TUte 2. 31. Januar 1893.
Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27
41. Jahrgang. No. 52
in den östlichen Gegenden in erster Linie durch die Herab- | mitgrtheilt, der nicht weniger charakteristisch erscheint, setzung der Kornzölle zu leiden haben wird, während die V^bigtiext den der Kaiser zu seinem Geburtstage zu J L* .. , ~ < her (Srfilnhfnüclle Qbnelinhenett ßffltteshtenft nnSneninhlt hott
Dem
Vortheile der Industrie zu Gute kommen. Der kurze Land-
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denken, deren treffendster musikalischer Ausdruck allerdings die Nationalhymne ist. Man hat jedoch den Eindruck, als wenn der Komponist sich die heilige Ordnung nur in der Form der
lehr offiziellen deniou- störte. Jeder reichS- um Gesetz und staat- monarchische Verfassung
Airs Stadt nnd Karrd.
■ Wiesbaden, 81. Januar.
ist, bekommt die Sache einen etwas strativcn Anstrich, was einigermaßen treue Deutsche wird, wenn es sich liche Ordnung handelt, sofort an die
weg von Rußland über die deutsche Ostgrcnze wird eine Masse russischen Getreides gerade in diese Provinzen bringen, welche wenig Industrie haben, im Wesentlichen auf den Getreidebau angewiesen sind und bei den ohnedies jetzt und voraussichtlich noch auf längere Zeit niedrigen Getreidepreisen eine weitere Konkurrenz von Rußland schwer empfinden müssen. Der Westen Deutschlands kann diese Konkurrenz viel leichter tragen; da ist zunächst der weitere und theuere Transport, und dann die dichtere Bevölkerung indnstriereicher Gegenden und großer gewerblicher Mittelpunkte, welche eine viel reichlichere Versorgung mit Getreide beanspruchen und bedürfen, als der Osten. Eine weitere Schwierigkeit bieten die übertriebenen Forderungen nach Zollermäßigungen, welche vielfach von der deutschen Industrie an Rußland gestellt werden. Es ist ja begreiflich, daß die geringen Vortheile, welche unsere Industrie, wenige Ausnahmen abgerechnet, durch die anderen Handelsverträge erreicht hat, sie dieses Mal, wo man sie nach ihren Wünschen fragt, vielleicht über das Maß des Erreichbaren hinausgehen ließen. Es muß aber dabei billiger Weise nicht außer Acht gelassen werden, daß Rußland seine Industrie, welche es sich mit großen Opfern und hohen Schutzzöllen geschaffen hat, nicht tödten oder empfindlich schädigen lassen kann, ohne die Unzufriedenheit in seinem Lande zu vermehren und große Verluste an Kapital herbei- zuführcn. Es giebt auch beim besten Willen auf russischer Seite eine Grenze des Entgegenkommens, die Rußland mit seinen hochprotcktiouistischen Ansichten im Volke und in den leitenden Kreisen nicht überschreiten kann und darf. Bei diesen Schwierigkeiten, welche den beiden unterhandelnden Mächten gewisse Beschränkungen auflegen, ist es besonders dringend nothwcudig, daß die Verhandlungen vorsichtig und in sachkundiger Weise geführt daß Licht und Schatten, Vortheil und Nachtheil in richtigem Vcrhältniß vertheilt werden und auf beiden Seitenvon zu weitgehenden Erwartungen abgesehen wird. Immerhin steht zu hoffen, daß bei dem zweifellos vorhandenen beiderseitigen guten Willen eine zufriedenstellende Lösung dieser Schwierigkeiten gefunden werden wird.
