Vitsbaöellkr TaMt
Verlag: Langgaffe 27,
Avonnenten
Donnerstag, den 2. Februar
1893
i
Preußischer Landtag.
Krrlin, 1. Februar. Abgeordnetenhaus.
Die zweite Bcrathung des Etats wird fortgesetzt. Der Etat «rieasministeriillllS wird unverändert angenommen. Beim Etat iandwirthschaftlichcn Verwaltung fuhrt vr. Lotichius (bei kr Partei) aus: Auch im verflossenen Sommer sind wieder in Nähe der Loreley (am rechten Rhciiiufer) größere Reblansherde "idcn worden. Das gegenwärtige JnfektionSgebict ist schon sehr lend, und man ist immer noch nicht sicher, ob sich nicht weitere « Jnfcktionsgebicte zeigen werden. Glücklicher Weise ist der liche Rheingau, wo bekanntlich die besten und edelsten Weine len, von diesem Insekt noch verschont. So lange die Hoffnung
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besteht, daß das bisherige Verfahren, die infizirtcn Weinstöcke zu vernichten und große Siicherheitsgürtel zu ziehen, von Erfolg gekrönt sein wird, muß unbedingtdieies Verfahren beibchalten werden. Sollte sich diese Hoffnung aber mit der Zeit als trügerisch erweisen, daun empfiehlt es sich, einen nwdus vivendi zu schaffen, wie dies ja aud) bereits in Frankreich und in anderen außereuropäischen Staaten der Fall ist. Glücklicher Weise vermag das Insekt seine Zerstölungsarbcit bei uns nicht so rasck) und intensiv auszuiiben wie in Staaten, die in der südlicheren Zone gelegen sind. Der Winter dauert bei uns länger und ist kälter, und umgekehrt ist der Sommer nicht so heiß und dauert nicht so lange wie in den süd- europäischen Staaten. Daher kommt cs denn auch, daß die Phhlloxera ihre Zerstörnngsarbeit nicht so rasch und kräftig aus- zuüben vermag wie il> jenen Staaten, die fid) eines milderen Klimas zu erfreuen haben; im letzten Sommer sind in der Nähe der Loreley etwa 400 infizirte Wcinstöcke gefunden worden. Man hat aber, um das seitherige System der Vernichtung beiznbehaltcn, etwa 40=—50,000 gesunde Weinreben beseitigen müssen. Dies ist nun in der That eine ganz außerordentlich große Anzahl gesunder Weinstöcke im Verhältniß z» den thatsächlich infizirt gesundencn Neben. Neuerdings ist von dem hervorragenden Chemiker Hentzel die Behauptung ausgestellt worden, daß die Rcblaussenche weniger von der Einschleppung aus anderen Ländern, namentlich ans Anierika, herrührt, als vielmehr von dem Mangel an mineralischen Nährstoffen und von übermäßiger Düngung nut künstlichem oder animalischem Dünger. Dieser Gelehrte sagt in seinem bekannten großen wissenschaftlichen Werke: „Das Leben": „Ucberall da, wo eine langjährige Weinkultur herrscht, ist es durchaus angezcigt, die Reben nicht bloß mit animalijchcm Dünger zu versehen, sondern auch Salze, Mineralien hinznznsctzen, damit das schtoefelsaure Ammoniak gebunden wird." Hentzel behauptet ferner, daß die Phylloxcra hauptsächlich diejenigen Gegenden Heimsuche, die an Kali und Kalk vollständig erschöpft seien. Daher komme cs denn auch, daß dieses Nebel sich hauptsächlich in jenen Gegenden ans- breite, die bereits eine tausendjährige Weinknltur zu verzeichnen hätten. Ein Hauptgrund für die Ansdehnnng des Nebels sei ferner in anhaltender starker Dürre zu suchen. Solange die Fasern der Wurzeln noch feucht sind und etwas Feldspat absorbircil können, sei ein Nmsichgreifcn dieses Nebels verhindert. Daher komine es denn auch, daß dieses Insekt hauptsächlich solche Gegenden hetm- snche, deren Gestein iiidjt mehr widerstandsfähig sei. Dagegen in solchen Gegenden, wie riamciitlich am Ncnd;«teler, Genfer und Bieler See, überall da, wo noch sehr gesundes Gestein vorhanden sei, mid) in der eigentliche» Champagne mit vortrefflichen Kalk- sleinbrücheii, finde man noch den vorzüglichsten Wein, der bis jetzt nod> nicht von dem Insekt heimgesuchl worden ist. Weiin nun auch diese Gedanken des bekannten Chemikers noch zu keinem Abschluß gekommeii sind, so empfiehlt es sich doch, dieser Sache näher zu treten und sie zu prüfen, umsomehr, als sich in netterer Zeit andere hervorragende Gelehrte nnb Fachmänner vollständig dem Standpunkt des genannten Chemikers angeschlossen haben. 