Abend-Ausgabe.
Wiesbadener Tsgblstt
Verlag: Langgasie 27.
13,000 Abonnenten
1891.
U-. 267.
Donnerstag, den 22. Oeloder
39. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Beziißs-PreiS: Tn Wiesbaden und den Landorten mit Zweig. Expeditionen 1 Mk. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.
Anzeigen-P reist
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Arteigen 25 Pfg. — Reclamcu die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Kocales.
($o4»rutl dir Original-orrelpondenzen nur unter dlutli! er Quellenangabe gegattet.)
Miesl>ade>», 22. October.
-o- Anläßlich des Geburtstages Ihrer Majestät der Kaiserin «nd Königin Angusta Dirtoria waren heute die staatlichen, städtischen und ständischen Gebäude mit Flaggenschinuck versehen worden.
= Kurhaus. Uebermorgen Samstag findet Reunion dansante im weißen Saale statt.
— Regiments-Iubiläuur. In einer Versammlnug früherer Angehörigen des 2. Nass. Infanterie-Regiments No. 88 wurde beschlossen, daß an den Festlichkeiten in Mainz am 31. October theil- genonnuen werden soll. Am Samstag Abend, den 24. October, soll in der Wirthschast zum „Andreas Hofer" abermals eine Versammlung stattfinden. Bis dahin werden noch Anmeldungen zur Theilnahme angenommen.
△ Posthand buch für die Geschäftswelt, heraus
gegeben von Oberpostsecretär H. Hettler, ist soeben im 2. Jahrgang 1891/92 erschienen. Preis 1,20 Mk. (Verlag, von Richard Hahn [®. Schniirleiis Stuttgart.) Der richtige Titel für dieses vorzügliche Hilfsmittel für den Postverkehr wäre eigentlich: „Universal- Postbuch!" In jedem Orte des Reichspostgebietes benützbar, giebt dasselbe, man mag mit der Post zu verseuden haben, was man will und. wohin es' sei, rasche, ausführliche, zuverlässige Auskunft. Einzelne Abtheiluugen sind behufs rafchereu Auffindens auf verschiedenfarbigem Papier gedruckt, die Tarife sind außerordentlich übersichtlich und was bei anderen Postbüchern erst auf verschiedenen Seiten zusantniengesucht und den oft laugen amtlichen Vorschriften entnommen werden muß, ist bei diesen selbst kurz und präcis angegeben. Das Buch ist für Geschäftsleute wie Private, welche Verkehr mit dem Ausland haben, geradezu unentbehrlich und kann aufs Wärmste empfohlen werden.
, (*) Ktrnographic. Eines der neuesten stenographischen Systeme ist die Steno-Tachygraphie oder Eng-Schuellschrift, zu deren Verbreitung sich eben der Vorsitzende des Vereins deutscher Steno-Tachyzraphen, Herr I. Dams ans Halle, auf einer Agi- tottonsreife befindet. Im Auftrag des hiesigen Vereins, der die vflege der Eng-Schnellschrift auf seine Fahne geschrieben hat, sprach genannter Herr am Mittwoch Abend im Damensaal des „Nonneu- : M • Seine Ausführungen betrafen die Stenographie im Allgemeinen und die Vorzüge seines Systems im Besonderen. Wie alle Erfindungen, so ist auch diejenige der Kurzschrift dem Streben zu verdanken, mit möglichst wenig Aufwand an Zeit und Kraft möglichst viel zu leisten. Ein Blick auf die historische Entwickelung der Ltenographie zeigt, daß dieselbe in Deutschland ziemlich spät (1834 durch Gabelsberger) ihren Anfang nahm. Bis dahin behalf man nch nut fremden Systemen. Die Nachtheile der Gabelsberger Schnell- f$nft, nämlich die im Interesse der Kürze eingetretene Vernach- laisigung der Rechtschreibung und sprachlichen Zniammensetzung, sowie die Silbennnterdrückung wurden zuerst von Stolze erkannt und beseitigt. Dadurch aber wurde das Auswendiglernen der sogenannten Lieget (Wörterverzeichnisse mit den Ausnahmen von der Regel und Abkürzungen) nothwendig. Diese mühsame Arbeit beseitigten die Neu- nolzeaner, jedoch aus Kosten der Kürze. Auch bildete die von ihnen emgeführte Dreizeiligkeit der Schrift eine neue Schwierigkeit. Herr Tams wies dann an zahlreichen Beispielen nach, wie die Eng- Schnellschrift mit der bis jetzt sonst unerreichten Kürze die größte Zuverlässigkeit und leichteste Erlernbarkeit verbindet. In der dem Vortrag folgenden Besprechung nahm zunächst Herr Rcdacteur Kronsbein das Wort, um Herrn Dams in so ziemlich allen seinen oufgefteUteu Behauptungen zu widerlegen. Er ist als Jünger Gabelsbergers von der Großartigkeit, der Genialität und dem inneren Werthe des Systems feines Meisters überzeugt und verleiht dieser Ueberzeugung begeisterte Worte. So wurde noch lange hin und her gestritten, wie das immer zu gehen pflegt, wenn in öffent-
Nachdruck verboten.
