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Abend-Ausgabe

WitsbÄener TsgM

A«zcigcn-Preis:

Verlag: Langgasse 27.

Abonnenten

1893

Mittwoch) den 22. Mar;

Ko. 138.

rb.

wollen, als bisher.

friedigenden Familienlebens in den arbeitenden Klassen ge­legen sind. Während nach dieser Richtung hin derDeutsche Verein" als ein auf rein humaner Grundlage ruhender Volkswohlfahrtverein erscheint, liegt vielleicht die bedeutungs­vollste Seite seiner Wirksamkeit in dem Streben, für die Bevölkerung überhaupt und für die Behörden und die Ge­setzgebung insbesondere eine Autorität auf dem Gebiete der Trunksuchtsfrage zu werden. Ist er doch dazu schon durch den llmstand besonders befähigt, daß in ihm in der Haupt­sache Vertreter der gebildeten Stände sich znsnmmengefunden haben. Ein großer Theil seiner Vorstandsmitglieder besteht aus höheren Vmvaltungsbcamtcn, aus Aerzten und Geist­lichen. Nachdcni er sich bereits 1884 durch Aussendung zweierSchänken-Kommissionen" mit dem Stande der Trunksuchtsgesetzgebung in den Niederlanden und in Schweden und Norwegen bekannt gemacht, ist es in _ den folgenden Jahren sein Hauptziel gewesen, dnrch rastlose Agitation für eilt deutsches Trunksuchtsgesetz Stimmung zu machen und wissenschaftliche und praktische Vorarbeiten dazu zu liefern. Die Forderung einer höheren Besteuerung des Brannt­weins, die früher im Vordergründe seiner Forderungen gestanden, scheidet nach dem BrannUbeingesetz von 1887 ans ihnen aus, um anderen Platz zu machen. Die Beschränkung der Schänken und des Spirituoseuverkaufs, besonders Erklärung der Abhängigkeit der Konzessions- ertheilnng von der Bedürfnißfrage, Bestrafung der öffent­liches Aergerniß erregenden Trunkenheit, Entmündigung notorischer Trunkenbolde resp. Unterbringung derselben in. Trinkerheilanstalten, das waren die Ziele, die derDeutsche Verein" sich für eine Reichsgesetzgebung gesetzt hatte. Der Reichsgesetzenttvurf wider die Trunksucht" von 1891 ist in der Hauptsache seiner Agitation beim Bnndesrath und Reichstag zu danken. DerDeutsche Verein" konnte in ihm int All­gemeinen eine geeignete Grundlage für das von ihm er­strebte Gesetz erblicken. Daß aber dadurch die Mäßigkeiks- säche überhaupt Gegenstand der öffentlichen Diskussion ge­worden ist, war ganz besonders in seinem Sinne. Hatte er doch schon immer das Interesse an ihr besonders in Jnristenkreisen, bei Aerzten und Lehrern geweckt und erhalten. Von großer Wichtigkeit ist auch der Anstoß, der vom Reichs- versicherungsamt an die Berufsgenossenschaftcn zum Zwecke der Beachtung desDeutschen Vereins" ausgegangen ist. Ebenso hat sich z. B. die Reichspostverwaltiing und das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten seinen Zwecken entschieden günstig gegcnübergcstcllt. Bei den Be- rathungen über die Erhöhung der Braustencr hat neuerdings der Vorschlag desDeutschen Vereins", die leichten Biere ganz steuerfrei zu machen oder wenigstens viel niedriger zu besteuern als die schwere n Biere, weite Beachtung gefunden.

DerDeutsche Verein" würde für Deutschland die aller­geeignetste Stelle sein, um für eine gründliche wissenschaft­liche Erforschung aller auf den Alkoholismus bezüglichen Fragen Material, Anregung und Kräfte zu liefern. Die von einem seiner rührigsten Mitglieder, dem kürzlich ver­storbenen srüheren Vereinsgeschäftsführer A. Lammers, be­gründetenwissenschaftlichen Abhandlungen" sind leider bereits 1887 mit Heft 7 eingegangen. Die monatlich er­scheinendenMitthcilungeu", die für weitere Kreise bestimmt sind, unterrichten ausführlich über den Gang der Mäßig- keitssache in den betheiligten Ländern. Der Nachfolger von Lammers, Dr. W. Bode, scheint übrigens wieder die wissen­schaftliche Seite der Vereinsthätigkeit stärker betonen zu

«1- Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werde«.

