Abend-Ausgabe.
41. Jahrgang.
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Verlag: Lauggasse 27.
L2,GOO Avonnrnten.
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jlo. 410.
Samstag, den 2. Septemder
1893.
Iür den Monat September!
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„Wiesbadener Tagblatt"
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Die gelehrten Bibliotheken Deutschlands.
r Mit Recht schenkt man jetzt in Deutschland den öffentlichen Büchersammlungen eine lebhaftere Beachtung, und cs ist zu hoffen, daß diese Beachtung bald zu einer Bewegung heranwächst, die eine recht gründliche Verbesserung unseres Libliothekwesens zum Ziele hat. Deutschland ist das biblio- ihekenreichste Land, und auch an sehr großen, höchst werthtollen Bibliotheken sind wir reich; aber die Sachkenner vissen, daß wir demnächst hinter Amerika und anderen Ländern zurückbleiben und bezw. in einigen Dingen längst surückgeblieben sind. Es fehlt den allermeisten öffentlichen Wuchereien bei uns das rechte Leben, das Leben mit der Gegenwart, das Leben mit dem Volke. Sie sind eine Art Museen geworden, in denen alte Scharteken sorgfältig ge- fammelt und aufbewahrt werden, in denen Gelehrte Hausen mb sich in die Kultur vergangener Jahrhunderte vertiefen; der Kultur der Gegenwart dienen sie in sehr geringem Maße. Sie sind an vielen Orten der Verkuöchertmg verfallen, der leider jeher gemeinnützige Unternehm« unter» warfen ist, wenn chm nicht immer wieder in Form von neuen Anregungen, neuen Kritiken, neuer Mitarbeit frisches Aut zugeführt wich. Wo ist etwa ein Leben der kirchlichen Bibliotheken zu spüren? Unseren Vorfahren in früheren Jahrhunderten galten ihre Kirchen als die höchsten INildungsanstalten des Volkes; als solche mußten sie Biblio- Itheken besitzen, aus denen die erwachsenen Gemeindeglieder die Belehrung schöpfen konnten, die die Predigt naturgemäß laicht bot. Wie viel hätte aus diesen Kirchcubibliotheken hum Wohl der Volksbildung und zum Wohl der Kirche
werden können, und wie wenig ist daraus geworden! Aehn- lich ist das Schicksal der Stadtbibliothekeu. Sie wurden in einigen deutschen Städten schon int 16. Jahrhundert eröffnet and waren grundsätzlich Jedelmannzugäitglich, aber allmählich zewannen die Stubengelehrten einerseits, die Bürcaukraten anderseits die Oberhand und sorgten absichtlich oder unabsichtlich dafür, daß das Volk wegblieb und die Bücher recht geschont werden, z. B. die Hamburger Stadtbibliothek ist schon 1529 gegründet und ist auch die viertgrößte Sammlung des Reiches geworden, sie zählt eine halbe Million Druckbände und 4000 Handschriften. Aber sie leiht im Jahre keine 8000 Bände aus, und nur 12,500 Bände werden im Lesezimmer benutzt. Gegen diese 20,000 Be- »utznngen weisen z. B. die Berliner Volksbibliotheken mit 110,000 Bänden 339,000 Benutzungen auf, die Wiener gar Mit 42,000 Bänden 235,000 Benutzungen, die Bremer mit 10,000 Bänden 96,000 Benutzungen. Und die Hamburger Stadtbibliothek ist von allen Stadtbibliothekeu vermuthlich loch eine der lebendigsten. Wie hat es dazu kommen können, baß Volksbibliothekeit mit halbwohlthätigem Charakter heute der Aufgabe dienen müssen, die die alten reichen Stadt- iibliothcken von Rechtswegen haben? Auch die gelehrten Abliothekcn der höheren Lehranstalten erfüllen ihren natürlichen Zweck recht schlecht; weshalb dienen sie nur dem Dutzend Lehrer des betreffenden Gymnasiums und nicht zugleich allen ehemaligen Schülern, die zu gelehrten Studien «der ernster Lektüre Lust und Zeit haben? Weshalb hört überhaupt der so innige Zusammenhang zwischen der Schule |nb den Schülern so völlig auf, sobald der Schüler die An- ; jfiptt verläßt? Die Universitätsbibliotheken und die ver- v/^qiedenen Bibliotheken gelehrter Anstalten und Vereine ' haben zwar ein wirkliches, nützliches Leben, aber auch die
Universitäts-Büchereien erfüllen ebenso wie die Universitäten überhaupt ihre Aufgabe um die allgemeine Volksbildung licht völlig, ehe sie nicht in allen Städten ihrer Provinz 8weigstellen nach Art der englischen Universitäts-Ansdehnung i icben.
