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Abend-Ausgabe

«« Jahrgang.

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Verlag: Laiiggasse 27.

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Mo. 442.

Dontterftag, den 21. September

1893.

Handwerk und Kleinkraftmaschinen.

Freüilde des Handwerks vertreten in neuester Zeit unter Hinweis auf die Machtenlfaltung der Maschinen im heurigen Erwerbsleben mit Wort und Schrift den Gedanken, daß das durch die Entwickelung der wirthschaftlichen Verhältnisse in bedrängte Lage geratheue Handwerk hauptsächlich nur durch die Nutzbarmachung der Arbeitsmaschinen sich erhalten und weiter entwickeln könne, und zwar erwarten sie viel von der Anwendung mechanischer Motoren- von den Klein­kraftmaschinen. Es sollen mehr noch, als bisher geschehen ist, Maschinen, Drehbänke, Walzwerke, Hobel-, Feil-, Bohr-, Schccrenmaschincn, Kreissägen, Raspelmaschiucu re., die durch Kleinmotoren getrieben werden, in den Dienst des Klein­gewerbes gestellt und diesem damit eine Reihe von werth- vollen mechanischen Hülfsmittcln überwiesen werden, die der erfinderische Mcnschengeist mit jedem neuen Tage noch ver­mehren kann. Die ersten in dieser Richtung gemachten Vorschläge betrafen gemeinschaftliche Maschiuenanlagen, Cen- tralstcllen, wo die betheiligten kleinen Unternehmer jene Arbeitsinaschinen für ihren Bedarf miethen und gemein­schaftlich benutzen konnten. Diese Einrichtungen erwiese» sich jedoch als nicht überall verwendbar. Zeitverluste für die Arbeit, lästige Kontrolle, hier und da Chikanen der Konkurrenz und andere Mißstände haben den Wirkungskreis dieser gemeinschaftlichen Betriebe nicht sehr groß werden lassen. Der Handwerker zieht es eben offenbar vor, die maschinellen Hülfsmittcl in seiner eigenen Wcrkstätte zu be­nutzen, und dazu bieten ihm gegenwärtig die Kleinmotoren schon eine recht günstige Gelegenheit. Der Dampfmirschine ist hier vielfach der Vorrang durch andere Motoren streitig gemacht worden, die keineKesselaulagen erfordern und mög­lichst gefahrlos sind. So haben die Ericssonschen Heißluft­maschinen, die durch Explosion eines Gasgemenges getriebenen Gaskraftinaschinen nach dem Otto Langenschen Systeme be­reits in der Praxis Verwendung gefunden; andererseits verspricht man sich von einem System die Vertheilnng von Arbeitskraft von einer Centralstelle aus, sei es, daß die Kraft durch Eleklricität erzeugt wird, sei es, daß man das Poppsche Drnckluftsystem oder die Verdünnung der Luft in einer Röhrenlcitung oder Wasserdruckmaschinen anwendcn muß, eine große Zukunft für den Kleinbetrieb.

Im Jahre 1882 waren nach statistischen Berechnungen im Kleingewerbe nur erst 8594 Motoren im Betrieb. Seit­dem sind schon bedeutende Fortschritte in der Benutzung von Arbeitsmaschinen gemacht worden. Im Jahr 1889 wurde die Zahl der im Deutschen Reiche in Betrieb befind­lichen Gas- und Heißluftmotoren auf 30,000 geschätzt, von denen ungefähr 21,000 auf die Kleinbetriebe fallen sollten, wenn man für diese vier Pferdekräfte als obere Grenze der Leistungsfähigkeit annahm. Hier waren denn allerdings Buch- und Knnstdrucker, Maschinenbauer, Justrunienten- macher, Kaffeebrenner und Chokoladenfabrikanten mit ein- gcschlossen, und nur ein Theil war also ans die handiverks- müßigcn Betriebe der Schlosser, Schmiede, Tischler, Drechsler rc. zu rechnen. Die kleingewerbliche Tischlerei und Drechslerei war mit etwa 78 pCt. betheiligt.

Es wird nicht bestritten werden können, daß die Nutzbar­machung der Arbeitsmaschine strebsamen, mit einigem Betriebskapital versehenen Handwerkern erhebliche Vortheile bringt. Besonders ist aber den Handwerkern für die An­wendung der Kleinkraftmaschinen die genossenschaftliche Betriebsform zu empfehlen, durch welche die Maschinenkraft in ausgiebigster Weise ausgenutzt werde» kann. Neben der Kreditmacht ist es hauptsächlich die Maschineukraft, welche sich der Kleinbetrieb durch genossenschaftliche Selbst- hnlfe zugänglich machen muß, wenn er im Stande sein soll, sich in dem Konkurrenzkampf mit dem Großbetrieb zu be­haupten. Z.

