1891
Montag, drrr 9. U-vembrr
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Die Engländer sehen also mit einigem .Gleichmnthc dem Entwickelungsgange eines Thronfolgers zu. Sie freuen sich, wenn er ein easy-going gentleman ist, und als solchen empfangen sie auch den jetzigen Prinzen von Wales, Albert Eduard, mit Vorliebe bei ihren Festlichkeiten und Gelagen in den Clubs und in den Landhäusern. Er gilt ihnen, da die Königin, seine Mutter, sich den Repräsentations- Pflichten ihres Alters wegen und in der noch immer in ihrem Herzen wohnenden Trauer um den dahingeschiedenen Gemahl so gut wie gänzlich entschlägt, für den ersten Gentleman des Reiches. Das ist etwas Anderes, als der erste Diener des Staates. Dies zu sein steht ihm als König dereinst ebenfalls frei, aber er hat es nicht unbedingt nölhig. Denn Staatsdiener isi in England am Ende Jeder, je nach seinem Vermögen, und trachtet in dieser Hinsicht nach Gleichberechtigung. •
Aber einen gesellschaftlichen Vorrang concedirt diese Nation recht gern. Niemand ist in den Clubs der geistigen Capazitäten, der Künste, im Athenäum, im Savage-Club mehr zu Hause und willkommen, als der Prinz von Wales. Kein Derbyrennen gilt für gelungen, wenn er fehlt. Kein Enthusiasmus konnte großer sein, als der bei seiner Hochzeit mit der drei Jahre jüngeren Prinzessin Alexandra von Dänemark am 10. März 1866. Namentlich für die größere und bessere Hälfte der Menschheit, für die Frauen, war dieser Vorgang weit wichtiger, als etwa ein neues Ministerium Palmerston, Derby, Gladstone oder Disraeli. Solche königliche Feste versüße» die Politik, diesen sonst so schalen Trank und das Court circular gewinnt zehnfach an Interesse. Man erfand damals förmlich die Fabel, daß eigentlich doch die Engländer nur ein Ableger der Dänen, daß ihre Sprache — namentlich „Copnla", das Hilfszeitwort to be, als entscheidendes Merkmal — ganz dänisch wäre. Alexandra wurde empfangen wie eine Tochter Canuts des
München, 8. Rov. Gestern Abend wurden theils aus, theils ohne Wunsch polizeiliche Vorkehrungen vor verschiedenen Druckereien getroffen. Der Ausstand erfolgte ohne Störung. Sieben Druckereien, darunter von Zeitungen nur das „Tagblalr" und das „Freni- denblatt", meist kleinere, gaben nach. Die Tageszeitungen erscheinen alle weiter. Heute wird Zuzug aus Oesterreich erwartet. Die täglichen Drucksachen des Landtages wie die Tagesordnungen re. werden lithographirt. Der Truck der Kamnierstcno- grammc ist zurückgestellt. Ein Bescheid des Kriegsministers stellt einen Stadturlaub der Soldaten ohne Zwang für dringende amtliche Arbeiten in Aussicht.
presse und die Sophisterei der sozialdemokratischen Presse Niemand beirren! Die Losung muß nach wie vor sein: Festhalten am Tarif und Zehnstundentag! Keinerlei Sonderabmachung! Je energischer diese Losung verfochten wird, um so früher wird der Strike beendigt werden!
l . Die Engländer, sagt Bagehot in seinem Werke über k- die Constitution dieses Jnsellandes, sind keine Nation von ; Philosophen, sie weniger als irgend eine andere, — und I er folgert daraus, daß sie es als eine Plage sondergleichen t empfinden würden, wenn sie wie ihre amerikanischen Vettern, " das „sichtbare Oberhaupt" alle fünf Jahre wechseln müßten.
Aus Geschäftsrücksichten hielten sie deßhalb krampfhaft am | Prinzip der Legitimität fest. Sie gleichen dem Erblasser, der seinem Sohne rieth, durchaus ehrlich zu sein. „Unehr- ; lichkeit thut nicht gut," sagte er, „glaub' mir, ich habe
Leides probirt."
Auch die Engländer haben Beides probirt und sind als ein Volk von Praktikern ein für alle Mal zur erblichen ; Monarchie zurückgekehrt. Sie haben alle dafür gesorgt, ! daß, wenn der Träger der Krone einmal menschlicher Schwäche , und allzumenschlichen Anwandlungen unterliegen sollte, dies L t>ann wenigstens auf den sicheren Geschäftsgang der Staats- : Maschine keinen wesentlich störenden Einfluß haben solle, r? Diese Maschine ist reich an Schwungrädern und Compen- lationen, die einander ergänzen. Keinem Theile wohnt ein [_ absolutes Vetorecht inne. Auch macht ein Jeder, der von 1 der Schwäche des Monarchen Nutzen zieht, sich strafbar, h. Deßhalb starb Lord Essex, obwohl Königin Elisabeth nur L all;» 'geneigt war, ihn zu retten. Ter englische Monarch v kann sehr viel Gutes und Nützliches thun, der Schaden aber e bleibt bei ihm zu Hallst.
