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Abend-Ausgabe.

Wiesbadener Sagblatt.

39. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: <Hn Wiesbaden und den Landorten mit Zweig- fcrpebitionen 1 Mk. 50 Psg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für bas Vierteljahr.

Verlag: Langgasse 27.

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Korales.

(Nachdruck der Originalcorrespondenjen nur unter d-utlii er Quellenangabe gewaltet.) Miesbadrn, 16. October.

Kandesban» Inspektionen. Nach einem Beschlüsse des Communal-Landtages werden vom 1. November d. I. ab für den Bezirksverband des Regierungsbezirks Wiesbaden acht Landcsbau- Jnspectionen je mit dem Sitze in Wiesbaden, Idstein, Diez, Monta­baur, Dillenburg, Frankfurt a. M., St. Goarshausen und Rcunc- rod eingerichtet. Vom 1. November 1891 ab stehen diesen Landes- bau-Jnspectionen folgende Beamte vor: 1) der Jnspcction Wies­baden der Landesbauinspcctor und Bauraty Herr Fischer daselbst; 2) der Inspektion Idstein der Landesbauinspcctor und Bauratb Herr Wagner daselbst; 3) der Inspektion Diez der Landesbau- inspector Herr.Wlnkclmann daselbst; 4) der Inspektion Montabaur der Landesbauinspcctor Herr Leon daselbst; 5) der JnspectionDillenburg der Landesbauinspector Herr Wolff daselbst; 6) der Inspektion Frankfurt a. M. der Landesbauinspector Herr Wernecke daselbst; 7/ber Inspektion St. Goarshausen der Landesbauinspector Herr Eschen­brenner daselbst; 8) der Inspektion Rennerod der Landesbauinspector Herr Scherer daselbst.

+ Nassauisch» Krandoerstcherungs-Anstalt. Alle die­jenigen Häuscrbesitzer, welche die Eingehung neuer Versicheruitgeu oder die Erhöhung, Aufhebung oder Veränderung bestehender Ver­sicherungen vom 1. Januar 1892 an bezwecken, haben zum Zwecke ordnungsmäßiger Fortführung der Braudkataster die desfallsigen Anträge bei den Herren Ortsbürgermcistern zu stellen, welche dieselben ois zum 6. k. M. dem Landesdirectorium einzurcicheii haben. Gleiches hat zu geschehen, wenn eine Klassenändernng der Gebäude beab­sichtigt wird. Wir wollen die Gcbäudcbesttzer zur Vermeidung späterer Weiterungen und zur Abhaltung von niöglichcn Verlusten auf diese Bestimmungen auch hier Hinweisen.

In letzter Zeit häufig wie-erkrhrrn-rKrschWerden aus unserem Abonnentenkreise über verspätetes Erhalten desWies­badener Tagblatt" oder das gänzliche Ausbleiben desselben, haben uns veranlaßt, dem Trägerpersonale nicht nur größte Pünktlichkeit erneut einzuschärfcn, sonderil in den einzelnen Fällen genaue Prüfungen der Klagen vorzunehmen. Diese Untersuchungen sind nun fast durchgängig von negativem Erfolge gewesen, denn es hat sich selten eine Vernachlässigung der Pflichten der Tagblattboten nachweisen lassen. Die Klagen sind demnach nicht den Trägern zur Last zu legen, sondern müssen durch andere Ursachen begründet fein. Diese letzteren können vom Verlage nur daun verfolgt und beseitigt werden, wenn die verehrlichen Abonnenten selbst die Mähe nicht scheuen, den Urhebern jener Verdrießlichkeiten nachzuspüren und sie event. zur Kenntniß des Verlages zu bringen, damit derselbe die in solchen Fällen gebotenen Schritte thun kailn. Denn offenbar ist es, daß dasWiesbadener Tagblatt" von Unberufenen, sofern es erreichbar, weggenommen oder, deutlicher gesagt, gestohlen wird, aus welchen Gründen, mag vorläufig dahin gestellt bleiben.

Das naturhistorische Museum in der Wilhclmstraße ist von letzt ab für die Dauer der Winter-Monate geschlossen.

