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Äbend-Ausgabe,

WlkSVS-tM TAlÄ

«1. Jahr-aug.

I

K-. 302.

Samstag, den 1. Juli

1893

I

mit

s

in einer 1

55.3

73.1

50.1

82.4

15.7

14.4

16.0

10.5

männlichen Gehülfen . weiblichen Gehülfen . männlichen Lehrlingen Lehrmädchen . . .

größeren Anzahl von Geschäften in erheblichem Umfange eine sehr lange tägliche Anspannung des Personals statt­findet, wie solches nur bei wenig anderen Gewerben der Fall ist. a. F.

Danach stehen die Lehrmädchen am günstigsten, die männ­lichen Lehrlinge am ungünstigsten, die weiblichen Gehülfen günstiger als die männlichen.

! man die Lehrlinge außer Betracht läßt: unter den 16,845 Ladengchülfen find 8634 also mehr als die Hälfte weibliche gezählt, wobei sich ergeben hat, daß, je größer die Stadt ist, desto höher der Prozentsatz der weiblichen Laden- gehülfen steigt. Handlungen mit Lebensmitteln und die Bekleidungsbranche treten durch eine starke Verwendung weiblicher Gehülfen hervor, während die Kolonialwaaren- und die Tabakbranche wesentlich darin zurückbleiben.

Was die Ladcnzeit nun anbelangt, so crgiebt sich, daß dieselbe bei 65.3 pCt. der Beiriede im Sommer länger dauert als im Winter. Sie beginnt im Sommer bei 6.8 pCt. der Betriebe schon vor 6 Uhr Morgens, bei 35.9 pCt. zwischen 67 Uhr, bei 57.3 pCt. um 7 Uhr oder später, in wenigen Fällen (0.8 pCt.) erst nach 8 Uhr. Der Ladenschluß erfolgt bei 13 pCt. schon vor 8 Uhr, bei 25.1 um 8 Uhr, bei 23.1 zwischen 8 und 9, bei 34.7 zwischen 9 und 10 und bei 4.1 pCt. erst nach 10 Uhr Abends. Die Ladenzcit (mit Einschluß der Pausen) dauert bei 54.5 pCt. der Geschäfte bis zu 14 Stunden, bei 18 pCt. 1415 Stunden, bei 21 pCt. 1516 Stunden und bei 6.5 pCt. über 16 Stunden. Die Geschäfte, welche eine sehr lange Dauer der Ladcnzeit aufweisen, gewähren in ihrer ganz überwiegenden Mehrheit dem tzülfspersonal freie Kost und Wohnnng, während in den Betrieben, welche keinem ihrer Leute Kost und Wohnnng geben, ein früher Beginn und eine späte Ansdehnung der Ladcnzeit zu den Selten­heiten gehört. Die Betriebe, deren Personal sich selbst beköstigt, gewähren eine, in der Hauptsache immer mehr als 1 Stunde betragende Mittagspause, nur in 6.3 pCt. dieser Geschäfte wird keine solche Pause gegeben. Die Betriebe mit Kost und Wohnung im Hanse gewähren keine oder doch feine bestimmte Mittagspause. Die regelmäßige Ladcnzeit wird in 36.4 pCt. der Betriebe wegen besonderen Geschäftsandranges an Sonnabenden, Markttagen oder zurSaison" des be­treffenden Betriebes überschritten.

Die Arbeitszeit der Ladengchülfen und Lehrlinge ist von der Ladenzeit im Allgemeinen abhängig, stimmt aber nicht' immer mit derselben überein. In manchen Fällen (0.9 pCt. sämmtkicher Betriebe) ist sie länger, dagegen in 18 pCt. kürzer als die Ladcnzeit. Die Hanptthätigkcit der Gehülfen, das Bedienen der Käufer, wird nicht ununterbrochen aus- geübt, die wirkliche Arbeitszeit schrumpft daher oft wesentlich zusammen, wogegen aber zu bedenkcu ist, daß schon an unb für sich der übermäßig lange Aufenthalt in der schlechten, durch Gasbeleuchtung und Gerüche von Waarcn aller Art verdorbenen Luft des oft schlecht ventikirtcn Ladens sehr nachtheilig auf das Wohlbefindeu wirkt. Es hatten von 100 Betrieben

über

-101=

21.0

10.9

26.2

6.6

eine Arbeitszeit mit Einschluß der Pansen von 14 unb weniger über Stunden 1415

3» den befragten Betrieben waren 16,845 Gehülfen und i0 Lehrlinge, insgesammt 23,725 Hülfspcrsonen beschäftigt.

