Abend-Ausgabe,
I
k M
41. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgabe». — BezugS-PrciS: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit be- gouncil werde».
Verlag: Langgasse 27.
t2,GOO Abormenleu.
Slnzeigen-Preisr
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Pfg. — Rrclame» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Psg,
Uy. 84.
Samstag, den 18. Fedruar
1893.
Politische Tages -Knndfcha«.
— Die Angelegenheit Crispi-Giolitti, über die wir gestern berichteten, hält in Italien die Geuiiither aller Politiker in Aufregung. Das von „Fanfulla" veröffentlichte Interview bildet den ausschließlichen Gesprächsstoff in allen Kreisen, die den Widerspruch gelöst zu sehen wünschen zwischen der Behauptung Giolittis, daß er den Bericht Alvisis nicht gekannt habe, und der dieser entgegengesetzten Behauptnng Crispis. Es sind bereits vier Interpellationen hierüber cingebracht, die heute zu Beginn der Sitzung besprochen werden sollten. Crispi war schon gestern zur Stelle, um eventuell an der Diskussion theilzuuehmen. Inzwischen mußte Giolitti gestern im Senat bei der Beantwortung einer Interpellation Pierantonis auf diesen Punkt eingehen. Er vermied jedoch eine direkte Erklärung, suchte vielmehr jede Beranttvortlichkeit von sich abzuwälzen mit dem Hinweis, daß die Bankinspcktionen vom Jahre 1890 zum Ressort Micelis gehörten. Die Diskussion wurde heute fortgesetzt. Allgemein wird die Situation als sehr gespannt und einer schnellen Lösung bedürftig betrachtet.
— Das englische Unterhaus nahm nach viertägiger Debatte in erster Lesung die Homerule-Bill ohne Abstimmung a n. Goschen erklärte, die Unionisten bekämpften die Vorlage, weil sie glaubten, daß die Integrität des Reiches auf dem Spiele stehe. Die Ehre verbiete es den Unionisten, der Bill zuzustimmen. Man könne die Loyalisten Ulsters nicht opfern. John Morley verkündigte die Vorlage. Sie basire auf der Errichtung eines freien Parlaments, denn das beste Mittel, die priesterliche Usurpation in Irland und anderwärts zu vereiteln, sei, ihr eine starke repräsentative politische Autorität entgegen- zustellcn.
— Der Botschaft des noch gegenwärtigen Präsidenten der Union Harrison über die Annexion Hawaiis haben wir bereits Erwähnung gethan. Daß andere Staaten mit der einfachen „Genehmigung" des Jnselreichs durch den Bruder Jonathan nicht gänzlich einverstanden sind und bei der etwaigen Einverleibung zum Mindesten ärgerlich brummen werden, ist selbstverständlich. Das Vorgehen Harrisons in dieser Sache beruht auf dem Wunsche des demnächst verflossenen Präsidenten, seinen Namen als den eines „Mehrers des Reiches" in der amerikanischen Geschichte glänzen zn sehen, weiter hat die Sache keinen Zweck. Daß man wie in England, so auch in Deutschland der Angelegenheit Ank»
Zur Nothlage der Kandnmthschast.
Wir leben in einer Zeit wirthschaftlicher Jntercssen- käuipfe, die lebhafter als je geführt werden. Von den großen Berufs- und Produktionsständen macht einer nach dem anderen seine Forderungen und Wunsche geltend — auf der einen Seite sehen wir die Arbeiterklassen und das Handwerk mit dem Mittelstand, auf der anderen die Industrie und die Landwirthschaft —, Alles ruft nach der Hülfe und Unterstütznng der Regierung und des Staates. Natürlich haben die verschiedenen wirthschaftlichen Parteien auch ganz verschiedene Interessen, die einen Ausgleich nur selten zulassen, sondern sich in den meisten Fällen gegenüberstehen; was dem Einen gegeben werden soll, muß dem Anderen genommen werden. Da ist es für die Regierung denn keine leichte Aufgabe, allen Forderungen und Wünschen gerecht zn werden, ohne dabei die wirthschaftlichen Gesammtinteressen aus dem Auge zu lassen.
