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41. Jahrgang.
Verlag: Langgasse 27.
Z2,OOO Abomrerttrn
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Kamftng, den 18. itoufmbcc
1893.
Abend-Ausgabe
Strümpfe herstellt. Eine Arbeiterin kann 15 solcher Maschinen bedienen, also täglich 75 Dutzend Strümpfe liefern. Noch vor kurzer Zeil wurden in den Trikottailleufabriken die
, .Al« lunger Reiteroffizier zog der am 5. April 1857 geborene bei finde Prinz im Jahre 1877 mit den Russen ins Feld folaeud dem Ruse seines Oheims, des Kaisers Alexander II., der'ihm stets herzlich zngethan war mib es bis an sein Lcbcnsciide geblieben ist Auf den bulgarischen Schlachtfeldern entschied sich fein Geschick und der kleine deutsche Prinz wurde dazu auserjehcii, die Krone des neuen FürstenthuniS Bulgarien zu tragen. Ein ucnes Land hatte er zu regieren, ein neues Volk sozusagen zu schaffen, und das unter den lqwierigsteu Verhältnissen. Die von den Russen ausgeklügelte Veriaffung war schon an sich ei» Hinbemiß ersten Ranges, wurde aber ent wirklich verhänguißvoll durch die Art und Welle, wie die Russrn sie gegen den Fürsten auSnutzteu. Solange Alexander II lebte land er noch an diesem einen Rückhalt gegen den ihm feindlicheri PanstawiSmus, aber nach dem Tode seines Oheims bckanien die ihm ieindlichen Elemente die Hände frei, und nun folgte jene unerhörte Reihe von Ränken und Verfchivörungen, die in einem offenbaren Verbrechen endeten, das den Abscheu der ganzen gebildeten Welt hervorries. Tie Runen hasste» ihn, weil er ein Deutscher mar und ei» solcher ist er geblieben, sowohl auf dem Throne Bulgariens wie lpater als österreichischer Offizier.
Unsere Zeit ist dem persönlichen Heroenthiim nicht günstig Fremdartig mußte es erscheinen, wie plötzlich aus Anlaß der riilnc- lioiischen Revolutioii und des liachfolgendeu serbischen Krieges eine jugendliche Fürstengestalt erstand, die sich im Fluge die aUgemeinsten und herzlichsten Shiupathieen erwarb, die aus eigener Kraft ein wenn auch in kleineren Verhältnissen sich belvegendes napoleonisches Epos ichuf und dessen Ramc mit Windeseile durch die ganze Erde getragen wurde. Es gab eine Zeit, wo Fürst Alexander von Bul- - „ ,
anneii einer der volksthümlichsten Männer in Europa war, wo er I Stühle haben die Arbeit übernommen. Eilt feines Baum-
Knopflöcher von Arbeiterinnen gefertigt. Ein flinkes Mädchen nähte den Tag 200—300 Knopflöcher. Jetzt gelangte, wenn aych zunächst vereinzelt, eine aus Amerika stammende Maschine zur Einführung, mit der ein Mädchen täglich 4000 Knopflöcher fertigstellt. Für die Fabrikation von Kammgarnstoff sind in Greiz, Gera, Reichenbach und Umgegend jetzt 30,000 mechanische, aber nur noch 5000 Handstühle thätig, in der Fabrikation von Sireichgarnwaaren und Flanellen sind die Handstühle in der Reichenbacher Gegend bis auf 2500 znrückgegaugen, und 1200 mechanische
Wie erheblich in neuester Zeit Handarbeit und Hausgewerbe durch die Maschinentechnik zurückgedrängt wurden zeigt Johannes Corvey im letzten Vierteljahrsheft des „Arbeiterfreund", Organ des Centralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen, an einigen Beispielen aus Sachsen. Im Erzgebirge sind die Nagelschmiederei, die Herstellung von Blechlöffeln, die Steckkammfabrikation, die einst als blühend« Hausgewerbe dort betrieben wurden, als solche nahezu ganz durch die Maschinenarbeit aufgerieben. Fast ebenso ergeht es der hausindustriellen erzgebirgischen Bürstenbinderei und der einst hochberühmten sächsischen Spitzenklöppelei. Auch die Wirkerei wandelt sich mehr und mehr vom Hausgewerbe zur Fabrik- industrie um. Im Jahre 1863 gab es in Sachsen noch 27,000 Handkulierstühle und 500 Handkettenstühle, jetzt sind etwa 12—13,000 mechanische Stühle vorhanden, und die Zahl der alten Handstühle ist auf 2—3000 zurückgegangen. In zahlreichen früher rein hausgewerblichen Dörfern erheben sich jetzt große Fabrikanlagen. In Chemnitz wurde kürzlich eine Maschine in-Betrieb gesetzt, die täglich 4—5 Dutzend
Maschinentechnik nnd Handarbeit.
