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Abend-Ausgabe

fllirebdihwr THlätt

41. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

I2,OOO Avormenten.

Anjeigcn-Preisr

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194.

Mittwoch» den 26. April

1893.

architektonischen Verjüngung des alten Berlins, pries den Begasfchen Denkmalsentwurf, dessen Größeuverhältnisse er besonders lobte, und versprach, jetzt mehr mit der Frage der Errichtung eines Künstler- Hanses in Noni sich zu beschäftigen, bei welcher Gelegenheit Graf Solms bemerkte, daß die Angelegenheit wegen des Widerstandes von München schwer von der Stelle rücke. Die Unterhaltung währte eine halbe Stunde.

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Eine neue Mittelstandspartti.

Die Bildung desBundes der Landwirthe" und die aller Voraussicht nach bevorstehende Auflösung des Reichs­tags haben anscheinend auch den Innungs-Handwerkern An- regmtg zur Schaffung einer Wahlorganisation gegeben. Am Samstag hat in Berlin eine Versammlung von Handwerkern stattgefunden, welche beschloß, zur Erreichung der Forderungen der sogen. Zünftler und zur besseren Vertretung ihrer In­teressen eine eigene Partei zu gründen, die auf den ge- sammten städtischen Mittelstand ausgedehnt werden soll. Der Versammlung wohnten Abgeordnete des Centrnms, der konservativen und der antisemitischen Partei bei, die damit ihre Sympathie mit den Bestrebungen der Jnnungshaud- werker bekundeten. Besonderen Beifalls erfreute sieh der bekannte deutsch-soziale Antisemit Herr Liebermann v. Sonnen­berg. Er führte aus: Gerade die Deutsch-Sozialen strebten eine feste Organisation der Stände und deren Vertretung im Parlament an. Der ganze Nothschrei der Dauern und Handwerker fasse sich zusammen in dem WorteZndenthum". Alle müßten daher Antisemiten werden. Auf jedem Gebiete habe der Jude auch mit den Maschinen Raubbnu getrieben. Abg. v. Jtzenplitz lobt die Thätigkcit der Konservativen und warnt vor der Bildung einer neuen Partei. Ober­meister Beutel sagt, Fürst Bismarck habe den guten Willen gehabt, dem Handwerk zu helfen; aber selbst der scheine heute nicht mehr vorhanden zu sein. Herr v. Liebermann habe ihm aus der Seele gesprochen. Die Handwerker wollten keine Judenfresser sein, aber der jüdische Geist, der Schwindel, müsse beseitigt werden (Beifall). Große Poli­tiker wollten die Handwerker gar nicht werden, sondern nur den Theoretikern einmal die Praxis zeigen. Schlossermeister Haase wunderte sich, daß man die Abge­ordneten Böckelscher Richtung nicht eingeladen habe. Die antisemitische Volkspartei habe bereits 24 Wahlkreise besetzt, die sie den Handwerkern einränmcn wolle. Landwirth Klapper wollte sich mit dem Standpunkt v. Liebermanns nicht identifiziren, aber zugeben, daß von 100 Personen, die die Gewerbsstände ruiniren, 6070, vielleicht anch 80 Inden seien. Leider gebe es aber Deutsche und Christen genug, die gewiß gern an die Stelle dieser Juden treten würden. An den heutigen Zuständen hätten Leute aller Parteien Schuld; sie seien zurückzuführen auf wirthschafts- liberale Phrasen. Die Versammlung nahm schließlich mit allen gegen etwa 10 Stimmen eine Resolution an, im An­schluß an die frühere Versammlung zu beschließen, zur Er­reichung der Handwerkerforderungen eine eigene Partei zu bilden aus sämmtlichen Mittelständen der Stadt. Die Centralstelle soll sofort geeignete Schritte thun. Dieeigene Partei" ist, wie nochmals bemerkt wurde, lediglich im Sinne einer wirthschaftlichcn Organisation zu verstehen. Sie will also keine Sonderkandidaturen aufstellcn, sondern nach dem Beispiel des agrarischen Landwirthsbundes sich darauf be­schränken, die ihr freundlich gesinnten großen Parteien zu unterstützen. Das würden also das Ceutrum, die Konser­vativen und die Antisemiten sein.

