Seite 2. 1. Anglist 18V3.
Wiesbadener Tagblatt fAbend-Ansgabe). Verlag: Langgasse 27.
41. Jahrgang. No. 351.
wesenden, unter denen sich General-Tirektor Pofsart und die Rammerfänflerin Dreßler au« München befanden, bestieg das Fürstenpaar bte offene Hofkntfche unter brausend«» Jnbelzurnfe der auch vor dem Bahichoie stehenden Dkensämrmenge. Die Fahrt ging im Schritt, überall neuer Jubel, Im Meilen Wagen folgten Dr. Thryfander und der Leibarzt. Fast alle Häuser der Stadt waren idckuchtei; ans Büschen und Bäumen flammte bengalisches Licht. Die ganze Scenerie gewährte einen herrlichen Anblick. Vor dem Schulhäusc der Stadt war die Schuljugend mit Fähnchen ausgestellt und fang „Die Wacht am Rhein-". In den Wagen de? Fürstenpaares regnete es Blumen. Oft entstand vor dem Wagen ein beängstigendes Gedränge. Der bis zum Abend -faltende Regen hatte aufgehört. Der Fürst sah vorzüglich au«; auch die Fürstin scheint sich wieder sehr erholt zu haben. — Der Wölfische Telegraph schildert den Empfang in Kisstiigen wie folgt: „Der Fürst und die Fürstin Bismarck sind heute Abend hier eingetroffen und von der zahlreich versammelten Dieusärciunenge lebhaft begrüßt worden. Die Straßen waren bengalisch beleuchtet."
* Rundschau im Kiichc. Wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses wurde von der Ferirnstraikammer des Landgerichts in Stettin als Bernfungsiilstanz cm Baucrnhofbesitzer aus Brünsten zu einer Geldstrafe verurtheilt, weil er als Mitglied der Einschätzungs-Kommission ans den Verhandlungen Mit- theilmtgeir an andere Personen gemacht hatte. Sowohl das Schöffengericht wie die Strafkammer batten auf Freisprechung erkannt. Das Reichsgericht hatte die Sache zur nochmaligen Verhandlung vor die Sttaskammer verwiesen.
♦ Italien. Der römische Korrespondent des „Temps" meldet, dost kinAettmigskorrespvudent, -nicht einmal die italienischen, Ben Mottenmanaveru beiwohnen können.
* Frankreich. Wie der „Gmilois" meldet, werden die sran- Mstschen Schiffe die fianiefifrfje Küste dis zur Erledigung des Ultimatums besetzt halten. — Die französische Presse bespricht mit sichtlichem Behagen die Einführung des. Maxiurattarifs durch Rußland und sagt, der Zollkrieg werde Dentschkand zum Schaden ge- »eirfjen; das Hinzutreten der landwirchschaftlichcn Krisis zur in» .dustrieüen Krffis gebe dem Sozialismus neue Diittel zur Propaganda. — Das Schwurgericht in Paris verurtheilte wegen Be- tnigS bei der Lieftrrmg militärischer Ausrüstungs-Gegenstände die Nitteniehmer Hemerdinger und Sarda zu je fünf Jahren und den Wagazinr-OfWer Meyer zu einem Jahr Gesüngniß.
* Gratzdritannirn. Dem Kaiser widmet zu seiner Ankunft in England der „Standard" eine herzliche Begrüßung, in der er schreibt, „daß der deutsche Kaiser mit England so innige politische Beziehungen, als sie mit dem repräsentativen und Volkscharakter unstrer Einrichtungen vereinbar find, zu unterhalten wünscht. Dieser Wunsch wird timt England gründlich erwidert. Die Beziehungen Englands mit Deutschland sind herzlich und auSgezeiclMet in jedem Sinne".
* Rußland. Meldungen aus Petersburg zufolge toirb gegenüber den Nachrichten ausländischer Blätter offiziös niitgetheilt, daß die Grenzwache nicht verstärkt, sondern nur eine eingreifende Reorganisation erfahren wird. — Zu den diesjährigen Herbst- man Stiern in Polen, welchen der Zar beiwohnt, kommt eine größere Altzahl höherer französischer Offiziere an.
* Knlgaricn. Die Sobranjewahlen sind zu Gunsten der Regierung ausgefallen.