Soziale Wirre», Polizeiwesen und StadLverwaltnng zu Wiesbaden im vorigen Jahrhundert.
Von Hy. Schüler.
(Original-Aufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt".) in.
(Schluß.)
Die höchst mangelhaften Polizeianstalten der Stadt veranlaßten 1757 den Fürsten Karl zur Einsetzung eines provisorischen Polizeigerichts, das durch fürstliche Resolution vom 12. Juni 1769 in eine ständige Polizei-Deputation, bestehend aus einem fürstlichen Polizei-Jnspector, dem Stadt- oberschultheißen, dem Land-Commissar als bcrathenden Mitgliedern, dem peinlichen Gerichts-Actuar als Secrctär und Registrator, dem Stadtschnlthcißen und zwei Rathsfreunden als Beisitzern und zwei Polizisten als ansführendcn Organen, umgewandelt und der Direction des Rcgierungs- rathes von Schwarzenau unterstellt wurde. Dieses mit uneingeschränkter Gerichtsbarkeit ausgcstattete Collegium fand sich allwöchentlich mindestens einmal vollzählig auf dem Rathhause zusammen, um die auf Zucht und Ordnung ab- zielendcn Verfügungen zu erlassen, der Zufuhr von Lebensmitteln die Wege zu ebnen, sie auf Güte und Angemessenheit der Preise zu untersuchen, kurz, „nebeu dem Nützlichen und Angenehmen alles das in Vollzug zu setzen, was zur Aufnahme des Bades und zur Zierde der Stadt gereichen" konnte. 1812 wurde ans dieser Polizei-Deputation eine Polizei-Direetion, deren Wirkungskreis die „Bestimmung des Dienstverhältnisses und des Dicnstwirkungskreises des
sicher Versammlung einem bestimmten System der Kurzschrift das Wort geredet wird. Es war nur zu bedauern, daß die Ausführungen der Redner, die immerhin zur Klärung der Ansichten beantragen vermögen, vor einem verhältnißmäßig kleinen Zuhörerkreis gemacht wurden. Nach dem gespendeten Beifall zu schließen, schien Herr Kronsbein der einzige anwesende Jünger Gabelbergers zu sein; die übrigen hier am Ort ebenfalls vertretenen Systeme sanden keinen Vertheidiger.
= Dio Ziehung der Nöthen Kreuz Geld-Lotterie mußte der vielen Lotterien wegen, um den Loosabsatz vollständig herbeiführen zu können, laut amtlicher Bekanntmachung des Herrn Regierungs-Präsidenten einige Zeit verschoben werden. Die Ziehung der Lotterie zum Besten weiblicher Epileptischer wurde ebenfalls verlegt.
— Käreuffrifch, ein hierzulande nur den Feinschmeckern bekanntes Gericht, kam heute Morgen in frischem Zustande int städtischen Accise-Amte zum öffentlichen Ausgebot. Für 11'/, Kilogramm wurden übrigens nur 9 Mk. 50 Pf. erlöst, ein Preis, welcher im Vergleich zu dem ebenwerthigen Hirjchfleisch ein ungewöhnlich billiger ist.
P.-B. Diebstähle. Auf der Kronen-Brauerei wurde einem Brauer ein Geldbetrag von über 100 Mark gestohlen. — Einem jungen Manne wurden gestern Abend von einem Frauenzimmer 30 Mark entwendet.