Politische Togos-Rundschau.

Eine erfreuliche Kunde bringt der Telegraph aus Güns; sie betrifft das Verhältniß zwischen dem Kaiser Wilhelm und dem Fürsten Bismarck und lautet:

»Dem Vernehmen nach hat Kaiser Wilhelm, der erst nachträg­lich von der schweren Erkrankung des Fürsten Bismarck erfuhr, diesem von hier ans telegraphisch seine Theiluahme ausgesprochen und dem Fürsten mit Rücksicht auf das ungünstige Klima in Friediichsrnh in einem der Kaiserschlösser Wohnung angeboten. Fürst Bismarck dankte lebhaft in einem ausführliche» Telegramm, verzichtete jedoch auf die Annahme des kaiserlichen Anerbietens auf den Rath des Professors Schweninger, der sich gegen eine Aende- rung des gewohnten Auseuhalt« aussprach."

Man schreibt uns:Die Absicht der Reichsregierung, zur Deckung der Kosten, welche die Vermehrung des Heeres verursacht, eine neue Weinsteuer einzuführen, hat große Beunruhigung sowohl bei den Weinbauern wie Weinhäudlern

hervorgernfen. Es besteht allgemein der Wunsch, diese neue Weiilstcuer zu bcküuipfeu, damit schivere Schädigungen unseres Wcinbanes verhütet werben. Die Interessenten sind aber erst dann in der Lage, die Schäden der beabsichtigten Weinsteuer gründlich beleuchten und den ganzen Steuerplan erfolgreich bekämpfen zu können, wenn bestimmte Nachrichten und Darlegungen über die geplante Weinstener vorliegen. Diese Nachrichten fehlen aber bisher ganz. Da anzunehmen ist, daß die verschiedenen, in jüngster Zeit abgehaltenen Stcnerkonfercnzen zu endgültigen Beschlüssen über die Art und Höhe der Weinstener geführt haben, so dürfte es nun­mehr an der Zeit sein, die Grundzüge des neuen Wcin- steuergesetzesderOeffcntlichkeitzn übergeben. Die Handels­kammer Wiesbaden hat sich deshalb schon vor einiger Zeit mit einer Eingabe an den Reichskanzler und den preußischen Handelsmmistcr gewandt, in der sie um baldige Mittheiluttg der Grundzüge des geplanten Reichsgesetzes, betreffend Besteuerung von Wein, bittet. Andere Handels­korporationen dürften nicht unterlassen, sich diesem Vorgehen der Handelskammer Wiesbaden anzlischließen, denn nur so kann die Gefahr vermieden werden, daß der Weinsteuer- Gesetzentwnrf zn spät bekannt und der sachkundigen Be­kämpfung durch die Jnteressentcil entzogen wird. Es darf wohl erwartet werden, daß die Reichs- und Landesregierung dem Wunsche nach baldiger Veröffentlichung derWeiusteuer- Vorlage nunmehr nach Beendigung der Steuerkonferenzeu bereitwilligst entsprechen werden. Ein entgegengesetztes Ver­fahren würde durchaus im Widerspruch mit dem Verhalten der Reichsregicruug int vorigen Jahre stehen, wo die neuen Steuergesetze, welche Erhöhungen der Bier-, Branntwciu- und Börsensteuer vorsahen, so zeitig bekannt wurden, daß den betroffenen Jndustrieen und Handelszweigen er­möglicht ivurde, dieStencrprojekte sachgemäß und erfolgreich zn bekämpfen." Zn demselben Gegenstand meldet die Kreitzzeituug": In der Weinstcucr-Koufereuz, die im Reichsschatzamt tagte, sind die Schwierigkeiten größer gewesen, als man angenommen hat. Es sollen die ver­schiedensten Vorschläge gemacht worden sein, wie die Steuer nach, der Fläche der Gemarkung oder den Weinlagen oder nach den Preisen der Weine abznmessen sei. In dieser Woche findet eine znsammenfasscnde Prüfung der bisherigen Ergebnisse statt.

