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Abend-Ausgabe

Verlag: Langgasse 27.

12,OOO Abonnenten

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«ä’onr-k’c Rutsche Ostgrenze wurde das Vorrückeu her Cholera W Evestk'i, namentlich feit dem Ausbruch derselben in Kiew und R-. '0|l>ic in Lublin, Warschau, Radom, Kielce, Siedlec uud dem Mittelbar au der Grenze belegen«: Orte Plock, gefährlich. Tiefe Moreitimg geschah int Laufe des August und September, also l?*P,r aeit, wo die Cholera in Deutschland bereits über Hamburg gedrungen war. Von dem Umfange, welchen die Seuche in »Binnb angeuomuieu hatte, giebt die Mitt Heilung der Cbarlouur ?"veruementr-Zeitnug ein Bild, nach welcher bi3 zu in 27. Sept. _ajt weniger als 195,195 Personen an der Cholera ? -iußIand gestorben sind.

stattgesunden, wenngleich verkannt werden soll, daß auch die Eisenbahnen und sonstigen Land-

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fidjgrctfen der Cholera m Polen, Galizien ernste Folgen für Deutschland nicht gehabt.

Was die Cholera in Frankreich betrifft, so war dieselbe schon Anfang April in einer heftigen Epidemie im Zuchthaus in dem im Westen von Paris gelegenen Vorort Nanierre mit 49Todes-

I» unserer Karte ist in dem uutcren Theile eine Ucbcrsicht . über die Epidemie in Europa ge-

iuU seinen 7 Gralis-Beilagen

(darunter die „Illustrirte Kinder-Zrilmrg")

-—— monatlich 50 Pfennig____

kann jederzeit begonnen werden. Man bestelle fvfiH’f.

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fällen unter 51 Erkrankungen ausgebrochen. Längere Zeit herrschte daun die Epidemie in den nordwestlich von Paris gelegenen Vor­orten St. Denis, Nciiilly, Suresues uud auch in der Haupt­stadt selbst. Von Paris aus wurde die Cholera nach Havre geschleppt, uud von dem Zeitpunkt au muhte auch das Ausland, welches mit dem französischen Hafen in Schiffs­verbindung stand, als stark bedroht angesehen werden. Im Innern des Landes selbst hatte sich die Cholera über die Stiidle Nonen,

Von Rußland verbreitete sich die Cholera auch in wenigen vereinzelten Fällen bis auf österreichisches Gebiet. So starb am 9. September in Podgordze, einer durch die Weichsel von Krakau getrennten Stadt, eine 80-jährige Frau an der Cholera, welchem Fall sich einige weitere Erkrankungen, sowohl in Krakau als auch im übrigen Galizien, anreihten. Im Ganzen traten bis Ende Oktober daselbst 142Cholera-Erkranknngcn auf. Eine ausgedehntere Cholera-Epidemie entwickelte sich Ende September in Budapest, wo­selbst bis zum 8. Oktober 254 Erkrankungen und 89 Todesfälle stattfaudeu. Mehrere Städte der ungarischen Tiefebene wurden ebenfalls von der Krankheit «griffen, und schon im April kam es zu einigen Erkrankungen, die jedoeh vereinzelt blieben. Tiefes Um­sichgreifen der Cholera in Polen, Galizien und Ungarn hat jedoch

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DIE CHOLERA (

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bereits in Hamburg eine große Ausdehnung genommen. Es ist festgestellt, daß schon seit Mitte Angust in Hamburg choleraähn- Uche Erkrankungen in großer Zahl vorgekomnien waren, bei denen jedoch die asiatische Cholera nicht mit Sicherheit konstatirt werden konnte. Erst am 22 Angust war die« der Fall. Die Seuche nahm in Hamburg sehr rasch eine» außerordentlich großen Umfang an. Am 21. August waien bereits 83 Erkrankungen mit 22 Todesfällen zu verzeichnen. An den beiden folgenden Tagen steigerten sie sich auf 200 Erkrankungen und 70 Todesfälle resp. 271 und 111, um von da an stetig zuznnehmen, bis am 30. September mit 1081 Er­krankungen und 484 Todesfällen die höchste Stufe der Epidemie erreicht wurde. Von da an begann die Epidemie allmählich abzu- nehmen, und am 24. Oki. wurden znm ersten Male Erkrankungen nicht gemeldet, fo daß die Epidemie als erloschen angefehen werden konnte.

