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19. Juli 1893. Seite 3

Wiesbadener Tagblatt (Abend-AuSgabe). Derlag: Langgasse S7

333.

Ro. 332. 41. Jahrgang.

Bataillon garnisontrt mib noch Raum für ein Bataillon übrig ist, fmiihf» gebildet und dann auch der RegimentSstab von hier dorthin verlegt

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Segall zur Seite. Letzterer plaidirte für Freisprechung, da sich seine Klientin m Wahrung berechtigten Interesses befunden und sich durch Aufdeckung der im Lokal des Klägers bestehenden Verhältnisse ein Verdienst um die Sittlichkeit erworben habe. Dagegen suchte der Vertreter des Klägers seiner Gegnerin etwas am Zeuge zu flicken, indem er ausführte, daß, wenn die gemachten Beobachtungen richtig geschildert seien, es doch auffallen muffe, daß eine anständige, gebildete und gesittete Dame dreimal ihren Besuch wiederholt, während sie doch schon beim ersten Besuche Empörendes erlebt haben wolle. Herr Spitzbarth legte auch noch eine Lanze für sich ein, in­dem er versicherte:Ich habe das Restaurant doch schon 11 Jahre, und noch nie hat die Polizei etwas gemerkt, und dabei hab'n wer doch eine so tute Bolizei!" worauf der Vorsitzende erwiderte: Das glauben wir Ihnen schon, daß Ihre Polizei nichts gemerkt hat!" Das erste Urtheil wurde mit den Gründen des ersten Richters bestätigt und die Berufung verworfen.

Während der Wettfahrten findet ein Doppelkouzert statt; die Preis- vertheilung erfolgt nach Beendigung der Fahrten im Kursaale, wo­selbst auch die Preise am Vormittag zur Besichtigung ausgestellt sein werden. Am Abend wird die Kurverwaltung eine Kurgarten- beleuchtmig veranstalten, die mit einer bengalischen Be- lench tung der Bäderlai ihren Abschluß findet. Die Geschäfte des Regatta-Comitös erledigt Herr Dr. jur. Beyenthal in Frankfurt. Nachdem der Kreistag des Unterlahnkreises die Stelle eines KreislandwirthschastS-Jnspektors errichtet, ist dieselbe vom Kreis-Ausschuß nunmehr dem jetzigen Direktor der landwirth- schaftlichen Wiuterschule in Wissclhövede in der Provinz Hannover, Herrn Ludwig Neye, übertragen worden. Derselbe war früher Lehrer an der landwirthschaftlichen Mittelschule in Weilburg und hat seit gestern seinen Wohnsitz in Nassau genommen.

* Limburg, 18. Juli. Herr Kaplan Alexi von Bornheim bei Frankfurt ist als Kaplan nach Lorch und Herr Kaplan Kl link von Lorch nach Bornheim versetzt worden. Der Diöeesaupriester Herr Dr. Herr aus Weißkirchen, welcher seit Herbst 1886 am Collegium Germauieum in Rom seine Studien gemacht und sich die Doktorwürde in Philosophie und Theologie erworben hat, wird demnächst in die Heimath zurückkehren.

Marburg, 18. Juli. Der Rektor der Universität erläßt am schwarzen Brett eine Bekanntmachung, worinerdie Studenten- schast wiederholt darauf aufmerksam macht, daß der Beschluß, sich von den Vorlesungen des Prof. Geh. Med.-Raths Külz fernzuhalten, den akademischen Gesetzen widerspricht. Außerdem habe Herr Prof. Külz durch die von ihm gegenüber Vertretern der Sttidentenschaft abgegebenen Erklärungen das weiteste Etitgegenkommen gezeigt, das von ihm erwartet werden könne, selbst wenn der Herr Minister die gegen ihn vorgebrachten Beschwerbett für vollständig begründet halten sollte. Der Rektor spricht deshalb die bestimmte Erwartung aus, daß der Besuch der Vorlesungen des Herrn Prof. Külz alsbald wieder aufgenommen wird.

Kleine Chronik.

