Abend-Ausgabe
WieMemr TsgblÄ.
39. Jahrgang.
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Samstag, den 31. Grtober
283.
Nachdruck verboten.
Wiener Kries.
(Original-Feuilleton des „Wiesbadener Tagblatt".) Mir», 28. Oktober.
1 Die bildenden Künste spielen gewöhnlich keine allzu hervorragende Rolle in Wiens öffentlichem Leben; sie haben es nicht so gut wie Theater und Musik, welche sich in der österreichischen Hauptstadt immer der liebevollsten Pflege erstellten. Derzeit macht sich eine unbestreitbare Wendung zum Besseren bemerkbar. Seitdem — es ist etwas mehr - als eine Woche her — das kunsthistorische Museum eröffnet ; worden, bekümmert sich ganz Wien um den Prachtbau und um seinen köstlichen Inhalt. Aus diesem ragen als wichtigster Bestandtheil die Gemälde hervor, welche früher in dem für den Prinzen Eugen von Savoyen erbauten Lustschlosse „Belvedere" angesammelt waren. In dem neueren i Wien, das sich immer weiter hinausstreckt über seine ur- Mprünglichen Grenzen, lag das Belvedere längst nicht mehr h .draußen", bot es kein buen retiro mehr von dem lärmenden ' Treiben der Stadt, aber den bequeinen Wienern lag es doch zu sehr abseits, sie entschlossen sich nur schwer und feilen, die Wallfahrt zu den Vilderschätzen zu machen, der weite Weg mußte chr Fernbleiben entschuldigen. In Wirklichkeit | stand die Wiener Bevölkerung seit jeher zu den bildenden i Künsten in einem kalten Verhältnisse. Man müßte ein l Stück Culturgeschichte auftollen, um die Ursachen darzulegen, i Uns mag die Thatsache genügen, ohne daß wir uns m L langathmige Begründungen einlassen. Es gab wohl eine t Altwiener Malerschule, die in ihrer behäbig auskömmlichen, L einfachen Art manches Gefällige und Sinnige hervorgebracht hat. Aber die maßgebenden, breiten schichten der Gcsell- V schäft gewannen keine Intimität mit den WerkenMc Palette.
In der beredten Sprache der Steine wurde uns von der
Lokales.
si fluAhrurt der Originaleorrefpondenzen nur unter deutliL er Quellenangabe gettattet.) Wiesbaden, 31. Oktober.
Jubelfeier des SS-jährigen Kestrhens drsFüstiirr- u^imenta von Gersdorkf (Hrff.) Po. 80. Nach dem MbflOtteSbknft, welchem, wie noch nachtraqlich bemerkt sei, ein feierlicher Dankgottesdienst mit Te Deum in der katholischen Pfarr- lirche vorausgeganqen war, begaben sich die Offiziere mit ihren Damen in das OffizierS-Casino, wo Herr Premier-Lieutenant der Reserve, Rechtsanwalt von Eck, Namens der früheren und gegenwärtigen Reserveoffiziere des Regiments die Glückwünsche derselben darbrachte und eine wcrthvolle Ehrengabe, bestehend ans 12Criftall- - saraffen mit silbernen Beschlägen, überreichte. Hierauf wurde ein gemeinschaftliches Frühstück eingenommen. — Auch die ehemaligen Unteroffiziere des Regiments gaben ihrer Anhänglichkeit an dasselbe I sichtbaren Ausdruck, indem sie durch eine, aus den Herren Wandt, Könicke, Kohl und Heudrich bestehende Abordnung dem Herrn Oberst : o Gersdorfs unmittelbar nach dem Regiments-Appell eine ■ künstlerisch ausgestihrte Gratulations-Adresse übeneidien liehen. E Gestern Nachmittag vereinigten sich die activeu und inactiven Offi- liere und andere geladene Gäste, zusammen etwa 170 Herren, in | dem „Civil-Casino", die ehemaligen Unteroffiziere, etwa 80 an der Zahl, in der Restanration des Herrn Dienstbuch („Watther's Hof") t zu gemeinschaftlichen Festessen. An dem Essen im Casino nahmen von Civilpersoneu u. A. Thcil die Herren Oberbürgermeister vr. v. Jbell, Stadtverordnetcn-Vorsteher Geh. Hofrath Professor L vr. R. Fresenius, Stadrpsarrer Prälatvr. Keller, Divisions- . Pfarrer ff ramm, sowie die Landräthe der drei Garnisonen des
