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41. Jahrgang.

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384.

Freitag, den 18. August

1893.

einem Stück hergestellt märe. Der etwa 2 Meter lange Hintere Theil der inneren Bohrung ist weiter als wie der 3,8 Meter lange gezogene Theil des Geschützlaufes. Er dient zur Ladung, welche so erfolgt, daß von hinten zuerst die Granate eingeschoben und dann, ebenfalls von hinten, die Kartusche mit der Pulverladung eingesetzt wird. Der Verschluß erfolgt durch das Vorschieben eines von der Seite in das Bodenstück des Geschützrohres hinein­geführten stählernen Keiles von 930 Kilogramm Gewicht. In unserer Zeichnung ist das Keilloch, welches den Hinteren Laderaum der Bohrung unterbricht, deutlich erkennbar.

Von besonderem Interesse ist nun in dem vorliegenden Falle die Pulverladung. Dieselbe besteht aus pris­matischem Pulver, d. h aus Pulver, dessen kleinste Körper durch besondere Behandlung und Pressung in sechsseitige prismatische Form gebracht sind. Unsere Leser finden in dem Bilde links ein solchesPulverkorn" in etwa % der natürlichen Größe abgebildet. Ein jedes dieser Prismen ist in der Mitte durchlocht. Die gesammte Pulverladung in dem bedeutenden Gewicht von fast einem Centner (48 Kilo­gramm) befindet sich in einem Kartusch-Beutel aus Seiden­

hat bei dem Ausströme» der Pulvergase aus dem Hinteren, noch nicht ganz verschlossenen Theile des Geschützes gewirkt, den Keil zertrümmert und seine Theile umhergeschleridert, ist nach hinten und seitlich aus dem Rohr und den Keil­löchern entwichen, während die Granate nur bis in die Mitte des gezogenen Theiles des Laufes vorgedrückt wurde, weil eben die Hauptkraft «ach hinten hinausging. Wenn man die enorme Größe der Gesammtkraft der Pulverladung kennt und in Betracht zieht, dann wird der Umfang der in diesem Unglücksfalle eingerichteten Verheerung erst erklärlich.

Die im Rohr stecken gebliebene, scharf geladene Granate hat mau durch Abfeucru des Geschützes später aus dem­selben entfernt.

Das Unglück an sich hat auch die Frage nahegelcgt, ob Mängel in der Geschützkonstruktion, der Lade-Einrichtung oder bergt vorhanden sind, welche das Unglück verschuldet haben, und ob solche den Werth der theuren Feuerwaffe und somit jenes Panzerschiffes und seiner glcichgebauten und armirten Geschwister beeinträchtigen. Diese Frage ist eine schwerwiegende, denn nicht weniger als acht unserer Panzer­schiffe tragen Geschütze der hier in Rede stehenden Art, und zwar im Ganzen 48 solcher Geschütze. Die Frage muß jedoch unbedingt verneint werden. Das Unglück ist auf äußere, vielleicht durch Mangel an Achtsamkeit bei der Bedienung des Geschützes hervorUrufeue llrsachen zurückzuführen; es läßt aber deshalb in keiner Weise einen ungünstigen Schluß auf die Beschaffenheit des Geschützsystems oder der mit diesen armirten Schiffe zu.

zeug, welcher die Prismen in regelmäßigen Lagen von je 37 Stück, die ganz genau aufeinander geschichtet sind, ent­hält und oben zugebunden ist.

Im mittleren Theile unserer Zeichnung ist eine solche Kartusche, die äußerlich 6-seitig mit abgestumpslen Kanten ist, abgebildet.

Wie schon Eingangs bemerkt, hat eine vorzeitige Explosion der Pulverladung das Unglück hervorgerufen. Veranlaßt kann eine solche auf zweierlei Art werden. Ent­weder, die Kartusche war nicht genügend weit von hinten in den Laderaum eingesetzt, stand mit ihrem Boden noch etwas vor, in das Keilloch hineinragend, und wurde beim seitlichen Verschieben des schweren Keils von diesem ge­quetscht und so zur Explosion gebracht; oder es befanden sich beim Laden noch einige unverbrannte, noch glimmende Reste der vorigen Kartusche, bezw. des seidenen Kartuschbeutels im Laderaum, welche die neue Kartusche während des Ladens noch fast unmittelbar vor vollständigem Verschluß des Rohres mit dem Verschlußkeil zur Entzündung und Ex­plosion brachten.

Welchem der beiden hier angedeutcten Umstände die Ent­stehung des Unglücks zuzuschreiben ist, wird wohl nicht mehr aufgeklärt werden.

