Abend-Ausgabe
Viesbli-Mr Wlatt
SS. Jahrgang.
Verlag: Langgaffe 27.
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Ho. 269
Freitag, den 23. (Odobrv
1891
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: Zn Wiesbaden und den Landorten mit Zweig- Expeditionen 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.
Augenblick an, da mein Töchterchen fein Loos in der Hand hielt, verdankte die Ausstellung cs nur noch seiner Gnade, daß die Bilder, die den Vermerk „Für die Verloosung angekanst" trugen, dort auf- gehängt blieben und nicht sofort nach unserer Wohnung geschafft wurden. „Jetzt gewinne ich die Bilder," war ein oft wiedcrkehrcn- de? Wort des Kinde«. Und von Zeit zn Zeit im Laufe der Wochen erkundigte sich Aeunchen immer wieder, ob es noch nicht gewonnen hätte. Ja, das letzte Mal erzählte min die Kleine von einem Traume, den sie gehabt habe; sie sei darin die glückliche Gewinnerin des ersten Preises gewesen. Ein Kind kann es sich nicht anders vorstellen, als daß es bei einer Lotterie gewinnen müsse. Mit der Anweisung auf das Glück besitzt es das Glück schon. Es bekundet sich darin dasselbe Vertrauen in die Diuge und ihre» Gang, das ein Kind auch in die Menschen setzt. Es baut auf unser Herz gerade so, wie es sich auf das Glücksrad verläßt. Noch ahnt es nicht, daß Herz und Glücksrad und endlich das Rad der Dinge überhaupt einander gleichen und einen Umschwung erleiden können, bei dem nur Nieten für Den herausfallcu, der die Anweisung auf jeden Gewinn besitzt. Ein rührenderes Vertrauen, eine naivere Zuversicht giebt es nicht, al? mit der sich ein Kind auf solch ein Loos, also aus den Zufall verläßt. Für das Kind giebt es den Begriff des Zufalls und das Gefühl des Zufälligen noch nicht. Es ist sich selbst die wichtigste Persönlichkeit, sich selber das Schicksal. Wie wäre es möglich, daß gerade es nicht das Beste, das große Loos erhielte? Leider muß ich mm die Kleine in große Betrüvniß setzen, muß ihr unbedingtes Vertrauen aus ihr Glück und zugleich auf sich selber erschüttern, wenn sie mich wieder fragt: „Papa, habe ich nun gewonnen?" Sie hat felsenfest vorausgesetzt, daß sie gewinnt, und meine Belehrung konnte an diesem Glauben nichts ändern. Die Folgen der Enttäuschung kann ich nicht ermessen; wahrscheinlich werden sie sich weit in's Leben hinein erstrecken, so unmerkbar sie sind und so flüchtig der erste Eindruck verschwinden wird. „Warum habe ich nicht gewönnen?" darüber wird das Kind nachdenkcu. Das große „Warum", über das sich die weisesten Denker den Kopf zerbrochen haben seil Anbeginn des menschlichen Denkens, wird seinen ersten Schatten in des Kindes Seele werfen. Denn dies „Warum?" ist die beständige, unverrückbare F-instcruiß, die uns die Sonne der Erkenntniß und des Wissen» verdeckt; mir an dem Rande des Dunkels sehen wir Strahlen hcrvorschicßen, mit deren mattem Glanz wir uns begnügen müsse».
* Eine mtrtiiuoile (ßut&eikttng. Das „Athenäum" schreibt: „Eine werthvolle historische Entdeckung hat unlängst Herr Round gemacht, welcher in dem Holzgelaß eines Landhauses, wo
A«»eigen-PreiSr
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Kocales.
(Sidibtad btr Orizmallorrelpondeiuen nur unter beutlit etDueEenangabe geUattet.) Wiesbaden, 23. Oktober.
= Personal - Nachrichten. Se. Erccllcnz der russische Minister de» Acußern, Herr von Giers, ist gestern Nachmittag mit Familie hier eingetroffen. $ur Begrüßung hatten sich Damen und Herren der russischen Colome auf dein Bahnhöfe eingcfunden.
