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«1. Jahrgang.

Verlag: Laliggasse 27.

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Donnerstag, den 23. November

1893.

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ist bemerkenswerth, daß die Zahl der abgegebenen Stimmen lange nicht in demselben Maße gesunken ist, wie die Zahl der Mandate.

Im dritten Felde oben rechts ist eine Darstellung der sozialdemokratischen Stimmen gegeben. Dieselben sind von 118,000 im Jahre 1871 auf 1,786,000 im Jahre 1893 gestiegen. Sie weisen nicht nur die stärkste Steigung von allen Parteien auf, sondern die St im nie n- zahl _ vom Jahre 1893 ist auch die höchste bisher im Deutschen Reiche für irgend eine Partei abgegebene. In den Jahren 1878—1887 ist der Einfluß des Sozialisten­gesetzes unverkennbar. — Die Zahl der Abgeordneten ist eine wesentlich steigende, sie betrug 1871 nur 2, 1893

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fine genaue Uebersicht über die B e w e g u n g, welche im Ver­ruf der Wahlperioden in der Wählerschaft staltgefunden hat. i * Beginnen wir oben links mit dem C entrum, so zeigt ach, daß die Anzahl der Stimmen in dem einen Jahre 1871 im Verhältniß zu den späteren Jahren sehr niedrig dar; sie betrug 674,000, stieg aber schon 1874 auf 1,443,000. wit geringen Schwankungen, der tiefste Stand war 1881 | d!t 1,149,000, halten sich dann die Centrnmsstimmcn I Men 1,1 und 1,5 Millionen. Konform mit den , k Munkungen gehen auch die Mandatzahlen des Centrums. jgFl bezifferten sich die Mandate auf 61, 1874 bereits ? ■ ^0 pCi. höher auf 91 und von da an variireu die l jgllcn zwischen 91 und 106.

' Te 3m zweiten Felde ist die nationalliberale Partei dargestellt. Sie hat die höchste Stimmcuzahl in ktt Wahl von 1877, die niedrigste im Jahr 1893 erhalten. pl den Wahlen 1871 und 1874 sind ihr die Stimmen £ liberalen Reichspartei mit 266,000 bezw. 56,000 und Jahre 81 (Sezession) die Stimme» der liberalen Ver-

erheblich verstärkt (722—1,183,000), jedoch int Jahr 1893 (Trennung der liberalen Vereinigung und der Volkspartci) plötz­lich nm etwa 24 pCt. gesunken. Aehnlich verhält es sich mit der Zahl der Abgeordneten; von 1871—1878 ist dieselbe niedrig und zeigt sinkende Tendenz (46, 49, 35, 26), von 1881—1890 ist sie um rund 50 pCt. höher (60—66), nur das Jahr 1887 (Auflösung wegen Septemtat) zeigt, ebenso wie 1878 (Auflösung wegen Sozialistengesetz), eine momentane Depression; auch 1893 zeigt wiederum eine solche wegen der Spaltung der Partei vor den Wahlen.

Mit vorgenannten sechs Parteien sind die Hauptparteien im Reichstag erschöpft; es bleiben nur noch die kleinsten sechs Parteien übrig, die an Stimmenzahl sowohl wie an Mandaten nur unbedeutende Zahlen aufweisen. Die bildliche Darstellung in den unteren sechs graphischen Feldern läßt auch bei ihnen genau das Maß der Parteibewegung erkeunen. Geringe, aber stetige Zunahme weise» die Polen auf, ebenso die Welsen, unter denen 1871 zwei schleswigsche Partiknlaristen aufgezählt sind, so daß hier statt 9 nut 7 Welfen zu bezeichnen waren; durchaus stagnircnd zeigt sich die Partei der Dänen sowohl ihrer minimalen Stimmen- als auch Mandatzahl nach; die Elsässer nehmen nach langdanerndcm Festhalten ihres ur­sprünglichen Besitzstandes schließlich erheblich an Mandate» ab (von 15 ans 8) und langsam, aber stetig an Stimmeuzahl. Die süddeutsche Volkspartei zeigt ein un­verkennbares Anwachsen der Stimmenzahl sowohl wie ihrer Mandate. Aehnlich, jedoch in bedeutend stärkerem Verhältniß, ist es bei der erst 1887 auftrelenden Partei der Antisemiten, die, wie die sozial­demokratische, den rapidesten Zuwachs an Stimmen und Mandaten aufweist.

