Abend-Ausgabe
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1893.
Dienstag, den 26. September
Grund und Bodcn.
W.
besitz ihrer Lösung näher gerückt. Auch der Keim zu einer gesunden Weitercntwickelnng liegt in dem Arons'schen Vorschläge. Bewährt er sich in der Praxis, so weist er naturgemäß zunächst auf eine Uebernahme des gesummten Hypo- thckenmesens durch die Gemeinden unter Slaatskontrolle hin, in seiner jetzigen Gestalt aber bringt er die Gemeinde als solche in unmittelbare rechtliche Beziehung zu ihrem gesummten
aus Ostafrika bestätigt es sich leider, daß es Meli gelungen ist, bei der Erstürmung seiner Tembe mit seinen Mannschaften zu entkommen, indcß, und auch in englischen Missionskreisen diese Ansicht, daß Meli durch seine gründliche
dem Sultan burgartigen Man hofft theilt man Niederlage
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fanatischen Geheimbundes. Den beiden Tischlern half als Eisentechniker der 37-jährige Maschinenschlosser und Monteur Stelka aus Prakowitz in Böhmen, der die Herstellung von Hohlgeschosseu besorgte. An Sprengmitteln fand man auch rauchloses Pulver, Pikrinsäure und Ecrasit, ferner ein Uhrwerk mit Mechanismus und in der inneren Brusttasche eines Ueberrocks Drahtgeflechte und Haken cingenäht, was als eine Vorbereitung zu dem Transport und der Anwendung der Bomben erscheint. Man fand nihilistische Korrespondenzen, die Handschrift eines Aufrufs au die österreichische Volksmenge, die aus der Redaktion des Londoner Antonomisteu stammte, Aufrufe an die Arbeiter im Soldatenrock und Schriftstücke, die eine Verbindung mit Anarchisten in Amerika beweisen. Haspel und Hammel scheinen ganz nach den Vorschriften gearbeitet zu haben, die Most in seiner „Freiheit" über die Bildung kleiner Anarchistengruppen sowie über die Anfertigung von Sprenggeschossen gegeben hat. Auch bekennen sie sich selbst als Schüler Mosts. Von den vierzehn Verhafteten wurden zwei entlassen, zwölf dem Landesgericht eingeliefcrt.
— Nach in Berlin eingegangenen brieflichen Nachrichten
Zwangsversteigerungen banerlicher Güter.
Eine empfindliche Härte der Gesetzgebung ist es, daß ein Bauer, welcher die Schulden nicht mehr aufznbringen vermag, sein Gütchen in der Zwangsversteigerung mangels kaufkräftiger Bieter zu einem Spottpreis seinem Gläubiger überlassen muß, während ihm bei einem reellen Gebot vielleicht noch eine kleine Summe zur Neubegründung einer Existenz bliebe. Es ist nicht selten, daß ein Wucherer sich nicht scheut, wegen einer Schuld von einigen Hundert Mark ein ganzes Vermögen im Werthe von einigen Tausend Mark subhastiren zu lassen, wobei ihm zu Nutze kommt, daß die anderen Bauern, zum Theil gleichfalls von ihm abhängig, aus Furcht nicht mitbieten oder weil sie keine augenblickliche Verwendung haben. Diesem Mißstände würde fast ganz gesteuert werden, wenn die Gemeinden, in welchen die zur Zwangsversteigerung gelangenden Grundstücke liegen, bis zu einer gewissen Preishöhe als Bieter austreten könnten. Im „Sozialpolit. Centralblatt" macht Leo Arons-Berlin einen dahingehenden Vorschlag, indem er den Erlaß eines Reichs- oder Landesgesetzes befürwortet, welches etwa Folgendes bestimmt: „Bei jeder in ihrer Gemarkung stattfindenden Zwangsversteigerung eines Grundbesitzes bis zu 50 ha tritt die Gemeinde als Bieter bis zur Höhe eines bestimmten Vielfachen des Katastralreiuertrages auf. Im Falle des Zuschlages erhält sie vom Staate die Baarmittel zu 3,/a (ober 3S/*) pCt. als Darlehen. Für dieses Darlehen haftet 1) das erworbene Grundstück, welches bis zur völligen Rückzahlung im Gemeindebesitz bleiben muß, 2) die Gemeinde selbst." Der Vorschlag beschränkt sich zunächst auf den kleinsten und mittleren Grundbesitz. Einmal wird . dadurch die Ausführbarkeit erleichtert, andererseits trifft die weit überwiegende Zahl der Zwangsversteigerungen auf diesen. Das Vielfache des