Abend-Ausgabe
Wirobaiirnrr Sagblatt
«. Jahrgang.
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K-. 58,
Freitag» den 3. Februar
1893.
Die Kage der deutsche» Arbeit.
(Ende Januar.)
In den letzten Wochen konnte man die Erfahrung machen, daß noch immer große Arbeitcrmassen in Deutschland leicht geneigt sind, in den wirthschaftiichcnKämpfen durch Leidenschaften und plötzliche Gemüthsanswallungen klare Einsicht und ruhige Ueberlegung zurückdrängen zu lassen. Denn nur wenn man den A u s st a n d d e r B c r g a r b e i t e r im Saarbezirk unter diesem Gesichtspunkt betrachet, wird er verständlich. Wie die Verhältnisse dort auch liegen mögen: würden die Arbeiter ruhiger Ueberlegung das Wort gegönnt haben, so würden sie in der jetzigen Zeit nicht iii den Streik eingetreten sein. Es war jedem Einsichtigen klar, daß dieser Ausstand mit einer Niederlage enden müsse. Die Folgen der Letzteren werden die Bergleute zu tragen haben, aber die Bergbehörden sollten den Geist der Versöhnlichkeit walten lassen.
In diesem Streik konnten die Bergleute um so weniger siegreich bleiben, da der Bedarf an Jndusiriekohlen gegenwärtig nnr ein mäßiger ist, große Kohlenvorräthe säst überall vorhanden sind und bei der noch immer gedrückten Lage des Arbeitsmarktes den Streikenden auch nachhaltige Unterstützung nicht zu Theil wurde. Denn obwohl einzelne Großgcmerbe besser beschäftigt sind als im vorigen Winter, so ist doch die Mehrzahl der Arbeiter, wenn auch keineswegs int gewöhnlichen Sinne des Wortes unter einem Noth- stand seufzend, so aber doch nicht im Stande und auch nicht gewillt, Streikunterstützungen zu zahlen.
Am ausgiebigsten scheint sich in den letzten Monaten der Geschäftsgang in einzelnen Zweigen der Textilindustrie gebessert zu haben. So hat die Weberei in Kleiderstoffen ? sehr bedeutende Aufträge sowohl für den deutschen Markt Nm für das Ausland erhalten, auch die Wirkerei ist in Hren Hauptzweige» gut beschäftigt und steht sich in der Scumpsfabrikation selbst genöthigt, mit langen Uebcrstnuden zu arbeiten. Die Besserung dieser Industrie hat auch auf den deutschen Garnmarkt wohlthtitig eingewirkt. Die Beschäftigung ist auch hier eine regelmäßigere geworden und ha: im Zusammenhang mit den auf dem Weltmarkt lang- sam anziehenden Wollpreisen zu einer Steigerung der Garupreise beigetragen. Auch die deutsche Spitzen- und Stickcreisabrikation gehört zu jenen Erwcrbszweigen, die uch in letzter Zeil eher gebessert als verschlechtert haben, und ebenso kommen aus der Fabrikation künstlicher Blumen günstige Nachrichten über guten Geschäftsgang.
