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Verlag Langgasse 21

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Donnerstag» 31. Dezember 1914.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 698. 62. Iahrgang.

56000 neue russische Ges

Die Zusammenstellung des Haupt­quartiers.

Die bisherige Gesamlbeute in Polen.

Insgesamt in Polen 136000 Nüssen gefangen, ^eber lOO Geschütze und über 300 Maschinen­gewehre erbeutet.

"W. IVB. Berlin, 31. Dez. (Nichtamtlich.) Aus

"em Großen Hauptguartier erfahren wir, daß unsere in Polen kämpfenden Truppen bei der an die Kämpfe bei L o d z und L o w i t s ch anschließenden Verfolgung über 56 000 Gefangene gemacht und b 1 e I c Geschütze und M a s ch in engewehre er­beutet haben. Tie G e s a m t b e « t e unserer am 11. No­vember in Polen einsetzendcn Offensive ist somit "uf 136 800 Gefangene, über 100 Geschütze und über Mi Maschinengewehre gestiegen.

Der Tagesbericht vom 31. Dezember.

französischen Angriffe wieder überall ab- gewiesen. Fortschritte in den Krgonnen, fortdauernde Nampfe östlich Ser Vzura. Fortschritte bei Nawa.

w. T.-B. Großes Hauptquartier, 31. Dez., vormittags. (Amtlich.)

westlicher Uriegsschauplatz.

An der Küste war im a > l g e m e i n c n Ruhe. Der Feind legte sein Artilleriefeuer auf Westcude- B a d, zerstörte einen Teil der Häuser, ahne militärischen Schaden anzurichten.

In der von uns gesprengten Alger-Anbergc- nerme südöstlich R e i m s wurde eine ganze französische Kompagnie vernichtet.

Starke französische Angriffe nördlich des Lagers van "lalous wurden überall abgcwiesen.

Im östlichen Teil der A r g o n n e n gewannen unsere -rruppen unter Fortnahmc mehrerer hinterein- »ün erliegender Gräben und Gefangennahme von über «»0 Franzosen erheblich Boden.

In der Gegend von Flir eh, nördlich'Toni, schzei- k r t en französische Angriffsversuche.

, J"r Ob er elf, in der Gegend westlich Sennheim, achen sämtliche Angriffe der Franzosen in unserem »euer z u s a m m e ». Shstciuatisch schossen sie Haus für ^aus des von uns besetzten Torfes Steinbnch in Trümmer, wfcre Verluste sind aber sehr gering.

Östlicher Uriegsschauplatz.

d. Sa se in Ostpreußen und in Polen nördlich e Weichsel ist unverändert.

An und östlich der B z u r a dauern die Kämpfe fort. In er Gegend Rawa machte unsere Offensive Fortschritte, üs dem O st u f e r der P i l i c a ist die Lage unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Glückauf 19151

, Jahresende pflegen wir sonst rückwärts und vttvärts zu blicken; wir versuchen Sie Bilanz des ver­dienen Jahres zu ziehen und zu ergründen, was uns ^sichiende bringen wird. Diesmal wollen wir rückwärts, sondern nur vorwärts schauen, ?0uen wir unseren Blick von dem K r i e g s j ah r L a .l 4 zu dem Jahre 1915 wenden, das auch ein ^legssahr ist, von dem wir aber hoffen, daß es ein ^redensjahr werde, ein für Deutschland ruhmreiches Fried ensjahr!

> Am 31. Dezember 1813, in ebenfalls schicksals- Vverer Zeit, iandte einst Freiherr vom Stein, der "Ul die Erhebung Alldeutschtands gegen welsche Er­oberungssucht so hochverdiente preußische Staatsmann , ?Us naffauischsm Geblüt, an feine Gattin einen Neu- pchrsglückwunsch, der die verheißungsvollen Worte ent- : ?relt: ,^n wenigen Stunden ist ein Jahr verflossen, ! [ i größten Ereignisse der Weltgeschichte in sich ' Wie; möge das folgende uns das Wiederaufblühen ! /Urs glücklichen Vaterlandes herbeiführen und die Vor- I Atzung so ihr Werk krönen." Alleiir wir wissen, daß ! nicht das folgende, sondern erst das Jahr 1815 den ] ^wriungskrisg zu glücklichem Ende führte, ebenso wie ! zweite deutsche Freiheitskrieg sich nicht auf das

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wurde. Wie durften wir da, einer Welt von Feinden gegenüber, uns in eitler Hoffnung einreden, daß dieser Weltkrieg sich auf das Jahr 1914 beschränken und daß dieses uns iwch den schönen Tag bringen werde,wenn endlich der Soldat ins Leben heimkehrt, in die Mensch­lichkeit, Min frohen Zug die Fahnen sich entfalten und heimwärts schlägt der sanfte Friedensmarsch."

