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Ahendl-Äusgabe.

41. Jahrgang.

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K-. 82.

Freitag, de» 17. Februar

1893.

kommandoS in Metz, tu der Mitte das 15. Armee­korps, dessen Kommando in Straßburg liegt, und im

Preußischer Landtag.

G Berlin, 16. Februar. Abgeo rducteuliaus.

Es wird die gestrige Debatte über den russischen Handels­vertrag fortgesetzt/ Abg. VoPelins (frcik.) widerspricht den gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers im Reichstag, Geheim- rath Huber fei als "Freihändler vom Fürsten Bismarck nicht ver­wendet worden als Unterhändler. Beim Schlüsse der Rede wurde die Unruhe im Hause so groß, daß der Präsident mehrfach Ruhe erbitten uiußte. Abg. Schmieding (nat.-Iid.) spricht für den Antrag Tziembowski; er erachtet den Schutz der nationalen Arbeit für geboten. Tie Klagen der Agrarier seien unberechtigt. Abg. Schmitz-Erkelenz hofft ans eine Berücksichtigung dervorgetrageuen Wünsche durch die Regierung. Die Laudwirthschaft könne nur eine Berücksichtigung ihrer Interessen verlangen. Minister v. Berlepsch giebr eine Darstellung des JnformationsgangeS. Das cingeganaene Material erfordere mindestens ein achttägiges Studium. Abg. Ritter (frcik.) erklärt den vorliegenden Antrag für durchaus berechtigt, der Schutz der Landwirlhschaft des Ostens fei dringend geboten. Abg. v. Eyuern (nat.-lib.): lieber die

den Kamps mit dem Abgeordneten Baumbach wciterznsiihren. Graf Caprivi: Die Frage der Aufhebung des Jdeuiitätsnach- weiscs habe die preußische Regierung nicht aus dem Auge verloren. Nur während der Verhandlungen mit Rußland sei es nicht wünschensiverth, darauf cinzngeheu. Redner weist ben Vorwurf zurück, daß die Laudwirthschaft bei der Vereinbarung über die Handelsverträge nicht berücksichtigt sei. Abg. Graf Hoeiis- broich (Centr.) ist betreffs der Aufhebung des Identitäts­nachweises mit den Konservativen nicht einverstanden. Er verlangt für die Landwirlhschaft den gleichen Schutz, wie ihn die Industrie reichlich besitze. Reichskanzler v. Caprivi bestreitet die manchesterlichcn Tendenzen der Regierung. Abg. Barth ff reif.) erklärt das Argument, daß durch die Kornzölle die konsumirenbe Bevölkerung kaufkräftig erhalten werde, gehe über die landesübliche Logik hinaus. Abg. v. Kar dorff (Reichsp.) geht näher ans dieWährnngssrage ein. Staatssekretär v. Maltza hn: Die Negierung lasse sich durch nichts beirren, so zu handeln, wie

cs zur Aufrechterhaltung der Währung des Landes und zur Ein- schränknng der Mißstände nothwendig sei, welche sich mit der Ein­führung der Goldwährung gezeigt hätten. Unsere Kommissare bei Den Vertragsverhandlungeu handeln lediglich nach bestimmten von uns gegebenen Instruktionen, ich muß sie al>o gegen persönliche An­griffe in Schutz nehmen. Sollte der Abg. v. Schalscha dem in Oesterreich thäligcu KommiffarPflichtwidrigkeit vorwerfen, so hätte er seine Anklagen unter der erforderlichen Begründung dem vor­gesetzten Beamten mittheilen sollen. Abg. v. Schalscha konstatirt, daß er keinem Beamten habe eine Pstichtwidrigkcit vor­werfen wollen. Hierauf wird um 5SA Uhr die weitere Berathuug auf Freitag, 1 Uhr, vertagt.

Die Militärkommission hat den Antrag Bebels, für alle Truppen die ztveijäh'.ige Dienstzeit gesetzlich sestzustelleu, den Antrag Rickerts, für die Fußtruppen die zweijährige Dienstzeit gesetzlich festzn- stelleu, und endlich auch den Antrag Bennigsen-, die zweijährige Dienstzeit der Fußtrupven für die Dauer der jetzigen Friedens- Präsenzstärke gesetzlich festzulegen, abgclehnt.

PoiMsche Tages-Rundschau.

