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ftbend«Ausgabe.

ViesbsükM Sagtiatt

41. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

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Ko. 218.

Mittwoch» den 10. Mai

1893.

Abgeordnetenhaus.

Ablehnung der Ich hoffte von

Das Herrenhaus, welches am 25. Mai seine Thätigkeit wieder ansnimmt, wird erst nachher die Kommission für die Steuer- gesetze ernennen, was nach der Geschäftsordnung auch schon früher geschehen könnte. Es entsteht dadurch eine bedauerliche Verzögerung der Angelegenheit.

Die Franzosen im deutschen Gebiete non Kamerun.

es wieder nichts hilft? Man braucht sich diese möglichen Folgen nur vorzustellen, um zu erkennen, daß es hier verhängnitz- volle Wege giebt, die geradezu in die äußersten Gefahren für unser ganzes staatliches Leben hineinführcn.

— Eine außerordentlich interessante Mitthcilung zur Frage der Militär­vorlage bringt die „Nordd. Allg. Ztg.". Diesem Blatte zufolge lobte nach dem gestrigen Vorbeimarsch der Bataillone auf dem Tempelhofer Felde der Kaiser die nm ihn versammelten Generale und Stabs­offiziere über die gelungene Vorstellung der Bataillone und sagte dann: Die Militärvorlage habe ich nicht erwartet, dem patriotischen Sinne des Reichstags

Politische Tages-Rundschau.

— Der Reichstag muß der Verfassung gemäß neunzig Tage nach der Auflösung wieder versammelt werden. Man hätte also bis zur Eröffnung der neuen Session Zeit bis Anfang August. Es dürfte jedoch bereits fest­stehen, daß die Einberufung erheblich früher, schon Ende Juni oder Anfang Juli, erfolgt. Darauf deutet auch die starke Abkürzung der für Neuwahlen bei einer Auflösung vorgeschriebenen Höchstfrist von sechzig Tagen. Wir erinnern daran, daß auch bei der Auflösung vom 14. Januar 1887 das Wiederzusammentreten des Reichstags möglichst be­schleunigt wurde. Die Neuwahlen wurden damals am 21. Februar vorgenommen, der neue Reichstag am 3. März eröffnet. Bei der Eröffnung der Sitzungen waren noch nicht einmal die Stichwahlen insgesammt voll­zogen, was nicht mit Unrecht Veran­lassung gab, gegen die verfrühte Ein­berufung eines „Rumpfparlaments" Ver­wahrung einzulegen, ohne indessen der Sache weitere Folge zu geben. Dem neuen Reichstag wird, wie man annehmen muß, alsbald die Militürvorlage in der Gestalt wieder zugehen, über welche die Regierung mit der Minderheit des Reichstags übereingekommen war. Bei der herrschenden Zersetzung und Aufwühlung unseres ganzen öffentlichen Lebens bleibt es immer zweifelhaft, welche Richtung den Sieg davon trägt. Auf alle Fälle ist die Entscheidung, der wir jetzt mit eine« neuen Ruf au das Volk entgegengehen, ein Wagstück, das große Gefahren in sich schließt und noch zu ganz unübersehbare» Verwickelungen führen kann. Was geschieht im Falle einer wiederholten Ablehnung? Abermalige Auflösung? Und dann, wenn

Preußischer Landtag.

G srrlin. 9. Mai.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die dritte Lesung des Koinmuiialabgabengesetzes fort Eine große Reche von Paragraphen wurde nach kurzer Debatte ohne oder mit ganz gcriug- fügigeu Äenderungeu angenommen. Nach § 52 Abs. 1 sind die Besitzer von Aktien einer zur Gemeindesteuer oder einem Steuer­betrag in Preußen herangezoaenen Aktiengesellschaft zu verlangen berechtigt, daß die aus diesen Aktien ihnen zufließenden Dividenden bei der Bemessung ihrer Kommunalstcuern in Abrechnung gebracht werden. Dieser Paragraph wurde mit einer Abänderung nach einem Antrag Herold (Centrum) angenommen, welcher unter allen Umständen das Ameneinkommen niindestens zur Hälfte herauzichcn will. Zu einer humoristischen Unterhaltung über den Nutzen von Stadt- und Landhunden kam es bei § 92, welcher bestimmt, daß neben den Gemeinden auch die Kreise befugt sind, das Haltxn von Hunden zu besteuern. Ein Antrag auf Streichung dieses Paragraphen wurde abgelehut. Damit war die Berathung dieses Gesetzeulwurfs erledigt. Es folgte die zweite De- rathung des Gesetzes, betreffend Ruhegehaltska ff eit für bie Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen. Nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Abgg. Seyf fardt (Magdeburg), v. Scheuckend orfs, Würmeling u. a. betheilig- teu, wurde der Gesetzentwurf der Untcrrichtskommission überwiesen. Schließlich folgte die A bstimmnng über das Kommunal­abgabengesetz in dritter Lesung; dasselbe wurde, nachdem Cciitrum und Polen erklärt hatten, daß sie sich der Abstimmung enthalten würden, mit großer Majorität (Nationalliberale, Frei- konservative, Konservative) angenommen. Nächste Sitzung: 30. Mai, Tagesordnung: CholeraA-ntrag und kleine Vorlagen. Nach Wieder­aufnahme feiner Thätigkeit wird sich dann das Abgeordnetenhaus nach wenigen Sitzungen aufs Neue vertagen und voraussichtlich ani 21. Juni wieder zusammentreten.

