MMem Tagblck
1893
Dren^ag, den 14. Februar
dann
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41. Jahrgang»
Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis: S« Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
Unteroffiziere als UolKsschnllehrer
Das unter der obersten Leitung beS Generalstabes und preußischen Kriegsministerinms stehende „Militär- enbiatt" brachte kürzlich einen Artikel, in welchem allen es dafür eingetreten wurde, „gut gedienten Untereren nach Ablegung einer Prüfung die Anstellung als sschnllehrer, insbesondere auf dem Lande, zu ge- Älhren".
Wenn wir heute zu dieser Frage Stellung nehmen, geschieht es deshalb, weil bisher ans den Reihen des Lehrerstandcs in dieser Sache das Wort noch nicht ergriffen Worden ist. Hat der Lehrerstand mit seinem mühevollen verantwortungsreichen Berufe wirklich nicht mehr tung vor sich selbst, daß er sich so Etwas ruhig gefallen t, oder glaubt er sich durch gediente Unteroffiziere
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Heeresvermehrnng und Unteroffiziere.
In einem Artikel der „Köln. Ztg." unter diesem Titel wird auch die Frage der Hebung des Unteroffizierftandes behanvelt. Es wird darin bemerkt, daß auch die Unterosfiziere, die als Schreiber u. s. w. außerhalb des Regiments bei höheren Kommandobehörden kommandirt sind, künftig vom 4. Bataillon gestellt werden sollen, und es wird empfohlen, zu prüfen, ob für diese Posten nicht Unteroffiziere verwandt werden können, die bereits ansgedient haben. Es würde dadurch dem Frontdienst eine größere Zahl älterer Unteroffiziere erhalten. Dieser Pnnkt sei von großer Bedeutung, zumal ununterbrochen die Anforderungeu des Dienstes sich steigern. Richt wenige von den schenßlicheu Soldatenmißhandlungeu seien dadurch herbeigeführt, daß man zu junge, womöglich eben beförderte Unterosfiziere mit einem zu großen Wirkungskreis betrauen mußte und diese dann in Thätlichkeite» das Mittel sahen, den geforderten Ansprüchen nachzukonunen. Diese Erwägungen sind zweifellos sehr beachtenswcrth. Sie müssen aber Gelegenheit geben, auch die andere Seite der Frage mit Nachdruck wieder anznregen, daß gegen jene Soldatenniißhandliingeu auch durch eine Reform des Militärstrafoerfahrens endlich diejenigen Garanticeu geschaffen werden, welche die öffentliche Meinung für unerläßlich hält. Je weiter die allgemeine Wehrpflicht verwirklicht wird, nm so unhaltbarer wird die ablehnende Stellung, die man auf militärischer Seite gerade in diesem Punkte einnimmt. — Weiler wird in der „K. Z." ansgeführt: „Es wäre Vortheilhaft, wenn mau für die Unteroffiziere Qualifikationsberichte ähnlich wie für die Offiziere ein« führte und das Strafrcglemeut für Unteroffiziere einer Aenderuug unterzöge. So sollte es für alle Unteroffiziere mir eine einzige Arreststrafe, den Kasernenarrest, gebe», ähnlich dem Stubenarrest für die Offiziere, wobei die Strafe in einem besonderen Arrestzimmer innerhalb der Kaserne abzubiißeu ist. Die Stellung des Unteroffiziers kann militärisch unmöglich dadurch gehoben werden, wenn er, wie jetzt, den gelinden oder mittleren Arrest mit dem gemeinen Soldaten zusammen in demselben Arresthause verbüßen muß. Stellt man den Unteroffizier bei den Arreststrasen mehr der Behandlunasweise des Offiziers gleich, so werden sich nicht nur die Strafen für ihn vermindern, sondern der ganze Stand wird eine bedeutende moralische Hebung erfahren, deren günstige Wirkung auf die foziale Lage der Unteroffiziere denn auch nickst nusbleibcn wird. — Das Material, nm das beste Unterofflziercoi-ps der Welt zu haben, besitzt, wie der Reichskanzler einmal aussiihrte, das deutsche Volk in genügender Menge, und auch der Ersatz, den die neue Vorlage beansprucht, ivird sich, wenn auch nicht sofort, so doch in kurzer Zeit finden." __________________
