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an.

15. Dezember 1801. Seite 7.

scheinend nur zum Schmuck der Karte dienten, setzten den Minister in Wahrheit davon in Kenntuiß, ob er einen Raufbold oder einen fried­liebenden Mann, einen Spieler und Verschwen­der oder einen guten Haushalter, einen Mann von Vermögen und Einfluß oder einen armen Schlucker vor sich habe und belehrten ihn ferner über den Beruf des Empfohlenen, über den Zweck seiner Reise nach Frankreich und endlich darüber, ob er als unruhiger Kopf zu überwachen sei, oder ob man ihn unbehelligt seine Straße ziehen lassen könne.

* Pfefferkuchertpoeste. Der Drang nach „Aktualität" hat auch diejenigen „Dichter" ergriffen, deren Verse, in Zucker gegossen, das ächte und rechte hauptstädtische Wcihnachtsgebäck, die Pfefferkuchen, schmücken. Ans verschiedenen Proben dieser „Pfefferkuchenpocsie", wie lnan sie füglich nennen darf, wollen wir hier einige zur Erheiterung unserer Leser mittheilen. Höchst galant erklärt der moderne Minnesänger:

„An Antisklavereilotterie

War ich zwar auch betheiligt, Mein Loos jedoch verkannt ich nie, Ein Loos durch Dich geheiligt, Weil's mich als ein Gewinn einst traf: Zu sein und bleiben stets Dein Sklavl"

Auch der „Bankkrach" muß zu einer Liebes­erklärung herhalten in folgenden Versen:

„Den Pfefferkuchen darfst Du froh lind heit'ren Sinn's benagen, Ich hab' zum Ankauf kein Depot, Glaub' mir's, erst unterschlagen.

Nein! Selbst stellt ein Depot nur dar, Was ich Dir unterbreite.

Und macht's Dir meine Lieb' nicht klar, Dann melde ich mich pleste."

Einen boshaften Beigeschmack hat dagegen das „Lied von der Thcuerung":

„Was immer heute auch wird angebissen — Entsetzlich theuer steht darauf der Preis. Doch seit bei Dir ich hab' anbeißen müssen, Seitdem ich's fühle und seitdem ich's weiß: Wie auch die Preise steigen ohne Ruh': Das Theuersie bleibst jedenfalls nur Du!"

Und zum Schluß noch ein Waffergedicht, das jedenfalls noch vor dem 1. Dezember, ehe man auf dem Berliner Schloßplatze die Wasser ab­stellte, verfaßt ward. Der Dichter singt:

„Sollt' Dir der Bissen in dem Munde stocken,

Die Gabe Dir erscheinen etwas trocken Und will daher Dir's Ganze gar nicht schmecken. Dann walze runter nach dem Forckenbecken.

Kann Dir auch sonst das Wasser keiner reichen, Der Bärt'ge kamt's, ihn such' drum zu erweichen;

Doch um die Kosten brauchst Du nicht zu trauern:

Bei seinem Dreizack! Dort darfst Dn — nassauern!

* Gewalt imd Sist. Die Redaction des in Mainz erscheinenden israelitischen Blattes „Israelit und Jeschurun" bittet uns um Auf­nahme folgender Notiz: „Daß die russischen Juden unter Väterchens Obhut ein höchst qualvolles Dasein führen, und daß es ihnen dabei ganz unmöglich wird, ihren. Klagen Ausdruck zu ver­leihen, ist bekannt. Nur unter einer Maskerade können sie die Wahrheit sagen; denn das Auge der Censur wacht unausgesetzt. So erschien denn im jüdischen Jargon ein Büchlein, das eine Pferdegeschichte erzählt und passirte mitnnschulds- voller Miene die strenge Censur. Erst daß viele hundcrttausende von Exemplaren verkauft und das Büchlein überall gelesen wurde, machte die Regierung aufmerksam und sie erkannte zu ihrem Erstaunen in dem unscheinbaren Buch -eine wahr­heitsgetreue und darum Entsetzen erregende Schil­derung des Judenelends in Rußland. Das Buch wurde natürlich verboten und confiscirt. Die Zeitschrift „Woschod", welche einige Kapitel ab­gedruckt hatte, wurde suspendirt. Eine Ueber- setzung der hochinteressanten Novelle bringt nun der zu Mainz erscheinende „Israelit und Je- schurun" und ist das Staunen und Grauen über diese Enthüllungen unter den deutschen Juden nicht geringer, als unter denen Rußlands."'

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