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Sette 8 ._Morgen-Ausgabe. Erste« Blatt. _ Wiesbadener CfigHatt*

Schiffe durch Zusammenstoß mit Minen verloren gegangen, nämlich der Dampfer „Limaria", der kleine Dampfer „Gem" und zwei Fischdampser. Seit den Weshnachtstagen sind in der Nordsee acht Schiffe infolge der Minen auf Grund gegangen.

Die amerikanischen Vorstellungen in England.

Holland schließt sich an.

1>r. Rotterdam, 30. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die amerikanische Regierung richtete, wie schon kurz erwähnt, eine längere Note an England, worin sie sine baldige Besserung in der Behandlung des ame­rikanischen Handels durch die englische Fwtte forden. Die Engländer werden davon verständigt, daß m Amerika die ungesetzliche Einmischung in den gesetzlichen Handel der Vereinigten Staaten großes Mißvergnügen erregt. Die Note führt zahlreiche Fälle an von Einhaltung ainerikanischer Schiffe und Beschlagnahme amerikanischer Ladungen und erklärt, daß die Vorstellung zwar freundschaftlich gehalten sei, daß aber die Vereinigten Staaten es für gut hielten, freimütig zu sprechen. Die Note führt weiter aus, daß Lebensmittel nur bedingte Konterbande sein könnten, weil jene sowohl für die bürgerliche Bevölke­rung als für die Armee bestimmt sein könnten. Wegen des bloßen Argwohns dürften neutrale Schiffe nach den Häfen der kriegführenden Mächte nicht aufgebracht werden. Der holländische Gesandte in Washington er­klärte, daß Holland dieselben Vorstellungen an England gerichtet habe.

Schwedische Betrachtungen über den Kusgang des Weltkrieges.

Über die i in m e r besser werdenden Aussich­ten der Deutschen im Weltkriege stellt das Stockholmer „Aftonbladet" folgende interessante Be­trachtungen an:

,,.... Als Anfang August die Kriegserklärungen über, Deutschland und dessen Bundesgenossen förmlich herniederhagelten, prophezeite die öffentliche Meinung im allgemeinen den Deutschen eine gründliche Niederlage. Gegen Rußlands ungeheure Heeres­massen, gegenüber dem glühenden Nationalhaß der Franzosen und der mächtigen englischen Flotte würden sie — so meinte 'man — sich nicht behaupten können. Stur in solchen Kreisen, in denen man die Stärk e des deutschen Kriegswesens kannte, war man anderer Ansicht.

Nach einer bald fünfmonatigen Kriegsdauer ist zu­nächst eines vollkommen klar: Das Hervorwälzen der russischen He eres Massen nach Deutschland hinein, dem man in England und Frankreich so hoff­nungsvoll entgegensah, hat ein jähes Ende bekom­men. Ejne Wiederaufnahme der russischen Offensive ist jetzt ein Ding der Unmöglichkeit. Vor allem scheint der innere Zusammenhalt und die Disziplin im russischen Heer so bedenklich erschüt- tert zu sein, daß schon dieser Umstand der Wiederauf- mchme einer Angriffsbewegung gegen die fsstorgani- sierten Armeen Hindenburgs hindernd im Wege steht. Unter solchen Verhältnissen sind die technischen Hilfs­mittel von doppelter Bedeutung für ein Heer. Die Russen haben aber in einem beunruhigenden Grade diese Hilfsmittel verloren, ohne Ersatz dafür zu be­kommen. Wahrscheinlich hat das russische Heer nicht allein sein Angriffsvermögen, sondern auch die Voraus­setzungen einer erfolgreichen Verteidigung eingebüßt. Hat die Lawine erst zu rollen an gefangen, läßt sie sich schwer aufhalten, namentlich weil die deuffch-österreichisch-ungarischen Heere den Russen keine Zeit zur Reorganisation übrig lassen. Gleichzeitig beginnen in Rußland bedenkliche Zeichen eines inneren Gärungsprozesses sich zu zeigen. Rußlands Aussichten sind somit schlecht. Hierzu kommt, daß die russische hundert- jährige Balkanpolitik eine empfindliche Niederlage er­litten hat.