Regiments: Graf Matuschka (Wiesbaden), v. Oertzen (Hanaus und von der Heydt (Homburg). Den ersten Trinkspruch brachte Herr Oberst von Gersdorff ans Seine Majestät den Kaiser aus, nachdem er in feiner Anfprache bervorgehoben hatte, daß da« Regiment nicht nur seinen 25. Geburtstag, sondern auch das 25-jährige gute Einvernehmen mit der Bürgerschaft Wiesbadens feiere. Im weiteren Verlaufe des Festessens trank Seine Excellenz der frühere coinmaiidirende General des Württeinbergifchen Armcecorps, von Schachtmeyer, nach einer zündenden, mit der Erzählung von Erlebnissen aus dem Kriege 187071 durchflochteueu Rede auf eine gute Zukunft des Jubel- Regiments. Von den früheren activeu Offizieren des Regiments ergriff Herr Generallieuteuant z. D. v on B el ow, der «u Jahre 1870 Corn- _ «andeur des 3. Bataillons war, das Wort, nm zunächst des I.Com- mandcurs des Regiments, Herrn Oberst von Colornb zu gedenken, der leider da« Fest nicht mehr mitfeiern konnte, weil er vor vierWocheu j feiner vor 21 Jahren bei Wörth erhaltenen Verwundung erlegen ist.
Redner weihte einen weiteren, mit Humor gewürzten Trinkspruch dem früheren, jetzigen und zukünftigen Offizier-Corps des Regiments und überreichte als Geschenk der früheren aktiven Offiziere 3 ffasteu mit je 2 Karaffen und 25 Bechern und speziell den Herren Majoren Wagner und v. Kutzleben, welche dem
Regimente feit seiner Gründung bis auf den heutigen Tag als aktive Offiziere angehörten, je einen silbernen Ehreu- becher. Die Tafelmusik wurde von der Regiments-Capelle unter ( der bewährten Leitung des Herrn Münch ansgcfübrt. — Bei dem Essen der ehemaligen Unteroffiziere brachte Berr Wandt, Hauswart der „Wilhelms-Heilanstalt" hier, den aiscrtoast aus, in welchen die alten Unteroffiziere begeistert eiu- £ stimmten und stehend die Nationalhymne fangen. In beiteten und ernsten Tischreden wurde der Commaudeure des Regiments, der Hauptleute und Feldwebel, ganz besonders aber des verstorbenen Generals von Oettinger gedacht, der im Jahre 1870 da« ' hiesige 1. Bataillon in's Feld führte und später auch die Brigade und die Division befehligte. Die ausgezeichnetc Küche und die guten Weine des Herrn Dienstbach erzeugten in Verbindung mit den vorzüglichen Vorträgen der Homburger Bataillonsmusik die auiminirteste Stimmung. Hier wie im „Casino" rückte die Stunde des Beginns der Festvorstellung im Theater viel zu ' frühe heran. Nach der Theater-Vorstellung vereinigten sich aktive
und inaktive Offiziere, jetzige und ehemalige Unteroffiziere und Mannschaften des Regiments in kameradschaftlicher Weife in der „Kaiser-Halle", woselbst die Hauptfeier einen glänzenden Abschluß land. Hier erreichte der echte kameradschaftliche Geist, welcher alle festlichen Veranstaltungen beherrscht hatte, seinen Höhepunkt. Es war eine wahre Freude, zu sehen, in welch' herzlicher Weise Offiziere ehcmalige Soldaten begrüßten und sich über deren Ergehe» unterrichteten. Leider erwies sich