3d) bitte daher den LandwirthschastSniinistcr, doch dafür zu sorgen, daß auch diese Angelegenheit im Interesse der Wenrkullur und ihrer Förderung geprüft und erwogen wird. Ferner möchte ich den Minister bitten, dock; zu erwägen, ob es sich nicht empfiehlt, uamenllich bei der Reise der Trauben die llntersnchnngsorbeiten in den Wcinbcrgcii cinzilstellen, allo etwa Ende September. DieVcr- ilichtungsarbeiten können ja fortgesetzt werden, aber die Unker- snchiiiigsarbeiten müssen früher eingestellt werden, da sonst die Weinberge außerordentlich darunter leiden. Ferner möchte ich bitten, zii erwägen, ob in solchen Weinbergen, wo nur wenige Wciiistocke infizirt sind, die Gürtel so groß gezogen werden müsscii. Allcrdillgs in jenen Weinbergen, wo große Herde vor- handeii sind, empfiehlt es sich, entsprechend große Kreise zu ziehen, iiiiierhalb derer die Wcinstöcke beseitigt werden niüssctt, und namentlich darf nicht geduldet werden, daß unmittelbar in nächster Nähe eines infizirtcn Weinberges ein neuer angelegt wird, da sonst eine Ucbertraginig sehr wohl möglich ist. Ick; möchte ferner bitten, daß man möglichst viele tüchtige einheimische Winzer den Reblanskursus durchmachen läßt, damit sie später bei den ilntersnchuiigS- iiiid Vernichlnugsarbeitcn als Sachverständige dienen können. Ich hoffe, daß nicht« versäumt werden wird, der Ausbreitung des Ucbcls zu begegnen, und daß es gelingen möge, den deutschen Weinbau vor dem Verderben oder gar der Gefahr der Vernichtung zu schützen. Es handelt sich in der That um eine wichtige wirthschaftlicbe Frage und um ein gutes Stück deutschen Nationalvermögens. (Beisall.) — Geheimrath Wenzel: Die Frage, wie der Infektion der Weinberge begegnet.werben kann, ist bereits früher in der Lehranstalt zu Geisenheim eingehend geprüft worden, wird aber jetzt in viel ausgedehnterem Maße erwogen. Die Arbeiten werden mit großer Sorgfalt und sehr eingehend augestellt, sind indeffen noch nicht abgeschlossen, was auch sobald nicht voraus- znsehcn ist. Die Regierung wird aber dieser Frage dauernd ihre Aufmerksamkeit widmen. Was die sonstigen Arbeiten im Weinberge anbc- trifft, so werden die Arbeiten im Allgemeinen thuulichst so eingerichtet, daß sie nicht miteinander kollidircn. Die Untersuchungsarbeit dauert gewöhnlich nicht länger als bis Ende September ober spätestens Anfang Oktober. Bezüglich ber Anregung, man möge in der Nähe eines infizirtenWeinberges keine neuen Weinberge cinrichten, bemerke ich, daß immer so viel Raum gelassen wird, um eine Verschleppung zu verhüten. Dem letzten Wunsche des Abgeordneten, daß möglichst viel einheimische Winzer zu den Arbeiten hcrangezogen weiden, wird nach Möglichkeit entsprochen werden. — Abg. B ran den bürg (Centr.) befürwortet eine größere Wahrung der Interessen der Landwirthschast beim Bau des Emskanal«. — Abg. Schnltz-Lnpitz (freik.) tritt für Knnstdüngung ein. — Abg. Minnigerode (kons.) wiederholt die Anlagen über die Handelsverträge. — Minister v. Heyden, auf einzelne Wünsche eingehend, erklärt, über den russischen Handelsvertrag, der das Reich angehe, lasse er sich nicht ein. — Abg. Tann (nat.-lib.) befürwortet eine größere Ausdehnung der Moorknltnr. Das Gehalt für den Minister und den Unterstaatssekretär wird bewilligt. Beim Titel Generalkommisfionen giedt der Minister v. Heyden eine Ueberficht der Thätigkeit, betreffs der Bildung von Rentengütern. Hieran knüpft sich eine Besprechung der Generalkoften durch den Abg. Dünkel berg. Die Abg. S o mba rt, B o kelber g und Gerl ich bespreche» bas Verfahren vor der Generalkonimission, woran sich ber Minister unb ber Unterstaatssekretär Mcinicke, unter Klarlegung bcs Sachverhalts, betheiligen. — Abg. Seelig (freif.) befürwortet eine Verjüngung ber Rebstöcke. — Die nächste Sitzung findet am Samstag statt mit ber Tagesordnung: Fortsetzung der Etatsderathnug.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 1. Februar.