Korales.
(Nachdruck der Lrigina!correspondenzeu nur unter deut!ick er Quellenangabe genauer > Wiesbaden, 9. November.
— Die Lohnbewegung im eigenen Hanse hat zur Folge gehabt, daß am verflossenen Samstag 26 Gehilfen der L. Schellcn- berg'schen Hof-Bnchdruckerei in Gemäßheit der stattgehabten Kündigung und der Maßnahme, daß ein Verbleiben der Ank- standslnstigen nicht gestattet werden würde, ans ihren Stellen entlassen wurde». Diese 26 Arbeiter erhielten am Tage ihres Austritts als letzte Löhnung den Betrag von 754 Mk. 13 Psg., durchschnittlich empsing also jeder derselben einen Lohn von 29 Mk. Die Beträge im Einzelnen wechseln zwischen 23 Mk.
Großen. Dabei vergaß mau, daß England noch vor Kurzem Kopenhagen bombardirt und 1814 im Pariser Frieden Helgoland in die Tasche gesteckt hatte. Es handelt sich in alle» solchen Fällen nur um angenehme Erinnerungsblitze im Völkerleben, denn vor dem Verlust Schleswig-Holsteins hat auch dieser Enthusiasmus die Dänen nicht bewahrt.
Ebensowenig verhilft die Schwagerschaft dem Herzoge von Cumberland zum Welfischen Erbtheile, wie dem Könige von Griechenland zur Insel Cypern, welche die Briten vielmehr für sich selbst mit Beschlag belegten. Die Zeit derjenigen Politik, die einst einen Philipp von Spanien auf Grund seiner Schwagerschaft zum Familienoberhaupt einer Königin Elisabeth machte, ist mit der „Armada" versunken.
Die Wahrheit, welche Fürst Bismarck einst aussprach, daß um dynastischer Dinge willen heut zn Tage keine Kriege mehr geführt werden, ist in dem znkünftigen Reiche Albert Eduard'» eine alterkaiinte. Und es muß daher ein wenig befremden, wenn derselbe große Diplomat und Kenner der Staaten, wie Busch uns erzählt, gelegentlich des Versailler Tischgespräches sagte, er gönne den süffisanten Briten diesen ihren zukünftigen König. Der würde sie ein bischen zusammenreiten, ober ihnen die Flöteniöne beibringen. Ich glaube sogar, er nannte ihn „schneidig".
Hierin liegt eine Ueberschätzung des dynastischen Wesens, so weit es England betrifft. Aber man muß doch zugestehen, daß Albert Eduard so etwas von einem Heinrich VIII. an sich hat, welcher sein Volk ganz gehörig „in die Cantare nahm" und trotzdem vielleicht noch heute von allen Königen Englands der volksthümlichste ist. Er glich eher einem Führer der Geusen, dem Capitän eines Kaperschiffs, als einem con- tinentalen Fürsten, und ganz England weinte bei seinem Tode, als er immer wieder das Eine empfahl, ähnlich wie der alte Allinghausen: „Einig zu, sein mit Schottin nd und unabhängig von der Welt." Und Albert
Zur Buchdrucker-Bewegung.