Die Richtung, in welcher sich diesen Nachrichten zufolge die Mnzositcheu Expeditionen ans deutschem Kolonialgebict bewegen, auf der Zeichnung durch eine fein punktirte Linie markirt, welche von Btmbe über Gasa und Kunde (großer Elfeubeiu- warkt auf deutschem Gebiet) nach Ngaundere gezeichnet ist. Auf südlichen Theil dieser Noute hat der Gouverneur der sranzösischen »ongo-Kolonie, de Brazza, bereits Wege anlegen lassen. Der nach ^gaundere unter Beigabe von Soldaten entsendete französische Aeamte hat ferner Auftrag erhalten, weiter nach Jo la, ganz im Horden von Kamerun, zu marschircn. Es findet also eine Durch- ^uening des inneren, östlichen Gebietes von Denlsch-Kamerun durch «ne französische, amtlich eutscudetc und von Soldaten geleitete ^kpedition statt.

e- Wie aus unserer Karte hervorgeht, befinden sich die deutschen Station en bezw. Regiernngssitze vornehmlich im westlichen, dcr flnstk benachbarten Drittel des Kolouialgcbietes, während die l/a.nzösischtn Stationen in dcr französischen Kongo-Kolonie "fttits weit nach dem Innern zu, nach Osten, vorgeschoben sind, ww beispielsweise die Station I l o k a hart an der südlichen deutschen ^"iize und Bimbe am Sanga-Flusse erkennen lassen, lieber die

',u *1 $ en Stationen sowie die Kostagenturen und Missionen, die »et Zeichnung besonders markirt sind, sei hier noch in kurzer "wzahluug Folgendes angegeben:

» deutschen Regierungsstationen, bereit Namen auf dem Surtenbube durch einfache Unterstreichung hervorgehoben wurden, folgende zu nennen: Baliburg, Tinto, Batoni, Munbame, en.1trj,n' 3dia, Criby, Evunt, Jauube und Balinga. Kost- fi\ uUxten i" Victoria, Kamerun und Criby; Missionen

"«treten: In Kamerun: evangelische Hauptstatioueu der fifivn: 1- Bethel oder Bonaku am Sitze bes Gonvernc- s,.,f’?.(tunf Arbeitsfelber, darunter Bethel,Tokolo, Bonabela, Bona- iavi); 2. Bonaberi oder Hickory (14 Arbeitsposten, darunter

Wie kürzlich eingetroffene Meldungen aus dem äquatorialen Ost-Afrika besagen, haben die französischen „Forschnugs-Erpeditionen", welche vom Kongogebiete aus in nordwestlicher Richtung nach dem Tsad-See entsendet wurden, in ganz eklatanter Weise das deutsche Gebiet von Kamerun verletzt und auf demselben eine Station angelegt bezw. Verträge mit eingeborenen Häupt­lingen zu schließen verflicht. Es ist in der Presse die offene Frage an die Reichsregierung gerichtet, wie sie dieser Beeinträchtigung des durch internationale Verträge gewährleisteten deutschen Kolonial­besitzes in Aequatorial-Westasrika begegnen will. Jedenfalls darf man mit Spannung tveiteren Nachrichten ans Afrika, sowie der Entwicklung der Sache entgegeusehen.

Die über das Vorgehen der Franzosen etiigetroffcuen Nachrichten erhalten erst au der Hand des beistehend abgedruckten Karteu- bildes die erforderliche Deutlichkeit. Das deutsche Kamernngebiet grenzt im Süden an die französische Kongo-Kolonie, die sich nach dem Innern zu bis zum Stromgebiet des Kongo erstreckt, von dessen rechten Neben- ffüsscn auf unserem Kartenbilde (unten rechts) der S a n g a verzeichnet ist. Den Grenzen des deutschen Schutzgebietes Kamerun, welche auf der Zeichnung durch kreuzweise Schrasfirung dargestellt sind, liegen im Norden die Uebereiu- fommeit mit Großbritannien vom 7. Mai 1885, 2. Slugust 1886 und 1. Juli 1890 und im Süden das Uebereinfommeit mit Frankreich Dom 24. Dezember 1885 zu Grunde. Das Letztere bezeichnet als Grenze gegen das franzö­sische Gebiet jene Linie, welche vom Meere ans demKampo-Fluß bis zu dem 10. Grad östlicher Länge von Greenwich und von diesem Klinkte ab dessen Breiten parallel bis zu dem Schneide- Pilnkte bes Letzteren mit dem 15. Grad östlicher Lange von Greenwich folgt. Die Regierung der französischen Republik verzichtete auf alle Rechte und Ansprüche, welche sie bezüglich der nörd­lich von derselben Linie gelegenen Gebiete üelteiid nmclien könnte, uud übernahm die SBer* Dichtung, sich einer jeden politischen Einwirkung nördlich von dieser Linie zu enthalten.

