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Verlag: Lauggasse 27.

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Mittwoch» den 15. November

1893.

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frCII pötI9’eit des Menschen, sein Streben nach möglichst voll • ' l Wmener Befriedigung seiner Bedürfnisse und Wünsche, i

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Abend-Ausgabe»

tiie gehen, sobald sie ihren Zweck erfüllt haben, d. h. ver­braucht worden sind, verloren; sie dienen nicht zur Er-

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Wgung neuer Werthe; sie schaffen nichts, was an ihre Stelle treten könnte. Alles Kapital besteht einerseits aus Baulichkeiten, Geräthschafteu und Maschinen, andererseits aus Kleidung, Nahrungsmitteln, Wohnung und allen übrigen zu angemessener Lebenshaltung des Arbeiters noth- veudigcn Dingen, worunter seine hauptsächlich durch Her- -wmmen und Sitte bestimmten Lebensansprüche zu verstehen M. Außer diesen Gegenständen giebt es kein Kapital, und ®ani ist daher vollkommen berechtigt, zu sagen, daß alles «apital zur Gütcrcrzengung verwendet wird.

. Was diese Erörterung mit der Taris-Frage zu thun hat, ®ad sich aus deni Folgenden ergeben.

l Wie bereits in einem der früheren Aufsätze bemerkt ^rde, bewegt sich, wie jede andere Natnrkraft, so auch die Wtigkeit des Menschen, sein Streben nach möglichst voll-

«i. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis: 5» Pfennig monatlich für beide Ausgaben güiauimeit. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

der Wahrheit dieses Satzes keinen Eintrag, daß einzelne Völker vermöge ihrer größeren Produktivität, vermöge der größeren Wirksamkeit ihrer Arbeit, mit dem gleichen ober selbst einem geringeren Kapital mehr produziren, als andere geistig oder körperlich minderbefähigte oder unter ungünstigeren äußeren Bedingungen produzirende Nationen.

Wie nun aber einerseits die Größe- der Gütcrerzeugung durch die Menge des vorhandenen Kapitals bestimmt wird, so wird umgekehrt alles vorhandene Kapital zur Güter-

triebes dem Durchschnittsgewinn in den alten Betrieben gleichkommt. Freilich kann der Ausgleich sowohl durch das Steigen des Gewinnes in den alten, als durch das Fallen deS Gewinnes in den neuen Judustrieen bewirkt werden: Ersterer Verlauf wird vorherrschen, wenn das Kapital für den neuen Betrieb dem in anderen Betrieben angelegten Kapital entnommen wird, ohne daß gleichzeitig neue Kapital­anhäufungen stattfindcn. Da jedoch diese in allen civilisirten Ländern fortwährend entstehen, wird sich der Ausgleich mehr durch allmähliches Sinken der Gewinne in den beschützten Judustrieen, als durch Steigen des Nutzens in den un­beschützten vollziehen. Die Tendenz jedes Einfuhrzolles ist, einzelne Betriebe künstlich ans Kosten anderer zu stimuliren, allein unter gewöhnlichen Verhältnissen werden sich die Ge­winne in allen über kurz oder lang durch die Wirkung des natürlichen Wettbewerbes der Kapitalien unter einander ausgleichen. Wirklich stichhaltige Gründe zur Bekämpfung von Einfuhr- und Schutzzöllen müssen daher in Erwägungen gefunden werden, die weniger gegen das Prinzip des Zoll- schntzes an sich, als gegen einzelne, sich aus den modernen Verhältnissen ergebende Konsequenzen derselben gerichtet sind.