* Türkei. Aus Konstantinopel wird berichtet: Nachdem viele türkische Damen als Lehrerinnen in Mädchenschulen mit gutem Erfolge Anstellungen gefunden haben, wird die türkische Regierung ttn Lehrcrinuen-Scminar in Konstantinopel errichten.
* Asten. Nach einem Telegramm des „Standard" aus Shanghai ist die französische Mission in Meiuyang (140 Kilometer südöstlich von Hankan) während eines Volksaufstaudcs zerstört worden.
* Afrika. Nach einer Meldung der „Times" ans Sansibar haben die Belgier in Verbindung mit Sklaven ans Manyema die Araber Tippu-Tips angegriffen und 60 derselben gelobtet.
* Küdfee. Bei der Nachricht von der. „Annexion" der Salomoninseln (im Stillen Ocean) durch die Engländer handelt es stch nur um die chatsächliche Inbesitznahme desjenigen Theiles der ZrWn, -welcher England in der Vereinbarung mit Deutschland vom 6. April 1886 überlassen worden ist. Die nördlichen Inseln der Salomoiisgruppe: Bougainville, Choiseul und Isabel sind damals der deutschen Machtsphäre zugewiesen und am 13. Dezember 1886 durch Kaiserlichen Schlltzbrief der Verwaltung der Neu-Gninea- Eompaguie unterstellt worden.
Residenz-Theurer.
Ms „Schöne Helena" in Offenbachs gleichnamiger Operette setzte gestern Fräulein Therese S tella ihr Gastspiel am Residenz- Theater fort und zwar mit sehr gutem Erfolge. Ihre Darstellung der liebebedürftigen Königin machte einen weit tiortheilhasteren Eindruck als neulich ihre Rosalmde in der Fledermaus. Namentlich konnte wtan an ihrem Gesänge seine Helle Freude haben. Die tvohl- klingeude Stimme, die gute Schule und ein geschmackvoller Vortrag Vereinigten sich zu einer durchaus befriebigenben Gcsammtwirkung. Die liebartige Klage, daß der Jugend so viele Fallstricke gelegt seien, trog fie mit so warmer Empfindung und hübschem Ton vor, daß bas animirte Publikum sich nicht eher beruhigte, bis die Sängerin die Strophen wiederholte. Was an Fräulein Stella noch ganz besonders zu loben, ist ihre Textanssprache, die an Deutlichkeit nicht« zu wünsch«: übrig läßt, ein Vorzug, dcr namentlich in der Operette, wo es auch in gesanglicher Beziehung häufig auf komische Pointen ankommt, von großem Werth ist. Ln der Darstellung hätte sie KUveilen mehr Humor entfalten können, doch ist die Deeenz, mit der sie selbst das Heikle behandelte, gn loben. Gerade in einem Theater, das von unferen Familien stark besucht wird, dürfte man ihr dafür sehr .dankbar sein. Was UN« nicht imponitte, war das selbstparodistische Element, das den Dialog überwmherte; diese österreichischen Dmlektanktänge, diese Erinnerungen cm das jüdische Idiom, diese-näselnden Töne, wie sie, an gewiffe Vorbilder sich aulehuend, gebraucht wurden, passen nicht für Jeden und wirken, weil die Absicht sehr auf der Hand liegt, durchaus nicht komisch, sondern sehr abstoßend. Wem: Kolchos imb MenelaiiS sich derartige Späße erlauben, so wird inan es ihnen gern verzeihen, baut Extempores zu machen und das Erhabene in den Staub zu ziehen, ist das Vorrecht der Komiker, aber die Partiten der Helena und auch des Paris sollte man davon freihalten. Die Offenbachsckie Parodie ist an mtb für sich schon so stark karikirt, daß es nicht eines allgemeinen Wettlaufs bedarf, nunmehr auch noch die Parodie zu parodireii. W. J.
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Aus Knust und Gebe».
* Urftdrur^Tsteaffer. Donnerstag gelangt „Mautseile Mit suche" neu emstndirt zur Aufführung. In der Titelrolle tritt Fräulein Marie Sigl zum ersten Male nach ihrem Urlaub wieder aus.
