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Ks. 272.
Mittwoch, den 14. Juni
1893
Die soziale Frage
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Frankreich 4,125,000
Deutschland 3,658,000
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politische Tages-Rundschau.
— Großes Mißbehagen hat in Italien die Nachricht gebracht, daß König Menelik von Abyssinien ein Rundschreiben an die Mächte erlassen habe, in welchem er sich vom Protektorate Italiens nach Ablauf des Vertrages von Utschalli (im Jahre 1894) entbunden erklärt. Die „Riforma" meldet, König Menelik habe sich den Franzosen gänzlich in die Arme geworfen, indem er ihnen Tclegraphen- linien und eine Eisenbahn von Schoa nach Obok gestattet habe. Der halbamtliche „Mattino" bestätigt in einem Briefe aus Harrar sämmtliche Nachrichten der „Riforma" und fügt hinzu, Prinz Makonen (derselbe, welcher seiner Zeit Italien besuchte) habe namens des Königs Menelik den französischen Gouverneur von Obok besucht und die Annäherung an Frankreich vollzogen. Italien sei zweifellos für die Zukunft aus der Interessensphäre Abyssiniens ver- . drängt. Italien sieht also wieder einmal, welchen Freund es an der „lateinischen Schwesternation" besitzt. Trotzdem ist der Pariser „Figaro" thöricht oder vielmehr unverfroren genug, sich offen darüber zu freuen, daß, wie er sich aus-
Oestcrreich Italien
als ein kleiner prinzipienfester Rest, der nicht stark genug wäre, um, wenn isolirt, noch Bedeutung für unser Partei- und Gesellschaftsleben zu haben.
gestellt und hierbei die folgenden Zahlen zn Grunde gelegt:
Mark pro % der StaatS-
ist als Sozialpolitiker keine seltene Erscheinung unter den evangelischen Theologen, denn viele von ihnen widmen der sozialen Frage ein besonderes Interesse; Naumann - geht aber viel weiter als alle seine gesinnungsverwandten Amts- kollegen, er halt zur Aus- [. gleichung der sozialen Gegensätze - und zur Annäherung der ver- ■ schilderten Gesellschaftsstände die : Verwirklichung eines Theils der sozialdemokratischen Forderungen für nothwendig und geboten. Obcrstlieutenant a. D. v. Egidy, der Vater der Bewegung zu Gunsten eines „einigen Christen- thums", steht sozialpolitisch auf ; etwa demselben Standpunkte wie
Nauniann. Er bewirbt sich in Berlin um ein Reichstagsmandat und ist für seine Reformideen mit großer Rührigkeit agitatorisch thätig. Durch Klarheit zeichnen sich seine Ideen aber gerade nicht aus, und es ist beim besten Willen nicht möglich, sie in irgend eine programmmäßige Form z» bringen. Dr. Ratzinger in München, ein freiresigniner katholischer Pfarrer, weiteren Kreisen als
und ihre Lösung auf wirthschaftspolitischem und sozialrefor- matorischem Wege beginnen die gebildeten Kreise immer lebhafter zu beschäftigen, und es mehrt sich die Zahl der öffentlich hervortretenden Persönlichkeiten, welche sich ihrer mit Sachkenntniß oder doch wenigstens mit Ernst anuehmen. Profeffor Schmollcr, der Vorsitzende des Vereins für Sozialpolitik, ist längst durch seine eifrige Thätigkcit als Wirthschafts- und Sozialpolitiker bekannt — in diesen bewegten Tagen des Wahlkanipfcs sind nun als Anhänger einer durchgreifenden Sozialrcsorm auch Professor Naumann in Frankfurt a. M., der seine sozialreformatorischen Ansichten auf dem evangelisch-sozialen Kongresse in Berlin ausgesprochen hat, ferner der lieutcnant a. D. v. Egidy sowie Pfarrer vr. Ratzinger in München anfgetceteu. Pfarrer Naumann
Kopf Rußland ? Frankreich 21,93 Deutschland 13,20 Oesterreich 7,6 Italien 9,0 England 17,4
Einwohnern sind 41,2mal hunderttausend Mann Kriegsstärke vorhanden, so daß sich ein Neberschnß der Kriegsstärke von rund 3mal hunderttausend Mann ergiebt. Dieser Ueberschuß ist in unserer Zeichnung durch schwarze Kreisflächen wiedergeneben. Wie weit Deutschland, Oesterreich und Italien in der entsprechenden AnSiintzung der Bevölkerungszahl zur Erlangung starker Kriegsheere zurückstehen, ivird aus der Zeichnung im Zusammenhang mit den oben initgetheilten Zahlen ohne Weiteres ersichtlich. Bei Dentschland ist durch Kreise mit kleiner schraffirler Innenfläche außerdem zur Darstellung gebracht, in welchem Verhältniß Kriegsstärke und Eiuwohnerzahl oann zu einander flehen, wenn die Vorlage nach dem Antrag Huene, welcher 4,340,000 Mann Kriegsstärke ergiebt, zur Durchführung gelangen sollte. Auch in diesem Falle würde Deutschland immer noch in dem Grade der Ansnntznng seiner Wehrkraft hinter Frankreich zurückbleiben.
