Berlag Langgasse 21
„T»gblali-Ha»L".
6dwlttr»®*8e geöffnet von 8 Uhr morgens dir 8 Uhr ahend«.
Wöchentlich
DezugS-Prets für beide NuSg«be«: 70 Pfg. monatlich. M L— vtetteljkhrlich durch den Berlag Knssafie 21 . ohne Bringerlokn M. 3.— vierteljährlich durch alle deutschen Pvstanstalten. ausschlieklisy «oesiellgeld — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle BiS- knarckrrng IS. iowie die Ausgabestellen in allen Teilen der vtadt; in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt'-Träger.
12 Ausgaben,
Fernruf:
„T-gblott-HauS" Nr. «850-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, nutzer Könning»,
«nzeizen-Prris fiir die Zeile: 15 Pfg. für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmnrtt" und „Sflthitr «n>ci,er» tn einheitlicher katzsorm; M P!g. in davon abweichender S-Lausiührung. iowie für alle übrigen örtlichen Anzeige»: so Psg. für alle auswärtigen Anzeigen: l Ml für örtliche Reklamen: 2 m. inr auswärtige NeNamen. Ganze, halbe, drittel und »irrte! Seiten, durchlauiend, nach beiondercr Berechnung — Be, wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in lnrzen Zwiich-nräumrn entsprechender Nachlaß,
Berliner Schriftleitung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Güntzelstr. «6, Fernspr.: Amt «bland 450 u, 451.
Mittwoche 30. Dezember 1914.
Morgen ° Ausgabe.
Nr° 608» * 62- Jahrgang.
Oer Krieg.
Die Lage im Westen.
Die Stellung der Deutschen in Flandern.
Br ' Kopenhagen, 29. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) ^>e Kriegsberichte der französischen Presse besagen ein- wmrnig, oah der Nebel andauernd den Unternehmungen ^ Flarwern Hindernisse bereitet. Sie geben die Front der Deutsche« folgendermaßen an: Vom Meer zwischen Lom- ^ r t z y d e und W e st e n d e bildet sie eine Kurve bei Georges, geht darauf westivärts nach R a m s- ^pelle, das in den Händen der Belgier ist. Bis nach «udosten folgt sie dem Hauptarme der User bis Dix- Luiden, wovon die Deutschen den nordöstlichem und wich- Men Teil besetzt halten, während die Belgier den südwest- )chen besetzen. Von hier geht die deutsche Front nach Süden über M e r ck e m durch überschwemmtes Gelände bis Bix- > w o o t e , das im Besitze der Deutschen ist, von da nach ^vlcap-lle, das ebenfalls in deutschem Besitz ist. Die putschen Schützengräben erstrecke« sich danach bis nach daschendale, das die Deutschen halten, und biegt Hieras nach G h e l v e l t ab, das die Verbündeten besetzt haben, schließlich folgt die Linie einem Waldrande bis zur wichtigen Stellung Hollebeeke, das von den Deutschen besetzt ist, und setzt sich dann über W a r n e t o n fort.
Das Nachlassen der französischen Spannkraft.
W. T.-B- Berlin, 29. Dez. (Nichtamtlich.) Der „L.-A." ureldet aus Genf: Die Ungunst der Witterung be-
Kichnet Joffresche Tagesbericht als die Ursache der ^s/ingfügigkeit der gestrigen Aktion. Tatsächlich ist ein auffälliges Nachlassen der französischen Spannkraft, Namentlich in Flandern, im Aisnetale und in der ^hampagne, wahrzunehmen. . Der Tagesbericht gesteht uie französisch-belgksche Schlappe bei H o l l e b e k e zu und Erkennt ap, daß die deutsche Artillerie in der Umgegend von 8ieims und Perthes sich besonders kräftig betätigte.
Der franzSsische Kriegsbericht.
W T-B. Paris, 28. Dez. (Nichtamtlich.) Amtlicher Berich! von l l Uhr, abends: Während des ganzen Tages verhinderte ein hesKger Sturm die Operation«: auf einem großen Teil der Front, jedoch wird gemeldet, daß wir einige Fortschritte machten, besonders in den Argonnen.
bine Schilderung des englischen „Augenzeugen".
Di-. Rotterdam, 29. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der dekan-nte Augenzeuge im englischen Hauptquartier be- wrichj die Kämpfe vom 21. bis 24. Dezember. Er meffiet:
22. zum 23. wurde die ganze Nacht gekämpft. Wir rückten vorivärts und nahmen deutsche Schützengräben, über weil die Stellung so schwer unter feindlichem Feuer "sgi, mußten wir nach unserer ursprünglichen Linie zu- ^ u ck. Am 23. Dezember schwächte der feindliche Angriff ab. ccm 24 ‘. . ttnir * )e mit Mörsern und Handgranaten gekämpft.
liest zwischen den Zeilen, daß hier eine englische schlappe verschleiert wird.)