L.ä.L. Der Strike der Buchdrucker ist nunmehr im vollen angekündigten Umfange zur Thatsache geworden, allerdings nur ß itt geographischer Hinsicht, denn, was den Umfang der Be- theiligung der Gehilfen betrifft, so wird die Erwartung der Leiter der Bewegung in den meisten Fällen schwer getäuscht sein. Denn abgesehen von einigen Zeitungsbetrieben, die der „Roth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" uachgaben und die Druckereien sozialistischer Blätter, sowie Druckereien ohne oder nur mit wenig Gehilfen, die gut bewilligen haben, und jedenfalls nach der Beendigung des Strikes wieder zn den früheren Abmachllngen zurückkehren, sind Bewilligungen der Ge- Hilfeii-Forderungen nicht zu melden. Im Gegentheil auch bei diesen Bewilligungen steht bei näherem Hinschauen vieles „wacklig". Ebenso wie der Strike ist aber der energische Widersimtd der Prinzipale zur Thatsache geworden. Getragen von dem freundlichen Entgegenkommen des Publikums, das bald euigesehen hat, welcher Theil die allgemeine Sympathie öerdicnt, haben sich die Prinzipale überall zusammengeschlossen p mtb feste Abmachungen über gegenseitige Aushilfe bei bringenden Arbeiten getroffen, so daß der Fortgang der regelmäßigen Drnckbetrieben fast überall gesichert ist und die Prinzipale nunmehr in ruhiger Entschiedenheit die Dinge ihren Lauf gehen lassen. Sie brauchen nicht nachzugeben und sie werden e5 natürlich auch nicht: an der unerbittlichen Logik dieser Thatsache wirb bie Strikebewegung zerschellen! Mit wenigen Worten faßt die „Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker" die augenblickliche Lage folgendermaßen zusammen: Die Hauptbrnckstädte Berlin, Leipzig, Stuttgart, Hannover und München haltendem Strike gegen- . über fest zusammen und keine von ihnen wird sich zn einem Souderabkommen herbeilassen. In gleicher | Weise fest stehen die großen Druckorte Hamburg, - Frankfurt a. Al., Breslau, Dresden, Lübeck, Chemnitz, Würzburg, Nürnberg, sowie alleMitteldruckorte, an [! denen die Gehilfen in Strike zu treten beabsichtigen. Das ? erford erliche Personal für bie nothwendigen Arbeiten ; und große Opsermüthigkeit ist an allen diesen Orlen l vorhanden, so daß an diesen Entscheidungsstätten der s "Streik eine ganze Reihe von Wochen ausgehalten werben ; wird, zumal die Reihen der vernünftig benkenden - Gehilfen sich mit jedem Tage verstärken. In beit kleineren Provinzdruckorten endlich, sowie in den westlichen Provinzen sind verhältnißmäßig nur wenig Kündigungen erfolgt; theils liegt das an ; dem vielerorts Herrschenden guten Einvernehmen l zwischen Prinzipalen und Gehilfen, das von phrasenhafte r
Hetzerei nicht so leicht zn erschüttern ist, theils an dem vernünftigen Sinn der Gehilfen, der ihnen rechtzeitig i zu einer Verständigung mit ihren Prinzipalen greifen ließ, fcs Der gerechten Sache erscheint also schon heute der Sieg h gewiß, und das muß und wird bie Collegenschaft an allen X Orten bestimmen, um so fester und einiger znsammeu-
Alhalten. Lasse sich bnrch die Phrasen unserer Gehilfeu-
Nachdmck verboten.
Der Prinz von Wales.
Zm fünfzigsten Wiederkehr seines Geburtstages (9. November).
Von Htiornar Meta.
10 Pf. und 47 Mk. 69 Pf. Wir theilen dies mit, um unseren geehrten Lesern nochmals Gelegenheit zu geben, selbst zu beurtheilcn, ob angesichts solcher Erwerbsverhältnisse die Lohnbewegung in unserem Hause eine Berechtigung hatte oder nicht. Diejenigen unserer Arbeitnehmer, welche am 24. October kündigten, aber nachträglich ihre Kündigung zurücknahmen, wurden im bisherigen Arbeitsvcrhältnisse behalten, nachdem sie die schriftliche Erklärung Abgaben, aus dem Biichdrncker-Verbaude anszuscheiden, auch schriftlich die Entstehung ihrer Unterschriften unter der Collectiv-Kündignng dargelegt und um Entschuldigung gebeten haben.
— gHr fünfte ordentliche Kezirkslynode beschäftigte in ihrer vorgestrigen Sitzung die Vorlage des Ausschusses: die Mischehen frage und die coufefsionclle Erziehung der Kinder aus Mischehen betreffend. Auf der 4. ordentlichen Bezirkssynode wurden von dem Synodalen Dr. Ebcrtz - Weilburg und Genossen folgender Antrag cingebracht und in der fünften Plenarsitzung zur Verhandlung gestellt: „Synode bittet K. Consistoriuin, bei der Eisenacher Evangelischen Kirchen-Conferenz darauf hinznwirken, daß leitende Grundsätze zu einer einheitlichen Behandlung der Mischehen in allen evangelischen Landeskirchen anf- gestellt werden nnd daß dieselben Gesetzeskraft erhalten." Eine zur Vorprüfung dieses Antrages