Lehrlinge machen einen bedeutenden Theil 29 pEt r Hülfspcrsonen aus. Die Geschäfte mit Kolonialmaaren sen die relativ größte Zahl von Lehrlingen auf. Läßt , das weibliche Geschlecht außer Berücksichtigung, so er­st sich, daß ca. 38 pCt. der männlichen Hülfspcrsonen rlinge sind, welcher Prozentsatz sich in der Kolonicil- irenbrauchc auf 45 pCt. erhöht! Fast die Hälfte aller agten Betriebe (49,8 pCt.) beschäftigen weibliche Gc- 'en. Von sämmtlichen Hülfspersonen gehören 13,207

Joanne im Verkäuserberuf Konkurrenz macht, wenn I bie numerische Feststellung der Thatsache, daß i . ......

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Politische Tages-Rundschau.

Die Militär-Vorlage wird ja nun wohl angenommen werden, und damit ist die nächste und dringendste Auf­gabe des neuen Reichstags erfüllt. Viel Anderes wird ihm in dieser außerordentlichen Tagung wohl Über­haupt nicht vorgclcgt werden. Die Lösung dieser einzigen großen Aufgabe wird bei der starken Anzahl neuer Männer und bei dem, wenigstens in solcher Stärke noch nickt hervor- getretcuen Aufkommen neuer politischer, sozialer und wirth- schaftlicher Strömungen und Richtungen über den wahren Charakter und die praktische Brauchbarkeit dieser eigenartigen Volksvertretung schwerlich alsbald ein sicheres Urtheil ge­statten. Es ist begreiflich, daß man, abgesehen von der Lösung der ersten großen Aufgabe, dem weiteren Verlauf unserer Gesetzgebung unb Politik nicht ohne Besorgniffe entgcgciisieht. Die parlamentarischen Verhältnisse für eine reaktionäre Politik, wenngleich auch sie eine zuverlässige Stütze nicht hat, liegen offenbar boch noch günstiger als ür eine liberale, wenn auch in gemäßigtester Richtung. In­dessen in beii meisten Gebieten des staatlichen Lebens sind wir an einem gewissen Rastpnnkt angclangt. In den weitesten Kreisen herrscht ein unverkennbares Nnhe- bedürfniß, die Zeitströmung ist nach so vielen einschneidenden Neuerungen der letzten Jahre dem Stillstand und Prüfen geneigt, und viele Wünsche werden bei den geringen Ans­ichten, damit unter den gegenwärtigen Vcrhältniffen dnrch- zudringcn, entsagungsvoll znrnckgcstellt. Das Wichtigste, was in nächster Zeil durch die Gesetzgebung noch zu ordnen bleibt, ist bie Kostendeckung für bie Durchführung der Heeresreform. Es muß darüber, sei es wie immer, zu einer Verständigung kommen, und Jeder, der für die Neuordnung unseres Heerwesens stimmt, hat die Pflicht, ernstlich und wohlmeinend dabei mitzuwirken. Wir wollen auf diesen Gegenstand für heute nicht näher eingehen. Im klebrigen wird es für die Regierung, den Reichstag und nicht zum Wenigsten für das Volk unb Vaterland unter den gcgen- wärtigen, auf alle Fälle höchst verworrenen und unersprieß­lichen Umständen das Erwünschteste sein, das politische Leben möglichst in die ruhigen Bahnen der Erledigung der regelmäßigen Geschäfte unb der kleineren gesetzgeberischen

In der überwiegenden Mehrheit der von der Umfrage betroffenen Betriebe mit Gehülfen (63.3 pCt.) gilt die sechs- wöchentliche, mit Ablauf des Kalendervierteljahrs enbigeube Kündigungsfrist des Handelsgesetzbuchs. In den übrigen ist eine andere, meist kürzere Küudignugsftist verabredet.

Mehr als die Hälfte der Betriebe (61.4 pCt.) haben an dem alten Brauch der Detailgeschäste festgehalten, ihrem Personal Kost und Wohnung zu geben. Rur Kost oder nur Wohnung gewährt eine geringe Minderheit. 32.5 pCt machen diejenigen Betriebe aus, welche keine freie Station gewähren. Ermittelt wurde, daß die meisten Geschäfte mit freier Station in der Nahrungsmittelbranche und unter den kleinen unb mittleren Betrieben vorherrschen und daß die­selben desto häufiger auftreten, je kleiner der Ort ist.