Im Reichstag hat vorgestern der Präsident eine Art Ncsthschrei ertönen lassen über die ganz ungewöhnliche und unerträgliche Verzögerung u n d V c r s ch I e p p u n g d e r V e r h a n d l u n g e n. Während man früher dreizehn Sitzungen für drei Etatslesnngen gebraucht habe, hätten jetzt schon elf Sitzungen über diesen Gegenstand stattge­funden, und man stehe noch im Anfang der zweiten Lesung. Wenn das so sweitergehe, werde man bis 1. April den Reichshaushalt nicht fcrtigstellen können. Diese Worte verdienen die ernsteste Beachtung. Es ist durch Aufwerfen aller möglichen Fragen zu bloßen Agitationszweckcn und durch rücksichtslose Redelnst eine Ver­schleppungstaktik eingerissen, die nachgerade den ordnungsmäßigen Geschäftsgang in den ver­nünftigen Zeitgrenzcn ernstlichst gefährdet. Ebenso wie int Plenum geht es auch in der Militärkommifsion. Dies ist auch der wahre Grund der andauernden Beschlußnnfähigkeit des Reichstags. Wer kann denn ivochcnlang immer dieselben abgedroschenen Reden mit an­hören tz Gestern und heute beschäftigten sich Reichstag und Abgeordnetenhaus gleichzeitig und keineswegs zum ersten Mal in langstündigen Sitzungen mit agrarischen Klagen gegen die Handelsvertragspolitik. Dazu kommt noch der deutsche Landwirthschaftsrath, der heute dasselbe Thema verhandelt. Was zu viel ist, das ist" zu viel! Ein bedauerliche Folge dieser parla­mentarischen Ucberproduktion ist auch das natur­gemäße Schwinden der Thcilnahme des großen Publikums an den Verhandlungen. Die wenigsten Leute haben noch Zeit und Lust, sich auf ein eingehenderes Stndium dieses weit- schichtigen Stoffes einznlassen. Damit schwiitdet aber ein gntes Stück der nützlichsten Wirksamkeit der Parlamente, der Anregung und Belehrung

über öffentliche Fragen für weite Volkskreise.

Der Panamano in Italien fängt an, der Regierung immer fürchterlicher zu werdeu. Das ist auch dort der Fluch der bösen Thal, daß sie fortzengend Böses muß ge­bären. Dies Böse ist in einem neueren Falle eine Kritik des ehemaligen Ministerpräsidenten Crispi an dem gegenwärtigen, Giolitti. DieFanfnlla" nämlich publizirt ein Aufsehen erregendes Interview mit Crispi, das diese vernichtende Kritik Giolittis enthält. Crispi bestätigt, das Giolitti 1890 die strafbaren Vorgänge bei der Banca Romana kannte, sogar ihn veranlaßte, den Bericht zu lesen, lieber Giolitti sprach sich Crispi sehr boshaft ans; er habe ihn nie einen Gedanken äußern hören, vielleicht hat er dies aufgespart, bis er Ministerpräsident geworden sein würde, worauf er schon damals spekulirte. Von den letzten Wahlen sagte Crispi, sie seien lediglich nach persönlichen Kriterien ohne politischen Leitgedanken gemacht worden, weshalb die Kammer impotent sei. Der Gedanke an die Zukunft Italiens er­schrecke ihn, da keine Parteien vorhanden und die Einzelnen ohne Ideen seien. Der Austritt von Lacava und Grimaldi aus dem Kabinet werde dieses bald ganz zum Fallen bringen, und er wisse nicht, was dann komnlen werde. Anch die Beziehungen znm Ausland seien geschwächt, wie dies die Entsendung Löss an den Papst zeige; aber je ungünstiger die innere Sage sei, desto weniger Ver­trauen flöße Italien ein. Ein künstlich geordneter Etat, erschütterter Kredit, mangelhafte militärische Organisation setzten Italien in eine ungünstige Lage zum Ausland. Auch in der Kammer spielte sich eine kurze bedeutsame Scene ab. Giolitti erklärte auf eine Anfrage Luigi Ferraris, eines Führers der Legalitarier, daß die Bankin pection un­möglich vor Februar abgeschlossen werden könne, worauf Ferrari erwiderte, das letzte Kammervotum bedeutete nicht

Truppen-Dislokatiouen in Mitteleuropa

S) Dir Truppe» Dislokation in Sndwest- Drntschand.

