Gebensan sch anung «nd Sittlich kett.
In dem geselligen Leben der Gegenwart hat eine bedenkliche Veräußerlichung wesentlicher sittlicher Begriffe von L Anstand und Würde, Ehre und Wahrhaftigkeit Platz gegriffen, es hat sich eine Moral der Mittelstraße entwickelt, die fast ausschließlich auf dem Prinzip der Zweckmäßigkeit und des ungestörten geselligen Zusammenlebens begründet ist, die aber der Ausbildung kräftiger, lebensvoller Persönlichkeiten hindernd entgegensteht und der tiefsten sittlichen Motive entbehrt. Eine Ursache dieser Erscheinung liegt gewiß mit in der Zunahme des allgemeinen Wohlstandes und in den durch äußere Genüsse erhöhten Versuchungen, vorzugsweise aber in der Vermehrung einer bestimmten Kategorie von Genußmenschen, die sich namentlich in den größeren Städten vordrängen, meist unverheirathete Männer ohne Lebenszweck und Lebensinhalt, zum Theil ohne Berus, zum Theil in müheloser, vielfach unregelmäßiger und auf Zufall gegründeter Geschäftsthätigkeit, wie sie der Börsenverkehr und die Spekulation auf allen Gebieten mit sich bringt; Lebemänner, die auf irgend eine Weise reich geworden; unerzogene Söhne reich gewordener ungebildeter Eltern; dazu tonangebende Abenteurer aus den verschiedensten Berussklassen: so setzt sich diese Gruppe zusammen und wirkt überall, in Worten und Handlungen, als verderbliches Beispiel für die Jugend. Diesen Genußmenschen ist für Geld Alles käuflich, auch Ehre, Tugend und Glück ihrer Mitmenschen. Diese niedrigste Klasse der Besitzenden ist es vorzugsweise, bieder öffentlichen Sittlichkeit den schwersten Makel zufügt.
Die Nachsicht gegen diese Genußmenschen und gegen die konventionellen Sünden in den höheren Ständen hat sich fthr rasch auch den übrigen Klassen der menschlichen Gesellschaft mitgethcilt. Ein gewisser Theil der Lstteraiur, Knnst und Tagespresse leistet dieser laxen Moral nur geringen Widerstand, ja, befördert ihn geradezu, und auch in der Wissenschaft droht der Materialismus den germanischen Idealismus, d. i. da§ Streben nach Wahrheit, Seelenreinhcit, Gemüths- tiefe und die Gedanken an das Göttliche und Ileberirdische, zu verdrängen. Die sog. sozialistische und sozialdemokratische Sturmfluth, welche viele Angstmenschen von unten Heraufziehen sehen, ist weit ungefährlicher als die moralische Vergiftung, welche von oben herab durch dieAfterweisheit einer materialistischen Weltanschauung und durch das schlechte Beispiel reicher Genußmenschen in die Volksseele einzndringen scheint. Hier gilt es, Wandel zu schaffen. Es ist Pflicht der besseren Gesellschaft, solch gewissenlosem Treiben den Stempel der Gemeinheit aufzndrücken und diese niedrigste Klasse der Besitzenden, diese Mammonspriester, mit unnach- stchtiger Strenge aus der Gemeinschaft ausznschließen. Sehr beherzigenswerthe Vorschläge in dieser Richtung enthält ein Vortrag, den der Herr Geh. Sanitütsrath Brinkmann in Wiesbaden jüngst in der allgemeinen Konferenz । «er Sittlichkeitsvereine zu Darmstadt im Oktober v. I. gehalten und im Druck veröffentlicht hat unter dent Titel: »Inwieweit beeinflnssen die Lebensverhält- üisse und Lebensanschauungen der Gegenwart die Sittlichkeit?" Die Gedanken des Verfassers sind nicht am Schreibtisch ausgesounen, sondern aus reichen mneren und äußeren Lebenserfahrungen geschöpft und inmitten praktischer Berufs- und freiwilliger Hülfsthätigkeit gewonnen. Nach Brinkmanns Ansicht ist die Bekämpfung der Unsittlichkeit nur möglich durch Belebung der gejammten t- sittlichen Kräfte eines Volkes. Eine der grundlegenden Aufgaben der Sittlichkeitsvereine ist Erforschung der Ursachen, die das Volksgewissen herabgesetzt haben. Die vornehmste Ursache der Fälschung des Volksgewissens Und somit der Sittenlosigkeit ist nach ihm „der ethische Materialismus". Die Lebens- und Arbeitsverhältnisse aller Stände haben wesentlich mitgewirkt. Das