Beziehung einen guten Rath giebst, schwöre ich Dir, daß es weder in der ganzen Welt noch in der Hölle ein böseres Wesen als ich geben soll."
„Ja, ja, so groß im Bösen aber bist Du nur, weil Dich die treue Jntrigue so liebt. Doch Geduld, laß mich die Sache mit meinen Rathen überlegen."
Sie warf ihren Besenstiel drei Mal in die Luft und ließ ihn dann zu Boden fallen. Ein ungeheures Klagen und Schreien machte die Erde erbeben.
„Her zu mir, meine Kinder, zu mir!" schrie Jntrigue.
Die Erde that sich auf und drei kleine schwarze Teufel stiegen auf das Dach. Sie knieten nieder vor dem Satan und leckten seine gespaltenen Füße. Das älteste der Tcufelchen hüpfte, und die beiden anderen heulten vor Freude.
„Befiehl über uns, großer Geist!" riefen sie Alle gleichzeitig.
„Seid Ihr mir auch stets treu geblieben?" fragte der Herr alles Bösen.
„Unsere Seelen mögen verderben und wir gnt wie die Engel werden, wenn wir Dich verrrcthen! Befiehl, und Du sollst sehen, wie wir Dir gehorchen!"
„So höret! Unter diesem Dache wohnt eine glückliche Mutter, und Ihr wißt, wie unerträglich mir Glück auf Erden ist; schauet zu, wo Ihr am sichersten das Kind verbergen könnt, sobald wir es Euch überliefern."
„O, mächtiger und unüberwindlicher Geist, Ruhm mit Dir!" schrie der älteste kleine Teufel. „Wir mögen unsere Hörner verlieren, wenn Deine Befehle nicht treulich vollführt werden!"
Und voller Freude kehrten die drei Teufel zur Hölle zurück, tauchten in die heißeste Gluth und begannen iurrüber nachzudenken, auf welche Weise man am besten das Kind seiner Mutter stehlen und verbergen könne.
die Jniriguc, um Rath zu fragen. Sic war gerade allein. Nachdenklich, ihre schwarzen Haare fcsscllos, gleich Schlangen, über Brust und Schultern fluthen lassend, saß ste da und fragte sich, wo wohl noch ein Stückchen Glück übrig geblieben sein könne, seitdem sie in ihren Krallen alles Glück der Erde davongetragen hatte. Der Satan hauchte drei Mal gegen das Haus seiner Freundin.
„Wer ist da?" schrie das böse Weib.
„Der Teufel."
Die schwarze Fran verzog ihren Mund zu einem Grinsen, das all' ihre scharfen Zähne sehen ließ, und rief voller Freude:
„Ich bin da! Ich bin daheim!"
Sie schwang sich auf einen Besenstiel und flog wie ein Funken durch den Kamin, der einen dicken Rauch aussandle. Es war schon dunkel, und zahllose Sterne funkelten am Firmament, die Dunkelheit der Nacht durchdringend. Aber sobald der Teufel und die Hexe am Horizont erschienen, erblichen die Sterne und erloschen. Dichte Finsterniß bedeckte die Welt, und man sah nichts mehr auf der ganzen Erde, als die Augen des Weibes, die in einem infernalischen Lichte glühten.
„Wohin führst Du mich?" fragte die Jntrigue zähnefletschend.
„Du wirst es gleich sehen!" erwiderte der Satan.
Und sie schwangen sich noch höher in die Himmel, bis sie eine Wolke erreichten, in der eine Schaar alter Eulen flog, und in Gemeinschaft mit diesen Vögeln der Nacht wirbelten sie über Dächer und Thürme vieler Städte, bis sie über dem Schlöffe stillhielten, das die glückliche Mutter bewohnte.
„Jetzt weiß ich, was Du wünschest," kreischte freudig die Jntrigue; „ich soll das Kind seiner Mutter entreißen."
„Ja!", antwortete Satan. „Wenn Du mir in dieser
Abend-Ausgabe
Wifsliaihwr SagNatt
39. Jahrgang.
Verlag: Langgasse 27.