Herr Rickert feine Jndenschnhtrnppe umwandelte in Verein gegen Verarmung und Bettelei, er kommt vielleicht besser zu seinem Ziele. (Heiterkeit rechts.) — Nachdem Abg. v. Jazdzewski dagegen protestirt hat, daß die Polen irgendwie aggressiv gegen die Evangelischen, gegen die Deutschen vorgegangen seien, spricht sich Abg. Friedberg (nat.-lib.) gegen den Erlaß des Ministers, betreffend die Kinder der Dissidenten, aus. — Abg. Rickert (frcis.) hofft, daß er beit Minister dahin richtig verstanden habe, daß er das Ergebniß der Untersuchung bezüglich der Dissidentenkinder sofort in irgend einer Weise bekannt Qiebt. (Nicken des Ministers.) Der Minister bestätigt mir das. Vertreter der jüdischen Gemeinden haben protestirt gegen die Ver- länmdungeu ihrer Moral, in welcher die zehn Gebote als die Grundlage der jüdischen Moral hingestcllt werden; der Talmud habe diese Bedeutung nicht, vor allen Dingen erkennt die jüdische Lehre nichts als erlaubt gegen einen Nichtjuden an, was gegenüber den Inden verboten ist. Wegen seines Jrrthums, daß die Juden odium generis humani schon zur Nömerzeit genanut seien, ist Herrn Stöcker in der Presse heimgeleuchtet worden; in der Nationalzeitnng ist ihm uachgewiesen worden, daß Tacitus diesen Ausspruch auf die Christen anwendete. Der betreffende Herr hoffte von der Ehreichastigkeit des Herrn Stöcker eine Richtigstellung, die aber bis jetzt noch nicht erfolgt ist. Daß Herr Stöcker zu leugnen wagt, daß die Antisemiten mit großen Geldmitteln arbeiten, ist doch seltsam. Der antisemitische Bauernbund hat 20 Wanderredner, das antisemitische Büreau hat Millionen von Flugblättern verbreiten lassen. Ich kenne keine Organisation, die so mächtig arbeitet. Die Autorität Eckers ist nicht weit her. Er hat sich sein Gutachten von Aron Bricmaun machen lassen. Derselbe ivar zuerst Jude, bann Protestant und Katholik. Der Briemanu ist wegen Urkundenfälschung zur Kerkerstrafe verurtheilt worden. Abg. v. Wackerbarth (kons.) weist darauf hin, daß die Regierung darauf verzichtet, bei jüdischen Schülern bei der Reifeprüfung beit Nachweis ber religiösen Bilbung zu verlangen, währenb bies bei christlichen Schillern verlangt wirb. Wenn ‘ bie Regierung keinen Werth darauf legt, baß die Juden bei ihrem Eintritt in den Staatsdienst ihre sittliche und religiöse Reife darlegen, nm so mehr Werth müssen wir darauf legen, baß int Staatsdienst nur Christen obrigkeitliche Stellungen einnehmen. Was Herr Rickert vorgebracht hat, war mir unbekannt. Die Juden haben ihren Talmud lauge geheim gehalten. Es wird ganz gut fei», wenn die Juden hierüber etwas mehr an die OeffenUichkeit bringen. Daß der Talmud gelehrt wird, beweist die Bezeichnung der Schulen danach. Die Juden selbst scheinen auch über den Inhalt des Talmud verschiedener Meinung zu sein, wie der Streit zwischen den jüdischen Blättern beweist. Darauf wird die wertere Debatte bis Dienstag vertagt. Außerdem Verlesung der Interpellation Seyffardr wegen Verunreinigung der Elbe bei Magdeburg.