Eine Hochstaplerin ersten Range« ist aus Berlin flüchtig geworden und wird von der Polizei gesucht. Es handelt sich um die 25 Jahre alte, unverehelichte Josephine Farkas, die dort alsFrau v. Hagen" mit ihrer Mutter uttb Schwester eine fürstlich eingerichtete Wohnung in der Kochstraße und eine zweite am Hafen­platz besaß. Sie hat etwa 40 Personen, Geschäftsleute und Private, geschädigt. Am schlimmsten ist eilte Familie weggekommen, die sich in unbegreiflicher Leichtgläubigkeit bewegen ließ, der Schwindlerin nach und nach 213,000 Mark zu leihen. Als Nnscha Butze ihre Abschiedsvorstellung im Berliner Theater gab, sandte sie derselben anonym Parfümerteen iw. Betrage von rund 5000 Mk. (?), welche sie einer renommirten Parfümeriefabrik aus Kredit entnommen hatte. Die Farkas hat ihre Flucht gut vorbereitet uttb alle Werth- sachen mitgenommen. Ihre Spur soll nach Hamburg führen.

In Ernstthal bei Chemnitz stürzte beim Heben eines Baues bas G e r ü st mit 200 Arbeitern ein, wobei 20 Personen schwer und viele leicht verletzt wurden.

Der Moorbrand bes Lentfohrdener Moores ist gedämpft. Die ganze Brandstätte wurde durch breite, tiefe Gräben von der bedrohten Umgebung abgegrenzt. Die von Altona dorthin gesandten beiden Bataillone Infanterie kehrten Samstag Abend zurück.

Die Hitze in Chieago hat in den letzten Tagen derart zu- geitommen, daß täglich 8io Personen an Sonnenstich sterben.

Kerlin, 19. Juli. Die Proviantämter haben hinsichtlich des Ergcbiiiffes bei Futterernte in den begünstigtereii östlichen Laubestheilen bie Weisung erhalten, das Heu der neuen Ernte bei völliger Trockenheit auch direkt von der Wiese zn kaufen.

Pari», 19. Juli. Nach dem Ministerrath tclegraphirke Develle au den französischen Gesandten Parie in Bangkok, daß das von dem Sabine! angenommene Ultimatum von einem außer­ordentlichen Gesandten überbracht werden solle. Derselbe hat den Befchl, sobald jedoch Siam schlechten Wille zeige, die Verhaublungen sosött adzubrecheu.

Telezraphenbüreau Hirt-.

Zurich. 19. Juli. In Horgen versuchten fremde Aufwiegler die Arbeiter einer Glasfabrik zum Ausstand zu reizen. Der Gast- wirth, bei dem sie ihre Versammlung abhielten, wies dieselben ans seinem Lokal, worauf sich die Arbeiter zur Wehr setzten und eine allgenieineS chlägerci entstand. Die Polizei mußte einschreiten, und wurde die Ruhe bald wiederhergestellt. ,

Madrid, 19. Juli. 8000 Winzer versammelten sich zu Jatwa, um gegen die neuen Steuern zu Protests reu. Wahrend eines Stiergefechts tourbeein Banberillo von einem wüthenden Stier in bet Arena getöbtet.

Aus Ködern und Sommerfrischen.

(?) Kad Weilbach, 18. Juli. Die hiesige Kgl. Bade- verwaltuug sowohl, als der Pächter des Kgl. Kurhauses bieten Alles auf, um bie Frequenz unser« idyllischen Badeorte« zu heben und dadurch bie Aufmerksamkeit auf bie Heilkraft unserer bewährten Schwefel- uub Natrou-Lithion-Quellen in immer weitere Kreise zu tragen. Und das mit Erfolg. Der Besuch hat sich in letzter Zeit erheblich gesteigert. Es befinben sich unter ben anwesenden Herr­schaften solche, bie im vierten Monate hier weilen, ein Beweis, baß unsere Oiiellen geschätzt und die Verpflegung in ben besten Händen ruht. Auch für die Unterhaltung der Kurgäste wird bestens gesorgt, wie das am Sonntag in den Kgl. Anlagen stattgehabte Konzert bewiesen hat. Die Musik wurde vou der Kapelle der Kgl. Unter- osfizierschule unter Leitung des Dirigenten Herrn Scholz ansgesührt. Au der Tafel nahmen ea. 100 Personen theil. Den Schliiß bildete ein schönes Tanzkräuzchen.