Nicht so günstig liegen allerdings die Verhältnisse in der Maschinenindustrie. Hier scheinen nur Fabriken mit besonders großem Ruf wirklich ausreichend und lohnend be- lchästigt zu sein. Denn auch die etwas günstigere Lage der Textiliudnstrie hat den Bedarf an Textilmaschinen keineswe £■ merklich erhöht. Mit Erweiterungen ihres Betriebes ftub gegenwärtig auch gut beschäftigle Fabrikanten vorsichtig. Mit Recht sind sic gegen die Konjunktur miß- jfftüisch; sie wollen sich nicht durch die Anschaffung theurer Maschinen große Lasten aufbürden, die schwer zu tragen Iwd, wenn den jetzt vorhandenen größere» Aufträgen nicht ^Eforl andere folgen und die Maschinen wieder still stehen. Nur wo die Konkurrenz die Verwerthung wichtiger »euer Wölbungen nothwendig macht, oder die geschäftliche Zukunft über die vorhandenen Aufträge hinaus sicher gestellt ist, sind kapitalkräftige Fabrikanten zu Belriebserweiterungen und «endernngen bereit. Im Allgemeine» kan» man daher die «-agc der Maschinenindnstrie noch immer als schlecht oder Mindestens als gedrückt bezeichnen.- In der verwandten Eisen- ^dustrie haben in de» letzten Wochen selbst mehrfach Ar- Mterentlaffnngen stattfindcn müssen, die neuerdings int Berg- Wrksbetr iebe auch durch den Ausstand bekanntlich veranlaßt sind, k Ein nahezu völliger Stillstand ist seit Wochen int Bciu- ; Kwerbe eingetreten. Die große Kälte verhindert selbst Erd- -«kbeiten und die Beschäftigung int Innern von Neubauten, M in milden Wintern selten abgebrochen zu werden pflegt. Auch der Wassermangel hat den Arbeitsmarkt vielfach vcr- M«htert. Zahlreiche Betriebe, die auf Wasserkraft ange- ||ttfen sind, müssen schon seit Wochen ganz oder theilweise M Aber mißt man die Besserungen und Verschlechterungen W deutschen Arbeitsmarktes in ihrer Gesammtheit, so ist E "'chi zweifelhaft, daß die Lage eine günstigere geworden K Arbeiterentlassungen sind seltener als .im vorigen Winter, Vetriebsbeschränkuiigen sind weniger hätisig, Lohn- W^uugen gehören zu den Austiahmett. Einzelne Erwerbs- Wsste zahlen dagegen höhere Löhne, und sie suchen Arbeiter. iAuchzeilig ist der Brodpreis gesunken, auch Kartoffeln und l'ud vielfach billiger geworden. Im Allgemeinen hat W daher die Lebeilshaltung der denlschen Arbeiter gegen W vorigen Winter etwas gebessert, nur ausnahmsweise ist
Verschlechterttilg eingetreten. Diese Ueberzeugung eines unparteiischen Beobachters kann auch durch die Noth- Wdserörterungen nicht erschüttert werde». C.
Deutsche Einfuhr und Ausfuhr i. 1.1892.
Der Gesammt-EinsuhiWerth der deutschen Handelsstatistik pro 1892 berechnete sich nach den zur Zeit noch in Anwendung gebrachten Einheitswerthcn des Jahres 1891 auf 59,7 Millionen Mark höher als im Vorjahre 1891. Die Hauptnrsache hierfür liegt in der Mehreinsnhr von Nahrnngs- und Genußinitteln sowie von Rohstoffen. So wurden von den fünf Getreidcarten, Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Mais, im Jahre 1891 30 Millionen Doppelcentner, im Jahre 1892 dagegen 32,3 Doppelcentner eingeführt. Sehr wesentlich hat sich auch die Einfuhr von Wein und Weintrauben gesteigert. Im Jahre 1891 wurden 697,115 Doppcl- centner — 553,270 Hektoliter in Fässern und 31,645 Doppel- cenhter — 25,115 Hektoliter (126 Kilogramm — 100 Liter) Wein in Flaschen eingesührt. Im Jahre 1892 dagegen gelangten in Fässern 702,371 Doppelcentner — 557,436 Hektoliter Trinkwein und 119,362 Doppelcentner = 94,730 Hektoliter Wein zum Verschneiden nnd zur Kognakbereitnng, also zusammen 821,733 Doppel- ccntner Wein in Fässern oder um 124,618 Doppelcentner — circa 100,000 Hektoliter mehr zur Einfuhr. Dagegen verringerte sich die Einfuhr von Wein in Flaschest etwas. An Weinbeeren zur Most- bereitnug wurden im Jahre 1892 188,959 Doppelcentner, im Jahre 1891 aber nur 55,646 Doppelcentner eingeführt.