Deutscher Reichstag.

G Kerliu, 21. Marz.

Die dritte Berathnng des Etats im Reichstag führte heute beim Militäretat zu einer neuen breiten Debatte über die Militärjnstiz. Der Kriegsminister machte sehr eingehende Mit­theilungen über einen neulich vom Abg. Richter vorgelragenen Fall, in welchem ein Soldat infolge von Mißhandlungen gestorben sein sollte. Sodann gab er eine genaue Darstellung des vom Abg. Bebel vorgebrachten Falles des Lieutenants v. Salisch, der an einem Handlungskommis Weimann, wie Bebel gesagt hatte, einen Meuchel­mord begangen haben sollte. Nach den vom Kriegsminister mit- gethcilte» Ergebnissen der gerichtlichen Untersuchung ist v. Salisch der Angegriffene gewesen und hat in diesem Zustand dem Weimann von vorn einen Stich in die Lende bcigebracht, an dessen Folgen derselbe wegen Mangels gehöriger ärztlicher Hülse alsbald gestorben ist. Der KricgSniinister nannte unter diesen Umständen die Bebelsche Beschuldigung des Meuchelmordes eine Verläumdung, welchen Ausdruck, gegen ein Mitglied des Hauses angewandt, Präsident v. Levetzow als unzulässig bezeichnete. Abg. Bebel macht noch den Versuch einer Anzweiflung, gab jedoch nachher den Fall Salisch preis. Dagegen ließ er sich zu Aeußerungen über den Werth der Zengenanssagen von Offizieren und über die angeblich sichere Aussicht der Offiziere auf baldige Begnadigung hinreißen, welche aus dem Hause die Abgg. v. Manteuffel (kons.) und v. Liebermann (Antisemit), Seitens der Regierung den Geueralanditeur Ittenbach zu scharfer Zurückweisung veranlaßten. Die von Seiten der Regierungsver­treter ausgestellte Ansicht, daß eine parlamentarische Kritik der Aus­übung des allerhöchsten Begnadigungsrechts unzulässig sei, wurde I von den freisinnigen Abgg. Richter und v. Bar bestritten.