Denn daß Einsuhrzölle und Zollschutz unter gewissen Verhältnissen und in gewissen Phasen der volkswirthschaft- lichen Entwicklung einer Nation die mächtigsten Hebel zur Beschleunigung ihres Kulturfortschrittes sein können, wird nur eilt eingefleischter Doktrinär der Freihandelsthcorie in Abrede stellen. Wir haben weder die Universalrepublik, noch den ewigen Frieden, welche jener voraussetzen muß, und vielleicht wird es beide niemals auf der Erde geben; ja er­fragt sich, ob dieselben überhaupt als wünschenswertheS Ziel des menschlichen Fortschrittes zu betrachten sind. Wir sind also, ob wir es wollen oder nicht, genöthigt, uns bei Beurtheilung wirthschaftlicher Fragen auf den nationalen Standpunkt als auf die einzige reale Grundlage zu stellen, da es, wie schon vorhin bemerkt wurde, Wektwirthschaft nur in derTheorie, aber bloß nationale Wirthschaft in der Praxis giebt. Von diesem Gesichtspunkte aus können für die ökonomische Politik nicht ökonomische Rücksichten allein maß­gebend sein. Da§ höchste Ziel jeder nationalen Entwickelung ist uichtReichthum, sondernKul tur, d. h. die harmonische Ausbildung aller schöpferischen An­lagen eines Volkes, und diese Ausbildung ist nicht erreichbar, wenn nicht sämmtliche Kräfte der Nation geübt werden, wenn nicht ihreThätigkeit eine so mannigfaltige ist, daß sie auf allen Gebieten des menschlichen Wissens und Schaffens zu Ausdruck und Geltung gelaugt. Könnte es über­haupt jemals vollkommenen Freihandel geben, so würde jede Nation nur diejenigen Produkte Herstellen, die sie billiger und besser zu erzeugen vermöchte, als die übrigen Völker; die produktiven Kräfte würden sich ausschließlich dieser Produktion zuweuden, und eine Unmenge schöpferischer Anlagen, die sich in anderen Richtungen bethätigen möchte, aber unter den herrschenden Zuständen nicht darin bethätigen könnte, würde der Nation verloren gehen. Die Erziehung der Nationen soll keine einseitige sein, so wenig wie die der Individuen, und derjenige Staat ist nicht nothwendig der glücklichste, welcher die meisten Menschen ernähren kann. Der Zollscbutz, unter diesenl Gesichtspunkte betrachtet, er­scheint demnach in gewissen Stadien der nationalen Ent­wickelung als ein Erziehungsmittel ersten Ranges, allein freilich gehört dazu auch, daß weise Gesetzgeber dieses Mittel handhaben. Wenn man Zölle auf Rohstoffe legt, die im eigenen Lande garnicht ober in ungenügender Menge er­zeugt werden; wenn man durch beit Ausschluß fremder Manufakturen der Bildung von Trusts Vorschub leistet, die es nur auf Ansbentung der Konsumeuten abgesehen haben und aus bereit Klauen man sich nachher nicht mehr zu retten weiß; wenn mau Jndustriecn beschützt, die längst keines Schutzes mehr bedürfen, so schadet man der Kultur- entwickelnug, anstatt sie zu befördern; man prämiirt die Trägheit, die Unfähigkeit, die Geldgier; man baut Esels­brücken und schafft „Inside-Tracks“; kurz, man schädigt das wirthschaftliche Interesse und heimst keinen Kulturgewinn dafür ein.

In dem heutigen Stadium nuferer wirthschaftliche« Ent­wickelung, in welchem unsere Industrie eingestandenermaßen derjenigen sämmtlicher übrigen Kulturnationen ebenbürtig oder überlegen ist, erscheinen die meisten Prohibitivzölle als absolut verwerflich. Sic bewirken nur, daß sich die Fabrikanten der beschützten Manufakturen zu Trusts ver­einigen und ihre Preise nahezu bis zu derjenigen äußersten Grenze schrauben, bei welcher das fremde Produkt trotz des Prohibitivzolles eingeführi werden kann; sie bilden also thatsächlich Monopole, deren Gewinne nicht mehr als Unter- nehmergewinne, als „Wages of Superintendencc“, sondern als Rente zu klassifizireu sind. Ein Ausgleich der Gewinne in den beschützten Jndustriecn mit den Gewinnen in anderen Betrieben kann nicht mehr stattfinden, weil durch die Bildung von Trusts ber Wettbewerb der Kapitalien gelähmt ist. Es ist reiner Schwindel, wenn diese Fabrikanten behaupten, sie bedürften so großer Gewinne, um ihren Arbeitern höhere

UoUrswirthschirftlichr Plaudereien.

VI. Ein Beitrag zur Tarif-Frage.

- Aus unseren bisherigen Untersuchungen ergiebt sich der Schluß, daß unter den Bedingungen moderner Güter- azcugung die Ausdehnung der produktiven Thätigkeit durch rir Menge des vorhaudeueu Kapitals bestimmt wird. Mag PH der Kapitalist mit einem noch so niedrigen Zinsfuß, der Unternehmer mit einem noch so kleinen Nutzen, der Grund- desitzer mit einer noch so bescheidenen Rente, der Arbeiter M einem noch so geringen Lohn begnügen; die Gesammt- funtnie des verfügbaren Kapitals bildet jederzeit die Grenze, jenseits deren es keine produktive Thätigkeit mehr giebt, Wie verschieben auch immer innerhalb dieser Grenze die Ergebnisse der produktiven Thätigkeit bei verschiedenen Völkern und zu verschiedenen Zeiten sein mögen. Bei äußerster Genügsamkeit aller au der Gütererzenguiig Be­theiligten wird die Zahl der Arbeiter die denkbar größte M, welche die vorhandenen Prodnktioiismittel zulassen; darüber hinaus kann dieselbe nicht steigen, weil es einer »och größeren Anzahl Arbeiter an Wohnung, Kleidung und Unterhalt, an Fabrikgebäuden, Maschinen, Geräthen u. s. w.