— Bei der jüngsten Anwesenheit des russischen Thronfolgers am Kaiserlichen Hose wurde, wie uns von Berlin geschrieben wird, der außerordentlich lebhafte und vertrauliche, sich auf stundenlange Unterhaltungen ohne Zeugen ausdchnende Verkehr der beiden hohen Herren viel bemerkt. Es machte den Eindruck, als ob sie in eingehendsten Unterredungen ihre Meinungen auch über die politische Weltlage ausgctauscht hätten und dabei zu weitgehender Uebereinstimmung gekommen wären. Die über die ursprünglich festgesetzte Zeit hinaus verlängerte Anwesenheit des Thronfolgers, eine am Hochzeitsabend stattgehabte zweistündige tiefvertrauliche Unterhaltung, welche eine ungewöhnlich starke Verspätung des Thronfolgers bei einem Fest in der russischen Botschaft zurFolge hatte,ein etwa halbstündiges Gespräch am Bahnhof bei der Abfahrt des russischen Gastes bei vollstäudigszurnck- gezogenem Gefolge wurden als Anzeichen eines ungewöhnlich herzlichen persönlichen und wohl auch politisch nicht bedeutungslosen Verkehrs der beiden Fürsten viel bemerkt.
Ans Kunst und Ksben.
W. CiirUieu-Urrri« zn Wiesbaden. II. Vereins-Konzert. „Das Lied von der Glocke" für Soli, Chor und Orchester von Bernhard Scholz. „Schön Ellen", Ballade für Soli, Chor und Orchester von Max Bruch. Mitwirkcnde: Frau Julia Uzielli (Sopran), Fräulein Jenny Hahn (Alt), Herr Franz Rav al (Tenor), Herr BaptistHoffmann und das städtische Kurorchester. Herr Hoffmann kommt von Köln, die übrigen Solisten von Frankfurt a. M. B. Scholz' Glocke ist eine Novität hier, aber eine hochinteressante. Zunächst fällt die glückliche Vcrtheilung des Textes auf Solo, Ensemble und Chor in angenehmer Weise auf; diese Einthcilung ist eine durchaus angemessene und giebt dem Werke eine sehr mannigfaltige Abwechselung. Scholz ist bekannt als konservativer Musiker. Seiner Nichtriug, seiner musikalischen Empfindungs- und AnSdruckswcise nach ist er cs auch. Der formalen Seite nach, tvic sie dem Hörer in diesem Werke entgegentritt, kann er sich jedoch dreist zn den ganz modernen Musikern rechnen. Die geschloffenen Nummern streift er mir kurz, Wiederholungen sind spärlich angebracht und machen sich nie breit auf Kosten des Textes, die dichterische Diktion schreitet fort, ohne durch die Musik behindert oder beschwert zn werden. Die Charakteristik ist sehr treffend nnd scharf gezeichnet, die Deklamation tadellos nnd die Justrumentirnng bei allem Glanze immer angemeffcn und nobel. Diese Form scheint uns besonders bei diesem Gedichte die glücklichste zu sein; ob sie gerade im Staude fein wird, das Werk populär zu machen, ist natürlich eine Frage, welche erst die Zukunft beantworten kann. Die Schilderung der Feuersbrunst sowie die des Aufruhrs bietet nichts Neues, scheint uns auch zu laug ausgedehnt zn sein, was auch wohl vom Schlußchor gilt, welcher, gekürzt, das Werk noch wirkungsvoller beschlossen Hütte. Das sehr stark angefochtene Eintreten der Nationalhymne ist ein brillautcr äußerlircher Effekt, der vielleicht noch größer gewesen wäre, wenn der Komponist die Hymne mir augedeutet, sie nur zum Thcil gebracht hätte. So wie sie hier angewandt