Uebel ist theilweise Schuld der Gemeinschaft, die dem Volke iu wenig Gerechtigkeit und Liebe angedeihen ließ. Eingehen auf leibliche Roth ist für religiöse und sittliche Emporhebung mit erforderlich, das Beispiel Christi entscheidend. Eine erleuchtete Wohlthäligkeit strebt, außer der Unkeusch- D heit auch den anderen Volkslastcrn entgegenznwirken, namentlich der Trunkliebe, sucht darum Fühlung mit den hierauf . gerichteten Verbindungen. Schulung und Erziehung der | Lehrlings- und lohnarbcitenden Jugend im Alter von W—18 Jahren durch obligatorische Fortbildungsschulen, I Hand in Hand mit Jünglings-Bildungs- und Volkswohl- Bereinen, ist eine Bedingung für Erneuerung des Seelenlebens. Für den sittlichen Schutz der lohnarbeitenden weiblichen Jugend sind besondere Maßregeln unabweisbare Pflicht der Sittlichkeitsvereine, welche in eine organische Verbindung mit den gleiche Ziele erstrebenden Ver- Mtaltungeu der inner» Mission, der katholischen Kirche und | »ei' Humanitären Vereine treten sollten. Es genügt nicht, Mir Gelegenheit zur Sünde einzuschrggkcn, die Sünde selbst
in der Volksseele anzugreifen ist die höhere, ideale Aufgabe. Die so sehr vernachlässigte Scelenpflege muß auf das Ideal eines einfachen treuen Familienlebens und sittenreinen lebensfreudigen Verkehrs mit den Mitmenschen hingelenkt werden. Die allgemeinen, vorbeugenden und erziehenden Aufgaben der Vereine verlangen eine Erweiternng ihrer Organisation, gb.
Deuischer Reichstag.
O Berlin, 8. Februar.
Die Berathung des Antrags Ackermann, betreffend die Konsum- Vereine u. f. w., wird in Verbindung mit den entsprechenden Anträgen des Centruins fortgesetzt. — Ackermann (dk.): Nummer7 meines Antrags verlangt, daß aus der Bezeichnung jedes kaufmännischen oder gewerblichen Geschäfts das Geschlecht uud der Name des Inhabers erkennbar fein muß. Wenn heute Jemand die Exekution droht, so überträgt er schleunigst das Geschäft seiner Frau, uud mau kann ihm nichts anhaben. Im Handelsregister wird zwar die Ilcbcrtragnng vermerkt, aber die Firma bleibt unverändert. Es liegt im Interesse jedes Mannes, der geschäftlich mit der Firma verkehrt, ob in ihren Inhabern ein Wechsel eiuge- trcten ist oder nicht. Nummer 8 meines Antrages will Denjenigen mit Strafe bedrohen, der nach erkannter Zahlungsunfähigkeit Geschäfte auf Kredit macht, ohne den andern Theil zuvor davon in Kenntniß gesetzt zu haben. Tie Annahme dieser Nummer halte ich für dringend nothwendig, um den Betrügereien und Durchstechereien, die auf diesem Gebiet sehr überhand genommen haben, ein Ende zu machen. (Beifall rechts.) — Nintelen (Centr.) beantragt, beide Nummern einer Kommission zu überweisen, da sie inhaltlich in engem Zusammenhänge ständen. Die heutigen Bestimmungen der Konkursordnung über die Zahlungsunfähigkeit führten vielfach dahin, daß Jemand für zahlungsunfähig erklärt werde, obwohl er ein großesVennögen habe, dadurch würden' oft kleine Leute schwer geschädigt. Hier müsse also unter allen Umständen eine Aendernng enüreten. Die Zahl der Konkurse habe sich in den Jahren 1884—1892 von 6000 ans 7296 vermehrt. Die Zunahme der Konkurse sei aber eine Folge der Konknrsordnung selbst. Es habe sich die Sitte eingebürgert, aus dem Konkurse Vortheile zu ziehen. Kaufleute, die arg verschuldet seien, machten heute trotzdem große» Aufwand, nur nm den Leuten Saud in die Augen zu (treuen und sich damit neuen Kredit zu verschaffen. Dann verschleuderten sie die Maaren, die sie sich durch Kredit verschafft hätten, und die Gläubiger hätten das Nachsehen. Diesen Uebel- ständen suche sein Antrag abzuhelfen. Die Art der Moratorien uud Akkorde, luie sie jetzt üblich ist, dürfen wir nicht begünstigen. Wir wollen nicht von dem Grundsatz abgehen, daß die Mehrheit der Gläubiger die Minderheit zum Akkordschluß zwingen kann. Wenn es sich aber um einen Akkord von 10—30 pCt. handelt, fo soll das Konkursverfahren seinen Gang ruhig lveiter gehen. Wir schlagen in niiserni Gesetzeulwurf vor, daß der Gläubigerausschuß nur dann außer Wirksamkeit gesetzt werden soll, wenn 75 pCt. der Forderungen einig sind. Nach der Konknrsordunug braucht ein Gläubigerausschuß nicht nothwendig bestellt zu werden. Wir halten die obligatorische Einsetzung eines solchen im Falle eines Konkurses ans sozialpolitischen Gründen für durchaus erforderlich. Ich