Von Petroleum wurde im Jahre 1892 7,4 Millionen Doppelcentner, im Jahre 1891 mir 6,8 Millionen Doppelcentner importirt. An roher Baumwolle und Baumwollabfällen kamen 1892 2,6 Millionen Doppelceiitner, im Jahre 1891 dagegen 2,8 Millionen Doppelcentner zur Einfuhr, an roher Schafwolle jedoch wurden 1,6 Millionen Doppelcentner statt 1,4 Millionen Doppelcentner eingesührt. Ebenso ist die Einfuhr der Rohseide etwas gestiegen. Da die Einfuhr der Menge nach mit 1,7 pCt. gegen 1891, der Einfuhrwert!) aber nur um 1,3 pCt. gestiegen ist, so ergiebt sich daraiis, daß sich die Steigerung der Einfuhr hauptsächlich auf minder- werthige Artikel, also Rohstoffe, bezog.
Der AnSsnhrlvcrth des dentschcn Waarenhandels hat sich im Jahr 1892 um 11,7 Millionen Mark gegenüber dem VorjahrS- werthe gemindert. Die Minderausfnhr erstreckt sich hauptsächlich auf Eisenbahnschienen und Eisenbahulaschen: 1,532,698 Doppelcentner gegen 2,062,520 Doppelcentner, Ban- nnd Nutzholz, roh und gefügt: 2,793,390 Doppelcentner gegen 3,246,404 Doppelcentner, .muffkritische Instrumente inkl. Klaviere: 110,588 Doppelcentner gegen 124,234 Doppelcentner, Fleisch von Vieh, ausgeschlachtet, 48,709 Doppelcentner gegen 113,823 Doppelcentner, Spiritus: 83,336 Doppelcentner gegen 150,084 Doppelcentner, Rohzucker: 3,759,119 Doppelcentner gegen 5,354,231 Doppelcentner. Die Ausfuhr des Jahres 1892 verringerte sich der Menge nach mit 1,2 pEt., dem Werihe »ach um nur 0,85 pCt. Es ist also mir die Ausfuhr der geringer lewertheten Artikel in erhöhtem Masie zurückgegangcn. Die Minderansfiihr des deutschen Spiritus Hot wohl ihren hauptsächlichen Grund in der russischen, durch besonders günstige Anssuhr- bedingniigen übermächtigen Konkurrenz Rußland exportirte 1851: 10 Millionen Liter reinen Alkohols, 1891: 50Millionen Liter reinen Alkohols. Deutschland exportirte 1881: 34,438 Tonnen Branntwein int Werthe von 43,3 Millioiien Mark nnd 1891: 24,004 Tonnen int Wcrthe von 10,5 Millionen Mark' Im Jahre 1892 wurden 16,865 Tonnen im Werthe von 6 Millionen Mark ansge- sührt. Spanien, ein Hauptabsatzgcbiet für deutschen Kartoffelsprit, ist infolge Aendernng seines Getränkestenergesetzes und Erhöhung des Eingangszolles aus Spiritus von 17,35 Pesetas auf 160 Pesetas per Hektoliter für den deutschen Spritexport fast gänzlich verloren gegangen. So wurden im Jahre 1891 noch 8972Tonnen deutscher Rohspiritns nach Spanien ansgesührt, im Jahre 1892 aber nur mehr 724 Tonnen. Tie Ausfuhr des deutschen Rohzuckers nach den Vereiiiigten Staaten von Amerika wurde durch das amerikanische Znckergcsetz beeinträchtigt, wonach der Zuckerzoll allerdings aufgehoben, aber die inländische Zuckerproduktion der Vereinigten Staaten von Amerika durch eine Prämie hierauf erheblich ausgedehnt wurde. Der Ausfuhrrückgang von Fleisch hat theilweise in den seiichenpolizeilichen Vorschriften der fremden Staaten, theilweise aber auch in der mizureicheiiden Viehanszucht in Deutschland seine Ursache.
Politische Tages-Rundschau.