* Wilhelm Zode ff. In Düffrldorf ist der Landschaftsmaler l®#6dm Bode, geboren in Hamburg. MI 63. Lebensjahre gestorben. Kode war zuerst Liihoaraph imb stndirte dann die Ämldschafts- eialerei in Wien und München. Seit 1862 wohnte er in Düffel
dorf. Seine Lapdschasten, zu denen er die Motive in Tirol, Oberbayern, Mittel-, Süd- und Nordbeutschland suchte, sind wegen ihrer poetischen Auffassung und feinen, sorgfältigen Ausführung sehr geschätzt.
* Eine große Rosegger-Feier sand am Sonntag anläßlich des fünfzigsten Geburtstages des Dichters in dem steierischen Dorfe Krieglach, dem Wohnorte Roseggers, statt. Zahlreiche Abordnungen aus Wien, Graz und der Steiermark überrcidjtcu Rosegger Glückwunsch-Adressen und Geschenke. Zahlreiche Glückwünsche trafen auch aus Deiltstiiiand, insbesoirdere vom Rhein, ein. Der Verein Breslauer Dichterschiid übersandte ein poetisches Festblatt. Abends fand ein Fackclzng zu Roseggers Wohnung statt, wo Gesangs-Vorträge mit Ansprachen abwechselten. Rosegger dankte tief bewegt. Am 8. Sept, folgt noch ein großes Nationalfest auf einer Alpe bei Mürzzuschlag nach, wo Rosegger das Schneiderhanbwerk erlernte und seine ersten Gedichte schrieb.
* ffiiue Spaltung in der Künfttrrschast Hai sich auch in Dresden 'vollzogen. Es ist eine Freie Vereinigung Dresdner Künstler ins Beben gerufen worden, die gegen 45 Mitglieder zählt. Professor Robert Diez. Professor an der Königliche» Kunstakademie Paul Kießling, Architekten Hauschild, Gräbuer, Bildhauer Hartmann Mackan, Maler Paul Baum u. A. gehören ihr au. An der Spitze stehen als erster Vorsitzender Karl Bantzer und Architekt Hauschild als Weiter Vorsitzender. Im Herbst wird die Freie Vereinigung in Dresden eine Sonder-Ausstellung veranstalten.
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Uom 21. Mttelrhsttüschen Kreis-Turnfest in Darmstadt.
(Von unserem eigenen Korrespondenten.)
Dr. P. Darmstadt, 1. August.
Der Sonntag, als erster Festtag, wurde eingeleitet durch den Weckruf der Schüler-Kapelle. Der Vormittag war dem Empfang der Festgäste gewidmet. Der von 11 Uhr ab aufgestellte Festzug setzte sich um etwa 11 >/- Uhr tn Bewegung und durchzog die Hauptstraßen der Stadt. Er langte etwa um 1 Uhr auf dem Festplatze an.
Der Festzug zählte über 3000 Theiluehmer. 155 Banner wurden in deniselbeii mitgeführt. An der Spitze des Zuges ritten Reiter mit einem Schilde, worauf „GutHeil!" stand; ihnen folgten 8Fanfareu- bläser zuPferde und Reiter im Tnrnauzug. Daun kamen die Vereine der tierschiebenen Gaue, die Darmstädter Gesang-Vereine, Fechtklub, Krieger-Vereiue, Bäckergehülfeil-Vereiu, Darmstädter Schützen- Gesellschaft, Radfahrer-Vereine, G irtuergehülfen-Vereiu, Feuerwehr. Allenthalben wurden die bahiiizieheuden Turmer aus den Häusern von Turnerfreunben und -Freundinnen mit „Gut Heil!" begrüßt imb mit Blumen bedacht. Vor Allen erwähiienswerth sind die GriippenderFanfarenbläser zuPferde, des Fahrklubs Frankfurts a. M., des Radfahrer-Vereins Darmstadt, des Gärtnergehülfen-Vereius Feronia mit Festwagen und der Festwagen der Darmstädter Turnerschaft.
Leider wurde die Feststimmung von jetzt ab durch Regen dauernd beeinträchtigt. Gegen 3 Uhr etwa, nach) erfolgtem Aufmarsch zu den vorgeschriebeueu Freiübungen, hielt Herr Gymnasiallehrer Prof. Friedrich die sehr gut ausgearbeitete Festrede.
