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41. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

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530

Samstag, den 11. Uovember

1893

Abend-Ausgabe

y a Mische Tages- D « ttd sch an.

— Wenig« Tage nur trennen uns noch von dem Be­ginn der Reichs tugssession. Sie wird wieder un­gewöhnlich reich au wichtigen Entscheidungen sein. Davon

deutscimen Arbeitsstosss sein und unverzüglich in die Be- rathung der wichtigsten Vorlagen eintreten. Es ist daher dringend erforderlich, daß die Abgeordneten sich vollzählig und rechtzeitig einfinben. Das Präsidium wird, wie man annimmt, in seinem bisherigen Bestand (v. Levetzow, v. Buol-Berenberg, Dr. Bürklin) erneuert werden.

— Der Rei «ertrag der geplanten Reichswein­steuer ist bekanntlich auf 17 Millionen veranschlagt, wovon aber, wie weiter bekannt wird, der größere Theil, nämlich 12'/, Millionen, auf beit Paturwein und nur 4'/, Millionen auf den Schaumwein entfallen, während auf nennenSwerthe Erträge der Kunstweinsteuer nicht gerechnet wird. Man nimmt an, daß etwa 1,281,000 Hektoliter Naturwein in einer Preislage über 50 Mark zum Verkauf gelangen, was bei einem Durchschnittswerth dieser Weine von 78 Mark pro Hektoliter und bei Abzug von 15 pCt. oder 2'/» Millionen Verwaltttugskosteu bei einer Steuer von 15 pCt. des Werthes, wie sie stattfiuden soll, oben genannten Rein­ertrag von 12 ’/s Millionen ergeben würde. Bezüglich des Schaumweins nimmt man an, daß 9,120,000 Flaschen in­ländischer Produkte im Werthe von 21,520,000 Mark und 1,035,000 Flaschen im Werthe von 6,210,000 Mark zur Versteuerung gelangen werden. Das ergäbe dann ein Fünftel ober 5,3 Millionen Bruttostenerertrag und nach Abzug der Verwaltungskosten etwa 41/, Millionen Mark.

— Am Mittwoch hat, wie gemeldet, der ungarische Miuisterpräfident Dr. Wrkerle in einer ihm gewährten Audienz vom König die Ermächtiguitg erhalten, den Civilehe-

selben im geeigneten Momente gegen Marokko zu entsenden. Ebenso ist bekannt, daß Frankreich von seinem algerischen Besitz in der Richtung nach Süden zu eine Verbindnng mit dem Sudan sucht, zu welchem Zweck es in der Richtung nach den Oasen von Zitat, bereit Lage unsere Leser eben­falls auf unserem Kartenbilde verzeichnet finben, vorziidringen strebt. Alle weiteren, über die Vorgänge auf dem utarok- kanischen Kriegsschauplätze einlaufenden Berichte können unsere Leser an der Hand der Kartenskizze bequem verfolgen.

etwas über 2000 Einwohnern; es ist befestigt, jedoch Mrde es dem Angriff moderner Geschütze keinen Augenblick Werstehen können. Der südöstlich der Stadt belegene i$Jfen ist nur seicht und durch seine Lage nur sehr wenig Wchützt. Handel und Verkehr, meist mit Spanien in Ver- Mung stehend, sind nur unbedeutend, trotzdem Melilla sich W ziemlich genau 4 Jahrhunderten (seil 1496) in Spaniens j^fitz befindet.

L ^us dem spanisch-marokkanischen Konflikt kann, so fürchtet Wu, eine ernste Verwickelung entstehen, da die in jenem P»iete Afrikas intereffirten Mächte England und Frank- W. denselben behufs Gewinnung besonderer Vortheile aus- Pwt können. So wird berichtet, daß auf algerischem Ge- W welches im Osten an Marokko stößt, die Franzosen Weits bei Tlemsen Truppen konzeittrirt hätten, um die­