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Geueralanditeur Ittenbach machte darauf aufnierksam, daß zum mindesten das Begnadigungsrecht des Königs von Preußen im Reichstag nicht kritisirt werden könne. Derselbe Redner wollte nicht bestreiten, daß die preußische Militärprozeßordnung Mängel habe, aber die nuantastdarc Gerechtigkeit der preußischen Mllitär- justiz nahm er in längerer Ausführung namentlich gegen die von dem Abg. Kauert neulich ausgesprochenen Beschuldigungen in Schutz. Darüber kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem genannten Abgeordneten und dem Generalaudtteur sowie dem Gencrallieutenant v. Spitz. Nachdem diese Debatte mit einigen sehr heftigen persönlichen Bemerkungen zwischen den Abgg. Äenzer und Liebknecht endlich zum Abschluß gekommen war, wurde der Militäretat mit einer kleinen Erhöhung eines einzelnen Titels glatt erledigt. Zum Marineetat ermahnte Abg. v. Henk (kons.) von Neuem, die nolhwendigen Bewilligungen nicht erst zu machen, wenn es zu spät sei. Da er inoeß keine Anträge stellte, so wurde der ganze Marineetat ohne Debatte nach den Beschlüssen der zweiten Lesnng genehmigt. Beim Etat des Reichsjustizamts richteten die sozialdemokratischen Abgg. Stadthagen und Schultze Angriffe gegen die preußische Justizverwaltung, wofür der Erstere zur Ordnung gerufen wurde. Beim Rcichstnvalidenfondsbrachte Abg. Richter die amSonn- abcnd vom Abg. Ahlwardt ausgesprochene Behauptung zur Sprache, daß seinerzeit bei Gründung dieses Fonds hinter den Coulissen von der Negierung Verhandlungen mit den großen Börsenjuden gegen das Interesse des Reichs gepflogen seien. Staatssekretär v. Maltzahu wies diese Unterstellung mit Entschiedenheit zurück und tviederholte, als sie vou Ahlwardt aufrecht erhalten wurde, daß sie lediglich eine Unwahrheit sei. Abg. Ahlwardt bringt durch seine, von der Linke» durch lautes Gelächter oft unterbrochene Rede einen sensationellen Zwischenfall. Er sucht nachzuweisen, daß wir s. Z. dnrch Schaffung eines großen Jnvalideiifonds in der Lage gewesen wären, für den Fall eines späteren Krieges uns von dem jüdischen Kapital nicht abhängig machen zu müssen. Wenn von den Juden eine Geldsperre veranlaßt würde, wäre ein Krieg nicht möglich. Von Wie» aus ist das ja schon angedroht, wenn man nicht Gesetze schaffe» wolle, die den Antisemite» das Handwerk legen, dann bekämen wirnicht das uöthigeGeld oder nur zn Bedingungen, welche de» künftigen Volkswohlstand erschwerte». Aus dieser Gefahr wären wir mit jenem Kapital herattsgekommen.' Man hat de» Jnvalidensonds nicht »ach dem gesunden Menschenverstand ein­gerichtet; denn, wenn nicht irgend welche politische oder finanzielle Gründe, die nicht ausgesprochen wurden,vorhanden gewesen wären,dann hätte kein vernünftiger Mensch auf die Idee kommen können, den Fonds um etwas niedriger zu dotiren, damit er sich selbst aufzehrt. Die Regierung erklärt auch, daß sie von den Abmachungen nichts wußte. ' Das Ist allerdings wohl selbstverständlich, daß alle Ab­machungen hinter den Conlissen und nicht offiziell stnttfiuden. Sie thu» nicht gut daran, daß sie mich veranlassen, aktenmäßig solche Abmachungen nachzuweisen. Ich habe 11 Aktenstücke mit Unterschriften von einigen Herren, die hier sitzen, und auch mit Unterschriften eines Herrn, der in der Negierung jetzt eilte hohe Stellung einnimmt, die beweisen, daß Verhandlungen der schlimnisten Art stattgefuuden haben. (Große Unruhe. Rufe: Namen nennen! Glocke des Präsidenten.) I» diesem Augenblicke, wo wir kurz vor Schluß des Reichstags stehen (Rufe links: Odo!), sie vorzulegeu, ist nicht angebracht; denn ich will nicht eine Debatte von mehreren Tagen anregen. Ein Aktenstück ist auch von dem jetzigen Finanzminister uiiterzeichnet lind spielt eine Rolle dabei. Gleich »ach den, Wiedcrzusammentritt »ach Oster» werde ich die Aktenstücke hier vorlegen, und ich werde zeigen, daß unser Volk, das sich quält und arbeitet von früh bis. spät, durch Herren, die diesen Herren nahe stehen, um Hunderte von Millionen betrogen ist. (Abg. Widert: Ist der Mann gesund? der ist doch nicht gesund!) Ich sagte vorhin: Rechter, linker Hand alles vertauscht. Wenn cs sich darum handelt, die Inden in ihrer Thätigkeit zu schützen, dann giebt es auf allen Seiten des Hauses Freunde des Judcn- thums. Tas sind alles Leute, die ihr eigenes Volk verrathen in der Hoffnung, etwas von der Beute abzttbekomme». (Lachen, große Unruhe, Glocke des Präsidenten. Ruf: Unverschämt!) Staatssekretär v. Maltzahu: Der Abg. Ahlwardt hat sich nicht entblödet, den schwere» Vorwurf gegen den Fürsten Bismarck und die Übrigen Mitglieder der verbündeten Regierungen aus dem Jahre 1891 sowie gegen die Abgeordneten des damalige» Reichs­tags, die sich damals an dem Zustandekommen des Gesetzes be= theiligt haben, zu erheben, daß sie ihr Land durch Verhaud- lungen hinter den Coulissen um Geldinteressen verrathen hätten, obwohl er nicht einmal den Versuch gemacht hat, diese Behauptung irgendwie zn begründen. Es bleibt mir in diesem Augenblicke nichts weiter übrig, als von hier aus zu erklären, daß das, was der Abg. Ahlwardt behauptet hat, der Wahrheit direkt wider­spricht. Präsident v. Levetzow: Ich habe zu erklären, daß ich einen direkten Vorwurf gegen den Fürsten B smarck und gegen Mitglieder des Hauses, daß sie ihr Land verrathen hatten durch Verhandlungen hinter den Conlissen, nicht gehört habe. Abg. A h Iwa rdt: Nach der Erklärung des Präsidenten habe ich nur wenig zu sagen. Es würden wieder Sache» plötzlich dnrch- einandergeworfen, die durchaus auseinauder zu halten sind. Als ich von dem Verrath des deutschen Volkes sprach, sprach ich nicht mehr von der Regierung oder Attgehörigen der Regierung, sondern vou Angehörigen des deutsä-ett Volkes schlechthin, die zn dem fremden eingewanderten Volk stehen und ihr eigenes Volk an dieses fremde Volk verrathen. Ich sagte, sie thnn dies deshalb, um von der großen Bente etwas abzubekommen. Wie dies plötzlich aus den Fürsten Bismarck oder auf andere Namen bezogen werden kann, ist mir unverständlich. Abg. Richter: Es handelt sich jetzt darum, ob es wahr ist, was Herr Ahlwardt am 18. März behauptet hat: .Natürlich nach Verhandlungen hinter dei'.-Coulissen mit den großen Börsenjuden, die nicht dulden wollen, daß die Regierungen große Kapitalien in die Hände bekämen." Es handelt sich um einen An­griff ans die damalige Regierung. Herr Ahlwardk hat sich schließlich zu der Behauptung erhoben, er habe 11 Aktenstücke, darunter einige unterzeichnet von dem Finanzminister, welche bezeugen, daß Ver- haudlungeii der schlimmsten Art vorgekommen find. Wir wollen ihn zwingen, diese Behauptungen zu beweisen; sonst stehen seine Angriffe auf die Finanzverwaltung genau so da, wie diejenigen auf die Militarver- waltuiig. (Zustimmung auf allen Seiten des Hauses.) Abg. A h l w a r d t: Ich habe nicht von der Finanzverwaltung ge­sprochen. Die Originalakteustücke lucrbe ich gleich nach Wieder­eröffnung der Sitzungen auf den Tisch des Hauses niederlege».

