Abend-Ausgabe.
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41. J«hvga»,g.
14.
Montag» de» 9. Januar
1893
Diese Statistik zeigt int Allgemeinen seit 1888 ein Ansteigen der Löhne überall, das bis 1891 inkl. andauert, an der Saar auch noch im Jahre 1892 anhült. Hierbei ist die Thruerung der Lebensmittel in Betracht zu ziehe». Ferner ergiebt sich, daß die Löhne an der Saar thatsächlich die höchsten sind, die an Bergarbeiter gezahlt werden. Die Regierung wird sich, wie der „Franks. Ztg." mitgetheilt wird, dem Streike gegenüber vollständig abwartend verhalten. Sie erblickt ihre Aufgabe darin, mit den vorhandenen
Kotttische Tages-Rundschau.
— Morgen tritt der Reichstag wieder zusammen. Sein Schwerpunkt wird aber in nächster Zeit nicht in den Plenarsitzungen, sondern in den Verhandlungen der Militär- Kommission liegen. Selten dürfte sich ein Reichstagsausschuß in einer so schwierigen nnb verantwortnngsreichen Lage befunden haben. Man wird nicht erwarten dürfen, daß sich jetzt mit einem raschen Schlag alsbald die Entscheidung vollzieht; man wird wochenlangen Verhandlungen und Untersuchungen eutgcgensehen dürfen, und vielleicht wird sich erst bei der zweiten Plenar- berathung der Verlauf der Entwickelung übersehen lassen. Es ist über die prinzipielle und allgemein politische Seite der Militär-Vorlagen-Frage nachgerade genug geredet worden. Versteift man sich auf beiden Seiten, bei der Regierung und dent Reichstag, auf Stellungen, die sich schroff und unvereinbar -eulgegenstehen, dann muß eben das Verhängnis;
seinen Lauf nehmen, und die Reichstagssession kann unter Umständen bald zu Ende gehen. Wir wollen hoffen, daß es anders kommt. Außer den allerradikalsten Richtungen hat im Grund keine Partei ein Interesse, eine allgemeine Verwirrung in nnferm politischen Leben hervorzurufen. Möge ein guter Geist über dem jetzt bei schweren Gcwitter- zeichen znsammentreteuden Reichstag schweben!
— Die Welsetifonds-Euthüllungen des „Vorwärts" werden nun auch von dem amtlichen „Deittschen Reichsanzciger" und „Königlich Preußischen Staatsanzeiger" in aller Form als gemeiner Schwindel charakterisirt. Das Blatt schreibt:
Die hiesige Zeitung „Vorwärts" hat in ihrer Nummer vom 31. Dezember v. I. unter dem Titel „Hundert Ciiittungen des Welsenfonds" den angeblichen Inhalt von Quittungen über verschiedene Beträge veröffentlicht, welche an eine größere Zahl von Persönlichkeiten innerhalb derZahre 1868—1890 ans dem gedachten Fonds gezahlt worden sein sollten. Nach Inhalt der nachstehend veröffentlichten amtlichen Korrespondenz ist die Reichsregierung bereits im Frühjahr des vorigen Jahres mit der Angelegenheit besaßt gewesen. Sic ist dabei von Anfang an der Uebcrzeugung gewesen, daß cs sich nm eine Täuschung handelte, wobei dahingestellt bleiben muß, ob und wie weit die eine oder andere der in jener Korrespondenz genannten Personen sich dessen bewußt war. Von anderen Gründen abgesehen, ging die Gewißheit, daß hier eine Fälschung vorliege, schon aus dem Nmstande hervor, daß bezüglich der Verwendung von Welfeusondsgeldcrn zu geheimen politischen Zwecken die Empfangsbescheinigungen des Reichskanzlers bezw. des von ihm bevollmächiiglcitBeamten dieansschließlichen kasseumäßigen Beläge bildeten, daß diese Bescheinigungen jeweils nach crtheiltcr Decharge verbrannt wurden und Quittungsformulare der in nachstehender Korrespondenz bezeichneten Art niemals cxistirt Haden.