Die mit großer Umsicht unb Objektivität angestellte Er­hebung der Kommission für Arbeiterstatistik unb der vom Kaiserlich Statistischen Amt bearbeitete Bericht haben ein außerordentlich reiches unb werthvolles Material zur Be- urtheilung der Lage ber Hanbelsgehülfen zusammengetragen Die Berechtigung der vielfachen Klagen über gewisse Miß­stände int Handelsgewerbe ist dadurch auf ein ziffermäßiges Maß gebracht und die Richtung augebeiitet worden, in welcher der Hebel zur Verbefserung der sozialen und wirth- schastlichen Stellung ber Hanbelsgehülfen etwa anznfctzen wäre. Zu beachten finb namentlich die Ergebnisse bezüglich des Haltens einer großen Zahl von Lehrlingen in gewissen Branchen unb Gegenbcn, ferner der ziffermüßige Nachweis der großen Konkurrenz des weiblichen Geschlechts, welche in Bezug auf die Gestaltung der Lohnverhültniffe der männ-

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Arbeite verhkilliriste im Handelsgewerbe.

Mehr unb mehr beginnt auch in Deutschland die Sozicil- aiistik an allgemeinem Interesse zu gewinneu, nachdem sich e Uebcrzengnng Bahn gebrochen, daß vor Allem eine gc- ane Untersuchung der Lage der arbeitenden Klassen mit ülfe ber Statistik-uoth thut und erst an der Hand klärender atistischcr Darlegungen die Art und Richtung einer durch- cifenben Besserung der Arbeiterverhältnisse erzielt werden innen. Die deutsche Reichsregierung hat dieser Frage irvorragcnde Aufmerksamkeit zugcwcndct und eine eigne ommission für Arbeiterstatistik eingesetzt, welche bereits im nigen Jahre nähere Kunde über die so vielfach beklagten cbeitsverhültnisse im Bäckerei- und Konditoreigewerbe ver­eitele. Besonders zahlreiche Klagen waren auch über bie tsmitzung ber Hanbelsgehülfen, namentlich in den offenen ibengeschäften, erschollen, unb bie genannte Kommission, h sich daher veranlaßt, int Herbst vorigen Jahres eine chebung über bie Arbeitszeit, die Kündigungsfristen unb : Lehrlingsverhältniffe im Handelsgewerbe zn veranstalten, reu Ergebnisse, bearbeitet vom Kaiserlich Statistischen Amt, nmehr auch vorliegen. Die Erhebnng war keine allgemeine, betrifft nur etwa 10 pCt. aller offenen Ladengeschäfte, lche von den Ortsbehörden für typisch befunden und nach teni bestimmten Plane ansgcwählt worden sind. Hervvr- heben ist vor Allem, daß bei dieser Erhebung wiederum it größter Unparteilichkeit vorgegaugcn wurde. Die Frage­gen sind etwa zur Hälfte von bett Arbeitnehmern, zur bereu Hälfte von ben Arbeitgebern ausgefüllt worben, ich war cs gestaltet, um jebem Verbacht ber Becinfluffuug n vornherein vorzubeugen, sowohl Vertreter von Arbeit- iern wie Arbeitnehmern bei der Vcrlhcilung ber Frctgc- jen zuzuziehen.

Insgesammt gelangten in 389 Orten 10,040 Fragebogen, ion 5119 an Prinzipale, 4921 an Gehülfen, zur Alls­te. Die Bearbeitung erstreckte sich aber nur auf 4157 i Prinzipalen unb 4078 von Gehülfen ausgefüllte, zu- inieu also auf 8235 Fragebogen aus 374 Orten, ba eine ösihl Fragebogen nicht zur Ausfüllung gelangte unb ein eil der ansgcfüllten Fragebogen aus verschiedenen Gründen > der Bcarbeitung ausgeschlossen werden mußte. Dem ine der Erhebung entsprechend, liegen die untersuchten schäfte über das ganze Reich zerstreut (3057 im nord- ichcn, 2975 im nordwestlichen, 803 in Büttel- und 1400 Süddentschland). 3097 sind in Großstädten, 2087 in ttelstädten, 2095 in Kleinstädten, 634 in Landstädten, 2 in Orten von weniger als 2000 Einwohnern belegen, n den befragten Betrieben gehören 3205 (39 pCt.) ber lensmittelbranche, 3158 (38 pCt.) ber Bekleibungsbranche