empfehle Ihnen meinen Antrag zur Annahme.— Frhr. v. Stumm (Reichrp.) hält die Anträge Rintclen und Ackermann für undurchführbar; namentlich würden Aktiengesellschaften, Kom- manditgesellschasteu und andere zu hart dadurch betroffen werden.— Abg. Bar (sreis.) erwidert, die Vermehrung derKonkurse sei hauptsächlich eine Folge der größeren Ausdehnung des Verkehrs. Dieser Antrag gehe zu weit — Abg. Schneider (uat.-lib.) führt aus, die frivolen, betrügerischen Konkurse müßten verhindert und bestraft werden; cs beständen aber erhebliche Bedenken, namentlich wegen Einschränkung eines Zwangsvergleichs. Heine (Soz.): Eine große Anzahl der Konkurse wird durch dieLebensverhältmsse einerseits und die mangelhafte Schulbildung anderseits bervorgebracht. Man belehrt die Kinder über alle möglichen Dinge, über das Leben nach teilt Tode, aber nicht über das Leben auf Erden. Einer Menge von kleinen Geschäftsleuten, die nicht in das Handelsregister eingetrogeu sind, schneiden Sie die wohlthätige Bestimmung eines Zwangsvergleichs ab. Ferner verlangt der Antrag, daß ein in Konkurs Gerathener teilt Geschäft durch einen Anbern zu feinen Gunsten machen darf. Wovon soll der Mann denn leben? Diese Bestimmung verstehe ich nicht. Sie wollen ferner Denjenigen bestrafen, der durch leichtsinniges Kreditgeben in Konkurs gerathen ist. Dies ist ein so dehnbarer Begriff, daß eine solche Bestimmung unhaltbar ist. Und wer soll darüber entscheiden, ob leichtsinnig Kredit gegeben ist? Leute, die nichts vom Leben verstehen, das Wohlthun, das Ihre christliche Lehre vorschreibt, wollen Sie grabe beschränken. Mir sind ihatsächlich Fälle bekannt, wo ehrenhafte Leute, die in edler Gesinnung ein Darlehn gegeben haben, in Konkurs gerathen sind, und die wollen Sic bestrafen, sogar mit Ge- fängniß. Auch die Bestimmung, daß leichtsinniges Schuldenmachen bestraft werden solle, ist unhaltbar. Statt dieser strengen und uni- fangreichen Bestimmungen sollten Sie lieber auf eine Vereinfachung hiuzielen. Ich mit meinen Freunden bin nicht für die Verweisung des Slntrages an eine Kommission, sondern wir werden ihn rundweg ablehneu. — Ackermann (dk.) besürwortet nochmals die Anuuahme seines Antrages. — Gröber (Centr.): Die Motive der KoukurSordnnng hätten anerkannt, daß Jeden, der leichtfertig oder betrügerisch einen Konkurs herbcisühre, die volle Strenge des Gesetzes treffen solle. Diese Strenge sei von hoher sittlicher Bedeutung. Die Antragsteller hätten die neuen Bestimmungen fast wörtlich dem österreichischen Gesetze entnommen, das sich gut bewährt habe. Er hoffe, daß man Für und Wider in der Kommission erwägen und dann den Entwurf mit großer Mehrheit annehmen werde. (Beifall) — Darauf werden die Nummern 7 und 8 des Antrags Ackermann und der entsprechende Centrumsantrag einer Kommisiiou von 21 Mitgliedern überwiesen. — Es folgt die Abstimmung über Nr. 2 des Antrags Ackermann, den Konsumvereinen die Abgabe von Maaren an Nicht- mitqlieder schlechthin und unter Strafandrohung zu verbieten. — Richter (df.) beantragt namentliche Abstimmung. — Nr. 2 des Antrags wird mit 131 gegen 92 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die Natioualliberalen, die Deutschfreiünuigen, die Volkspartei und die Sozialdemokraten. Die zweite Berathung wird im Plenum stattfinden. — Es folgt die zweite Berathung des vom Abg. Niiitcleu (Centr.) kingebrachten Gesetzentwurfs (lex Ahl-
