Abend -Ausgabe.
MsWnkr Tsgbliiü.
39. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgabe«. — Bezugs-Preis: an Wiesbaden und den Landarten nut Zweig- rpeditionen 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. CO Pfg. für das Vierteljahr.
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R«. 393.
Nachdruck verboten.
Die ZrlewsKi'sche Grpeditis« und ihre Folgen.
G. Z.-K. Der Untergang der Zelewski'fchen Expedition in Deutfch-Ostasrika hat in der Presse aller Parteien zu mannigfachen Eröiterungen geführt, die zum Theil eine auffallend geringe Kcnntnib der geographischen Verhällniffe unserer wichtigsten Kolonie bewiesen; auch diente das traurige Ercianiß den persönlichen Anhängern oder Gegnern einzelner führender Colonialpolitiker zum will- fonmtneit Vorwand für eine Agitation rein persönlicher Interessen. Zm Hinblick auf die widersprechenden Ansichten und Wunsche, die hierber laut wurden, »nd auf die unleugbare Thatsachc, daß alle lluistäude hier auf die Nothwendigkeit eines Wendepunktes unserer ostafrikanischeii Colonial- Politik hindeuten, sei uns gestattet, ciire zusammen- faflende Darlegung der einschlägigen Verhältnisse zu geben. Zur bessercil Ver- allschaulichunA fügen wir eine Narten-«kizze des betreffende» Gebietes bei; die Route ZelcwSki's ist auf derselben durch eine starke, von kurzen Querstrichen durchkreuzte Linie bezeichnet, die von der Küste bis zu dem wahrschcinlichell Schauplatz des Unglücks führt. Ter Rückweg, luelchen der gerettete Rest der Truppe von dort nach Kondoa ein- schlug, ist mit einer starken durchbrochenen Linie dargcstelll. Am unteren Rande fügten wir zum Zweck anschaulichen direkten Vergleichs ein Stück Mitteldeutschlands im gleichen Maffstabe bei; dasselbe läßt u. A. erkennen, dah der Schauplatz der Katastrophe von der Küste in gerader Linie ungefähr so weit entfernt ist, wie Düsseldorf von Leipzig.
Die inzwischen durch Pri- vatbcrichre und amtliche Darstellungen nach Deutschland gelangten Nachrichten über die Schicksale der Ex- peditioil ermöglichen einen lieberblick über den Verlauf der ganzen Unternehmung. — Die Wahehe, in deren Gebiet („Uhehe") die Niederlage Zelewski's erfolgte, ge
bären zu jenen Stäinmcii des Sulu-Volks, die seit etwa 160 Jahren ihre südliche Heimath yerlaffeii haben nnd weit nach Norden und Noidosteil vorgedrungen sind. Ihr auf unserer Karte durch eine Schrasfirnng der ungefähren Grenzen kenntlich gemachtes Gebiet stößt unmittelbar südwestlich an unsere bekannte Schutzlandschaft llsagara; gleich den übrigen im mittleren Ostasrika zerstreuten Sulu- Stimmen bilden die Wahehe kein seßhaftes Ackerbanervolk, sondern ein räuberisches, kräftiges, unruhiges Hirtenvolk, das wie eine Geißel auf den umwohnenden Stämmen lastet. Beständige Räube-
Soxialdemokratifche Zukunftsbilder.
Frei nach gleßeL
In seiner „Freis. Ztg." hat Abg. Eugen Richter wahrend des fetzten Moilats Bilder ans dem sozialdemokratischen Zukuuftsstaate in fortlaufender Folge geschildert, welche mit gründlicher Kenntniß der sozialdemokratischen Literatur ebensowohl einen körnigen Humor als ernste Mahnungen verbinden. Mit unerbittlicher Scharfe zieht der Verfasser die logischen" Folgerungen des sozialistischen Programms — er legt bereits das vom Erfurter Parteitag angenommene zu Grunde — mit Konsequenz baut er die mannigfachen Andeutungen aus, welche namentlich Bebel in seinem Buche über „Die Frau" in Bezug auf den sozialistischen Zukunftsstaat gegeben hat nnd die Schilderung, die Eugen Richter entwirft, ist so lesenswcrth, sie wirkt so abschreckend vor diesem „entschleierten Bilde", daß wir das Lesen und die Verbreitung der im Massenbezuge äußerst billigen Broschüre*) auf's Angelegentlichste empfehlen. Eugen Richter hat sich mit dieser im fenilletonistischen Gewände erscheinenden, aber sehr ernsthaften Arbeit ein bedeutendes Verdienst erworben. Einige Auszüge aus diesen im wahren Sinne des Wortes „schlagenden" Ausführungen dürften Unseren Lesern willkommen sein.
i Der Held der Erzählung ist ein ehrsamer, ebenso wie seine Familie durch und durch von den „Heilswahrheiten" der Sozialdemokratie überzeugter, grundbraver Buchbinder- Weister. Endlich ist die Prophezeiung Bebel's Wirklichkeit tlrworden. In gehobenster Stimmung berichtet unser Buch- oiuber: „Die rothe Fahne der internationalen Sozialdemokratie weht vom Königsschloß und allen öffentlichen Gebäuden t *) Zn beziehen durch die Expedition der „Freisinnigen Zeitung", «erli» SW., Zimmerstraße 8, sowie durch alle Buchhandlungen.
