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Abend-Ausgabe.

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Verlag: Langgasse 27.

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Mittwoch» den 1. Februar

1893

i weil allein die ausreichende Besetzung der

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selben äußerst schwierig und nur unter Aufwendung sehr großer, die Rückendeckung aufrecht haltender Truppenmassen für Denjenigen durchführbar ist, der jenseits des Rheins in Süddeutschland operiren will.

Kehrt man die Sache mit und nimmt an, Belfort wäre in deutschem Besitz, so lehrt ein Blick auf die Karte, daß damit den Franzosen das natürliche aber nicht strategisch wichtigste Ausfallthor nach Deutschland ver­stopft, für Deutschland aber nur eine Flankenposition von sekun­därer Bedeutung gewonnen wäre. Denn der Weg Belfort-Paris ist uuverhältnißmäßig viel länger, als derjenige von Metz aus.

Man dürfte auf deutscher Seite bei Abschluß des Frank­furter Friedens diese unabänderliche strategisch-geographische Situation wohl eingehend erwogen haben.

Ko. 54

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Tie Militärkoimnissio» beschäftigte sich gestern mit der finan­ziellen Tragweite der Militärvorlage und deren Einfluß auf die Gestaltung" der Reichsfinanzen in den nächsten 5 Jahren. Zur näheren Prüfung der Frage wurde eine Subkommifsion von 7 Mit­gliedern eingesetzt. Nächste Sitzung unbestimmt.

Deutscher Reichstag.

Krrlin, 31. Januar.

In der heutigen Sitzung des Reichstags stand der Etat des Reichsamts des Innern ans der Tagesordnung. Beim Titel Gehalt des Staatssekretärs kommt der Abg. Scipio (nat.-lib.) auf die Nothstands-Jnterpellation zurück und behauptet, in Mannheim habe die Arbeitslosigkeit nachgelassen. Abg. Schmidt (Soz.) erklärt die Aussühruugcn des Staatssekretärs v. Bötticher, wonach eine Steigerung der Beschäftigung in der Textilindustrie eingetreten sei, für unrichtig. Sächsischer Bundcsraths-Bcvollmächtigter Graf Hohenthal erklärt, ein allgemeiner Nothstaud sei nicht vorhanden, sondern erst dann, wenn die Löhne so tief gesunken seien, daß davon zu leben unmöglich sei. Die Arbeitslosen-Versammlungen bewiesen nichts. Abg. Bebel (Soz.) führt als Beweis der schlechten Lage der Industrie den Rückgang der Neichseinuahmcn, LLcchsclsteinpcl ec. an. Redner führt die Aenßerung des Reichsschatzsekretärs Inder heutigen Sitzung der Militärkommission an, wonach dieser erklärt, ob der tiefste Punkt des wirthschafrlichen Niederganges schon erreicht sei, Wiste Niemand. Der Rückgang im Eisenbahnverkehr und in den Einnahmen sei ein Barometer für de» wirthschastlichen Zustand. Bevollmächtigter Graf Hohenthal tritt einigen Ausführungen des Vor­redners entgegen. Abg. Buhl (nat.-lib.) giebt zu, daß eine Zeit der Depression vorhanden sei, und hofft eine baldige Ueber- windung derselben. Er beruft sich aus die Eiukonimensteucr- einschätzuug, welche sich im letzten Jahre erheblich gebessert habe. Abg. Wehnert (kons.) beruft fiel) ebenfalls auf die sächsische Ein- koittmensteucr und auf die erheblich gestiegenen Spareinlagen. Bebel (Soz.) erklärt die Vermehrung des mittleren Einkommens mit der Vermehrung der Beamten.Staatssekretärv.Bötticher wiederholt, daß er den Nothstand nicht geleugnet habe, sondern nur die Nothwcndigkeit des Einschreitens des Reiches. Bachem (Centr.) spricht über die Aussichtslosigkeit des sozialdemokratischen ZukunstsstaateS. Bei der durch Bebel beantragten Vertagung wird die Beschlußunfähigkeit des Hauses festgestellt. Morgen: Jnitiativ-

k Befestigungen schon reichlich eine starke MWarmee verschlingt, in dieser Hinsicht hemmend auf die Aktionsfähigkeit der k rtzeittlichen Feldtruppen einwirken wird, | bleibe dahingestellt.