Die in Frankreich und Belgien vorhandenen deutschen Heere haben bisher alle Angriffe der verbün- deten Franzosen, Engländer und Belgier erfolg­reich abgewiesen. Wenn die Dreiverbandsmächte im Westen einen für sich günstigen Ausfall herbei- sichren wollen, müßten sie r a s ch eine für sie erfolgreiche Entscheidung er^vingen. Es scheint aber, als sollte der französische „Elan" seine Stirn gegen den deutschen

„Schneid" blutig stoßen, llnd wenn "Hindenburg bald seine Rechnung mit den Slawen fertig gemacht haben wird, werden H u n d e r t t a u s e n d o der besten und erprobtesten Truppen der Welt von den Deutschen vom östlichen nach dem westlichen Kriegs­schauplatz geführt werden, um eine Entscheidung zu­gunsten Deutschlands zu beschleunigen. Die sogenann­ten „Millionenheere des Lord Kitchener" werden an­deres zu tun bekommen, als aus französischem Grund und Boden zu streiten! Wenn eine deutsche Landung von der Novdküste Frankreichs aus droht, wird es mit der britischen Auffassung der Dinge nicht übereinstrm- men, das englische Jnselreich der Truppen zu entblößen!

Die nunmerische Überlegenheit der englische n Flotte kann das siegreiche Borvücken der deutschen und österreichisch-ungarischen Heere nie verhindern. Die Entscheidung liegt in einem kontinental- krieg nicht auf dem Meere.' Die Hauptaufgabe der englischen Flotte wird die sein, die britischen Inseln möglichst gegen eine deutsche Invasion zu verteidigen.

Die endgültige Entscheidung z u g u n- sten Deutschlands wird nicht allzulange auf sich warten lassen. Rußland wird die Donaumonarchie nicht Zusammenstürzen, sondern fester Allsammerrgeffigt sehen. Frankreichs Revancheplan wird niemals die Wiedergewinnung des deutschen Reichslandes erreichen; es ist vielmehr Zweifelhaft, ob Frankreich, die Grubengebiete in seiner nordöstlichen Ecke künftig behalten darf. Und England wird fortan die deutsche Reichsflagge als Konkurrentin auf den Meeren dulden müssen."

Generaloberst v. kseeringen über die Feinde.

Br. Berlin, 30. Dez. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der Kriegsberichterstatter der „New Dark Times" verbrachte drei Tage der Dezembeywoche bei dem Heere des Generalobersten v. Heeringen. Er schilderte den früheren Kriegsminister als einen der „großen alten Männer" des deutschen Heeres und fährt dann fort: Wie alle anderen deutschen Generale, mit denen ich gesprochen habe, zögerte auch er nicht einen Augen­blick, seinen englischen und französischen Gegnern gerecht zu werden. „Die englischen Soldaten der ersten Schlacht­linie", so sagte er, „sind erprobte und widerstands­fähige Krieger, besonders in der Defensive. Wenn sie das nicht wären, was für ein Verdienst wäre es dann, sie zu schlagen? Auch die Franzosen schlagen sich gut." Der Generaloberst spendete auch dem General Fr euch einiges Lob, ebenso I o f s r e und C a ste l n a u, und bedauerte nur, daß alle englischen Streitkräfte nach Flandern und dem nördlichen Frankreich geschickt worden seien, so daß e r keine Gelegenheit hätte, mit ihnen den Degen zu kreuzen. Beson­ders die Bayern bedauerten sehr, daß sie nicht mehr gegen die Engländer geführt werden. Über die Millionen- A r me e K i tchene r s soll Heeringen geäußert haben: „Es ist nicht möglich, eine Armee zu improvisieren. Niemand kann erwarten, in ein paar Monaten dasselbe zu erreichen, wozu Deutschland ein Jahrhundert gebraucht hat." Lächelnd sagte er weiter, daß er, um Nachrichten zu erlangen, nicht einzig und allein ans die deutschen amtlichen Berichte .angewiesen sei. „Wir können sogar den Eiffelturm sprechen hören", meinte er. „Eines Tages hörte ich von ihm mit nicht geringem Interesse, wie Sie sich denken können!, daß an einem bestimmten Punkte zwei meiner Batterien von dm Franzosen vernichtet worden seien. Für mich war das eine große Neuigkeit! Ich rief sofort die beiden Batterien tele­phonisch an und sie antworteten mir erstaunt, daß sie noch da wären und lustig in den Feind feuerten." Zum Schluß sagte der Generaloberist: „Lassen Sie das.Volk in Amerika

