und größere Ausdauer in der AuSiiiitznna, ist daher von Vortheil nach doppelter Seite hin. Aus diesem Grunde haben schon viele Großgrundbesitzer ihreGütcr parzellirt, aber einen besonders guten Griff scheint die preußische Negierung gethan zu haben, daß sic neuerdings einen beträchtlichen Theil der großen Bodenkomplexe, die seinerzeit behufs Eindämmung des vordriiiaenden polnischen Elementes an- gekanft wurden, in sogenannte Rentenkolonieen umgewandelt hat. Früher gab mau diese Grundstücke au deutsche Ansiedler in Zeitpacht, jedoch meistens verkaufte man sie gegen eine lährliche Goldrente. Jetzt ist mau bedacht, in der Nähe von Gewerbsstädtcn kleine Parzellen nach dem Vorbilde der Renteugüter einzurichten, um die daraus enffpringenden Vortheile auch städtische Arbeitern zu Gute kommen zu lassen. Normalstellen von 6 Morgen mit Wohnhaus und erforderlichen Stallungen z. B. vergab man an Arbeitersamilien in Bromberg gegen eine Anzahlung von 500 Mk. für Roggen und Kartoffeln znr Aussaat und eine jährliche Rente von 110 Mk., wovon 90 Mk. als unkündbare Rentenbankrente, die sich in 60'/i Jahren amortistrt, an die Rentcnbank abgeführt werden müssen, während 20 Mk. als Privatrente gezahlt werden. Letztere ist innerhalb 10 Jahren unkündbar. Je nach Bedürfniß hat man auch Rentengüter von 10—20 Morgen Acker und Wiese, und dann für berufsmäßige Landwirthe von 40 bis 100 Morgen geschaffen.
Als sehr empfehlenswerth hat sich herauSgestcllt, die Wohnung durch den Rcntengutserwerber selbst, zur Erhöhung des selbstständigen Interesses daran, auffuhren zu lassen, sei es durch Handwerker oder durch Bauunternehmer. Auf diese Weise ist in jüngster Zeit, ähnlich wie in Amerika, eine neue Kolonie, Alyxode, entstanden, die nächstens eine selbständige Gemeinde werden wird. Außer einer gemeinschaftlichen Lehmgrube und Viehtränke besitzt sie bereits einen Kirchhof und eine Schule.
Außer dem allgemeinen Nutzen für Arbeiterfamilien ist hierbei besonders auf den, welchen städtische Arbeiter möglicher Weife davon haben köruien, hingewiesen. Die Arbeiterkasernen, wie sie in manchen Jndnstriekreifen bestehen und nach gewisser Hinsicht auch volle Anerkennung verdienen, lassen dennoch in räumlicher, gesundheitlicher wie sittlicher Beziehung sehr viel zu wünschen übrig, und besonders ist der Preis ausschlaggebend. „
Mr 100 Mk. besitzt der Arbeiter hier vielleicht den engen Raum von 1—2 Zimmern und einer Küche, in der Kolonie für 110 Mk., was 2—3 leeren Zimmern enffpricht, den Raum eines eigenen Hauses und 5 Morgen Land in freier Luft. Hat er oder findet er geringen Vorschuß, so kann er noch anbauen und vermiethen. Die freie Zeit gewährt ihm die interessanteste Beschäftigung für den Menschen, die Bebauung des eigenen Bodens, Aussaat und Ernte, Freude am Gedeihen, Bewegung in gesunder Lust und eine volle Küche.
Die Entfernung wird dnrch die modernen, sich immer weiter ausdehnenden Verkehrsmittel leicht ausgeglichen. Der Hauptiverth aber ist ein moralischer, denn eigenes nutzbringendes Besitzthum ist die Grundlage des Gefühls für Häuslichkeit und Heimath und dieses die Grundlage znr Vaterlandsliebe. E. R.
Deutsches Reich.