Das vorbezeichnete, reitt deutsche Gebiet nördlich vom Kainpo-Flnffe, in welcheni sich Frankreich jeder politischen Einwirkung begeben hat, ist durch eine unterbrochene dicke Strichlinie auf uilserem Kartenbilde nach Osten begrenzt worden, welche genau ans dem 15. Grad Ost- lange von Greenwich verläuft.

Frankreich, welches in Afrika eine sehr extensive Kolonialpolitik betreibt, hat bekannt- uch das Bestreben, den int Nordosten von Kamerun gelegenenTsad-See von seinen Kolonial- besttznugenAlgier, Nigergebiet undKougo-Kolonie aus zu erreichen. Diesem Ziele streben bie vont Kongo nach Nordwesten entsendeten französischen Expeditionen zu. Nach dem oben angeführten Vertrage vom 24. Dezember 1885 hat Frankreich also zwar das Recht, östlich des 15. Längeu- Swdcs nach Norden vorzudringen, nicht aber westlich desselben, also auf deutschem Gebiete, Politische Ziele zu verfolgen. Noch vor wenigen Monaten hat Freiherr v. Marschall im

Bonaberi, Botteudale, Jebari oder Djebale, Bonabwenq, Bonasama, Bwanyumba, Mongo, Bakundu, Bakake oder Bombe); 3. Mangamba (13 Arbeitsposteu, darunter Mangamba, Bcsunkan, Bwapaki, Kunang, Bweue, Bonyo, Fiko); 4. Victoria (Arbcitsposten Victoria, Bimbia, Bota: vorläufig aufgegeben sind: Buoa uud Bonyongo); 5. das neuerbante Lobethal.

~ Ferner hat bie Presbyterian Cliurch of the United States eine Station in Groß-Batanga, bie Baptisten in Akwa-Dorf.

Die katholische Hatiptstation bet Kallotiner ist Marienberg, bie außerdem in Jdia und Criby thätig sind.

. Aus Grund unserer heutigen bildlichen Darstellung des Kameruu- aebietes nebst Hervorhebung der von der französischen Expedition berührten Orte können die Leser die wichtigen ferneren Berichte und Verhanblungeti in bequemster Weise verfolgen.

bie unbedingte Annahme und habe mich leider getäuscht. Ich mußte zur Reichstagsauflösung schreiten und hoffe vom neuen Reichstag die Annahme der Vorlage. Sollte ich mich wieder täuschen, so bin ich gewillt, Alles, was ich vermag, an die Erreichung derselben zu setzen, denn von der Nothwendigkeit der Militürvorlage, um den allge­meinen Frieden zu erhalten, bin ich überzeugt. Man sprach von der Aufregung der Massen, ich glaube nicht, daß das deutsche Volk sich von Unberufenen erregen lassen wird. Ich weiß mich eins in der Militärvorlage mit den Bundesfürsten, dem Volk und der Armee.

— Unter den namhafteren Mitgliedern der bisherigen freisinnigen Partei hat einer, derAbg. v. Stauffenberg, früher nationalliberal, dann bis zur Verschmelzung mit der freisinnigen Partei Secessionist, mit seiner Stellungnahme zu dem Bruch in dcrPartei und der Militärfrage noch voll­ständig zurückgehalten. Er ist feit längerer Zeit wegen Er­krankung den politischen Vorgängen in Berlin ferngeblieben. Seiner Stellungnahme wird namentlich in Süddeutschland mit Spannung entgegengesehen; nach seiner ganzen Ver­gangenheit wird er fick) wohl auch zu den neuen Secessio- nisten halten müssen. Auch dem Wahlaufruf der neuen freisinnigen Vereinigung sieht man mit besonderem Interesse entgegen wegen der bisher noch sehr unsichern Stellung der meisten Mitglieder in der Militärfrage. Die Haltung anderer Parteien zu der neuen Gruppe wird natürlich wesentlich von der Erklärung der Letzteren über die Militäl- frage abhäugen.

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Reichstag anerkannt, baß in biescin Hinterlanbe von Kamerun I Uüiizösifchc Afrikaforscher, also Private, sich ungestört bewegen • können, nicht aber amtliche Persönlichkeiten, welche Verträge mit »en Eingeborenen für Frankreich abschließen nnb besten Stellung »ort militärisch begründen. Nun hat aber Herr v. Brazza, eine Milche Persönlichkeit, nicht bloß in Gasa eine militärische «t a 11 o n errichtet, sondern auch mit dem Sultan von Ngau ndere «erhandlungeu einaeleilet. Von Ngaundere soll einer seiner Be- Men unter französischer Militärbedeckung nach Zola Vordringen. Wasa sowohl wie Nganuderc selbst liegt, wie unsere Karte zeigt, 'N dem Theile von Kamerun, der dem deutschen Einfluß unter« wellt ist.

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