Neue englische Truppennachschübe.
T. U. Rotterdam, 29. Dez. (Ktr. Frankst.) Der „Neue tsonerdamsche Courant" meldet aus Le Havre, daß in den etzten Tagen wiederum Truppen aus England nach Frankem übergeführi wurden. In Le Havre wurden schützungs- ^>se 40000 Mann gelandet. Die Mannschaften ^aren gut für den Winter ausgerüstet. — Die beiden «oI)ne des Herzogs von Atholl werden vom Kriegsministe- lun^in London als verwundet und vermißt gemeldet.
Ein englisches Märchen.
. TU. London, 29. Dez. (Ktr. Bln.) Nach einer Meldung b* Mail" aus Manche st er habe die Polizei dort
3 kmer schloßartigen Besitzung eines reichen Industriellen me vollständig ausgerüstete Station für drahtlose E l e g r a p h i e entdeckt. Der Industrielle fei unter dem ervscht des Hochverrats sofort verhaftet worden und werde ein Kriegsgericht gestellt werden. — Da das Blatt keinerlei amen nennt, muß man den Eindruck gewinnen, als ob die 'bricht erfunden sei, um eine Erklärung für das unbe- erkte Herannahen der deutschen Kriegsschiffe bei ihrem jüng- Handstreich zu haben.
^ Beschießung von Nancy durch einen Zeppelin
W. T.-B. Paris, 29. Dez. (Nichtamtlich.) Das „Journal" 1 e G>et aus Nancy: Die Beschießung der Stadt durch einen ti^ppelin verursachte besonders im Wahnhofsviertel Schaden. Mehrere Soldaten wurden verletzt. Die fböffetuTui blieb ruhig. Der Zeppelin wurde heftig, aber "alglos beschossen.
den östlichen Kriegsschauplätzen.
Rüchzuy der Nüssen in Pole«.
^ Tu. London, 29. Dez. (Ktr. Frkf.) Eine Depesche der '-»corningpost" aus Petersburg besagt, daß der russische Ober- chw.a^dierende Nikolai Nikolajewiffch sich abermals gelungen gesehen habe, die weitere Verfolgung seiner ^hegischen Pläne neuerdings aufzugebcn, und eine R ü ck - . t Zb e w e g un g der ganzen Armee anbesohlen um seine Frontstellung zu stärken.. Diese strategische ^ckzn^Ztzxmegung werde ihln gestatten, die innere Verteidi- Nugslinie gegen den Feind zu halten und seine Heere vor ^urschau zu konzentrieren.
„Russische Siegesgefühle".
Br. Kopenhagen, 29. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Berichterstatter der „Berlingske Tidende" aus Petersburg sendet an die Blätter einen Artikel mit der Überschrift „Russische Siegesgefühle", worin es heißt: Die Russen kennen die Aufgabe, die ihrem Heere in Polen gestellt ist. Es soll vorläufig weder siegen, noch sterben, es soll nur aushalten. Phantasten sprechen von einem Siegesmarsch nach Berlin, die Russen kennen sehr wohl die nackte Wahrheit: Das Blut, das in Strömen auf den polnischen Schlachtfeldern fließt, soll anderwärts Früchte tragen. Die Russen wollen die Deutschen festhalten. Der Sieg wird auf den französischen und flandrischen Schlachtfeldern erfochten.
Lin französischer Militärkritiker über unsere günstige Lage in Polen,
T. U. Paris, 29. Dez. (Ktr. Frankst.) Über die Schlacht in Polen schreibt im „Petit Journal" der Militärkritiker Oberst Fehler: Diese Schlacht in Polen gleicht einer wundervollen Schachpartie. Ihr genaues Studium mutz späterer Zeit überlassen bleiben und nervösen Leuten kann man unterdessen nur dringend abrateu, sich allzusehr damit zu befassen, denn die Partie macht augenblicklich eine für die russischen Waffen sehr zweifelhafte Periode durch. Trotz aller zuverlässigen Depeschen aus Petersburg mutz unseren westeuropäischen Augen diese allgemeine Rückwärtsbewegung sehr unbehag. lich erscheinen.
Die Krifts in Japan.
ScheinvertrLge nach englischem Muster.