Dte Forderungen der Junungshandwerker sind bekannt: _tn der Hauptsache wollen sie die Einführung des Be- lähigungsuachweises und die Umwandlung der fakultativen Innung in eine obligatorische. Dahingehende Anträge haben den Reichstag schon wiederholt beschäftigt, und obgleich sie beim Centrum und bei den Konservativen Unterstützung sanden, sind sie bisher doch resultatlos geblieben, weil sie f"' Bundesrathe abgelehnt wurden. Die Reichsregierung steht auf dem Standpunkte, daß die Jnnungshandmerker mit ihren beiden Hauptforderungen zu weit gehen, daß sie e.was fordern, was der Entwicklung des Handwerks und Gewerbes und dem Geiste des modernen wirthschaftlicheu Leben.' widerspricht, welchen Standpunkt die politischen Parteien, die dem sog. Zünftlerthum als Gegner gegenüber« itegen, lheilen. Um den Handwerkern aber einen größeren ©0)1^ ihrer Interessen zu verleihen, plant die 31egierung , Errichtung von Handmerkerkammern, welche den Handels- animern nachgebildet werden sollen. Außerdem begünstigt ic Regierung die Bildung genossenschaftlicher Organisationen kur das Handwerk zu dem Zweck, dem Handwerker die Be- ichaffung von Kredit und den gemeinsamen Bezug von Roh­

stoffen 2C. zu erleichtern. Bisher hat indeß die Idee der genosseuschaftlichen Selbsthülfe keinen Anklang bei den Jnnungshandwerkern gefunden, und auch von den Hand- wcrkerkammern, wenigstens in der Gestalt, wie sie geplant sind, versprechen sie sich nicht viel. Jedenfalls haben sie sich von ihren alten Forderungen durch die Vorschläge der Regierung nicht abbringcn lassen, sie bestehen vielmehr nach wie vor auf der Einführung des Befähigungsnachweises und auf der obligatorischen Innung.

Die Jnnnngshandwcrker bilden die einzige große Berufs­organisation des Handwerkerstandes. Nach der neuesten Statistik giebt cs in Deutschland 23 Millionen selbst­ständiger Handwerker, von denen 321,000 den Innungen angehören, deren Zahl 10,723 beträgt. Die Innungen ver­einigen also nur ein Zehntel aller selbständigen Handwerker, während neun Zehntel der Jnnungsbcwegiuig fern stehen, freilich, wie wohl anznnehmeu ist, nicht in allen Fällen ans prinzipiellen Gründen. Daß die Nicht-JnnungLmitglieder Gegner des sogenannten Zünftlerthnms sind, kann man nicht ohne Weiteres anuehmcn, wenn auch zweifelsohne ein er­heblicher Theil derselben sich nicht der Ansicht anzuschließen vermag, daß die Besserung der Lage des Handwerks nur von einem gewaltsamen Eingriff in die freiheitliche, gewerb­liche und wirthschaftliche Entwickelung zu erwarten ist. Trotz ihrer verhältnißmäßig geringen Mitglicdcrzahl repräsentircu aber die Innungen als Träger der Handwerkerbewegung den regsamen und agitatorisch thätigeren Theil der Hand­werker, der geschlossen nach gemeinsamen Zielen strebt, und somit ist die Bildung der neuen Mittelpartei, durch welche die Jniningshandwerker ihre Interessen kräftiger zur Geltung bringen wollen, nicht ohne Bebrütung für unser politisches Leben.

