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Abend-Ausgabe

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«. Jahrgang

Verlag: Lauggasse 27.

Anzeigcn-Prtis:

13,00® Abotttterrteu

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Samstag, den 7. Zamrar

1893

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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bczugs-PrelS: S» Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

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Die Enthüllungen über den Schwindel, welcher mit den zum Bon des Panama-Kanals bestimmten Geldern in Paris getrieben worden ist, haben umvillkürlich die Blicke auf die Lage dieses Laues selbst gelenkt. Wenn die Vollendung des bedeutenden inter­ozeanischen Kanal-llnteriiehineiis eine Zeit lang durch die stattge- hadte Lcrgeudung der Geldmittel in Frage gestellt schien, so ist diese Gefahr doch dadurch wieder beseitigt, bnfj die Negierung von Coimubicn die zum Bau ertheilte Konzession inzwischen verlängert hat. Wenn die Mittel weniger zu politischen und sonstigen Zwecken, und mehr auf die Ausführung der Bau-Arbeit verwendet ivordeu . wäre, fo würde der Kanalbau auch schon erheblich weiter fortge- schriitcn, ja vielleicht sogar schon vollendet fein.

Eine technische Unmöglichkeit, den Kanal herzuitelleii, liegt keineswegs vor, denn die Hülfsmittel der Technik sind heute so vollkommen, daß mau mit ihnen sowohl Felsen und Berge durch­bohren, als auch in Sumpf und Morast dauerhaft zu bauen ver­steht. Das hat sowohl die Herstellung der Alpen- tuniiel wie auch die zum großen Thcil durch mooriges Terrain geführte Ban-Ausführung des Nord- 1 Ostsee-Kanals gezeigt. Die Frage, ob ein inter­

ozeanischer Kanal durch die mittelamerikauische Landenge zum Zweck der Verbindung des Großen mit dein Atlantischen Ozean überhaupt zur Ansführnug gc- miigeu wird, kann daher keinen Augenblick zweifel­haft fein. Wird der Panama-Kanal nicht bald vollendet, so kommt ihm sein denselben interozeani­schen Verkehrszweckcn dienender Konkurrent, der Aicaragna-Kanal vielleicht zuvor, da an denen Aus- - suhrnng von iuleressirter amerikanischer Seite ebcusalls L, bereits gearbeitet wird.

I Der gegenwärtige Zeitpunkt erscheint dazu ange- lhaii, auf diese beiden bedeutenden Kanal-llnter- ncbmungeit, welche sich dem Suez-Kanal und dem Rord-Ostsee-Kanal ebenbürtig an die Seite stellen, etwas eingehender hinznwcisen. Zu diesem Zwecke ae auf d» hier beistehende Kartenskizze des Panama-Kanals, der wir in nächster Nummer M^Karte des. N i c a r a g ua- K anals felgen lassen werden, hingeiviesen.

Ter Panama-Kanal soll die Landenge Mittel- Amerikas etiua an ihrer allechclimalkteu Stelle, zwischci! Colon am Atlantischen Ozean und Panama am Stillen Ozean, durchschuciden. Er ""n eine Länge von nur ca. 75 Kilometer erhalten d wird daher nur 5/< so lang wie der 98,65 Kilo- jneler lange Nord-Ostsec-Kaual und lang wie der Suez-Kanal. Zn wurde, im Jahre 1881 in Paris nut einem Kapital von 600

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Kap Horn Panama

eiiglische Meilen

. Aucklaiid.... 12,057 11,519

San Fraiizisko . 13,719 7,799

Valparaiso . . . 10,167 7,349

Die Unterschiede namentlich in Hinsicht auf San Franzisko und Valparaiso sind hier so in die Augen springend, daß die großen Vortheilc des Panama-Kanals für diese Fahrten klar auf der Hand liegen.

Der hochentwickelte nordamerikauische Osten wird allerdings vornehmlich im Verkehr nach den westamerikanischen Küste» eine wesentliche Fahrtabknrznng gewinnen. Es ist daher nur natürlich, wenn man in Amerika, namentlich seitdem in derllniou dieMouroc- Doktrin znr Geltung gekommen ist, dem ausländischen Panama- Unternehmen feindlich gesinnt ist und nur einen eigenen, in amerika­nischer Verwaltung befindlichen Kanal zwischen Atlantischem und Stillem Ozcan zu habe» wünscht. Dies ist mit ein Hauptgrund, weshalb man dort den Nicaragua-Kanal, zu fördern strebt, auf dessen Gestaltung wir im nächsten Leitartikel abermals unter Beifügung eines Kartenbildes, eingehen werden.