Br. Wien, 29. Dez. (Eig. Dvahtbericht. Ktr. Bln.) Die Korrespondenz „Rundschau" meldet aus Konstan- tinopel: Die aus Japan hier eintreffenden Nachrichten lassen seit einiger Zeit erkennen, -daß sich in Japan Erregung zeigt, die sich ui Kundgebungen gegen die Regierung äußert. Die e n g la n d f r e u n d l i che Politik des Grafen Okuma hat in der demokrati- schen Partei, aus die sich der Ministerpräftdent stützt, lebhaften Widerstand hervorgerufen. Gleichwohl setzte Okuma den Anschluß Japans an die Tripel- Entente durch und es wird jetzt bekannt, daß ex dieses erreichte, indem er in geheimer Beratung die Versicherung abigab, er habe von England das bindende Versprechen erhalten, Japan werde für seine Hilfe u mfassende Konzessionen erhalten. Okuma verwies auf das Abkommen mit Rußland und betonte: Außer den drei bÄannt gemachten Hauptbsstimmun- gen über die Wahrung des Status qua in der Mandschurei, die friedliche Beilegung etwa entstehender Differenzen und die Eisenbahnfrage bestünden noch bisher geheim gehaltene Vereinbarungen, die eine wechselseitige militärische Unterst ü tz u n g allgemeiner Naffrr zwischen Rußland und Japan seftsetze. Das sapanffche Parlament war über diese Eröffnung sehr aufgebracht und beschuldigte die Regierung eines V e r f a s s u n g s b r u ch s. Die vom Kriegsminister geforderten Militärkredite wurden demonstrativ um ein Drittel gekürzt und erst nachher erfolgte ihre Bewilligung in vollem Umfange, als die Regierung auf die Gefahr eines Konfliktes mit China hinwies. In einer kürzlich in Tokio abgchal- tenen Versammlung wurde g e g e n die Teilnahme Japans am Weltkriege aus seiten der Tripel-Entenre Stellung genommen. Es wurden Artikel russischer Blätter vorgelesen, die sich in heftigen Ausdrücksn gegen die Expanstonsbestrebungen Japans ergingen und in denen ausgesprochen wurde, daß kein Vertrag zwischen Rußland und Japan den Konkurrenzkampf zwischen beiden Staaten auf die Dauer beseitigen könne. In Tokio wird auch hervorgehoben, daß den Siegesmeldungen russischer und englischer Agenturen kein Glauben beizumessen sei. Der Umstand, daß die Türkei sich Deutschland und Österreich-Ungarn zugesellt habe, hätte auch für Japan entscheidend sein müssen. In Nagasaki und Osaka haben Manifestationen gegen die Regierung stattgefunden.
Nordsachalin doch an Japan abgetreten.
Br. Kopenhagen, 29. Dez. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die unlängst von der „Petersburger Tele- graphenagentur" dementierte Meldung, daß Rußland gegen Lieferung schwerer Geschütze und Gestellung der leitenden Artillerieoffiziere die zweite Hälfte der Insel Sachalin an Japan abgetreten habe, wurde gestern durch eine „Reuter"°Meldnng aus Washington bestätigt, wonach der dortige japanische Boffchafter die amerikanische Regierung offiziell von dieser Tatsache in Kenntnis gesetzt hat.
Die Stimmung in Rumänien und Bulgarien.
TU. Paris, 29. Dez. (Ktr. Bln.) In hiesigen diplomatischen Kreisen erhält sich auf Grund von Depeschen aus Bukarest und Sofia mit Hartnäckigkeit »das Gerücht von einem bedeutenden Erstarken der dreibundfreund
liche n Elemente in Rumänien und Bulgarien. Das Thema beschäftigt die hiesige öffentliche Meinung ungemein, da man im allgemeinen von dieser Seite mit Überraschungen nicht gerechnet hat. Die Presse widmet täglich der zukünftigen Politik der beiden Balkanländer ausführliche Leitartikel, die von guten Ratschlägen und wohlwollenden Ermahnungen an die Adressen der rumänischen und bulgarischen Regierung überfließen. Angesichts der erfolglosen Versuche der Dreiverba n d d i p l o m a t i e, die Haltung der Neutralitätspolitik dieser Baüanstaaten zu ändern, wechselt jedoch der diplomatische Mitarbeiter des „Temps" die Tonart und geht von Schmeicheleien zu offenen Drohungen über, besonders Bulgarien gegenüber. Das Blatt schreibt: Die Gcdanken- richtung der Regierung in Sofia hat in der letzten Zeit zu häufig den Wiener Einflüssen nachgegeben. Bisher ist allerdings ein allzu offener Bruch der Neutralität noch nicht erfolgt. Die feste Sprache des Fürsten Trubetzkoi wird hoffentlich auch etwas dazu beitragen, daß Bulgarien den Sinn für die Wirklichkeit der Dinge behält.