nun, daß sich die Partei aus den Arbeiterschichten heraus oder unter „bürgerlicher" Leitung bildet. Käme eine solche Partei zu Stande, so würde sie in den oberen Klassen, denen die Kosten einer durchgreifenden Sozialreform zur Last fallen würden, nm deswillen wohl nicht allerseits mit
ungünstigem Auge angesehen werden, weil sie geeignet erschiene, der Sozialdemokratie Abbruch zu thun. Und das wäre in der That nicht so unwahrscheinlich, denn die Massen der sozialdemokratischen Wähler bestehen durchaus nicht aus lauter „ziclbewußten" Sozialdemokraten. Die Sozialdemokratie hat nur deshalb in der Arbeiterschaft und lm Kleinbürgerthum so viel Anhang gefunden, weil sie als die einzige Partei gilt, welche die Interessen der unteren Stände vertritt. Entstände eine neue Arbeiterpartei und könnte sie positive Resultate erreichen, so würden die Arbeiter- s schäft und das Kleinbürgerthum der Sozialdemokratie mit tchren revolutionären Tendenzen den Rücken kehren. Von || der Sozialdemokratie selbst würde dann nichts weiter bleiben,
tzolkswirthschaftlicher Publizist begannt, ehemals Mitbegründer der Mentrumspartei, von der er sich : jetzt aberabgewe«Ät, hat seine wcit- p gehenden sozial-reformatorischen
Verlag: Langgasse 27.
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Frankreich Deutschland Oesterreich Italien " 30,347,291 ’
Schon Hefe Zahlen, im Vergleich mit den Kriegsstärken ergeben, daß yrnntreid) ferne Bevölkerungszahl am schärfsten zur Steigerung der Wehrkraft ausgenutzt hat. In schlagender Weise tritt der Grad der Ausnusung der auf der Bevölkerungszahl basirten natürlichen Wehrkraft der einzelnen Staaten an der Hand unserer graphischen Darstellung hervor. Erläuternd ist zu derfelben Folgendes zn bemeiken:
_ Bei jedem Staat ist die Stacke der Bevölkerung durch je ein Quadrat für ,ede Million angegeben, woraus sich die betreffenden graphischen Figuren ergeben^Eiue jede Million Einwohner, für roelcfie >ni Kriegsfälle 100,000 Mann Soldaten nach den jetzt geltenden Wehrverfasfungen sich ergeben, ist durch eine schraffirte in ein Quadrat elngeichriebene Kreisfläche bezeichnet. Man sieht, daß in R„bland die enorme Beuölkernngszahl bei Weitem nicht so ausgenutzt ist, wie in einem der anderen Staaten: bei Frankreich ist dies jedoch in übervollem Maße der Fall, ja dort uber- «'St die Anzahl der Hundertta»sende der Kriegsstärke die Anzahl der Millionen der Einwohnerzahl bedeutend. Bei 38,3 Millionen
Die Ansirrihmtg der Wehrkraft kei den Großmächten.
Die deutsche Militär-Vorlage zielt auf eine möglichst volle Ausnutzung der Wehrkraft der Vevölkerung ab, zn welchem Zweck die allgemeine Dienstpflicht auf breiterer Grundlage durchgesührt werden soll als bisher. Die Erhöhung der jährlichen Rekruten- quote führt zu einer wesentlichen Erhöhnng der Kriegsstärke, welch' letztere nach dem von der Regierung im Prinzip angenommenen Antrag Huene sich auf rund 4,340,000 Mann stellen würde. Es ist nun interessant, eilten zahlenmäßigen Vergleich in dieser Hinsicht zwischen den europäischen Großmächten Rußland, Frankreich, Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien zn ziehen. Wir be
ll. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PrelS: 5® Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen «erden.
nach ihren Ausgaben in Mark pro Kopf der Bevölkerung, als auch im Prozent-Verhältniß zn den genannten Staatsansgaben. Beide Größen sind in der genannten Zeichnung je in genan gleichem Verhällnibmaßstabe bei den Staaten untereinander bar*
1,169,000 „
Die Einwohnerzahlen der genannten Staaten bezifferter, sich bei Rußland auf 112,915,o20 Bewohner, einschließlich Asiens, „ 38,343,192 „
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schranken uns daraus, ohne die Nothlvendigkeit ober Möglichkeit der Vermehrung unserer Kriegsstärke zu erörtern, hier rein objektiv Die Bcvölkermtgszahleu nnd die Kriegsstärken der Armeen in den genannten Staaten unter Beifügung einer graphischen Darstellung zu vergleichen, welch' letztere in streng unparteiischer Weise ein so augenfälliges Bild der Sachlage giebt, wie es ans andere Art sich nicht darstellen läßt.