In letzter Zeil sind wieder die alten Klagen über die Nothlage der Landwirthschaft hörbar geworden und zwar diesmal lauter als sonst. Auf Versammlungen und durch Flugschriften wird verkündet, daß der Klein-' wie der Großgrundbesitz gänzlich darniederliegt — der Ertrag der land- wirthschafllichcn Produktion wird immer geringer, und die Verschuldung des Grundbesitzes nimmt immer mehr zn. Dagegen fordern die „Agrarier" schleunige Abhülse. Nachdem die Regierung sich in den letzten Jahren der Arbeiterklassen und der Industrie angenommen, meinen sie, daß die Reihe jetzt an ihnen ist. Die aller Orten rührige Agitation der Landwirthe hat hauptsächlich zum Zweck, eine Partei-Organisation zu schasseil, die namentlich bei den Wahlen zum Parlamente in Wirksamkeit treten soll, damit dieLandwirth- schafr im Reichstag nnd im Landtag eine stärkere, zielbe- wnßte Vertretung erlangt. Man ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß es nöthig ist, entschiedcirer aufzutreten und mit mehr Nachdruck zu fordern; man will nicht länger warten und droht der Regierung eventuell mit Opposition.
. Diese Stimmung in den Kreisen der Landwirthe kam bei den letzten agrarischen Debatten im Reichstag und im Landtag zum Ausdruck. Aus den Reihen der Konservativen, in denen der Grundbesitz naturgemäß seine hauptsächlichste Vertretung hat, wurden lebhafte Anklagen gegen die Regierung erhoben, und zur Beseitigung der Nothlage der Landwirthschaft wurde eine Aenderung der Wirthschastspolitik nach verschiedener Richtung verlangt. Vor Allem ist man gegen die gegenwärtige Handelspolitik nnd gegen den allem Anschein nach bevorstehenden deutsch-russischen Handelsvertrag, weil man von ihm fürchtet, daß er die land- oirthschaftlichen Interessen gegen die industriellen ausspielt. Außerdem wünscht man eine Erhöhung der Getreidezölle und die Beseitigung des Arbeitermangels auf dem Lande durch Aenderung des Nntcrstützuugswohnsitzes und Beschränkung der Freizügigkeit. Auch auf die Währungsfrage möchte man »urückgreifen. Während im Landtag der Ministerpräsident Graf Eulenburg in der agrarischen Debatte eine refertiirte Haltung einnahm, ging im Reichstag der Reichskanzler Graf Caprivi näher auf die Ausführungen der konservativen nedner ein. Er erkannte die mißliche Lage der Landwirthschaft an, betonte auch die Nothwendigkeit der Abhülfe, konnte sich aber mit den Forderungen der Agrarier nicht einverstanden erklären. Die Kornzölle seien schon hoch genug, lle könnten nicht noch weiter erhöht werden, denn sonst würde die Last, die sie für das ganze Volk bilden, zn schwer werden. Was den Arbeitermangel ans -dem Lande und besonders int Osten anbelangt, so war der Reichskanzler der Meinung, daß Mr mit kleinen Mitteln nicht geholfen werden könne. Es dollziehe sich einfach ein Naturgesetz, wenn der ländliche Ar- deiter nach der Stadt ziehe, wo ihm besserer Verdienst in Aussicht stehe. Außer dem Reichskanzler wurde die Regierung in der Debatte noch durch den Staatssekretär v. Marschall drrtrcten, welcher die Handelspolitik vertheidigte, die sorgsam uile wirthschaftlichen Interessen gegeneinander abwüge. Die Diskussion über den russischen Handelsvertrag erschien übrigens Usrfrüht, da über den Inhalt derselben noch nicht das Geringste bekannt ist und sein Zustandekommen durchaus noch W feststeht.