Emo, 18. Juli. Se. Durchlaucht Fürst Variatinsky aus Tiflis ist zum Kurgebrauche hier eingetroffen uub im Hotel Vier Jahreszeiten" abgefliegen. Bei der gestrigen im Kursaale stattgehabteii, von Herrn Fritz Heidecker ans Wiesbaden geleiteten Tanzrvniiion ereignete sich der gewiß seltene Fall, daß einem Herrn K. aus Lübeck für die ausgezeichnete Eleganz, mit der er einen Lancier" und eineFranraife" ausführte, vom gefnmmten Publikum durch lebhaftes Händeklatschen eine Huldigung dargebracht wurde. Se. Kgl. Hoheit der Prinz Georg von Preußen beehrte heute Nachmittag den Kgl. Badekommissar, Herrn Oberst a. D. v. Willich, und Gemahlin in deren Privatwohunug in der VillaArco" mit einem längeren Besuche.

Kerlin, 19. Juli. Wie dieNational-Zeitung" mittheilt, ist vorgestern Seitens der Türkei ein Vertrag, betr. die Lieferung von 154,000 Repetirgewehren, mit der Waffenfabrik Mauser in Oberndorf abgeschlossen worden. DieVoss. Ztg." melbet aus Brüssel: Die Kammer beschloß ttotz des Widerspruchs des

Gerichts so al.

* Eine muthige Frau. Fran Dr. Minna Wettstein-Adelt in Charlotteudurg (eine der Theilnehmerinuen des jüngst in Wies­baden stattgehabten Frauentags. D. Red.) gab sich dieser Tage mit Herrn Spitzbarth, dem Wirthe desRestaurants znm blutigen Knochen" in Chemnitz i. S. ein Rendezvous vor der ersten Straf­kammer am Landgericht II Berlin. Veranlassung zn diesem Wieder­sehen der beiden Patteien, die alsPrivatklager" uubPrivat­beklagte" einander gegenüberftanben, gab die von der Frau Dr. Wertstem verfaßte uub beransgegebene Broschüre:Drei uub einen halben Monat Fabrik-Arbeiterin". In biefer Broschüre hat bie Verfasserin unter Anderem geschildert, wie die jungen Soldaten der Chemnitzer Garnison durch das Treiben gewissenloser Gastwirihe systematisch sittlich verdorben werden. Speziell war da« Treiben in demRestaurant znm blutigen Knochen" geschildert, dessen Inhaber Herr Spitzbarth ist. Die Verfasserin der Broschüre hat in Männer­kleidern dieses Lokal besucht, nicht ein», sondern dreimal, und will dabei sehr seltsame Dinge beobachtet haben. Die Schilderung der Einzelheiten wollte Herr Spitzbatth nicht auf sich fitzen lassen, es wurde aber der öffentliche Anklage-Apparat nicht in Bewegung ge­setzt, es blieb ihm daher nut der Weg der Brivatklage, bie er beim Amtsgerichte in Charlotteuburg, wo bie Beklagte wohnt, anstrengen mußte. Das bortige Schöffengericht ist nun zwar zu der lieber« zeuguug gelaugt, baß die behaupteten Thatsachen an fich richtig seien, dagegen wurde als nicht erweislich wahr angenommen, daß der Kläger von den Vorgängen in seinem Lokal Kenntniß hatte ober barum wissen mußte. Die Beklagte tourbe daher wegen ein­facher Beleidigung zu 10 Mk. Geldstrafe verurtheilt, wogegen sie Berufung cinlegte. Vor der Berufungskammer stand dem Privcrt- näaer Rechtsanwalt Goldstein der Privatbeklagten Rechtsanwalt

.. !off- Zsg." meldet ans r beschloß ttotz des Widerspruchs de« Ministeriuius, jedem Ab geo rdnete n4000 Fra ne s jährlich als Entschädigung sowie freie Eisenbahnfahrt zu bewilligen. Nach einer Meldung derKreuz-Zeitung" aus Wien dauern die sozialistischen Kundgebungen zu Gunsten des all­gemeinen Stimmrechts fort. Gestern haben in Wien uub Graz diesbezügliche Versammlungen ftattgefunben, bie einen stürmischen Verlaus nahmen. DasB. T." erfährt ans London, der durch das Niederbrenneu von 30 Waarcnhänsern in der City verursachte Schaden werde auf 2 Millionen Pfund Sterl. veranschlagt. .

