der Großherzog von Baden und die Straßburger Stabsoffiziere zuni Paradcdiner des lö. Corps ein. Gegen 8 Uhr
war das Diner beendet. Der Kaiser toastete ans das
15. Armeecorps und beglückwünschte den Grobherzog von Vaden zu seinem heutigen Geburtstage und den Erfolgen der beiden Corps feiner Inspektion. Ter Großherzog dankte. Um 9'/- Uhr fuhr der Kaiser nach Urbille. Der Grobherzog von Baden nahm ein Ständchen des Metzer Männer-Gesangvereins in seiner Wohnung im „Grand Hotel" an und empfing eine Deputation der hier lebendeii Badenser, die ihm ihre Glückwünsche darbrachten. Bezirks- Präsident Freiherr v. Hammerstein und Polizeidirektor Dall erhielten hohe italienische Orden. — Der Trinkfprnch, den der Kaiser bei der hentigcn Paradetafel ausbrachte, lautete: „Von ganzem Herzen wünsche ich dem 15. Armeeco ips und seinem Führer zum heutigen Tage Glück. Das 15. Armeecorps hat eine ganz vorzügliche Parade vor mir geleistet, und das Lob, das ich dem Corps auf dem Parndefcld ertheilt habe, kann ich hier nur wiederholen. Die Detailaiisbildung, die das Corps in der Heuligen Parade gezeigt hat, beweist mir, wie eifrig, angespaimt und hingebeud die Herren in allen Waffen gearbeitet haben, sie beweist mir, daß das Corps die Anhänglichkeit an die alten Traditionen nach wie vor in sich wach und lebendig erhält, angeregt durch das einstige Lob meines dahingeschiedeiien Herrn Großvaters, angeregt durch die Ziele mib Wege, die er uns Soldaten vorgeschrieben, vorgclebt hat, vor Allem aber auch angeregt durch den Platz, wo das Corps steht, und durch die herrliche, schöne deutsche Stadt, die es zur Garnison hat. Ein besonderer Ehrentag war es aber für das Corps, daß der Herr Inspekteur, unter dessen Augen täglich das Corps sich das Jahr hindurch entwickeln fann, an heutigem Tage seinen Geburtstag begeht. Mein verehrter Großherzog von Baden, der seiner Pllicht als Inspekteur mit aufopfernder Hingebuiig, mit liiiermüdlichem Fleiße und größtem Eifer obliegt, ist einer von den Fürsten, der die gairze große Zeit unter meinem Großvater mit durchlebt hat, derjenige deutsche Fürst, der das ersteHoch auf den neuen deutschen Kaiser in Versailles aiisbrachte, und derjenige Fürst, der stets am Platze ist, wenn es gilt, für das deutsche Reich und das deutsche Vaterland tingiitreten. In mein Hoch ans mein Armeecorps schließe ich voii ganzem Herze» das Hoch ans Seine Königliche Hoheit tat Großherzog von Baden: Hiirrahl und nochmals hurrah! und znm dritten Male hnrrah!" — Der Kaiser ist iim 9'/« Uhr nach Conrcelles abgereist. Währeiid der Fahrt vom Osfizierkasino nach dem Bahnhof läuteten die Glocken der Kathedrale. Die Straß««, die der Kaiser passirte, waren festlich beleuchtet und überaL eine dichte Menge. — Gutem Veriiehinen nach verlieh der Kaiser tau Commandenr des IC. Armeecorps, Häseler, das Großkrenz des Rothen Adlerordens mit Eichenlanb und Schwertern am Ringe.
M'tz. 10. Sept. Auf den Toast des Kaisers erwiderte dankend der Großherzog von Baden im Nanien des 15. Arnieecorps und für sich, weil es ihm üergönnt gewesen sei, mitzuwirken an den hochivichligeii Arbeiten für die Armee und das Reich. Dieses fei bie höchste Ehre für den Soldaten. Deshalb rufe er: Se. Majestät lebe lange und glücklich an der Spitze des friedlich fortlebenden Reiches! Hnrrah! Hnrrah! Hurrah!