Schlvierigkeiten bieten) kostet nur 156 Millionen Mark. Be­fahrbar ist die Strecke von Colon bis Gatuu (f. Karte), ans den übrigen Theilcn der Linie ist durch Aushebung int Trocknen bereits ein Theil des Bettes hergestellt, jedoch ist im Ganzen kaum erst ein Drittel der Ansschachtnng beschafft; an der Stelle des Stillen Ozeans ist der Kanal in der Niederung bereits, wenn auch noch nicht in ganzer Tiefe, ansgeboben und befahrbar. Das zu erreichende normale Profil des Kanals soll 8,5 Meter Tiefe und 50 Meter Breite in der Ebene, jedoch nur 28 Meter Breite im Gebirge betragen.

In der Eckzeichnung oben rechts in unserer Karte ist nun ein Ucberblick über die maritimen Verbindnugslinieu nach dem Kanal hin gegeben, der die weittragende wirthschaftliche Bedeutung desselben illustrirt. Es sind alle regelmäßig von Dampfern befah- 'reiteit transatlantischen Linien dort angegeben, und das Bild zeigt, wie anßerordentlich zahlreich die sich nach den ver­schiedenen amerikanischen Hafenplätzen richtende» Schiffsk»rse sind. Die von deutsch en Dampfern befahrene» Linien sind dabei durch zuiammeuhängende Linien, die Route» der nicht- deutsche» Dampfer durch Stiichlinieu uiarfirt. Die deutsche Dampf- schiffahrt erstreckt sich danach außer nach fast allen Häfen Nord- Amerikas noch weit um Süd-Amerika herum, sowohl die Häfeu der Ost- wie die der Westküste bis nach Per» hinauf anlauf end. Sie wird also aus dem Panama-Kanal einen nicht unerheblichen Nutzen durch die bedeutende Wege-Abkürzung nach der Westküste von Süd- Amerika gewinnen könne». Vor Allem aber kommt ein interozea­nischer Kanal durch die mittelamerikauische Landenge, möge er sie mut bei Panama oder an einem anderen Punkt durchschneiden, dem amerikanischen Handel zu statten; denn die. Schiffahrt Nord- Amerikas wird dann in recht,erheblich stärkerem Maße als diejenige von Europa der Westküste Südamerikas nahe gerückt, im Ganzen um riiitb 3000 Seemeilen, während gegenwärtig der weite Umweg um die Südspitze des Welttheils sie in der Entfernung von jenen Gebieten mit der europäische» Schiffahrt etwa gleichstellt.

Für die Beurtheilung des Einflusses, welchen der Panama- Kanal aus de» deutsche» Handel ansübendürfte, kommt aber namentlich die Verbesserung des Verkehrs nach der Südsce in Be­tracht. Hierzu können die Entfernungen von Liverpool i» Anschlag gebracht werden. Nach englischen Ermittelungen beträgt nämlich die Entfernung von Liverpool:

Politische Tages -K«ndschan.

Der Streik der Bergleute im Sciarrcvier trägt zweifellos von vornherein den TodeSkeim in sich, und man kann zu Gunsten der bethörten Arbeiter nur wünschen, daß ihre nnansbleibliche Niederlage möglichst rasch eintrctc. Aber das betrübende Ercigniß darf nicht ohne durchgreifende Folgen bleiben. Daß sich nach Ansicht der Sozialdemokraten die Vertragsbrüchigen Ausständigen durchaus int Recht befinden, ist selbstverstctztdlich. Aber mich von anderer Seite versucht man, der Regierung die Hauptschuld an Wn Streit mit den Arbeitern der fiskalisches Kohlenwerke Huznschieben; vor Allem führt Kan den Geist der Feindseligkeit der Letzteren auf die parla­mentarischen Verhandlungen des vorigen Früh­jahres über die Berggesetz-Novelle zurück. Es ist unbestreitbar, daß die von den Verhandlungen der Jahre 1890 und 91 über die Gewerbe­ordnungs-Novelle sehr merklich abstechende Festigkeit der Negierung gegenüber unberechtigten und übertriebenen Forderungen der Arbeiter damals den Anlaß oder Vorwand zu allerlei Aufhetzungen gegeben hat, die, was das Saarrevier anbclangt, zum größten Theil dem famosen Präsidenten des Nechtsschutzvereins, Marken, und seinen Helfershelfern zur Last zu legen sind. Das Endergebniß dieser Hetzereien ist die gegenwärtige Arbeitsein­stellung, wohl der grundloseste nnd frivolste Streike, den man in Deutschland je gesehen hat. Was soll man nun nach solcher Erfahrung thun? Vor zwei Jahren war die Regierung von der Nothmendigkeit überzeugt, daß man gegen - die öffentliche Aufforderung zum Kontraktbruch »»" " und gegen die von ausständigen Arbeitern ange­