Freilag» den 6. November
reien kennzeichnen ihr Verhalten gegen die Nachbarn. Solche Raubzüge hatten sie nun wieder gegen die Bewohner Usagaras nnter- nommen und n6ifugten die deutsche Colonial-Verwaltung zu einem Einschreiten. Seitens der Gegner des jetzigen Gouverneurs ist der Versuch gemacht worden, die Zelewski'sche Expedition als eine nnnöthige „waghalsige Excursion" hinznstellen; im Hinblick aus die erwähnten Thatsachen und auf das unleugbare Bestehen nnferer Pflicht, ben unter deutschem Schutze stehenden Landschaften den schütz nöthigenfalls auch thatsächlich zu gewähren, muß jener Vorwurf als ein entschieden unberechtigter zurückgewiesen werden. — Die Zelewski'sche Expedition brach" vom Küstenplatz Kilwa in's Innere auf, wandle sich zunächst nordwestwärts über Korogero, Honao nach Mbamba und von da zum Mjombo, einem Nebenfluß des Wann. — Den Mjombo wußten, als die ersten Nachrichten ihn nannten, manche Nedactiouen (selbst großer Blätter!) ihren Lesern nicht näher zu bezeichnen; eine große Berliner Zeitung sagte schlankweg,
roero und Mage und beabsichtigte, nach Mdawaro im Herzen der Wahehegebiete vorzudringen. Unweit Lnla erreichte sie das bekannte llnglück; in ungünstigstem Terrain von großer Nebermacht erdrückt, unterlag die tapfere Truppe. Nur ein kleiner Theil konnte
Berlins." Die „Wiedergeburt der Menschheit" ist angebrochen und der Sicgcstag hat auch in seiner Familie den Grund zu neuem Glück gelegt: sein ältester Sohn Franz, Schriftsetzer, hat sich mit der Putzmacherin Agnes Müller verlobt. —
„Wir Alle wanderten nach Tisch hinaus „Unter die Linden". War das dort ein Menschengewühl, ein Jubel ohne Ende. Kein Mißton störte die Feier des großen Siegestages. Die Schutzmannschaft ist aufgelöst. Das Volk hält selbst die Ordnung in musterhafter Weise anftecht. Im Lustgarten, auf dem Schloßplatz, an der früheren Schloß- freiheit stand dichtgedrängt die Menschenmenge fest wie eine Mauer. Die neue Regierung war im Schloß versammelt. Die Genossen von der bisherigen Parteileitung der Sozialdemokraten haben provisorisch die Zügel der Regierung ergriffen. Sobald sich einer der neuen Regenten am Fenster oder auf dem Balkon des Schlosses zeigte, brach der Jubel des Volkes immer auf's Neue los: Hnteschwcnken, Wehen mit den Tüchern, Gesang der Arbeiter-Marseillaise. Abends prachtvolle Illumination . . . „Die »Bourgois« fliehen zu Tausenden über die Grenzen; viel können sic nicht mitnchmen: Alle Staatspapicre, Pfandbriefe, Actien, Schuldobligationen und Banknoten sind für null nnd nichtig erklärt worden. Auf alle Immobilien, Verkehrsmittel, Maschinen, Werkzeuge und Gcrärhe wurde für den sozialistischen Staat Beschlag gelegt. Der „Vorwärts" ist an die Stelle des „Reichs- Anzeigers" getreten. Das Blatt wird in jeder Wohnung unentgeltlich zngestcllt. Da alle Druckereien Staais- eigeuthum geworden sind, so haben die übrigen Zeitungen zu erscheinen aufgehört .... Das bisherige Partei- Programm, wie cs 1891 von dem Erfurter Parteitage beschloffen wurde, ist als provisorisches Grundrecht des Volkes proclamirt worden......Das Militär ist ent
1891.
sich retten und zog sich auf ber Route zurück, welche unsere Karte bnrch eine unterbrochene Linie barfteUt; über Jkula und ben Ruaha-Flnß nach Norbosten in ber Richtung auf Konboa zu und traf bekanntlich wohlbehalten wieder an der Küste ein.