Conrrclles, 10. September. Der Kaiser wohnte heule dem Gottcsdieiislc bei, zü ivelchciu bie unmittelbare Umgebung des Kaisers lind die G ineinbe vollzählig erschienen waren. Der Metzer Mäuner-Gesangveleiii sührte Gesänge auf. Der Kaiser wurde von dem Gemeiiideratli, dem vor der Kirche aufgeftellteu Kriegerverein von Kürzel und Ehrenjnngfrauen empfangen. Rach Beendigung des Gottesdienstes begab sich der Kaiser, nachdeni er den beiden Geistlichen Breun uiib Gcrbert die Hand gereicht hatte, znm Bahnhose, ivo der Prinz von Neapel soeben angelaugt'war. Der General Graf Häseler hatte sich zur Verabschiedung am Bahiihof eingesnnden; eine koinbinirte Ehrencompagnie war ausgestellt, lind um 12 Uhr erfolgte unter enthusiastischen Hurrahruseii der zahlreichen Menge die Abfahrt. Ter Kaiser und der Prinz von Neapel fuhren in demselben Wagen.
Karlsruhe, 10. Sept. Der Kaiser ist mit dem Prinzen von Neapel unter dem Donner der Geschütze und dem Geläute der Glocken Nachmittags 5 Uhr hier eingetroffen. Er wurde am Bahnhofe von dem Großherzog, den Prinzen des grobherzoglichen Hanfes und von deni Prinzen Albrecht von Preußen empfangen; außerdem waren die Mitglieder des StaatSininistetinins, des diplomatischen Corps, bie obersten Hofchargen uub bie Generalität zum Empfange anwesend. Der Kaiser, in ber Uniform beS Leibhusaren- Regilnents mit dem Bande des badischen Hcmsorbens, begrüßte beit Großherzog sehr herzlich mit wiederholter Umarmung und Kuß. Nach kurzem Verweilen schritten ber Ka ier, _ ber Großherzog iomie bie übrigen Herrschaften die Front der auf bent Bahuhos ausgestellten Ehrencompagnie <ib, ließen bieiclbe int Parabemarsch vorbct- marschircn unb bestiegen die Wagen 511 r Fahrt durch die prächtig geschmückte Stadt. Im ersten Wagen nahmen der Kaiser mit dem Großherzog, in dem zweiten der Prinz von Neapel mit dem Prinzen Albrecht uitb dem Erbgroßberzog Platz. Die auf den Straßen an- gesammelte große Menscheiimeiige begrüßte den Kaiser eiithufiastisch. Ans dem Marktplatz bei deni ftaiierbrumten begrüßte der Oberbürgermeister den Kaiser mit eiiter Ansprache, in welcher hervorgehoben wurde, daß die Stabt ben Kaiser in bein jidjcrc» Bewußtsein begrüße, baß das scharfe Schwert bes Reiches in einer Hand ruhe, bie niemals imbebacht dasselbe ber Scheide entreißen, aber im Nothsalle es kraftvoll führen werbe für den Bestaub unb bie Ehre bes Vaterlandes; auch in den inneren Gefahren richteten sich die Blicke ruhiger Zuversicht auf den Lenker der Geschicke des Reiches, der klaren Blicke? des schweren Amtes gerecht und gütig walle. Der Kaiser erwiderte hieraus: „Ich danke Ihneit für Ihre Worte, für den feierlichen Empfang und den reichen Glanz des Festschmuckes und bitte, der Bürgerschaft meinen herzlichen Dank zu sagen. Als ich im Frühjahr hierherkam und Sie in ber Begrüßmig die Lage ftreiften, sah es im Reiche anders aus. Wir wären Alle besorgt, wie ber Kampf enbeu würbe, der damals um die Sicherung des Vaterlandes geführt wurde. Golt sei Dank hat sich bas bentsche Volk gefuuben, hat fest zn- santmengestanbeu uub gethan, was seine Pflicht war. Mir und meinen Verbündeten, insbesondere Ihrem Großherzog, war es dadurch möglich, auch tinsere Pflicht zu thmi, um den Frieden in Europa zn wahren. Ich danke Ihnen nochmals recht herzlich, Ihnen unb ber Bürgerschaft für ben schönen Empfang." Hierauf begaben sich ber Kaiser nebst dem Kronprinzen von Italien nach bent Schloß, wo sie von den fürstlichen Damen begrüßt würben. Abends fanbeit im Schloß Familientafel unb Marschall täfel statt, unb um 9 Uhr wurde ein großer Zapfenstreich abgehallen.
