Abend-Ausgabe.
Wiesbadmer Sagblatt
Verlag: Lauggasie 27,
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1891
Mittwoch, den 23. Uooembee
o. 325
*) Der vor Ku
, ) Ter vor Kurzem hier verstorbene, bei Metzgernicistcr Moudel
--in?, "ft Sewesene Maler Heutzer war kein Wiesbadener. Es hat Bor einiger Zeit hier »och Heiißer gegeben.
*) Von dieser Familie starb der eine Zweig aus, der andere verzog vor fünf Generationen (um 1700).
**) Sollte dies dennoch durch Stammbäume, Aufzeichmmgen oder auf andere Weise der Fall sei», so wäre her Verfasser für entsprechende Miftheilniigen an ihn iehr dankbar.
es damals zwei „gemeine Bäder" (Gemeindcbäder) gab, das eine war städtisch, das andere Privatbcsitz. In welchem „die Hoffmannsen" schaltete, ist nicht zu ermitteln. Zweifellos gehörte die Wittwe zu der alten, noch heute in der Stadt sehr ausgebreiteten Familie dieses Namens. Die Badwirthe führten damals sonst zumeist ihre Zunamen von den Bad- hänsern, falls diese ein Schild hatten, z. B. Cles znr Glocken („Weißes Roß"), Philipp zum Bock, Philip;» znm Rmdsfnß („Englischer Hof"), Caspar znr Blume („Enro- päischer Hof") u. s. w. Sie sind alle längst ausgestorben, diese alten Badpatriziergeschlcchter.
Die Höfe der Klöster und geistlichen Stifter sind gleich denen des Adels und den Bürgerhäusern nicht wenig der Zerstörung ausgesetzt gewesen. Doch nahmen die ersteren ihre Güter, nachdem der Kriegsstnrm ausgetobt hatte, meistens wieder in Besitz, während dies seitens der Adligen nur von zweien geschah. Der Hof der Edlen von Wiesbaden, der ans der Hand der Grafen von Nassau in anderen Besitz übergegangen war und oft gewechselt hatte, gehörte seit 1618 den Herren von der Leyen. Dieselben verkauften ihn 1658 an die Käthe von Wanscheid. Der andere Hof war der von Langeln'sche (das alte Rathhans in der Marktstraße). Derselbe kam (vor oder nach dem Kriege) an die von Koppcnstein, während die von Langeln im Jahre 1670 das gegenüberliegende „Steinerne Haus" kauften (d. h. „Grüne Wald"). Um dieselbe Zeit ging der alte Edelhof von den Köthen von Wanscheid an be_n Amtmann Kraft, also in bürgerlichen Besitz über, so daß nur die Langeln und Koppensteiuer als Stadtadelige noch vorkommen.
Nachdem man im Jahre 1646 die Wiederbesiedelung der Stadt begonnen hatte, ergab eine Zählung, die zwei Jahre später abgehaltcn wurde, 80 Bürger, 13 Beisassen und 1 Juden. Der Graf Johannes sammelte eineAnzahl hcimath- loser Ausländer, die er au den wüsten Stellen der Stadt
Nachdruck verboten.
Die ältesten Familien Wiesbadens.
Von ß. Spielmann.
(Original-Feuilleton für das „Wiesbadener Tagblatt".)
Schneider, Scboll, Schramm, Schultheiß (oder —s),- Schütz, Seelgen, Seibel, Seiler, Seybert (oder—th), Spielmann*), Stern, Stoll, Thiel, Thomae, Wagner, Walther, Weber, Weiß, Wenz, Wittmaim, Wolff (und Wolf), Zimmer und Zorn. (Die gesperrt gedruckten Namen kommen alle vor 1644, die anderen kurz nachher vor.)
2) Als Schöffen oder als „Bürge meister" saßen im Nathe der Stadt vor dem großen Kriege, vom 14. bis zum ersten Drittel des 17. Jahrhunderts Glieder folgender heute hier noch lebender Familien (mit obiger Einschränkung):
Cron, Enders, Friedrich, Hardt, Heinrich (Henrich), Knefeli, Koch, Krafft (Kraft), Kurz, Müller, Pflüger, Scherer, Schneider, Schramm, Schütz, Thiel, Wenz, Zorn.