3n den nächsten Tagen ist nunmehr die amtliche Bekanntmachung des Termins der Wahlmännerwahlen, der in die letzte Oktoberwoche fallen wird, zu erwarten. Es trennen uns also nur noch fünf bis sechs Wochen von dein Wahltage. Die Wahlbewegung ist bisher noch sehr wenig in Fluß gekommen, und einen besonders lebhaften Zug wird sie aller Voraussicht nach überhaupt nicht an- uehmen. Selbst die Kandidaten sind erst in einzelnen Fällen aufgestellt oder bekannt geworden. Dies dürfte vor­nehmlich dadurch zn erklären fehl, daß in den weitaus meisten Fällen und bei allen Parteien die alten Vertreter sicher wieder aufgestellt werden und auch alle Aussicht haben, wiedergewählt zu werden. Von Parlameulsmüdigkeit wird sehr wenig berichtet. Immerhin ist es von Wichtig­keit, die Personenfrage jetzt baldigst endgültig festzustellen.

DerConfectiouär" meldet: Der Reichskanzler, in Vertretung Staatssekretär v. Bötticher, hat, nachdem Er­hebungen über Arbeitszeit und Kündigungsfristen der Gehülfen und über die Verhältnisse der Lehrlinge in offenen Ladengeschäfte» stattgefundeu habe», nunmehr Fragebogen an die interessirte» Kreise, Korpo­rationen und Vereine versandt, um festzustellen, inwieweit die gegenwärtig üblichen Arbeitszeiten mit Rücksicht auf die körperlichen und geistigen Fähigkeiten der in Ladengeschäften Ihätigen Personen als übermäßige anzusehcn seien, auf welche Weise ohne Gefährdung der Existenzbedingungen des Kanfnianusstandes und ohne Schädigung berechtigter Inter­esse» des Publikums die Kürzung gegenwärtig üblicher, übermäßig langer Laden- und Arbeitszeiten sich ermöglichen lasse und welche Gründe für oder gegen die gesetzliche Ein­führung einer Minimal-Kündigungsfrist spreche». Hierbei ist auch eine Berücksichtigung der Verhältnisse der als Geschästs- dieuer, Packer, Markthelfer, Hausdiener u. s. w., der im Handclsgewerbe thätigcn Personen in Aussicht genommen. Nach Eingang der beantworteten Fragebogen sollen durch bestellte Kommissare mündliche Vernehmungen der Prinzipale und Gehülfen stattfinden. Durch den Fragebogen soll unter Auderm in Erfahrung gebracht werden, ob die Läden regel­mäßig nur 14 Stunden offen gehalten werde» dürfen, ferner ob es erwünscht und durchführbar ist, die tägliche Arbeitszeit von Gehülfen und Lehrlingen auf 12 Stunden, ausschließlich der ein- für allemal bestimmten Pausen, fest­zusetzen. Ferner wünscht der Reichskanzler Auskunft zu er­halten, ob eine gesetzliche Einführung einer für beide Theile gleichen Minimal-Kündigungsfrist für Handlungsgehülfen von vier Wochen ober, wenn dies nicht für möglich gehalten wird, von zwei Wochen einzuführen ist.

lieber die Stimmung der Regieruugskreise in Ungarn wegen der in Aussicht genommene» kirche n politischen Maßnahmen giebt ferner eine Tischrede bemerkeiiswerthen Aufschluß, welche der Justizmiitister v. Szilagyi bei dem Bankett des reformirten Kirchen-Konvents in Fünfkirche» hielt. Er erklärte, für die Seelsorger aller Konfessiouen nahe eine Prüfungszeit ihrer politischen Ucberzettgnng. Der Liberalismus gefährde den Glauben nicht, er sei vielmehr der treueste Freund der Religio». Der Minister toastete auf de» vereinigte» Kampf unter der Fahne des Liberalismus.

DieTimes" theilen einen Plan Sir Georg Elliots mit, nach welchem die Ausbeulung aller englischen Kohlengruben unter Staatskontrolle stattfindcn soll, und zwar durch Vermittlung eines administrativen Cenlralraths, in welchem die Gruben nach dem Verhältnisse ihrer dnrch- schnililichcn Produktion vertreten fein sollen. Die Lohnfrage wäre durch Vermittlnug von Distriktsräthen zn ordnen, in denen die Arbeiter vertreten wären; ebenso wäre der Ver- känfspreiS zu regel». Uebrigens macht die Beendigung des Streiks in den englischen Kohlengebieten weitere Fortschritte. Auch in Iorkshire, wo die Bergleute sich bisher am nnnach- giebigsteu gezeigt haben, sind auf einer Anzahl Masseu- meetiitjzs Resolutionen gefaßt worden zu Gunsten der Wiederaufnahme der Arbeit, wo die Besitzer die alten Löhne z» zahle» bereit sind.