der große Saal der nugcheurcu Zahl der Festtheiluchmer gegenüber als zu klein, fo daß Viele mit einem Stebplätzchen vorlieb nehmen oder gar auf die Theilnahinc an der Feier verzichten mußten. Dieselbe wurde mit einem von Herrn Premier-Lieutenant Baur von hier verfaßten und gesprochenen fchmuugvollcn Prolog, welcher dieRnhmes- tbnten des alten Kurhessischeii und des jetzigen Regiuients verherrlicht, eröffnet. Die von dem Hautbvisten Flotow zu dieser Jubiläumsfeier componirte Jubelbymne wurde von einem stattlichen, aus Soldaten gebildeten Chor, recht gut zu Gehör gebracht. Die Hymne sand so stürinischcii Beifall, daß sie da capo gesungen werden mußte. Der junge Coinponist, welcher auch den Sängerchor dirigirte, wurde auch persönlich ausgezeichnet. Mit den gewählten Programin-Nmnmerii der RegimentSniufik wechselten Solo-Vorträge, sowie gemeinschaftliche Gesänge in bunter Reihenfolge ab, so daß die Zeit wie im Fluge verschwand und der kurz nach 12 Uhr verkündete offizielle Schluß der Feier die Meisten überraschte. Die Festversammlung sang stehend die Nationalhymne und trennte sich, nachdem die Musik den „Zapfenstreich" intonirt hatte. In der „Kaifer-Halle" sowohl wie im „Casino" erregten die ans stattlichen Füsilieren der 1. Compagnie gebildeten Doppelposten in beit Uniformen des alten Hessischen Leib-Garde-Regi- nleuts ans 1780 (Zopfzeit), 18i0 und 1860 berechtigtes Aussehen. Mit einem heute Vormittag im Offizier-Casino stattgehabten Frühstück hat die in allen Theilen auf das Würdigste »erlaufene Jubelfeier des Füsilier-Regiments von Gersdorff (Hess.) No. 80, die allen Theiluchmern gewiß unvergeßlich bleiben wird, ihren Abschluß gefunden.
— Personal-Nachrichten. Der neucruannte RegieruuaS- Affefsor Dr. jur. Sartorius von hier ist der König!. Negierung zu Stade überwiesen worden.
= Zum Kan der 3. evangelischen Kirche sind die Pläne und Zeichnungen des Herrn Geh. Regierungsraths Prof. Johs. Otze» nunmehr zur Ausführung genehmigt nnd im nächsten Frühjahre soll mit dem Bane begonnen werden. Der Name, den die Siir (fit erhalten soll, wird von der evangelischen Kirchengemeit.be- Vertretung und dem Kirchen-Vorstande festgestellt werden.
-o- Schwurgericht. Als weiterer Fall- gelangt am 16. November er. die Anklage gegen den früheren MetzgcrgcseLcn, jetzigen Bahnarbeiter Lorenz Hofmann von Flörsheim wegen vorfätzlicher Brandstiftung zur Verhandlung. Die Vertheidigung des Angeklagten wird Herr Nechlsauwalt von Eck ll. führen. — Von dem Geschworenen dien sie ist ferner Herr Gastwirth Carl Krieger in Königstein euibunden und au befielt Stelle Herr Kaufmann Christian Wilhelm Graß- mann in Weisel ansgeloost worden.
— Eisenbahn Wiesbaden-Fangenschwalbach. Die Mittheilung über die vom 1. November ab auf der Bahn WieSbadm- Langenschwalbach cintreteuden Zugäuderungen bedarf bezüglich des Zuges 8IW Abends ab Schmalbach einer Berichtigung. Dieser Zug No. 98a ist dem Fahrplan als ein nur nach Bebarf zu fahrender Zug neu zugefügt worden, und der bisherige Zug No. 98 — Abgang 7 Uhr 30 Mi». Abends von Schmalbach — bleibt nach wie vor bestehen. — Sodann machen wir noch darauf aufmerksam, daß vom 1. Nov. bi? zum 31. März der Zug 4 Uhr 20 Mn. früh von Schmalbach ab in Wegfall kommt und in dieser Zeit der Zug 5 Uhr früh gefahren wird.