Erzeugnisse ihrer Nachbarn anstaitscht, welche diese besser und billiger Herstellen können, wodurch jedes Volk auf die sparsamste Art mit den vollkommensten Produkten der mensch­lichen Arbeit versehen würde.

Dieses ist int Wesentlichen die Theorie des Freihandels. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Verwirklichung derselben das Ideal aller Gütererzengung wäre. Allein die abstrakten Lehrsätze der politischen Oekonomie, welche im Grunde nichts Anderes sind, als der logische Ausdruck wirthschaftlicher Kräfte oder Tendenzen, entsprechen den wirklichen Ver­hältnissen niemals ganz, wie überhaupt zu feiner Zeil unb auf feinem Gebiet menschlicher Thätigkeit die Praxis voll­ständig der Theorie entspricht. „Leicht bei einander wohnen die Gedanken, doch hart int Rannte stoßen sich die Sachen." Alan muß beständig mit störenden Einflüssen rechnen, welche die natürliche Nichtniig der ökonomischen Kräfte verändern, oder ihre Wirksamkeit beeinträchtigen, oder dieselbe hemmen; die politischen Beziehungen der Nationen, die stete Möglichkeit eines Krieges, die Erfordernisse der öffentlichen Verwaltung, kurz, die vielseitigen, iiianiiigfaltigcn Interessen des Staates beeinfltiffeit nothwendig das wirthschaftliche Leben und geben vielfach den ökoiiomischeu Kräften eine Richtung, welche sie ohne diese äußere Veranlassung nicht verfolgt hätten. Der Staat ist um seines eigenen Bestaitdes willen genöthigt, die Gütererzengung und damit die gesammte wirthschaftliche Entwickelung aus ihren natürlichen Bahnen in künstliche Bahnen abznlenken, wobei es jedoch immer Aufgabe ber Staatskunst bleibt, ber natürlichen Entwickelung bie ge­ringste mit ihren Bedürfnissen und Zwecken vereinbare Ge­walt auzuthuu. Die Verwirklichung des sreihändlerischen Ideals setzt vor allen Dingen einen dauernden Frieden mit säinrntlichen Nachbarvölkern voraus, wogegen die moderne Staatskunst vielmehr mit beständiger Kriegsgefahr zu rechnen hat; außerdem müßte jede Nation den freien Austausch ihrer Erzeugnisse gestatten, da der Nichtanschlnß einer ein­zigen die Wirkung des Systems bei allen übrigen beein­trächtigen würde. Die Theorie fordert die Weltwirthschaft, wogegen die Praxis mir die Natioualwirthschaft keimt.

Der moderne Staat macht seinen Einfluß auf das Wirthschaftsleben dadurch geltend, daß er nothwendige oder erwünschte Erzeugnisse des In- oder Auslandes mit einer Steuer belegt, fei es, um die Kosten der öffentlichen Ver­waltung, der Polizei, des Heeres, der Flotte n. f. w. zu bestreiten, sei cs, um die Einfuhr eines fremden ober die Erzeugung eines einheimischen Produktes zu erschweren ober überhaupt zu verhindern. Die Wirkung der (nicht prohibi- tiyeu) Besteuerung einheimischer Erzeugnisse kann nur diejenige sein, daß sie dieselben entweder verschlechtert ober vertheucrt. Wo der Detailpreis einer Waare nicht durch die Konkurrenz der Produzenten untereinander, sondern durch Gewohnheit und Herkommen bestimmt wird, wie z. B. in den Vereinigten Staaten btr Detailpreis der meisten gebrannten und gegorenen im Lande selbst probierten Getränke, ber einheimischen Rauchtabake u. dgl., wird eine sogen. Jnlandstciier nothwendig die Verschlechte­rung der Waare bewirken. Da nämlich ber Detailpreis solcher Gegenstänbe nicht ober nicht leicht erhöht werden kann, füllt die Steuer nicht auf die Kousuuienten, sondern auf die Produzenten, und diese wissen sich für die Ver­minderung ihres Nutzens durch eine entsprechende Ver­schlechterung der Qualität schadlos zu halten. In diesem Sinne trifft die Steuer den Kousumenten freilich doch und zwar, statt an feinem Geldbeutel, an seiner Gesundheit, oder wenigstens an seinem Lebeusgenuß; will dann aber unter solchen Verhältnissen ber Staat durch Gesetze die Qualität reguürcn, so wird der Rückgang unb nicht selten bie Zerstörung ber beaufsichtigten Industrie die Folge fein.