* Kos- und Personal - Nachrichten. Dienstag Abend 10 Uhr fand bei Fackelbelenchtung die Ueberführung der Leiche des Herzogs Ernst ans der Moritzkirche zu Coburg in das herzogliche Mausoleum aus dem dortigen Friedhof statt, wo die Mitglieder der herzogliche» Familie anwesend waren. Nach einer Ansprache des Oberhofpredigers Kretschmar erfolgte die Beisetzung.
* Kerlin, 31. August. Wie das „B. T." erfährt, sei auf der Frankfurter Konferenz über die Einführung einer Eiseilbahn- Fahrkartensteuer für Billets I. und II. Klaffe ernstlich dis- kutirt worden. Dieser Vorschlag habe indessen nicht allgemeine Zustimmung gesunden. Dagegen sei die Erhöhung einer Steuer für Lotterieloose, welche jetzt 5pCt. beträgt, auf mindesteus 8 pCt. beabsichtigt.
* Rundschau im Reiche. Die Untersuchungsakten in der Spionageangelegenheit sind bereits dem Reichsgericht überliefert worden. — Die „Kattowitzer Zeitung" erfahrt von verschiedenen Seiten, ein preußischer Grenzbeamter habe bei Milowice einen russischen Soldaten, der eine entlaufene Kuh zurückholen wollte, auf preußischem Gebiet erschossen. Der Beamte habe dreimal vergeblich Halt gerufen.
Ausland.
* Frankreich. In der Rue Pergolese in Paris, wo mehrere große v:bäude abgetragen werden, stationirten heute Tausende von Arbeitern vor Ma ueransch lägen folgenden Inhalts: Bürger, die Deutschen und Italiener nehmen uns die wenige Arbeit, welche wir haben. Hier arbeiten beispielsweise nur Deutsche und Italiener, die Franzosen stehen arbeitslos am Eingang. Auf, Kameraden, zeiget wie unsere Brüder in Aigues-Mortcs und Nancy, daß französisches Blut in unfern Adern rollt! — Eingezogenen Erkundigungen zufolge sind thatfächlich vier Fünftel der an besagter Stelle an- gestellten Arbeiter Deutsche. — Auch gegen Italiener sind die sran- zöstfchen Arbeiter wiederum vorgegange». Aus Nancy, 30. Anglist, wird gemeldet. Ein Trupp französischer Arbeiter zog heute Früh 5 Uhr nach den Werkstätten in dem Hüttenwerk von Lang, nm die dort beschäftigten italienifchen Arbeiter zu vertreiben. Die Italiener verließen daraus die Werkstätten. Eine Schaar von 40 Arbeitern nöthigte sodann 6 Italiener, welche in einem Hause im Centrum der Stadt arbeiteten, die Arbeit niederzulegen. Die französischen arbeitet versammelten sich schließlich auf dem Stamslansplatze und fchickten eine Deputation an den Maire, welche erklärte, die Arbeiter würden so lange striken, als auch nur ein italienischer Arbeiter in Nancy beschäftigt würde.
Ans K«uK und Leben.
b. Mk Schritte» über Chicago, seine Ausstellung und die Reise dorthin wachsen ins Legionenhafte, und der arme Bücher- recenfent läßt sie meist stöhnend über sich ergehen, blickt hinein, sieht, daß die eine wie die andere ist, und legt sie auf Seite. Wenn er aber ein Büchlein aus der bunten Schaar nicht eher weglegt, bis er es von Anfang bis zu Ende gelesen hat, fo ist das zweifellos ein Beweis, daß das fo begnadete Opus einen besonders fesselnden Inhalt hat, und diesen mntz mau den „Reifenotizen eines
Abend-Ausgabe
irsbatirmr Sagblatt
Anzeigen-PrelSr
1893
Donnerstag) den 31. Angnst
Ms. 406
feim jederzeit begonnen werden. Man bestelle sofort.