* Der St. Gallrrstag, der 16. October, der Todes­tag des Stifters des Klosters St. Gallen, der am 16. October 646 starb, der soll uns noch die letzte schöne Herbstwitterung bringen.Auf Sanct Gallentag man den Nachsommer man erwarten mag," so sagt der Landmann. Der Winter steht vor der Thür, aber ehe die Natur in den Winterschlaf völlig versinkt, soll sie uns noch einmal am Sanct Gallustag ein freundliches Gesicht zeigen. Aber ge­rade weil noch schön Wetter ist, solle» iwt uns, ehe der

Freitag, den 16. Oktober

kalte Winterwind sich meldet, einernten, was man nur kann. Daher der Bauernspruch:Galles, schaff hämm Alles" oder:Auf St. Gallentag muß jeder Apfel in den Sack." In Ostfriesland und im Oldenburgischen darf der Volks­meinung nach am Gallustage nicht gesäct werden und Kinder, die drei Tage vor oder nachher geboren sind, werden Stifte oder Nachtwandler. Natürlich hat dieser Volksaber­glaube nichts mit der historischen Persönlichkeit des heiligen St. Gallus zu thun. Vielmehr ist dieser geheimnißvolle Glaube wohl dadurch zu erklären, daß die Spatherbstzeit mit ihren tosenden Stürmen, dieser oft erschütternden ge- heimnißvollen Sprache in den Lüften, die Zeit, in welcher der Sommer mit dem Winter ringt, in alten Zeiten für eine zauberische galt.

* Mrva» fitr sitzende Mrnsihenstinder. Ein Mitarbeiter derKöln. Volksztg." schreibt: Jeder, der seine Arbeit am Schreib­tisch oder am Pult erledigen muß, weiß aus Erfahrung, welche uach- thciligen Folgen die mehr oder minder zusammengekauertc Haltung auf unseren Schrcibitühlen für den Körper hat. Der Blutumlaus wird gehemmt, cs giebt kalte Füße und heiße Köpfe, krumme Rücken und einen hohlen Brustkasten, und der Druck auf den Unterleib entwickelt mit den Jahren den schönsten Hypochonder. Kein Wunder, denn die vorhandenen Sitzvorrichtuugen sind wohl geeignet zum Ruhen obwohl unsere vierbeinigen Stühle mit den fast senk­rechten Rücklchnen anch keine bequeme Ruhehaltung gestatten, nicht aber zu einer gesundheitsrnäßigen Schreibhaltuug. Dcimeuigen, der hier Wandel schafft, gebührt wohl der Dank aller Leideus- aenossen. Nun, dieser Dank kann abgestatlet werden, denn der hygienisch richtige Schrcibstuhl ist erfunden. A. Schindler in Basel hat einen Stuhl hergestellt, der in der That allen Anforderungen genügt. Das Einknicken der Beine fällt weg, der Körper wird in eine gestreckte Haltung gebracht, alle Glieder erfreuen sich voller Freiheit auf diesem Sitze. Er besteht aus einem gußeisernen Fuße, auf dem sich ein sattclartiger, sinnreich eingerichteter Sitz bewegt, der es gestattet, ihn als Stehsitz bei völlig gestrecktem Körper zu benutzen, so zwar, daß die Beine durch die Unterstützung bis zu einem gewissen Grade entlastet werden, ohne daß sie ihre gerade Haltung cinbüßen. Mit einer geringen Bewegung der Beine hebt sich der Sitz rückwärts nnb man sitzt vollkommen. Man kann beit Stuhl stunbenlang ohne Ermüdung benutzen, er gestattet jede Aenderung in der Haltung; man kann freistehend, halbfreistchcnd und sitzend arbeiten, ohne daß man denselben verlassen und daran hantircn müßte. Er ist ein Erlöser von allen Sitzleiden.