— „Bei der Abstimmilng stellte sich die Beschluß- Unfähigkeit des Reichstags heraus", so schließt seit Woche» und Monate» regelmäßig der Bericht über eine Rcichstagssitzimg, wen» überhaupt eine Auszählung statt- gesunden hat und die Auge» nicht über die fast vollkon'.nien leeren Bänke gnädig zugedrückt werden. Der Anblick einer Reichstagssitzuiig gehört gegenwärtig zu den trübseligste» Schauspielen, die man sich denke» kann. Von den überhaupt anwesenden etwa 150 Mitgliedern ist höchstens ein Drittel int Saal zugegen, die andern müsse» bei einer Auszählung erst mühsam von allerwärts her zusammcn- gernfeu werden. Kopfschüttelnd wird sich mancher Reichs- bürger, der ehrfurchtsvoll da§ Haus betreten und auf diesen gähnend teeren Saal herabblickt, fragen: „Das soll unsere nationale Vertretung sein, und darum kämpfen wir bei de» Wahle» einen Kampf auf Tod und Leben?" In der Reichsverfassung heißt es: „Zur Gültigkeit der Beschlußfassung ist dieAnwesenheit derMehrheit der gesetzliche» Anzahl der Mitglieder erforderlich." Thatsächlich sind seit Jahre» drcivicrtel aller Reichstagsbeschlüsse verfassungswidrig und ungültig. So kann es nicht weiter gehe». Das Anseheu einer unserer wichtigsten nationalen Einrichtnngen leidet darunter schweren Schaden. Hub so schlimm, wie in dem gegenwärtigen Reichstag, der mit so viele» Hoffnungen ins Lebe» trat, ist cs noch nie gewesen.
— Während der Reichstag fortgesetzt das Bild der Beschlußunfähigkeit darbietet, ist das gleichzeitig tagende preußische Abgeordnetenhaus, wen» auch mitunter gering besuchte Sitzungen stattfinden, doch im Allgemeinen
l andauernd in einer Frequenz versammelt, die wenigstens Störungen in der Arbeit zu den größten Seltettheiten macht. Liegt daS allein an der Diätcufrage, wie vielfach behauptet wird? Wen» dem so wäre, so würde es zur Erhöhung be§. Ansehens eines so hohe» Vertrauensamtes, wie desjenigen eines Volksvertreters, nicht gerade beitragen. Die Reichstagsabgeordneten sind, eben darum, weil sie wisse», daß sie auf Diäten Verzichten müssen, offenkuiidig zur weit überwiegendcir Zahl in der Lage, ohne Entschädigung die paar Monate politischen Dienstes leisten zu können, besser, als es eine große Anzahl von Landtags- abgeordneten sein würde. Es drückt keine große Hochachtung aus, wen» man jenen Männern, die sich im Bewußsein, die Koste» ihrer parlamentarischen Thätigkeit selbst bestreite» zu müssen, habe» wählen lassen, unterstellt, ans pektiitiäreu Rücksichten de» größten Theil der Session zu Hause zu bleiben. Wir betrachten die Diätcufrage als eine zweifelhafte und die Bedeutung, die ihr beigemessen wird, übertrieben; es lassen sich dafür nnd dagegen gute Gründe geltend machen. Vielleicht würde mancher tüchtige Ma»«, ber sich jetzt aus wirthschaftlichen Gründen scheut, sich um ein Mandat zu bewerben, bet der Gewährung von Diäten sich dazu entschließen. Die Unterstellung aber, daß Männer, die einen solchen Vertrauensposten über» nommen habe», aus pekuniären Rücksichten ihre Pflicht versäumen sollten, ist fast beleibigenb. Wo die eigentlichen Gründe für die bedauerliche Thatsache der fortwährenden Beschlußunfähigkeit des Reichstags int Gegensatz zu de» 'meisten deutschen Landtagen liegen, ist allerdings schwer zu entscheide». Es spielen hier sehr verschiedenartige Faktoren zusammen, unter denen die zunehmende Länge der Sessionen, der schleppende Geschäftsgang und das ewige, jedes praktische» Nutzens entbehrende Zurückkommen auf hundertmal erörterte Gegenstände im Vordergrund stehen dürfte». Jedenfalls läßt es sich nicht länger aufschieben, ernstlich auf Ab- hülfe zu finneit.