Politische Schlußfolgerungen aus "dem Dargestellten zu ziehen, ist nicht Zweck unserer hentigen, die Sachlage streng objektiv zur Anschauung bringeuden Ausführungen; es sei daher nur noch kurz auf die am Fuße des Bildes gegebene graphische Darstellung der jetzigen Zusammensetzung des Reichstags nachKopfzahl seiner Parteien verwiesen, die eine augenfällige Handhabe zur BerechnungdermöglichenMajoritätsverhältniffe bietet und gegenwärtig besonderes Interesse besitzt.

Politische Tages-Rvnd.chav.

— Der Bundcsrath hat dem Gesetz­entwurf über Abänderung des llnter- stützungswohnsitz-Gesetzcs seine Zu­stimmung ertheilt. Der Entwurf hatte be­kanntlich schon in der Session von 1892,93 Vorgelegen und war damals in einer Kommission durchbcrathen worden, int Plenum aber nicht mehr zur zweiten Lesung gelangt. Die wichtigste Aenderung an dem bestehenden Gesetz ist, daß als Altersgrenze für die Fähigkeit zum selbständigen Erwerb und Verlust des llnterstützungswohnsitzcs das zurück-

gelcgte 18. Lebensjahr, statt des bisherigen 24., festgesetzt wird. Dieser Vorschlag ist aus der durch eine langjährige lebhafte Bewegung unterstützten Wahrnehmung hervor- gegaugen, daß bei der bisherigen Vorschrift die Heimath- gemcinden, namentlich des platten Landes, bei dem massen­haften Abströmen der jugendlichen Bevölkerung in die Industriestädte vielfach in unbilliger Weise zu langdauernden Armenunterstützungen hcrangezogen worden. Die bisherige Altersgrenze entsprach auch keineswegs mehr dem Lebens­jahr, in welchem in der Regel, namentlich bei der Arbeiter- bevölkerung, die wirthschaftliche Selbständigkeit und die uneingeschränkte Wahl des Aufenthaltes und Erwerbes ein- trcten. Im Allgemeinen fand die Vorlage mit ihrem Grund­bestreben, berechtigten Klagen des platten Landes über unbillige Hcratiziehung zu Unterstützungen anderwärts, namentlich in den Industriestädte», hülfsbedürftig ge­wordener Personen abzuhelfen, im Reichstag viel Anklang. Man wird erwarten dürfen, daß die laugcrörterte An­gelegenheit jetzt endlich zum Abschluß gebracht wirb.

— In den Unterhaltungen der Reichstagsabgeordueten werden Berechnungen über die parlamentarischen Aus­sichten des Centrumsantrags auf Aufhebung des Jesuit enge setzes angestellt. Dieselben kommen etwa zu folgenden Ergebnissen: Für den Antrag werden bei vollbesetztem Hause sicher stimmen das Centrum mit 99 Mit­gliedern, dazu etwa 14 Fraktionslose (8 klerikale Elsaß- Lothrmger), 19 Polen. 44 Sozialdemokraten, waS zusammen 176 Stimmen für den Antrag crgiebt. Gegen den Antrag stimmen sicher die Nationallibcralen und die Reichspartei,

Die parteibemegnng in Dentschland.

Die soeben veröffentlichte amtliche Statistik der Reichs­tagswahlen von 1893 gicbt Veranlassung, einen Vergleich mit den Resultaten der sämmtliche» seit 1871 stattgchabten Reichstagswahlen zu^ziehcn. Insbesondere ist es interessant, hierbei die Anzahl der für jede einzelne Partei bei'den ver­flossenen 9 Reichstagswahlen abgegebenen Stimmen mit der Anzahl der auf jede Partei entfallenden Mandate zu vergleichen. Diesem Zwecke dienen die nach­stehenden Ausführungen, welche noch durch die beistehenden graphischen Darstellungen in sehr anschaulicher Weise erläutert werden.

Seit 1871 fanden 9 Reichstagswahleu statt, und zwar in den Jahren 1871, 74, 77, 78, 81, 84, 87, 90 und 93. Drei von diesen Reichstagswahlen erfolgten nach voll­zogener Auflösung des Reichstags und zwar 1878, 1887 und 1893.

Bis zum Jahre 1887 erfolgten die Wahlen zu einer dreijährigen Legislaturperiode; seit dem Jahre 1890 wird für fünf Jahre ge­wählt; jedoch hat der erstmals für fünf Jahre gewühlte Reichstag von 1890 bereits nach dreijährigem Bestehen (1893) durch Auf­lösung sein Ende gefunden.