Der erste Staatsanwalt von Straßburg sucht biird) den Statthalter der Reichslaude beim Reichstag um die Ermächtigung der strafrechtliche» Verfolgung gegen den Abgeordneten Nor lh (nat.- lib.) wegen Vergehens gegen Artikel 209 des Handelsgesetzbuches nach. Das betreffende Schreiben geht an die Geschästsordutnigs- Kommissiou. — Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Berathung der Anträge Ackermann, und zwar der Nnmmern 3 und 4, welche dahin gehen, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag alsbald Gesetze vorznlegen, wodurch die Abzahlungsgeschäfte beschränkt, die Wanderlager und Wandcrauktioue» aber ganz verboten, der Hausirhandel eingeschränkt nnd das Detail- reifen, Vorbehaltlid) etwaiger durd) dar Bcdürfniß des Verkehrs unerläßlich gebotenen Ausnahme», »»tersagt wird. In Verbindung damit wird über die gleichartigen Anträge der Abgg. Gröber «nd Genossen und Rintelcn und Genossen berathen. — Ackermann (bk.): 'Die Wanderlager und Wanderanktioiien schädigen das Kleingewerbe »nd sind daher dem Hansirhandel gleich- ückellen. Die Heranziehung zur Gemeindestencr hat diese Wander- tager nicht eingeschränkt. Nack) wie vor machen sie dem Handels- gewerbe Konkurrenz. Ich denke nun nicht daran, den Hausirhandel zu verbieten. Er ist für manche Gegenden ein Bcdürfniß, aber gerade deshalb istes leicht, daß die Regierungen festsetzen, in welchen Bezirke» des flache» Landes dertzansirhandcl gestattet sein soll und in welchen nicht. Ferner können and; die Handelsartikel für die einzelnen Gegenden festgesetzt werden; daun werden die Ausschreitungen, die ber Hausirhandel gezeitigt hat, verhütet. Es sind ja auch schon jetzt nach der Gewerbeordnung manck)e Artikel vom Hausirhandel ausgeschlossen; nur ist jetzt die Kontrole zu schwierig. Es wird zu erwägen feilt, welche Waaren ferner noch verboten werden können und ob nicht namentlich gegen die Betreibiuig des Haufirhandels int Große», z. B. mit Fuhrwerke», vorgegäugeu werde» kann ES ist eine Forderung der Billigkeit, daß imJutcresse des seßhaften Gewerbes der Reichstag sich für die Anträge entscheidet. — Abg. Schaedler (Centrum) erblickt in dem Hausir- haudel eine Schädigung der Industrie und der Volksmoral und « An tragt, die Anträge einer Kommifsion zu überweisen. — Abg. S ch ii e i d e t (freif.) proteftirt gegen die stillen Wisumvercine, welche mit an Mitglieder verkaufe». — Er - M die Vorlage, betreffend den Hansirhaitdel für die in Betracht «mimenden Therle, wie Hansirer und Konsumenten, unannehmbar Mb wendet nicht» gegen die Kommissionsberathuug ein. —Strom- beck (Centrum) kamt die Annahme des Antrages über bett Hanfir- | handel nicht empfehlen; desgleichen sprechen Holtzmann (nat.-lib.), g Bock (Svz.) gegen den Hansirbetrieh. — Böckel (Antisemit) will | die Waitderlager ganz verbieten und überhaupt untersagen, daß E baudwcrksmäßig erzeugte Gegenstände von andern Leuten als wichen verkauft werden, die als Handwerker gelernt haben. Das i Recht zu haufircn muß jenen Leuten gewährt werden, welche fid; F auf andere Weife nicht ernähren könne», denen, die Waaren selbst ' erzeugen, dann den Invaliden, den Arbeitsimsähigc», endlich ben I Bewohnern armer Gegenden, wie des Westerival des u. s. w. Im klebrigen aber muß gegen die Hausircr aufs Schärfste vorgc- Miigen werden, so gegen alle Diejenigen, welche das Gewerbe aus angeborenem Hange ginn Handel ttub aus angeborenem Abscheu dor körperlicher Arbeit betreibe». Diese sind thatsächlich zur