Besser, als Worte es können, werden die nachfolgenden Fahlen die Nothwendigkeit einer Erneuerung des Bibiiothek- j »esens darlegen. Das Deutsche Reich besitzt vielleicht 2000
«lehrte öffentliche oder halböffentliche Bibliotheken von er- eblichem Umfange. Dr. Paul Schwenke gießt in seinem so- len erschienenen vortrefflichen „Adreßbuch der deutschen tibliotheken" eine Statistik über 1609 derselben, die zu- immen 27,091,288 Druckbünde und 240,416 Handschriften efitzen. 130 öffentliche Bibliotheken, wobei die her Uni» Nsitäten eingeschloffen sind, haben rund 15 Millionen
Bände, 530 Bibliotheken öffentlicher Schulen (nicht Schüler- bibliothcken!) haben ca. über 3 Millionen Bände, 142 Bibliotheken anderer wissenschaftlicher Anstalten über 2 Mill., 330 Vehöldenbibliotheken 2'/s Millionen, 201 Kirchenbibliotheken l’/a Millionen, 61 Militärbibliotheken (für die Offiziere) 8(s Millionen, 128 Vereinsbibliotheken 1 Million und 87 Privat-(Familicu-)Bibliotheken, meist fürstliche und gräfliche, l’/a Millionen Bände. Die fünf größten Büchereien Deutschlands sind die Hof- und Staatsbibliothek zu München mit 900,000 Druckbänden, die Königl. Bibliothek zu Berlin mit 800,000, die Universitäts- und Landesbibliothek in Straßburg mit 601,000, die Hamburger Stadtbibliothek und die Göttinger Universitätsbibliothek; es folgen darauf Leipzig, Dresden, Heidelberg, München (Universitätsbibliothek) und Würzburg. Das Britische Museum in London und die Bibliotheque nationale in Paris überragen alle unsere Sammlungen an Größe, und leider überragen manche andere die unsrigen auch recht beträchtlich au Benutzungen. Die Münchener Hofbibliothek bringt es auf 130,000 Benutzungen, die Berliner Königliche auf 281,000, die Straßburger nur auf 20,000, die Göttinger auf 72,000 u. s. m., dagegen das Britische Museum auf 1,2 Millionen, die Londoner Volksbibliotheken auf 2,5, die Bibliotheque nationale auf 0,5, die Bibliothequcs municipales in Paris auf 1,5 Millionen; auch manche amerikanische Bibliotheken erreichen 2—400,000 Benutzungen.
Ein Blick auf die Etats der Büchereien ist gleichfalls lehrreich. Berlin steht am höchsten mit 414,000 Mk., dann folgt München mit 159,000, Straßburg mit 122,000, Leipzig mit 87,000 u. s. w. Der durchschnittliche Etat der Bibliotheken an höhere» Schulen ist 598 Mk., die Bibliotheken der Oberlandesgerichte kosten hn Durchschnitt 1583 Mk. int Jahr, die der Landgerichte 526 Mk., die der Provinzial- regiernugen in Preitßen 1500 M., die Kirchenbibliothekeu haben meist unter 100 M. zur Verfügung. Zusammen verausgaben die 1609 gelehrten Büchereien 2stz Millionen Mk. im Jahr. Dagegen verausgabte das Britische Museum 700—800,000 Mk., die Bibliotheque nationale 660,000, die Newberry-Bibliothek in Chicago 400,000 und dieVolksbibliotheken in Boston 670,000, in London 660,000, in Chicago 450,000 u. s. w.