-o- Der Gemeinderath erledigte in seiner gestrigen Sitzung noch solgendc Vorlagen: Dem Herrn C. Acker wird auf Ersuchen die Erlaubniß ertheilt, die von ihm gepachteten Wirthschaftsräume im Kurhause an das allgemeine Telcphonnetz auf seine Kosten anschließen zu lassen. — Das vorliegende Projekt zur Ueberdachuiig der Füllstclle am Bäckerbruunen wird mit der Maßgabe zur Ausführung genehmigt, daß die Verwaltung des Wasser- und Gaswerk« dieselbe übernimmt und die Kosten von 275 Mk. trägt. — Den Herren W. Hoffmann und C. Cramer wird die Erlanbniß ertheilt, zur Sicherung ihrer Besitzung im Nerothal eine Futtermancr gegen den Wcinbergsweg hin zu errichten, unter der Voraussetzung ledoch, daß dabei städtisches Eigcnthum nicht in Anspruch genommen wird. — Die Herstellung der Einfriedigung an dem freien Platze an der Lehrstraße wird zum Preise von 10 Mk. 9 Pf. für den ianfenben Meter dem Herrn Schlossermeister C. Philippi hier übertragen. — Die Lieferung von 250 Kubikmeter Trottoirplatteu wird zum Preise von 37 Mk. 20 Pf. pro Kubikmeter dem Herrn tugo Bell in Kusel übertragen. — Das Gesuch des Herrn ünchermeisters Ph. Hässelbach, bett. Neubau eines Vorder- mid Hinterhauses an der Jahlistraße, wird unter besonderen Bedingungen auf Genehmigung begutachtet, ebenso dasjenige des Herrn Hnpfeld, bett. Errichtung einer massiven Halle zur Lagerung von Stabeiscn an der Schlachthausstraße. — Ein s. Z. von Herrn Taglöhner Appel auf einem Pachtgrundstück im Distrikt „Dotz- heimerpfad" errichtetes kleines Wohngebäude läßt nach dem Gutachten de» Herrn Bauinspectors Heimsoeth in seinen sanitären Einrichtungen viel zu wünschen Übrig, weßhalb der Gemeiuderath beschließt, von seinem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen und die Beseitigung des Gebäudes zu verlangen.'
I — Kurhaus« Die morgige Reunion dansant» beginnt, wie üblich, um 8'/- Uhr Abends.
* Sortrcg Westmark. Wie bereits gemeldet, toirfc der schwedische Afrikareifende Theodor Westmark hier einen Vortrag Balten und zwar am Montag, den 26. Oktober, im Casino-Saal »bends 8Uhr. Nachstehend das Programm des Vortrages: lj Reife von Bannama nach M'Suata. Ein Krokodil unter meinem Bett. 2) «tanley - Skandale. Lopoldville. Ein Boot von einem Fluß- Pferd uuigekippt. Der Conaosttom. Nomantifche Gemälde. 3) Sitten und Gebräuche der Kannibalen in Baugala. Kasten der Eingeborenen. Ihre Palabren. Arbeiten. Familienverhältniffe. Stellung der freien Fran und der Sklavin. Ehe. Vielweiberei. Verkauf der Fran. Sklaven. Haarschmuck und Kleidung der Schwarzen. Falsche Kopszierde. Schmuck. Religion. Krieg. 4) Menschenopfer, Mahlzeiten und Gastereien der Kannibalen. Ein Häuptling, der sieben jenier Frauen verspeist. Begräbuiß - Feierlichkeiten/ Leicheutanz. 5) Rückkehr. Wißmann. 6) Die Sklaverei in Afrika. — Interessant bürste es einstweilen sein, zu erfahren, welch' eigenthümliches Abenteuer dem Forscher in Havre passirte. Dortselbst, wo er in einem großen Hotel dem Hafen gegenüber eingekehrt war, wurde er von ttr Polizei arrctirt, unter der Anklage, daß er nicht der Asrika- Rkifende Westmark, sondern der Herzog von Orleans sei, welcher sich so verkleidet habe, nm die französische Polizei zu täuschen. Er wurde nicht losgelassen, bis er seine Identität feststellen konutc.