Ge setzentwurf im Abgeordnetenhanse eiuziibringe». Mit tiefer Znstiinmung des Monarchen ist ein bedeutender Schritt auf jenem Wege vorwärts gethan, auf dein eilte endgültige Lösung der kirchenpolitischen Wirren in Ungarn herbeigeführt werden soll. Die Ursachen dieses „Kulturkampfes" lagen bekanntlich ^vor Allem in dem sog. Wegtanfenstreit. Das ungarische Staatsgrundgesetz vom Jahre 1867 hatte bestimmt, daß die ans Mischehen hervorgegaugenen Knaben der Kon­fession des Vaters, die Mädchen derjenigen der Mutter zu folgen haben. Zwei Jahrzehnte lang hatte der Klerus gegen diese Bestimmung nichts einzuwenden. Als aber 1890 der Kultusminister sich geuöthigt sah, Strafbestimmungen gegen das „Wegtaufen", d. h. die widerrechtliche Eintraguilg der ans Mischehen entsprossenen Kinder in die katholischen Kirchenbücher, zu erlassen, begann der katholische Klerus einen entschlossenen Widerstand zu organisiren. Unerträglich waren die Reibungen, die aus der geistlichen Matrikelführung für die kon­fessionell gemischten Ehen eutftammenbeu Kinder sich ergaben. Es war nur eine Lösung dieser Streitigkeiten möglich, nämlich die Matrikelführung den weltlichen Organen zu übertragen. Da sich aber die Civil- staiidsregister nicht bloß auf Geburten und Todesfälle, sondern auch auf Trauungen ansdehnen, so mußte man die Konsequenz ziehen, auch die Civilehe, und zwar die ob­ligatorische, einzuführen. Der Gesetzentwurf des ungarischen Ministeriums, welcher genau nach preußischem Muster gearbeitet ist, er­schien nicht nur in Hinblick auf die kirch­lichen Streitigkeiten, sondern auch im rein staatlichen Interesse dringend geboten. Der zweite Theil des Gesetzentwurfs bezog sich auf die endgültige staatliche Anerkennung der jüdischen Religion. Diese Entscheidung ist dem streng kirchlich gefinmen Monarchen nicht leicht gefallen; auch haben sich die katholische Geistlichkeit und der klerikal ge­sinnte ungarische Adel redliche Mühe gegeben, den Monarchen auf ihre Seite zn bringen.

— Alle Pariser Blatter bringen anläßlich des Dynamit-Attentats zn Barcelona sehr ernst gehaltene Artikel zur Anarchisteu- frage. Das „Journal des Debats" glaubt den Anarchismus für eine Geisteskrankheit halten zu müssen, für eine Sucht nach Ver­nichtung. Man müife die Anarchisten, die ein Vergnügen daran empfinden, unschuldige Menschen leiden zu scheu, wie wilde Thiere verfolgen und abschießeu. Der „Figaro" verlangt, man solle Anarchisten von jeder eventitellen Amnestie ausschließeu.

Der Kriegsschauplatz in Marokko.

Von jeher ist das marokkanische Reich ein Brennpunkt sehr verschiedener Interessen gewesen, und wiederholt sind Konflikte kleineren oder größeren Umfanges dort entstanden, : wenn die Interessen der Angehörigen civilisirter europäischer Staaten oder dieser letzteren selbst durch die Zügellosigkeit marokkanischer Volksstämute verletzt worben waren. Auch gegenwärtig liegt ein Fall solcher Art vor. Am 2. Oktober : hat bekanntlich ein lieberfall ber spanischen Besatzung von Melilla durch die Kabylen stattgefunden, wobei dieselben ; in bas den Ort Melilla umgebende Gebiet : einbraugeii, dasselbe zum Theil verwüsteten, i einespanischeWachtiiiannschaftüberfielen, wobei zahlreiche Spanier verwundet oder getödtet wurden, und die Befestigungsbauten des Forts von Guariax zerstörten, lieber die weiter folgenden Einzelheiten sind die Leser durch Telegramme und sonstige Miltheilimgeu fort­laufend unterrichtet. Gegenwärtig nun, wo Spanien sich anschickt, mit einer größeren nach Melilla entsendeten Streitmacht zur Züchtigung der maurischen Stämme zu schreiten und sich an Ort und Stelle Genug- thuung zu verschaffen, wird unseren Lesern eine bildliche Darstellung der in Betracht kommenden Ocrilichkeit willkommen fein; in dieser Hinsicht verweisen wir auf bas bei- stehenbe Kartenbild.

Melilla ist eine spanische Besitzung an bei Rordküste von Marokko, ähnlich wie Ceuta an der Straße von Gibraltar unb wie die erheblich kleineren Besitzungen von Gomera und Alhueema Mischen Ceuta unb Melilla;

letztere umfaßt ein südlich des weit vorspringenden Kap Tres Forcas ge­legenes Küstcuterrain von nur geringer Ausdehnung. Die Küste wird hier von den Riff-Berbern bewohnt (er=Rif in der Karten­skizze), die von jeher durch gewaltsame Handlungen berüchtigt sind. So fei nur kurz daran erinnert, daß der Prinz Adalbert, welcher im Jahre 1856 mit einem preußi­schen Geschwader im Mittelmeere kreuzte, von den Riffpiraten bei einem Landgange «»gegriffen wurde, was zu dem Versuch einer Züchtigung der Kabylen führte, der damals jedoch nicht recht zur Ausführung kam. Noch 1852 hatten die Riffpiraten ein Preußisches Handelsschiff, welches die Straße don Gibraltar passirte, geplündert unb die Msatznng niedergeuietzelt.