Von sämmllichen anderen Familiennamen, denen wir unter der heutigen Wiesbadener Bürgerschaft begegnen, kann der Beweis des Vorkommens kurz nach, oder gar vordem dreißigjährigen Kriege, d. h. vor dem Zerstörungsjahre 1644 nicht mit Sicherheit erbracht werden.**)
Von den Familien, welche vor der genannten schlimmen Zeit im Besitze eines Badhauses gewesen sind, sind nur drei bekannte Namen erhalten: Wilhelm Nenser kommt 1376 als Badwirth vor, dann in den Jahren 1444—58 Emrich Scherer, 1448 Heintz, 1478 Contz, 1500 Ott und Jong, 1502 Ludwig Scherer. Im Jahre 1531 wird „die Hoff- manusen", d. h. die Wittwe eines gewissen Hoffmann, als Besitzerin oder Inhaberin „des gemeinen BaöeS" genannt. Roth hat (Gcsch. v. Wiesbaden) nachzuweisen versucht, daß
39. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: In Wiesbaden und den Landortrn nut Zweig- Erpeditioiien 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.
li. Alt Wiesbaden seit dem Jahre 1644.
Wir gelangen nun zu folgendem Resultate:
1) Als Urbewohner der Stadt, d. h. als solche, welche die Stürme des großen Krieges n»d die Verwüstung von Wiesbaden überdauerten, sind von den heute hier leben- ben Familien folgende zu betrachten, vorausgesetzt, daß diese wissen, daß ihre Vorfahren schon seit lange hier am wohnten:
Abel, Astheimer, Becker, Blum, Bornheimer, Brenner, Cron, Dauber, Eigenbrot (oder^—d), Enders, Freinsheim, Friedrich, Fritz, Geiger, Geyer, Göbel, Gölz, Groh, Günther, Hardt, Haßloch, Henrich (Heinrich), Herr, Henßer*), Heuß, Hild, Hißgcn (Hisgen), Hoffmann, Horn, Jung, Kaltenbach, Keffelring. Kimmel (Kümmel), Knefeli, Koch, König, Körner, Krafft (Kraft), Krug, Küchler, Kurz, Meckel, Menges, Möller, Mohr, Müller, Nassauer, Neumann, Neußer (Neuser), Nicolai, Nies, Ober(u)heim, Otto, Petri (und Petry), Pfeiffer, Pflüger, Popp, Rausch, Neen (Rehn), Reuter, Rossel, Rücker, Rühl, Nützcl (und Ritzel), Sachs, Sauer, Scherer, Schenck, Schmidt,
Commissioitsberathung auf die wissenschaftliche Seite der Frage näher eingeheu zu wollen. Herr Dr. Alberti richtet au den Herrn Oberbürgermeister die Aufrage, vb der Gemeinderath neuerdings die Einrichtung einer electrischeu Central-Station in’« Ange gefaßt und bis wann auf eine solche Vorlage gerechnet werden könne. Der Herr Oberbürgermeister erwidert, daß mit Autoritäten Verhandlungen angeknüpft seien und die Vorarbeiten so gefördert würden, daß der Stadtverorduetenversaminlung möglichst bald Vorlage gemacht werden könnte, auch über die Frage, in welcher Weise die Anlage auSzufnhreu fei, ob durch einen lluteniehuier oder durch eigenen Betrieb. — Auf eine diesbezügliche Anfrage des Herrn Neuß erwidert der Herr Oberdürgcrnieister, daß für die elektrische Beleuchtung des „Rarhskellers" ein völliges Projekt ausgearbeitet sei, dessen Ausführung aber bisher durch die Verhandlungen mit dem Pächter des Rathskellers über die Deckung der Kosten anfge- halten worden wäre. Herr Neuß empfiehlt, die Beleuchtung des Rathskellers so schnell wie möglich durchzuführeu und von der allgemeinen Einführung der electrischeu Beleuchtung nicht abhängig zn machen.