Daß die Landwirthschaft Noth leidet, kann Angesichts der ^Nehmenden Subhastationen und der fortschreitenden Bcr- Wtldung der landwirthschaftlichen Güter nicht geleugnet Arden. Ebenso wird die Nothwendigkeit eines größeren Schutzes für die Landwirthschaft anerkannt. Es kommt jetzt Darauf an, die richtigen Mittel hierfür zu finden, nnd Msentlich werden sie bald gefunden. Jedenfalls ist das -sschloffene Zusammengehen der Landwirthschaft zur Durchsetzung einer nothwendigen Abhülfe eine außerordent- W wichtige Erscheinung für das parlamentarische Leben, weniger wichtig, wie das lawinenartige Anwachsen des §>lisemitism»s. Beide Bewegungen haben vielfache, gemein- I Wstliche Berührungspunkte, beide vielfach auch verwandte '
sie? Der russische Vertrag war nicht das Ziel der Debatte. Ein tiefe Bewegung geht durch das Land, und ich nehme sie sehr ernst. Welchen Werth dieRcgiernng auf eine gedeihliche Landwirthschaft legt, das habe ich oft ausgesprochen, trotzdem erheben sich stets von Neuem Zweifel und Angriffe. Man meint immer, ivenn nicht jeder kleine Wunsch erfüllt wird, werde für die Landwirthschaft nichts gclhan; sogar dem Landwirthschaftsmiuistcr hat man vorgeworfen, er habe kein Herz für die Landwirthschaft. Können iuir den Reichstag zwingen, alle Vorlagen zu Gunsten der Landwirthschaft anzunehmen. Können wir England zum Bi- metallismuS zwingen? Kann ich den Weltmarkt zwingen oder beseitigen? Man hat Landwirthschaftskanunern vorgeschagen, aber giebt es nicht Tausende von landwirthschaftlichen Vertretungen? Machen Sie praktische Vorschläge, statt uns anzugreifen! Ich bin durch und durch konservativ, aber kein Agrarier, und darf auch keiner sein im Interesse des ganzen Landes. Wirthjchaflliche Interessen werden stets mit staatlichen kollidiren. Wir werden jeden Besitz schützen, den agrarischen wie den kapitalistische», aber wir müssen auch sorgen für den Besitzlosen. Die jetzige, draußen, gegen den Besitz gerichtete Bewegung macht mich besorgt. Die antisemitische Bewegung überschreitet vielfach die mit dem Staatswohl vereinbarten Grenzen: mau ruft Geister, die man nachher nicht bannen kann. Welche Garantien! haben Sie, daß der Strom, der Sie jetzt vorwärts treibt, nicht schließlich mit anderen Strömungen zusammenfließt, die sich gegen Besitz und staatliche Ordnung kehren? Wer eine solche Bewegung leiten will, steht vor undurchführbaren Aufgaben. Das Schicksal meiner Person spielt für »tid) dabei keine Nolle. Wäre ich überzeugt, daß mein Rücktritt Alles bessern werde, keine Stunde würde ich mit einem Abschiedsgesuch zögern. Ick) werde dies nicht thun um Kaisers und Reichs willen. — Abg. Graf Mirbach (kons.) erwiderte mit einigen Bemerkungen, ans welchen zu entnehmen war, daß der Hauptgrund der Mißstimmung in agrarischen Kreisen die „Durch- drücknng" der Handelsverträge im vorigen Jahre und die zu geringe Berücksichtigung der agrarischen Forderungen sei. Die gegenwärtige Bewegung habe die konservative Partei überrascht, dennoch erklärte er, die Verantwortung für dieselbe an seinem Theile auf sich zu nehmen. — Graf Caprivi erklärte einer Bemerkung des Vorredners gegenüber, daß der preußische LandwirthschaftSmiuister v. Heyden das Interesse der Landwirthschaft in den Handelsvertrags-Verhandlungen mit größter Energie vertreten habe, aber derselbe fei eben nicht nur Resfort Minister, sondern auch Staat s- miuister. — Abg. Rickert (freis.) versicherte dem Reichskanzler, daß er sich vor Antisemitismus und Agrarismns nicht zu fürchten brauche, wenn er eine wahrhaft volksthümliche Politik einschlagen ivolle (eine sehr zutreffende Bemerkung). Ans der langen Debatte vor dem Eingreifen des Reichskanzlers sei eine Rede des Abg. Büsing (nat.-lib.) hervorgehoben, in welcher derselbe klar und treffend de» bimetallistischen Wunderglauben widerlegte. Am Schluß der Sitzung wurde das Gehalt des Staatsekretärs des Juuern, an welche Etatsposition sich die Debatten der letzten drei Wochen geknüpft hatten, für bewilligt erklärt. Morgen 1 llbr: Fortsetzung der Etatsberathung.