Während sich in dem in nnjcrein vorigen Kartenbilde darge- ftcllten Gebiete Nordost-Frankreichs im Ganzen 25 mit mehr oder weniger starken Trnppenmaffen belegte Garnifonorte befanden, unter denen 10 Festungen ersten bis dritten Ranges waren, find in dem beute dargestellten Gebiete Sudwest-Dcntfchlaiids bei saft genau der­selben Größe im Ganzen 85 zum Theil febr kleine Garnisolwrtc mit nur 6 Festungen zu zählen. Letztere sind: Diedenhofen und Metz an der Mosel, Bitsch, Straßburg und Neu- br ei fach am Rhein und dahinter strouiabwärts nördlich Germersheim. Jin Ganzen stoßen an der deutsch-französischen Grenze die Bezirke dreier deutscher Armeekorps znsanimen: im Norden das 1C. Armeekorps mit dem Sitze des Gencral-

Dentscher Reichstag.

0 Krrli», 16. Februar.

EL In der heutigen Sitzung luurbe die gestrige Debatte fortgesetzt.

M Arnim (Reichsp.) wendet sich gegen die gestrigen Aus- Mhriingeil des Reichskanzlers. Es entspreche nicht den Thatsachen, . Win behauptet werde, gleiches Recht gelte in Deutschland auch für j« Laudwirthschaft. Die tiefgehende Bewegung in landwirthschaft- BSeit Kreisen habe zur Griiudnitg des Bundes der Landwirthe ge- Wchrt, welche am 18. d. M. in Berlin erfolgt. Redner spricht gegen tyit russischen Handelsvertrag. Staatssekretär v. Marschall: Epie Regierung werde trotz der vorhandenen Sturmzeichen den Weg Mier maßvollen Handelspolitik zur Ausgleichung der Interessen ' ?es Handels, der Industrie und der Laudwirthschaft weiter gehen.

Abg. Wilbraudt (frcis.) spricht gegen die Doppelwährung, i tfleu Beseitigung oder Beschränkung der Freizügigkeit. Abg. Manteuffel (kons.) will betreffs der Freizügigkeit nur noth- Mvdige Einschränkungen entfuhren, er ist bereit, im Hcrrenhause

Wirkung der Verträge sei eine authentische Mittheilung nicht zu er« laugen. Abg. Brom el (kreis.): Die Bedenken gegen beit russi­schen Handelsvertrag seien ganz allgemeiner Natur. Interessant sei die Agitatiousmcthode. Wenn Klagen nicht Helsen, schreie man. Abg. Graf Limbnrg-Stirum (kons.) rechtfertigt dasVersahren der konservativen Partei und hofft, daß der rnssische Handels­vertrag nicht zu Klagen Anlaß gebe. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Knebel und Graf Strachwitz wird der Antrag DziemböwSkt mit 313 gegen 25 freisinnige Stimmen angenommen, die Anträge v. Ehncrn und Seer desgleichen gegen die Stimmen des Ccntrunis und des Freisinns. Nächste Sitzung: Samstag. Tagesordnung: Kultusetat

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DieStenerrefor m-K o m litt ff io n des Abgeordnetenhauses hat die ztveite Lesung des Ergänznugs- (Vermögens-) Stcuergesctzcs beendet nnd dasselbe in der Schlnßabstimmintg mit 22 gegen 5 Stimmen angenommen; dagegen stimmten die nationalliberalen Äbgg. v. Eyuern und Friedberg, die freisinnigen Abgg. Meyer-Berlin nnd Halberstadt und bas CentrnmSinitglieb Würmeling.

Süden bas 14. Armeekorps mit dem Generalkommando in Karlsruhe. Dahinter gruppiren sich die ans unserem Kartenbilde nur zu unbedeutenden Theileu noch zur : Darstellung gekommenen Gebiete des 8., 2. bayrischen und des 13. Armeekorps.

Ans der Signatur unserer Kartenskizze ist nun, kleine Abtveichuugen abgerechnet, folgende Truppeu- i vertheiluug ersichtlich:

Diedenhofen ist belegt mit 3 Bataillonen i Infanterie, 1 Regiment Kavallerie und 1 FestuiigS- i artillerie-Bataillon.