I2-OOO Abmmenterr
Mittwoch, derr 28. Grtolrer
1891
deutsches Bündniß in's Gedächtniß, den der Berstorbene mit Bisuiarck halte. Rußland drohte Revanche für die Beschlüsse des Berliner Congresses zu nehmen, infolgedessen ging Bismarck nach Wien und schloß das Bündniß, das noch heute die Situation in Europa beherrscht. Gleich darauf zog sich Lord Beaconsfield, der Heros des Berliner Congresses, zurück. Bismarck hatte bei seinem Aufenthalt in Wien den französischen Gesandten Tefferenc de Bort besucht und ihm erklärt: „Ich bediene mich niemals der Sprache, um meine Gedanken zu verbergen. Herr Waddington hat in Berlin den Beweis davon erhalten und mein Wnnsch, freundschaftliche Beziehlingen mit Frankreich zu unterhalten, ist aufrichtig." Wenige Wochen später fanden in Varzin intime Pourparlers zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Saint-Vallier statt. Es handelte sich um nichts Geringeres, als um eine Allianz zwischen Deutschland und Frankreich, die eine neue Aera für Europa iuaugurirt hätte. Unglaublich, aber wahr, Graf Saint - Ballier war ein überzeugter Anhänger dieses Projects; nicht so die französische Nation, die es unverantwortlich fand, daß ihr Vertreter in Berlin derartig mit Bismarck frateruisirte und die ihn deshalb zurückrief. Saint-Vallier hatte sich eine wahrhaft brillante Situation in Berlin zn schaffen gewußt, sowohl in der Gesellschaft wie bei Hofe, und er nahm beim Abschied von Berlin die Hoffnung mit sich, eines schönen Tages dorthin zurückzukehren. „Wie Sie mir heute folgen," sagte er damals zu seinem Nachfolger und Freunde Courcel, „so werde ich Ihnen folgen, sobald eine politische Schwenkung meine Freunde wieder zur Macht gebracht hat. Wenn ich je wieder in den Staatsdienst eintrete, würde ich keinen anderen Posten aunehmen, als den, welchen mir mein Gewissen gebietet, heute zu verlassen. Ich habe mich nirgends so glücklich gefühlt als in Berlin, in dem bezaubernden Verkehr mit der imposanten Individualität des Fürsten Bismarck." Schon 1880 hatte Kaiser Wilhelm dem Grafen Saint-Vallier, dem er sehr zugethan war, das Großkreuz des Schwarzen Adlerordens verliehen, beim Scheiden verehrte er ihm seine Büste in Marmor und schrieb ihm dazu einen eigenhändigen, überaus liebenswürdigen Brief, den der Staatssecretür Graf Hatzfeldt dem Gesandten zu überbringen beauftragt wurde. Herr Herbelte ist in die Fußtapfcn seiner beiden Vorgänger Saint-Vallier und Courcel getreten und speciell Kaiser Wilhelm II. hat eine große Vorliebe für ihn gefaßt. Das Resumo über seine Amtsthätigkeit werden wir gelegentlich zum Gegenstand eines besonderen Aufsatzes machen.
Lorales.
(Nachdruck der Criginglcorrrfponbeiiäen nur unter deutN Quellenangabe getfattet.) Wiesbaden, 28. October.
. -J- itersoual-Aachrichlen. Herr Baron von Freede- r 1 6 8, russischer Minister und Gesandter des russischen Reiches am Württembergischen Hofe in Stuttgart, welcher vorgestern Abend zum Besuche des Ministers von Giers hier eiiigetroffen ist und im Hotel „Nassauer Hof" Wohnung genommen hatte, ist heute Vormittag wieder von hier abgercist.
Nachdruck verboten.
Gme Mutter.
Ein Märchen von Jatakie, Königin von Serbien.
L Eine Mutter hat ein schönes Knäblein zur Welt gebracht; auf ihren Armen hat es sich entfaltet wie ein zartes ; «vsenknöspen auf seinem Stamm. Die Mutter liebte den Knaben namenlos, er war ihr ganzes, unermeßliches Glück, öc verflossen viele Tage, ohne daß die Mutter ihrer Acht gehabt härte; für sie war der Tag ein einziger wandellofer Frühlingstag, ihr Kind ihr einziges Mück. In ihrer großen Liebe dachte sie oft, daß dies nicht ein Kind wie ’ie anderen sei, sondern ein kleiner Engel, den Gott ihr Trost auf die Erde gesandt hatte.
Aber während sie sich völlig ihrer Mutterfreude ^Merließ, traten Ereignisse ein, die ihr das Herz zerreißen Wen.