Antwort des Ministers in Bezug auf den jüdischen Religionsunterricht hat auch mich nicht ganz befriedigt. Wenn in 800 Gemeinden kein jüdischer Neligionsnnterricht gegeben wurde, so glaube er, daß die Schulverwaltung von Anffichts wegen die Pflicht hat, sich darum zu kümmern. Wenn die Juden auch damit zufrieden sind, so fühlt das deutsche Volk davon sich durchaus nicht befriedigt. Ebenso dringkiid wie bei den Dissidenteukindern müßte die Regierung einmal die Frage untersuchen: Wie viel Kinder jüdischer Eltern entbehren jedes Religionsunterrichts? Auch er wünsche, daß Klarheit darüber geschaffen wird, ob in den religiösen Unterrichtsbllchern der Juden linsittlichkeiten enthalten sind, und freue sich, daß die Regierung diese Sache nnterfuchen ließe. Auf jeden Angriff gegen die"jüdische Religion kann die Regierung doch nicht eiugehen; ober soll sie auch auf jeben Angriff gegen bas Christenthum eiugehen, welcher in ber jüdischen Presse steht? Ueber den Talmud hat der Sachverstäiidige Eckerstcin Gutachten abgegeben, daß in den hnndert Sätzen des Judenspiegels sehr viel Unsittliches enthalten ist. (Zuruf: Strack!) Darüber hätte Herr Rickert sich erst unterrichten sollen. Es wird ja über die ungeheuren Geldmittel geklagt, die der Antisemitismus zur Verfügung habe und die den Juden fehlen. Aber saß ein ausgewachsener Mensch solche Dinge glaubt, könnte ich doch eigentlich nicht aitnehinen. Vielleicht wäre es besser, wenn * * ' ~ 1 " '' ------- --------- . ... -- einen
Preußischer gfliibtug.
© Kerttn, 13. Februar.
Abgeordnetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus begann heute die Berathung des Kultusetats. Einige Erörterungen rief die Verwaltung ber Liegenschaften bcS hannöverschen Klosterfonds hervor, wobei Abg. Sattler (nat.-lib.) bie Abtrennung bieser Verwaltung vom Kultusministerium auregte, wogegen von anderen Seiten Widerspruch erhoben wurde. Bei der Besoldung des Ministers brachte Abg. Träger (freis.) die Frage des Religionsunterrichts der Dissibenten- kinder zur Sprache, was zu laugen Debatten führte. Das Reskript vom 16. Januar 1891, welches anordnet, daß diejenigen Diffidenten, welche nicht Nachweisen können, daß ihre Kinder einen vollkommen ausreichenden Religionsunterricht genießeu, ihre Kinder an dem Religionsunterricht einer andern anerkannten Konfession theil- nehmen lassen müssen, wurde vom Nedner als gesetz- uud Der« fassuugswidrig, als ein Eingriff in die Gewissens- und Religionsfreiheit bezeichnet. — Knltnsminister B o s s e führte aus, daher diesen Erlaß feines Amtsvorgängers für vollständig berechtigt halte, der hierdurch befestigte Ztistaud bestehe schon seit 1859. Der Minister erklärte sich als eutichiedenstcr Gegner iedes Gewiffendrucks und Glaubcnszwangs. Es solle auch nicht iedes Dtsstdentenkind gezwungen fein, an dem Religionsunterricht tn der öffentlichen Volksschule theilzunehmeu, sondern nur tn dem Fall, daß ber Vater nicht den Nachweis erbringt, für einen religiösen Unterricht des Kindes in einer nach behördlichem Ermessen ausreichenden Weise gesorgt zu haben. Der gerechte Wunsch des Vaters, den Religionsunterricht seiner Kinder zu . beeinflussen, dürfe doch nicht so weit gehen, das Kind jedem Religionsunterricht zu entziehen; den Kindern habe doch bie Verfassung nicht volle Gewissensfreiheit cinräumen wollen, sonst hörte ja jeher Schulzwang auf. Einer entgegengesetzten allgemeinen Nechffprechung aber werde er sich fügen müssen. 