Die Noihlagc des Handwerk, entstunden durch die über« mäßige-Konkurrenz der Großbetriebe, wird wohl von allen großen politischen Parteien in vollem Maße anerkannt, und jeder einsichtige Politiker ist sich auch bewußt, daß für das Handwerk etwas gethan werden mutz, um die Dämme gegen die revolutionäre Stnrmfluth der Sozialdemokratie zu ver- stürken und Tausende von selbständigen wirthschaftlichcn Individualitäten vor ihrer allmählichen Vernichtung durch Großbetriebe sowohl, als durch das unsolide Schleuderwesen und dergleichen zu bewahren. Für die Regierung wird die Bildung der neuen Partei eine Mahnung fein, ihre Pläne zur Hebung des Handwerks mit Beschleunigung zur Aus­führung zu bringen.

-------ai Lui«.in

Die Festtage in Rom.

Die deutsche Kaiser!» empfing gestern die deutschen Diako­nissen. Da die Kaiserin sich länger, als sie beabsichtigte, auf dem Palatin anfgehallen hatte, mußte die Audienz abgekürzt werden. Die Kaiserin erkundigte sich eingehend nach dem Zustand der deutschen Niederlassung und nach den persönlichen Verhältnissen der deutschen Diakonissen. Der König spendete eine halbe Million zur Grün­dung einer Wohlthätigkcitsanstatt in Rom für Kinder von Arbeitern, die bei der Arbeit veriniglückten. Ter König ließ die Gründer wissen, daß er und seine Gemahlin nicht zu allen Wohl- thätigkeitstverken, die von verschiedenen Städten Italiens in Aus­sicht genommen sind, beitragen könnten, sic hätten daher ihren Beitrag der Stiftung in Rom zngcwcndct. Das Festturnier indes Billa Borghese ist glänzend verlaufen, die Zahl der Zuschauer belief sich auf ca. 20,000. Der bedeutende Reinertrag wird zum Besten des Waisenhauses in Savoja verwendet. Das Kaiserpaar sowie das italienische Königspaar wurde bei ihrem Eintreffen jubelnd be­grüßt. Das Turnier stellte in 4 Gruppen die Geschichte des Hauses Savoyen dar. 450 Personen, darunter der Prinz von Neapel, der Herzog von Aosta und der Graf Turin, wirkten mit. Auf der Rückfahrt znm Qnirinal wurden das Kaiser- und Königspaar von sämmtlichen TnrnieNheilnchmern geleitet. Die Rückkehr zum Qnirinal erfolgte um 7 Uhr Abends. Der Kriegsmiiiister richtete an die Montag in Parade gestandenen Truppen folgenden Tages­befehl:Se. Majestät der deutsche Kaiser und unser erhabener König haben Eure vollkommene militärische Haltung bei der Truppen­revue sowie die Präzision der Bewegungen und die Korrektheit des Vorbeimarsches bewandert. Ich bin stolz darauf. Euch dieses aller­höchste Lob kundzuthun, welches Euch eine sehr große.Geuugthuung und gaitz besondere Freude bereiten muß." Der Kaiser wurde bei dem Besuche der Villa Albani durch den Fürsten und die Fürstin Torlonia begrüßt, welch' Letztere dem Kaiser einen Blumenstrauß darbot. Der Besuch dauerte etwa eine Stunde. Die Fürstin stellte dem Kaiser ihren Sohn vor. Als sodann Wein feruirt wurde, wählte der Kaiser Asti Spumante und trank auf die Gesundheit der Fürstin. Die Fürstin überreichte dem Kaiser eine Publikation über die Trockenlegung des Lago di Ticino und Photographicen der Sammlungen in der Villa Albani. Die Kaiserin besuchte mit dem König und der Königin den Palatin, wo der Unterrichtsminister und deffcn Unterstaatssekretär die Herrschaften empfingen. Der Direktor der Sanimlnngen Beriiabeigab die nothmendigeu Erklärungen. Der Aufent­halt währte etwa 2 Stunden. Der gauzeWeg wurde zu Fuß zurückge­legt. Der Kaiser empfing gestern Vormittag zehn deutsche Herren im deutschen Botschasts - Palais. Er pries die Schönheiten von Tivoli, das er vorgestern besucht hat, und unterhielt sich mitten Herren vorzugsweise über künstlerische Angelegenheiten. Er sprach den Wunsch aus, daß die deutschen Architekten mehr nach Italien gehen möchten, damit zukünstig nicht so versehlte Bauten, wie das neue Reichstagsgebäude in Berlin, aufgesührt würden. (Ob diese Nach­richt des römischen Korrespondenten der »Franks. Ztg.", wenigstens in dieser Form, richtig ist, dürste doch sehr zu bezweifeln sein. D. R.) Er sprach bann vom Donibau und von der Nothwendigkeit der