Der Deutsche Uerem Kege« de« Mißbrauch geistiger Getränke.

Wenn man int Kampfe gegen die Trunksucht bei dem einzelnen Trinker ansetzt, wie es Gnttempler und Blaues Kreuz thnn, so hat man von vornherein ein klar begrenztes Gebiet vor sich, man hat den großen Vorthcil, direkte Wirkungen auf persönliche Lebensgestaltung ausüben zu können,' Witknngcn, die man übersehen, im Einzelnen ver- tiefen kann. Die Kraft und die Lust zum Helfen wird allemal gesteigert, wenn wir den konkreten Menschen vor uns haben mit seinem Leiden. Auch die zeitlveilige Erfolg- : losigkeit des Wirkens wird ihres lähmenden Einflusses be­raubt dnrch die unbeschreibliche Zuversicht und Freudigkeit, die auch schon ein einziger Erfolg verleiht, den man am i einzelnen Menschen hcranreifen sehen konnte. Aber diese f individualisirende Thätigkeit des Helfens findet hier wie ? anderswo eine natürliche Schranke in der Thatsachc, daß gerade der Leidende in vielen Fällen nur dasProdukt der Verhältnisse" ist, daß er eigentlich an den Verhältnissen krankt, die er doch gar nicht geschaffen hat. Die Einsicht in diese Thatsache, die die Gesellschaftswissenschaft ans allen Gebieten festgestellt hat, hat in der Müßigkeitsbewegnng Deutschlands 1883 zur Gründung desDeutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" geführt. Das Programm, welches hier aufgestellt wurde, läßt die Größe und Vielgestaltigkeit der Aufgaben erkennen, die an die freiwillige Thätigkeit der Gesellschaft im Kampfe gegen eines ihrer größten Nebel herantreten.