-o- Z« den Kcrbst-Control-Nersantmlunse» haben zu erscheinen: a. die zur Disposition der Ersatzbehörden Entlassenen, b. die zur Disposition der Truppentheile Beurlaubten, c. die lammt« lichen Mannschaften der Reserve, d. die Mannschaften der
glänzenden Bauperiode unter Kaiser Karl VI. erzählt, aber auf die letztere war Generationen hindurch ein handwerksmäßiges Bauen von erschreckender Nüchternheit und Reizlosigkeit gefolgt. Während vieler Jahrzehnte konnte als Typus des Wiener Hanfes die — Kiste bezeichnet werden. Erst die nicht viel mehr als dreißig Jahre alte Stadterweiterung hat den Samen gelegt für die Wiener Renaissance, die nun so fröhlich blüht und gedeiht. Es wäre eine unschätzbare Errungenschaft, wenn aus dieser Renaissance eine lebhafte, weithin wirkende locale Pflege der bildenden Künstler resultireu würde. In Belvedere hatten die Gemälde ein prächtiges Heim. Man kennt den auf das Prunkvolle gehenden Geschmack des großen Baumeisters Fischer von Erbach, der sich nicht genug thun konnte in decorativem Schmucke. Das Stadthaus des Prinzen Eugen, jetzt Finanzministerium, und das Lustschloß Belvedere hat er wahrhaft blendend ausgestattet, aber das letztere war eben als Wohnung errichtet -und nicht als Bildergallerie, und litt als solche darum an mancherlei Fehlern. Ncunzchn Jahre wurde an den beiden Museen — dem natur- und kunsthistorischen — gearbeitet, und während dieser ganzen Zeit war man darauf vorbereitet, die künstlerischen Kostbarkeiten aus dem in hoher Lage Wien beherrschenden Barock-Palaste in ein neues Heim autzwandern zu sehen. Natürlich lief die Frage mit unter, was mit der Belvedere geschehen werde. Es hätte zur Residenz des Kronprinzen Rudolf umgewandelt werden sollen. Die Tragödie von Meyerling machte diesem Plane ein Ende. Dann hieß es, Erzherzogin Marie Valerie, des Kaisers Tochter, werde nach ihrer Ver- heirathung mit dem Erzherzoge Franz Salvator das Belvedere bewohnen. Auch davon scheint man abgckommen zu sein; es würde der Schwester eine zu schmerzliche Erinnerung sein, dort zu Hausen, wo ihr unglücklicher Bruder sich niederlassen wollte. Nun hat das Schloß angeblich die
1891.
Landwehr 1. Aufgebots der Jahresklasse 1879, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September in den aktiven Dienst getreten sind. Die Versammlungen werden für den Stadtkreis Wiesbaden im Hose der Infanterie-Kaserne, Schwal- bacherpraße 18, wie folgt abgehalten: Dienstag, den 24. November er., Nachmittags 2 Uhr, für die Mannschaften der Reserve aus dcn Jahresklasseu 1881 und 1835, Mittwoch, den 25. November, Vormittags 10 Uhr, für die Mannschaften der Reserve aus den Jahresklasseu 1886 und 1887, Mittwoch, den 25. November c., Nachmittags 2Uhr, für die Mannschaften der Reserve aus den Jahresklasseu 1888, 1889, 1890 und 1891, die zur Disposition der Ersatzbehördeii Entlassenen, die zur Disposition der Truppentheile Beurlaubten, sowie die Mannschaften der Landwehr 1. Aufgebots, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1879 in den Dienst getreten sind.
— P'isfionsfest. Der mit dem am 3. November stattfin- deudeu Missionsfest verbundene Gottesdienst, in welchem Herr Hofprediger a. D. Stöcker die Kanzelrede halten wird, beginnt Morgens 10 Uhr, nicht Nachmittags 3 Uhr, wie es in den kirchlichen Anzeigen hieß.
— Liegen des Allerheiligenfestrs wird die Dampf- Straßeitvahn morgen Nachmittag Soiiderziige nach Bean-Site zum Besuche der Friedhöfe fahren.
* Zur Invnliditkils- mtd Alters-Nerstcheenng. Bisher ist vielfach angenommen worden, daß Hebammen jedenfalls dann der Versicherungspflicht nach dem Gesetze vorn 22. Juni 1889 unterliegen, wenn sie gleichzeitig sogenannte Bezirks-Hebammen sind. Im Gegensatz zu dieser Auffassung hat der Vorstand einer Lersichernngs- Anstalt den Antrag einer Bezirks-Hebamme auf Zuerkennung einer Altersrente mit der Begründung abgewiestn, daß die Antragstellerin selbstständige Gewerbetreibende sei. Auf erfolgte Berufung der Abgewieseneu erklärte das Schiedsgericht die Hebammen für ver- sicheruiigspsiichtig und billigte ihr eine Altersrente zu. Gegen dieses Erkeuntiiiß wurde sowohl vom Vorstand der Versicherungs-Anstalt, als auch vom Staals-Commiffar Revision eingelegt, mit welcher erzielt wurde, daß das NeichS-VersichernugSamt das schiedsgerichlliche . Ilrtheil aushob und den Bescheid des Vorstandes der VerstchermtgS- Anftalt wieder herstellte.