Unerklärlich mag Manchem der enorme Umfang der Ler- heernng erscheinen, den die nach hinten aus dem Geschütz­rohre heraus ins Freie hinein erfolgende Explosion der Pulverladung hervorgerufen hat. Demgegenüber muß auf die ganz bedeutende Kraft hingewiesen werden, welche dem verwendeten Pulverquantum innewohnt. Wie schon erwähnt, verleiht die Ladung der Granate eine lebendige Kraft von 2232 Metertonncn*); dies ist jedoch nutzem verhältniß- mäßig kleiner Theil jener enormen Kraft, die in einer solchen Ladung enthalten ist, da der bei Weitem größere Theil der­selben durch die Reibung der Granate im Rohr, durch den Rückstoß des Geschützes, Einwirkung auf die Rohrwandung, den Keil u. s. w. verloren geht. Theoretisch beträgt die Gesammtkraft eines Kilogramms Pulver 332 Metertonnen, demnach besitzt eine Pnlverladung von 48 Kilo eine Kraft von 15,936 Metertonnen! Diese enorme, verheerende Kraft

*) AlsMetertonne" bezeichnet man diejenige Kraft, welche eine Tonne (20 Centner) in einer Sekunde einen Meter hoch zn heben vcrmaa.

Volttische Tages-Rundschau.

Aus deutschen Kaufnianns- kreisen-in Petersburg geht uns über das gegenwärtige handelspoli­tische V e r h ä l t n i ß zwischen Deutschland und Rußland folgender Bericht zu, der, auch tveun man nicht mit allen einzelnen Aus­führungen einverstanden ist, doch als ein sachverständiges Urthcil deutscher Kaufleute in Rußland Beachtung verdient:

In seiner Nummer vom 11. August veröffentlichte der russische Ncgieruugsanzeiger eine Darstellung der Vorgänge bei den Verhandlungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag, welche in weiten Kreisen, und nicht nur bei Russe», einen günstigen Ein­druck gemacht hat. Diese Darstellung beginnt mit den ersten Berhand- lungeu-z im Jahre 1891 und schließt mit dem Memoire vom 22. Juli d. I., worin nochmals die Bereitwilligkeit der russischen Regierung ausgesprochen wird, sobald als möglich die Wieder­aufnahme der gegenseitigen Verhandlmigeu zu beginnen, und im Voraus jedem früheren Termin als dem 1. Oktober d. I. zligestimmt wird. Diese Darstellung der Vorgänge zeichnet sich durch einen sachlichen, rnhigen Ton ans und giebt einfach akteiimäßig, man könnte beinahe sagen in Tagebuchform, ohne Neflexione», die einzelnen Phasen wieder, welche diese Handelsvertrags- Verhandlungen dnrchgemacht haben. Wenn man diesen Aussatz ohne Voreingenommenheit und nustnerksam durchlieft, so begreift man kaum, wie schließlich der jetzige Zustand eines erbitterten, für beide Theile höchst nachtheiligen und in feinen schädigenden Folgen garnicht absehbaren ZollkrregS entstehen konnte! Was man int russischen Publikum und bis hinaus in die höchsten Streife der deutschen Regierung hauptsächlich zum Vorwurf macht, und was wohl wesentlich mit dazu beigetragen hat, den Kamps zu verschärfen, ist einesteils der Umstand, daß man, ohne zuerst mit Rußland zu verhandeln ober ihm wenigstens vorher Mitteilung zu machen, den österreichischen Handelsvertrag abschloß; ebensosehr aber and) die von deutscher Seite int Juli hierher gelangte Antwort auf den russischen Vorschlag, der die weiteren Verhandlungen am 1. August beginnen lassen wollte. Man antwortete, daß solche Lerhand- lnngen erst am 1. Oktober beginnen könnten,da die deutschen und preußischen Minister sowie ihre hauptsächlichsten Mitarbeiter im Begriffe seien, ihre Ferien anzutreten, und es unter diesen Um­ständen unmöglich sei, eine so bedeutende und wichtige Angelegen­heit, wie einen Handelsvertrag mit Rußland, zn berathen!" _ Wie die Sachen jetzt liegen, ist mir das Eine zu hoffen, daß die weiteren Verhandlungen so rasch als möglich wieder aus­genommen werden, unabhängig davon, ob das Endresultat schließlick) den russischen Wünschen entipredjen wird, um jedenfalls unsererseits den guten Willen zur Verstäudignng zn beweisen und den Handel und die Industrie vor uuabsehbarem weiteren Schaden, der durch diesen erbitterten Zollkrieg nothwendig herbeigesührt wird, nad) Möglichkeit zu bewahren. Wenn hie und da auch in russischen Kreisen die Meinung ausgesprochen wird, daß schon jetzt ein P r o- visorium auf Grundlage der beiderseitig zngestandeneii Zollsätze, bis zu einer definitiven Regelung, eingeführt werden könnte, so ist dies ein Jrrthitm. Hierzu würde die Reichsregierung der Zustim­mung des Reichstags bedürfen, und leider hat sie es unterlassen, sich solche, als es noch Zeit Ivar, ähnlid; wie bei den im April schwebenden Verhandlungen mit Rumänien, damals oder später geben zu lassen. Aud) hier in Rußland herrscht augenblicklich ein Wirrwarr im Handel und Verkehr, der alle Unternehmungslust verhindert. Niemand ist geneigt, neue Ge­schäfte irgend welcher Art, besonders mit Deutschland, abzuschließeu, da solche einerseits, zum großen Theil wenigstens, durch

lieber die Ursachen der Explosion an Kord des Panzerschiffes »Kaden".