Die französischen Spione.
liert keine Kenniniß
ist bei der gegenwärtigen Finanzlage für die absehbare Zukunft ganz verschlossen, somit der andere geboten. Daraus erhellt auch die Bedeutung einer solchen Maßregel für die deutsche Sozialpolitik. Die Finanzkunst ist in eine Sackgasse gerathen, aus der es kein Entrinnen gießt. Trotz der gewaltigen Steuererhöhungen hat das Deutsche Reich daneben noch beinahe 2 Milliarden Schulden gemacht in kaum 18 Jahren. Die Ausschüttung des Reichskriegsschatzes durch gesetzliche Festlegung würde außer den circa 5 Millionen entgangenen Zinsen noch die Abwehr von Steuern bewirken, die trotz aller Versicherungen und wohlgemeinten Absichten schließlich doch die minder besitzenden Klassen belasten werden. Und wenn die Summe zur Fiuanziirung des einmaligen Aufwandes für die Militärvorlage oder zur Tilgung der Schulden dient, wirkt sie in gleicher Richtung. Noch bedeutender und sür die Zukunft nutzbringender könnte sie aber wirken, wenn sie zu einer Reihe von sozialreformatorischen Maßregeln flüssig gemacht würde, die jetzt aus Mangel an Mitteln zurückgestellt oder aufgegeben worden sind.
W.
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zutreten.
Die „Straßburger Zig." nimmt aus dem Kieler Fall Anlaß, dem französischen Spioneuwesen einige allgemeine Worte zu widmen, und lagt u. A.: „Kein vornrtheilsfreier Deutscher wird den unmittelbaren Schluß ziehen wollen, daß die sranzösische Regierung als solche bei dem geheirnuißvollen Treiben der beiden Verhafteten beteiligt fei; mau wird mindestens nicht fo unhöflich fein, damit der französischen Regierung eine solche Dummheit zuzntrauen, daß sic sich solch ungeschickter Kerle bedient, um in den Besitz der Abbildungen einiger deutschen Kriegswerke zu gelangen. Freilich kann Frankreich den Vorwurf eines ausgebildeten Spionenwesens nicht von sich abweiseu, denn von früher ist bekannt, wie das „Nach- richteiibüreau" gearbeitet hat. Immer wieder mutz aber darauf verwiesen werden, dah das Deutsche Reich keine besonderen Gesetze gegen Spionirerei braucht, wie sie Frankreich besitzt; und wahrend amtlich unterstützte deutsche Spione in Frankreich trotz aller besonderen Gesetze und Anstrengungen noch nicht gefunden worden sind — weil cs eben keine giebt —, ist die amtliche oder halbamtliche französische Spionirerei auf deutschem Boden in früheren Jahren wiederholt nachgewiesen worden."
„„ ., ... „ . , g es sich nur um eine Vergnügungsreise handle. — Aus Berlin ist, so meldet die »Freis. Ztg.", ein höherer Beamter des Reichsmariueamts mit Beamten der politischen Polizei in Kiel eingetroffen behufs Führung der Untersuchung. Wie nach dem genannten Blatt verlautet, war die Abfahrt der Spione aus Frankreich den deutschen Behörden schon von dort signalisirt worden. Dubois wird einer Korrespondenz der „H. N." zufolge als der eigentliche Chef angesehen. Daguet ist eine stattliche Persönlichkeit von militärischer Haltung. Die Festungswerke sind nicht an Ort und Stelle, fonbern Abends an Bord der Dacht aus dem Gedächt- uiß gezeichnet und genau beschrieben, selbst die Maße der verschiedenen Anlagen sind ziffermätzig geschätzt. Daguet behauptet, datz er ein Werk über Befestigungsanlagen herauszugeben beabsichtige und daß dies der Nebenzweck seiner Seefahrt in den deutschen Meeren sei. Uebrigeus hätten sic auf ihrer Fahrt auch