Slnzeigen-PrelS,

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen lo Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Psa. — Reklamen die Pktitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Deutsches Keich.

* Krtittt» 11. Nov. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt anläßlich ber fort­währenden Angriffe fortschrittlicher unb sozial­demokratischer Blätter gegen die oberste PostbeHörde: daß letztere daS Dienst­

altersstufensystem am 1. April «och nicht auf die Beamten und llnkibenniten ber Reichspost und ber Telegraphenvenvaltnug ausgedehnt habe, geschehe nicht, um die Kosten bei der eventuellen Einführung des neuen Systems im Betrage von zwei Millionen Mark zu sparen, sondern um diese Summe den llnterbeamteu zu erhalten. Alle entgegengesetzten Mittheilungen beruhten ent­weder auf Mißverständiiiß oder. auf der Absicht, bei den llnterbeamteu Unzufriedenheit zu erregen. — Der Bnndes- r a th ist in der Etatsbercithung so weit vorgeschritten, daß nur noch die Erledigung des Militäretats anssteht. In nächster Woche wird der Biiudesrath die Steuergesetz- eutwiirfe berathen. — In der vorgestrigen Bund es raths- sitzung wurde die Zustimmung ertheilt: dem Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes über die Gründung und Verwaltung des Reichs-Jnvalidcnfonds, dem Handels­verträge mit Serbien, sowie dem mit Serbien über Muster­schutz und Markenschutz getroffenen llebcrcinfoimneit. — Am Montag findet eine Sitzung der Delegirten für den deutsch-russischen Handelsvertrag statt. Wie die „National-Ztg." schreibt, hegt man russischerseitS noch immer den Wunsch nach einem Provisorium. Dieser Plan, der nur darauf ausgcht, der diesjährigen russischen Ernte den deutschen Markt zu öffnen, wird von ber Regierung int Interesse der auf dauernde Verhältnisse angewiesenen deutschen Industrie nicht angenommen werden. — Gestern wurde nun auch die Beilage zu Nummer 44 des „Sozialist" konfiszirt, weil in dem darin enthaltenen Aufruf an die revolutionären Metallarbeiter Berlins eine Aufreizung zur Gewalt gefunden wurde. — Ter „Vorwärts" veröffentlicht in seiner letzten Nummer eilten Protest mehrerer revolu-

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: 5® Pfennig monatlich für beide Ausgabe« zusammen. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

£ne spanische.Besitzung von Melilla ist die östlichste der 'vier spanischen Presidios «ii der Nordküste von Marokko, sic liegt kh Kilometer südöstlich des genannten Kap Tres Foreas und besteht aus einem den <rt im Halbkreise umgebenden Terrain, dessen Grenz-

~r.t im Halbkreise umgebenden Terrain, dessen Grenz- I zeugt auch das Vorhaben des Kaisers, die Vcrsanimluug durch innerhalb dieses Terrains errichtete Forts | selbst zn eröffnen. Der Reichstag wird gleich int Beginn feiner Thätigkeit im Besitz eines umsangreichen und be­

schützt werden soll. Unsere Leser finden die poli- mche Grenze ber Besitzung sowohl wie auch die eiu- Mneu, meist auf Höhen errichteten Forts, um welche M Kampf entbrannt ist, auf unserer Skizze verzeichnet. Die Berber haben mit den Waffen in der Hand den Aus- Aw der gerade in ber Herstellung begriffenen südlichen :Wtts verhindert, trotzdem dieselben auf spanischem Grund Boden liegen. Melilla selbst liegt zurückgezogen an W Küste, auf dem östlichen Vorsprunge des Gebiets, und N durch Dampferlinien mit den östlich und westlich be- W8enen nächsten marokkanischen bezw. algerischen Hafenplätzen »ist dem spanischen Hafen Malaga verbunden, von BW' letzterem ans die spanischen Truppensendnngen er- Lmgen. Melilla ist nur ein kleiner, unansehnlicher Ort

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