Nein, es ist darüber sollen, darüber dürfen wir uns keinen Täuschungen hingeben ein hartes, ein s ch w e r e s, ein langwieriges Ringe n, das uns Englands ränkevoller Neid, Frankreichs Rache­durst und Rußlands Tücke aufgezwungen haben, das uns einer Siebenzahl, mit Portugal einer Acht zahl von Feinden, das uns Gegnern aus allen Weltteilen gegenübersieht. Haben wir da, wenn wir auf die Ent­wicklung seit den denkwürdigen Augnsttagen zurück- blicken, etwa Grund, zum Kleinmut und nicht vielmehr Anlaß zu freudiger Genugtuung über das, was wir er­reicht, was unser wackeres, unser prächtiges, unser r u h m reiches Hee r und unsere nicht minder von Erfolg gekrönte Flotte geleistet haben. Ist es uns doch gelungen, in Ost und West den Krieg in Feindesland zu tragen und sogar das stolze, das seegewaltige Albion vor unserer Flotte zit­ier n zu machen.

Aber nicht in eitler Ruhmredigkeit, nicht mit ÜberHebung wollen wir ans diese deutschen Waffen­taten zurückülicken, sondern vielmehr stets dessen ein- gedenk sein, daß, wieviel auch schon getan ist, uns doch noch weit mehr zu tun übrig bleibt. Der Schlachtenlenker Moltke hat im Jahre 1871 voraus- gesagt, daß Deutschland in 40 Fahren kämpfen haben werde für das, was es damals errang. Nun, wir hoffen, daß es der E n d k a m p f ist, den wir jetzt führen um unsere Freiheit und E i n h e i t. Und vielleicht hat heute erneute Geltung das Wort, welches der andere der beiden Paladine Kaiser Wilhelms des Siegreichen, der Altreichskanzler Fürst Bismarck, im Mai 1892 sprach:Unsere Einheit bedurfte auch,

glaube ich, dieser Bluttaufe, um alle Verdrießlich­keiten vergessen zu lassen und nur das'eine klar vor,uns zu halten, daß wir nach Schillers Wort ein Volkston Brüdern sind, einig in Not und Gefah r."

Und daß wir es jetzt sind mehr denn je seit vier Jahrzehnten, das ist uns die Bürgschaft des Sieges, dennnoch nie ist Deutschland geschlagen worden, wenn cs einig war". Wir wissen, daß wir siegen werden, weil wir siegen müssen, denn das .Herz Europas würde zu schlagen aushören, wenn je die deutsche Kraft und Sittlichkeit dem britischen Krämergeist, der welschen ÜberHebung und der moskowitischen Barbarei erliegen würden. Und deshalb, weil wir tief von der Über­zeugung durchdrungen sind, daß der uns aufgezwungene .Kampf um unsere deutsche Heimat, um unsere deut­sche Sprache, unseren deutschen Glauben und unsere deutsche Kultur zugleich ein Kampf ist um die heiligsten Güter der Menschheit, deshalb blicken wir mit Mut und Hoffnung, den besten Ge­fährten gefestigter Kraft und ehrlichen Wollcns, in das neue Jahr, mit jenem felsenfesten Vertrauen, das vor einem Jahrhundert, in ernster, schwerer Zeit wie heute, der Freiheitssänger E r n st Moritz A r n d t in seinem LiedeDeutscher Trost" in den Denkspruch kleidete, den wir uns in unser Herz schreiben sollen: Deutsche Freiheit, deutscher Gott,

Deutscher Glaube ohne Spott,

Deutsches Herz und deutscher Stahl Sind vier Helden allzumal!

Me Kriegslage beim Zahrerwechjel.

Von General d. Inf. z. D. v. Blume.

Anfangs September 1914, also vier Wochen nach Beginn des Krieges, waren wir im Westen bereits Herren des größten Teiles von Belgien und trie­ben das in mehreren Schlachten nach tapferer Gegen­wehr besiegte französische Heer in dessen eigenem Lande bis in die Nähe von Paris vor uns her. Und von zwei in Ostpreußen eingedrungenen russischen Armeen war die eine bei Tanncnberg nahezu vernichtet, während die andere, gleichfalls unter schweren Ver­lusten geschlagen, sich auf der Flucht über die Grenze befand.