Katastralreinertrages, bis zu welchem sich das Gebot der Gemeinde erstrecken darf, läßt sich nicht ohne Weiteres angeben, obgleich dieser Punkt geradezu ausschlaggebend ist. Wird dieses Vielfache zu niedrig gegriffen, so würde die ganze Maßregel wirkungslos; greift man zu hoch, so könnten den Gemeinden durch die Haftung finanzielle Schwierigkeiten erwachsen. Doch wird man nach dieser Seite hin nicht zu ängstlich sein dürfen; so giebt z. B. die „Landschaft der Provinz Westfalen" Darlehen bis zum 30-fachen des Katastralreinertrages zu 4'/« pCt., worin die Amortisation in 50—55 Jahren ohne Weiteres eingeschlossen ist. Arons meint, daß das Gemeindegebot bei dem billigen Zinsfuß, zu dem die Gemeinde das Geld erhalten soll, beträchtlich höher sein könnte, zumal sie bei Anfall mit der Verwaltung der Güler wohl kein schlechtes Geschäft machen würde. Da das Darlehen dem Staate absolut sicher gestellt ist, so wäre es eine lediglich technische Frage, ob er die Gelder unter Zuhülfcnahme der Reichs- oank oder besonders zu schaffender Landesbanken ober durch von den Landwirthschaftsministerien zu verwaltende Fonds oder durch Verwendung der aus den staatlichen Versicherungen zusammenfließenden Summen vorschießen will. Große Mittel werden übrigens nicht erforderlich sein, da das Gebot der Gemeinde zunächst nur eine Verschleuderung des Gutes bei der Zwangsversteigerung verhüten soll, der Zuschlag also nicht allzu oft erfolgen wird; andererseits wird die Gemeinde, welche in der Lage ist, einen günstigeren Zeitpunkt abzuwarten, fast immer binnen wenigen Jahren zum Wiederverkauf schreiten können, falls sie es nicht vorzieht, bei dieser Gelegenheit Gerneindeeigenthum zu schaffen bezw. zu vermehren.
Außer der Sicherung eines reellen Mindestgebots bei Zwangsversteigerungen könnte der Arons'sche Vorschlag noch weiter nützliche Folgen zeitigen. So würden durch Einführung des voxgeschlageneu Gesetzes sämmtlichc Hypotheken auf Grundstücke in der Gemarkung einer Gemeinde bis zur Höhe des in Vielfachen des Katastralreinertrages ein- für allemal festgesetzten Mindestgebotes unzweifelhafte Sicherheit erlangen; der Zinsfuß für dieselben würde infolge dessen sehr niedrig bemessen und damit würde die Frage eines gesunden RealkreditZ für den kleineren und mittleren Grund
Dolttische Tages-Rundschau.
— Wie die „Nationalzeitung" meldet, haben die Verhandlungen der Kommissionen über die zur Deckung der Kosten der Heeresverstäikung einzuführenden Tabak- fabrikatsteuer und Weinsteuer soweit zu einem Ein- verständniß geführt, daß an der Vorlegung der Entwürfe beim Beginn der nächsten Reichstagssesfion nicht zu zweifeln ist. Was die Tabakfabrikatstener anbetrifft, so haben, wie aus der Mitte der vernommenen Sachverständigen des Tabakgewerbes verlautet, dieselben anerkannt, daß die in Aussicht genommenen Modalitäten für die Besteuerung der Fabrikate, wobei die jetzige Julandsteuer auf Rohtabak wegfällt, den gewerblichen Interessen nach Möglichkeit angepaßl sind. Daß die vernommenen Interessenten sich trotzdem gegen jede Mehrbelastung des Tabaks gewehrt haben und insofern mit ihnen fein Emverständniß erzielt worden, liegt in der Natur der Sache. Beim Weine hat man sich, wie verlautet, dahin geeinigt, daß die Besteuerung für das Reich zum Preise von 50 Mk. das Hektoliter beginnen soll. — Die „Süddeutsche Tabakzeituug" theilt die Grundzüge des der Ministerial- konfereuz vorliegenden T ab akst euer ent wurfs mit: Die Banderolenstener wurde fallen gelassen. Der Fakturawerth, richtiger die llmsatzsteuer wird gefordert, für Cigarren 40 pCt., für Schneidfabrikate 100 pCt. vom Werthe. Die Jnlandstcuer wird beseitigt, die Neberwachung der Jnlauds- lager aufgehoben, der Zoll auf 45 Mark für den Doppel- centncr herabgesetzt. Dafür Rückvergütung der ©teuer und des Zolls für Tabakvorrüthe und Fabrikate um die spätere Differenz gegen die heutigen Sätze.