F- Der Böse entdeckte, daß es auf dieser Welt eine Mutter i to, deren Glück so groß war, daß es sie wie einen j mahlenden Stern hoch über all' seine Werke des Verderbens : Wer Welt erhob. Dieses Mutterglück störte feine satanische bcele unerträglich. Er sann darauf, wie er dieses Glück Kfftören könne. Sollte er das Königsschloß anzünden, ‘ bann Mutter und Sohn hausten, damit Beide in den Mammen zu Grunde gingen, oder sollte er eine andere
I Tortur erfinden? Er entschloß sich, seine intimste Freundin, | j. *) Es ist uns gelungen, diesen, so viel uns bekannt, einzigen ! Much der Königin von Serbien, den sie auf dem Gebiete des | Nrchrns gemacht hat, für unser Blatt zu erwerben. Da die wirk- fB* Handlung der sehr durchsichtigen Erzählung zum Theil hier in | Mbaden, an der Ecke der Frankfurterstraße und Wilbelmsallee, | Mü, dürste diese literarisch allerdings wenig bedeutende kleine Arbeit MM das vollste Interesse unserer hiesigen Leser, und namentlich jr®* der Damen finden. D. Red.
-o- Tagesordnung für die morgen stattsindende Sitzung des Gemeiudcraths: 1) Genehmigung von Rechnungen. 2) Genehmigung einer Versteigerung. 3) Begutachtung von Schankconcessious- gesnchen. 4) Beschlußfassung über die Aufnahme einer gegen die Stadt gerichteten Klage auf Entschädigung. 5) Begutachtung von Baugesuchen. 6) Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 7) Gesuche und Anträge verschiedenei: Inhalts.
(*) Vortrag. Herr Prediger Voigt begann am Dienstag Abend im „Casino" seinen dieswinterlichcn Vortrags-Chclus mit der Betrachlung des Marcus-Evangeliums. Aus 'bett Schriften des neuen Testaments läßt sich kein einheitliches Bild von dem Leben und Wirken Jesu geben. Jedes Jahrzehnt und jede Richtung entwarf sich ein eigenes, freies Bild von ihm und drückte demselben den Stempel der eignen Meinung auf. So sind die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung vielfach der Beweisführung gewidmet, um darzutbun, daß das Christenthum ans dem Geiste Jesu geboren, daß dieser Jesus der Messias, der Gottessohn sein müsse. Bei dieser Beweisführung lehnte man sich an die Schriften der Väter an, schlitt parallel mit den Prophezeiungen des alten Testaments, was wobl möglich war, ohne der Wahrheit Gewalt anznthuii. Dem christlichen Sinn unseres Jahrhunderts, dem es mehr als früheren Jahrhunderten darum zn thuu war, der Wahrheit actenmäßig nachznsnchen, war cs Vorbehalten, auch hier die dichterische Ausgestaltung des Erzählers von der Thatsache selbst zn trennen. Als sich einige Jahrzehnte nach dem Tode des Herrn, besonders nach der Zerstörung Jerusalems, die christlichen Gemeinden ausgedehnt hatten, genügten die Mittheilnngeu in der bisherigen Weise durch Wanderprediger nicht mehr. Es läßt sich nicht mehr sestftellen, wer es zuerst versuchte, die Beweise für die Gottheit Christi oder die Parabeln Jesu, oder anders ans seinem Leben zusammen- zntragen. Heute nimmt man an, daß das Evangelium nach Marcus das älteste ist, die anderen aber llcbrrarbeituugeu dieser Schrift sind, mit zahlreichen Zusätzen ansgestattet. Wenn Marcus selbst der Verfasser dieses Buches ist, so ist dasselbe wohl erst nach dem Tode des Paulus geschrieben, den Marcus eine Zeit lang begleitete, sich dann aber von ihm wandte, um später in Rom wieder mit ihm zusammen zu wirken. Die Hanptthatsachen, die dies Evangelium in einer bilder- und blumenreichen Sprache erzählt, sind das Herabkommcn des Geistes Gottes, die Läuterung in der Wüste, die Verkündigung des Evangeliums mit einer Gewalt, welche die jüdischen Shnagogen, wie auch die Stützen des Heiden- thnms in ihren Grundfesten erschütterten. Der Zndrang zu diesen Reden war so gewaltig, daß die Schulen, zn eng geworden, mit der freien Natur vertauscht werden inußteu. Dem Geistcsflug des Meisters vermochten auch die Jünger nicht zu folgen, was aus zahlreichen Stellen erhellt. Auf der Höhe der Schilderung angekommen, führt Marcus feinen Helden auf den Berg der Verklärung, einen zweiten Sinai, wo der neue Bund gegründet wird. Der andere Theil des Buches behandelt das Leiden" Jesu und ist wohl bestimnit von Marcus versaßt. Einfach, schmuck- und wunderlos wird dasselbe erzählt und am Schluß klingt in dem Worte des heidnischen Wächters, des Hauptmanns unter dem Kreuze, der sich in dem Evangelium oft wiederholende Hauptgedanke aus: Jesus ist für die Juden und die Heiden gekommen. Den nm diese letzte Frage entbrannten großen Geisteskampf zwischen Paulus und Petrus suchen auch die anderen Evangelien, die alle aus einer späteren Zeit stammen, auszugleichen, was durch den Druck der äußeren Verhältnisse durchaus geboten erschien. — Dec Vortrag war gut besucht, auch von Anhängern anderer Religions- Gemeinschaften. Die Klarheit und Bestimmtheit der Ausführungen des Herrn Voigt, die nach keiner Seite verletzen, sind zu bekan'nt, als daß noch besonders darauf hiugewiesen werden müßte. Der nächste Vortrag wird kommenden Dienstag folgen und das Lucas- Evangelium behandeln.