Die Beiirtheilung ber Expedition und ihrer Folgen war eine sehr verschiedenartige. Grundsätzliche Gegner aller Colonial-Politik benutzten das Unglück, uni zur Preisgebung zunächst wenigstens eines.-Theiles von Deiitfch-Ostasrika zu rathen! Besonnenere Blätter betonten, daß dergleichen schwere Verluste allen Colonial- Politik treibenden Völkern bescheert worden sind und daß dadurch ein Tadel der betreffenden augenblicklichen Verwaltung nicht bedingt sei; in llebereinflimmnng hiermit sprach Stanley die lieber» zeugung aus, daß die Folgen der Katastrophe sehr bald verschwunden fein würden. Bei vielen Blättern aber spitzle sich in bedauerlichster Weise die Erörterung zu einem Ausspieleu Wißinaun'S gegen Soden zu. Niemand kann die Verdienste Wißmami'S unterschätzen, ohne ungerecht zu fein: aber es heißt doch sehr kühn prophezeien, wenn Herr Eugen Wolf, ber Berichterstatter des „Berliner Tageblatt", von Wiß- maitn behauptet, daß er stets tabula rasa mache und ben Feind ein für alle Mal gründlich erledige; dies „eilt für alle Mal" muß Jedem, der sich in ber Geschichte afrikanischer Colouieen umgesehen hat, einen eigenartigen Einbruch mache»! — Es braucht heute gar nicht mehr untersucht zu werden, ob Widmann, ber erfolgreiche Forschung? reisende und schlagfertige Unterdrücker des Aufstandes, auch ein ebenso trefflicher Verwaltungs-Beamter geworben fein würde; denn wir haben nur mit dem zu rechnen, was thal- sächlich vorliegt, und bas ist die Verwaltung Sodens. Nach der Auffassung Vieler erhielt Soden feinen jetzigen Posten wesentlich deshalb, weil die beide» anderen Namen, die man auf der Candidaten-Liste für beit Gouverneurpostenerwartete, also Peters unb Widmann , in einem gewissen Gegensatz zu einander stehen sollten. Gegen Peters sprach angeblich die bekannte „Schneibigkeit", welche unter feinem Regime nach der Ansicht unparteiischer Beur- theiler keineswegs immer
zum Vortheile unserer Interessen herrschte; gegen Widmann sprach angeblich feine energische Stellungnahme gegen das deutsch- englische Abkommen; Soden hatte sich an anderer Stelle bereits gut al? nüchterner Praktiker bewährt. Es muß ungerechtfertigt erscheinen, Letzterem alle Mißerfolge zuzuschreiben, die eintraten ober eintreten möchten, da sie zuur Theil eben unvermeidlich mit dem Beginn einer bürgerlichen Verwaltung als nothweudige Kinderkrankheiten der colonialen Entwickelung erscheinen I
Deutfch-Ostafrika ist so groß, so verschiedenartig ausgestattet in
lassen, Steuern werden nicht mehr erhoben, da die Regierung dasjenige, was sie für allgemeine Zwecke bedarf, aus dem Ertrag der sozialistischen Production vorwegnimmt. Aerzte und Rechtsanwälte werden vom Staat unterhalten und haben ihre Dienste dem Publikum unentgeltlich zu widmen. Die drei Tage der Revolution und der Siegesfeier sind für gesetzliche Feiertage erklärt worden. — Wir gehen einer neuen, herrlichen Zeit entgegen.
Aber leider, leider giebt es „unzufriedene Leute" selbst in dieser „herrlichen Zeit". Es hat Pch das Gerücht verbreitet, daß auch sämmtliche Sparkassenbücher und die vom Munde abgedarbten, Pfennig bei Pfennig zurückgelegten Ersparnisse Tausender alter Leute, Dienstmädchen, Handwerker für „null und nichtig" erklärt worden sind. Ein Heidenlärm entsteht, lautes Jammern und Weinen, schon stürmt eine erregte Menge das Schloß, da beschwichtigt der Reichskanzler die Gemüther, indem er verkündigt, „die Sparkaffenfragc solle sofort dem gesetzgebenden Ausschuß zur Entscheidung unterbreitet werden. Alle guten Patrioten und braven Sozialdemokraten sollten der Gerechtigkeit und Weisheit der Volksvertreter vertrauen". Ein stürmisches Hoch dankt unserem Reichskanzler. Unter colossalem Andrang von Personen findet die betreffende Sitzimg statt. Acht Millionen Guthaben, so wird festgestellt, mit 5 Milliarden Mark waren in den öffentlichen Sparkassen Deutschlands vorhanden, der jährliche Zinsbetrag überstieg 150 Millionen. Die Einlagen in den Sparkassen waren angelegt mit ungefähr 2800 Millionen Mark in Hypotheken, mit 1700 Millionen Mark in. Jnhaberpapicren, mit 400 Millionen Mark bei öffentlichen Instituten und Eorporationcn und mit 100 Millionen Mark gegen Faustpfand. Die Inhaber- Papiere sind überall durch Gesetz annullirt worden. Die Hypothckenschuldeu sind mit dem Uebergang alles Grundbesitzes auf den Staat erloschen. Ebenso find die auf Faust»
’Iseke.
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Konzloa,
JDaj^es-Salaffli
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TatbehobeX/S’v
i ^oTMbamia,
tun Stück von Mitteldeutschland
_______im gleichen MaBstabo._____
.Eisenach
o Weimar
Geograph. Institut zu Weimar.
er finde sich nicht auf ben Karten. Thatsächlich aber verzeichnet ihn Kettler's bekannte Karte von Ostafrika mit vollem Namen, so daß bie Drieutirung ben betreffenden Redactioncn doch leicht gewesen märe! — Von hier wandte sich bie Expedition in südwestlicher Richtung über das Rribeho-Gebirge nach Uhehe; sie passirte Mgo-
ßamen Düsseldorf
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