i
Abend-Ausgabe
Wiesbadener Sagblatt
41. Jahrgang.
Verlag: Langgasse 27.
13,000 Abonnenten.
Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugspreis: SO Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit br- gonueu werde«.
Attzeigen-PreiSr
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Sliueigett 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
68.
Donnerstag, den 9. Februar
1893.
warbt), dem § 69 des Strafgesetzbuchs folgenden zweiten Absatz beizusügen: „Die Verjährung ruht während der Zeit, in welcher auf Grund des Gesetzes eine Strafverfolgung nicht begonnen oder nicht fortgesetzt werden kann. Der Entwurf wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag. Fortsetzung der Etatsberathnug.
*
Die Militär-Kommission setzte die Berathung des Berichtes der Subkommissio» fort. Buhl wies darauf hin, daß der vom Reichsschatzamt int Etat 1893/94 infolge der Handelsverträge mit 27 Millionen angenommene Ausfall an Zöllen bei weiterer Erstreckung der Meistbegünstignugsklansel auf 36 Millionen steigen würde. Frhr. v. Hammer st ein erhebt für sich und seine Freunde dagegen Widerspruch, daß eine Erstreckung der Meistbegünstigung auf Rußland Wünschenswerth fei. Fortsetzung Samstag.
*
Die Wahlprüfungs-Kom Mission des Reichstags beschäftigte sich am Dienstag mit der Wahl des Rektors Ahlwardt in Arnswalde-Friedeberg. Die Wahl ist int Wesentlichen deshalb beanstandet, weil der Landrath v. Bornstedt für dieselbe öffentlich einqetreten ist. Herr v. Bornstedt hat aber den bezüglichen Aufruf nicht mit Landrath v. Bornstedt, sondern allein v. Bornstedt unterzeichnet. Das genügte der Mehrheit des Ausschusses, um die Frage einer amtlichen Wahlbceinstnffung mit 8 gegen 3 (freisinnige) Stimme» zn verneinen. Am Mittwoch erklärte alsdann die Kom- miffion die WahlAhlwardls mit 8 gegen 4 Stimmen, darunter drei freisinnige uud der Sozialist Bruhns, für gültig. Der andere Sozialist, Aucr, stimmte mit der Majorität. Es wurde auch an- geuomnien, daß bei der außerordentlichen Stimmenmehrheit für Ahlwardt das Eintreten des Beamten nicht ausschlaggebend gewesen sei.
Volttische Tages-Rimdschau.
— Der Export Deutschlands nach den Verein igtenStaaten hat, wie der soeben erschienene Bericht des Generalkonsuls William Hayden Edwards "für Norddeutschland int Jahre 1892 koustatirt, eine Verminderung von 2,328,836 Dollars erlitten; 1892 betrug der Gesammt- export für Norddeutschland 48,916,270 Dollars gegen 51,245,107 Dollars int Jahre 1891. Der Bericht des Geueralkousnls für Süddelitschlaild mit dem Sitze in Frankfurt ^a. M. ist noch nicht erschienen; das Generalkonsulat für Süddeittschland ist bedeutend kleiner als das für Nord- deutschland, uud deuigemäß dürften sich die Exportziffern gestalten.