wandten gewaltlhätigen Mittel, um ihre Genossen am Arbeiten zu verhindern, scharfer Repressiv- mittel bedürfe. Sie hat damals den Fehler begangen, sich von dieser Forderung abbringen zu lassen. Inzwischen haben verschiedene Streiks, ganz besonders aber der gegenwärtige, die llncntbehrlichkeit derartiger Maßregeln sehr nachdrücklich erwiesen. Dem aufwieglerischen Treiben des Herrn Marken wäre mit einer gesetzlichen Bestimmung, wie sie §153 des Entwurfs der Gewerbeordnungs-Novelle vorschlug, längst ein Riegel vorgeschoben worden. Und wenn man jetzt aus .Saarbrücken hört, daß ein großer Theil der Arbeiter nur aus Furcht vor ihren Genossen am Streik theiluimmt, so würde das auch anders sein, wenn Diejenigen, welche die Anderen bedrohen, einer scharfen Strafe sicher wären. So zwinge» die Ereignisse im Saarrevier dazu, ans jene Vor­schläge zurückzugreifen.

Die Stimmen aus den deutschen Städten werden immer zahlreicher, welche den günstigen Einfluß der sozialen Gesetzgebung auf die städtische Armenlast zu rühmen wissen. So weist der kürzlich erschienene Bericht über das Armenwesen der Stadt Dresden auf das Jahr 1891 darauf hin, daß an das Dresdener Stadt-Krankenhaus vor Jnkrasitrelen des Krankenversicherungs-Gesetzes jährlich bis auf 80,000 Mk. an Verpflegungsgeldern u. s. w., im Berichts­jahr dagegen nur noch 31,232 Mk. von Seiten der Stadt zu zahlen waren, wöhrcnd infolge der auf Grund des Alters- und Invaliditäts-Gesetzes gewährten Altersrenten zwar schon einige Almosen in Wegfall gestellt werden konnten, ein merklicher Einfluß dieses Gesetzes auf das Armenbudget aber erst für spätere Jahre erhofft wird. Ein solcher Ein-, stütz ist in München deutlicher hervorgetreten, da an fort­laufenden Monats-Unterstützungen im Jahre ca. 7000 Mk. erspart werden.

linken Nebenflusses des Chagres, benutzt; sodann steigt der Kanal in de» Schleuse» 6, 7, 8, 9 und 10 nach dec Küste des Stille» Ozeans herab, die der Kanal westlich von Panama erreicht. Er wird, da das Meer dort seicht ist, noch eine aroße Strecke bis in die See hinaus fortgeführt, bis er die genügende Meerestiefe er­reicht.

Nordwestlich von Panama, bei Corozal, ist ein geräumiges, tiefes Fluthdock angelegt, welches dazu dient, die bedeutende Flutluvelle des Großen Ozeans behufs Ausgleichung des Waffcr- standes in sich aufzunehmen.

Der Kanal läuft im Allgemeinen parallel mit der von Colo» nach Panama führende» Eisenbahn, die s. Z. von der Kanal- Gesellschaft käuflich erwoibcu wurde und die Kanalliuie au zwei Stellen mit eiserner Brnckeniiberführnng schneidet.