Berlin, 19. Juli. DerVoss. Ztg." zufolge wäre die Auf­gabe der Frankfurter Konferenz, daß die Fina nzmini stet sich über eine systematische Finanzresorm verständigen. Der von Miguel ausgearbeitete umfassende Plan solle als Grundlage dienen. DieStaatsbürger Ztg." meldet aus Nen-Stettin: Bei der Nachwahl erhielt bis letzt der Antisemit Prof. Förster 3059, der Hosprediger a. D. Stöcker 620 Stimmen. Die Wahl Försters ist

-o- Militärisches. Nachdem die Militär-Vorlage angenommen ist, werden an bie daraus refultireube Garmsoniruug der neu zu bildenden Truppentheile (im Wesentlichen bei Bafauterie-Regiment ein viertes Bataillon und bei jedem llerte-Regiment eine vierte Abtheilung) mancherlei ßnngen getnüpfLSo ist hier das Gerücht aufgetaucht, das erste Bataillon des UWinents »v. Gersdorff würde VOU hier nach Hanau verlegt. Wie wir zuverlässig erfahren haben, ist davon noch nichts besohlen. Wahrscheinlich ist e» aber, daß das Werte Bataillon be« 8O.Regiments in Hanau, wo bereits bas zweite Bataillon garuifonirt imb noch Raum für em Bataillon übrig ist,

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Sport.

Kricket Am 20. August d. Js. wird der Berliner Cricket-Klub vom Jahre 1883 seine diesjährigen inter­nationalen Konkurrenzen im Laufen, Springen zc. auf der Velocipeb-Renubahu zu Halensee abhalteii. Das Hauptinteresse des Tages wirb sich auf die internationalen Meisterschaften vom Kontinent über eine englische Meile und 100 Uards, gegründet vom Deutschen Athletischen Amateur-Verband, kouzentriren. Es steht zu erwarten, daß zu diesen sowohl als auch zu den anderen Nummern des Nenuprogramms wie alljährlich ausländische Läufer am Start erscheinen werden. Bei dem großen Aufschwung, den dieser Sport im Deutschen Reich in den letzten Jahren genommen hat, giebt man sich der Hoffnung hin, daß die deutschen Läufer diesmal mit Erfolg für die Meisterschaften, die auf deutschem Boden auszufechten sind, eintreten werden. Alles Nähere ist bei Herrn Adolph I. W. Kruse, Berlin 0., Kaiser Wilhelmstraße 26, zu erfahren.

A ad fa hrer-Kuudestag. Für den vom 11.15. August a. c. in Leipzig abzuhaltenden X. Bundestag des Deutschen Raofahrer- Biiudes, für deffeii Hanptausschnß der Gauvorsitzeude, Herr G. Adolph Simon (Leipzig, Reichsstraße 6), den Vorsitz wieder über- liommen hat, sind nun die Vorbereitungen so weit gediehen, daß die Coupoubiicher (nebst Führer durch und Plan vou der Feststadt) in allernächster Zeit znm Preise von 6 Mk., mit Festessen 8 Mk., reichillustrirter Führer ohne Coupons 50 Pfg., zur Versendung kommen können. SporlSgenoffeu, bie sich bannt vorher versorgen wollen, siird ersucht, sich zu diesem Zwecke an den Vorsitzenden des Finanz-Ausschusses, Herrn Fritz Bärwolf, Leipzig, Salzgaßchen 11, zn wenden.

Alpensport. Aus Zell am See wird über die dort abgchaltene Geiieralverlammlung des Deutschen und Oesterreichischcn Atpeilvereins Folgendes gemeldet: Die Versammlung genehmigte den Voranschlag für 1894, wonach 72,000 Mk. für die Zeitschrift und zugleich Festschrift, 51,000 Mk. für die Mittheilungeu und 50,000 Mk. für Weg- und Hüttenbauten entfallen. Darauf faßte die Versammlung eine Resolution zu Gunsten einer Tauerbahn und votirte dem greifen Dachstein-Forscher Simony in Wien eine Ehrenadrefse. In den Weg- und Hüttenban-Ausschuß wurden Petersen (Frankfurt) und Mayer (Rosenheim), in den wissenschaftlichen Bei­rath Prack (Wien) gewählt. Die nächstjährige, 25. General- versannuluilg toirb in München ftaltfinben. Das Seefest mit Berg- beleuchtnng am Montag Abend nahm den schönsten Verlauf.

sicher.