Unteroffiziere als Volks schullehrer.
Mau schreibt uus aus Lehrerkreisen: „Der Leitartikel in der Nnnnuer 76 des „Wiesbadener Tagblatt" über „Unteroffiziere als Volksschullehrer" enthält gleich am Eingang die vorwurfsvolle Frage: „Hat der Lehrerstaud mit seinem mühevollen und verantwortungsreichen Beruf wirklick) nicht mehr Achtung vor sich selbst, daß er sich so etwas ruhig gefallen läßt, oder glaubt er sich durch gediente Unteroffiziere ersetzt?" Dieselbe zwingt zu einigen » Bemerkungen zu der Sache. Ob der deutsche Volksschullehrerstand die nöthige Achtung vor sich selbst hat, kann der Herr Verfasser am besten bei Denjenigen unserer Freunde erfahre», denen unser Werk mit der Lösung „Volkswohlsahrt und Bolksgesittung durch Volksbildung" ein Dorn im Auge ist und die es mit Aerger sehen, daß unser Stand sich ans der unwürdigen Stellung in vergangener Zeit zielbewußt herausarbeitek. Wenn nun der Volksschullehrerstand in dieser Angelegenheit in der Tagespresse bisher geschwiegen hat — in seiner Fachpresse hat die Sache die gebührende Würdigung bereits gefunden —, so hat er gerade aus Selbstachtung gehandelt. Was für Ehre hätte ihm wohl die Widerlegung eines Vorschlages gebracht, der so zeitgemäß und passend im Fasching das Licht der Ocsfentlichkeit erblickte? Soll sich der ganze deutsche Lehrerstand aufregcn, wenn ein Artikelschreiber des „Militär-Wochenblatts" sich lächerlich macht? Er hat Besseres zu thun!
Uebrigcns widerlegt das genannte Blatt in seiner jüngsten Rmumer diese Vorschläge so treffend, daß den Ausführungen kaum noch etwas hiuznzufügen sein dürste. Es schreibt: „Die Vorschläge sind nnpraktisd), weil gar kein Bedürfniß vorliegt, eine solche Umwälzung in unserm Schulwesen vorzunehmen. Als nach dem dreißigjährigen Kriege und unter Friedrich dem Großen vielfach ehemalige Soldaten als Lehrer auf dem Lande Verwendung fanden, zwang theilweise der Mangel an geeigneten Lehrkräften ober die Rücksicht auf die staatliche Verpflichtung, für gutgediente Unteroffiziere zu sorgen, dazu, jenes AushülfSmittel zu ergreifen. Deutschland verfügt aber heutzutage über geeignete Lehrkräfte genug, und es ist gerade Seitens der Offiziere anzunehmen, daß sie gern nnd voll die Tüchtigkeit des deutschen Lehrerstandes anerkennen. Durch die Einrichtung der Kapitnlautcuschule ist in allen Garnisonen und bei allen Trnppentheilen Gelegenheit für die Offiziere jeden Grades, den Eifer und die Sachkenntnis; unserer Lehrerschaft ans eigener Anschauung kennen zu lernen. Undurchführbar ist aber ein solcher Vorschlag — und deshalb auch eigentlick) undiskntirbar —, weil erstens dann zwei Klassen Lehrer geschaffen würden, eine militärische und eine civile, und zweitens, weil es ein ganz ander Ding ist, junge Männer von 20 -23 Jahren, als Knaben von 6—14 Jahren zu unterrichten. Tas mag vor 150 Jahren in einigen Landstrichen theilweise möglich gewesen {ein, heutzutage ist das Maß der allgemeinen Bildung so gewachsen, daß ein bestimmter pädagogisch geregelter Studiengang dazu gehört, um den Anforderungen