(*) Ueligiösev Uortvag Das Evangelium nach Johannes beleuchtete Herr Prediger Voigt ans Offenbach in einem weiteren Vortrag nnt letzten Dienstag Abend. Mehr als die bisher besprochenen biblischen Bucher ist das oben genannte ansgestattet mit Geheimnissen aller Art. Es gleicht in dieser Beziehung dem zweiten Theil von Göthes Faust und ist mit ihm gleich schwierig auf die ursprüngliche Bedeutung einzelner Stellen zurückznführeu. Ein Theil des Ge!)eimnißvolleu schwindet bei der Vergegenlvärtigung der Zeit, in welcher dieses Buch geschrieben ist. Es ist nicht ein Werk ans urapostolischer Zeit, sondern die erste Schöpfung eines neuen Geistes, der bereits Einzug in die Christengemeinde gehalten; es ist in letzter Linie zurückzufühien auf Plato's Idee», welche in der alerandrinisch-hellenistischeii Philosophie im zlveiten Jahrhundert zum Ausdruck kamen. Der schroffe Dualismus dieser Richtung kommt auch im Johannes-Evangelium zum Ausdruck. Tas Gute und das Böse, Licht und Finsternis;, Gott und der Teusel stehen sich einander im Kampfe gegenüber. An die Stelle der jüdischen A>>- schauung der drei anderen Evangelien tritt Jesus Christus als die schöpferische Weltorduuna, von Ewigkeit bei Gott; selbst Gott tritt er in das Reich der Finsterniß, das ihn nicht aufuehiuen will. Daß sein Kampf von Sieg gekrönt, wird durch zahlreiche Beweise uud Zeugen dargethau und immer wieder nachgewiesen, wie er das Alte ne» macht. Dem Verfasser ist es nicht darum zu thnu, Geschichte zn erzählen; in den pr-ächtigstcn morgenländffchen Bildern stellt er den erwähnten Ernemmgsvrozoß dar, wie in der Erzählung von der Hochzeit zn Kana, von der Tempelreiuigung/vouNikodemns.pou der Samariterin und anderen. Dadurch wurde ans der jüdischen Tcmpelreligion eine Geiste?rcligivu; wer das menschgewordene Wort, den Gottessohn, im Geiste und im Glauben ausgenommen, bei bem wirkt feine Kraft in die Ferne, wie es die Geschichte von dem Köuigischeii und dem Krankcn am Teiche Bethesda zeigten. Die Capitel 7 bis 12 enthalten Streitredeu, wie sie zwischen den Kindern des Lichtes uud den Kindern der Fiusteruiß gehalten worden; es sind philosophische Reflexionen, tvelche nicht als ll'ber- jieseruug gejten können. Auch das Ende des Meisters ist ein anderes als es in den drei ersten Evangelien geschildert wurde. Ohne Todesfurcht, ohne Zittern, im Vorbewußtseiu dessen, was da kommen mußte, ging er seinem Schicksal entgegen. Wie für ihn im Leben die gewöhnlichen Bedingungen aufgehoben waren, so auch tut Leiden; feilt „Ich bin's" schmettert die ganze Schaar der Häscher zu Boden. Ein ganz neuer Begriff aber, der uns int Evangelium nach Johannes znm ersten Male entgegentritt, ist die Verheißung von der Sendung des heiligen Geistes, in welchem Jesus selbst bet den Seinen bleibt, also im Geiste nicht von ihnen geschieden ist. Die Hoffnung auf eine baldige Wiederkunft Christi war immer mehr abgeblatzt; darum legte der Verfasser diese neue Anschauung nieder; darum zeigte er die Mittel der Aneignung dieses Heils: Wasser und Blut durch Taufe und Abendmahl. Der nächste und letzte Vortrag wird die übrigen tieutestauteutlichen Schriften znm Gegenstand einer suminarischen Behandlung haben.
Auzcigen-PeeiSr
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r. Vortrag. Seitdem wir zum ersten Male von dem am Donnerstag, bett 26. d. M., stattfiudeitden Vortrage des Reisenden und Forschers Premierlieutenants Morgen Mittheiluug gebracht haben, ist die Nachricht vom Tode des Hauptmanns Freiherrn von Gravenreuth eiugetroffen; eine Nachricht, welche alle diejenigen Kreise tief betrübt hat, welche ein lebendiges Interesse für die großen Aufgaben der deutschen Colonialpolitik und ein warmes Gefühl der Nnerkennuug für die Männer haben, welche für die Humanität, für die Wissenschaft und für das politische Wohl Deutschlands ihre Kräfte in fernen Welttheilen eingesetzt haben. Wir möchten an dieser Stelle darauf Hinweisen, daß bet Lauf des Sanuagaflusses, au welchem Freiherr von Gravenreuth den Tod gefunden hat, in bett Jahren 1889 und 90 durch Lieutenant Morgen ans seiner ersten Expedition in das Hinterland von Kamernn entdeckt wurde. Da Lieutenant Morgen diese Reise in seinem Vortrage behandeln wird, so dürften seine Ausführungen über den Tod Gravenrenth's besonderes Licht verbreiten. Wir zweifeln nicht, daß die Theilnahme an diesem Vorträge in Mitglieder- und Nichtmitglieder-Kreisen eine sehr rege fein wird, um so mehr, als der Erlös einem wohlthätigen Zwecke'zngefiihrt wird.