Er wies darauf hin, daß durch Errichtung der Festhalle der Gemüthlichkeit und Behaglichkeit Rechnung getragen worden sei. Das Wetter habe man indeß nicht in Betracht gezogen. Namens des Wetters bitte er daher zunächst nm Entschuldigung. Das Wetter mache aber die Stimmung nicht. Diese sei im Allgemeinen gut. Die Begeisterung für die Turnsache sei groß, und so könne das Fest gleichwohl einen schönen Verlauf nehmen.
Redner bemerkte, des Turners Wahlspruch laute: „Frisch, fromm, fröhlich, frei!"
Friseh wolle besagen: gesund an Leib und Seele. Wer aber die Gesundheit des Einzelnen fördere, sorge damit zugleid) für die Gesundheit des ganzen Volkes. Dieser Aufgabe lägen vor Allem die Turu-Vercine ob. Sie wüßten,daß Gesundheit des Volkes uoththue. Hättew die Turn-Vereine nur diese eine Ausgabe, so wäre dies schon von hoher kultureller Bedeutung. Bei der wunderbaren Harmonie von Leib und Seele äußerten die Leibesübungen aber zugleich ihre Wirkung auf Seele, Geumth und Herz. Beim Turner gäbe es daher keine Verstimmung, er setze fid; selbst über diese hinweg. Wer aber frohe Stimmung habe, bringe Vieles fertig. Heute, wo der Pessimismus herrsche, walte auch allenthalbeii Uuzufriedeuheit. Da sei Gottes Glück, wo man lerne, mit sich und feinem Loose zufrieden zu sein. Ter Turnplatz fei diese Stätte. Ein weiterer Vortheil der Turnerei sei, daß die Selbstsucht auf dem Turnplatz schwinde. Das Kurilen lehre den Einzelnen, sich einzufügen ins Ganze. Jeder müsse fid) als Glied einer großen Kette fühlen und einem Willen fügen. Das Turnen leiste damit ein schönes Stück sozialer Arbeit. Der Turner sei ein Manu der Ordnung, der Bescheidenheit und Demuth. Er sei, eben weil er bescheiden fei und einen höheren Willen anerkenne, auch fromm. Der Turner fei frei von Wahn und Aberglauben, frei durch zielbewusstes Streben. Die Turnerei sei weder staatsgesährlich, noch ordnungswidrig, vielnichr staat- und bildungsörderud. Sie diene dem Zwecke des Staates. Im Herzen des Turners wohne die Vaterlandsliebe. Die Turu-Vereine seien Träger derselben; Vaterlands-und Ordnungsliebe mache aber frei, und deshalb fei der Turner frei. Weil die Grundlage der Turn- sache eine so sichere sei, um deß willen sei auch die Saat, wie sie von den Vorfahren vor Jahr-zehnten geriet worden, so herrlich und in Freuden ausgegangen. Es sei zu wünschen, daß je länger je mehr alle Stände in der Turnerschaft vertreten seien und sich auf den Turnplätzen ei »fänden. Zu wünschen sei, daß der Beantten- sohn neben dem Arbeiter stehe und diesem damit das Gefühl erwecke, daß er ein gleichberechtigtes Mitglied im betitfdjeii Volke fei, so gut wie Jener. (Lebhaftes Bravo.) Es möge die Turnerei blühen und wachsen; denn je mehr die Tnrn- sache wachse, umso mehr sei der Staat im Aufblühen begriffen. Sinke die Turusache, so hätten wir im Gefolge damit and) ein Sinken des Volkes zu bfflageit.
Die Turner des Mittelrheinkreises sollten daher unter Einsetzung ihrer ganzen Arbeit treu an ihrer seitherigen Ausgabe festhalten und io zum fröhlichen Gedeihen der Turnerei beitragen. Unter dieser Voraussetzung bringe er dem Mittelrheiukreis ei» dreifaches „Gut Heil!"