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Abend-Ausgabe.
Miesbademr TsgblÄ.
41. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — BezugS-PreiS: se Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
Verlag: Lauggasse 27.
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Politische Tages-Rundschau.
— Zur Kieler Spionenaffaire meldet mau der -.Frankfurter Ztg.", daß die englische Lustyacht „Insekt" lohne die Herren Dubois und Daguct nach Cowes in See gegangen ist, wo sie beheimathet ist, und zivar unter Führung des Kapitäns Bailey. Es haben sich also doch so gewichtige Verdachtsmomente ergeben, daß die Voruntersuchllug eingeleitet werden mußte. Die Untersiichungsbehördc ist uoch immer der Meinung, daß die Herren nicht das sind, wofür l sie sich ausgeben, sondern Offiziere. Inzwischen wurde die 1 Nachsilchling an Bord des „Insekt" vorgenommclt. Herr s Daguet weigerte sich, die Schlüssel zu den Kasten uub s Schubladen herauszugebeit, und in diesen Kasten fanden sich alle Karten und Aufzeichnungen. Außer den zu bauenden und bereits vollendeten Befestigultgeu von Helgoland sind auch die Fortifikationcit von Kiel und Wilhelmshaven skizzirt und zwar mit eingehenden Randbemerklingeu. Das sind allerdings sehr belastende Momente.
— Wir lesen in süddeutschen Blättern: Die Scdanfeier in Neustadt a. d. H. sollte nicht ohne Mißklang verlaufeit. Diesen verursacht zu haben, ist das Ber- i dienst des ersten Gemeindebeamtcn der Stadt, desBü rger- - Meisters Krafft. Genannter Herr, im bürgerlichen l Leben Tabakhändler, der früher auch einmal als demo- i" kratischcr Reichstagskandidat aufgestellt war, hielt es für angebracht, am Sedantage statt einer Fahne in einen laugen, weitbauschigeu Trauerflor gehüllte Tabakblätter zum Fenster seines an der Hauptstraße gelegenen Hauses | hinauszustccken. Diese Handlungsweise des Bürgermeisters am Tage der Scdaufrier in einer Stadt, die seiner Zeit --voit den Franzosen so harte Schicksale dulden mußte, hat in den weitesten Kreisen der Pfalz, und zwai nicht nur in ; naiioualliberalrn, allgemeine Entrüstmig erregt. Sic wird ^auch noch ein Nachspiel im Stadtrath finden, wo der Herr ■ Bürgermeister deswegen interpellirt werden soll. 'Auch von ■bei- Negierung dürfte gegen ihn vorgegangen werden.