= Mr» inrtzerst wosttferles Karomrter bildet nach einer neueren Beobachtung eine Tasse reinen Kaffees,' in die man ein Stück Zucker gleiten läßt. Sammeln sich die ansteigenden Luftblasen in der Mitte der Tasse, so wird schönes Wetter eintreten. Vertheilen sie sich gleichmäßig über die ganze Oberfläche, so ist veränderliches Wetter zu erwarten. Bilden dagegen die Blasen einen Ning oder ziehen sie sich auf die eine Seite, so deutet dies auf bevorstehendes Negenwetter.

-o- Absturz. Gestern Nachmittag ist der 16 Jahre alte Dachdecker-Lehrling Louis Ernst von Mosbach, bei Herrn Dachdeckermeister W. Wagner hier beschäftigt, von dem Dache des dreistöckigen Klcin'schen Neubaues an der Ecke der Stift- und Pageustecherstraße ab gestürzt. Daß der Junge nicht todt auf dem Platze blieb, sondern nur leichtere Verletzungen davon trug, hat er dem glücklichen Zufalle zuznschreiben, daß er in einen Mörtelhaufen fiel. Er wurde zwar sofort in das städtische Krankenhaus ver­bracht, hatte aber keinen Augenblick die Besinnung verloren und klagte nur über Schmerzen im rechten Fuß und im Rücken, die auf Verstauchungen zurückgesuhrt werden.

1891.

Tminusbttrk." Das trotz seines kurzen Bestehens bereits zu einem der beliebtesten Ansflngspnukte Wiesbadens gewordene EtablissementTannnsblick" bei Station Chausseehaus bleibt, wie uns der Besitzer, Herr A. Meier, mittheilt, auch während des Winters geöffnet, was allen Freunden einer romantischen Winter­landschaft, sowie den verschiedenen Ausfluglern, Gesellschaften rc. eine höchst willkommene Botschaft sein dürfte. Die Reftanrations- Localitäten haben durch Hiuznuahmc her Raume im ersten Stock­werke noch eine bedeutende Erweiterung erfahren, so daß es an einem gemuthlicheu Aufenthaltsorte nicht fehlen wird.

Gin Zchwindlcrpaar, das nicht nur die hiesige Geschäfts­welt im großen Style zu betrugen, sondern auch in der Gesellschaft über fein wahres, den dunkelsten Regionen eigenes Wesen eine Zeit laug zu täuschen verstand, wird nun von der hiesigen Staats­anwaltschaft verfolgt. Das bctr. Ansschreibcn tautet:Gegen den Walther Fabio Parry-Grcinger, geboren 12. Dezember 1858 zu Erding, und die Charlotte Michael ans Hamburg, welche flüchtig sind, ist die Untersuchungshaft wegen Betrugs verhängt. Es wird ersticht, dieselben zu verhaften und in das Landgerichts-Gefänguiß zu Wiesbaden abzuliefern." Es handelt sich um hohe Stimmen, welche die Beiden hier, in Frankfurt und anderen Städten in be­trügerischer Weise tl.eils in Gasthöfen, theils in Piltz- und Con- fectionsgeschäften als Schulden contrahirten, obgleich sie vollständig inittellos waren. Auch falsche Wechsel soll das saubere Paar/ das sich fälschlich als verheirathet ausgab, in Umlauf gesetzt haben.

* Ausländer und der preußische Zchulrmang. In Bezug auf die Frage, ob die in Preußen wohnenden Ausländer dem preußischen Schnlzwange ntiterworfen sind, eine Frage, welche von den Gerichten erster uub zweiter Instanz bisher verschiedenartig beurtheilt wurde, hat der Strafsenat des Kammergerichts als höchster Gerichtshof für die Landes-Strafgesetzgebung anläßlich eines concreten Falles eine nuiiniehr maßgebeude Entscheidung dahin gefällt, daß die preußische Versassungstirkuitde den Schulzwang nur den preußischen Unterthaneu auferlege.