Holland besucht, und unter den mit Beschlag belegten Papieren befänden sich auch Skizzen der Befestigung von Nieuwerke. Dubois schiebt alle Schuld auf Daguet; er will nicht betheiligt sein, während der Verdacht auf ihm ruht, daß er der Vorgesetzte von Daguet sei. Die Franzosen hatten vor ihrer Verhaftung die Absicht, Swinemünde, Saßnitz und Stralsund zu besuchen, einen Abstecher nach Gjcdser zu machen und am 6. September auf einen Tag nach Kiel zurückzukehren, wahischeiiilich, um die Rückreise durch den Kanal an-
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lieber die Verhaftung der beiden der Spionage verdächtigen Franzosen werden der „Tägl. 91." aus Kiel, 29. August, folgende Einzelheiten mitgetheilt: Vor drei Wochen haben die Herren Raoul Dubois, angeblich Gutsbesitzer, und Maurice Daguet, angeblich Geschäftsreisender, die einem Mitgliede des „Royal Thomas Nacht- Klub" gehörige Dampsyacht „Insekt" für die Summe von 4400 M. gechartert. Sie besuchten zunächst Wilhelmshaven, dann Helgoland und Cuxhaven und begaben sich schließlich durch den Kanal nach Kiel, wo Kohlen und Proviant genommen werden sollten. Auf Grund einer Benachrichtigung aus Helgoland hatte die Kieler Polizei ein wachsames Auge auf die beiden Herren, zumal sich diese in der Staat nicht sehen ließen, sondern ausschließlich den Kriegsschiffen und der Außeiifvhrde mit ihren Befestigungen ihre Aufmerksamkeit zuwandten. Bis Montag Früh hatte die Polizei bereits so viele Verdachtsgründc, daß zur Verhaftung geschritten wurde. Die Kajüte, welche im Vorderschiff liegt, mürbe gründlich durchsucht, und es wurden eine Stativ-Camera und
eine Hand-Camera nebst zahlreichen Platten und fertigen Bildern beschlagnahmt. Man sand ferner Zeichnungen der Befestigungen von Wilhelmshaven, Kiel und Helgoland. Am Montag Nachmittag wurde in Gegenwart des Hasenkapitäns, Kapitäns z. S. Langcmak, und des Lektors der französischen Sprache Gauthcy des Gouttec, der als Dolmetscher thättg war, das Verhör der Franzosen abgehalten, welche angaben, die Zeichnungen nur zu ihrem Vergnügen »»gefertigt zu haben. Nach Verständigung mit der Staatsanwaltschaft wurden beide Personen dem Gerichtsgefängniß überliefert. Die Aacht „Insekt" wurde polizeilich beschlagnahmt, doch ist die Mannschaft völlig unverdächtig. Die weitere Untersuchung wird zeigen, ob sich die Franzosen einer Verletzung der Gesetze schuldig gemacht haben. Die Bemamiung des „Insekt" ist englhch und behauptet, von den Reisezweckcn der beiden Passagiere "' “ zu haben, ist vielmehr der Ansicht gewesen, daß
«1. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis: M Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen worden.
Die Kentengüler im deutschen Osten.
Das Verlangen nach einem festen Besitz an Grund und Boden liegt in der menschlichen Statur tief begründet. Ei» Fleckchen von der Erde sein zu nenne», um nach Gutdünken für sein eigenes Interesse darauf schalten zu können, gewährt ein Gefühl der Selbst- I ständigkeit und inneren Zufriedenheit, und es erzeugt Lnst und Liebe
$ür den Wloncrt September!
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Reichskrirgsschtch «nd Sozialreform.
Im „Sozialpolitischen Centralblatt" macht Rudolph Srätzer-Berlin den Vorschlag, den Reichskriegsschatz auf- juheben, weil er ein irrationaler, für seine Zwecke nicht msreichender Fonds ist.