. _ * * Bur Steuerpfiicht ehemaliger Marine-Offiziere, cherzte, Maschine,»-Ingenieure und Dechosfiziere. Nach nnem Finanz-Ministerlal-Rescripte vom 3. d. M. sind die auf ®runb des § 8 des Reichsgesetzes vom 4. April 1874 gewährten Peiisionserhöhnngen von der Bcstenernng in Gemäßheit des neuen Einkommensteuer-Gesetzes ausgeschlossen. Diese Pensionserhöhungen
Widerspruchs einiger Kirchthums-Politiker sein Theater-Project in Wiesbaden durchgesetzt zu haben; wenigstens wird jetzt gemeldet, daß er die Wiesbadener „Kaiser-Halle" zu einem Theater umbauen läßt und schon im April nächsten Jahres das neue Bühnenhaus eröffnen will."
* Gin schöner Fund — so schreibt man aus Karlsruhe — wurde beim Neubau des erbgroßherzoglichen Palais im sogenannten „Schlößle"-Garten in der Hcrrcnftraße bei den Abbruchsarbeiten des alten „Schlößchens" gemacht. Man fand im Mauerwerk beim Vorsprung des Mittclbancs nach der Nordscite, unterhalb des Sockels, einen größeren, mit einer Steinplatte überdeckten Quader, der auf seiner Vorderseite die Jahreszahl 1817 trug. Beim Abheben der Platte zeigte sich der Stein ausgehöhlt und die Höhlung barg ein Blechkästchen von 24 Ctm. Länge und 21 Ctm. Breite, bet 4 Ctm. Dicke, in welchem eine Anzahl Regierungsblätter, Exemplare der „Karlsruher Zeitniig", aus dem Jahre 1817 lagen, bedeckt von einer Kupferplatte, in welche folgende Inschrift eingravirt war:
Am 29. August 1817, dem Geburtstage des Markgrafen Friedrich von Baden, dem ersten, welchen er nicht mehr erlebte, legte diesen Grundstein seine Wiitwe Christiane Luise
von
Naffau Ufingen.
,. Er wollte hier einen ländlichen Ruhesitz schaffen zur Erholung im Frieden der Natur, versagte sich aber den freundliche» Wunsch, weil ihn die Noth der Zeit rührte, und der Tbränen gar viele zu trocknen waren. Danun fei dieser Garten ein Mal der Erinnerung an den edlen Hingeschiedenen, und offen allen guten Menschen, wie fein Herz ihnen offen war. Dem ahnenden Gemüth wird er fortan als der Schutzgeist des Orts erscheinen."