Wird dagegen die Abgabe von einem ausländischen Er­zeugnisse, werden Einfuhrzölle auf fremde Waaren erhoben, so wird hierdurch eine Prämie vis zur Höhe des Zolles auf einheimische Produkte gleicher Gattung gesetzt und entweder ein Abfluß von Kapital aus anderen Betrieben in die präntiirte (beschützte) Industrie verursacht, oder das Ein­strömen neugebilbeten Kapitals in bie nicht beschützten Jn- dustrieeii verhinbert unb ber prämiirten zugeführt, bis bnrch bie Konkurrenz ber beschützten Judustrieen untereinander der Gewinn auf das durchschnittliche Niveau gebracht und uiithin der Anfangs durch den Einfuhrzoll gewährte Vor- theil wieder ausgeglichen ist. Im Anfang dieser Unter­suchung haben wir gezeigt, daß die Gütererzeugung eines Landes von der Menge der vorhandenen Prodiiktionsuiittel beschränkt wird, wir können demnach keinen Einfuhrzoll von ausländischen Waaren, deren Herstellung im eigenen Lande durch den Zoll ermöglicht wird, erheben, ohne den bereits bestehenden Betrieben Kapital zu entziehen. Bei prohibitiven Einfuhrzöllen, welche jegliche Konkurrenz des fremden mit dem einheimischen Pro­dukte anSschlicßen, so daß jenes überhaupt nur mit Verlust eingeführt werden kann (was einem Einfuhrverbote gleich­kommt), wird sich das einheimische Kapital a fortiori ber Herstellung bieses Produktes zuwenden unb zwar auch hier bis zu bemjenigen Punkte, wo der Gewinn des neuen Be-

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Mzeugung verwendet. Es giebt kein Kapital, das nicht in «r einen ober andern Weise produktiv thülig wäre. Denn Wenigen Werthe, welche unproduktiv verbraucht werden, zu bloßen Zwecken des Luxus unb des Wohllebens, verlieren iben dadurch ihren Charakter als Kapital, indem sie nicht

^«uiener Befrtevigiing seiner Bedürfnisse unb Wunsche, in Richtung bes geringsten Widerstandes. Der Kapitalist, M Unterlief)liier, sucht sich diejenigen Erwerbsgebiete aus, "nche ihm die höchsten Zinse«, de« reichsten Nutzen bei suchst eriiigem Risiko verheißen; der Laudwirth baut W seinen Feldern diejenigen Früchte, von denen er den Wtxii Ertrag erwartet; der Arbeiter sucht die am wenigsten Wlfüllte« Berufsarten auf, ober solche, bie seinen

Vsungen, seinen Fähigkeiten am meisten entsprechen. ®emanb thiit das Gegcnthcil; Jeber wählt be« nach seinem Messen kürzesten ober leichtesten Weg zu seiner materiellen Msperität ober zur Befriedigung feines Ehrgeizes, solange ^W>t äußerer Zwang seine Entscheibung beeinflußt.

3nt freien, unbehinderte« Spiel der durch keine künst- Schranken eingeengten wirthschaftlichen Kräfte werden M daher Arbeit unb Kapital einer Nation von selbst den- jgnfleii Betrieben zuwenben, bie unter beit gegebenen Per- des Klimas, bc5 Bodens, der geographischen unb Lage u. s. w. bie ergiebigste« sind. I« einem s- B., ba§ sich vorzugsweise zum Ackerbau eignet, dieser der verbreitetste Erwerbszweig sein; in einem ELft-"' Verhältnisse ber industriellen Thüti'gkeit jÄWigere Aussichten eröffnen, wird der Industrie, in einem das durch feine geographische Lage unb de« Unter- seiner Bewohner hierzu geeignet ist, wird dem ^WUdel die führende Rolle unter den verschiedenen Erwerbs- Wöe« ziifallen. Arbeit unb Kapital einer Nation werde« solchen Umständen bie höchste erreichbare Leistungk- jg’Stett entfalten; ber Austausch von Gütern unter den ^Wklneit Nationen wirb in ber Weise vor sich gehe«, baß ^Mdon ihnen biejeuige« Erzeugnisse, welche sie besser unb

Herstellen kann als ihre Nachbarn, gegen biejenigen

sehlen würde Die Gütererzeugung ist daher dem vorhandene« 1 NM Kapital unter alle« Umstände« proportionirt, unb cs thut