Im vorigen Jahrhundert, so führt Grätzer aus, waren die Finanztheoretiker für die Vorzüge der Staatsschatz- fammlungen sehr eingenommen. So hebt Adam Smith anerkennend die Schatzsammlung der preußischen Könige hervor, denen er die mit Schulden belasteten damaligen Republiken entgegenhält. G. v. Justi hält einen Staat für gefährdet, der keinen Staatsschatz besitze. Die Liebe der Unterthanen könne einen solchen nicht ersetzen. Alle Unternehmungen des Monarchen hätten dadurch Nachdruck. 68 sei mit den Fürsten wie mit den Privatpersonen: wo Geld ist, da läßt sich etwas anfangen. Weit abgeknhlter waren die Anschauungen über den Staatsschatz in der folgenden Epoche, und allmählich gelangte die Finanztheorie dazu, die Institution des Staatsschatzes zu verwerfen. Die Gründe für diese Wandlung sind einleuchtend. Dian beobachtete, daß auch der reichlichst angefüllte Schatz zur Kriegsführung nicht ausreichte, und ferner berechnete die beginnende kapitalistische Anschauungsweise des Staatsfinanz- wcsens den Verlust an Zinsen. Trotzdem hielt Preußen an der alten Einrichtung fest, wahrscheinlich aber mehr der geschichtlichen Ueberlieferung wegen, als aus besonderen finanziellen Erwägungen. Rach den Kriegen von 1866 und 1870/71 wurde der Staatsschatz von Preußen auf das Reich übernommen. Ohne sonderliche Debatte wurden durch Reichsgesetz vom 11. November 1871 120 Millionen Mark, die der französischen Kriegsentschädigung entnommen waren, nn Juliusthurm zu Spandau hinterlegt; sie sind ausschließlich zur Deckung der Mobilmachungskosten bestimmt.
Die Finauztheoretiker der Gegenwart haben zur Rechtfertigung der Institution der Staatsschatzsammlung eine Aodifizirte Theorie vom Kriegsschatz aufgestellt. Danach ist dieser nur ein unvollkommenes Deckungsmittel und nur anwendbar für ein Volk mit kriegstüchtigen Nachbarn, offenen Grenzen und eine». System der allgemeinen Wehrpflicht, hier aber hat er den Vortheil, den Staat bei der Kontra- hirung der zur Kriegsführung erforderlichen Anleihe unabhängiger zu machen von dem Kapitalmärkte, der sich gerade in den Tagen der Mobilmachung in kopfloser Deroute befindet. Es handelt sich somit um einen Nutzen für die Steuerzahler, der selbst einen bedeutenden Zinsverlust auf- zuwiegen vermag. Daneben trägt die Ausschüttung des Laarvorraths znr Beilegung der Panik wenigstens in etwas bei und ermöglicht kurze, schnelle Schläge, die oft das Schicksal des Krieges entscheiden.
Diese Theorie (der berühmte Geschichtsforscher Onken hat sich bei seinen historischen Vorträgen im hiesigen Kurhaus s. Z. außerordentlich anerkennend über die Einrichtung des Kriegsschatzes im Juliusthurm ausgesprochen. D. R.) kann man nur für richtig halten, wenn die aufgespeicherte Summe groß genug ist, nm auch wirklich die Mobilmachungskosten voll und die Kriegskosten einige Zeit decken zu können. 3m Jahre 1870 betrugen die Mobilmachungskosten für das ^eußische Kriegsheer allein etwa 6 Millionen Mark für den Xag. Die Kontingente nach dem Bevölkerungsverhältniß Berechnet, ergiebt das ein Zureichen des jetzt verfügbaren Staatsschatzes für etwa 14 Tage. Heute beträgt nun aber die Kriegsstärke der deutschen Armee 3'/r Millionen Mann, und durch die Militärvorlage ist sie noch weiter erhöht worden. Noch wichtiger ist die seither erfolgte beträchtliche Vermehrung der Kriegsflotte, die 1871 erst in ihren Anfängen vorhanden war. Die Indienststellung der Flotte, die ebenso nothwendig ist wie die des Landhecres, wird ficherlich bedeutende Kosten erfordern. Und nimmt man an, daß die gesammten Aufwendungen für die Mobilmachung pur proportional wachsen, so sind die 120 Millionen in Ivenigen Tagen erschöpft.
Dem gegenüber kommt Grätzer zu dem Schluß, daß es tut zwei Wege rationellen Verhaltens geben kann. Entweder man bringt den Schatz auf die volle Höhe seiner Musnutzungsfähigkeit, oder man löst ihn einfach auf und Mhrt seine Bestände der Reichskaffe zu. Der erstere Weg