L- ikv Zängrrchor des Wiesbadener Lehrer-Vereins veranstaltet nächsten Sonntag, den 29. Nov.. in bett Sälen des Casino sein erstes Concert mit darauffolgendem Balle. Als Soliste'n sind Fran Waldschntidt-Garthe (Sopran) und eilt in hiesigen Kreisen sehr gefeierter Violin-Virtnose gewonnen worden. Der Chor verbindet mit diesem ersten Coneerte zugleich die Feier seines 10-jährigeu Bestehens und hat dieser Umstand unseren Mitbürger, Herrn Professor von Wilm, bewogen, beut Vereine seine brei' neuesten Mänuerchöre zu wibmen. Dieselben wirb ber Chor in feinen späteren Coucerten zur Aufführuug bringen. Nächsten Sonntag wirb ber Säugerchor zwei allerliebste Compositionen „Salve Regina" unb „Vespergesang" »ach alten Melobicn ans bem 11. Jahrhundert für Mäuuerchor gefetzt von R. Wein wurm unb bett äußerst schwierigen Chor: „Hymne an bett Gesang" von Hegar (Zürich) fingen. Die beiden ersten Chöre find mit Tenor- Solo, Clavier- und Harmonitim-Begleitnng geschrieben. Das Tenor- Solo hat das Vereiusmitglied Herr Lehrer W. Geis iibcrnontmeit, die Begleitung wird von den beiden Mitgliedern Herren Kapellmeister Gerhardt unb Lehrer K. Schaub ausgeführt. Beim letzten Wettstreite in unserer Stadt wurde der Chor „Hymne au den Gesang" vom „Straßburger Mäunergesaitg-Verein" gestmgen. — Unter HegarÄ Leitung hat sich auch in Zürich kürzlich ein Lehrer-Gesangverein gegründet.
= Handels-Register. Bezüglich ber Firma Carl Göhringer zu Biebrich-Mosbach tumben nachstehende Einträge gemacht: Das Geschäft ist mit allen Aktiven und Passiven durch Vertrag oonf 3. Oktober 1891 auf die Cigarreusabrikanten Georg Göhringer und Carl Göhringer, Beide zn Biebrich, übergegangen, welche dasselbe unter der Firma Carl Göhringer Söhne weiterführen. Letztere Firma wurde nett eingetragen.
* Uersonal-z>iachrtchteit. Die Anlegung des ihm verliehenen Commandcurkreuzes des Ordens vom Königlich niederländischen Löwen ist dem Präsidenten der Großherzoglich lnxem- burgischen Finanzkammer unb Kammerherrn Seiner Königlichen Hoheit bes Großherzogs von Luxemburg Freiherrn von Düngern hierselbst gestattet worben.
= Wrihuachls-Zendunge» nach England nnd Aord- Amerilta. Um den Einheimischen uilb Fremben unfern; Stabt bie erwünschte Gelegenheit zu geben, Weihnachtsgeschenke für ihre Angehörigen in ber Fremde möglichst am Bescheerabettd in deren Hände gelangen zn lassen, ohne denselben Kosten nnd Zollscheerereien zn veranlassen, hat die Firma L. Nettenmayer, Reinstraße 23, in Verbindung mit der Globe Parcel Express (200 Filialen in England) unb ber United States Express & Co. New-Uork (5000 Filialen in Nord-Amerika) einen speziellen Verkehr für derartige Sendungen eingerichtet nnd übernimmt es, Weihnachtsgeschenke möglichst am Bescheerabend „frei in's Hans" zu liefern. Die Verladungen nach England erfolgen mit jedem Harwich Express steamer
Locales.
Nachdruck»krOi>g>n»ll«rreiV0l>deiizei> mir unter beuttit« EUieBtnangabe gertauel.) Wiesbaden, 25. November.