- o- Krsttzwechfel. Herr Rentner Georg Haberkern hat 37 Ar 97,50 Quadratmeter Acker „Weiherweg" 2. Gewann für 22,785 Mk. oder 600 Mk. per Ar an die Herren Albert und Reinhold Lat ter mann, Maurer, hier verkauft.
— Die Darunzen-Lists für Militär-Anwärter Uo. 4L liegt an nuferer Expedition Interessenten unentgeltlich zur Einsicht offen.
Stimme» aus dem Publikum.'')
* Die Direction der hiesigen Straßenbahnen hat, wie bekannt, die Einrichtung getroffen, daß nach Schluß der Theater-Vorstellung ein Danipfbahuzttg nach Biebrich und ein Pferdebahnwagen nach dem Nerothal fährt. Es ist hierdurch jedoch nur einem kleinen Theil des Publikums gedient; letzteres würde der Direction sicherlich dankbar sein, wenn dieselbe veranlassen wollte, daß ein Pferdebahnwagen vom Theater durch den oberen Theil der Wlhelmstraße, Kranzplatz, Langgasse und Kirchgasse fahren würde. Dieser Vorschlag ist um so leichter ausznfiihren, als ein direkter Schienensttang hierzu vorhanden ist. Es wäre hiermit den Bewohnern der genannten, sowie der angrenzenden Straßen, wie Schwalbacher- und Dotz- beimerstrahe Gelegenheit geboten, bis in die Nähe ihrer betreffenden Wohnungen fahren zu können. Als Fahrpreis wäre derselbe wie Krauzplatz-Bahnhöse zu berechnen (— 10 Pf.). Hoffentlich wird die Direction diesem Ansuchen bald Folge leisten.
Provinzielles.
— Erbenheim, 21. Oct. Begünstigt vom schönsten Wetter fand am vergangenen Sonntag das Abtnrnen des hiefigeit Tum- Vereins statt. Unter zahlreicher Betheiligung wurde in zwei Stufen geturnt. Die Uebungen erstreckten sieb auf Freiweit-, Freihochsprung, Stemmen und Steiiistoßeu. AIS beste Leistungen sind zu verzeichnen: Stemmen 10 Punkte, Freihochsprnng 9'/- P. und Freiweitsprung 9 P. Folgenden Turnern wurden Preise zugesprochen: 1. Stufe der 1. Preis Heinrich Stent, 2. Pr. Heinrich Schön, 3. Pr. August Göbel, 4. Pr. Heinrich Göbel, 5. Pr. August Stahl und 6. Pr. August Thiels. II. Stufe der 1. Pr. Philipp Quint, 2. Pr.
*) Es sei bemerkt, daß wir Stimmen aus dem Publikum im Allgemeinen nur dann aufnehmen, wenn die betreffenden Einsender sich unserer Redaction gegenüber namhaft machen. Anonyme Einsendungen können keine Berücksichtigung finden. D. R.
Polizei-Dircctors für die Stadt Wiesbaden" vom 17. April 1812 (Verord.-Dl. No. 15) präcisirt. Nach manchen Veränderungen und versuchsweisen Einrichtungen setzte in Ausführung des Gemcindcvcrwaltungs-Gesctzcs vom 12. Dezember 1848 die herzogliche Regierung einen 1857 zum Polizei- Director ernannten Polizei-Commissar ein nnd gab ihm 1 Scribenten für den inneren, 1 Polizei-Sergeanten und 4 Polizeidiener für den äußeren Dienst bei. Seitdem wurde der Geschäftskreis dieser Behörde ein so umfangreicher, daß schon Anfangs des Jahres 1866 ein Hilfspersonal von 1 Assessor, 1 Secretär und 2 Schreibern für den inneren nnd 1 Wachtmeister mit 10 Sergeanten für den äußeren Dienst als unzureichend bezeichnet wurde. In der damals ca. 30,000 Seelen zählenden, jährlich von 40—50,000 Fremden besuchten Stadt wurden von der Polizei (1865) bereits über 1000 Strafen erkannt, 960 Forstfrevel ge- theidigt, über 1000 Personen zur Haft gebracht, 130 aus- gewicscn, 300 zur Abreise veranlaßt, 1300 Aufenthalts- Gesuche begutachtet, 12,240 Aufenthalts-Karten und 700 Pässe ausgestellt, 300 Baugesuche geprüft, 494 Mobilien- Versichernngs-Gesnche bearbeitet, 1920 Requisitionen auswärtiger Behörden und 2090 Ausschreiben und Umfragen erledigt.