Die deutschen Bibliotheken bedürfen thcils der Ccntrali- sation, theils der Decentralisation, theils der Umwandlung. Die gelehrten Büchereien sind nothweudig, aber einige Hunderte oder auch ein einziges Hundert würden fürDeutsch- land genügen, zumal wenn jede größere Bibliothek 20 bis 50 Nebenstellen im Lande hätte. Viele Schätze ruhen jetzt versteckt in kleinen Kirchen- und Schloßbibliothcken, die erst in Landesbibliotheken von Nutzen wären. Was wir unter Decentralisation verstehen, haben wir schon angcdeutct, nicht lauter kleine Sammlungen, sondern viele Nebenstellen großer Bibliotheken. Einer Umwandlung und Ncubelcbung bedürfen vor Allem die Stadtbibliotheken und Kirchen- bibliothekeit; sie habeit nicht der Förderung der Gelehrsamkeit zn dienen, sondern der Förderung der Volksbildung, der Versorgung aller Gemeiudemitglieder mit gutem Lesestoff. Die Gemeinden dürfen sich nicht damit begnügen, Volksschulen, Realschulen, Gymnasien und Fachschulen zu unterhalten; wenn sie die Kunst des Lesens, den Durst nach Lektüre und Wissen wecken und verbreiten, müssen sie, zumal da sie es auch am besten und leichtesten können. Allen, die nach Belehrung und edler Unterhaltung durch Bücher verlangen, diese Bücher bequem darbieten. Weun allein die preußischen Gemeinden über 99 Millionen Mk. für Schulen ausgeben, müßten doch die deutschen Städte einige 10—20 Millionen für Bibliotheken, die natürliche Fortsetzung der Schulen, übrig haben. bä.
Die Koiferlage in Coblen?.
Der Kaiserbesuch in Cobleuz, den im vorige» Jahre die Seuchett- gefahr vereitelte, ist unter verheißungsvollen Witterungsanssichten erfolgt. Die Bevölkerung ist in gehobener Stiuimnug, und die Stadt prangt in herrlichem Festschmuck. Zimmerfenster tvaren zum Preise von 10—20 Mk. für die Zeit des Kaisereinzuges venniethet. Bei herrlichstem Wetter ist dasKaiseipaaram Freitag zur festgesetzten Stunde eingetroffen. Die Ankunft verkündeten 33 Kanonenschüsse von der Karthanse (Fort Konstantin), deren erster gelöst wurde, als der Hoiziig auf die Eisenbahubrücke bei Horchheim gelangte. Gleichzeitig begrüßten die Kirchenglocken den weltlichen Herrscher. Die Ehrenwache am Bahnhöfe gab eine Compagnie des 28. Regiments. Nachdem der Kaiser den vorzüglich ansgeführten Parademarsch ab- genommen, fuhr das kaiserliche Paar mit feinen Begleitern in langsamem Trab zur Tribüne, wo der Oberbürgermeister die Be- grüßuiigsausprache hielt. Der Kaiser antwortete, er komme gern nach Cobleuz, wo er sich immer so wohl gesuhlt und wo er jetzt mit Rührung an seine hochselige Großmutter erinnert werde, die so gern in Cobleuz gewohnt habe und der Stadt so anhänglich gewesen sei, wie diese umgekehrt ihr. Seine Gesinnung sei der Stadt ebenfalls geneigt, wie die Thatsache beweise, daß er für die Errichtung des Kaiserdeukmals in Cobleuz gewirkt habe. Kaiser und Kaiserin sahen wohl aus. Der Kaiser trug große Generalsuniform mit Band und Kette des Schwarzen Adler-OrdenS nebst umgelegtem grauen Mantel, die Kaiserin einen schwarzen Sammetmantel. Beide