wird, zurückziehen. Es ist thatsächlich endlich Zeit, daß man der Ballmisere gerade ins Auge sehe und all' Denen den Staar steche, die da meinen, ohne in raffinirt schönem Dallkleide sei fein Tanzvergnügen mitznmcichen. Mir ist eine Familie lwkannt, in der drei hübsche, lebensfrohe Töchter von Jahr zu Jahr auf — deu nächsten Fasching vertröstet werden und darüber alt und häßlich geworden sind, ohne zu wissen, was das Wort Balljubel bedeutet, ohne je empfunden zu haben, wie das Herz im Busen hüpft, wenn Der, dem es in treuer Liebe entgegcnschlägt, uns beim Klange rhythmischer Weisen eng mnschlnngen dahin führt, wie da alle Lebensgeister auflodern, jede Mißstimmung ver- geffen, Alles eitel Harmonie und Seligkeit ist. Die echte, rechte Tanzfreudigkeit ist thatsächlich durch de» im Ballsaale üblich gewordenen Toilettenkult verdrängt worden „Wie dem steuern?" höre ich im vieltausendstimmigen Chorus die Worte besorgter Mütter — die ihren Töchtern so gern ein Vergnügen gönnen möchten — mir entgegentönen. Man habe einfach den Muth, seinen Verhältnissen entsprechend aufzntreteli. Muß es denn eine Balltoilette aus erstem Salon sein in der ein junges Mädchen vorgeführt wird? Man zahlt allda 200—300 fl. für einfache Tiillfähnchen; das kann selbftverstäudlich ein Beamter, ein Kaufmann, der daS Glück hat, drei Töchter zu Ball führen zu muffen, nicht aufbringen. Und dann die Toilette für die Mama, die ja selbstverständlich repräsentiren mnß! Der Schmuck, die Blumen, Fächer, Hand- und Ballschuhe rc. — Alles soll de deroier goüt sei», und wenn Alles berechnet worden, kommt man zumeist zu der Ueberzeuguitg, daß die Freuden, die Freundin Terpsichore genmhrt, so große Opfer nicht aufwiegen. Man bleibt, wie gern man sich auch der Aü- tagsstimmung entriffen hätte, daheim, überläßt, oft recht schweren Herzens, das Lustigsein und Mitjnbeln den Anderen,
letzte Wiener Hofball ist sehr elegant und großartig aus-' fallen; das Auge war geblendet vom Strahlenfeuer dr> Brillanten, Smaragden, Rubinen und poetisch fcftöi«81 Frauenerscheinnugen, vom Glanz der Uniformen, von de» Meer des LichtcS, das die großen, jetzt elektrisch beleuchtete« Säle erfüllte; aber viel neue, eigenartige Toiletten, denen , die Signatur des jungen Jahres aufgeprägt war, gab nicht; die Modewmider, die in ersten Salons als Typt« der jetzigen Ballmode ausgestellt sind, fanden nur wenO Vertreterinnen.
Viel des Neuen sah man jüngst auf dem Ball, bfy einer unserer hervorragenden Großindustriellen getegentM der Verlobung seiner vielumworbenen Tochter gab. schöne Bram, die man bezeichnend das Goldvöglein nennt trug eine aus fünf Spitzen-Volants bestehende Robe, Volant im Werthe von beiläufig 400 Gulden, über de« Volants, die auf rosa Seide kraus angesetzt waren, Rüschs! von auSgesranstem rosa Atlas, die Falten durch fiü*£j schillernde Perlen in Entfernung von je drei zu drei Gen11'; Meter zusammengehalten, die Taille aus weißem Spitzens^, kraus gezogen, mit silbergesticktem Medicis-Gurt gehallt die Puffärmel aus rosa Velours changeant gefertigt, obm mit Brillant-Schmetterlingen gerafft; seitwärts G&ateiaii» von russischem Silber, an Brillantschuüren hängend et? Ridicule von rosa Sammet mit Silberstickereien geziert. gleicher, wenn nicht noch eleganterer Ausstattung war bw Toilette der Brautmutter gehalten. Grundstoff ein in Wien noch nicht gesehenes Gewebe aus Goldfävc^ changeant Sammet und Pfauenaugen geeint, die GrundsaW
monarchischen Verfassung zu denken im Stande wäre, was nicht über-, all zutrifft und hier einigermaßen befremdend wirkt. Die Revo-I lutionshymue in dem Chore, der den Aufruhr schildert, ist außer-1 ordentlich geschickt und seffektvoll behandelt. Das Schillersche, durch, | aus beschreibende und sich reflektirend verhaltende Gedicht bietet I allerdings wenig Gelegenheit zur breiteren Entfaltung des mc!s- f bischen Elements, wenn auch nicht behauptet werden kann, daß SQt I keine Veranlassung dazu vorhanden ist. Diese Veranlassung iicgj I zum Beispiel in der Stelle „heilige Ordnung, segensreiche