I . Zu der beistchenden graphischen Darstellung sei erläuternd Folgendes bemerkt: In den 12 oberen Feldern sind die Wahlresultaie für die dortgenannlen Parteien nach Stimmcn- zahl und Anzahl der Abgeordneten jahrweise für die 9 Wahljahre eingetragen; es bezeichnet die schraffirtc Fläche die AuzM dcir abgcgebeuen Stimmen in Tausenden, die Anzahl derselben ist oberhalb der Schraffirung durch eine Ziffer bezeichnet (so z. B. oben links in der ersten Rubrik bei Centrum 674, 0. h. für diese Partei sind in der Wahl von 1871 674,000 Stimmen abgegeben). An der linken Seite der ciuzelnen graphischen Felder ist eine Skala für die Größe dieser Zahlen in Tausenden von Stimmen angegeben. Die einzelnen Jahresfelder sind unten mit den abgekürzten Jahreszahlen von 71—93 be- ieichnet. Die Anzahl der auf die Parteien entfallenden Mandate ist in der graphischen Darstellung durch einen in entsprechender Zahlenhöhe angebrachten schwarzen Punkt markirt, und diesem ist die betreffende Mandats- zahl beigeschrieben (vergl. in der erste» Rubrik Zentrum im Jahre 1871 61 Mandate). Die Skala für die Eintragung der Mandatszahlen finbet der Leser rechts am Rande der Zeich­nung. Die gesammte graphische Darstellung ist auf Grund des amtlichen Materials über die entscheidenden Wahlen (eDeiit. also Stich­wahlen) gearbeitet.

; Durch diese Darstellung crgiebt sich für lebe Partei in sehr charakteristischer Weise

tlr, 17.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis:

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Fügung, welch' letztere sich später mit der Fortschrittspartei “r. deutschfreisinnigen Partei vereinigte, eingerechnet. Die LÜinmenzahl der liberalen Vereinigung betrug int Jahre EP“! 486,000. In den betreffenden Rubriken der obigen Verstellung stich diese Nuancen durch entsprechende Schraf- E?.,!9 markirt. Den Höhepunkt erreichen die Maudäts- EFen der ttationallibcralen Partei unmittelbar nach Gründung ^Reiches bei den Wahlen von 1871 und 1874. Von

Zeit an datirt im Großen und Ganzen ein Sinken der Wpc», untermischt mit einzelnen Hebttngcn (1887), jedoch

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jedoch 44. Höchst charakteristisch ist, daß die Anzahl der Abgeordneten mit der bedeutenden Slimmcnzahl nicht an­nähernd in einem ähnliche» Verhältniß steht, wie dies bei allen anderen Parteien der Fall ist. Inwieweit hier innere Einflüsse, z. B. Parteiorganisation, Wahltaktik u. bergt, ober äußere, wie Sozialistengesetz, politische Vorgänge, Attentat, Septennat, chtgeiuhft haben, soll hier nicht unter­sucht werden.

Im vierten Felde hat die Parleibewegung der Konser­vativen Darstellung gesunden. Auch hier ist im Großen und Ganzen eine wcsctttlichc Zunahme der Stimmetizahl in den letzten 6 Perioden gegenüber den ersten dreie» zu kon- statircn, wie unser Bild zeigt. Die höchste Stimmenzahl war im Jahre 1887, die niedrigste 1874. Diesen Extremen entspricht auch genau die Anzahl der Maudetc — 80 im Jahre 1887 und 22 im Jahre 1874.

Die nun folgenden Freikonservativen (Reichspartei) weisen eine zwischen 363,000 und 475,000 schwankende Stimmenzahl auf. Nur zweimal und zwar 1878 (790,000) und 1887 (745,000) gehen die Stimmen erheblich über das allgemeine Niveau hinaus. Auch die Anzahl der Mandate, zwischen 20 und 38 schwankend, folgt im Wesentlichen der Bewegung der Stimmenzahl. Außergewöhnliche Mandats­zahlen liegen ebenfalls in den Jahren 1878 (57) und 1887 (41).

Die im sechsten Felde dargestellte deutschfreisinnige Parleibewegung begreift die Fortschrittspartei seit 1871 in sich- Die ursprünglich geringeren Stimmcuzahlen (352 bis 394,000 in 1871—1878) sind von 1881 an (Sezession)

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