waren äußerst gnädig und freundlich. Namentlich entzückte die landesmütterliche Leutseligkeit der Kaiserin. Während Fräulein Düesberg eilte poetische Ansprache an die Kaiserin richtete, unterhielt der Kaiser sich lächelnd mit dem Oberbürgermeister. Die Ehrenjuiigfranen trugen cremefarbige Kleider mit Blumen und Bänderputz in den Farben der Kaiserin, weiß, roth, gelb und blau. Die Sprecherin, in gestickter weißer Seidengaze, trug eine viersarbigc Achselschleife. Außer dem Kaiserpaare wurden der Reichskanzler v. Caprivi und General v. Blumenthal besonders herzlich begrüßt. An der Spalierbildung waren etwa 12,000 Personen betheiligt. Einen besonders hübschen Eindruck machten die Schulkinder, welche, die Knaben mit Fähnchen, die Mädchen mit weißen Tüchern, dem Kaiserpaar ihren Gniß zuwinkten und mit Heller Kehle das „Heil dir im Siegerkranz" ertönen ließen. Am Schlosse war eine Compagnie des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 ausgestellt. Ebenso die Fähnriche der Kriegsschule von EngerS sowie die lluterossizierschule von Biebrich. Besonders kleidsam erschienen die Knappenvereine. Aufstellung und Abmarsch der Vereine und Körperschaften erfolgten mit größter Ordnung. Die Zuschauermenge verhielt sich musterhast. Trotz des starken Andranges eiitstaud kein eigentliches Gedcäitge. Das nm 1 Uhr begonnene Gabelfrühstück war tun 2 Uhr zu Ende. Während desselben sangen Gesangvereiue, von denen der Kölner Liederkranz mit den vier altniederländischen Liedern in der Bearbeitung von Kremser mit Orchester und mit der Waldeinsamkeit eine große Wirkung erzielte. Nach Beendigung der Gesangsvorträge trat das Kaiserpaar mitten unter die Sänger, wobei der Kaiser sprach: „Ich danke Ihnen für die schönen Kläitge des deutschen Liedes, sie haben mich von Heize» gefreut. Rheinland ist ja die Wiege des Gesanges. Fahren Sie fort, das deutsche Lied zu pflegen. Darin ist der Eiuheilsgcdanke ausgedrückt. Sie können viel hierzii beitragen. Ich banke Ihnen nochmals und bitte um Wiederholung des Liedes „Sonntag auf dem Meere." Die Kaiserin unterhielt sich längere Zeit mit dem Präsidenten des Männer-Gesangvereins „Rheinland" ans Cobleuz, dessett Beschützerin die Kaiserin Augusta mar. Der Kölner Liederkranz trug noch besonders ein Volkslied mit Baritousolo vor, worauf sich der Hansmarschall nach dem Namen des Solisten erkundigte. Um V-4 Uhr fuhr der Kaiser mit dem Salonschiff Kaiser Wilhelm den Ich ein aufwärts; */z5 Uhr besichtigte er die Kellereien DeinhardS. Die Kaiserin besuchte das Hospiz und das evangelische Stift. Kurz nach 6 Uhr fand der Empfang des italienischen Kronprinzen am Rheinbahnhof statt. Zugegen war die Generalität mit Felduiaischall v. Blumenthal, General der Kavallerie v. Loö, Graf Schließen an der Spitze. Auch Prinz Albrecht befand sich unter der Generalität. Die Ehreiiwache bestand aus einer halben Compagnie des Königiii-Augusta-Negiineuts mit der Regiments- »lusik. Der Kaiser trug die Uniform dieses Regiments mit beut Stern und dem dreifarbigen Band des Annunciaten-Ordens. Auch die übrigen Anwesenden trugen theilweise italienische Ordensbänder. Prinz Albrecht war wie Vormittags in Dragoner-Uniform mit dem Band des Schwarzen Adler-Ordens, Graf v. Caprivi trug dasselbe Band auf der großen Generalstracht. Bei der Ankunft des Kronprinzen begrüßte der Kaiser, der sehr heiter war und manchen Soldaten der Ehrencoiiipagnie angefprodjen hatte, feinen fürstlichen Gast durch Handschlag uild Kuß auf beide Wangen, worauf er ihn dem Gefolge vorstellte, der sämintlicheu Herren des Gefolges die Sand reidjte. Der Prinz von Neapel ist eine kleine