ist heute Mittag zusammengetreten, um die Frage zu berctthen, wie stark die einzelnen Fraktionen in den Spezial- Kommissionen vertreten sein sollen. — In einer vorgestrigen Anarchisten-Versamnilung wurde über die Gewerkschafts- Bewegung debattirt. Einige.Anarchisten protestirten gegen die Annahme, daß das Attentat auf Caprivi anarchistischen Ursprungs sei. Mit Caprivi sei leidlich auszukommen. Er habe unter den Ailarchisten keine Feinde. — Der „Vor­wärts" ist, wie schon kurz gemeldet, in der Lage, ein nicht für die Oeffentlichkeit bestimmtes amtliches Aktenstück, das ihm von der bekannten unsichtbaren Hand zugesteckt worden, ■ zu veröffentlichen. Das Schriftstück, ein Erlaß des preu­ßischen Ministers des Innern, Grafen Eulenburg, vom 29. Juli 1893, richtet sich er» fast sämmtliche Regierungs- Präsidenten und empfiehlt ihnen die Bekämpfung der Sozialdemokratie. Einleitend wird darauf hingewiesen, daß die Sozialdemokratie auf dem flachen Lande an Umfang zunehme und daß diesem Umsichgreifen mit allen zulässigen Mitteln zu steuern sei. Der Erlaß empfiehlt Aufklärung, Belehrung, Pflege der persönlichen Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen und Heranbildung von Arbeitern zur Abwehr der sozialdemokratischen Agitation. (Jedenfalls wird kein vernünftiger Mensch eine Einwendung gegen einen solchen Erlaß machen können. Die Mittel zur Abwehr sind so zweckentsprechend und gerecht, als nur mög­lich.) — Ein Handelsredakteur Karl Muskat hat an Miquel und Posadowsky eine Eingabe gesandt, worin die Einführung einer Reichslotteriesteuer auf Gewinne vorgeschlagen wird. Die Steuer soll 3 Prozent der Baargewinne von allen deutschen Lotterieen betragen. Der Ertrag ist auf jährlich 4,600,000 Mark veranschlagt. Die Steuer soll bezwecken, die Mittel zum Ersatz oder zur Ermäßigung anderer vonder Regierung vorgeschlagener Steuernzu beschaffen.