I Himmelstochter" rc., in der wir lieber das fugato vermißt hätten I um der breiten Melodie zu ihrem Rechte zn verhelfen, ebenso hätte I der Schluß, „Friede dieser Stadt bedeute" rc. eine weichere utelo-1 dische Ausschmückung verdient. Melodiöse Wendungen sind aller-1 dings vielfach in der Komposition vertreten, nicht aber die große, I warme Kaulilene, welche wohl einmal ohne Auseincmderzerrmlz 1 des Textes hätte Platz finden können. Von diesen Ausstellungen aber abgeschen, ist das Werk ein hochinteressantes, eine bedeutende Bereicherung unserer Konzertlitteratur, und dem Vorstande des Cäcilien-Vereius kann nur Dank und Anerkennung ausgesprochen werden für die Vorführung der werthvollen Novität. Dem sein Werk selbst dirigirenden Komponisten wurde wiederholter, wohlver- dienter Beifall Seitens des Publikums zu Theil. Die diesen, Werke folgende, effektvoll sich steigernde Ballade „Schön Ellen' von M. Bruch ist hier bereits von früheren Aufführungen her bekannt.
Die Damen Frau llzielli und FrI. Hahn zeigten sich in den Solopartieen der Glocke, Frau Uzielli auch als „schön Ellen' wieder als treffliche Kouzertsängerinnen. Herr F. Naval ist zwei ein intelligenter, charakteristisch gestaltender Säuger, doch klingt seine Stimme besonders in der Höhe schon in bedenklicher Weise angegriffen. Einen ganz vortrefflichen Sänger lernten wir in Herrn Hoffman» aus Köln kennen. Er erjieUe in der wirkungsvoll gezeichneten Partie des „Meisters", sowie in der ansprechenden Baritonkantilene der Ballade „schön Ellen" mit seiner mächtigen, metalligen Stimme und seinem wuchtigen, markigen Vortrag eine«
die das nöthige Kleingeld für die großen Modewunder aus- bringen können. Und selbst diese fangen an, sich einer Einfachheit zu befleißigen, die, wie man hört, in Kreisen unserer Mode-Jndnstriellen Befremden und Mißbehagen erregt Der ■
achlnng findende Reihe von Artikeln, die soeben im Mainzer „Israelit" erscheinen. Der Verfasser räth den Inden, ihre Kenntnisse und Erfahrungen, ihre Verbindungen nnd ihr Kapital in den Dienst der vom Kaiser angeregten sozialen Reformen zu stellen. Sie würden damit das Wohlwollen der oberen wie unteren Klassen gleichzeitig erringen und so dem Antisemitismus den Boden untergraben. — Sonntag kamen in Nietlebeu zwei Todesfälle vor, int Ganzen bis jetzt 113 Erkrankungen nnd 44 Todesfälle. Sämmt- liche erkrankten Aerzte find wiederhergestellt. — In Gaarden bei Kiel ist ein aus Hamburg zugereister Arbeiter unter cholera- verdächtigen Symptomen gestorben. — Der Aeltestett-Nath der Arbeiter der Rheinischen Dampskesselfabrik in Uerdingen sandte ein Telegramm an den Reichskanzler, worin für dessen Eintreten für die Heeresverstärkung freudiger Dank ausgesprochen wird.
Deutsches Keich.
* Zof- und Personal-Nachrichten. Der „Reichsanz." veröffentlicht einen Erlaß des Kaisers an den Reichskanzler, Worin er Allen, die an seinem Geburtstage seiner gedachten. Dank sagt und deu Erlaß zn veröffentlichen befiehlt. Vor Allem habe es dem Herzen des Kaisers wohlgethan, so häufig deut Ausdruck der opferbereiten Vaterlandsliebe und dcs Vertrauens in seine Bestrebungen für die Sicherheit des Vaterlandes zn begegnen, wodurch seine Znverficht bestärkt werde, daß diesen Bemühungen unter Gottes gnädiger Führung der Erfolg nicht fehlen werden. — Die Kaiserin Friedrich wird, soweit bis jetzt bekannt, heute ihre Reise nach England antrclen und auf derselben von der Prinzessin Adolph zu Schaumburg-Lippe begleitet fein. — Ter Fürst von Bulgarien mit Gefolge ist mit dem Oncut-Expreßzug von München nach Wien abgcrcist.