Es steht jetzt fest, daß die russische Flotte am 13. Oktober i» Toulon eintreffen wird. Ei» französisches Schiff wird ihr in der Richtung auf Cadix eutgegenfahreii. Nach zweitägigem Aufenthalt in Tonko» begiebt sich der russische Admiral mit 50 seiner Offiziere nach Paris; Matrosen gehen nicht dorthin. Der Botschafter Mohrenheim wird erst heute von Kopenhagen seine Weisungen durch be­sondere Couriere erhalten. Der Aufenthalt der Russen in Frankreich wird höchstens 16 Tage dauern, doch wird diese Zeit aus DienDncksichten möglicher Weise noch abgekürzt. Die französische Regierung behält sich die Leitung der Feste in jeder Beziehung vor.

lieber die La g e in Brasilien liegen folgende neuere Meldungen vor:

Dem Rentei scheu Liirean in Loudon ging das Telegramm eines dortigen Bankhunses zn, wonach Mello ein Ultimatum att Rio de Janeiro übergab, in dem er erklärt, falls die Stadt sich nicht sofort übergebe, würde er die Beschießung der Stadt noch viel heftiger als das erste Mal wieder beginnen. In Rio herrsche großer Schrecken, zahlreiche Kaufleute und Grundbesitzer seien ins Innere geflohen, drei aufständische Schiffe, welche nach Santes av- gesaudt seien, landeten dort eine starke Abtheilnug Seesoldateu. Der brasilianische Gesandte in London erklärte einem Interviewer gegenüber, er habe zahlreiche, die laufenden Geschäfte der Gesandtschast betreffende Deprschen seiner Regierung erholte», dieselben erwähnten jedoch nichts von einem Ultimatum oder Erfolgen der Aufständischen. Nach einer Depesche desNew-NorkerHerald" aus Montevideo ist der dortige brasilianische Gesandte seit zwei Tagen ohne Nachrichten ans Rio. Ebenso ist die Regierung in Washington seit vier Tagen ohne Nachrichten von deut amcrifanifdjeit Gesandten tu Rio de Janeiro, und man vermülltet daher, daß die Jnsnrgente» den tele­graphischen Verkehr fontrollircit. Es bestätigt sich, daß die Städte Bahia, Pernantbuco und das ganze Geschwader von Rio Grande abgefallen sind. Drei Jnsnrgcnten-KriegSschiffe verließeir den Hafen von Rio, nach Süden stenernd. Die Revolution ist in den Provittzen falt allgemein. Peixoto hat alle Anhänger verloren.

Volks- und Iugendspiele.

Der Vorstand vorn Tenlsche» Central-Ausschuß für Jugend- unb Volksspiele hielt am 16. und 17. September itt Leipzig Sitzungen ab, in welchen neben den zahlreichen laufeuben An­gelegenheiten die Frage der weiteren Propaganda eingehende Be­sprechung sand. Erschietien waren Abgeordneter o. Schencken- dorsf-Görlitz, Professor Dr. Koch-Brannschweig, Tnntinspektor Herma»»-Braunschweig, Gymnasialdireklor Dr. Ettner-Görlitz lind Direktor Ra y d t-Lanenburg. Verhindert war nur Dr. Schmidt- Bonn, der schriftlich fein Gutachten abgegeben hatte. Zngezogett zu bett Berathnnge» waren noch Dr. nred. Götz, Geschäftsführer der deutschen Turnerschast, Dr. Lion und Tnrnwart Schröer. Der Vorstand beschloß, daß müden jährlichen Ceutral-Ansschnßsitzungen von jetzt ab auch öffentliche Versammlungen bezw. Kongresse ver- bnnben werden solle». Als erster Kongreßort wurde Berlin und zwar im Januar nächsten Jahres in Aussicht genommen. Rächst- dem sollen mit dem im Jahre 1894 in Breslan slattfindenden deutschen Turnfest Wettspiele verbunden werden. Ebenso sand ein Antrag, mit der deutschen Turnerschaft engere Fühlung zu nehmen, dahin Annahme, daß gelegentlich dieses Turnfestes ein gemeinsamer Aufruf mit der deutschen Turnerschaft verein­bart werde, um die öffentliche Aufmerksamkeit in Deutsch­land erneut auf die Nvthwendigkeit einer kräftigeren körperlichen Erziehung der Jugend und einer erhöhteren Pflege körperlicher Hebungen für Jedermann hinzulenkeit. Für das im März nächsten Jahres erscheinende dritte Jahrbuch des Central- Ausschuffes wurde eine Anzahl von Veränderungen und Ver- befferungen genehmigt. Zu Ehren der Anwesenheit des Vorstandes in Leipzig fanden am 16. September Jugend- und Wettspiele der Schüler des Nicolai-Gymnasiums und des Realgymnasiums, sowie