— Die Bankskandale in Italien zeitigen immer mehr Enthüllungen. Außerordentliches Aufsehen macht neuerdings ein sechs Spalten langer Brief, den Cavallotti an Grimaldi im „Fc-nfulla" veröffentlicht. Grimaldi hatte sich in einem Briefe gegen den öffentlich von Cavallotti erhobenen Vorwurf vertheidigt, von dem Treiben Tanlougos, des Direktors der „Bauea Romana", Kenntniß gehabt zu haben. Darauf ist die Publikation CavallotliS die Antwort. Er sagt darin, daß Grimaldi kein Recht zu Protesten habe. Drei Minister seien in den Dokumenten der Enquete mit genauen Ziffern augeklagt und Niemand glaube ihren Ableugnungen, zumal nach der Ausmusterung der bei Tanlongo beschlagnahmten Papiere. Daß dies geschehen, habe ihm (Cavallotti) ein Unterstaatssekretär zugestauden, der versicherte, es habe sich um die Rettung der schönsten Namen der italienischen Revolution gehandelt; doch sei das nur ein Vorwand. Thatsache sei, daß nach Ausmusterung der Papiere gewisse Minister und Depntirte, die nach der Verhaftung Tanlongos- auffällig verstummten, plötzlich ihre Sprache wiedergefunden halten. Grimaldi gegenüber erscheine selbst Giolitti trotz Allem, was gegen ihn spricht, ein Cato und Grimaldi könnte sich nicht davon dispeusiren, die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen eingehend zu widerlegen. Er habe schließlich schon seit 1888 um Tanlongos Treiben gewußt und nichts dagegen gethan und wie durch fünf Zeugen festgestellt, seit November durch Zam- marano von der Ueber-Emissiou von 30 Millionen bei der Banea Romana Kunde gehabt. Cavallotti kritisirt sodann das ganze Thun des Kabinets und sagt, er hätte es unterstützt, wenn es nicht eine Regierung der entschiedenen Linken gewesen und schließt mit der Erklärung, daß Grimaldi ihm eine Schmach anthue, wenn er ihn Freund nenne, nachdem er mit seinem Intimus Chauvct über die Grmidzüge des neuen Bankgesetzes verhandle.
— Die Verhaftung von mehreren Anarchisten in Wien hat begreiflicher Weise das größte Aussehen erregt und einen erneuten Einblick gestattet in das hirnverbrannte Treiben bethörter, urtheilsloser Volkskreise. Es handelt sich in Wien lediglich um das Schandwerk von Anarchisten, keine andere politische Partei, namentlich nicht die sozialdemokratische, scheint damit etwas gemein zu haben. Zn den Anarchisten-Entdeckungen selbst wird weiter gemeldet: Die Polizei hatte seit fast einem Jahre Anhaltspunkte für das Bestehen einer Wiener Geheimdruckerei. Die Entdeckung derselben wurde jedoch dadurch erschwert, daß nach dem Ausstreuen aiiarchistischer Flugschriften jedesmal ein längerer Zeitraum verging, ehe abermals eine nächtliche Verbreitung erfolgte. Auch bewegten sich die Tischlergehülfen Haspel und Hamel nicht in Sozialistenversammlungen, sondern beschränkten ihren Verkehr auf die kleine Gemeinde eines
Ausland.