Die schweren Aufgaben, welche bei allen Jndustrievölkern heute mehr oder weniger gebieterisch ihre Lösung verlangen und die wir gewöhnlich unter dem Begriff „Arbeiterfrage" zusammenfassen, hängen bekanntlich vielfach sehr eng mit den technischen Fortschritten der modernen Großindustrie zusammen. Es muß daher als eine der hauptsächlichsten WWen einer weisen und groß angelegten Sozialpolitik bezeichnet werden, vor Allem zu verhindern, daß mit jedem industrie-technischen Fortschritt der Broderwerb der hand- arbeitenden Klassen ein schwierigerer wird und der Kampf um das Dasein in den Tiefen des Volkes schließlich zu unerträglichen Verhältnissen führt.
Meister, weil dieser seine anarchistischen Theoneen nicht theilte, und da ihn nun die Gesellschaft nicht ernährte, so mußte er sich natürlich an derselben rächen. Er that dies zuerst, indem er sich in das bekannte Restaurant von Marguery begab und hier ein Diner für über 10 Fres. einnahm, um dann zu erklären, daß er kein Geld habe, es zu bezahlen. Leider sandte M. Marguery nicht nach der Polizei, sondern warf ihn einfach zur Thür hinaus, nnd so wiederholte er den nächsten Tag bei Duval dasselbe Manöver und beglich dann dort seine Zeche durch einen Mordanfall. Daß einzig und allein die Reden in den anarchistischen Verhandlungen und die Artikel in den Journalen der Partei ihn dazu gebracht, stellt er nicht in Abrede, auch er wollte sich die Krone des Märtyrers erwerben. Und nach ihm werden
dies sicher noch viele versuchen, wenn nicht ein Mittel
gesunden wird, sich gegen diese wilden Thiere in Menschengestalt zu vertbeidigen. Welches dasselbe sein soll, darüber ist man sich noch nicht klar, aber
| auch hier taucht jetzt der Vorschlag auf, eine Verständigung aller civilisirten Länder herbeiznführen, und nur eine solche kann sich ja atid). als wirksam erweisen. Amerika hat sich j bereits zu schützen gesucht, in England geräth das Prinzip des freien Asyls gar bedenklich ins Schwanken, und Deutschland, Oesterreich, Italien, Rußland würden einem allgemeinen Zusammenwirken sicher nicht entgegen sein. Vor- läusig will man eine Gesetzes-Vorlage eiubringen, die schon einmal nach dem Attentat Ravachols die Zttstimmung der I Kammer .erlangt hatte, in zweiter Lesung aber durch die Anstrengung der Radikalen znm Fall gebracht wurde, und nach welcher es der.Regierung ermöglicht würde, Journale I »u beschlagnahmen bevor, sie erscheinen, und Vorsichtsverhaftungen vorzunehtncn. Von anderer Seite ist dieJdee | angeregt worden, das Predigen anarchistischer Lehren mit I Gefänguiß und dann mit Ausweisung zu bestrafen, weich' letztere, falls ein internationaler Vertrag zu Stande käme, I die Verbreiter derselben gewissermaßen vogelfrei machen I müßte. Ob dieses praktisch durchführbar wäre, ist die Frage; I doch steht zu hoffen, daß man nicht, wie bei Ravachol, mit | der Bestrafung des direkt Schuldigen die Sache für ab- gethan halten, sondern endlich einseheu wird, daß etwas I zur Vertheidigung der ruhigen Klassen der Bevölkerung geschehen muß.
Frankreich nnd die Antirchisten.
(Von unserem Korrespondenten.)