— Die Encyklika des Papstes an den ungarischen | Klerus liegt nunmehr im Wortlaut vor. Das Rundschreiben vermeidet es, die zu erwartendeit kircheitpolitischcn Vorlagen der Regierung direkt zu erwählten oder gar die Berechtigung der Staatsgewalt zu denselben in Frage zu stellen. Selbst die noch vor ihrem Bekanutwerdeii von dem Klerus so t heftig bekämpfte Vorlage über die Civilehe wird in der \ Encyklika nicht ermähnt. Der Papst begnügt sich, ben Klerus l im Allgemeinen zu mahnen, die Menge vor der Abschließung r von Ehen mit Nichtkatholiken zu warnen, welche die Kirche [ immer im Interesse der Religion verabscheut habe. Noch [ bezeichnender aber ist es, daß der Papst in der Encyklika t' in sehr eindringlicher Weise den niederen Klerus daran s mahnt, sich der Politik fern zu halten, sich in weltliche ? Dinge nicht zu mischen und gegenüber ihren Kirchenoberu Disziplin zu halten. Nach einer Erklärung Wekerles int l. Parteiklub ist übrigens nicht daran zu zweifeln, daß der t Ministerpräsident Alles daran setzen wird, um seine kircheir- [ politischen Vorlagen durchzubringen. — Wie der „Frkft. I Ztg." aus Budapest gemeldet wird, beabsichtigte die ungarische r Regierung zunächst, die Kanzelverlesung der päpstlichen f Encyklika zu verbieten, unterließ das Verbot jedoch, weil i die Zeitungen sie schon brachten. Die Regierung wird aber i nächstens erklären, daß die Berufung auf den König von j Ungarn, als bestehe zwischen diesem und seinem Ministerium i wegen ber beabsichtigten kirchenpolitischen Gcsetzesvolage ein : Gegensatz, vollkommen unbegrünbet sei.
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— Auch in Frankreich broht wieder ein Bergarbeiter- Ausstand. Ein gestern in Lens abgehaltcner Kongreß der Bergarbeiter des Departements Pas de Calais beschloß, an die Grubengesellschaft eine Reihe von Forderungen zu richten, worunter sich eine 10-prozentige Lohnerhöhung befindet. Falls die Forderung abgelehnt würde, solle am ^ächstcn Samstag Morgen der allgemeine Ausstand eintreten.
— Die Revolution in Tucumau in Argentinien 'st i» der Ausbreitung begriffen. Der Gouverileur hat sich mit 1000 gut bewaffneten Soldaten in Cabillo verschanzt und rüstet sich zu hartnäckigem Widerstand. Bisher fanden nur einige Scharmützel statt, wobei einige Manu getöbtet wurden; eine entscheibcnbe Schlacht wird erwartet. Die Aufständischen unb Provinzialtruppen sind handgemein geworden, wobei von Dächern und Häusern geschossen wurde. Die Aufständischen besetzten nach Vertreibung der Regierungstruppen den Bahnhof und versuchten den Gouverneur in Cabillo einzuschließen.
— Heber den Aufstand in Brasilien liegen folgende Meldungen vor:
Wasbington, 9. Scpt. Eine int Staatsbeparteuieut ein- gegangene Depesche ans Rio be Janeiro melbet, baß bort der Belagerungszustand erflärt fei und ein Bombardement befürchtet toerbe. Im Marineminiflerimii wirb gegenwärtig er mögen, rote btde Schiffe znm Schutze der amerikanischen Interessen nach Rio be
Montag» den 11. Keptemdee
Janeiro entfonbt werben sotten. — Rom, 9. Sept. Die „Agenzia Stefani" melbet aus Rio be Janeiro, bie Barke des italienischen Konsuls, ber von Bord bes italieiiifdjeu Krcnzers „Bausan" sich aus Laub begeben wollte, sei von brasilianischen Soldaten ebne Avertissement beschossen unb babei ein Matrose verwundet worben, ber am folgenbeit Tage starb. Der Kommandant des Kreuzers unb ber italienische Konsul protestirten bei ber brasilianischen Regierung, bie alsbald Geuugthunng gab, indem sie ihr Bedauern über den Vorfall artsdnickte, das Bcgräbniß des Matrosen auf RegierungSkosten anorbnete, den Kommanbanteu ber betreffenbett Truppeitabtheilung bem Kriegsgericht überwies und anßerbem bem italienischen Gesandten eine Entschädigung von hundert Conlos übcifanble.