* Das Kind und das Lottrrielooo. Auf der internationalen Kunst-Ausstellung in Berlin kaufte ich, so schreibt man der „T. R.", meinem Töchterchen ein Lotterieloos. Ich that e«, ohne mir etwas Anderes zu denken, als: vielleicht hat das Kind Glück. Was ich aber in dein Kopfe des Kindes angerichtet, dahinter fam ich erst im Laufe der Tage und nachdem mich verschiedene Fragen anfmerffam gemacht hatten. Es war mir fast unmöglich, das Kind davon zu überzeugen, daß es mit deut Loose nicht die sichere Gewißheit erhalten, vorzüglich die vier großen Gemälde, die als erster Preis bezeichnet sind, geschenkt zu betommeu. Von dem
*.Nor t>er Auswanderung nach Nikaragua veröffentlicht die „Antwerpener Ztg." folgende eindringliche Warnung: „Die Regierung der Republik Nicaragua in Mittel-Amerika geht neuerdings mit dem Plane um, Auswanderer in Masse iu's Land zu ziehen. Sie verspricht jeder Familie, die sich naturalifireu läßt, 120 Acres Freiland, gleiche Bürgerrechte und Ausstellung eines Scheines, worin das nach 10 Jahren zu erwerbende Eigenthums- recht auf jenes Land staatlich bescheinigt wird. Das ist Alles ganz schön und die Regierung von Nicaragua thut gewiß recht, für die Bevölkerung der dünn bevölkerten Republik zu sorgen; wir aber haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Landsleute, welche zur Auswandernug geneigt sind, vor Nicaragua zu warnen. Die Landstriche, in denen sich tropische Plantagenwirthschaft, Kaffee-, Cacao-, Chiitarindcuban und dergleichen lohnend betreiben laßt, sind tljeiier, bereits in Ausbeutung und liegen weit im Innern; alle Landstriche an der Küste bis an's Hochgebirge sind Brutstätten des gelben Fiebers und im höchsten Grade ungesund. Wenn wir binzusiigeit, daß die Arbeiten aut Nicaragua-Canal neulich ans Arbcitermangel gänzlich eingestellt worden sind und daß es vor mehreren Jahren, als Deutsche dort unten in ihrem Rechte gekränkt worden waren, erst der Entsendung eines Kriegsschiffes bedurfte, um das deutsche Recht zu wahren, so haben wir wohl gci'«g gesagt, um Alle, die es angeht, von der Auswanderung nach Nicaragua abzuhaitcn."
-o- Die beiden jugendlichen Langfinger, neunjährige Schulbuben, von denen tu der gestrigen Abcnd-Ausgabe die Rede war, haben unter der Anleitung eines 15-jährigen Mädchens eine ganze Anzahl Schaukästen bestohlen. Die Diebstähle wurden von den Buden in der Weise ausgesührt, daß sie die Thüren der Schaukästen unten abdrückten und bann mit einem eigens dazu her- gerichtetcn Holz die Gegenstände aus den Kästen heransholten, während das Mädchen auf der anderen Straßenseite Wache stand und ein Zeichen gab, wenn die Lust nicht rein war. Es dürste sich empfehlen, an den Schaukästen geeignete Vorrichtungen anzubringen, welche derartige Diebstähle unmöglich machen.
-o- Diebstahl. In verflossener Nacht wurden aus einem Neubau an der Kapellcnsttaße etwa 150 Meter kupferner Blitzableiterdraht von bedeutendem Werthe gestohlen.
-o- Immobilien - Versteigerung. Bei dem heute Vormittag auf dem Königlichen Domänen-Rentamt erfolgten Ansgcbote eines Bauplatzes von 1 2lr 65,25 Quadratmeter Flächeugchalt, belegen im Distrikt „Kohlkorb", blieb Herr Rentner Heinrich A l t ni a n n mit 5950 Mk. Lctztbietcnder.
Stimmen aus dem Publikttin.*)
* Zu viel Licht! Der Genuß des herrlichen Shmphonie- CouccrteS war vorigen Sonntag fehr durch die unleidlich hohe Temperatur im Theater gestört. Warum werden die Gasflauimen des großen Kronleuchters nicht während der Vorträge znrückgcdreht, so daß sie nur in den Zwischeuacicn Heller brennen? Es ist ein Jnthum, anzunehmcn, daß ein sehr Heller Nanni den Genuß der Musik vermehre. Je weniger das Äuge durch Helle Punkte, Reflexe rc. gestört wird, um so mehr kann das Ohr alle'Eindrücke verarbeiten. Es war eine Tortur, in blendendster Lichtfülle, bei einer Temperatur von über 20 Grad mehr wie 2 Stunden auszuhalten, so sehr auch die Musik entschädigte. — Auch der Kiirhaus-Concertsaal hat feit einem Jahr zn viel Licht. Die elektrische Beleuchtung mnß oben an der Decke und den Capitälen der Säulen vertheilt sein. Tie Coiiccntiiruug an den alten Kronleuchtern ist ein Fehler. Zu viel Licht bewirkt Kopfweh. Man spare also, inbem zunächst weniger Elühlichter sowohl im Concerisaal wie auch in den Lesesälcn wirken, und hänge später dieselben viel höher. Die elektrische Beleuchtung kann in billigster Weise
*) Es fei bemerkt, daß wir Stimmen aus dem Publikum im Allgemeinen nur dann aufnehmen, wenn die betreffenden Einsender sich nnsercrchtedaction gegenüber namhaft machen. Auoupme Einfendungcu können keine Berücksichtigung finden. D. R.