Die Verbreitung der Cbolera fand in Hamburg außerordent­lich rasch statt. Von Hamburg aus wurde die Krankheit dann nach zahlreichen Orten Deutschlands verschleppt, und daß hierbei nament­lich die Hamburg benachbarten Gegenden leiden mußten, ist nicht überraschend. Jnsgesammt sind in Deutschland 269 Orte von der Cholera heimgesucht worden. Die Lage dieser Orte unter Abstufung nach der Heftigkeit, mit welcher die Seuche in ihnen sowie in den betreffenden Kreisen aufgetreteu ift, geht aus der kartographischen skizze deutlich hervor. Fast bei allen Ortschaften mit außerordeitt- i.ch geringen Ausnahmen konnte ' ~ ' -----

aus Hamburg erbracht werden.

oh, von wo aus sie sich sehr bald m rascher Folge über fast ba9 St europäische Rußland ver- ete. Fast gleichzeitig nämlich, auch im Frühling 1892 hatte sich tn Europa westlich in Frank-

Sellnng des Verlaufs der Krank- eit ermöglicht, erscheint es ange- meffen, auf dieselbe in einer kurz gefaßten Uebersicht, die durch eine Karte erläutert wird, einzngehen.

W Im Frühjahr 1892 trat be­kanntlich die Cholera, welche bisher in großer Heftigkeit in Afghanistan »nb Persien geherrscht hatte, ihren I Vormarsch auf russisches Gebiet

Lille, Dünkircheii, Brest, Cherbourg, Dieppe, Treport, Toulon, Bonli gne für Mer, Toulouse und Ma.saille ausgedehnt, hatte also iiameutlich die nördlichsten Theile und den äußerffen Süden er­griffen, und gegen Mitte Oktober trat in den oberen, an der Grenze gelegenen Orten Habonville bei Rauch eine große Anzahl von Er­krankungen auf. Rach einer amtlichen französischen Zusammen­stellung sind in der Zeit vom 4. April bis 15. Oktober tm Ganzen 212 französische Gemeinden in 20 Departements von der Cholera ergriffen und etwa 3184 Personen an derselben gestorben.

Von Frankreich aus wurde die Cholera über Havre nach Ant­werpen verschleppt, und nunmehr fand auch eine weitere Ausbreitung in Belgien statt. Nauientlich waren es die Provinzen Limburg, Namur, Ost-Flandern, Lüttich und ßujeuibiirg, welche von der Krankheit ergriffen wurden. Auch in Gent und Brügge kamen Cholerafälle vor. Von Ende Juli dis Mitte Oktober wurden in Belgien 1735 Erkrankungen und 561 Todesfälle gezählt.

Die Niederlande wurden im letzten Drittel des Monats August ebenfalls von der Cholera ergriffen, und zwar geschah dies durch Personen, welche von Hainburg zugereist toareii und zum Theil noch auf dem Schiffe erkrankten. Als voruehinlichste Orte, in denen die Cholera auftrat, sind folgende zu neunen: Haag, ©rouingen, Notterdain, Vmuideii, Maaslnis, Dortrecht und Mil­lingen. Vornehmlich war c3 die Schifferbevölkeruug, welche unter der Cholera zu leiden hatte. Die Zahl sänimtlicher Todesfälle soll jedoch in den Niederlande» bis Mitte Oktober nur 77 betragen haben.

lieber die Ausbreitung der-Cholera in Deutschland giebt der obere größere Theil unserer Zeichnung ein anschauliches Bild. Die Eiitstehnug und der Verlauf der Epidemie ist in kurzeii Zügen folgender gewesen:

Am 19. August waren in das städtische Krankenhaus z» Altona zwei Personen aufgeuommcii worden, welche an choleraverdächtigen Kra n khei tserf ch ei nu nge» litten und nach kurzer Zeit verstarb«!. Am 21. wurde mit Sicherheit das Lorhandeufem asiatischer Cholera bei de» Verstorbenen festgestellt. Ai» 24. August traf im Kaiserliche» Gesundheitsamt in Berlin eine Meldung des Medizinalbüreaus zu Hamburg vom 23. Aiigtist ein, daß am 22. auch in dieser Stadt asiatische Cholera konstatirt sei; an demselben Tage hatte die Seuche

41- Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: 6® Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

Anzeigen-Prcisr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Sicdnmen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

voruchinllch von der Cholera heimgesncht worden find. Eilt ganz ähnliches Bild, wenn auch in abgeschwächtem Maße, zeigt das Gebiet des Rheins. In diesem Bilde liegt also klar ausgedrückt, daß namentlich die Verbreitung ans dem Wasseiwege in Dentschland stattgesunden, wenngleich nicht

jtaja», NnaM-nowgoroo, Perm, Ufa, »jrenDiirg, Tobolsk, Zollgebiet, Jekatcrinoslaw, Taurien, Odessa, Person, Beffarabien, Podolien, Kiew, Poltawa, Charkow, Woro- Kursk Tschernigow, Orel, Tambow, Pensa, Rjäsa», Tnla, AVSkan, Mobilem, St. Petersburg, Riga, Kurland, Pskow, Minsk, Wlhhine», Siedlec, Lublin, Warschau, Plock, Radow, Kielce und

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der Nachweis einer Einschleppung

Die Epidemie hat sich soivohl aus dem Landwege wie auf dem Wasserwege verbreitet. Verfolgt man die Figuren nuferer Karte, in welcher ausschließlich die Hanpt- strönie und alle von der Epidemie betroffenen Kreise und Ortschaften verzeichnet sind, so ergiebt sich tdatsächlich, daß das Gebiet des schiffbaren Elbstioms, des Kanal- tmd Wasferstraßengebiets zwischen Elbe und Oder (Havel und Spree), das Gebiet der unteren Oder und dasjenige der unteren Weichsel sowie der unteren Weser

des täglich in zwei Ausgaben erscheinenden

„Wiesbadener Tagblatt

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I reich «ii bedrohlicher Seuchen- ?rd entwickelt, indein in der Umgegend von Paris zahlreiche Cholerafälle auftraten. So rückte dii I d>e g hrliche Krankheit sowohl ' * " von Osten wie von Westen gegen bje deutsche Grenze vor, und es ist eigentlich zu verwundern, daß ne diese nicht von den Landseiten überschritten, sondern von der ««feite her in dem größten deutschen Sechaseii, Hambnrg- , Altona, ihren Einzug in Dcntsch-

jbS ‘ M Die Cholera-Epidemie 1892.

, Vor Kurzem ist dem Dcuifchen Reichstag eine Denkschrift über ■ - die Cholera-Epidemie 1892 überreicht worden, welche die Entwickelung .. m-n und den Verlauf der Epidemie in Deutschland eingehend darstellt und außerdem eine Uebersicht über das weitere Auftreten dieser Krankheit in Europa giebt. Nachdem die Cholera in Deutschland erloschen ist — das erneuerte Aufflackern hat vennuthlich feine weitere Bedeutung — und ein reichliches amtliches Material über ihr Auftreten in Deutschland vor­liegt, welches eine genaue Dar-

■ Baku am Kaspischen Meere aus und wurde infolge der allge- ‘*!ien Flucht bet Einwohner mit großer Schnelligkeit tljeils längs * SF transfaufafiffben Bahn und über das Schwarze Meer nach <->nis, Vatrim, Asow, Rostow und Odessa, theils auf dem See- - über das Kaspische Meer nach den Hasenorteii Petrowsk am i Mtufer des Meeres und nach Astrachan an der Mündung der S°:6a eingeschleppf. Von dieseni letzteren Orte aus, wo die un Juni bereits anstrat, drang sie in rascher Folge in HrflÄd I v - ai! diesem Strome gekgcücii größeren Städte ein Es waren i Saratow, Samara, Kasan :c. Fast zii derselbe» Zeit wurde 4-ougebiet ergriffen und Ende Jnli auch das Flußgebiet des Wchr. I» bemfelben Monat waren auch die ersten Erkranknngs- r™e in Nil'chni-Nowgorod erfolgt. Gleichzeitig traten in PeterS- und Moskau Cholerafälle auf. Zn dieser Zeit rückte die @*l9e in breitem Strom nach Westen vor. Bis Anfang De- LW>tr wurden die folgenden in unserer Karte angegebenen Städte -mtzwuds als von der Cholera infizirt amtlich gemeldet:

Baku, Jelissawetpol, Sakatala, Tiflis, Eriwan, Kars, Baium,

Wege hiezu bcigetragen haben. Unter Beachtung der Zeichener­klärung in unserer Karte (oben rechts) ergiebt sich die größte Aiisdchmiug der Cholera im Stadt­gebiet von Hamburg, im Kreise Pimicberg, Storniarn und Har- , bürg, woselbst 11 und mehr Orte aus jedem Kreise von der Cholera betroffen waren. Sodann folgen die Kreise Steinburg, Boizenburg, Westpriegnitz an der Elbe und sodann Randow an der unteren Oder sowie Niederbainim an der Havel und Spree mit 6—10 von der Cholera betreff Orten aus jedem Kreise. Eine zahlreiche Ver­breitung hat die Cholera bann in meist vereinzelt gebliebenen Ort- __. schäfte» ber Provinz Schleswig- Holstein, Mecklenburg, Pommern, Brandenburg und Hannover ge­sunden Die zerstreut liegenden Cho'eraorie in Obcrschlesien, Sachsen, Westfalen, der Rheinprovinz und Baden sind, je nach der mehr oder weniger große» Anzahl von Cbolerafällen in diesen Orten, durch die in der Karte ange- weudete Signatur unterschieden.

Im Speziellen ist die Cholera in folgenden Kreise» und Ort­schaften Deutschlands aufgetreteu; die in unserer Sorte enthaltenen Zahl en von 1—135 bezeichnen diejenigen Orte, bereit Namen in der Karte nicht ausgeschrieben werden konnte. In dem hier folgen­den Ortsverzeichuiß sind dieselben Zahle» bei ben betreffenden Orts­namen angegeben.

Preußen. Regierungsbezirk Marienwerder. 1) Nothof, 2) Kurzebrack, 3) Schiluo, 4) Thorn, 5) Sulin, 5a) Kgl. Kicwo.

Berlin.

Regierungsbezirk Potsdam. 6) Zehdeuik, 7) Schwedt, 8) Hoheiifaathen, 9) Kahn im Oderberger See, 10) Eberswalde, 11) Hegermühle und im Streife NieberbarnimStadtkreis Charlotten- burg intb Stadtkr. Spandau, 12) Kahn bei Picheiswerder, 13) Rathenow, 14) Plauer Schleuse und int Kreise Westpriegnitz.

Regierungsbezirk Frankfurt (Ober). 15)Küstrin, 16)Festung Oderberg, 17) Hohenwntzen, 18) Niederwetzow, 18a) Stadtkreis Landsberg a. W., 19) Fürstenwalde, Stadtkreis Frankfurt a. O. Regierungsbezirk Stettin. 20) Demmin, 21) Swiuemunbe, 22) Ukckermüube, 23) Torgelow, 24) Torgelower Holläuderei, 25) Ziegenort und im Kreise Randow, Stadtkreis Stettin, 26) Ftb- dichotv, 27) Pakulent, 28) Stargard i. Pom., 29) Liibzin und 30) Schwessow.

Regiernugsbezirk Köslin. 31) Stolpmiinde.

Regiernugsbezirk Stralsund. Stadtkreis Stralsund.32) Greifs­wald und 33) Wolgast.

Regierungsbezirk Posen. 34) Rnda.

Regierungsbezirk Brom berg. 35) Schiieidemülil.

Regternngsbezitk Oppeln. 36) Snchau, 37) Deutfch- Nenkirch.

Regierungsbezirk Ma g debu rg. 38) Pervcr, 39) Karlbau bei Tangen»ünde, 40) Schollene, 41) Wollersdorf, 42) Groß Wuster­witz, 43) Gltude, 44) Aken, 45) Westerhüsen, 46) Fermersleben, Stadtkreis Magdeburg, 47) Rogätz.

BBaateu Rußland, Frankreich, •Tcelgien, Niederlande und Oester- h«S3^5Ungarit diejenigen Orte durch

ich rat ze Kreise bezeichnet, in «neu Cholera amtlich konstatirt tvorden ist.

" Was die Ausbreitung der Cholera in Rußland und ihren PyaiDärtigei Stand anbetrifft, j.l w ist darüber Folgendes niitzu- eil St en: Anfang Juni brach die MU ra in dem russischen Haicu- (aff4' csten i