--- Kurhaus. Morgen Freitag findet ein Ertra-Symphonie- Concert des Kur-Orchesters statt.
— Kahn Wirobaden-Langenschrnalbach. Vom 1. November ab treten einige Zugänderungen ans der Bahnstrecke WieS- baden-Langenschwalbach ein. Der Abgang des letzten Zuges von
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: In Wiesbaden und den Landorlen mit Zweig- Frpeditiouen 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.
U-. 277.
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Französische Botschafter tu Berlin.
-t. Paris, 26. October.
Trotz aller gegentheiligen offiziellen Erklärungen können wir aus ganz unzweifelhafter Quelle versichern, daß die Tage dcr Amtsführung des französischen Botschafters Herbette in Berlin gezählte sind und Baron von Courcel, der schon einmal als Vertreter Frankreichs in den prächtigen Räumen -es Botschafter-Hotels am Pariser Platz zu Berlin schaltete, „ den Freund und Vertrauten Jules Ferry's ersetzen wird. Nicht ohne Absicht hat man gerade Baron Courcel gewählt. Courcel hat sich durch sein couciliantes Wesen und die ungemein gewissenhafte wie geschickte Art, in der er die ihm anvertrauten Interessen zu wahren wußte, in Paris wie in Berlin die höchste Achtung erworben und unleugbar hatte sich während seiner Leitung der französischen Mission in Berlin eine gewisse Interessengemeinschaft zwischen Frankreich ■ unb Deutschland entwickelt. Nicht zum wenigsten war es neben den tonkiuesischeu Mißerfolgen der Vorwurf, sich Deutschland zu sehr genähert zu haben, der seiner Zeit das Ministerinm Jules Ferry stürzte und die Abberufung Baron v. Courcel's zur Folge hatte. Und in der That, während der Anwesenheit Courcel's in Berlin waren die Beziehungen zwischen beiden Nationen herzlich, wie noch nie seit dem Kriege. Die Position Frankreichs auf der Congo-Confereuz war geradezu erstaunlich, Frankreichs Vertreter schien die Leitung der Verhandlungen völlig in Händen zu haben und gewisse naive Diplomaten beklagten sich damals bei ihren Regierungen, daß Herr von Courcel in Berlin Regen und Sonnenschein mache. Baron v. Courcel hat, ehe er Ge- , sandtet wurde, die Universität Heidelberg besucht und auch ein Semester hindurch die Vorlesungen der Berliner Hochschule gehört. Er ist ein gründlicher Kenner der deutschen Literatur und «rf feinen Soireen im Berliner Botschafter- Hotel begegnete man den hervorragendsten Vertretern deutscher Kunst und Mffeuschaft. Der selige Kaiser Wilhelm I. machte der Baronin v. Courcel einmal das Complimeut: „Ihr Herr Gemahl ist in den Geist unserer Sprache und Dichtung eingedrungen," ein Kompliment, das Herrn von Courcel au der Seine viel geschadet hat.
Der französische Gesandtschaftsposten in Berlin hat feit dem Kriege vier Inhaber gehabt, deren Namen: de Goutaut- Biron, Graf von Saint-Vallier, Baron v. Courcel, Herbette, eben so viele Phasen in den Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland bezeichnen.
Goutaut-Biron stand im Verdacht, gemeinsam mit Gortschakoff gegen Deutschland zu intrigniren. „Sie hatten Mes so geschickt abgekartet," erzählte Bismarck, „daß am Tage der Ankunft des Zaren in Berlin im Mai 1875, dieser fein quos ego sprechen und durch fein Erscheinen die Sicherheit Frankreichs, den Frieden Europas wie zugleich die Demüthigung Deutschlands ausdrücken sollte." Von 1878 bis 1882 repräsentirte Graf von Saint-Vallier die französische Republik in Berlin. Sein Name ruft den wichtigen Ideenaustausch über • ein französisch-österreichisch-
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