eingesetzte Commission einigte sich dahin, daß eine eingehende Berathnng des Antrags während der bis zum Schluffe der 4. Bezirkssynode noch übrigen kurzen Zeit nicht mehr möglich sei, da namentlich die Sammlung des dazu erforderlichen Materials eine längere Vorarbeit nothwendig mache. Die Commission stellte demzufolge den Antrag: „Synode wolle ihren Ausschuß beauftragen, den Antrag von Dr. Ebcrtz und Genossen in nähere Erwägung zu nehmen, das ganze cinjchlagende Material zu Pensen und darüber der nächsten ordentlichen Bezirkssynode Bericht zu erstatten, cvent. entsprechende Anträge zu stellen." Dieser Antrag wurde zum Beschluß erhoben und Herr Syn. Müller- Gcenzhansen vom Ausschuß zum Referenten bestellt. Derselbe erstattete an der Hand der gesetzlichen Bestimmnngen nnd umfangreichen statistischen Nachweisungen einen erschöpfenden Bericht, in dem er zu dem Schluffe kommt, daß man bei der an nnd für sich nicht ungünstigen Sachlage sich darauf beschränken könnte, die Mittel anzwrenden und durchzuführen , welche die in den verschiedenen Landeskirchen mit ziemlicher Uebereiiiftimmuug bestehende Gesetzgebung und die bisher eingeführten kirchlichen Ordnungen an die Hand geben. Wenn dies mit der gehörigen Energie geschehe, so sei derevange- jifchen Kirche wenigstens von Seiten des Staates der nöthige Schutz verliehen. Der Erlaß strengerer Gesetze und die Verhängung empfindlicherer Strafen scheine bedenklich, selbst dann, wenn die kath. Kirche noch größere Anstrengungen mache, ihren Einfluß auf gemischte eheliche Verbinduiigeii und confessionelle Kindererziehung ausznübcn. Die Waffen, mit welchen die evangelische Kirche die Angriffe und liebergriffe des Gegners zu bekämpfen und ihr Recht zn vertheidigen habe, könnten in erster Linie nur geistige nnd solche sein, tvelche ans der Richtkammer des Wortes Gottes und beS evangelischen Bekenntnisses entnommen würden. Die Synode stimmt dem Anträge des Ausschusses zu, dem Anträge des Syn. Evertz und Gen. keine weitere Folge zu geben. — Zu dem in der vorigen Synode von dem Syn. Menke gestellten Antrag: Auszahlung der Pfarr- achalte betreffend, beschloß der Synodal-Ausschuß, auf Grund der Unmöglichkeit der Beschaffung eines Betriebsfonds von der Einrichtung einer Centralpfarrkasse als aussichtslos abzusehen und sich mit dem Vorschläge des Consistorinms wegen Bildung eines Rc- servesonds bei den Kirchenkassen zur Erlangung eines geregelteren Eingangs der Revenücn einverstanden zu erklären. Die Discnssion über diesen Gegenstand ergab mehrere Anträge, welche Mittel und Wege angeben, um eine pünktlichere Einziehung und Auszahlung der Pfar'rgefcille zu erreichen. Syn. de Niem empfiehlt, Central- psarrkassen mit einem Betriebsfonds, der vom Staate gefordert werden könne, einzurichten; Syn. Gieße beantragt, einen Kreis- Synodalrechner zn ernennen; Syn. Spieß beantragt, die Steuerkassen zu ersuchen, die fraglichen Kassengeschäfte wahrzunehmen;
lieberben Buchbrucker-Ausstanb liegen uns heute folgeube Nachrichten vor:
An bie Bnchdruckergehilfen Frankfurts richtet Namens der bereinigten Buchdruckereien der dortige Local-Ausschuß folgende Anzeige: „Esist in Gehilfen-Versammlung euwieder- holt die Behauptung attSgesprochen worden, daß bei einer Beendigung des Ausstandes jeder Aiisgetreieue in seine alte Stelle wieder ausgenommen werden müsse. Wir treten dieser Behauptung auf das Bestimmteste entgegen, da für eine große Zahl der durch die Kündigungen freigewordenen Stellen bereits Ersatz gewonnen ist und bei einem statt- smdenden Ausgleich dieser Ersatz unter keinen Umständen zu Gunsten der jetzi ausständigen Gehilfenschaft wieder entlassen werden wird." (Die-Hoffnung der Ausständigen, nach geglücktem ober mißglücktem Ansstanbe wieder in die alten Stellen einrücken zu können, ist auch für hier eine vollständig hinfällige, da selbstverständlich jeder nur einigermaßen brauchbare Setzer des neuen Personals seine Stelle, die von dem ausständigen Vorgänger so leichtsinnig verlassen wurde, behält. D. N.)
Bremen, 7. Nov. Der einstimmige Strikebeschluß ist hier gebrochen worbe», kein Zcitungssetzer hat gekündigt, sodaß bie hiesigen Blätter ihr ganzes Personal behaitcn. Etwa hnubert andere Setzer kündigten. Im Olbcnburgischcn arbeitet Alles weiter.
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scheint in zwei Ausgaben. — BezugS-Prei-r In Wiesbaden und ben Laudorte» nut Zweig- Trpebitioneii 1 Mk. 50 Psg., bnrch die Poft
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