'Auf eine Anfrage des Mg. Wackerbarth (kons.), wie bie Regierung sich gegenüber bent jübifcheu Religionsunterricht verhalte, ertoiberte Minister Bosse, ber judffche Religionsunterricht unterstehe ebenfalls ber Aufsicht des Staates; Beschwerden seien in dieser Hinsicht nicht hervorgetreten; über die Behauptuna, in den jüdischen Religionsbücheru ständen allerlei anstößige Sachen, habe er Berichte einfordern lassen, die erst zum kleinsten Theil etugegangen seien. Ueber bie Gesetzmäßigkeit des erwähnten Erlasses äußerte Abg. Langerhans (sreis.) anbere Ansichten als ber Minister, was eine neue Entgegnung des Letzteren hervorrieh - Abg. Graf (nat.-lib.) bemängelte, daß von den im vorigen Jahr zur Durchführung des Normaletats für die Lehrer bewilliaten Geldern zwei Drittel nicht zur Verwendung ^kommen, auch die Hu sslehrerzeit nicht ungerechnet worben sei. — Abg. v. ^a zdzewski (Pole)brachte eine Reihe von Beschwerden über die Behandlung der Polen in Kirchen- und Schulangelegenheiten vor. - Minister Bosse wies die Angriffe des Vorredners entschieden zurück; eme Feindseligkeit gegen die Polen und eine Neigung, in jenen Gegenden einen neuen „Kulturkampf" anzufachen, bestehe bei der Regierung nicht aber bie Polen seien ber angreifenbe Theil, mib bie Regierung habe auch die Pflicht, die deutschen nationale» Jntereffeu zn fchützeu — Abg. Rickert (freist > wünscht Befchleiimgung ber amtlichen Erhebungen über bei, Inhalt der jüdischen Religionsbücher. - Ge- heimräth Germar theilt mit, die Lehrer au den nichtstaatlicheu Anstalten erhielten das Gehalt des Normaletats vom 1. April er. 0(, — Stöcker (bk.) ist nicht mit dem Zwangsunterncht ber Dissidenten einverstanden. Daß die Dfffideutenkiuder biblische Geschichte lernen, halte er zwar für durchaus angebracht, denn eine historische Kenutniß des Christenthums müsse Jeder sich erwerben, der die moderne Bildung verstehen wolle. Aber Kinder von Atheisten zwangsweise zum Auswendiglernen des lutherifchen oder katholischen Katechismus auzuhalten, könne er nicht billigen. Die
Aiizeigtn-PreiSr
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ersetzt?
Nun zur Sache selbst. Die Unteroffiziere sind int Mlitärischen Bereich ein überaus wichtiger und werthvoller Faktor. Sie sind für das Heer das, was der Bolks- Willehrer für das Civillebeu ist. Beide müssen alls dem Möbsteu heraus einen borgeschriebeneu Kent schälen. Und es ist gewiß nicht zu leugnen, daß es ein ziemlich hohes pädagogisches Talent erfordert, um aus einem stumpfsinnigen Wasserpolackeu einen brauchbaren deutschen Krieger zn machen. An großes, nicht zu unterschätzendes Requisit brächte ferner der Unteroffizier mit zum Lehrerberuf: Straffheit des Körpers und des Geistes. Man glaubt gar nicht, welchen Ein- dÄck dies auf Kinder macht. Einem solchen Mann, der inen unbewußt impomrt, gehorchen sie ohne Weiteres viel Heber, als einem.bleichwangigen, körperlich schlaffen und deshalb energielosen Lehrer, wenn detselbe auch noch so großes pädagogisches Wissen hat. Weiter wäre es vielleicht von ärößem befruchtenden Einfluß auf unser ganzes Schulwesen, mnn als Gegengewicht gegen die rein geistige Ausbildung auch die körperliche — nach Art der alten Ghmuasien —
Uinehr betont würde. Dann wäre der Vorschlag des„Militär- S Wochenblattes" nicht so sehr seltsam. Aber so ist es wohl H nicht gemeint. Denn wenn es auch auf der Hand liegt, Udaß nicht jeder beliebige Unteroffizier Lehrer werden kann, Msondern mir einer, der sich in einer besonderen Prüfung | dazu als geeignet erwiesen hat, wenn auch in dieser Frage der Unteroffizier nicht nach jenem Thpus behandelt werden darf, der aus den Soldatenmißhandlungen bekannt ge- vordeu ist, oder nach jenem, dessen Aussprüche als Kaserneu- | hofblüthen in den Witzblättern uns so oft belustigen — kurz, wenn man auch Alles, was irgend zu Gunsten jenes Vorschlages sprechen könnte, erwägt, so wird man doch die Fräge, ob Unteroffiziere Volksschullehrer werden sollen, ent- g schieben verneinen.