Sluzeigcn-PrciSi

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41. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kam jederzeit be­gonnen werden.

p Die Festung Belfort nun bildet den rechten (südlichen) Flügel der am weitesten gegen die deutsche Grenze vor- I geschobenen ersten französischen Be­festigungslinie. In der Eckzeichnung oben ' links in unserer Karte ist die Situation ' des hier in Betracht kommenden Theils des französischen Grenzfestungssystems in übersichtlicher Weise skizzirt. Es geht | aus dem Grundriß dieses Festungssystems | i» Bezug auf die Gestaltung der poli- I Wen Grenzen nnd die, abgesehen von S Metz und Straßburg, sehr zurückgezogene I Sage der deutschen Festungen allerdings I hervor,daß Belforteine Art SüddeutschlandbedrohendeFlanken- l stellung zu dem deutschen Gebiet (Elsaß-Lothringen) einnimmt.

Wie nut aus der Hauptzeichnung in unserer Karte ersichtlich, Meßt Self ort mitten zwischen dem Südfuße der Vogesen I nnd der Nordgrenze der neutralen, die steilen Gebirgszüge des H Jura aufweisenden Schweiz. Seine Position bildet also 1 den Mittel- und Stützpunkt eines allerdings sehr geräumigen, | Mm Aufmarsch einer Armee hinreichend breiten Defilees, s bon den Franzosen la trouee de Belfort genannt. Es |Ljft unbestreitbar, daß eine Lagerfestnng von der räumlichen Müsdehituug und fortifikatorischen Stärke, welche Belfort f außveist, von sehr großem Werthe für eine den Vormarsch I Segen Süddeutschland planende Armee ist. In richtiger 1 «rkenntniß dieses llmstandes hat man französischerseits denn | bch nicht versäumt, die seit 1870/71 veralteten Werke er- k/Wich auszubauen und das Festungssystem von Belfort | Namentlich durch Hinzufügung von vorgeschobenen selbst- s ständigen Werken zu erweitern. Ein Blick auf unser ßEartenbild zeigt, daß dies in so ausreichendem Maße ge- l Wehen ist, daß die vorgeschobenen Werke im Süden bis [ »ar Schweizer Grenze reichen (noch südlich von Blamont . Mdet sich eine Gruppe kleiner Festungsanlageu) und int . Sotfecn bis an die Vogesen hinan bei Giromagny. I dort aus nun zieht sich eine fast ununterbrochene Reihe IW Sperrforts in nordnordwestlicher Richtung jenseits [ dks Kammes der Vogesen fort bis nach Epinal und weiter, I wodurch im Ganzen dann die erste Grenzfestungslinie Frank- 1 reichs gebildet wird.

Sehr zurückgezogen scheint dem gegenüber allerdings die von Straßburg und Neubreisach. Jedoch ist zu be- I^nken, daß ein Vormarsch im Rheinthal allein strategisch W untergeordneter Bedeutung ist, da die Hauptereignisse W ganz naturgemäß auf dem kürzesten Wege von der Alenze nach der feindlichen Hauptstadt zu abspielen; dies für beide Theile beim Operiren in Feindesland gültig.

x Außerdem aber bilder der Rhein ein so außerordentlich I ^kes Verkehishinderniß vermöge der vielfältige» Ver- k dstelungen seiner Stromrinne, daß ein lieberschreiten des-

La trouee de Belfort.

Die öffentlichen Erörterungen der letzten Zeit über die Beziehungen Deutschlands zu feilten Nachbarn und die mili- törische, von einigen Seiten in Verbindung mit der Militär- - Vorlage gebrachte Situation des französischen Festungs- systems, namentlich Belforts, haben die Aufmerksamkeit besonders auf die strategische Lage dieses letzteren Platzes ' gelenkt. Es seien daher hier unter Hinweis auf die bei- stehende Kartenskizze einige Darlegungeti über die Position | Belforts und seine Lage inmitten der natürlichen Anmarsch- i sttaße ans Frankreich gegen Süddentschla ib gegeben.

Bekanntlich hat Frankreich seine Nordostgrenze gegen i Belgien und Deutschland durch ein System von reihenweise an- i geordneten, großen und kleinen Festuugs- j anlagen derart zu schützen gesucht, daß einerseits eine feindliche Offensive nach Frankreich hinein möglichst erschwert, memt nicht gar unmöglich gemacht wird, andererseits den französischen Heeren eine breite fortisikatorisch gesicherte Zone unmittelbar an der Grenze dargeboten ist, innerhalb bereit sie im Kriegsfälle ihren strategischen Aufmarsch ungestört vollziehen können. Bei den enormen Heeresmassen, die in Zukunft im Felde zur Verwcndnitg gelangen werden, ist dieser letztere Gesichtspunkt von großem Belang. Ob das fast übermäßig ausge- t dehnte und entwickelte Festungssystem.

i Nordostfrankreichs aber nicht andererseits.

Vßittische Tages-Rundschau.