* Spvetbeteügee. Wir berichteten kürzlich, daß zwei Radfahrer eine Preistour — per Eisenbahn machten. Die Sache kam heraus und wurde dem Gatwerbaitde No. 9 angezeigt. Derselbe hat jetzt die Beiden „wegen versuchter und auSgeführter Täuschung bei Bewerbung unt Auszeichnung für große Tagestouren" aus dem Deutschen Radfahrer-Bunde ausgeschlossen.
* Unteroffiziere und Mannschaften der Fandmelzr zweiten Aufgebots ziehen sich immer noch militärische Strafen dadurch zu, daß sie eine gewisse Bestimmung des neuen Wehrgesetzes nicht beachten. Wenngleich diese Mannschaften an bett Coutrolver- samnilnngen nicht mehr Tdeil nehmen, find sie doch nach wie vor verpflichtet, jeden Umzug ans einem Ort in den anderen, Veränderungen in ihrem Familtenstande durch Geburt und Tod bis zum 39. Jahre jedesmal dem zuständigen Bezirksfeldwebel zu melden.
-jj- Pferdezucht. Von der Gestiits-Direcliou zu Dillenburg sind zum Zwecke der Besichtigung solcher Stuten, die in der bevor- fteheitbeit Deckzeit den Königl. Beschälern zugeführt toetbett sollen, folgende Termine anberaumt worben: In Erbenhei tu Montag, den 9. November, Morgens 9 Uhr, und an demselben Tage in Höchst a. M. Nachmittags V!« Uhr. Wir machen bie Pferdezucht» hierauf aufmerksam.
— Diebstahl. Heute Morgen 5 Uhr wurde durch bett Nachtwächter F. H. ein Manu ertappt, der einen großen Salonteppich, angeblich als gefuubett, fortsthleppte, in Wahrheit denselben aber gestohlen hatte.
P.-B. Verschiedene». Gestern Abend wurde in der Tannus- straße ein Reisekoffer von einem Rollfnhrwerk gestohlen, welcher heute Morgen au öer Erbeuheinter Chaussee nut eittgefchlagettem Deckel und theilweisc seines Inhalts beraubt miebergeftmbett würbe.
Bestimmung, für dcn dauernden Aufenthalt des Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich-Este, des präsumtiven Thronfolgers, adoptirt zu werden . . . Daß das Belvedere als geeignet erachtet wird für solche Bestimmung, ist für dasselbe als Gemälde-Galleric nicht eben das beste Zeugniß. Im kuusthistorischen Museum z. B., wie wir es jetzt besitzen, könnte schwerlich Jemand wohnen!
Wie gesagt: Malerei, Bildhauerei und was mit ihnen verwandt ist, das Alles stand in Wien während etlicher Menscheitalter abseits in Aschenbrödel's Ecke. In unseren Tagen schien in loco ein goldenes Zeitalter der Malerei anbrcchcn zu wollen, als Hans Mark art hier Hof hielt, Schule machte und den Mittelpunkt einer lärmenden Bewegung bildete. Ein Farbcnrausch hatte sich Wiens bemächtigt; er ist nach Markart's Tode verflogen, und unser Kunstleben — insofern es sich nicht um Schauspieler oder Sänger handelt — droht wieder zu versumpfen, wenn ihm nicht warmes Blut in die Adern geleitet wird. Ein Kunft- lebcn kann aber nur, dort gedeihen, wo die Bevölkerung ihm ein inneres Interesse entgegenbringt. Unser neues Museum wird also zugleich eine Art Erziehungsanstalt sein müssen. Ihm fällt die Aufgabe zu, zwischen den Wienern und den bildenden Künsten einen intimen Rapport herzustellcn, eine Aufgabe, welche der großartige Bau wohl zu lösen im Stande ist. Denn tausende und tausende Leute kommen, um das prächtige Haus zu sehen; unwillkürlich bekümmern sie sich auch um den Inhalt, und wer heule nur dem Gebäude einen Besuch abstattet, findet sich vielleicht morgen wieder ein, weil ein Bild von Tizian oder Rubens es ihm angethan hat. Die beiden Museen, von geschwisterlicher Achnlichkeit, sind den Wienern schon geläufig geworden als Wahrzeichen der Hauptstadt. Diese riesigen Schatztruhen — wie man sie mit Recht genannt hat — mit den aus ihtten hervorwachsenden Kuppeln gehören heute bereits rur Lbüsioo»