wissen, daß wir keine Barbaren sind. Bei uns herrscht voll­kommene Ruhe und Ordnung und wir sehen mit Zuver­sicht dem siegreichen AuSgang des Feldzuges ent­gegen." Als bezeichnend für die günstige Lage des deutschen Heeres hebt der amerikanische Reporter endlich’ noch hervor, daß der Armeeführer Zeit zu stundenlangen Plaudereien mit ihm fand. __

Der Lugenfeldzug.

O Berlin» 29. Dezember.

Unser Volk ist sich im Wichtigsten treu geiblieben, dem unerbittlichen Entschluß, durchzuhalten und diesen Krieg nicht zu beenden, bevor wir unsere Feinde für lange Zeit unschädlich gemacht haben. In einer an­deren Richtung aber sind wir wiederholt schwankend gewesen und sind es noch. Dessen brauchen wir unS nicht zu schämen, dessen brauchen wir uns freilich auch nicht zu rühmen, jedoch die Taffache besteht. Was wir

DonncrStag, 31. Dezember 1914*

Nr. 607.

meinen, das ist unser gefühlsmäßiges Verhältnis $ den ungeheuerlichen Lügen und Schmähungen, wn denen uns beinahe die ganze Welt, nicht bloß der RE unserer Feinde, überhäuft. Wir hatten uns zuerst M»

zorniger

Schani über das nie geahnte Übermaß

von Niedertracht gewehrt, dann kam die Enrp' findung aus,' daß es sich nicht verlohne, gegen som« Bosheit und Gemeinheit zu kämpfen, daß wir uns, wtt es auch der Reichskanzler am 2. Dezember ausgedrüm hat, über diesen Lügenfeldzug nicht schämen sollten. E» ist wahr, wir können es wirklich mit ansehen, wir kön­nen unseren Waffen vertrauen und der Gewißhe» leben, daß Verleumdungen uns nicht besiegen werden. Trotzdem will solcher Standpunkt zu unseren tiefste und besten Gefühlen nicht stimmen. Immer wieder wird uns das bewußt, sooft wir von neuen Greueln der verzerrenden Schmähsucht erfahren. Wir verzeihen es am Ende den gegen uns kämpfenden Völkern, wenn sie sich durch Verlogenheit und Gemeinheit herabwürdr- gen, aber mit den Neutralen steht es denn doch viel­fach anders, hier hört für uns die verstehende Duldung aiff, und wenn wir näher blicken, so wird es uns anal klar, warum wir mit unserer Empörung nach GebE antworten müssen. Denn schließlich sind wir doÄ moralisch mitverantwortlich für den Bestand der ßü- lichen Welt, für ihre Unantastbarkeit und für ihre Gell tung auch-außerhalb unserer Grenzen. Es muß uns schmerzen, nicht als Deutsche, sondern als Träger sittlichen Gemeinbesitzes der Menschheit, wenn die Lugo sich als Weltmacht ausspielen darf. Man braucht dien Dinge nur einmal an einem bestimmten Beispiel,rew menschlich zu beobachten, um sich zu sagen, daß Lässig­keit des moralischen Urteils tadelnswert wäre. Wen" der römische „M e s s a g,g e r o" seinen Lesern erzählt in den kleinen Städten der Argonnen seien nach how Einzug der Deutschen Automobile mit großen KistW vor den Häusern der r e i ch e n E i n w o h n e r w ' schienen, und alles Wertvolle wie Teppiche, Uhren »Nb Silbergeschirr sei eingepackt nach Deutschland befördere worden, wenn es in diesem Blatte weiter heißt, dtt Stadt Senlis sei „von den Corps der kaiserlich®" B r a nd st i f t e r" eingeäschert worden, nachdem vre Häuser zuvor aus einer Feuerspritze mit Petroleum begossen worden seien, so wollen wir ja nicht weiter gegen diesen frechen Schwatz protestieren, aber uw Frage verlohnt sich: Wie muß es in den Köpfen d» Herren Redakteure aussehen, wenn sie es über sich 3^ winnen, das drucken zu lassen? Sind das noch M®"' schen von Herz und Anstand? Oder sind es bösartig Tiere? Ein großer Teil der Italiener (leider sind, die m e i st e n) mag uns hassen, das können wir w®* ändern, jedoch dürfen wir nicht nur, sonderii wir mim®? es aussprechen, daß uns dabei Weh zumute ist, lE zwar, um es zu wiederholen, uns als fühlenden M®U' schen und nicht bloß oder ausschließlich als Bürpesh unseres edlen Vaterlandes. Diese Dinge haben sewm verständlich mit der Politik zu tun, aber darüber hin­aus haben sie auch ihr besonderes Dasein. Mim®?