DerDeutsche Verein" führt nun diesen Kampf zum großen Theile dnrch thunlichste Beseitigung der in äußeren Verhältnissen liegenden Veranlassungen zum Trünke. Er über­läßt den Trinkerrettungsvereinen die Einwirkung auf die Lebensführung des Trinkers. Er hat es in der Hauptsache mit der Ausgestaltung der vorbeugenden Maßregeln im weitesten Sinne zu thun und bereitet diese vor, indem er in erster Linie an die Vernunft und das Eewissen des Volkes appellirt. Der Hanptzug, der sich durch alle Arbeiten desDeutschen Vereins" hindnrchzieht, ist sein Bestreben, vorhandene Kräfte des öffentlichen und genossenschaftlichen Lebens, die alle ihre speziellen Ziele bereits haben, an dem Punkte zusammenzu- fassen, wo sie gerade in seinem Kampfe gegen die Trunk­sucht verwendbar sind. Ein solcher Punkt ist bei fast Allen irgendwo gegeben, und es bedurfte nur der erweckenden, or- ganifircnden Thätigkeit desDeutschen Vereins", um ihn den Betheiligten selbst zum Bewußtsein zu bringen. Dieser leicht und frei zugreifende Opportunismus desselben hat zur Voraussetzung das Fehlen eines definitiven Standpunktes in L der Benrtheilung religiöser, politischer und sozialer Verhält­nisse im Allgemeinen. Einzig nach ihrer Verwendbarkeit für den Kampf gegen die Trunksucht kommen diese Letzteren für ihn in Betracht. Unter den Kämpfern auf dem Kampf­platz ist derDeutsche Verein" wohl derjenige, der die be- * weglichsten Waffen führt; er ist der unermüdliche Plänkler, der den Feind von allen Seiten nmschwärmt und ihn an Stellen aufsucht, wo er für die schwere Waffe nicht zu fassen wäre. Diese Eigenart desDeutschen Vereins" läßt einen guten Theil seiner Erfolge nur für den Kundigen hervorireten. Viele der Anregungen, die seine gleichsam hinter den Coulissen wirkende Initiative verwandten Wohl- , fahrtseinrichtungen gegeben hat, sind von diesen verarbeitet r" worden, ohne daß der eigentliche Urheber sichtbar wäre. In dem Bestreben, die am meisten gefährdeten Volksklassen vom Wirthshansleben fernzuhalten, hat sich derDeutsche Verein" in seinen mit der Durchführung lokaler Aufgaben betrauten i Bezirksvereinen an der Errichtung von Kaffeeschänken nach ; Hamburger Muster theilweise mit großem Erfolg betheiligt.

Er hat aber den Plan, für das Wirthshansleben der - ärmeren Klassen einen wirklichen Ersatz zu bieten, allmählich zu einem Versuche einer Reform der Geselligkeit überhaupt I erweitert, indem er nach dem Vorgänge des Dresdener Be- | zirksvereins bereits im Jahre 1887 die Anregung zur Ver- | anstaltung von Volksuuterhaltungsabenden gegeben hat, die I sich einer überraschend starken Theiluahme in allen Kreisen i I erfreuen.

Als Ergänzung dieser auf eine Volkserziehung im All- i gemeinen gerichteten Bestrebungen sind die Versuche zu be- k trachten, die, meist auf Anregung des .Deutschen Vereins" [ und von ihm mit Geldmitteln unterstützt, in der Ertheilung E; hauswirthschaftlichen Unterrichts an Mädchen der arbeitenden 'M Klaffe gemacht werden. Die Einführung dieses Unterrichts I in die ersten Klassen der Volksschule hat z. B. in Kassel | bet dortige Bezirksverein 1889 mit gutem Erfolg durchge- M setzt. Seit 1888 hat sich derDeutsche Verein" im Zu- t sammenhange mit diesen Bestrebungen bemüht, die Frauen 5 zur Förderung von Unternehmungen heranzuzieheu, die Wpereint zur Beseitigung der Ursachen der Trunksucht führen können, soweit sie in der mangelhaften Pflege eines be­