— Unter der Ueberschrist „Irrungen und Wirrungen" spricht sich der Berliner Plauderer der „N. Zürich. Z." über die Strömungen für ttttb gegen die Militärvorlage aus. Er kommt zu dem Schluß:
„Mir will scheiiten, als ob die Aussichten der Negierung nicht uiigünstig liege», so daß sie schließlich doch den größte»' Theil ihrer Heeresforderuugen einheimst." An einer anderen Stelle heißt cs: „Darüber muß man sich int Auslande völlig klar fein; sobald die Regierung im Stande ist, dem deutschen Volke wirklich glaubhaft zu machen, daß die neuen Heeresforderuugen unbedingt nothwendig sind zur Anfrechtcrhaltnug der gesicherten Stellung Deutschlands, so werde» sie glatt bewilligt, und das uöthige Geld ist in de» Taschen der Steuerzahler auch noch da. Die jetzige Opposition setzt sich — ausgenommen bei einem Theil der Sozialdemokraten — zusammen aus dem dunklen Mißtrauen, unnütze Ausgabe» zu mache», und dem leidenschaftliche» Wunsch, für den Parlamentarismus erhöhten Einfluß zu erobern. Nur als gefälliges Mäntelchen wird darüber die Klage von dem finanziellen Ruin der Nation gebreitet." liebet die Vorlage selbst in Verbindung mit den Stenerentwürsen heißt es: „Der Sturz Bismarcks hat das diplomatische Prestige Deutschlands verringert. Um diesen Verlust in der äußeren Politik auszuglcichen, fordert die jetzige deutsche Negierung jährlich rund hunderttausend Soldaten mehr. Deren Unterhalt kostet natürlich dementsprechend mehr, und da das Reich keine Ueberschüsse hat, so müsse» mehr Steuern erhoben werde». Nun hat die neue Regierung unter Caprivi bekanntlich auch eine veränderte Handelspolitik Ungeschlagen, durch welche die bisherige» Zolleiunahme» des Reichs nicht unwesentlich verkürzt wurden. Um dafür einen Ausgleich zu schaffen, sind ebenfalls neue Steuer» »vthig. Also mehr Steuern für die geplante Heereserweiternng »nd mehr Steuern für den Ausfall der Zölle! Bis neue Reichsstener» aufgefunden sind, haben die Einzel- ftaaten durch erhöhte Zuschüsse (Matriknlarbeiträge) an den Reichs- Säckel die Löcher zuzustopfen, und dabei kommt zunächst Preußen als größter und verhältnißmäßig armer Einzelstaat in Betracht. In Preußen hat nun Finanzminister Miquel bereits seine Steuerreform begonnen, die natürlich 1) darauf ausgeht, überhaupt höhere Steuererträgnisse zu erhalten, und die 2) einen gewissen sozialistischen Zug hat. Die besitzlosen untern Klaffen werden soweit als möglich ganz entlastet und die besser gestellten und besitzenden Schichten progressiv besteuert."
— Die Angelegenheit Milau - subra - Fraukfurter Zeitung ist eigentlich eine Privatangelegenheit, doch scheint sie der frühere Herrscher von Serbien so aufgcfaßt zu haben, als sei hinter der aus Belgrad gekommenen Korrespondenz über eine angeblich eingeklagte Schuld von '/» Million Franken irgend eine serbische, gegen die Versöhnung des Exkönigspaarcs gerichtete Jntrigne zu suchen. Daher hat er sich denn auch, wie mitgetheilt, persönlich nach Frankfurt aufgemacht, nm der Sache auf den Grund zn gehen. Die „Frankfurter Zeitung" versichert, sie habe dem König, soweit dies ihr möglich gewesen, bereitwillig Aufschluß ertheilt, da diese Angelegenheit für sie nicht politischer, sondern privater Natur sei. Milan scheint sich aber nicht davon überzeugt zu haben, und die Quelle, aus der jene Korrespondenz kam, ist ihm sicherlich noch verborgen geblieben, denn er soll nunmehr eine Beleidigungsklage gegen den ver-
Li ^MLiUÄ>4MfzWkS«MWilWlMLMWWi«MMchDMM^WUWWWWWWlWV -4 i. - , h l- . . , i- 1 . t- . - -- m u 1r ‘Uhlsuii