Deutscher Reichstag.

G Berlin, 25. April.

Der Reichstag hat wieder einmal eine ganze Sitzung auf Herrn Ahlwardt verwendet. Abgeordneter AHIwardt erhielt zunächst das Wort znr Begründung seines Antrags auf Einsetzung einer Kommission zur Prüfung der Frage, ob und inwieweit der Inhalt der von ihm übergebenen Akten die von ihm am 18. und 21. März gegen frühere und jetzige Mitglieder des Reichstags und des Bundesraths erhobenen Anschuldigungen rechtfertigt. Der Redner machte dabei den Versuch, seine am 18. März bestimmt vor­gebrachte Behauptung, daß bei der Gründung des Juvalideufonds geheime Verhandlungen hinter den Conlisseu mit den großen Börseujuden" ftatlgrfuubeu hätten, welche auf die Bemesfung des Juvalideufonds von Einfluß gewesen wären, in Vergessenheit zu bringen. Er wollte nur die Vermut h u u g ausgesprochen haben, daß solche Verhandlungen stattgefunden hätten, und zum Belveise für diese Möglichkeit wollte er darauf hingedeutet haben, daß er aktenmäßig Nachweisen könne, wie in jener Zeit durch ähnliche Vorgänge eine arge Answncherung des deutschen Volkes zu Gunsten des Groß­kapitals und zum Schaden des Reiches erfolgt sei. Zu diesem Zweck behandelte Redner mit großer Breite die Verhältnisse der rumänischen Eiseiibahn-Gesellschaft mit zahllosen persönlichen An­schuldigungen gegen den anwesenden Finanzminister Miquel, und um noch Mitglieder aus dem Hauie mit in die Debatte zn ziehen, ging er noch auf andere Gründungen aus den sicbzigerJahren ein; u. A. erhob er gegen den Abg. v. Bennigsen die, wenn auch etwas uubeftinimte Beschuldigung, daß er bei Gründung der Hannover- Altenbekener Bahn einen' hohen Gründergewinn bezogen Hütte. Der Versuch der Verdunkelung der »rsprünglicheu Beschuldigung betreffs der Verhandlungen über den Juvalideufonds wurde durch de» Staatssekretär v. Maltzahu und denAbg. Richter vereitelt, lvelche beide die anfängliche Behauptung Ahlwardts feststellten. Bezüglich der rumänischen Eifenbahngesellschaft gab Minister Miquel eine eingehende Darstellung, um nachzuweisen, daß es sich bei Gründung derselben keineswegs um die Absicht einer Auswucherung des deutschen Volkes durch die Diskonto-Gesellschaft und das Haus Vlelchröder, sondern lediglich um die Rettung eines sonst sicher ver­lorenen großen deutschen Kapitals gehandelt habe, welche denn auch vollauf gelungen sei. Er stellte die vollkommene Korrektheit der von AHIwardt besonders hervorgehobenen Lombardaulehen ans Reichsgeldern und von der Seehandlüngsgesellschast an die rumänische Eisenbahngesellschaft dar und entkräftete die gegen feine Person ge­richteten Beschuldigungen. Dann charakterisirte er die Glaub­würdigkeit des llebermittlers der Ahlwardtschen Akten, des früheren Boten der genannten Gesellschaft, Meister. Er, Miquel, sagte er in einer späteren Erwiderung, würde einem solchen Menschen, der ihm Akten, welche er feiner Herrschaft gestohlen, angeboteu hätte, einen Fußtritt gegeben haben; wer sich mit einem solchen Menschen ein- lasse, gebe sich selbst einen Fußtritt. Unter lebhaftem Beifall forderte Herr Miqnel Ahlwardt auf, seine Beschuldigungen außerhalb des Schutzes der parlamentarischen Redefreiheit zu wiederholen, dann werde er Herrn Gehlseu von der Reichsglocke bald Nachfolgen. Ebenfalls unter dem allgemeinsten Beifall wies Abg.Beunigsen die wider ihn gerichtete Jnsinnatioii mit der Versicherung zurück, daß er zu keiner Zeit ans seiner Betheiligung bei der Haiinover- Altenbekeiier Bahn irgend welchen eigennützigen Vortheil gezogen habe. Abg. AHIwardt wollte dann wieder eine derartige Beschuldigung nicht erhoben haben, das aber wisse er ganz gewiß, daß die frag­liche Bahn, um an dem Gute des Herrn v. Bennigsen vorüber­zuführen, einen Umweg von einer Meile mache. Diese neue Unter­stellung rief im Hanse lebhafte AnSbräche der Entrüstung hervor. Abg. v. Bennigsen wies in einer Erwiderung nach, wie der allerdings vorhandene llmlucg schon von der ihm doch wahrlich ' nicht zugelhau gewesenen hannöverschen Negierung geplant gewesen und in den spateren Bearbeitungen des Projektes beibehalten sei, weil ein sonst durch den Deister zu bauender großer Tinuiel viel theurer gekommeii sein würde. Abg. Horwitz, der ebenfalls von AHIwardt persönlich angegriffen war, bedachte ihn mit dem Vorwurfe der Unzurechnungsfähigkeit. Ahlwardts Ver- theidigung war matt, verworren und gänzlich belanglos. Die Abgg. Richter, Lieber und v. Manteuffel verwahrten sich unter scharfer Kritik des Ahlwardtschen Verfahrens dagegen, daß die Einsetzung der beantragten Kommission als Präcedeuzfall be­trachtet werde. Nachdem Ahlwardt erklärt, auch den letzten Rest seiner Akten derselben noch vorlegen zu wollen, wurde die Einsetzung her Kommission mit großer Mehrheit beschlossen. Morgen, auf be­sonderen Wunsch des CentrnmS, damit die Bahn für den Jesuiten­antrag frei werde, SchwerinStag, vorher Nachtragsetat.