Potsdam, 19. Juli. Die 6 kaiserlichen Prinzen und die Prinzessin sind mittelst Sonderzuges heute früh 8 Nhr 20 Min. von der Wildpark-Station nach Wilhelmshöhe abgereift.

London, 19. Juli. (Unterhaus.) Gladstone erklärte, die Ver- hältniffe in der ©überfrage in Indien feien analog den Zuständen Oesterreichs von 18791891, wo der Silberguldcn auch als Vertreter des alten Systems legales Zahlungsmittel war, ob­wohl die Münzstätten für die Privatprägung von Silber ver­schlossen waren. In Indien solle jetzt die Silberprägung nicht nach der Bequemlichkeit der Regierung, soirdern nach dem wirklichen Uuilaufsbebüifuiffe bes Landes geregelt werden.>

Belgrad, 19. Juli. In der Skupsch tiva gestaltete sich bie Auklagebebatte sehr lebhaft. Gestern Bormiltag sprachen vier Radikale für, Garaschanin gegen die Anklage. Letzterer betonte, daß vor Allem die Regentschaft und das Kadinet Paschitsch an- geklagt werden inüßteu, und warnte vor gesährlichen Konsequenzen. Gestern Nachmittag sprachen fünf Radikale, 15 Redner waren noch vorgemerkt. Der Schluß der Debatte erfolgt wahrscheinlich heule.

Sofia, 19. Juli. Minister Schiwkow ist nach Wien abgereist. Eine von etwa 100 Bürgern unterzeichnete Depesche melbet : Der Bürgermeister von Starazagora, an der Spitze die Mnuizipal- beamten und Diener, überfiel mit Revolvern bewaffnet, friedliche Bürger, wovon zwei verwundet wurden. Die Ursache des Uebersalls bildet feindselige Kritik der Gemeinde-

ebefs desBürger-Schützen-Corps", Herrn Schreniernieister qakob Hecker, gefallen. Gerade um diese Trophäe hatte sich ein heißer Kampf entspannen, der von vielen Mchaueni mit großer Spannung verfolgt wurde. Da hatte ein tzckütze durch das Fernrohr konstatirt, daß die Schraube, welche beu Rumpf an der Stange befestigte, frei sei, und unmittelbar barauf fiel derselbe unter unendlichem Jubel der Schützenbrüder durch einen sicheren Schuß des Herrn Hecker. Derselbe wurde von mehreren Schützen auf ben Schultern aus ber Halle getragen unb Az Jubiläumskouiq überall freubig begrüßt. Die Trophäenschützen, deren Namen in der heutigen Morgen-Ausgabe bereits mitgetheilt worden sind, wurden später in herkömmlicher Weise für jede Trophäe mit einem Ehrenzeichen, einem kleinen silbernen Adler, tzekorirt und dem neuen König, Herrn Hecker, die Insignien der Königswürde, die von dem Herzog Adolph von Naffau in 1844 bem Corps verliehene silberne Königskette, welche im verflossenen Sabre Herr G. Spies gehagelt hat, verliehen. Einem alten Krauche gemäß hat^nch Herr Spie» eine Medaille für die Königskette gestiftet stud als treuer Verehrer des Herzogs dazu einen nassauischen Thaler von 1859 mit dem Bildnisse des Herzogs gählt und denselben von Herrn ©olbarbeiter F. Struck hier n lassen. Diese Fassung: auf der einen Seite em Lorbeer-, auf anbereu Seite ein Eicheinweig, zwei gekreuzte Gewehre unb barüber die nassauische Krone in Gold, genau nach dem Original, ist reine Handarbeit und das sinnige Arrangement wie nicht minder die saubere Ausführung eine aneikeuneuswerthe Leistung des Verfertigers. Nach der Dekoration ber Trophäenschützen unb ber Proklamation des ZubiläumskönigS wurden den Mitgliedern des Corps, welche dem- - Wen 10 Jahre uub länger ununterbrochen angeboren,