W. Uaris, 16. November.
■ Die Eröffnung der Kammer hat nicht die große Aufmerksamkeit erregt, die man erwartete, oder zum Mindesten hat sich das Interesse bereits von diesem Ereigniß wieder abgewandt, um sich voll und ganz auf die Thaten oder vielmehr Unthateu der Anarchisten zu richten. Der schreck- nche Vorfall in Barcelona war es jedoch nicht, der die kroße Aufregung hervorrief, die jetzt in allen Kreisen Urscht, es mußte etwas geschehen^ was uns direkter, näher betraf, um diese voll und ganz zu entfachen. Nicht daß man hier nichwanch für das in Spanien verübte Verbrechen den Abscheu und für die Opfer desselben das Mitleid Nchlt, wie überall, aber ein Einschreiten hätte dasselbe doch «tcht veranlaßt. Konnte doch auf Versammlungen, die die Anarchisten hier abhielten, ruhig erklärt worden, das Attentat m Barcelona sei ein „Dienst, der der großen Sache der Emanzipation der Menschheit erwiesen worden", die wirklichen Opfer wären die Anarchisten, die als Märtyrer sterben würden und als leuchtendes Beispiel gehen müßten, dem man nacheifern sollte. Fortwährend predigte man auch ungestört, daß es verdienstlich sei, den „Bourgeois", der wahrscheinlich von einer Schwelgerei heimkehre, nächtlicher- I ^eile zu überfallen und seines schlecht erworbenen Geldes M berauben, und zwar wäre dabei die Vorsicht zu gebrauchen, ihn vorher unschädlich zu machen, da sonst die »fame Polizei dazwischen kommen könnte. Das revolutionäre Blatt „Pere Peinard“ allerdings will man verfolgen, weil es sur das . Verbrechen im Teatro Liceo Entschuldigungen fand;
sMer man mißt eben mit sehr ungleichem Maß, und v°n einem Einschreiten gegen die „Petite BtpnbliqneFran^aiso“ Lautete „ich,?., trotzdem auch darin gesagt wurde, die ^uklicheu Urheber der Tragödie in Barcelona wären die I Kapitalisten, die die Anarchisten zu solchen Thaten zwängen;
" sei kein Verbrechen begangen, sondern ein Sühneopfer I gebracht worden rc. Der Grund, daß gegen die „Petite I »epublique“ solche Nachsicht geübt wurde, ist darin zu Wen, daß Goblet an der Spitze des Blattes steht, Ms dieser allerdings offiziell nicht mehr zugiebt, aber trotz- Wd Jedermann weiß. Goblet jedoch, welcher, seit Clemenceau I
Kammer nicht mehr angehört, der Führer der Radikalen W> fürchtet die Regierung, und diese will ihn schonen.
Unter diesen Umständen und trotz der unfraglich großen Mtüstung gegen die Anarchisten fiel die Anfrage Spaniens r£r eine internationale Verständigung zur Bekämpfung gelben hier nicht auf guten Boden; man hatte seit längerer |» nicht durch diese Uebelthätcr gelitten, Ravachol war Mts wieder vergessen, d. h. von Denen, die ihn bestraften, E nicht von Denjenigen,.welche sich für seine Rächer er*
Es erging also Spanien wie s. Z. Rußland, das L^Rgegen die Nihilisten ein allgemeines Zusammengehen WWführen wollte, die hiesige Regierung jedoch verhielt sich
Ablehnend. Jetzt hat sich aber wie mit einem Schlage I geändert, und das Attentat, welches der Schnh- .-achrrgeselle ßeaulier auf den bisherigen serbischen Ge- Mrn Georgevilsch verübt, erscheint schlimmer als ihbn 6,08 bisher durch die Anarchisten geschehen ist. Keiner g" sich seines Lebens mehr sicher, ein gleiches Schicksal H morgen treffen, und dieses allgemeine Angstgefühl P* Nch in einem Schrei der Entrüstung Luft, ßeauticr |l zeucht getödtet oder zu tobten versucht, weil er gegen M Gesandten etwas hatte; er fiel über den
» her, der ihm, weil fein Knopfloch das Baud
^ Ehrenlegion schmückte, zu einer bevorzugteren Klasse schien. Und dieser ßeautier kann nicht einmal I daß das Schicksal ihm besonders grausam mit- I
Wie er selbst erzählt, fand er sofort bei seiner EW in Paris Arbeit, zankte sich aber mit seinem I
I m sslbsterru»gene Erfolge Hinblicken und hoffen konnte, daß I Großes aus der enat feiner Thaten ersprießen werde • B her E'sst? komme» sollte.ist aller Welt bekannt. Der Haß I Ruhen, statt sich an bent kühnen und edlen Auftreten des ^"/Itenzu brechen, wurde nur noch erbitterter, und als alles Andere
I EÄn ^nutzte man niedrige Hochverräther, um den
I ;-e von teinem Throne zu stürzen, und das in einer Weise,
I J,te' to£nlJrn.,a" sseb. alle Verhältnisse vergegenwärtigt, »ieder-
trachUger wolss kaum dagewesen ist. Wohl kehrte Fürst Alexander,