230 (3 pCi.) handeln mit Tabak und Cigarren, 12 (20 pCt.) mit anderen Gegenständen des täglichen )arss. Nach der Größe unterschieden, sind 2849 Ge­iste mit 1 Hülfsperson, 3562 mit 2 ober 3, 1574 mit -9, 194 mit 10 19 und 56 Geschäfte mit 20 und mehr I lfsperfonen von der Erhebung betroffen worden. Die stehenden Zahlen zeigen, daß das gewonnene Material verschiedenen Gegenden des Reichs, großen, mittleren » kleineren Städten sowohl wie ländlichen Orten, cnt- nmt, daß es betriebe jeden Umfanges unb alle diejenigen mchen betrifft, denen offene Ladengeschäfte in größerer jl angehören.

über lGSI

7.9

1.5

7.7

0.4.

Anzeigen-Prel-r

Die einspaltige Petitzeile für totale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. SHeclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg- für Auswärts 75 Pfg.

Vrrnßrscher Landtag.

O Keeiin, 30. Juni. Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus setzte in seiner heutigen Sitzung die Berathung der Anträge Eckels und Schöller fort, von denen der erstere die Aufhebnng des versuchsweise cingesührteii Staffel­tarifs für Getreide, Mühlen- und Malzsabrikate, der andere weitere Ermittelungen über die Wirkungen dieses Staffeltarifs wnnscht. Die Angelegenheit wurde heute nochmals einer ziemlich breiten Erörterung unterzogen. Für den Antrag Eckels sprachen, vom Standpunkt der beiiachtheuigten Interessen des Westens, namentlich der Mühleniudnstrie, die Abgg. Horn, v. Plettenberg, Schmitz, Gras Hoensbroech, gegen denselben aus den Gesichtspunkten des Ostens die Abgg. Seer, Ritter, Klose. Die Beschwerden bezüg­lich der Mühlenfabrikate wurden auch von den Freunden der Staffel­tarife dis zn einem gewissen Grad als berechtigt anerkannt, bezüg­lich des Getteides aber die Schädigung des Westens und die Bevorzugung des Auslandes beftritten. Darauf wurde Schluß der Debatte augenomineu. Die Abstimuinng ergab die Auuahme des Antrags Eckels und unter großer Heiterkeit auch die Annahme des Antrags Schöller, int ersten Theil soweit er sich auf Ermittelungen bezieht. Es folgte eine längere Geichüftsorduungsdebatte über die morgige Tagesordnung, wobei von verschiedenen Seiten dem 'Wunsch Ausdruck gegeben wurde, daß vor Alleni noch die zahlreichen Petitionen erledigt werden sollten. Schließlich stimmte das Haus der vom Präsidenten vorgeschlagenen Tagesordnnug zu, welche keine Petitiouen enthält, sondern kleinere Gesetzentwürfe, Eisenbahnberichte, Verlesung der Interpellation Schultz-Lupitz betreffs Linderung des Futteruothstaudes, Antrag Lilckhoff, betreffend Ausnahme- tanfe für die Baumwollindustrie Schlesiens.

Herrenhaus.

Das Herrenhaus berieth heute nach Erledigung zweier kleiner Gcschentwürfe das Kommunalabgabengesetz. Die Kommission hatte folgende Aendernngen beschlossen: 1) juristische Personen werden mich mit ihrem Rutheil au dem Geschäftsbetriebe von Gesellschaften mit beschränkter Haftung zur Kommuual- bcfteuermig in den Betriebsgemeindeu herangezogen. 2) Besitzer von Aktien einer Aktieu-Gesellschaft, welche bereits zur Kommuualsteuer herangezogen ist, sollen nicht, wie das Abgeordnetenhaus beschlossen hat, das Recht habe», die Hälfte ihrer Dividendenbezüge bei der Gemeindebesteuerung in Abzug zu bringen, sondern mit ihrem ganzen Dividendeueinkommeu heraiigezogeu werden. 3) Die Ge­meinden sollen das Recht haben, die Gemeindemitglieder auch hin­sichtlich ihres Einkommens außerhalb des preußischen Staatsgebietes zur Steuer herauzuzieheu. Nach unerheblicher Debatte würde die Vorlage nach den Kommissions-Beschlüssen angenoiumen. Die Vor­lage geht somit an das Abgeordnetenhaus zurück, dessen Sitzungen damit wahrscheinlich noch mit einige Tage hinansgeschoben werden. Das Herrenhaus gedenkt am nächsten Dienstag feilte Arbeiten zu beendigen.

Verlag: Langgasse 27.

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