Prenstischer Landtag.

0 Berlin, 25. April.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Berathnug des Kommunalabgabettgesetzes fort, lieber den Antrag Friedberg zu § 18, welcher gestern wegen Beschlußunfähigkeit nicht völlig zuni Austrag kam (Aufhebung der bestehenden Mieths- und Wohnungsstenerii spätestens am 1. April 1900), wurde heute aber­mals abgestimmt. Der Antrag wurde jetzt mtt 128 Stimmen (Kon­servative, Ceutrum und einzelne Mitglieder anderer Parteien) gegen 124 Stimmen angenommen. § 19 (Steuerfreiheit bestimmter Ge­bäude, wie königliche Schlösser, Gesandtschaftsgebäude, zum öffent­lichen Dienst ober Gebrauch bestimmte Gebäude, Wohlthätigkeits- anftalten) wurde nach längerer Debatte mit einem vorn Ceutrum gestellten Antrag angenommen, wonach unter die befreiten Wohl- thätigkeitsaustalten auch diejenigen gerechnet werden, die Bewahrung vor Schutzlosigkeit oder sittlicher Gefahr bezwecken (Mägdehäuser und dergleichen). Die folgenden Paragraphen wurden nach den Koiumissionsvorschlägen angenommen. Zu § 23 (gemeindliche Ge­werbesteuern) lag ein Antrag v. Erffa auf Freilassung der land-