* Frankreich. Am Sonntag entstand in Paris in einer Versammlung im Sauborg du Temple, welche über das Fest im genannten Stadtviertel zu Ehren der russischen Flotte be- rathen wollte, eine Schlägerei, al« einige Teilnehmer an der Versammlung „Hoch der Dreibund" riefen. Zwölf Personen wurden verwundet, batunter drei ziemlich schwer, und zehn Personen verhaftet. — Hine von 800 Arbeitern besuchte Versammlung der Arbeiterveremigung in Paris nahm eine Tagesordnung an, wonach
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und die Zerstörung seiner Burg derartig eingeschüchtert fein wird, daß er weitere Belästigungen des deutschen Gebietes und der Karawanenstraße unterlassen wird. Um aber etwaigen Gelüsten Melis auch ein materielles Hinderniß ent- gegeuzusctzen, hat man an der Stelle, wo seine Burg stand, Befestigungen errichtet, von denen aus seinem Vordringen leicht entgegengetreten werden kann.
— Vom Aufstand in Brasilien ist zu berWen, daß Admiral de Mello die Blockade von Rio'de Janeiro erneuert hat und daß er ein Geschwader aus- rilste, das nach den nördlichen Häfen abgehen soll.
— Die aufstä irdische Bewegung in Argentinien erregen das ganze Land, und in maßgebenden Kreisen herrscht die Besorgniß, die Revolution werde großen Umfang annehmen. In Buenos-Aires, Stadt und Provinz, wurden die National-Garden einberufe». Präsident Pellegrini ist vor Tucuman eingetroffen; er glaubt, daß die Insurgenten sich ergeben werden. In Santa Fö unterstützen die fremden Ansiedler die Jusurgeiiteu; es wurde daselbst am Sonntag den ganzen Tag gekämpft. Ein Therl der Nationaltruppen ging auf die Seile der Aufständischen über. Einige Bataillone werden von Entre Rio erwartet, um die nationalen Streitkräfte gegen die Ansiedler zn unterstützen. Die Nationalgarden von Cordoba, Santiago und San Louis haben sich organisirt, um Pellegrini zu unterstützen. Nach Meldungen aus Buenos-Aires geht daselbst das Gerücht um, daß Dr. Alem, der Führer der Radikalen und die Seele ihres Aufstandes, ermordet worden fei.
Deutsches Keich»
* Fürst Bismarck ift, wie die „Hamburger Nachrichten" melden, soweit hergcstellt, daß die Uebersiedlung von Kissiugen nach Friedrichsruh nächster Tage erfolgen werde. — Die Abreise von Kissiugen ist, der „Köln. Ztg." zufolge, bisher verzögert worden, weil der Fürst das Wiederauftretcn unerträglicher Schmerzen befürchtet. Während die Gesichtsschmerzen den Fürsten niemals verlassen, erzeuglen die in Kissiugen hiuzugekommene heftige Ischias nebst Venenschmerzen eine starke Lungeiiaffektion, die als eine leichte Lungeneiuzundung bezeichnet wird. Der Zustand sei thatsächlich bedenklich gewesen. Das Gewicht de« Fürsten ist jetzt wieder dasselbe, wie nach der Entfettungskur. Der Kaiser hat nicht bloß einmal tclegraphirt, sondern täqlich telegraphisch Erkundigung ein- gezoaeu. Graf Herbert Bismarck und Graf Rantzau, ohne ihre Ge- mahlinuen, verweilen noch in Kissiugen. Der Fürst wird von Kissiugen äeradeswcgs auf seine eigenen Besitzungen zurückkehren. — Die „R. Würzb. Ztg." versichert zwar, wie noch erwähnt fein mag, die Krankheit Bismarcks sei ein S chlag ans all gewesen, woher auch die theilweise Lähmung eines Armes rühre, doch wird diele Nachricht von anderer, gntnnterrichteter Seite durchaus bestritten. „ .
* Rundschau im Reiche. In einer von 1000 Personen besuchten B u ch d ru cke rv ers a mm tu ng in Berlin wird dagegen prötesti rt, daß die Reichsdruckerei die neueintretenden Gehülfen durch Unterschrift verpflichte der Buchdrnckergehülfen- Organisation nicht anzngehören, dadurch wurde das Coalirions- recht der Arbeiter eingeschränkt. Eventuell wird die sozialistische Fraktion des Reichstages den Minister des Innern interpelliren.
41. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: 6® Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederrrit begonnen werden.
Wertes Quartal"!
Der Verug