* Zotdutenkinder. Gelegentlich seiner Untersuchungen über die Ursachen der Gewichtsschwankungen der Kinder im Säuglings­alter liiachte, wie man derT. R." schreibt, Dr. Schniid-Monard in Halle die Wahruchmung, daß auf die körperliche Entwickelung der Nach­kommenschaft der Militärdienst des Vaters einen beinerkenswerthen Einfluß hat. Es zeigte sich zunächst, daß unter 2700 gesimden Kindern im Alter von 130 Monaten, die theils aus Frankfurt am Main, theils aus Halle an der Saale stammten, immer obenan im Gewicht die Kinder kräftiger Leute standen. Dabei machte sich aber noch der wesentliche Unterschied geltcnb, daß die Kinder ge­dienter Väter einen bedeutend größeren Brustumfang hatten als Die übrigen. Daß diese Eigenschaft die Entwickelung des Kindes be­sonders begünstigt, iubem ihm dadurch zugleich anch eine größere Widerstandsfähigkeit gegen inancherlci schädigende Einflüsse zu Theil wird, ist klar. Ein Vergleich der Kinder von Frankfurt uub Halle veranschaulicht diese Wahrnehmung noch mehr. Es ergab sich näm­lich, daß in Frankfurt am Main, wo erst nach der Anucclirung die allgemeine Wehrpflicht eingeführt ist, die Kinder einen Brustumfang haben, der weit unter dem wünschenswerthen Mittel steht. In Halle dagegen, wo dic Wehrpflicht schon viele Geschlechter beeinflußt hat, ist das Brnstmaß ein bedeutend größeres. Allerdings mag hierbei auch der verschiedeucn Stammesherkuuft noch eine beein­flussende Rolle zukommen.

£oljnerl)i>l)ituß. Sämmtliche Arbeiter der deutschen Eisenbahnen erhalten laut einem Mmisterial-Erlaß vorn 1. d. M. eine Zulage von 10 Pfennigen pro Tag mit Rücksicht auf die Theueruugs-Verhältnisse.

P.-B. Diebstähle. Aus einem Geschäft am Michelsberg wurde ein Stück baumwollener gelbgestreifter Kleiderstoff von 25 Metern Länge gestohlen. Verschiedcite Arbeitskleider wurden in der ver­flossenen Nacht aus einem Neubau entwendet.

Einige Erinnerungen an Hoffmann von Fallersleben.

(Original-Feuilleton für dasWiesbadener Tagblatt".)

(Schluß.)

Hoffmann von Fallersleben eignete sich zu einem rechten luäi magister, wie die alten Römer die Kinderlehrer nannten, d. h. zu einem Lehrer, der den Kleinen das Wissen, das sie nöthig hatten, spielend, nebenher beibrachte. Ach, er wußte, welche Qual er bereitet, wenn in den kleinen Kopf fremdartige und abstrakte Dinge hineingestopft werden, Qual dem Lehrer und Schüler! Er, der bei deutschen Männern, wie E. M. Arndt und den Brüdern Grimm, in die Schule gegangen war, der Germanist von reinstem Wasser, wie klagt er über diedeutschen Affen" und über die armen geplagten Schüler. Ich kann es mir nicht Ver­lagen, folgende derbe Strophen den Herren Stockphilologen citiren:

Wenn sic Lateinisch nur verstehn Und Griechisch noch daneben, Und ob sie auch zu Grunde gehn Für's sociale Leben.

Latein und Griechisch immerfort Die schönsten Lebensjahre!

Wie Viele bringt der Sccleumord Vorzeitig auf die Bahre!"

Und an anderer Stelle redet er den Plato ironisch an: Du hast nur Griechisch verstanden, Latein verstandest Du nicht

O weiser, göttlicher Plato, Du bist ein armer Wicht! Mit aller Deiner Weisheit, Was könntest Du bei uns fein? Ein Unter beamtet höchstens. Du verständest ja kein Latem."

So geschrieben 1842 und 1843! Heute, nach fünfzig Jahren, weht der Wind anders. Hätte Hoffmann das noch erleben dürfen! Er würde sich selbst die längste Schcere ge­kauft haben, zum Zopsabschneiden.