Uorr der Kaiserreise.
Ztrnffdurg, 9. Sept. Die Kaiserparade nahm bei stellenweise bedecktem Himmel, ivechselndent Sonnenschein und unbebcnlenbeni Regen einen glänzenden Verlaus. Der Anmarsch der Truppen auf bem südlich von Straßburg gelegeiteu, im Horizont von bem Schwarzwalb unb beit Vogesen umrahmten Paradescld Polhgon begann uni 8 Uhr unb war nach einer Stunde beruhet. Um 93/. llhr traf der Großherzog von Baden ein, votn fommanbirenben General Blume begrüßt. Hinter ben Schranken und auf den Tribünen war eine zahllose Zuschanermenge versammelt. Der Tribüne gegenüber, mit ber Front nach Westen, war bas 15. Armee- corps in zwei Treffett ausgestellt, timctallicnlcuant v. Zinglcr führte bas erste unb Generallicnteiiant Lademann das zweite Treffen. Die Front des ersten Treffens nahm so ziemlich die ganze Länge des Paradeseldes ein. Um ‘/all llhr ritt ber Kaiser auf dem Parabefeld ein. Bier Minuten später begann ber Abritt ber Fronten im Schritt, der nach 22 Minuten beendet luar. Jrn fdjaifett Galopp ritt der Kaiser bann vom rechten Flügel brs zweiten Treffens nach seinem Staubort vor ber Tribüne, begleitet vom ganzen Gefolge, bas bei Sonnenschein ein glanzvoller Bild b-arbot. Unmittelbar darauf begann ber erste Vorbeimarsch, die Fußtriippeu in Com- pagniesront, bie Kavallerie in SchwabrouSsrout, die Artillerie in Batteriefront; derselbe dauerte eine Slnude und vier Minuten. Der zweite Vorbeimarsch, bie Infanterie in Regiments^lonne, die teiteubeir und fahrenden Truppen im Trab, dauerte eine halbe Stunde. Das große Gefolge mitchcn Fürstlichkeiten hielt links vom Kaiser, uub zwar ihm zunächst der Prinz von Neapel in der Uniform seines preußtschen Hnrarcir-Acairneuts, dann die Prinzen Ludwig uub Ruprecht von Bauern, Prinz Albrecht vm Preußen, der Eeueralfeldmarschall Gras Blumenthal und die andern. Der Kaiser hatte sich vor Beginn des Vorbeimarsches herzlich mit dem Prinzen Ludwig von Bayern und wstbcrholt im Verlause ber Parade mit dem italienischen Kronprinzen unterhalten. Der Großherzog von Baben sührte sein Regiment (8. roürtttnidergisckcS Nr. 126) beide Male bem Kaiser vor, der ihm tviederholt herzlich die Hand schüttelte. Vom Publikum wurde ber Großheizog jedesmal ebenso wie der Kaiser mit donnerndem Hnrrah begrüßt. Hierans begab sich ber Kaiser zn den auf dem Unten Flügel ber Tribüne ausgestellten Kriegervereinen, sie insgesammt huldvoll begrüßend uub einzelne durch Ansprachen auszeichnend. Um 1 Uhr 18 Minuten setzte sich ber Kaiser an die Spitze bet Fahuencoinpagnie unb derStanbarteu- schlvabro» unb begann feinen Einzug in die Stabt, von ber unabsehbare» Menge mit brausende» Hochrufe» überall begrüßt. Hervorgeh oben muß werden, daß der Kaiser, sobald nicht dienstliche An- gelegenheite» zn erledigen waren, eilt fröhlich lachendes Gesicht zeigte unb sich mit seiner Umgebung in froher Stimmung unterhielt. Die Parade verlief falt ohne Unfall. Rur beim Abreiten der Front des ersten Treffens scheute das Pferd eines Stabsoffiziers und warf den Reiter ab. Ter Gestürzte worüber nach 5 