Metz zählt 21 Bataillone Infanterie ober Jäger, "Kavallerieregimenter, 4 Feldartillerie-Abtheilungen, 5 FeftungSartillerie-Bataillone sowie je 1 Train- mid 1 Pionierbataillon. In St. Av old und Fal keu- berg sind zusammen 1 Kavallerieregiment, in letzterem Orte noch 1 Feldartillerie-Abtheilung vorhanden. Kleinere Garnisonen befinden sich ferner weiter rück­wärts und seitwärts, und zwar: in Saarbrücken 3 Bataillone und 1 Kavallerieregiment: in Forbach 2 Bataillone, in Saargemünd 2 Bataillone und N"Növallcr!eregiiuent: in Mörchiugen 2 Bataillone und 1 Feldartillerie - Abtheilung; in Dicuze 3 Bataillone und 1 Kavallerieregiment.

Weiter zurück liegen inZweibrücken 1 Bataillon und 1 Schwadron, in Bitschi Bataillon, in Weiße n- [bürg 2 Bataillone, in Landau 2 Bataillone und 12 Feibartillerie-Abthcilungeu, in Germersheim 12 Bataillone, 1 Pionier- und 1 FestiingSartillerie- Bataillon, in Speyer 1 Pionierbataillon und in Worms 1 Bataillon.

r Die Hauptmacht int Elsaß ist inStrahl)« rg konzeiitlirt. Dort liegen 16 Bataillone, 1 Kavallerie- t regiment, 3 Feldartillerie-Abtheilungen, 2 Festnngs- I artillerie-Bataillone, 1 Pionier- und 1 Trainbataillon.

Nordwestlich in Saarlouis find dislocirt 3 Bataillone, 2 Kavallerieregimenter und 1 Feld- artillerie-Abtheilnng, in Pfalzburg 2 Bataillone, in Zaber« 1 Bataillon, in Hagenau 1 Bataillon, IffauaKerieregiment und 3 Feldartillerie-Abtheilungen, eine vierte steht in Bischweiler.

= Nach dem Süden zu liegen in Schlettstadt , 1 Bataillon, inKolmar 3Bataillone und 1 Kavallerie­regiment, in der Rheinfestung Neubreisach l Bataillon, IFeldartillerie-Abtheilung und 1 Festungs- ; artillerie-Bataillon, in Mülhausen, der südlichsten j Garnison im Elsaß, fünf Bataillone nnd 1 Kavallerie­regiment.

; Der Rhein mit feinem vielfach verästelten Strom- kanfe und dem östlich gelegenen Schwarzwald bildet bekanntlich ein so vortreffliches natürliches Hittderniß Segen das Vordringen größerer feindlicher Heercskörper, baß I ans bent rechten Ufer desselben nur eine spärliche Truppen- I aiissiellung stattgefunbeu hat. Freiburg in Baden hat 3 Bataillone. Dann folgt ziemlich weit nördlich davon Kehl mit

: l Bataillon Jnsattterie und 1 Pionierbataillon. Sodann in dem ms Festung bereits ausgelassenen Platze Rastatt 5 Bataillone, 2 Feldartillerie-Abtheilungen und 1 FestungSartillerie-Bataillon. 5« Karlsruhe stehen 3 Bataillone, 1 Kavallerieregiment, 3

! Feldartillerie - Abtheilungen unb 1 Trainbataillon; in Durlach 1 Bataillon, itt Schwetzingen 1 Schwadron, in Mannheim I 2 Bataillone und 1 Felbartillerie-Abtheilnng.

L Ein Ueberblick über das Kartenbild zeigt, daß die Hauptmaffe . der beulscheit Truppen im Norden konzentrirt ist, in demselben Ge­biet, in welchem sich int letzten Kriege der Vormarsch der Truppett v dollzog und die ersten Kämpfe stattfcmdkn.

E Eine ungleich schwächere Grenzbesetzung als hier im Westen - haben' die Gebiete an der deutschen Ostgreuze auszuwetseu, r dähreud auf dem gegenüberliegenden russischen Gebiete cntßer- atdeutlich starke Triippettatthäufuitgen stattgefundeu haben. Wir : derben auf die Truppendislokalion in jenen Gebieten in zwei wei- t "treii wicberum burch Kartenskizzen erläuterten Artikeln eingehen.

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