Die Neuorganisation des Polizeiwesens im Jahre 1812 hatte auch die Aufhebung der städtischen Jurisdiction und die Neorganisatiou des Stadtrathes zur Folge. Die Stelle des Stadt-Oberschultheißen ging ein. Die niedere Gerichtsbarkeit wurde dem Amt, die freiwillige der Landes-Ober- schultheißerei übertragen. Ein Stadt-Schultheiß mit dem Titel Stadt-Amtmann wurde Leiter des Stadt-Vorstandes, dem 12 RathSherren (einst Schöffen, dann Rathsfreunde genannt) und 2 Stadt-Vorsteher angehörten. Der Stadtrath war theils als Collegium thätig, theils wurden die einzelnen, als Inhaber von Ehrenstellen unbesoldeten Mitglieder nach
Pcter Stein und August Hömberger, 3. Pr. Georg Roos. Eine gemächliche Abeudunterhaltuug mit Tanz beschloß den Tag auf die würdigste Weise.
O Kochst rt. M., 21. Oct. Ein Gegenstück, aber im Kleinen, zu den Vorgängen bei dein Millionsten Besucher der Frankfurter Ausstellung, spielte sich vorgestern bei dem Erscheinen des Tau send st en Fremden in der hiesigen Frcmden- Herderge ab. Er wurde feierlich bewillkommnet und seitens des Herbergsvaters frei bewirthet und logirt. Da die Herberge erst drei Monate im Betriebe ist, so muß die durch den tausendsten Besucher documcutirte Frequenz als eine erhebliche bezeichnet werden.
* Limburg, 2(. Oct. Die Stadtverordueteu-Ver- s a m m l u it g wählte einstimmig Herrn Bürgermeister Schlitt wieder. Zum 1. Beigeordneten wurde Herr Gastwirth I. B. Hilf, als 2. Beigeordneter wurde Herr Ingenieur Kanter gewählt. — Das bischöfliche Ordinariat hat betreffs der Feier beS 50 = j übrigen Priester-Jubiläums des Herrn Bischofs an den Klerus ein Anschreiben erlassen, und verordnet, daß am Vorabende des Festes, am 3. November, von 5 bis 6 Uhr und desgleichen am folgenden Tage von 11 bis 12 Uhr ein Festgeläute in allen Pfarr- und Curatickirchen stattfinde, am darauffolgenden Sonntage aber das Hochamt mit Te Deum und Ertheilung des sakramcntalischen Segens abgehalten werde.
* Limburg, 21. Oct. Im bischöflichen Amtsblatt wird das neue Pensionsgesetz für die Pfarrer der Diöcese Limburg veröffentlicht. Danach erhalt jeder cmeritirte Pfarrer eine Jahres- pension von 1200 Mk. in Onartalraten postnnnierando. Ist ein Pfarrer, dem Pension zuerkannt wird, mehr als 15 Jahre im kirchlichen Dienst, dann erhält er für jedes weitere vollendete Dienstjahr hinaus eine Pensions-Zulage von 30 Mk., jedoch im Ganzen nicht über 600 Mk. Zulage, so daß die Gesanimtpension die Summe von 1800 Mk. nicht übersteigt. Ebenso wird das Pfarr - Rest - Einkommen der Pfarrer geregelt, welchen wegen Kränklichkeit ein Hilfsprediger beigegeben werden muß.
=#= Personal-Nachrichten. Nachdem Herr Kreis-Landmesser Groll zu Höchst a. M. zur Ausführung und Ueberwachnng der geometrischen Arbeiten bei den Main-Canalistrungsbanten bestimmt worden, derselbe daher die Kreis-Landmesscr-Geschäfte in dem Catasteramtsbezirk Höchst nicht mehr wahrnehmen kann, so ist der Herr Cataster-Controleur Leinweber zu Höchst a. M. vorläufig mit der Ilebernahme der Kreis-Landmesser-Geschäfte in seinem ganzen Amtsbezirk betraut worden.