* Kretin, 31. Ian. Viel erörtert wird in politischen Kreisen der Umstand, daß der Kaiser dem ehemaligen Jnstizminister Friedberg zu seinem gestrigen 80. Geburtstage sein Bild mit der Unterschrift: nemo me inipune lacessit (Niemand reizt mich ungestraft) übersaudle. Gleichzeitig luirb ein anderer Umstand
Ausland.
* Oesterreich-Ungar». Die Arbeiter der Filiale der Berliner Loeweschen Waffenfabrik in Pest veröffentlichen im „Vorwärts" einen Aufruf an die deutschen Arbeiter, worin sie erklären, wegen schlechter Behandlung, Lohnabzüge u. s. w. am 30. d. M. die Arbeit niederlegen zn wollen, nnd vor Zuzug warnen. — In Wen verlautet, Exkönig Milan sei in Paris bedenklich erkrankt.
* Rußland. Die letzte Nummer der Gesetzsammlung enthält eine Verfügung des Reichs-Domänen-Miuisters, betreffend die Ausführung der durch das Gesetz vom 3. Juni 1892 befretirten Einschränkung der Raphtha-Gewinnung im Kaukasus Seitens der Israeliten nnd Ausländer. — Polnischen Blättern zufolge finden die diesjährigen russischen Manöver nächst der preußischen Grenze stall. — Generalgonverueur Gur ko wurde zum Czaren berufen, was mit den Truppenverleguugen und dem Ban strategischer Bahnen in Kongreßpolen in Verbindung gebracht wird.
durchschlagenden Erfolg. Sehr gut hielt sich wieder das Sur» orchester. Timide, unsichere Einsätze gehören zwar zn den berechtigte« ; Eigenthürnlichkeiten des Cäcilien-Vereius, und es würde uns etwa- ' fehlen, wenn wir sie ganz misse» sollten; dennoch machten sich solch: gestern viel weniger bemerkbar als sonst wohl. Die gestrige Aufführung beider Werke, von denen „Schön Ellen" vom Streit» 1 Dirigenten, Herrn Musikdirektor Wallenstein, geleitet wurde, warum durchaus lobenswerthe. Die Chöre wurden lebendig und schwungvoll gesungen, auch zeigte sich eine Krafteutwickelung in sämmtlichen Stimmen, wie wir sie selten in diesen Konzerten gehört haben. 51 war eine der besten Leistungen, die wir je vom Cäcilieu-Verein erlebt haben; mögen die späteren ihr nicht nachstehen 1 Alle Anerkennung auch noch den Herren Scholz und Wallenstein für ihre sorg- faltige, gewissenhafte Eiustudiruiig.
H. Frankfurter Htadttheater, 30 Jan. Nun hat auch Frankfurt seine „Zwei glücklichen Tage" gehabt, die Schö» thau und Kadelburg von Berlin aus schickten. Sie kamen hier übet Wiesbaden wohlbehalten an und — an glücklichen Tagen soll man überhaupt kein Kritik üben! — wurden vom Publikum mit großem Jubel empfangen. Von der Wiesbadener Premiöre ist ja Inhal! sowie der glückliche Gnrudgedanke bekannt. Die zahlreichen Berliner und Wiener Witze schlugen ein, und nur einige Hypochonder oder allzu ernste Kritiker gingen mit neuer Bestätigung Goethesch Weisheit nach Hanse: „Nichts ist schwerer zu ertragen — Als Reihe von guten Tagen." — Von den Rollen lagen die des On der Tante und des unglücklichen VilleubesitzerS in deu besten Hän Herr Stritt, Frau Freund und Herr Scika gaben ijt Bestes. Der flotte Wiener, den Herr Kadelburg, der einen Vater des Stückes für sich selbst aus der Ahueugallerie der deutsche« Posse gut kopirt hatte, wurde von Herrn Schön selb in seiner ganzen Licbeitswürdigkeit Wiedergegeden.