An die mit Beifall aufgenommene Festrede schloffen sich die vor- geschriebeuen Freiübungen an, woran sämmtliche Musterriegen- und Wtttturner sowie die Wettsechter theilnahuien. Es war ein wirkungsvolles Bild, etwa 800 Turner auf dem Turnplatz ohne alle Befehle auf bloße Glockenzeichen ihre Hebungen mit aller Exaktheit ausführen zu sehen. Wegen cingttretenen starken Regens mußten die folgenden Hebungen auf dem Podium in der Festhalle zur Ausführung gelange». Es wäre» dies eine außerordentlichsgut vollführte Gesellschafts- Übung der Turngesellschaft Hanau, eine Keulenübung der Turn- gemeiudc Frankfurt, ein durch große Präzision in der Ausführung uläuzender Stabreigcn des Turn-Vereins Butzbach, Lanzen- imb Säbelfechten des Tiiru-Vereinr Offenbach, Stabübungen des Turn- Vereins und Keulenschwingen der Turn-Gesellschaft Wiesbaden.
Während dieser Vorftihrungen lösten fid) die Kapellen Engel und Hitze und die des „Meister Baunack" aus Mainz in Mufikvor- trägen ab.
Am Abend sand die Vertheilung der Ehrentafel» an die Muster- riegen im Kampfrichter-Gebiküde statt. In der Festhalle kouzertirte mit gewohntem Erfolge die Kapelle 'Hitze. Statt des tierrcguctni Tanzvergnügens auf dem Festplatze wurden die Schieß-, Waffel-, Zucker-, Schanbuden imd Karouffells umso mehr freguciitirt.
Der 2. Festtag (Montag) wurde gleichfalls durch Weckruf der Schüler-Kapelle eingeleitet. Kurz und) 6 Uhr trat das Kampfgericht zur Sitzung zusammen. Der Vormittag war bei Konzert aus dem Festplatz ganz dem Einzel-Wetttliroen gewidmet. Dieses verlief bei günstiger Wilternng in glänzendster Weise und ohne jeden Unfall. Am.Rachmittag gegen 3 Uhr begann das Festbankett in der Fest- Halle. Die Speisenfolge war: Ochsenschwanzsuppe, Rheinlachs mit cholläudifcher Tunke, Dd)fenrüden mit verschiedenen Gemüsen, Gänsebraten, gekochtes Obst und Salat, russische Rahmsiilzc. Bei der
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Turner imb vaterlandsliebender Mann seien stch deckende Segrjt, Als Deutscher nn Auslande habe er mit Freuden beobachtet, *3 Deutschland allmählich das herrliche Land geworden sei, als es jetzt dastehe. An seiner Spitze stünde als hehres Bildet Pflichttreue das Hohenzollenhans. Dies habe seit 400 Jah^ immerfort nur ein- und dasselbe Ziel verfolgt. Dies Ziel had<^ jetzt erreicht. „Tnnier" fei ein vaterländischer Ehrenname.. Jahns und Arndts Zetten; deutsche Mütter sollten ihre daher zum Turnen anhalten und fo zu Ehremännern groß stark an Leib und Geist. J
Zum Bankett war auch ein Glückwunsch-Telrgramm deSdttE Ssterr. Tnriikreises ans Innsbruck «ingetroffen, welches von «’i Vertreter Ziochermel alsbald verlesen und erwidert loirrbe.
Um etwa 'hä Uhr fand auf dem Turnplatz em KürturMff besten Turner des Kreises statt, welches staunenSwerche LeiM^L zu Tage förderte. Das ihm folgende Schülertnrnen muffte getretenen Gewitters halber leider vorzettig abgebrochen wordeW
Die aus dem Turnplatz zur Verwendung gelangten geräthe rührten zum größten Theile ans -dem Besitze der ' Tmm-Bereine her. Zum Lhrile entstammte« ste auch der t in Herstellung eiserner Lurngeräthe rühmlichst bekcuutten Tur! Fabrik von C. H. Pfeifer in Frankenthal. Sin änderet L
Tafel wurde nur eine Stimme der Anerkennung über die trefflit Küche des Herrn Feilbach laut. Die Tafelmusik lieferte die Übm Engel.