Wenn der weitere Verlauf des Krieges diesem An­fang entsprochen hätte, würden wir uns wohl gegen­wärtig bereits siegreich errungenen Friedens erfreuen. Und hätten wir uns durch die unsere kühnsten Hoff­

nungen übertroffenden ersten Erfolge verblenden lassen, so wurden wlr heute vielleicht zaglmst in die Zukunft blicken. Der Siegeslauf hat Hemmungen er­fahren, die Hoffnungen auf nahen Frieden sind uner­füllt geblieben. Klagen wir nicht darüber, zu lc icht erzielter Erfolg gereicht Völkern wie einzelnen Men- schen oft nicht zum Se g c n. Aber vor der Gefahr, durch Verlangsamung des Erfolges entmutigt zu wer­den, hat uns' der k e r n g e s um de Geist der Nation bewahrt. Frei von Neigung zu Schwarzsöherei, der Ge­rechtigkeit ihrer Sache gewiß, voll Vertrauen auf Gott wie auf die eigene Kraft, hat sich die deutsche Nation die Unbefangenheit des Urteils bewahrt, die zu der Überzeugung führen muß, daß auch die gegenwärtige Kriegslage trotz des langsamen und wechselvolleren Ver­laufs der Ereignisse uns zu voller Zuversicht auf den siegreichen Ausgang des Krieges berechtigt, so- fern wir nur uns selbst treu bleiben.

Im Weste n hat sich das äußere Bild der Kriegs­lage seit dem Sommer- kaum verändert. Wir haben uns dort in den Besitz von Belgien mit Ausnahme weniger Quadratkilometer sowie von einem b c - tr sichtlichen, sehr wertvollen Gebietsteile Frankreichs gesetzt und behaupten uns in ihn, mit Hilfe einer mehr als 300 Kilometer langen, befestigten Verteidigungslinie. Seit 3% Monaten bemühen sich Frankreich und England vergeblich, uns aus die- sein Besitz zu verdrängen. Sie haben für diesen Zweck nicht nur ihre eigenen nationalen Kräfte bis aufs äußerste angespannt und eingesetzt, sondern auch den Rest des belgischen Heeres in ihren Dienst genommen und Hi Iss Völker vom ganzen Erdball zu­sammengetrommelt. Arm in Arni mit mehr oder weniger wilden, schwarzen, braunen und gelben Söld­lingen laufen sie Sturm gegen denbarbarischen deut­schen Militarismus", dessen Wesen in Wahrheit darin besteht, daß die ganze Nation, arm und reich, hoch und niedrig, in brüderlichem Ber e i n jederzeit be­reit ist, ihr A lies einzusetzen für ihre Ideale. Wenn jene trotzdem immer wiederholen, sie bekämpfen uns irrt Interesse der Zivilisation, so mag ihnen dies ja als feine Kriegslist erlaubt erscheinen. Daß es aber un­beteiligte Kulturvölker gibt, die sich mit einem solchen Köder fangen lassen, ist für uns deutsche Barbaren schier unfaßbar.

Doch ändert dies alles nichts an der nunmehr zur Genüge erwiesenen Tatsache, daß Frankreich und Engl a n d samt ihren K o l o n i a l l ä n d c r n und Belgien, trotz der weit überlegeneren Zahl ihrer Bevölkerungen, trotz ihres materiellen Reichtums und obgleich wir uns gleichzeitig Rußlands zu erwehren haben, mit Waffengewalt nichts gegen uns -vermögen. Darüber helfen ihnen auch phrasenhafte Ergüsse wie der, den die Repräsentanten der französi­schen Nation soeben bei ihrer Zusammenkunft über sich ergehen lassen mußten, nicht . hinweg. Sie sind im Gegenteil nur begreiflich als letzte Versuche einer Re- gierung, die den Boden unter ihren Füßen schwanken fühlt, den Z u s a in m e n b r u ch aufzuhaltsn. Dem­selben Zweck sollte wohl die zu gleicher Zeit von dem Oberbefehlshaber der Heeresncacht unserer verbündeten Gegner erfolgte, vermutlich ihm aufgenötigte Verkün­dung eines bevorstehenden großen Sieges' dienen. Wie aber nun, da nicht nur der Sieg, sondern selbst der ernste Versuch, ihn zu erringen, ausgeblieben ist?

Und getäuscht ist auch die Hoffnung auf die r u s s i- sche Dampfwalze, die uns zermalmen und da­durch den Bedrängten im Westen Befreiung aus ihrer peinlichen Lage bringen sollte, gering sicherlich das Vertrauen der mit gesundem militärischen Instinkt be­gabten französischen Nation auf die verheißende Hilfe eines englischen Millionenheeres. Was haben wohl- organisierte ^ und wohlgeschulte Heere selbst nach J a hr e s f r i st von Heerhaufen zu hoffen oder zu fürchten, die aus Millionen arnier, ans Not den Wer­bern ins Garn gehender Teufel o h n e sachkun d i g e Lehrer und F ü h rer zusammengewürfelt werden?

Genug, .was die Kriegslage im Westen betrifft, so können chir sie nach wie vor mit ruhiger Zu- v e r sicht betrachten, zumal unsere braven Truppen dort mit u n g c s ch w ä ch t e r K r a f t, f r o h c m Mut und vollem Vertraue n zu ihren Führern des Aufrufes zu weiteren Taten harren und uns reichere Mittel als unseren Gegnern zu fo rt gesetzter Ver­stärk u n g der Streitmacht des Landes Mr Verfügung stehen. v (Schluß folgt.)