Aus dem eben Erwähnten geht hervor, daß Heinrich Hoffmann, so lieb und herzlich er gegen die Kinder war, auch grimmig scharf und satirisch gegen Andere sein konnte. Namentlich gegen die Zopfträger. N., eine Kleinstadt, barg solcher genug. Namentlich die Jndnstriebarone waren unge­heuer steif in jeder Beziehung. Im Casino zu N., dem Sitz des Philisterthnms, wie er meinte, zog er über dasselbe los. Ob der AusdruckN'er Sonne" für den in N. in Großem hergestelltenKartoffel-", tesp. Traubenzucker" von ihm herrührte, weiß ich nicht. Aber ich weiß, daß er Hiebe nach allen Seiten austheilte, dafür aber auch welche empfing.Hergelaufener Pro­fessor", diesen Titel, den man ihm gab, wandte er mit Vorliebe ironisch selbst an. Man machte ihm sogar zum Vorwurfe, daß er sich den Namen seines Geburtsortes zu­legte.Wat nennt sich von Fallersleben!" sagte der N'er Philister.Dal es nix als Grnßhanzerei!" meinte ein anderer, ein Tabakbaron. Man konnte nicht begreifen, daß der einfache, schlichte Mann, nur nm sich von den anderenHoffmännern", die ja wie der Sand am Meere sind, zu unterscheiden den Zusatz sich erlaubte. Wer ge­glaubt hätte, derHoffmann" hätte sich dadurch demHof­mann" nähern, d. h. adelig scheinen wollen, der würde ihn schwer beleidigt haben. Trotzdem verhinderten die Nörgeleien den Dichter nicht, N. öfter, wie schon gesagt, aufzusuchen. Er wohnte dann gern bei einem der großen Cichorien- fabrikbesitzer, der ihn sehr freundlich aufnahm.

Dort pflegte er seinen Freunden von den Irrfahrten zu erzählen, die den größten Theil feines Lebens ausfüllten. Denn verkannt wie von der engeren Umgebung wurde

Heinrich Hoffmann auch von weiteren Kreisen. Schuld daran war seine allzugroße Offenheit. Derfreie" Schweizer, Gottfried Keller, in manchen Stücken mit Heinrich Hoffmann vergleichbar, hat uns imMartin Salauder" die weise Lehre gegeben:Es ist nicht nur für den höheren Staats­mann, sondern anch für den Volksmann zweckmäßig, moralische Aufrichtigkeiten zu unterdrücken." Leider wahr für Den, der schwach ist. Hoffmann gehörte nicht zu Denen. Als nach König Friedrich Wilhelms III. Tode ein frischer Luftzug wider den Absolutisinus erwartet wurde, erschienen Hoffmanu'sUnpolitische Lieder". Unpolitisch im wahren Sinne des Wortes, d. h. unklug, weil zuviel Frcimuth aus ihnen redete. Die Folge war, daß der Dichter seines Amtes als Professor der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Breslau entsetzt wurde und achtzehn Jahre hindurch (18421860) ein unstütes Wanderleben führte. Diese Zeit aber wurde für sein Schaffen die fruchtbarste. In den ersten Jahren gewann die Verbitterung in ihm die Oberhand, und er schleuderte eine Auahl Liedsammlungen in die Welt hinaus, welche dem theilweise sehr berechtigten inneren Grimme, der den Mann der deutschen Wahrheit erfüllte, Luft machten. Die Titel der Bändchen:Maitrank" (aller­dings bitterer),Schwefeläther",Hoffmann'sche Tdopsen", Spitzkugeln" zeugen vom Inhalte. Allmählich wurde er ruhiger. Patriot blieb er bis zum letzten Athemzuge, deutsch durch und durch; und sein Herrgott, an den er wie alle deutschen Männer fest glaubte, hat ihn nicht verlassen. Er hat ihm die tiefe Schmach des Vaterlandes unter dem fremden Gewaltherrscher gezeigt und ihn die zwei Menschen­alter dauernde Elenderei des deutschen Bundes durchleben lassen. Schließlich aber durste auch der Greis noch den Aufschwung des furor germanicus schauen, die Reichs­gründung erleben und seinKaiserlied" (Wer ist der