Prof. Büchner begann die Reihe der Toaste. Gebrauch it; bei patriotische» Vereinigungen, dies waren seine Worte, an s« Vaterland in erster Linie zu denken und an de» Mann, der an - dessen Spitze steht. Kaiser Wilhelm sei jetzt der mächtigste mS’ Europas und ein Schirmherr des Friedens. Wenn wir ihn ehrten fo1 ehrten wir mis damit selbst. Wir hätten aber auch S Pflicht der Dankbarkeit gegen den Mann au der gnt, unseres engeren Vaterlandes, den hohen Protektor gegenwärtigen Festes , der leider durch unglücklichen Zufall 0*3 hindert sei, seiner Zusage uachkommeil und am Feste selbst theilnehm-'» zu können. Redner schloß mit einem kräftigen „Gut Heil!" auf Kais» und Großherzog. An Beide gingen auch alsbald Hnldigmuz- ' telegramme ab.
Kreisschulinspektor Müller wandte sich in seiner Ansprach,4 hauptsächlich an die auswärtigen Turner. Sie seien hierbei t zlisaiimiengekommen von den mit Burgen gekrönten Berte») des Rheins, des Mains, der Nahe, der Mosel und des Neckars zum Wettkampf nt turnerischen Leibesübungen. Eins aber seien sie in ibttt Liebe zum Vaterlande als deutsche Jünglinge und Jünger Juhu« deutsd) seien sie in Sinn und Geist. Und auch die Geist und Söttet stärkende Turnerei wecke vaterländischen Sin» und Geist. Deutschs Banner hätten in ihrem Festznge geflattert, und auch von bs Häusern der Stadt hätte die schwarz-weiß-rothe Flagge geweht Die Zeit des Schwarz-roth-gold sei nun vergangen. Schwarz-wch- rot!) sei das Zeichen der neue» Zeit. So walle die Fahne be» -1 neuen deutsche» Reichs von den Bergen des Wasgaus bis Helgo- ' I land und bis zur Weichsel, von den Gipfeln der Alpen bis zur ü Nord- und Ostsee und auch auf den Masten unserer Schiffe, M Nationen Achtung gebietend. Das schwarz-weiß-rothe Banner ruh, in starker Hand des Kaisers, um den sich die Völker schaarten. Tu? Schwarz-weiß-roth sei indeß kein bloßes Farbenspiel, sondern hobt Sinn und tiefe Bedeutung.
Das Schwarz weise zurück auf die Zeiten der Trauet, bet f Schande, des Elends, da Deutschland noch Tummelplatz uui- i t wohnender Völker gewesen fei. Das Schwarz deute gleicherweise i \ auf die Zeit tiefster Erniedrigung durck) den korsischen Eroberer, wie l auf die Jahre von 1806—1870, wo Deutschland als Aschenbrödel: I unter den Nationen als Volk von Träumeni, Dichtern und Denke» ? den anderen Nationen ein Spott gewesen fei. Ein lange verfolgte? - I Ziel fei nun in Erfüllung gegangen und zur Wirklichkeit getoorben. i schwarz fei ein Zeichen emftiger Schwache und Ohnmacht. Deutsch- I lands Zwietracht sei allezeit die Stärke seiner Feinde gewesen. Heute I fei das deutsche Volk ein mächtiges Volk, doch müsse es sich hütet, | tn seinen alten Fehler wieder znrückzusallen Es solle fein ein eich - Volk von Brüdern 2c.
Weiß sei Farbe des Friedens. Deutschland sei nicht krieg«- I und händellustig, nicht nach cttelm Kriegsrnhme lüstern, die Dculschm I wollten in Frieden wohnen zwischen ihren Nachbarn. Ihr <Sw I sei gestellt allzeit auf Arbeit der Hände und des Geistes. Es sucht - Deutschland seinen wahren Stolz in friedlichem Wettkauchf «it i anderen Nationen. Es strebe nach Palmen auf geistigem Gebiete. | Deutschland sei ein Reich des Friedens unter Kaiser Wilhelm I. ge- - wesen und werde ein solches unter Kaiser Wilhelm II. Herben. Nur um des Friedens willen hätte» Deutschland und Oesterreich sich die Bruderhaud gereicht. Um des Friedens willen geschähen auch ? die Rüstungen in Gemäßheit des Grundsatzes: si vis pacem, para 1 bellum! Denn der Frömmste fötrae nicht in Frieden leben, trenn es dem bösen Nachbar nicht gefalle.