.. _ . Kaiser zu seinem Geburtstage zu dem in der Schloßkapelle abgehaltenen Gottesdienst ausgewählt, hatte er den Bibelvers nntergelegt: „Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibet das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und iiberwinbet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, daraus er sich verließ, und theilet bett Raub aus." Beibes luirb mit ber Militärvorlage in Beziehung gebracht.
* Rundschau im Reiche. „Vorschläge zur Bekämpfung be8 Antisemitismus" betitelt sich eine in allen Parteien Be-
Nachdruck verboten.
Wiener Wsve.
tBcricht für dar „Wiesbadener Tagblatt".)
Wie«, im Jänner 1803.
In Paris ist cs Sitte geworben, Zeitfmgen mittels Circulare, die an maßgebende Persönlichkeiten versendet werden, beantworten zu lassen. Dieser Gepflogenheit folgend, hat jüngst ein Wiener Journal die Frage: „Welche Ursache liegt dem Niedergänge des Wiener Faschings zu Grunde?" aufgeworfen und die Kapazitäten der inusikalischen Kreise Wiens zur Beantwortung herangezogen. Sonderbarer Weise sprechen sich die Meisten gegen den jetzt herrschenden Toilettenluxus ans und schreiben ihm zum größten Theil mit die Abnahme der auf wirkliches Amüsement zielenden Faschings- Bclustignngen zu. Sollte cs wahr fein, daß man sich in der Welt, in der man auf elegantes Exterieur hält, nicht mehr tiont Herzensgründe wie Anno dazumal amnfiren kann, als ein einfaches Mnllklcidchen von Ball zu Ball mitging und — neu gewaschen — wie ein Phönix ans der Asche erstand? Johaiin Strauß gedenkt in feiner Antwort mit Entzücken der Tage echter Karueoalssrcudigkeit, „da die Töchter der besten Häuser in einfachsten Tstllkleidchen" auf den Bällen erschienen, und beklagt es, daß jetzt so Viele sich absentiren muffen, weil die Ansprüche sich gesteigert, die Mittel aber fehlen, um den Toilettenaufwand zu bestreiten.
Eduard Strauß weist gleichzeitig darauf hin, daß die Damen, um auf einem Eliteball erscheinen zu können, „Roben aus ersten Salons" tragen müssen, daß gar oft der Kostenaufwand eines einzigen Balles schon einen Landaufenthalt ermögliche und es deshalb den rationell Denkenden taum zu verargen sei, wenn sie sich von den großen öffent- . nchen Bällen, auf denen ja zumeist nicht einmal getanzt
△ Ans dem Gbernertvr-ttnngsgericht wirb nur gt* schriebe»: Gegen den Kaufmann K. in Elz war wegen Ausübung des Schankgewerbes ohne Kouzefsiou Anklage erhob« t worben. Es wurde festgestellt, daß derselbe feine» Knuden Sin - znm Selbstkostenpreis überlassen hatte, und daß mitunter feilte Fra« s in seiner Abwesenheit auch an Knechte Bier, gleichfalls zum Selbtz- kostenpreis, verkauft hatte. Der Angeklagte vertheidigte sich damit, daß in seinem Verhalten ein gewerbsmäßiger Schankbetrieb nicht gefunden werden könne, da ihm ja jede Absicht berGewinnerzielur.g vollständig gefehlt habe. Tas Schöffengericht trat dem bei und erkannte auf Freisprechung, und ebenso verwarf die Strafkammer
de? Landgerichts zu Limburg a. L. die von der StaatsanwaL-- schäft eingelegte Berufung. Dagegen hob in der RevistonsinstgiUi ber Strafsenat des Kammergerichts durch Urtheil vom 26. Jan. er.