| Unsere gegenwärtige Volksschule gründet sich haupisäch- j lich auf die Psychologie; man verlangt mehr und mehr, K und auch mit Recht, das liebevolle Eingehen des Erziehers das zarte und weiche Kindergemüth, und wer nicht I jahrelang aus diesem Quell aller Volksschulpädagogik hat i schöpfen dürfen und nur Durch „kraftvolles Schnauzen" 1 Disziplin in die Reihen feiner Rekruten gebracht hat, dem f dürfte es wohl schwer fallen, als Lehrer irgendwelche | Resultate zu erzielen. Und nun darf man auch nicht
L Wßer Acht lassen, daß ein bischen mehr Wissen zum «hrerstand gehört, als ein Unteroffizier braucht.
| Wenn dieser fein Reglement gut im Kopfe hat und die | «wehrgriffe recht schneidig einübcn kann, dann pflegt dies | Weift schon zu genügen, denn viel höhere Ansprüche werden i *6 den Unteroffizier heutzutage nicht gestellt. Oder glaubt U «s Eingangs erwähnte Blatt, daß vier Wochen Probezeit
Fügen, um ans einem Unteroffizier einen Volksschullehrer Machen. Diese Auffassung erscheint uns ein bischen | Wjr als naiv, und der Artikelschreiber muß die Kenntnisse | e’i!e§ Lehrers recht gering schätzen.
I , Die Gewöhnung an „Gehorsam, Zucht und Ordnung" | M den Unteroffizier besonders befähigen zum Lehramt.
Wer der militärische Gehorsam ist starre eiserne Disziplin, den blindesten Gehorsam verlangt und welche wohl in wfem Gegensätze zu dem milden Geiste der Liebe, I Wer nach Pestalozzi in der Schule herrschen soll, «ht. Freier Gehorsam ist hier das Ziel und die Ent- - Pökelung des Einzelnen die Aufgabe. Auch den Umstand | darf man nicht unerwähnt lassen, daß die rauhen, oftmals ® 6 rauhen Sitten des Kasernenlebens auf die Arbeit in der U vchnle durchaus nicht vorbereitend einwirken dürsten.
Aus Allem bisher Gesagten geht wohl zur Genüge her- ■ A, daß der Artikel des „Militär-Wochenblattes" ein neuer ■ Abgriff schlimmster Art war, ein Mißgriff, nicht weniger | Mimm, als die Kritik der Landwehr; auch er fordert die | Merkliche Meinung geradezu heraus.
VolMsche Tages-Rundschau.
— Jede Phase des Panamaprozesses stellt die moralischen Schwächen des gegenwärtigen französischen Regierungssystems immer mehrbloß, und stärker wächst das Mißtrauen gegen dasselbe vonTagzuTag. Unter diesen Umständen gewinnt der schließliche Sturz des ganzen Regierungssystems an Wahrscheinlichkeit. Selbst die Stellung des Präsidenten Carnot erscheint erschüttert, denn die Stimmen mehren sich, welche ihn mitverantwortlich machen dafür, daß die Regierung den Parianiaschwindel begünstigte, und die auch gegen, ihn den Vorwurf erheben, daß die Regierung jetzt die Affaire möglichst zu vertuschen sucht. Der Sturz des Regierungssystems dürste auch die parlamentarischen Parteien nut sich reißen, welche die Regierung unterstützten und die durch ihre der Betheiligung an den Panama-Durchstechereien theils überwiesenen, theils verdächtigen Führer gleichfalls kompro- wittirt sind. Denjenigen parlamentarische» Kreisen, die sich frei wissen von jeder Mitschuld an dem Pauamaschwindel, wird es immer klarer, daß es für die Panamakrise nur eine Lösung giebt: Ausrichtung eines neuen Regierungssystems, das allein das stark erschütterte Vertrauen des Landes zur Regierung wieder befestigen kann. Dieser Gedanke war der Kern einer sensationellen Rede, welche der Deputirte Cavaignac dieser Tage in der Kammer gehalten hat. Cavaignac, welcher im Namen des republikanischen linken Centrums und der monarchischen konservativen Rechten sprach, zog die Moral aus der Panama-Affaire und verlangte von der Regierung Garantieen für die Zukunft. Die fast einstimmige Annahme der von ihm beantragten Tagesordnung bedeutete ein Mißtrauensvotum für die Regierung. Der Ministerpräsident Ribvi reitete sich aber aus der fatalen