Einige der Hanptbelasteten in der Panama- Angelegenheit scheinen nicht nur in Betrug und Be­stechung gemacht zu haben, auch der gemeinste Meuchelmord scheint zu ihrem Rüstzeug zu gehören. Ob der Sünder Reinach sich vergiftet hat oder vergiftet worden ist, darüber wird wohl ewiges Dunkel herrschen. Nunmehr wird der angeblich Vergiftete selber als Giftmörder bezichtet. Der Figaro" veröffentlicht nämlich Dokumente, welche beweisen, daß Annel auf Anstiften Reinachs einen Vergiftungsversuch auf Herz machte. Anuel starb im Jahre 1890 in Paris, nachdem er noch der Polizei davon Mittheilung gemacht hatte. Herz scheint aber das Gift gut vertragen zu haben, bis er nunmehr, wo es ihm an den Kragen gehen soll, plötzlich schwer krank wird. Sein Gesundheits­zustand ist nach dem Bericht des aus England znrückgekehrien Polizei-Inspek­tors verzweifelt. Es wäre wirklich schade, wenn der knöcherne Sensenmann diesen Ganner der irdischen Gerechtigkeit entzöge. Nach seinem Spießgesellen Alton sucht die Polizei leider immer noch ver­gebens. DieBrüsseler Ztg." behauptet, eine Arton gleichende Persönlichkeit sei auf dem Hauptpostamt gesehen worden. Nach einer Meldung derNeuen Freien Presse" wurden bei dem Sekretär eines Hotels in Bukarest Briefe von Arton ge­funden, welcher sich vor 14 Tagen dort aufgehalten und sich den Nachforschungen der Pariser Polizisten entzogen hat. Der internationale Gauner scheint nun zu einem internationalen Flüchtling geworden zu fein. Vielleicht wird er gar noch in Deutschland dingfest gemacht und von seinem früheren Heimathlande, das nicht den geringsten Anspruch auf ihn macht, schleunigst ansgeliefcrt. In Paris sucht man inzwischen neue gesetzliche Handhaben zu schaffen, nm Spitzbuben verwandter Art das Handwerk zu er­schweren. So fordert man jetzt unter Hinweis ans die gegen die staatlichen Sparkassen gerichteten Angriffe sowie auf die von der Regierung in dieser Hinsicht geplanten Maßnahmen ein Gesetz, durch welches die Verbreitnug falscher, den Nationalkredit schädigender Gerüchte mit strengen Strafen belegt werde. Das

dürfte den Hausse- und Baissemachern an der Seine nicht angenehm fein, denn sie werden ebenso mitgetroffen, luie, das Börsenreporter-Gesindcl, das in ihren Diensten steht. Die Sparkassen haben in Hinsicht auf diese Gesetzes- Vorlage, welche schließlich durchging, in der letzten Kaminer- sitznng stark herhalten müssen. Cassagnae besonders kritisirte außerordentlich stark das System der Sparkassenverwaltuug, und es kam dabei zu einem der üblichen Skandale. Der Minister Ribot versichert, die Regierung sei vollständig ruhig. Die Sparkassen-Depots haben außer der vom Finanz­minister erwähnten eine Garantie, die alle anderen über­steigt, die Garantie Frankreichs. (Stürmischer Beifall.) Also es ist kein Grund zur Unruhe. Aber die Würde der Regierung verlangt, gewisse "Kampagnen nicht zu dulden. Man fragte, welche Kampagnen es seien, auf die das Ge­setz abzielt. Man wagt, Zeitungs-Artikel zu schreiben, be­titelt:Der Staat als Dieb", Anspielungen auf den Krieg zu machen, zu behaupten, der Staat begehe zucht- polizeilichen Vertrauensinißbrauch, und das ist von einem französischen Deputaten gezeichnet. Giebt es ein Land, wo man solche Sprache dulden darf? Hätte die Regierung ein Gesetz gehabt, sie hätte sofort Strafverfolgung ein­geleitet.

In London ist gestern Nachmittag das Parlament eröffnet worden. Die Thronrede erklärt, daß die Königin fortgesetzt freundschaftliche und einträchtliche Beziehungen mit allen fremden Mächten unterhalte, deren Erklärungen überall der Aufrechterhaltung des europäischen Friedens günstig seien. In Verbindung mit der bevorstehenden Räumung Ugandas Seitens der Britisch-Ostafrikanischen Gesellschaft habe die Königin einen Kommissar abgesandt, um die geeigneten Mittel in Betreff des gegenüber Uganda einzufchlagendeu Verfahrens an Ort und Stelle zu prüfen. Angesichts der jüngsten Ereignisse in Egypten habe die Königin eine geringe Vermehrung der dortigen britischen Truppen beschlossen; diese Maßregel bedeutet aber keine Aenderung der englischen Politik oder der Ver­sicherungen, welche die britische Regierung von Zeir zu Zeit

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