treten nur bann ein, wenn der Betreffende auf einer Seereise infolge einer militärischen Action oder durch außerordentliche klimatische Einflüsse namentlidj bei längerem Aufenthalt in den Tropen invalid oder zur Fortsetzung des Seedieiistes ohne sein Verschulden unfähig geworden ist. Des Weiteren wird dieser Anspruch nur daun gewährt, wenn die Pensionirung vor Ablauf von 5 Jahren nach der Rückkehr 'des Schiffes in den ersten heimath- 1 täten Hafen eiugetreten ist. Wir machen die Interessenten hieraus aufmerksam.
— Militärisches. Zum 25-jährigeu Jubiläum des Füsilier- Regiments von Gersdorff, Hess. No. 80, welches am 28., 29. und 30. October hier, wo der Stab des Regiments liegt, offiziell gefeiert wird, wird eine Deputation des Homburger Bataillons hierher entsandt werden.
A Jtjtfa» für du Minter steht «ns venor? Die höchst wichtige Frage wird von glaubwürdigen Wettergreisen in gar verschiedenartiger Weise beantwortet. Alte Nimrode behanptetl, wir hätten einen harten Winter zu erwarten. Die Geschlechter dcr Lampe, Reimcke und „Karnickel" haben sich zum Theil schon mit der Wiuter- garderobe versehen. Den Naturgcschichtswcrkcn zufolge sollen diese Thiere zwar schon im Anfang Octobcr gewöhnlich ihre Winterpelze angelegt haben. Meist thnn sie cs aber erst im Ende des Monats, ja es kommen Jahre vor, in denen man noch in dcr Mitte des November die Hasen mit Sommerpelzen vorfindct. Daß den Jägern nun bereits jetzt die Thiere der bezeichneten Familien mit verändertem Pelz unter die Flinte gerathen sind, wird als ein Zeichen eines früh beginnenden und anhaltenden Winters angesehen und war in der That schon oft Anzeichen eines solchen. Erfahrene Hausfrauen dagegen, die nach der Beschaffenheit des Brustknochens der Gans auf diejenige des Winters zu schließen pflegen, behaupten, daß wir uns eines milden Regiments zu gewärtigen haben. Wir geben beide Mit- cheilungcn mit der nöthigen Reserve, sind aber so galant, der letzteren Version mehr Glaubhaftigkeit betzumessen.
— Dienstbücher dcr Kchiffslente auf den deutschen Nhemfchitfrn. Die König!. Regierung bringt in Erinnerung, daß, wer auf einem deutschen Nhciufchiffc als Schiffsmann, Schiffsjunge ober in anberer Stellung in ein festes Dienstverhältniß treten, will, mit einem Schiffs-Dienstbuche versehen fein muß, einerlei, ob er in Deutschland ober im Auslände behemiathet ist. Die Ausfertigung der Schiffs-Dienstbücher erfolgt für Inländer bei der dafür zuständigen Bchörbe ihres zeitigen Aufenthaltsortes im Jnlande. Während dcr Dauer des Dienstverhältnisses haben die Schiffslenic ihr Dienstbuch stets bei sich zu führen. Die Führer deutscher Rbeinschiffe bürfen, von Nothsällen abgesehen, Niemaub ohne Dienstbuch in Schiffsdieust nehmen ober dazu einftellen. Auch haben sic im Schiffs-Dienftbuchc den Tag beS Dienst-Eintritts sogleich uub demnächst auch beit Tag des Dienst-Auskitts zu vermerken, auf Bei langen be§ Anslrctenben auch ein Führuugs- Zcngniß einzutragen. Nach dem Dienstaustritte ist bas Schiffs- Dienstbuch von seinem Inhaber ohne Verzug einer zuständigen Polizei-Behörbe zur Visirung vorzulegen. Bei verspäteter Vorlegung kann bie Visirung versagt werden. Schiffslente, welche sich Zuwiderhandlungen gegen bie Vorschriften über bie Führung rc. von Schiffs-Dienstbüchcin zu Schulbcn kommen lassen, unterliegen nicht nur den verwirkten Strafen, sondern können sich auch auf Er- theilung eines Rheinschiffer-Patents keine Rechnung machen.