- fe,l

wir uns bekennen, .daß wir bei der

^ßlosigre--

der gegen uns geschleuderten Verleumdungen und

so

derträchtigkeiten vor einer Unbegreiflichkeit stehen, J nützt es uns nichts, uns nach der Empfehlung ^ Reichskanzlers nicht darüber zu grämen; wir tun ® d o ch, wie .ja jeder Ehrliebende auf eine BelerdigiE reagiert, sei es auch nur, indem er sich in die Seele ^ anderen Menschen schämt. Es ist leicht gesagt, daß ' einigen fremden Völkern ein Massenwahnsinn alisn brachen sei, es ist das ein oberflächliches Gerede, u^. das vor allem die Psychiater lächeln müssen.

Wahnsinn, sondern teuflische Gemeinheit tov

gegen uns. Das wollen wir uns nicht gefallen >®m®D dafür wird »ns einmal gezahlt werde müssen. Mir sollen und wollen nicht so überinem^ lich groß denken, daß wir gar noch der Gefahr ver fallen, unseren tückischen Feinden als lächerlich zu e scheinen. _

Unsere Ernährung.

0 Berlin, 29. Dezember, hatte, wie man sich erinn®G

Unsere Regierung yune, wit mun 11 u; wird, geraume Zeit verstreichen lassen, ehe sie H ö ®L

preise für die Hanptgetreidearten festsetzte.

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mußte sich wegen der Verzögerung manchen Tadel 0®'

fallen lassen: es wurde ihr vorgehalten, daß, wenn

die

den Rädern saß ein mächtiges Loch, alles Gestänge war wie dünnes Rohr zerbrochen und zerbogen. Die furchtbare Wir­kung der Granaten auf Eisenziel war geradezu wie zum be­sonderen Beispiel vordemonftriert. Kleingewehrfeuer hatte dann die anderen Wagen durchfiebt, ein paar Granate» waren noch in Abteile zweiter Klaffe gefahren und in die Packwagen, die völlig ausgebrannt waren. Die Leute, die aus dem brennenden Zug auf die Felder flüchteten, wurden sofort von der Kavallerie niedergehauen, gleichgültig, ob es Frauen oder Männer waren. Wer in der Nähe des Zuges wartete, blieb verschont. Alle Polster wurden aufgerissen, ob Wertsachen darunter verborgen wären, alle Habseligkeiten in großer Eile durchsucht und durchplündert. Überall sah ich noch die leeren großen Pappkartons, die zerbrochenen Flaschen, beschmutzte Photographien, zerrissene Briefe auf dem Felde. Ehe die Russen ihre Plünderungsarbeit zu Endo führen konnten, flog vom Waldrand her der schrille Pfiff einer Patrouille. Mit größter Eile saß man auf, die Artil­lerie hieb auf die Pferde und alles sauste die Straße nach Dombrowa zurück. Deutsche Kavallerie rückte an, und der deutsche Gegenstoß, der die eingedrungene Armee, deren Kavallerie sich hier „betätigt" hatte, bis über Mlawa hinaus warf, setzte ein.

Neidenburg und Soldau.