Weiter veröffentlicht der „ReichSauzeiger" die vollständige, sehr ausführliche Korrespondenz des Reichskanzlers i. V. Marschall mit dem denischen Gesandten in Bern aus dem Frühjahr 1892. Rach dem Ergebniß dieser Korrespondenz erschien im April 1892 der bekannte in Württemberg gemaßregelte Militärschriftsteller Hauptmann a. D. Miller. Derselbe theiltc ihm mit, daß ihm von „einer in hoher Stellung befindlichen Persönlichkeit" das Anerbieten gemacht worden sei, auf Grund von 100 »»verbrannten Belegen zum Wclfcnfonds eine Broschüre zu verfassen und
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: ^aragna-Kanal nicht zu überwinden; trotzdem soll erdcrHöhkuuuter- Aiebe wegen vermittels mehrerer Schlcnseuhaltuugen geführt tverden. MMk unserer Karte ist die Lage der Schleusen, die sich nur im östlichen MM NN ivcitlichen Theile der Kanalsbefinden, deutlich verzeichnet; eine 1)011 Nußläufeu und Aufstauung von Wasserbecken B®“ findet verschiedentlich statt, nm die zur Schleriseuspeisung W«lorderlicheu Waffermeugeu zu erhalten. Der Kanal steigt von MMUffoivu aus vermittels der Schleusen bis zur Höhe des Meter über dem Meeresspiegel liegenden Nicaragua-Sees hinauf, W von dort im Westen weiter mit Schleusen bis nach Brito am ctiHen Ozean hinab.
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Nachdruck verboten.
Der Nicaragua-Kanal.
Die Euthülluugeu über den Finauzschwindel, welcher mit den Geldern des Panama-Kanal-Nnteruehmens in Paris getrieben worden, haben unwillkürlich die Blicke auf den Konkurrenten des Panama-Kanals, den von den Amerikanern protegirteu Nicaragua- Kanal gelenkt. Wir taffen über dieses bedeutende technische Nitter- uehmeit, welches sich die Herstellung eines Schiffskanals qner durch die mittelamerikanische Landenge im Gebiet des Staates Nicaragua zur Aufgabe gemacht hat, unter Beifügung einer Kartenskizze folgendes zusammen.
Im Jahre 1888 wurde eine Gesellschaft zum Bau dieses Kanals, die Nicaragua-Schiffskaual-Gesellschaft, gegründet, welche ben Zweck verfolgt, von dem an der Mündung des San ^mm-Flusses belegeuen Hafenorte G r e y t o w n an der Ostküste oon Nicaragua einen in etwa nordwestlicher Richtung geführten, 272 Kilometer langen Kanal quer durch den Staat Nicaragua nach der Westküste desselben zu führen, der vermöge seiner Abmessungen der großen See-Schiffahrt zu bienen vermag.