P.-B. Grobe» Unfug verübte gestern Abend gegen 9'/» Uhr ein Taglöhner in der Kirchgasse und Oraniensttaße dadurch, daß er bie Passanten anrempelte und laut fcanbalirte. Der Mann wurde der Polizei angezeigt.
Aus Kunst und Leden.
* Uerein der Künstler und Kunstfreunde. Veränderte Rkisedispositionen beS Herrn Dr. Otto Brahm, ber augenblicklich in Lugano weilt, bedingen bie Verschiebung seines auf Montag, ben 26. October, angekünbigtcn Vortrages über „Aesthetische Gespenster". Der neue Termin wirb durch Anzeige in diesem Blatte bekannt gegeben werden.
. * Gper und Wufiit. In ber Opera comique zn Paris ranb die 500. Aufführung von Bizet'S„Carmcitt statt. — Tie königlichen Tänzer Wege nnb Freising in Berlin haben eine neue Quadrille zusammengestellt, welche sich „Saison-Quadrille" nennt und den Zweck hat, auf bas tanzlustige Publikum einen neuen Setj ausziniben. Die „Saison-Quadrille" ist in einer Zusammen- wift ber Königlichen Tänzer angenommen worben.
* Schauspiel. Ein neues breiartiges Lustspiel von Francis ^tahl: „Gewagte Mittel" hat am Dienstag bei seiner Erst- nnffuhrung im Berliner Wallner-Theater einen Heiterkeits-Erfolg i bavongctragen. — Hermann Suber mann hat ber „Tags. Mubsch." zufolge sein neues, beni modernen Leben entnommenes Schauspiel nahezu vollendet. Tas Werk wird jedenfalls noch in Wr Spielzeit, voraussichtlich schon im Januar oder Februar, m Berlin zum ersten Male gegeben werden.
i h Vrrsonalien. Frau Sembrich bat sich von dem Un- ■Wlein, welches sie bei ihrem letzten Auftreten in Frankfurt, wie
> Rielbet, plötzlich befallen, vollkommen erholt. Sie fang in Berlin : ™ Schumann's ^Paradies und Peri", und zwar mit dem ge« ; ""Anteil durchgreifenden Erfolge. — Der früher in Frankfurt a. M.
“’n Dr. Hoch'fchen Konservatorium thätig gewesene Pianist Herr i £aiI StaSny, welcher für bas Neu-England-Confervatorium in i Aston als Lehrer gewonnen worben, findet auch in seinem neuen > Arknugskreise, wie aus dortigen Blattern ersichtlich, verdiente An- iLsnnung. — Professor Paul Thumann, welcher wieder dauernd wnen Wohnsitz in Berlin genommen hat, dürfte voraussichtlich von h» ein Lehramt an ber Kunst-Akademie erhalten. Es besteht
' 2* Absicht, an ber Hochschule eine weitere Malklasse einzurichtcn, ' tlftl Leitung dem Künstler übertragen werden soll.
Verschiedene MitthrUungen. Die Angelegenheit be= AM unseres zweiten Theaters wird im „Berl Tagebl." wie folgt ‘“mmt: „Herr Commissionsrath Haasemann scheint trotz des