t Sterne Denkmünzen, welche von Herrn F Struck ge- - fertigt finb und das Bildniß des Herzogs in schöner

scharfer Prägung tragen, überreicht. Es sind dies folgende Herren: Rentner Jakov Becker, Strumpfweber Karl Feix, Bäcker Urba», Sekretär D. Neuberger, Wirth W. Nies, Pflasterer - W. Minor, Schlosser F. May, Spediteur Louis Blum, Viehhändler M. Heß, Schreiner I. Hecker, Drefchmaschiuenbesitzer G. Spies, Wirth H. Holtmarni, Kaufmann W. Reitz, Kaufmann C. Petry, Wirth F. Hebel uub Grunbarbeituuteruehmer Jakob Hahn. Schließlich wurde bem König, Herrn I. Hecker, der, wie L wch andere der beforirtcu Schützen, zu treuem Zusammen­halten ermahnt unb auf bas 100-Mnge Jubiläum des Corps ein begeistert auf genommenes dreifaches Hoch aus- ßrächt hatte, ein von bem Corps gewidmeter silberner chcr durch den 1. Schützenmeister, Herrn H. B oue, E überreicht. Nach Eintritt der Dunkelheit geleitete man beu König, Herrn Hecker, in einem vou bengalischem Licht beleuchteten Zuge nach feiner Wohnung,Villa Lahneck", Lahnstraße la, worauf fich ber Zug durch die Emsersttaße, das Wellritzviertel, bie Schwal- bacher-, Friedrichstraße und Kirchgaffe nach derKroiienbierhalle", woselbst eine kleine Nachfeier stattsand, begab. Das Vogelschießen ist da- mst beendet, und da« Schützenfest wird am nächsten Sonntag mit einem Gaben-Preisschießen, welches vier Tage dauert und zn welchem viele auswärtige Schützen eingeladen sind, fortgesetzt tmb am darauffolgenden Sonntag, den 30. Juli, mit der P reis - »ertheilung und einem großen Volksfeste geschlossen.

* Bleidenstadt, 18. Juli. Auch hier wurde am Samstag eine noerein» des Untertaunuskrcises tourbe Herr August Reifenberger ge-

Kaiser-Rega tta uenb, hier statt

ettneit theilnehmen.

gebildet und dann auch ber Regnuentsstab von hier dorthin verlegt .. toirb. Dazu gehört auch bie Musik, und, Wenn ber Fall eintreten

sollte, bann hätte unsere Stadt, bie früher stets zwei Regimeuts- I Musiken (noch bas nach Mainz verlegte Artillerie-Trompeter-Corps) : hatte, gar keine mehr.

Neuer Krrmdensiihrer. Wie wir schon kurz berichteten, steht die BuchhandlungKeppel und Müller", Inh.: Bossong, im Begriff, einen neuenFührer durch Wiesbaden und Umgebung", berausgegebeu von Franz Bossong, in einigen Wochen erscheinen zu lassen. Wir sind im Stande, schon jetzt einige nähere Angaben über denselben zu machen. Die einzelnen Abschnitte des Buches find wie folgt bearbeitet: Kurze Geschichte der Stadt Wiesbaden. Von C. Spieliuanu. Das heutige Wiesbaden (Rimdgaug und Sehenswürdigkeiten). Von Franz Bossong. Physikalisch-chemische Beschaffenheit ber Quellen. Von Dr. M. Slipper. Die Kur­verhältnisse zn Wiesbaden. Von Dr. med. E. Rosenthal. Die ältesten Bücher und Ansichten von Wiesbaden. Vou Franz Boffong. Flora ber Umgebung. Bon Lehrer CH. Leonhard. Fauna ber Umgebung. Von Lehrer W Caspari II. Geologie ber Umgebung. Von Professor Dr. C. Meiuicke. 20 Ausflüge in Wiesbabeus Umgebung. Vou Franz Bossong. Die Illustrationen stammen von Jllustrationszeichiier F. Mtzsche. Von ben 42 Abbilbungen erwähnen wir folgenbe: Totalansichten von Wiesbabeu ans den Jahren 1605, 1637, 1650,1790,1810 uub 1893; Ansichten des Kochbrnunens aus den Jahren 1650, 1750, 1820 unb 1893. Ansichten aus bem heutigen Wiesbaden (Kirchen, Denk- »äler, Rathhau« rc.) find 18 vorhanden, von ber Umgebung 5. Ferner finden wir noch eine Anzahl interessanter Bilder aus dein alten Wiesbaden: Die Kirchgaffe mit ber Mauritiuskirche (1840), Kranzplatz (1810), altes Rathhaus unb Uhrthurm (1800), Brand bet Mauritiuskirche (1850), Heidenthor rc. rc. Außerdem ist ein " Stadtplan (nach dem amtlichen Plan bet Stadt) und eine Um= »bungskarte beigegeben. Der Preis beträgt trotz des angeführten reichen Inhalts unb ber zahlreichen geschmackvoll ausgeführten Illnstrafioueri nur 50 Pfennig.