= Ans der gestrigen Ztadtverardnetett-Uersaunn- luua ist nod) Folgendes nachzutragen: Das Baudispensgenich ‘ Herrn Lantz, betr. Errichtung eines Schuppens int Distrikt ■ Koblkorb", wird unter den vom Gemeinderath festgesetzten Be- diiiaunaeu genehmigt. — Auf Antrag der Batt-Commission werden die für die Vermehrung des Mobiliars int „Rathskeller um 10 Tische, 50 Stühle und 33 verschiedene Schirm- und Kletder- balter erforderlichen Mittel bewilligt, sowie die Genehmigung zur ffitbrmig des Rechtsstreites gegen bie Eigenthümer ber Hammer- wübte bei Biebrich, Kläger, wegen Störung im Besitze einer Waffer- aerechtigkeit ertbeilt. — Die Vorlage, betr. das Bauwesen des Herrn Adolf Zais an der Paulinenstraße, Anlage einer Straße Wischen Park- und Paulinenstraße und Veräußerung einer zn den Kiiranlagen gehörigen Fläche, wird zur Prüfung an eine ans den Herren Dr. Alberti, Götz, Krekel, Scholz, Reusch und pr Bertram gebildeten Commission verwiesen. — Mehrere Ver- träoc wegen unentgeltlicher Grundeigeuthums-Abtretungen an bie Stadtgemeinde, sowie ein Kauf- und ein Tanschvertrag werden genehmigt. — Die Herren @f dien brenn er und Otto haben um die Genehmigung nachgesucht, drei Laudhättser an der Viktoria,traße anstatt nad) dieser Straße über bie Grundstücke der Fran Wittwe Birck uach deut Neumühlweg entwässern zu dürfen. Der Gememderath hat dieses Gesuch abgelehnt, welches auf die Beschwerde der Gesuchsteller die Ban-Commifsion der Stadtverordneten-Verfamtuluiig beschäftigte. Dieselbe konnte teilten Grund finden, auf bie Sache näher emzugeheu und schlagt Ilebergang zur Tagesordnung vor, was die Veilammlung beschließt. — Teil Bericht ber Commission über bett Antrag des Gemeinberaths, betreffend bie Freilassung ber beibett unteren Einkommensteuer-Stufen bis zu 660 Mark von ber Gemeindesteuer, erstattet fierr Dr. Dreyfus. Auf Antrag der Commisstoil ftunnit das Collegium dem Vorschläge des Gemeinberaths zu, vom uachsteli Etatsjahre ab bie Einkommen, welche 660 Mk. nicht überfdjretten, von ber Gemeindesteuer frei zu lassen. — Der Antrag eines Stadtverordneten, betr. den Umbau resp. Neubau der hiesigen Bahnhofe, wurde von dein Antragsteller Herrn Franz Fehr vorläufig zpkückgezogeii. — Der letzte Punkt ber Tagesordnung: Anträge eines. Stadtverordneten über die vom Stadtbaitamte veröffentüchte Empfehlung des getrockneten Rückstandes ber Kläranlage als Garteubuug wurde auf Antrag des Herrn Scholz der,zur " Prüfling der Frage, betreffend Klärung der Abwässer w., bestellten Commission überwiesen. Ta diese Empfehlnng bereits in einem hiesigen Blatte öffentlich besprochen worden ist, sieht fid) Herr Oberbürgermeister Dr. von 3bell veranlaßt, der Behauptung eutgegenzutreten, daß durch bett Verkauf bes getrockneten Rückstandes als Gartendung bie Gefahr ber Verschleppung von ^n- fectionskeimeu eine sehr große wäre. Er müsse barnuf Hinweisen, daß diese Anffassuug von Autoritäten, welche von ber Kläranlage Einsicht genommen hätten, nicht getheilt werbe. Ter empfohlene Tung bestehe aus Gegenstänben, welche aus bem Kanalwasier geschöpft würben, nachbetn basselbe mechanisch gereinigt sei. Aus dein Rückstnude würden Coniposthaufen gebildet, welche ent halbes Jahr lagerten, um vollständig zu trocknen. DieRegierungsvertreter von Berlin hätten diesen Betrieb auch gesehen und nichts zu erinnern gefunden. Eine Gefahr ber Verschleppung von Krauk- heitsstoffcn bitrd) biefen Rückstand sei nicht, z» finben, auch eine Gefahr für Leben unb Gesundheit dadurch nicht bedingt. Herr Dr. Gerlach schließt sich dm Aussühntngen des Herrn Oberbürgermeisters au, während Herr Dr. Dreyfus, welcher diesen Gegenstand auf die Tagesordnung gebracht hat, der Ansicht ist, daß es fid) empfehle, den Verkauf des Rückstandes zu sistireu, da die Untersuchungen über bie Gefährlichkeit desselben noch nicht abgeschlossen worden sei. Herr Dr. Gerlach erklärt, gelegentlich der