— Ans der Umgegend. Ein junges Mädchen ans Worms wurde int Eisenbahnwagen auf der Fahrt zwischen Frankfurt und Mainz irrsinnig. Nachdem sie Handschuhe und Schirm zum Fenster hiuausgcworsen hatte, suchte sie selbst hinanszuspringen, konnte aber glücklicher Weise noch zurückgehalten werden.
In der alten Mainzergafsc in Fra nkfurt a. M. hat eine Köchin einen 13-jährigen Knaben mit Schwefelsäure bespritzt, weil das Kind sie geneckt hatte. Die entstandenen Verletzungen an Brust, Armen und Händen sind erheblich. Die Untersuchnug ist eüigeleitet.
In St. Goar ist in feierlichster Weise und unter Theilnahme des Krieger-, des Schützeü- und Männergesang-Vereins sowie der Capelle des Königin Angusta-Regiments ans Cobleuz das Zwci- Kaisei-Deukmal enthüllt worden.
Die znm Schutz gegen Hochwassergefahr von der hessischen Regierung in Aussicht genommene Regelung der Rheindämme nach einem einheitlichen System soll nun in aller Kürze zur Durchführung kommen.
Die Fran des Professors Moleschott, deren beklagenswcrthes Ende gemeldet wurde, ist eine geborene Sophie Strecker (nicht Stucket) aus Mainz und war nahezu 62 Jahre alt. Sie ist Glied einer Mainzer angesehenen Fabrikanten-Familie nnd hat sich 1849 mit Moleschott, der damals Privat-Doceut in Heidelberg war, in Mainz verhcirathet.
In Heddesheim an der Bergstraße wurde am Sonntag bei der Kirchwcihe ein junger Bursche im Streite erstochen.
ihren individuellen Fähigkeiten und mit Rücksicht auf ihre bürgerlichen Verhältnisse zur Besorgung der einzelnen Geschäftszweige der städtischen Verwaltung herangezogen. Als Collegium beschloß der Stadtrath unter dem Vorsitz des Stadt-Amtmanns nach absoluter Stimmen-Mehrheit über: Aufstellung des Budgets, Abhör der Stadt-Rechnungen, Be- nntznng städtischen Eigenthunts, Aufnahme von Bürgern und Beisassen, Conseriptionen, Aufstellung der Gewerbesteuer» Cataster, Verwendung städtischer (Selber bis znm Betrage von 5 fl., über vorzntrageude Wünsche der Bürgerschaft bei herzoglichen Behörden. In allen diesen Angelegenheiten war der Admiuistrativbeamte an die Beschlüsse des Stadtrathes gebunden nnd nur die Regierung war befugt, Abänderungen zu treffen. Dagegen unterlagen den collegialischen Beschlüssen nicht, sondern waren nach dem Erinessen des Chefs der Stadtverwaltung von einzelnen Rathsherren zu besorgen bezw. zu überwachen: das Einquartierungswesen und die Magazinverwaltnng in Kriegszeiten, das Servicelvesen in Friedenszeiten, die Tag- und Nachtwache, das Botenwesen, die Feldöconomie, Feld- und Feuerpolizei, Aufsicht auf Brunnen, Bäche, Wege, Stege, Stein- und Sandgruben, das Bauwesen der Stadtgemeinde, das Forstwesen, die Güter- Taxaiionen, die Führung der Hypotheken- und Conlraeten- biicher, die Aufstellung statistischer Nachweise 20. — Den Vorstehern stand es zu, gegen die Beschlüsse nnd Verfügungen des Stadtrathes Ausstellungen zu machen, die, waren sie vor dem versammelten Rathscollegium persönlich vorgebracht, der Regierung zur Entscheidung unterbreitet werden mußten. Welcher Umschwung der Zeiten und Verhältnisse! Mitte des vorigen Jahrhnnders waren die Vorsteher gleich Null. 1767 baten sie den Landesfürsten, ihnen einen Tisch zu erlauben, damit sie ihre Unterschriften nicht knieeud vor einer Bank vollziehen oder einen Gerichtsverwandten vom Tisch anfstehen heißen müßten; es sei, bei dem Mißtranen der Bürgerschaft