Stiftungsfeier. DerChristliche Arbeiterverein" begeht am Sonntag, den 23. Juli, feine 2. Stiftungsfeier. Die Predigt bei dem um 3 Uhr stattfindeudeu Festgottesdienst in der Bergkirche Pit Herr Pfarrer v. Andel ans Königsberg in Nassau über­nommen. Die gesellige Nachfeier (Familienabend) findet nm 51/« Uhr fln Ev. Vereinshause an der Platterstraße statt. Das Programm «thält u. A. Chorgesäuge ('unter Leitung des Herrn Lehrer Karl Reichard), Zithervotttäge mit Violinbegleitting, Ansprachen «efiget und auswärtiger Redner sowie ein patriotisches Festspiel rar 6 Personen mit GefaugSeiulage. Gäste sind willkoiumen, Programme nebst Eintrittskarten (im Vorverkauf 20 Pf.) sind noch «n Ev. VereiiiShause zu haben.

| = Große Roheit ßerridb gestern Mittag ein an einem

S. Reubau in der Riehlstraße bgdjäftigtcr Arbeiter, indem er einem Maurerlehrling, weil er de» Kaffee nicht rechtzeitig fertig hatte, ein Dhr halb abriß. Der arme Junge schrie laut auf vor Schmerz hb war wiederholt einer Ohnmacht nahe. Eine in der Nähe Wohnende Dame, welche Augenzeugin des empörenden Vorfalls ge­wesen, nahm sich des Mißhandelten an und brachte ihn zu einem "rjt, damit er den uöthigen Verband anlege. (Aus der Riehlstraße Werden uns auch Mittheilungeu über schlimme T h ie rg ler ei en btt dem dortigen Bauwesen gemacht. ES scheint sich dort demnach Kr Menschen- und Thierschutz ein geeignetes Arbeitsfeld den be= ttfeiten Organen zu bieten. Die Red.)

Kefitzwechsel. Herr RegierunaSseki

1 Morgen 56 Ruthen 55 Schuh Ackerland, belegen an dem tzheimerweg im Biebricher FelddistriktHemmrich , von den _ . .toiftern Rossel zu Toyhenu zur Anlage einer Gärtnerei zum Preise von 6262 Mk. (pro Stuthe 40 Mk.) käuflich erworben.

iretär Grellert hier

Geldmarkt.

ConrSbericht der Frankfurter Börse vorn 19. Juli, Nachmittags 12'/» Uhr. Credit-Actien 273'/», DiScouto- Connuaudit - Antheile 178.20, Darmstädter 133.60, Berliner Handels-Gesellschaft, Portugiesen--, Italiener Lom­

barden 8T3/«, Gotthardbahn-Actien 155.40, Nordost 108 74.50, Laurahütte-Actien 101.2010210, Gelsenkirchener BergwerkS- Attien 134.20, Bochumer 12150, arpeuet 126.10, Staatsbahn 2493/t, Central 116.70, 3-prozenüge Mexikaner 18.90, 6-prozentige Mexikaner 57.80. Tendenz: ziemlich fest, Montanwerthe weiter ge­bessert.

Berlin, 19. Juli. Anfangs-Kurse. Discouto-Kommandit- Antheile 178, Russische Noten 214.70.

Wien, 19. Juli. Borbörse. Oesteneickische Credii-Acsien 335.12, Staatsbahn-Actien 306.75, Lombarden 104.37. Tendenz: un­verändert.

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