I 1Gegenrevolution der anttandigeu Leute gerufen, in sein La"d zuruck aber et war nicht mehr derselbe. Von dein.Schlage bfn er. oamals erhalten, hat er sich nie wieder erholt, und wenn er
I nr’r tC" ?drou ohne allzu große Ueberwinduug verzichtet hatte, so konnte er doch nie die Art und Weise vergessen wie er ibrn geraubt worden war. Er hatte es ja in der Hand, auch nach teuer Verschwörung in Bulgarien zu bleiben, und auch später noch bot sich ihm nicht einmal, sondern zehnmal die Gelegenheit, dorthin
I zuluckznkehreir; aber so dringend auch die Rufe waren, die von I Bulgarien nach Darmstadt ergingen, er wies sie alle zurück und I der einzige, der seine Wiedereinsetzung verhindern konnte und ver- hinderte, war er. Das Leben in Teutschland gestaltete sich ihm nicht freudenreich Politische Abneigung und Argwohn folgten ihm auch nach dem Orte seiner selbstgewählten Verbannung und ver-
I mtteiten ihm ui jeber Weise bas Leben. In der Zeit der hundert -vog- ging ihm eine große Hoffnung zu Grunde, mit der er sich getrogen hatte, und das ~eben schien ihm nichts mehr zu bieten, unb ba wurde plötzlich jene Handlung bekannt, die seine Feinde mit Freude erfüllte seinen Freunden aber tiefen Anlaß zur Trauet gab: seiiieHelrath, die zuerst heimlich vollzogen, dann aber öffentlich
! bekannt gegeben wurde. Er selbst betrachtete sich, seit er dem bulgarischen Throne entsagt hatte, als politisch tobt, und als eine weitere Jpottiiung nicht in Erfüllung ging, auch als aus der Reihe der Fürstenhäuser gestrichen. Er suchte nur noch Vergessen m, stiller, anspruchsloser Stelliuig, und da that er jenen Schritt Die Gattin, die er fick, außerhalb seines Standes gewählt hatte verstand es, ihm das Leben angenehm zu gestalten. Die Gerechtigkeit und die Zuneigung des Kaisers von Oesterreich wiese» ihm eine, wenn auch bescheidene, so doch seinen Wünschen und militärischen Neigungen entsprechende Stellung an, er liebte seinen Aufenthaltsort Graz und wurde dort von allen Seiten mit so freundlichen und taktvollen Beweisen der Achtung umgeben, daß er fest daran glaubte, letzt endlich das glückliche Loos gezogen zu haben. Die Thatsache, daß die Bulgaren in dankbarer Erinnerung der Verdienste nm ihr Land ihm eine Dotation anssetzten, die ihm ein sorgenfreies Leben geftattete, das liebenswürdige Verzeihen unb Vergessen, das er an hoher «teile,die sich wohl mitRecht hättegekränkt fühlenköniien, gefunden hat, die Befriedigung in seinem Berufe, das Alles hat ihn in den letzten Jahren vieles von den bitteren Erfahrungen vergessen lassen, die ihm m feinem finden politischen Leben nicht erspart geblieben sind Mit dem Fürsten von Bulgarien hatte er abgeschloffen, der Prinz lag hinter ihm Dem jungen General Graf Hartenau, der das und nichts Anderes sem wollte, eröffneten sich endlich anscheinend wohl- begrunbete Hoffnungen, die, so bescheiden fie waren, sein Leben ans-
Konnten — und da traf ihn der Tod am Jahrestage der Schlacht von Sliwintza.
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Graf Z-ntruan 7-.
Wie schon durch Telegramm in uusercmBlatte gemeldet wurde, ist gestern Blittag in Graz der ehemalige Fürst Alexander von Bulgarien, der nach feinem Zurücklreten ins Privatleben den Namen eines Grafen v. Hartenau annahm, gestorben. Die Ursache seines plötzlichen Todes war eine gefährliche Blinddarmentzündung, entstanden durch das Verschlucken eines Kirschenkerns. Ein merkwürdiges Spiel des Zufalls ist cs, daß der Graf an dem Jahrestage der Schlacht bei Sliwnitza, in derselben Stunde, in welcher vor acht Jahren die Schlacht am heftigsten tobte, gestorben ist. Es ist ein wahrhaft tragisches Geschick, das über dem Haupte dieses deutschen Fürstensohnes schwebte. Nachdem es den Anschein hatte, als sollte dem zum Fürsten der Bulgaren Gewählten ein schönes Loos bevorstehcn, war er gezwungen, bald nach ruhmreichen Waffenthatcn vomSchan- platz seines erfolgreichen Wirkens abzutreten. Dem Zuge seines Herzens folgend, gründete er sich alsdann als Privatmann ein,stilleres, aber harmonischeres häusliches Glück, das nun schon so bald durch seinen Tod ein jähes Ende fand. Gräfin Hartenau, die erst voni Wochenbettaufgestanden war, brach über der Leiche ihres Galten zusammen. Man fürchtet für ihren Verstand, lieber den Lebensgang des Exsürstcn, einer der sympathischesten Erscheinungen im politischen Lebe» unserer Tage, nachfolgende Notizen:
