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Abend-Ausgabe

ViksbÄkM' SanHatt.

41. Jahrgang.

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Verlag: Lauggasse 27.

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K-. 203.

Montag» den 1. Mai

1893.

Die Lage der deutschen Arbeit.

(Ende April.)

Nicht nur gewerbliche Tüchtigkeit und Ausdauer, sondern auch Erfahrung, gute Sitte und Ehrenhaftigkeit sind im wirthschaftlichen Leben der Völker von Bedeutung. Das hat auch das deutsche Volk erfahren. Wir blicken auf eine glänzende gewerbliche Vergangenheit zurück. Deutsches Handwerk, deutscher Handel und deutsche geschäftliche Ehr­barkeit standen vom Mittelalter bis in die neuere Zeit in hoher Achtung. Aber in einem kurzen Abschnitt unserer deutschen Entwickelungsgcschichte konnte man fast glauben, die gute Ueberliefcrung sei uns verloren gegangen. Politisch zeichnete sich dieser Abschnitt durch glänzende T Halen und eine gewaltige Steigerung des deutschen Nationalgefühls aus, der gute Ruf deutscher gewerblicher Tüchtigkeit wurde jedoch fast gleichzeitig stark erschüttert. Mächtig breitete der deutsche Reichsadler seine Schwingen aus, politisch gelangte der deutsche Name im Auslande zu Ehren doch das An­sehen der deutschen Arbeit sank.

Die Zeit unserer politischen Erneuerung fiel zusammen mit einer Periode lebhafter wirthschaftlicher Bewegung. Aber das in der Verjüngung begriffene deutsche Wirthschaftsleben ivar zunächst nicht durchdrungen von erprobten geschäftlichen Grundsätzen, die aus den neuen Verhältnissen abgeleitet waren. Es fehlte die Erfahrung, es fehlte die Läuterung. So konnte man, geblendet von den Wundern der Technik, zu der Anschauung gelangen, daß es nur darauf ankomme, sie gewaltige Leistungsfähigkeit der Maschinen voll anszu- uutzcn, daß nur die Menge und Billigkeit, nicht .über die Güte der Waare, für den wirthschaftlichen Ruf entscheidend seien. Das war e»e bittere Täuschung, und die Ernüchterung ist bekanntlich längst eingetreten.

Seit dieses geschah, stellt sich immer deutlicher heraus, daß die politischen Erfolge Deutstkzlands auch unserem Er­werbsleben mehr als einen flüchtigen Glücksrausch, daß sie ihm dauernde Förderung brachten. Diese Letztere äußert sich naturgemäß nur langsam, und sie ist unzertrennbar von ernster Arbeit. Aber wo diese mit geschäftlicher llmsicht und Ehrenhaftigkeit sich vereint, da empfindet man auch die wohlthätigc Wirkung unserer politischen Machtstellung auf das deutsche Wirthschaftsleben. Die Roth ist in den letzten Jahren unsere beste Erzieherin gewesen. Sie hat nns wieder ehrenhafte Gcschüftsgrundsätze und wirthschaftliche Erfahrung achten gelehrt. Die Steigerung unserer natio­nalen Bedürfnisse und die hierdurch erhöhte Nothwendigkeit, unsere Erzeugnisse ausländischen Märkten zuznführen, ist nicht nur ein starker Anlaß zur Wiederherstellung des einstigen guten Rufes deutscher Maaren gewesen, sondern hat uns auch unablässig zur Erweiterung unserer Absatz­gebiete gedrängt.

Heute können wir mit einiger Gcnugthnung auf die Be­mühungen in dieser Beziehung zurückblicken. Die geschäftliche Krise der letzten Jahre würde in Deutschland noch nieder- drückender gewirkt haben, wenn es der auf dem Weltmarkt wiedergewonnene gute Ruf unserer Großindustrie nicht er­möglicht Hütte, in vcrhältnißmäßig kurzer Zeit schätzenswcrthe neue geschäftliche Beziehungen anzuknüpfen. Diese kommen uns auch bei der gegenwärtigen Lage der deutschen Arbeit zu gute. In allen größeren Jnduflricen macht sich seit kurzer Zeit eine Be­wegung nach aufwärts bemerkbar. Doch ist das natürlich keineswegs auf die angeknüpften, auch durch die Handelsverträge und den Zollstreit der Schweiz milFrankreich geförderten neuen Geschäftsbeziehungen allein zurückznführen, sondern auch auf die letztjährige bessere Ernte, auf gesteigerte Konsum- sähigkeit in den Absatzgebieten und ans die Räumung der dort vorhandenen großen Waarenlagcr. Der Einfluß dieser gebesserten wirthschaftlichen Verhältnisse läßt sich seit Beginn des Frühlings in allen hauptsächlichen dcntschen Erwerbs- zweigen klar nachweisen.

So ist in der Eisen- und Metallindustrie seit einigen Wochen eine wesentliche Belebung des Geschäfts eingetreten. Die Preise bessern sich langsam; sie sind seit Anfang dieses Monats für Halbfabrikate aus Stahl um 2 Mark die Tonne gestiegen, auch die Draht- und Nägclwerke rechnen mit höheren Preisen. Die Maschinen- und Kessclfabriken und mit Aufträgen nicht überhäuft, aber ihre Lage har sich 2<en kas Vorjahr gleichfalls verbessert. Sie beschäftigen Me Arbeiter vollständig, Entlassungen wegen Mangels an Aufträgen sind nicht mehr nothwendig. Die Anstalten für en Ban von Textilmaschinen haben größere Bestellungen erhalten, da man in der Textilindustrie heute mehr als vor Monaten an eine durchgreifende Besserung der geschäftlichen Verhältnisse glaubt und bei den steigenden Aufträgen zu ciriebserweiterungen geneigt ist. So hat sich die deutsche , Eppichfabrikation vielfach zu Fabrikausdehnungen undAuf- ' jUiiug neuer Maschinen veranlaßt gesehen, da in einzelnen rtn Atteln dieser Industrie der Geschäftsgang ein l 9t lebhafter geworden ist. Auch die Stoffwebereien ver­

fügen seit geraumer Zeit über zahlreicheAufträge, die in den gewährten kurzen Lieferfristen kaum bewältigt werden konnten. Gute Bestellungen machten namentlich Nord- nnd Süd- Amcrika, England, Frankreich und deutsche Großhändler, -och günstiger haben sich in der letzten Zeit die Verhältnisse .er Gardinenwcberci und der Stickerei gestaltet. Besonders die Fabriken für englische Gardinen waren in der letzten Zeit oftmals genöthigt, mit Ueberstunden zu arbeiten. Sämmtliche Maschinen waren voll beschäftigt, geeignete Arbeitskräfte wurden gesucht, und selbst die Hausiudustriellen und Hand­weber konnten über mangelnde Beschäftigung nicht klagen. In der deutschen Wirkindustrie hatten namentlich während einiger Wintermonate und bis jetzt die Strumpffabriken sich großer Aufträge und gesteigerter Preise zu erfreuen; das Geschäft in Stoffhandschuhen ist dagegen weniger belebt, da dieser Artikel in den Hanptabsatzgebietcn noch in größeren Mengen aus Lager ist. Eine lebhafte Nachfrage herrscht gegenwärtig gleichfalls in der Jute-Jndnstrie; sowohl in Ge­weben wie in Garnen wurden größere Aufträgezu schlank bewilligten* Preisen erthcilt.

Diese allgemeine bessere Lage der deutschen Textilindustrie kam auch auf der Leipziger Ostermesse zum Ausdruck. Ohue Ausnahme wurden für die Textilwaaren höhere Preise als auf der Ncujahrsmesse erzielt. Die Lager wurden fast sämmtlich geräumt, da ohnehin weniger Waaren am Platzt waren, ein llmstand, der auf die gute Beschäftigung der deutschen Tcxtilfabrikantcn zurnckzuführen ist. Im Zu­sammenhang mit der günstigeren Gesammtlage und nicht ohne anregenden Einfluß auf die Letztere, haben sich auch die Preise für Textilrohstoffe in jüngster Zeit gesteigert, wo- durch iviedermn eine Erhöhung der Garnprcisc venmlaßt wurde.

Der sich anbahnenden besseren geschäftlichen Konjunktur.; widersprechen auch nicht Lir seit den letzte,rWuchen schlechter gewordenen Verhältnisse auf dem deutschen Kohlenmarkt. Denn die auf diesem sah bemerkbar machendeFlaue" ist keineswegs einem verminderten Kohlenbedarf der Industrie zuzuschreiben, sondern darauf zurnckzuführen, daß die deutschen Kohlenwerke seit einem Jahre bereits eine anßerordciitlich starke Förderung hatten nnd Werke wie Händler große Vorräthe besaßen, die bei dem frühen Eintritt der warmen Witterung jetzt auf den Kohlciuuarkt zurückwirkten. Dieses wärmere Wetter, welches der Kohlenindustrie schädlich wurde, hat das Baugewerbe wieder belebt. Die Ziegeleien haben ihren großen Betrieb vielfach bereits wieder anfgcnommen, Maurer und Zimmerer gehen ihrer regelmäßigen Beschäftigung wieder nach. Doch sehr lebhaft ist auch in diesem Frühjahr die Banlust nicht. Man hat sich vor einigen Jahrenüberbaut"; die Speku­lation ist in diesem von ihr so arg hcimgesuchten Gewerbe kopfscheu" geworden, und das ist im Allgemeinen nicht zu beklagen.

Mit dem Beginn der landwirthschafilichcn Arbeiten pflegten in früheren Jahren auch regelmäßig die Klagen über den Mangel an landwirthschafilichen Dienstboten und Arbeitern wiederzukchren. Im Osten des Reiches kann man diese Klagen auch gegenwärtig wieder hören, im Allgemeinen jedoch treten dieselben im diesjährigen Frühling nur ver­einzelt ans. Augenscheinlich hängt dieses mit den schlechten industriellen Verhältnissen, der letzten Jahre znsammen. Die Jndustriecn hatten wenig Verlockendes. Es wurde mehr als früher erkannt, daß die materielle Lage des landwirth- schaftlichen Gesindes sicherer als jene der großstädtischen Fabrikbevölkcrung ist. Abgesehen von einigen Bezirken des Reiches, ist auch die Bezahlung und Lebenshaltung des landwirthschästlichen Gesindes eine bessere geworden. Nach unserer lleberzengung wird diese Thatsache weit mehr als beschränkende Gesetze zur Unterstützung der Bestrebungen beitragen, die darauf gerichtet sind, die Dorfjngend vor demZug in die Stadt", vor der Fabrik nnd Miethkaserne zu bewahren. C.

Das deutsche Kaiserpaar in Italien.

Die Gala-Vorstellung im Theater Sau Carlo in Neapel am Freitag war sehr zahlreich besucht. Dar deutsche Kaiserpaar und das italienische Königspaar trafen dort gegen l/«H Uhr ein. Das Publikum erhob sich, und es gab eine große Demonstration mit der preußischen und italienischen Hymne. Am Ende des Lohengrin- Aktes gab es erneuten Jubel. Um halb 12 Uhr verließen die kaiserlichen und königlichen Herrschaften sowie die Prinzen unter dem lautesten Jubel des Publikums das Theater. Das deutsche Kaiserpaar und das italienische Königspaar sowie der Kronprinz mit Gefolge begaben sich Samstag früh um 9 Uhr nach Pompeji. Lebhafte Ovationen fanden während der Fahrt an, den Stationen sowie bei der Ankunft in Pompeji statt. Die Ruinen der alten Stadt wurden eingehend besichtigt. Die Kaiserin und die Königin benutzten zierliche Sänften antiken Stils. Später wohnten die Fürstlichkeiten den Ausgrabungen des jungst entdeckten Hanfes bei wobei mehrere Gegenstände gefundett wurden, besonders Amphoren und größere Weinkrüge. Alsdann erfolgte die Besichtigung der Thermen von Stabiä. Tie Rückfahrt wurde um halb 3 Uhr ange- treten. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten gestern Vormittag die unter Piofesior Dohms Leitung stehende zoologische Station und wohnten dem Gottesdienste in der vrotestantischen Kapelle bei.

Deutscher Reichstag.

6 Koriin, 29. April.

Der Reichstag nahm heute in zweiter Bernthung den Gesetz­entwurf, betreffend die Ersatzvertheilnng, nach ckurzen Aus­führungen des Berichterstatters der Militärkommission entsprechend den Vorschlägen der letzteren ohne Debatte an; ebenso den ersten Nachtragsetat in dritter sowie den zweiten in erster und zweiter Berathnug. Daun trat das Hans in die zweite Lesung der Vorlage über die Abzahlungsgeschäfte. lieber die §§ 1 und 2 derselben entspann sich eine lange Debatte. Der Hauptzweck der­selben ist, aus den Verträgen über Abzahlnngsgeschüste die Ver­wirkungsklausel zu beseitigen. Der Regicrungsentwurf will dies in der Weise erreichen, daß ini Falle des Rücktritts des Verkäufers von dem Vertrage der Käufer berechtigt sein soll, gegen Rückgabe der cmpsaugeuen Sache die Zurückgewährung der von ihm ge­leisteten Theilzahlnugeu zu fordern, (fine entgegenstehende Ver­einbarung soll nichtig fein. Die Kommission des Reichstags hat dies dahin geändert, daß int Falle des Rücktritts jeder Theil ver­pflichtet ist, dem anderen Theil die empfangenen Leistnngeit zuriick- zngewähren. Die schwierige Frage der dem Verkäufer int Falle der Auflösung des Vertrags zu gewährcuden Entschädigung hat die Kommission in § 2 dahin geregelt, daß der Käufer im Falle des Rücktritts dem Verkäufer für die infolge des Vertrags gemachten Aufwendungen sowie für solche Beschädigungen Ersatz zu leisten hat, welche durch ein Verschulden des Käufers oder durch einen sonstigen von ihm zu vertretenden Umstand verursacht sind. Für die lieber« lassiing des Gebrauchs oder der Benntzuiig der Sache soll der Werth vergütet werden. Die Paragraphen wurden von dem Abg. v. Bar wiederholt nnd außerdem auch vom Abg. Osann be­kämpft. Der Letztere bestritt nicht das Vorhandensein erheblicher Schäden infolge der Entwickelung des Abzahlungsgeschäfts, glaubte dieselben aber auf verhältiiißmäßig zu wenige Punkte beschränkt, als daß sich eine derartige Gesetzgebung empfehlen würde, welche nur verwirrend wirken könne und die Nechtsstrcitigkeiten ins Unge- inessene vermehren müsse. Für die Vorlage treten die Abgg. A ck e r m a n n, Spahn, Aue r und Seitens der großen Mehr­heit der Natwnalltberaleu der Abg. Krämer ein. Vor der Ab­stimmung wurde die Verhandlung vertagt. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. Dritte Lesung kleinerer Vorlagen, Antrag Ahl- wardt, Gcsammtabstiminung über das Wnchergesetz, Wahlprüfuitgen.

PrruszWrr Landtag.