Land- 2 Plage geworden. Es sind dieselben, die mit Band handel», daneben - ™<r Viehhandel nnd Geldgeschäfte betreiben nnb für weite k Bezirke unseres Vaterlanbes ein wahres Unglück gewordcu sind. Dem Anträge bes CentrumS sei hanplsächlich bie Vor- Artst beizufügen, baß Hansirer Häuser und Geschäfte nicht betreten dürfen, bei welchen ihnen das Betreten durch Anschlag verboten m. Redner würde empfehlen, den Passus dahin zu erweitern, daß das Verbot speziell auf jüdische Hansirer ausgedehnt würde. Er ®<rbe sogar gern bereit fein, Zettel mit der Aufschrift: Jiidischcn vausirer» ist ber Zutritt verboten, auf seine Kosten drucken zu «ne» »nd gratis zum Ankleben zu vertheilen. Redner wendet fid,
Segen die Ausführungen des Abg. Bock und legt dann die Mfädrlichkeit des Hansirhandcls mit Vieh näher. Den Kredit für
Handwerk müsse eine umgestaltcte Rcichsbank liefern. In dieser Achtung bedürfe der Antrag einer Ergänzung. — An der Debatte Tweilige» sich noch Klemm-Ludwigshafen, Biehl, Stolle und ®diraber (bf.), welcher sagst wa« die Antragsteller entführen •wett, passe nicht mehr in untere Zeit, und alle ähnliche» Versuche Lasten sich als nutzlos eilvicsc». Solche Anträge erweckten in bett Pme» Gewerbetreibenden die trügliche Hoffnnng, daß sie gegen die dstkurrcuz bnrd) die Gesetzgebung geschützt werden Mstm; man sollte ihnen vielmehr rathen, mit der Zeit L'tzuschreiten und fid) selbst konkurrenzfähig zu mache». — jW) dem Schlußwort des Antragstellers A ck e r m a n » (bk.) “trb der Antrag Ackermann gegen die Stimmen des Centrmns und der Mehrzahl der Konservativen abgelchnt und der Antrag ^kober-Hitze an die Kommission für Abzahlungsgeschäfte her» en. — Hierauf erhält Ackermann (dk.) das Schlußwort zu seinem rag, betreffend die Konsnmvereine, über den vor acht Tagen bie rrcchnng abgebrochen worben war, ebenso Hitze (Centr.) über entsprechende» Antrag des Centrnms. — Bei der Abstimmmtg ' de» Antrag Ackermann wird, da das Bürca» uneinig bleibt,
Auszählung geschritten. Es stimmen für den Antrag das tritt» nnd die Rechte mit 58 Stimmen, dagegen die andern teien mit 67 Stimmen. Das Hans ist also wieder beschluß- ähig. — Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr. Tagesordniing: icuuigcr Antrag des Abg. Werner u. Gen., betreffend Einstclluitg 1 .beim Landgericht Berlin I gegen den Abg. Ahlwardt 'kbenden Strafverfahrens und Etat.
Politische Tages Rundschau.
— Den Bestrebungen, für die Regierung eine Majorität in dem parteizerfplitterten österreichischeuAbgeordnetcu- h ause zusammenzubringen, erwachsen nach wie vor die größten Schwierigkeiten. Die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Führern der drei großen Parteien sind nun zwar abgeschlossen, die Aussichten auf die wirkliche Bildung einer festen Majorität sind jedoch gering. Der ursprüngliche Entwurf ist durch die Einwendungen einzelner Parteien sehr eingeschränkt und wenig Positives übrig geblieben. Am Sonntag wurde das reduzirte Programm int Ministerrath unter dem Vorsitz des Kaisers festgestellt. Hiermit erachtet die Regierung ihre Aktion für abgeschlossen nnd überläßt die weitere Vereinbarung den Parteien selbst, die Samstag über das Programm berathen. Wahrscheinlich findet eine Einigung nur über das gemeinsame Arbeitsprogramm des Reichsrathes statt. Negativ dürften die Parteien Übereinkommen, die nationalen und konfessionellen Fragen in dieser Session nicht zuzulasseu. Von der Bildnng einer eigentlichen Majorität ist keine Rede.