Beilegung des amerikanisch-türkischen Zwischenfalls.
TU. Kopenhagen, 29. Dez. (Ktr. Frkf.) Der amerikanische Kreuzer „Tenessee" erhielt von der Pforte die E,rlaub- n i s, 500 Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten von Jaffa nach Alexandria überzirführen.
Die Banque Ottomane unter staatlicher Kontrolle.
V. T.-B. Wie», 29. Dez. (Nichtamtlich.) Die „Neue Fr. Presse" meldet aus Konstantinopel, daß ab 1. Januar 1915 die Banque Ottomane unter staatliche Kontrolle gestellt wird.
wir und Amerika.
Wir brauchen uns nicht selber zu loben, aber bie Anerkennung dürfen wir Deutschen uns immerhin zollen, daß wir den Ausbrüchen blinden Hasses gegen uns in mehreren neutralen Ländern eine durch nichts zu erschütternde Geduld sntg«gengesetzt haben. Nicht bloß aus Klugheit und Berechnung ist darauf verzichtet Warden, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern wir Me hatten die instinktive Emp- ftndung, daß, wer uns schmäht, uns nicht kennt, und daß wer uns nicht kennt, nicht gescholten, sondern bsdauerk werden soll. Auch mußten und müssen wir uns sagen, daß die Neutralen, die den Weg zu uns in ihren Herzen und in ihrer Pülitik nicht finden konnten, manche Beweggründe für ihre Hgltung gehabt haben werden, nicht etwa Beweggründe, an denen wir bewußt »der unbewußt schuld sind, wohl aber solche der nüchternen Interessen, die wir zum Teil gelten lassen dürfen, auch wenn sie gegen uns entscheiden.
Blicken wir beispielsweise auf Amerika, so ist es nicht ohne Belang, daß die Union den Westmächten finanziell verpflichtet ist. Dies Moment ist bisher, soweit wir sehen, noch nirgends hervorgehoben worden, und wir rechnen es um so mehr dom Herausgeber von „Nord und Süd", Professor Dr. Ludwig Stein, mit Dank an, daß er unsere Aufmerksamkeit auf diese für den größten Teil unserer öffentlichen Meinung vermutlich überraschende Sachlage hingelenkt hat. Ein wichtiger Aussatz Steins im Januarheft der genannten Zeitschrift (die uns schon acht Tage vor Erscheinen zur Verfügung gestellt worden ist) betont es mit Recht, daß das f i n a n z i e l l e I n t e r e s s e Amerikas, was vielfach übersehen wird, nach England gravitiert. Amerika schuldet an England etwa 250 Millionen Dollar, die augenblicklich fällig sind und die Amerika nicht zu zahlen imstande ist. Ein Vertreter der englischen Regierung ist jetzt in Amerika, um diese Schuld auszugleichen, und es finden schon seit- längerer Zeit Verhandlungen statt. Sodann sollen bis zur Mitte nächsten Jahres über 500 Millionen Dollar kurzfristiger Eisenbahnobligationen fällig werden, die hauptsächlich in England und Frankreich plaziert sind. Man gibt sich großer Sorge hin, wie diese erneuert werden können. Jedenfalls tragen diese Schulden an England und Frankreich auch dazu bei, daß man diesen Ländern den Hof nracht. Auch weiß man in Amerika, natürlich, daß man zum weiteren Ausbau von Bahnen und dergleichen auch weiterhin europäische Gelder benötigt. Die uns gutgesinnte Presse widerspricht diese-m Argument mit dom Hinweise, daß, wenn Deuffchlaud in die- som Kriege erfolgreich ist, Frankreich sicherlich aufhören wird, Rußland jährlich ungezählte Millionen zur Verfügung zu stellen, und daß dieses Geld dann in Amerika nutzbringend angelegt werden könnte. Aber das sind Zukunftserrvägungen, und für setzt kann man in der Tat nicht daran vorübergehen, daß die Bereinigten Staaten durch ihre finanzielle Abhängigkeit von England und Frankreich in Schwierigkeiten, geraten sind, die das uns abgünstige Verhalten vieler Amerikaner selbstverständlich nicht rechtfertigen, immerhin jedoch erklären.
Wir wollen unsere bisher beivahrte Gvdickd auch Wester üben, und so dürfen wir es ruhig abwarten, wann dm entscheidende Umschwrrng der dortigen öffentlichen Meinung unter dem DruL öer wackieirden