O Berlin, 29. April.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordiietenhans setzte heute die zweite Lesung des Kommiinalabgabengesetzes bei den Bestimmungen über die Vertheiluiig des Stcuerbedarss auf die verschiedenen Steuer­arten (§ 45 ff.) fort. Die Kommission hat beschlossen, daß die vom Staate veranlagten Realstenern in der Regel mindeftens zu dem gleichen und höchstens zu einem um die Hülste höheren Prozentsätze zur Kommunalsteuer herauzuziehen sind; sie werden als Zuschläge zur Staatseinkomineusteucr erhoben. Uebersteigen die Realstenern 100 Prozent nicht, so ist die Freilassung der Einkommensteuer ober eine Heranziehung derselben mit einem geringeren Prozentsätze, als oben bezeichnet, zulässig. Werden mehr als 150 Prozent erhoben und ist die Staatseinkommensteuer mit 150 Prozent belastet, so können von dem Mehrbeträge für jedes Prozent der staatlich ver­anlagten Realstenern 2 Prozent der Staatseinkominenstener erhoben werden. Mehr als 200 Prozent der Realsteuern dürfen in der Regel nicht erhoben werden. Ein Antrag Bachem (Centr.) wollte statt 150 Prozent 100 setzen. Nach längerer Debatte, in welcher von verschiedenen Seiten ans die mühsam hergestellte Verständigung über diesen Punkt hingewiesen wurde, gelangte unter Ablehnung des Centrnmsaiitrags der Kommissionsvorschlag gegen die Mehrheit des Centriims und die Freisinnigen zur Ainiahme. Auch Abg. v. H ue ne hatte sich hierfür, im Gegensatz zu seinen Parteigenossen, ausgesprochen, ß 46 bestimmt, unter welchen Voraussetzungen und aus welchen Gründen Abweichungen von den in § 45 enthaltenen Vorschriften statthaben dürfen. So sollen Gemeindeaufwcndniigen, welche hauptsächlich dem Gewerbebetriebe und dem Grundbesitze zu gute kommen, ans den Realsteuern gedeckt werden können. Zn folchcu Anfwendntigen gehören Straßen- und Wegennterhaltung, Be- und Entwässerungsanlagen. In entsprechender Weise ist habet die Erleichterung zu berücksichtigen, welche den Steuerpflichtigen einer Gemeinde durch die Außerhebungsetzung der staatlichen Staats- steneru zu Theil geworden ist. Aus Antrag Schmidt (Centr.) wurde durch Centrum und Konservative der Schlußsatz gestrichen, sonst die Kommissionsfassuiig angenommen, ebenso hei § 47 unter Abänderung mehrerer Abäiidernngsanträge. Die Fortsetzung wurde alsdann auf Montag vertagt.

DoMische Tages-Rundschau.

Zum Kaiserbesuche im Vatikan schreibt der mit maßgebenden Kreisen Fühlung unterhaltende" Berliner Berichterstatter derSchles. Ztg." unterm 27. April:

Als die Reise nach Roin feststand, mußte auch ein Besuch im Vatikan in Erwägung gezogen werden. Der Papst nimmt die Stellung eines Sonverains ein; Preußen unterhält einen Gesandten nm päpstlichen Stuhle, die Beziehungen zur Kurie sind seit Bei­legung der kirchenpolitischen Wrren befriedigend. Rücksichten der Höflichkeit wie Rücksichten auf die Gefühle von Millionen katholischer Unterthanen erforderten, daß die Residenz des Oberhauptes der katholischen Kirche während des Ausenthalts in Rom nicht ignorirt werde. Hiernach ergab sich auch die Auszeichnung der ersten Würdenträger am päpstlichen Stuhle, nnd es ist anzunehmen, daß die Arten der Auszeichnungen schon vor der Abreise nach Rom be- schloffen waren. Im Jahre 1888 hatte der Kaiser dem Kardinal Rampolla ein mit Edelsteinen besetztes Pektorale, dem UnterstaatS- fetretär Mocenni eine Ta datiere geschenkt. Diesmal erhielt der Eine, ebenso wie der höchste Beamte des italienischen Staates, der Ministerpräsident Giolitti, den Schwarzen Adlerorden, der Andere das Großkreuz des Rothen Adlerordens. Nichts läßt darauf schließen, daß für diese Auszeichnungen ein besonderer politischer Hintergrund vorhanden und sie selbst etwa als Besiegelung politischer Abmachungen zn betrachten seien. Man denke sich ein­mal die Militärvorlage aus unserer gegenwärtigen inneren Lage