DäS entsetzliche Unglück an Bord des Panzerschiffes haben", welchem am 2. August zwölf blühende Menschcn- c&en zum Opfer gefallen sind, während fünfzehn Personen Wr ober weniger schwer verletzt wurden, hat durch die bisherigen Zeitungs-Mittheilungen keine genügende Auf- Oritng gesundet!.

" Wir geben nachstehend eine von fachmännischer I Seite stammende Beleuchtung des Vorfalls, welche geeignet s ist, namentlich Aufklärung darüber zu geben, wie ein solcher Mrfall möglich mar, und ans welchem Grunde die Ver- fheerungen so bedeutende waren.

Der Thatbestand ist bekanntlich in Kürze folgender: Leim Scharfschießen aus den schweren Geschützen des PanzerschiffsBaden" in See nach einer schwimmenden sScheibe auf etwa 5000 Meter Entfernung explodirte bei 4tin Geschütz Nr. 4, welches auf Backbord in dem Hinteren tPnzerthurm des Schiffes stand, die 48 Kilogramm schwere ßilverladung in dem Augenblick, als Ms fertiggeladene Geschütz soeben durch rtat Verschlußkeil hinten geschlossen isutbc. Der Verschluß war noch nicht mdnungsmäßig erfolgt, und demzu- ifeige ging fast die gesammte Kraft dcr Pulverladung nach hinten zum Geschützrohr und seitlich durch die Keil­löcher hinaus, zertrümmerte den Keil, schleuderte die Stücke desselben nach hinten und seitlich umher und rbfitete imler der Aadungsuiannschaft die be­kanntgeworbenen Verheerungen an. r. Das Geschoß, eine Zündergranate von 2,6 Kaliber gleich 67 Zentimeter Wngr, wurde nach vorn in den ge- wgeneti Theil des Laufes zwar hinein- geschleudert, blieb daselbst jedoch etwa in der Mitte stecken, weil die Kraft der Pulverladung nicht voll auf den Loden des Geschützes wirken konnte, sondern nach hinten zum Verschluß- «nbe des Laufes hinausgegangen war. I Um sich eine Vorstellung von der rammen hierbei zur Entfaltung ge­engten Kraft zu machen, die mit einem

Schlage nahe an 30 Menschen zu tödten und zu verletzen vermochte, wolle der Leser an der Hand der hier beistehenden Zeichnung den nachstehenden Ausführungen folgen: t Das PanzerschiffBaden", von welchem die unterste Skizze in unserem Bilde den Dccksplan giebt, führt sb schwere Kruppsche Hinterladergeschütze mit Keilverschluß iüon je 26 Zentimeter Kaliber, welche in der Weise Auf- Mung gefunden haben, daß 2 Geschütze auf dem vorderen ssin unserem Bilde rechten) Theile des Schiffes in einem gtineren, oben offenen Panzerthurm Aufstellung gefunden Wen, während die 4 anderen Geschütze in einem größeren, Wn offenen viereckigen Panzerthurm aufgestellt sind. In [Wrcr Zeichnung sind die Panzerwände dieser Thürme ^utch eine dickere schwarze Zeichnung martirt, und ebenso

6 Geschütze. Die 4 Geschütze in dem Hinteren, Mößeren Thurme stehen auf Mittel-Pivot-Drehlafetten, F baboit können seitwärts sowohl wie direkt nach hinten, W beiden anderen seitwärts sowohl wie direkt nach vorn pueril.

L Das Geschütz Nr. 4, auf unserer Zeichnung durch diese Mer auch bezeichnet, sollte gerade voraus feuern, als dies pHgtücf passirte.

. Wie aus dein Kaliber hervorgeht, sind diese Geschütze ganz bedeutenden Dimensionen. Das Rohr ist 5 Bieter ^Zentimeter lang, es wiegt mit dem Verschluß 22,000 Kilo- Fflmm, und der Verschluß allein (Keil) wiegt 930 Kilo- ptnm. Die 67 Zentimeter lange, 26 Zentimeter dicke, M 13 Pfund Sprengpulver geladene Granate wiegt *82 Kilogramm. Die Pulverladung, mit welcher eine solche Banate abgefeuert wird, beträgt 48 Kilogramm (96 Pfund),

dieselbe verleiht bet Granate eine Fluggeschwindigkeit p 500 Meter in einer Sekunde, was einer lebendigen psast von 2232 Metertonnen entspricht. Das Geschützrohr Mehr, wie unsere Zeichnung erkennen läßt, ans dem ll|tren Hauptrohr, welches die Bohrung für die Seele «hält, und aus einer Anzahl von Stahlringen, die in Wjtnbem Zustande auf das Rohr aufgetrieben werden, | Ü der Erkaltung sich zufammenziehen und dadurch das i Mützrohr in seiner Hinteren Halste sehr fest umschließen. W verleihen diesem dadurch eine bedeutend größere Wider- Wdskraft gegen die große Spannung der Pulvetgase, als pt das Geschützrohr von Anfang an dicker und nur aus

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