zarte Erscheinung, mit kurzen, hastigen Bewegungen, ziemlich ernst, vielleicht etwas befangen dreinschatiend. Er trug die Uniform des hessischen Husarcu-Regimeuts Nr. 13. Der Kaiser und die Generale, besonders Prinz Albrecht und Graf v. Caprivi, nahmen sich ihm gegenüber wie Hünengestalten ans. Nach dem Abschreiten der Ehreucompoguie erfolgte der Parademarsch und darnach die Auffahrt zum Schloß durch die Feststraße unter lautem Jubelschreien des Volkes. — Zu der abendlichen Festfahrt wurde das große Salonschiff Kaiser Wilhelm benutzt. Ter Dampfer Wilhelm führt die italienische Flagge an Steuerbord zu Ehren des Prinzen von Neapel. Auf dem Vorderdeck ist ein Thronsessel für den Kaiser unter einer zeltartigen Teppichbedachuna ausgestellt. Dieser sowie die sonstige MöbelaiiSstattnng ist von Bembe in Mainz geliefert. Die Kajüte bietet überraschend weite Räume, die mit feinstem Geschmack zu wahrhaft kaiserlichen Salons iimgewaiidelt sind. Auf dem Hinterdeck sind in eitler Palmengruppe die Büsten des Kaiserpaares anfgestellt.
* * *
Der Trinkspruch, den der Kaiser beim Festmahle der Rhein- Provinz ausbrachte, lautet: „Wenn dem Herrscher von treuen Unter» thauen ein jubelnder Empfang bereitet wird, so geht das stets zu Herzen. Mancher Provinz Empfang habe ich schon erlebt, ganz besonders aber spricht der Empfang der Rheinländer zu meinem Herze». An diesen Gestaden des Rheines, fagenumluoben von der Geschichte bekleidet, wo jeder Berg zu uns redet und jedes Gotteshaus seine hohe Sprache spricht, muß jeder Empfang, muß jedes gesprochene Wort besonderen Zauber aus das Menschenherz üben. Der Reiz der Poesie verschönt hier Alles, vor Allem aber gilt dies von der Stadt Cobleuz, die so besonders reick; ist an Andenken geschichtlicher und persönlicher Natur. So danke ich denn den Coblenzern und mit ihnen alle» meinen treuen Rheinländern für den der Kaiserin und mir am heutigen Tage gewordenen Empfang. Tief bewegten Herzens rede ich zu ihnen an dieser Stelle, in diesem Hanse, so eng verknüpft mit der Geschichte meines dahingegangenen Großvaters, mit der Persönlichkeit meiner verstorbenen Großmutter. Erinnerungen feierlicher und ernster, schöner und lieblicher Natur sind es, die itnfcre Herzen durchziehen. Jedoch das Gesammtbild, vor unteren rückblickenden Augen entwickelt, zeigt uns ei» Leben voller Segen, eine Thätigkeit reich gekrönt wie kaum je Menschenleben. Wir fühlen das Walten der hohen Frau, die in diesen Räumen einst gewohnt, spüren noch jetzt die segnende Hand der Kaiserin Augusta in allen Ehesten der Provinz. Dieselbe Liebe, dieselbe Anhänglichkeit, welche die Provinz für meine Großeltern empfand und welche diese sür die Provinz hegten, verbindet auch uns. Mir ist es gleich meinem hochseligen Vater vergönnt gewesen, zwei herrliche Jugendjahre an der Alma mater in ihrer Mitte zu verbringen, unvergeßliche Zeiten. So fasse ich denn Alles, was ich fühle und denke, in einen Segenswunsch für das Gedeihen der Provinz, zu gleicher Zeit and) aus dem Rückblicke die Lehre schöpfend, daß durch das feste Znsamnien- tjalten von Volk und Herrscher die größten Thaten geschehen sind; daß auch die Rheinprovinz das Ihrige that, meinem Großvater zur Seite zu stehen, als er den Nibelungenhort der deutschen Einheit unserem Reiche Wiedergewann. So hoffe ich denn, daß in