Das Marktleben war in Neidenburg ebenso lebhaft wie in OrtelSburg. Die Frauen trugen den Kopf in den großen farbigen Umschlagetüchern, die Männer gingen in schweren schmutzigen Bauernpelzen. In Ortelsburg war Wagen auf Wagen mit den kleinen unglaublich scheuen masurischen Pferden davor zur Dampfmühle gefahren, hier schien man vuchr auf Pferdekauf z» gehen. Die Fuhrwerke standen

durcheinander und nebeneinander, und wenn es gegangen wäre, hätten die Masuren sie auch übereinander gestellt. Ich beobachtete, wie ein Pferdegespann das Heu des Vorder­wagens rahekahl leer fraß. Es war sehr charakteristisch, was der Besitzer der Pferde dem Besitzer des Heues achselzuckend erklärte, als er seclenruhig rechts und links anfahrend aus der Wagenburg abzog: „Pies ziecze. Pan jedzie", das Hünd­chen bellt, wenn der Herr fährt.

Der Mann, der so mit einem Sprichwort als Abzahlung bedacht war, sagte mir auf polnisch und deutsch und außer­dem in einem Idiom, das ich nicht feststellen konnte, daß das abfahrende Brüderchen ein swinia, ein Schwein wäre und wollte darauf mir, seinem „woyn" Onkelchen, ein Pferd ver­kaufen, von dem er wieder in drei bis vier Idiomen behaup­tete, daß er es damals nach „der Schlacht" (die Schlacht ist immer Tannenberg) gekauft und nun ausgefiittert habe. Es sei ursprünglich ein Generalspferd gelvesen. Ich verzichtete aber auf die Besichtigung des Pferdes von Samsonoff oder Marios — der Mann hätte sonst noch schließlich behauptet, daß es das berühmte, dem General unter dem Leibe er­schaffene gewesen wäre, das man wieder lebendig gefüttert hätte — und ging zu der alten schönen Ordensburg hinauf, die Neidenburg zur Tartarenzeit erfolgreich verteidigt hat.

Das Schloß ist einet der ältesten Burgen Ostpreußens, es muß schon in der Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden sein. Neben den mächtigen Steinkugeln, die nach alter Be­lagerungskunst die mächtigen roten Ziegelmauern nicht durchbrechen konnten und die man eingemauert hat, so daß sie zur Hälfte herausragen, hat die neueste russische Granate in das Mauerwerk gebissen und sie hat au den unteren Wand­teilen auch nicht in das Schloßinnere dringen können. Oben, wo die Mauern schwächer sind, wurden sie glatt durchschlagen

natürlich, und es klafft nun das große Granatloch dicht ne einer der vielen Steinkugcln aus den alten Eisenkartauu •

Das Schloß ist jetzt Amtsgericht und Gefängnis und schönen, gotischen Spitzdecken sehen auf langweilige ©® r stuben und staubige Pcotokollbücher. Als beim Angriff Russen die ersten Granaten zündeten, versprach man ' paar schweren Jungen, die noch in den Zelten waren,

Freiheit. wenn sie den Brand löschen würden. Es gW;^, fj zu ihrem „Beruf' , gewagte Touren über Dächer zu un ^ nehmen, sie sprangen über die Dachfirste, sie kletterten ^ den Blitzableiter, sie löschten mit nassen Tüchern und eimern das Feuer. Man gab ihnen, wie versprochen,

Freiheit, die ihnen freilich die Russen dann wieder bald fl® , e nahmen. Es war ein sehr würdiger Bürger, der mir ^ Geschichte erzählte, er hatte sonst sicherlich aste» f^ u Abscheu vor Spitzbuben und Zellenbewohnern, aber er !■ , seinem Schlußsatz ziemlich unvermittelt hinzu: „Was 1

merschade war."

* in

Soldau war im November auf kurze Zeit wieder ^ russischen Händen. Auf dem Kirchbof in Soldau siege Gräber derer, die am 16. November gefallen flüv- e „ Kottbuser Landsturmbataillon hat vornehmlich hier l el ^ fallenen Kameraden zur Ruhe gelegt. Die Holzkreuz ^

mit rührender Sorgfalt geschnitzt, und die schweren So ^ Hände haben die Inschriften so sauber gezeichnet, als ha Kalligraph die Arbeit getan und nicht der Landsturm a alten Tuchstadt Koitbus. lt 0 d)

Jii den Trümmerresten der Stadt Soldau siiid kau ^ Einwohner. In den Läden, deren Scheiben haben fliegende Händler ihre Soldatenware für die ^

ziehende« Truppen ausgebreitet. Ich glaube, der Ha^"