— Daß die Entsendung des preußischen Generals v. Los von böswilligen Preßelementen nicht lediglich als eine Höflichkeit unseres Kaisers angesehen werden würde, war vorauszusehen. Eine Anzahl Blätter brachten denn auch einen telegraphischen Auszug ans einem Artikel des „Moniteur de Rome", der in Der Sendung des Generals v. Loö einen Beweis für „die verziveifelten und vergeblichen Anstrengungen" erblickt, welche man in Berlin mache, um „des Vatikans Hülfe für die Durchdringung der Militärvorlage zu erreichen; der Heilige Stuhl habe keine Ursache zu einer Einmischung in die Militärfrage; es wäre unklug, auf eine Hülfe zu rechnen, die ausbleiben werde". Nach den Informationen der hochoffiziösen „Nordd. Allg. Ztg." ist der „Moniteur de Nome", nach Lösung seiner Beziehungen zum Vatikan, seit einigen Wochen in die Hände eines französischen Konsortiums übcrgegangen; der Zweck des Blattes soll, wie es in seiner Nummer vom 1. Januar d. I. darlegte, auch fernerhin der sein, „für die Rechte des Heiligen Stuhles eir- zutretcn nnd das treue Echo der Gedanken und Lehren desselben zu sein". Daß dieses Programm, so schreibt das genannte Blatt, an erster Stelle nur die Maske ist, hinter der sich französische Revanchepolitik verbirgt, beweist der vorliegende Artikel. Er bezeichnet denselben als den schmählichen Versuch, eine Ehrenbezeugung, welche Se. Majestät der deutsche Kaiser dem Haupte der katholischen Christenheit zu erweisen gedenkt, als Ausgangspunkt für Erfindungen und Lügen zu machen, zu dem erkeunbaren Zweck, die kaiserliche Regierung bei den deutschen Katholiken zu verdächtigen und ihre auf Stärknug der Wehrkraft geridjteten Bestrebungen zu durchkreuzen. Die klerikale „Köln. Volksztg." bemerkt dazu: Dieser Abfertigung des immer bedenklicher sich entwickelnden römisch-französischen Chauvinistenblattes können die deutschen Katholikin nur zustimmen.
— Durch einen keinesfalls uneigennützigen Verralh sind die Bulgaren hinter gefährliche russische Umtriebe gekommen. Die von dem früheren Dragoman bei der russischen Gesandtschaft in Bukarest, Moses Jakobsohn, dem bulgarischen Amtsblatte „Swoboda" s. Z. ausgelicfcrten geheimen russischen Aktenstücke sind jetzt, mit einigen Ergänzungen, in Broschürenform erschienen. Das Buch wird durch eine von Demeter Pctkow, dem Präsidenten der Sobrauje und Bürgermeister von Sofia, unterzeichnete Vorrede eingeleitet. Der Inhalt der Letzteren läßt sich dahin zusammenfassen: So lange Bulgarien unter der Türken- herrschaft stand und Rußland dessen Befreiung plante, zweifelte kein Bulgare daran, daß Letzteres nur geschehe, um ein freies und glückliches Bulgarien zu schaffen. Was Rußland seitdem gegen Bulgarien gethan, stempelt es in den Angen jedes Bulgaren zum Erbfeinde seines Landes. Wie es früher undenkbar war, daß ein Bulgare abfällig über Rußland urtheilte, ist nunmehr für jeden bulgarischen Patrioten ein freundschaftliches Gefühl für Rußland ausgeschlossen, da Letzteres das Recht Bulgariens auf nationalen Bestand leugnet. Aus den letzten Briefen vom Jahre 1889, die das Buch veröffentlicht, ist ersichtlich, daß man in Rußland nicht die sogenannte legale Art der Beseitigung des Fürsten wünschte, wie dies bei dem Fürsten Alexander der Fall war, sondern die Verurtheilung des Fürsten Ferdinand durch das Volksgericht zum Tode und die Vollstreckung des Urtheils durch die Armee. Panitza erklärte sich schriftlich dazu bereit, den „österreichischen Lieutenant Koburg" wegen Landesverrathes hinrichten zu lassen. Kurz darauf erfolgte die Verhaftung Pauitzas auf Befehl Stambulows, der im Allgemeinen von dem Komplot sich Keuntniß verschafft hatte.
— Die rührende Versöhnung desserbifchenExkönigs- Paares hat, wie selbst den freudeberauschten Residenzlera