an einen Lehrer voll und ganz ent- fprecheu zu können. Aber ich bin der Ansicht, daß nicht allein die militärische, sondern die Jugenderziehung überhaupt wesentlich gefördert werden könnte — physisch wie ethisch — wenn unsre Lehrer selbst ohne Unterschied eine intensivere militärische Ausbildung erhielten. Jetzt dienen die Volksichiillehrer nur sechs Wochen. Sie lernen auf diese Weise eigentlich nur die Schattenseite einer kurzen militärischen Dienstzeit kennen. Sie selbst erfahren nicht die körperliche und moralische Stärknng, die mit einer längeren Dienstzeit verknüpft fein würde, und sind deshalb auch nicht im Stande — beim besten Willen nicht — ans ihrer kurzen Dienstzeit das in ihren Beruf mit hinüber zn nehmen, was unserer Jugeuderziehimq allgemeiii und militärisch zu Gute käme. Warum sollen allein die Lehrer, denen das Volk fein Liebstes, feine Kinder, anvertraut nicht den Ehrendienst in Waffen hinlänglich kennen lernen? Sie' würden dadurch ganz sicher noch mehr befähigt werden, ein wahrhaftes und wehrhaftes Geschlecht heranziehen zu helfen. Ein wahrhaftes Gesckflecht brauchen aber den Staat und die Gesellschaft ein wehrhaftes die Armee und die Nation!"
Deutscher Reichstag.
G) Krrlin, 17. Februar.
Die heutige Fortsetzung der Agrardebatte im Re i ch stag hatte ihren Schwerpunkt in einer bedeutsamen Rede de« Reichskanzlers. Vorher hatte der Staatssekretär v. Marschall die gestrigen Aussührni'.gen des Grasen Limburg-Stirum im Abgeord- netenhaufe sehr scharf zurückgewiesen. — Graf Caprivi nahm ausdrücklich das Wort, um vor der morgigen Tivoliverfammlung noch einmal seinen Standpunkt darznlegeu. Er sagte u. A.: Diese Debatten sind von ungewöhnlicher Tragweite, nicht wegen ihres Inhalts, sondern wegen der sie begleitenden Umstände. Auffällig ist, daß diese Debatten gleichzeitig hier und im Abgeordnetenhause kurz vor der Versammlmtg des Bundes der Landwirthe stattfindeu. Auffallend ist auch der Ton, der bei diesen Debatten geherrscht hat. Woher kommen diese Angriffe, und woüin f-bren
Beweggründe, namentlich durch die Bewucherung der Landwirthschaft, die Verschuldung be8 Grundbesitzes und den argen Schacher mit dem heiligsten nationalen Besitzthnm — dem vaterländischen Boden. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß über kurz oder lang diese beiden neuen, mächtigen Strömungen in direktere Verbindung treten. Von gegnerischer Seite und vom Angstmeierthnm werden sie oft als demagogische bezeichnet; es kann aber kaum einem Zweifel unterliegen, daß beide gewissermaßen auf eine Stärknng des nationalen Elements abzielen und die Kräftigung des Reiches und Festigung des Thrones ganz besonders betonen. Deshalb wird Jeder, der nicht vom Parteigeiste befangen ist, der Entwicklung dieser Richtungen gelassen cnt= gegensehen. Anfänglich in ihren Auswüchsen vielleicht verwirrend auf das parlamentarische Leben einwirkend, werden sie ans die Dauer gewiß klärend wirkend, so gut wie die Sozialdemokratie vielfach klärend und auf die soziale Gesetzgebung fördernd gewirkt hat. A