r , Die gewählte Landstrecke ist der Ausführung des Projekts iusoscru günstig, als hier bereits schiffbare Wasserläufe vorhanden und und das ausgedehnte Becken des Nicaragua-Sces benutzt werden kann. Wie aus unserer Karte hervorgeht, soll
: »er Kanal bei G r e y t o w n am Carai- bischen Meere beginnen, sodann ben
E, Rio San Inan benutzen, und bei dem t Fort St. Carlos in die Südostecke des e Ricaragua-Sees ein treten. Der See wird L in der Richtung der Kanallinie, soweit : es in der Nähe des Users erforderlich : ist, vertieft, sodann wird der Kanal ihn ; an seinem Wesrufer in westlicher Richtung | verlassen und in kurzem Laufe die
Wasserscheide der Landenge, die sich hier ; zwischen t>eni See und dem Stillen Ozean L Lr zu einer Höhe von 46 Meter» er=
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Mg,. Auch an diesem Kanal ist nach der int Jahre 1888 erfolgten der Gesellschaft bereits feit mehreren Iahten gebaut M^s°eu, und trotzdem ist er von seiner Fertigstellung noch wett ent- Ente mißliche Finanziirung des llnternehmens trug auch 4ter zum Theil die Schuld; man hoffte die auf 500 Mill. Francs L »n Kosten aus 61 Mill. Dollar herabzusetzen, der gegen- e 5,Ti!9 gelegentlich der Panama-Krisis gemachte Versuch, eine 2lu- von.100 Mill. Dollar unter die Leute zu bringen, zeigt .daß auch hier Manches faul sein muß. An und für sich die Schwierigkeit und der Umfang der technischen Arbeiten auch unterschätzen. Von bett 272 Kilometer Länge des Kanals ItaMk Kilometer förmlich ausgegraben werden. Die Gesammt- Schleusen ist auf sechs beschränkt worden, die einen Höheu- MMrschted von 33,5 Meter überwinden sollen. Eine Schleuse ER") soll allein 13,7 Meter Gefälle überwinden; von den Thal- : die auszufübreu sind, soll die im Thale des Rio Grande
■Sg Auge von 640 Meter und eine Höhe von 25 Meter erhalten.
Kahizeit für Dampfer wird bei einer Durchschnittsgeschwindig- 9 Kilometer in der Stunde auf etwa 30 Stunden bc- Die Bauzeit soll sich über 5—6 Jahre erstrecken. Die ^Aushebung ans der Wasserscheide soll 327 Fuß betragen.
Zeichnung oben rechts in dem Kartenbilde ist ein S «werwef über die Lage des Nicaragua-Kanals zu derjenigen des "chsin-Kauals gegeben. Es geht aus den eingezeichneten Schiff- »wl,, lncn. bervor, daß der Hauptverkebr sich bisher den Hafen- v>e n n£n • Mündungen der Panama-Kaiials zuwendet, der, ^.u u fertiggestellt, auch den Borzug der kürzeren Kanalroute vor » '^'caragua-Kanal hat. Daß ein jeder, die mittelamerikanische hn*;28e <mi, irgend einem Punkte für die große See-Schiffahrt yncibenber Kanal in ganz besonderem Grade der amerika- ^ven See-Schiffahrt zu Gute kommen wird, geht aus der bedenten- “ ' Iur -°Je Verbindung der amerikanischen Hafenplatze unter- oer sich ergebenden Wegabkürzung deutlich hervor.
mit seinem Namen zu decken. Er, Miller, sei von der Echtheit der Belege fest überzeugt, halte aber die Publikation für pflichtwidrig, weil dieselbe „einen Skandal der gemeinsten Sorte mit unberechenbaren Folgen" bedenten könne. Er könne nicht eher zur Ruhe kommen, als bis er die Belege vernichtet habe. Er thcile dies dem Gesandten mit, um sich vor der Rache der beteiligten Person eventuell zu schützen. Mitwisser sei der Sohn eines Professors Lunge in Zürich, ein Korrespondent für auswärtige Blätter. Der deutsche Gesandte sandte demnächst ohne Ermächtigung des Reichskanzlers einen Kanzleibeamten nach Zürich, welchem Miller in seiner Wohnung ein angeblich 115 Original-Quittungen umfassendes Konvolut und von diesen angeblichen Quittungen die oberste unter Verdeckung der Namensuntcrschrift vorzeigte und demnächst beit Akt der Verbrennung des Konvoluts vornahm. Bei diesem angeblichen VerbreniiungSakte befand sich der Beamte zwar in dem betreffenden Zimmer anwesend, vermied eS indessen, der ihm vom Gesandten v. Bülow ertheilten Weisung gemäß, selbst dem Akte zuzuschauen. Der Hauptmann Miller theilte dentnüchst dem Gesandten v. Bülow brieflich mit, daß 115 Quittungen verbrannt seien und die Broschüre nach Verhandlung mit dem Verleger Cäsar Schmidt wenigstens vorläufig nicht erscheinen solle. Weitere Verhandlungen mit dem Hauptmann a. D. Miller und dem jungen Lunge wurden von dem Gesandten auf Befehl des Reichskanzlers in Vertretung Marschall abgelehnt. Der Reichskanzler erklärt, alle Veranlassung zu haben, die Angelegenheit „für einen Schwindel schlimmster Art" zu halten. —Daran hat auch sonst fein anständiger Mensch gezweifelt.