Minute» wieder auf bent Werde und konnte bis znm Schluß an der Parade theilnehmen. Ter Kaiser war von dem Empfang und der Auinahme durch die Bevölkerung hochbesricbigt uitd dankte beim Abschied auf dem Bahnhofe dem Bürgermeister als Vertreter der Bürgerschaft und sagte: Mein lieberBack, herzlichenDatik, es war Alles wnnderschön." — Unter dem Geläute der Kircheuglockeu und bett braufenbeti Jnbel- rusett einer vieltaufendlöpfigen, zn beiden Seiten der Straßen dichtgedrängt steheubeit Volksmeiige hielt der Satter uni l‘/2 llhr Nachmittags in Begleitung des Kronprinzen von Walten und des Großherzogs von Baden seinen Einzug in bie etabt. Die Stadt ist wttnderschöu geschiuückt, alle Fenster und Balkone sind besetzt, großer Zustrom von "fern unb nah, überall herricht eine gehobene Stimmung. Eine unbeschreibliche Begeisterung gab sich überall kund. Auf dein Broglteplatz unter einem dort errichteten Baldachin fanden ber feierliche Empfang und bie Begrüßung Seitens des Bürgermeisters unb des Gemeiuberathe« statt. Aus die Ansprache des Bürgeruteisters beim Eintreffen de« Kaisers aus dem Broglie- platz erwiderte ber Kaiser, er danke herzlichst für bie freundliche Begrüßung und bett prächtigen Flagge»schmuck. Er bedauere lebhaft, diesmal nur so kurze Zeit in der wunderschönen Stadt verweilen zu könneu, seiner Liebe für Straßburg hatte ein längerer Aufenthalt in dieser Stadt entsprochen, für bie er immer befonbere Sympathie schon als Kinb empsnnben habe unb stets wünschte, baß Straßburg wilder deutsch würde. Ter Wunsch sei inzwischen erfüllt, rotnu auch ihm nicht vergönnt war, mitznwirkeu. Als er letztesnial unerwartet nach Straßburg kam unb bei der Rückkehr vom Polygon die Stabt so schön geschmückt fand, habe er sich überzeugt, daß die Straßburger in ber Wiebervereinignng mit dem Reiche sich wohl fühlen. Er hoffe, später öfter Gelegenheit zti finden, länger hier zu verweile». Er fühle sich wohl unter der hiesigen Bevölkerung. Darauf begab sich der Kaiser mit seiner Begleitung nach bem Generalkomtnanbo. Um 2'/- Uhr reiften ber Kaiser, ber Prinz von Neapel unb ber Großherzog von Baden in Begleitung des Statthalters Fürsten zu Hohenlohe von dem reich- geschuiückten Hauptbahnhose unter stürmische» Abschiedsrufen der Bevölkerung nach Mey zurück. (Köln. Ztg.)
Metz. 9. Sept. Gin Extrazug brachte um 4 Uhr den Statthalter sowie die fürstlichen Gäste und fremde» Offiziere, die ben Kaiser nach Straßburg begleitet hatten, und 50 Minuten spater lief ber Zug mit bem ffaiier und bem Kronprinzen von Italien ein. Auf ber Fahrt zum Bezirkspräsibinm erfolgten lebhafte Zurufe. Das 145. Regiment war auf dem Kaiser Wilhelmplatz aufgefteUt. Stach ber Einkehr im Bezirksprösibium empfing ber Kaiser ben Dombaumeister Tornow, der dem Kaiser die Pläne für bieRestau- rirungsarbeiten ber Kathebrale, insbesondere des neuen Portals, vorlegte. Der Kaiser nahm mit viel Verständnis; Einsicht in bie Pläne unb sprach ben Wunsch aus, daß bie Ausführung derselben baldigst in Angriff genommen werden möchte. ilm6'/r Uhr trafen
1893.