Die Kriegsheere jener europäischen Großmächte haben, wenn man die lährliche Rekrnten-Anshkbung mit der Anzahl der Gesammt- knegS-Ttenfljahre multivltzitt und von dem Resnltat bei allen Armeen gleichmäßig 25 Prozent als erfahrnngsmäßigeu Ausfall für Tod, Invalidität, Unauffindbarkeit u. s. w. abzieht, folgende Kriegs-
Unter Hinweis auf die graphische Darstellung im oberen, rechten Theist nuferer Zeichnung sei noch kurz ein Vergleich gezogen zwischen den Kosten der Landesvertheidigüng bei den Großmächten sowohl
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In Kehlheim erklärte Dr. Sigl: Er zerstöre da? Deutsche Reich, wenn er in den Reichstag gewählt werde, he,ße es. Man solle das nicht be- fürchlen, auf solch' schwachen Füßen stünde das Reich nicht. Wenn das Reich zerstört werde, so geschehe dies durch Jene, die den Forderungen für den Militarismus nachgeben nnd mit dem Deutschthnm Schwindel treiben. Von einem einigen Deutschland könne überhaupt nicht die Rede fein, fo lange Oesterreich nicht dazu gehöre.
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AuxAIsaoiens-Lorrains Wendet sich ein uns aus dem Reichslande zngesandter Wahlaufruf gleichzeitig in französischem und deutschem Texte. Der letztere zeigt, daß das Machwerk kaum im Reichslanbe seinen Nrspriiiig genommen. Am Schluß heißt es : „Stimmt ihr für Protestler, für Priester oder für Sozialisten, so stimmt ihr 'gegen das preußische Militärgesetz, gegen alle Ungerechtigkeiten, welche ihr seit 22 Jahren u . , _ der Regierung der Deutsche» zu
üerbanfe» habt, und für eure verschwundene Freiheit; ihr stimmt auch gegen die rohen Diktaturparagraphen, die euch eurem unbarmherzigsten Feinde überliefert Haden, gegen das Erwürgen der Preßfreiheit, gegen den Paßzwang, die verhaßte deutsche Wehrpflicht, die Unterdrückung der französischen Sprache, die Ab- schaffnug, der Turnvereine und Versicherungs-Gesellschaften, gegen die lästigen Bernfs - Bürgermeister, das Verfahren einer wilden Polizei und ganz besonders gegen die Aiiuexionl Schreitet Alle zu den Wahlurnenl Keine Abstehnngl Sollte euer Gewissen euch nicht erlaube», für diesen ober jenen Kandidaten zu stimmen, so wählt mit weißen Zetteln. Nochmals, keine Abstehungl ES gilt für Frankreich, für Elsaß und Lothringenl Vive la France! Vive l’Alsace et vive la Lorraine!“ Am Fuße wünschen bie ver- nmthlich Pariser Auteurs: „Friere de repandre et de faire affiche.“ Durch Niedrigerhängen wird dem Wunsche wohl entsprochen sein.
Welchen Erfolg diese Männer mit ihrer PwManda für eine durchgreifende Sozialreform haben we^efö, läßt sich ** '* schwer beurlheilen. Es ist aber nicht unmöglich, daß sie direkt oder indirekt, früher oder später die Anregung geben zu Versuchen, eine große Partei zu bilden, welche sich die Lösung der sozialen Frage auf dem Boden der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung zum Ziele setzt, sei es
Neigungen in Jeincn Kandidatenreden in dem baltischen 7 Wahlkreise ^Deggendorf, wo er eine RMstags- kandidaturF.Kgcn den bisherigen Centrumsve ter an-
genomm«i, ,nm Ausdruck gebracht. Er bczZchi als sein
Programm den Schutz der Armen und Wterdrückten, die, k wirtUchgftliche und soziale Hebung der nuNrep und mittleren
Klaffen ^mtd beabsichtigt, eine neue Partei die baynsche Volkspärtei heißen soll, zu gründen, da er von bejr.clteit Politischen Parteien nichts wissen tottt/
4,554,000 Mann ohne bie asiatischen Truppen, . losnrv) # „ algerische»
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