— Für die Bergarbeiterbewegung ist der heutige Montag ein wichtiger Tag. Entweder stützen die westfälischen Bergleute ihre Kameraden an der Saar, indem sie, wie in verschiedenen Versammlungen stürmisch beschlossen wurde, heute in den Ausstand eintreten, oder sie lassen die Vernunft zur Herrschaft gelangen und streiken nicht. Im ersten Fall dürfte sich die Niederlage der Streikenden im Saar-Revier etwas länger hinaus- zicheu, in letzterem Falle sind
sie heute schon so gut wie unterlegen. So oder so, jedenfalls wird sich eine sehr bittere Lehre aus dem in schwieriger Zeit leichtfertig und ungerecht heraufbeschworenen Ausstand ergeben, lieber die bisherigen Lohnverhültnisse im Saar- Revier, verglichen mit denjenigen in den übrigen Kohlen- prodiiktionsgebieten, besagt eine offizielle Statistik: Der Dnrchschiiittslohn der eigentlichen Bergarbeiter (55 Prozent aller Beschäftigten) betrug netto, also nach Abzug aller Beiträge für die Krankenkasse, Pension, Witt- wen-, Waisen- und Jnvalideu-llnterstütznitg, Del, Gezähegelder:
______ 1. Verdienst pro verfahrene Schicht.
— fabt, durchbrechen, um vermittel« ciucs ? Ktintn Küstenstufscs hier, einige Meilen Nordwestlich des vielfach von der Schifs- j fahrt awlaufeucn Alfens Concordia, - m den Ozean anszumnuden.
L Die natürliche Beschaffenheit beS Dcuams ist einem solchen Kanal günstig, wenngleich derselbe boch eine recht bc- s nächtliche Länge, 272 Kilometer, also fast g oasVieisache des Panama-Kanals, auf«
■wiftf Der schon jetzt schiffbare Flnß «an Inan, der vom Nicaragua-See | Meßend bei Greytown in ben Carai- 6 bischen Meerbusen mündet, kann, bis auf einen kurzen Theil seines vielfach gc- - tennbenen Unterlauf«, durch Kauali- miuifl für den Kanal benutzt werden.
Stelle seines vielverzweigten Mün- M-Migstheiles wird ein gerader, von Greytown aus in fast westlicher Rich- gegrabener Kanal hergestellt, der Fbtßlauf hier bedeutend abkürzt.
M. So erhebliche Terraüiunterschiede, wie der Pauarna-Kaual in dem felsigen -kWlrgsznge der Cordilleren, hat der
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Revier
1888
1889
1890
1891
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Saar ...
3,m
3,14
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4,21
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Ruhr...... .
2,93
3,42
3,98
4,08
3,81
Aachen........
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3,05
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——
Belgien.......
3,10
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—
3,34
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Nord-Frankreich ....
3,n
3,n
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—
2. Freier Lohn pr
o Jahr (300 Arbeitstage).
Revier
1888
1889
1890
1891
1892
Saar........
918
1032
1227
1263
1380
Ruhr........
888
1026
1194
1224
1143
Aachen .......
840
915
1026
1068
—
Belgien.......
930
1026
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1002
—
Nord-Frankreich ....
926
942
969
1050
—