Roth deute auf das kostbare Blut, das vergossen worden sä, s um im Jahre 1870 den Sieg zu erkaufen und die Kaiserkrone bett Hoheuzollem aufs Haupt zu setzen. Roth fei die Farbe der Siebe, die uns miteinander verbinde. Der Äegriff Vaterland sei keil leerer Wahn, fein Hirngespinst: Vaterland sei Wes, was uns lick und tljeuer sei. Es fei der Boden, worauf unser Volk schon seit Jahrtausenden wohne und in dem die Asche unserer Vorfahren ; ruhe. Im Vaterlande seien alle unsere Ideale und Heiligthümet 5 ciiigefdjloffen. Die Vaterlandsliebe sei keine bloß lächerliche | Schwärmerei, sondern die Stimme Gottes, die tief in unfetetn 8 Innern spreche, eine heilige und reine Flamme, die in unteren | Herzen brenne. Ans ihr fließe Selbstverleugnung, Aufopferung, | Opfermnth, Opfersinn, Treue 2c. Und wer die Flamme der, I Vaterlandsliebe verlösche, lösche and) alle diese Tugenden aus. | Aber die Turner hegten und pflegten sie und trügen auch in | sich die Vaterlandsliebe. Die Liebe zum Vaterlande ließe uns ab» - ausbrechen in den Ruf: „Gott schütze und erhalte und segne muff • Vaterland!"
Aus diese treffliche» Ausführungen wurde von allen Anwesenden | die „Wacht am Rhein" gelungen. J
Krcisturuwart Heidecker von Wiesbaden pries das gemütlM $ Beisammensem aller Stände während des Festes. Er nahm Bez«! | auf die Anwesenheit zahlreicher hoher Civil- und Militärbemntea Das Darmstädter Turnfest, so meinte er, werde vielen bleibeirb» der Erinnerung sein. Es sei Alles wohl vorbereitet und mit ■ nun ft zufammengestellt worden. Man habe sich aber aud) übcrzcuff fe daß die Festhalle bei aller Größe nicht ausgereicht habe, alle 8» j E wesenden zu faffen. Man sehe, die Turusache wachse und gedeih«, st Sein „Gut Heil!" galt der Stadt Darmstadt.
BürgermeisterMorneweg sprach der Darmstädter EinwohuerfchH I seinen Dank für ihre regeBetheiligung amFeste aussen hohenCivil-uck Militärbehörden aber für das Interesse, das fie am Feste genomm» | Wackere, muthige und ftmsimiige Männer seien es gewesen, die di« | allgemeinen Willen, ein Turnfest zu feiern, in die richtigen Bah«^ I gelenkt und ihm so eine greifbare Gestalt gegeben hätte». S<® W „Gut Heil" galt daher den Ausschußmitgliedern.
Direktor Nodnagel erklärte, die Turner könnten stolz sein « | die Anerkennung, die man ihnen allerseits gezollt habe durch ciW i| Mitwirkung bei der Vorbereitung zum Zustandekommen des Reftfi- | Die Lust, sich zusammeuzuschaaren zu ernstem und heiterem 1 fei von jeher dem deutschen Volke eigenthümlich gewesen. Die Eittt | seien Schützen, die Anderen Fechter, Ruderer, Sänger ober * I Dienste der Nächstenliebe thätig. In trübster und traurigster M habe das Turnweseu seinen Anfang genommen. Nun stehe es E | um feine Sache. Er brachte ein dreifaches „Gut Heil!" auf Alle,^i I das Fest verschönern halsen und zum Wohlgelingen des Ganzen | ihrem Theil etwas beigetragcn haben. 1 I
Gyuiimsiallchrer Dr. Prtz vonGießen lud Namens der Gieß^. I Tnrn-Vereine in deren Auftrag die versammelten Vereine l£| Turnfest noch Gießen ein, welches dort im Jahre 1895 ftatiWj I werde. Gießen werde Alles aufbieten, um wie Darmstadt Ansprüchen gerecht zu werden. Hoffentlich werde man sich in zahlreich Wiedersehen. Sein „GutHeil!" galt fröhlichem Wiederhol in Gießen im Jahre 1895. 3
Schuldirektor Strenbner aus Amsterdam hob hervor, deutW
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