— Die Vernehmungen der Sachverständigen für die Produktenbörse, welche gegenwärtig in Hinsicht auf die geplanten gesetzliche» Börseiiresormen erfolgen, haben eine im hohen Grade daukenswerthe Förderung erfahren. Wie wir hören, werden de» betreffenden Herren noch besondere Erläuterungen und Hinweise auf die für ihre Vernehmung in Frage kommenden Punkte zugestellt. Dieses Vorgehen ist um so dankenswerther, als die betreffenden Bemerkungen außerordentlich wichtige Fragen und die besonderen Momente des Produktenbörsenverkehrszitgleich in ziemlich erschöpfender Weise behandeln. Jedenfalls hat die Kommission damit aufs Neue bewiese», wie ernst sie die ihr zugetheilte, in wirthschafllicher und sozialer Beziehung so außer- orbentlich bedeutsame Aufgabe auffaßt. Die Maß- nahme selbst wird in allen bctljciiigten Kreise» mit ungetheiltem Beifall ausgenommen werden, zumal sich an dieselbe mit Recht die erneute Erwartung knüpft, daß die Berathungen zu einem positiven Ergebniß führen werden. — Wie wir nämlich von anderer Seite hören, erscheint es bereits jetzt als zweifellos, daß es gelingen wird, die reinen Spieler, die sogenannten Outsiders, von ber Börse und dem Termin- Handel fernzuhalten, womit allein schon ein außerordeutlicher Schritt vorwärts gethan fein würde, ohne baß wirklich „legitime Interessen der Börse" verletzt werden könnten. Hoffentlich werde» die gefaßte» Beschlüsse demnächst der Ocffeutlichkeit übergeben.
— Die Grundsätze der neueiilstandeuen „Nationalpartei" werden von der „Nh.-Westf. Ztg." folgendermaßen skizzirt :
1) Durch die Mäuiicr der „neuen Kurses" ist rniserc auswärtige Politik in das Schlepptau von Oesterreich und England gerathen, wodurch nufer Verhciltniß zu Rußland anßerordeiitlich verschlechtert worden ist. Fürst Bismarck hätte es bis dahin nicht kommen lassen, er hätte auch die augenblickliche trostlose Zerfahrenheit Frankreichs benutzt, um dessen Beziehungen zu Rußland gründlich zu lockern; Oesterreichs Bestand würde er gegen Jedermann vertheidigen; aber die Balkansragen würde er Denen überlaffen, die daran iuteressirt sind, und für sie würde er nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers opfern. 2) Tie Folge der schlechten Führung iiufrcr auswärtigen Angelegenheiten njUbie Militärvorlage, welche dem deutschen Volk unerschwingliche Hsten auslegen will, die bei einer besseren Politik ihm erspart IverdRi könnten. Auch Miquels ©teuer« reform ist eine Frucht von diesem Baum; auch sie wäre unter Bismarck ebenso unmöglich als unuöthig gewesen. 3) Es gilt, int Reichstag die ganze Lage schonungslos nnd in aller Schärfe zu beleuchten; sobald das geschieht, wird sich zeigen, daß die weitesten Kreise der Ration gegen die Fortsetzung dieser Politik sind. 4) Von den jetzt bestehenden Parteien ist nicht zu erwarten, daß sie offen mit der Sprache herausgehen, am wenigsteii ist dies von der nationalliberaleu Partei zu erhoffen, bereit Eintreten für Miquels Vermögenssteuer, bereit Liebäugeln mit der Erbschaftssteuer beweist, daß sie bezüglich Steiierbewilligungeii jeder andern Partei den Rang abznlanfcn strebt und mehr und mehr in einen schroffen Gegensatz zu den wahren JiUeressen des Volks hineintreibt; im Westen der preußischen Monarchie ist mau mit ihrem Verhalten völlig uit- zufriede», ja von ihm verblüfft. 5) Als Ersatz für die verbrauchten Parteien, al« Organ ber öffentlichen Meinung, welche zur Zeit nirgends im Parlament zu Ihrem angemesseneii Ausdruck gelangt, muß die Nationalpartei geschaffen werden.