Der Bau des Kanals, der infolge der finanzielle» Mißwirth- schast höchst ungenügend gefördert worden ist, hat bereits über 1840 Millionen Franken verschlungen der bis 1895 fertiggestellte, um ein Drittel längere Nord-Ostsee-Kanal (dem sich freilich weniger

; Spmbet, mit Hülfe deren

«nez-Kanals, Ferdinand v. Le

, auSznführe», sich anheischig machte. Eine Darstellung der Lj,,je des Kanals (vergl. auch die Zeicheu-

3 Bfianmg unten links) bietet unser Karteubild. ® «nprünglid) war der Kanal als reiner Durchstich * duf.Meereshöhe gedacht, also ebenso wie der Nord- £ 7-stlee-Kanal, und es würde bann keinerlei Schleusen bedurft haben, als wie höchstens einer Slbfchlnß- «omdjtuufl an jeder Mündung, um den Kcmal- 7^'icrspiegel gegen die durch Flnth uub Ebbe wechseln­de Wasserstcinde der beiden Weltmeere zu schützen. Ähnliches ist bekanntlich beim Nord-Ostsee-Kanal d" Fall, der thatsächlich als reiner Durchstich auf -lkcreshöhe quer durch Holstein von der Nord-

. Wr Ostsee geführt ist und auch nur an feinen Miln» S düngen Schleuse» besitzt. Kanäle dieser Art bieten für W dn Schiffahrt selbstverständlich die größten Vorkheile, da sie derselbe» keinerlei Zcitanfenthalt auf der Durch-

L führt verursache».

, Ter Panama-Kanal konnte jedoch, und zwar vornehmlich aus Unaiizielle» Gründen, nicht als reiner Durchstich geführt werden, El# die von den Cordilleren von Mittel-Amerika gebildete, aller- dwgs nicht sehr hohe 102m, aber felsige Wasserscheide nicht We erhebliche» Aufwand an Geld und Zeit durchschnitten werden umute, uub so schritt man dazu, ihn als Schlensen-Kanal in Ab- ' Wangen über das Gebirge zu leiten.

| Von Colo» am Atlantische» Ozean bezw. Caraibische» Meere k 7^benutzt der Kanal das Thal des aus ben Cordilleren kommenden, S»i»etfe von reißenden Wassermassen erfüllten Rio Chagres dnnvarts bis zum Oberlauf desselben bei Matachin. Jedoch wird nur das Thal, nicht aber das Flußbett des Cbagres be- L jW. da dieser zur Ableitung der Gebirgswäffer, die natürlich nicht U U de» Kanal als Strombett geleitet werden konnten, ohne die k ^IMichkeit der Schiffahrt auf dem Kanal illusorisch zu machen, UM fernerhin dienen muß. Zn diesem Zweck ist der von der «anch-Linie mehrfach durchschnittene Fluß durch Parallel-Kanäle | Seiten des Kanals in nnuitterbrochene Verbindung mit

- Meere gebracht, also gleichsam in zwei, i» vielfachen Windungen Hauptkanal parallel ziehende Flüsse gelheilt worden, wie dies U e|> unsere Zeichnung darstellt.

U br#- 8« dem vorgenannten Orte Matachin steigt der Kanal in Schleusen an, die auf unserer Karte unter gleich- Nnmerirung bezeichnet sind. Hier, wo der Chagres DM den Höhen des Gebirges hervorbricht, bei dem

|8*( Gamboa, wird fein wilder Oberlauf durch einen £ Akrdamm gesperrt und der Fluß zu einem riesigen See- 77 ,N ausgestant, dessen allmählicher Abfluß in den Unterlauf Karl' werden kann, während das Staubecken die zeitweise über- g ?Mg starke Wasserzusuhr ans den Bergen aufnimmt und somit l'i® deren Sammler den Kanal vor beit verheerenden Wasferflnlhen || Gebirgsfluffes schützt.

E t.- Vermittels der Schleuse» 4 und 5 steigt der Kanal sodann auf Weiteren, sich mm dem Gipfel der Cordilleren zuwendenden j. cke ans feine höchste Wasserhaltung, vermittels deren er über ~ hi/ /.sisivrcchend tief ankgefprengten Felsrücken der Wasserscheide, Fx-L1*-'? Meter über dem Meere liegt, geleitet wird. Es geschieht r tnt Paß von Culebra, nabe bei einem 185 Meter hohen td'rgsgjxfel. Bis hierher hat er das Thal des Rio Obispo, eines