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Serie 2 ». Oktober 1891.

Wiesbadener Tagblatt (Abeud-Ansgabe). Verlag: Langgasse 27.

Dieiistag Abend 9 Uhr von Theerbude aus erfolgte, liegt folgende Drahtmeldnng aus Trakebnen vor: Bei der gestern Abend 11,'i Uhr von hiesiger Station mittelst Sonderzugs erfolgten Ab­reise des Kaisers nach Berlin hatte sich trotz der späten Stunde auf dem festlich illuminirten Bahnhöfe und in seiner Umgebung eine dichtgedrängte Menge angcfammelt, tvelche Se. Majestät mit jubelnden Zurufen begrüßte. Als der Kaiser, nach Besteigen des Salonwagens, in der Thür desselben sich zeigte, stimmte das nach Tausenden zählende Publikum die Nationalhymne an. Der Kaiser, Welcher von dieser spontanen Kundgebung sichtlich bewegt erschien, hörte die erste Strophe der Hymne an, worauf sich der Zug unter brausendem Hochrufen in Bewegung setzte.

* Der Kaiser imd König Milhelm von Württemberg. DerWürttemb. Staats-Anzeiger" veröffentlicht folgendes Telegramm des Kaisers an den König Wilhelm:

Tief erschüttert durch die Todesnachricht beeile Ich Mich, Dir, Deiner Gemahlin und Deinem gesammten Volke Meine aufrichtigste Theilnahme auszudrückcn. Einer der Mitstifter des Deutschen Reiches, der Genosse meines theucrn Großvaters, ist nicht mehr. Ich komme persönich dorthin, um Meinen Antheil an der Trauer Württembergs zu bethätigen. Mögest Du in Deinem neuen Amt mit Gottes Beistand für Dein Volk und unser deutsches Vaterland segensreich wirken. Meiner wärmsten Freundschaft und innigsten Zuneigung bist Du allezeit sicher." Die Antwort des Königs lautet:Die Worte, welche Du an Mich gerichtet, haben Meinem schwergebengten Herzen unendlich wohlgethan. Ich bin immer der großen Verantwortung, welche Gott Mir auferlegt, bewußt, und hoffe Mein Amt mit Seiner Hilfe zum Wohle des gemeinsamen deuffchen Vaterlandes und Meines Landes ausznfüllen. Ich fühle Mich gestärkt durch die wohlwollende Gesinnung, welche Du Mir, wie immer, auch jetzt kundgieblt. Ans tiefer Ucberzcngung stehe Ich wie seit Jahren als Glied der preußischen Armee zu dieser und jetzt als deutscher Regent fest und treu zu Kaiser und Reich."

* Der Thronwechsel in Württemberg. Des neuen Königs Manifest wurde Mittwoch durch Extrablätter allgemein verbreitet. Die Königin Charlotte ist Vormittags aus Nachöd cin- getroffen und vom König empfangen worden. Eine große Menschen­menge hatte sich vor dem Bahnhof angcsammclt und begrüßte ehr­furchtsvoll das Königspaar. Auf Wunsch des verewigten Königs ist feilt Leichnam secirt worden, aber das Protokoll hierüber wird nicht veröffentlicht werden. Die Einbalsamirung wurde Dienstag vollzogen, und die irdischen Ueberrcste des Königs werden in einem geschloffenen Sarkophag von Donnerstag Nachnnttag an zur allge­meinen Besichtigung ausgestellt. Das Begräbniß findet am Freitag statt, und der Leichenzug wird sich über den ganzen Schloßplatz, den Königsbau entlang, bewegen. Der Heimgegangene König Karl ruht auf seinem Bett im Sterbezimmer, nut einen: einfachen weißen Hemde angethan. Seine Augen sind geschlossen und eine erhabene Ruhe prägt sich in den milden Zügen aus, seine Hände sind über der Brust gefaltet. Rings um das Bett stehen Blattpflanzen, und auf demselben liegt ein Strauß weißer Blumen von der Königin Olga. Am Fuß des Sterbebettes ist ein großes Blumenkreuz in Weitz und vtolett vom Kaiser niederaelegt. Nächsten Sonntag findet in der Liederhalle eine vom Liederkranz veranstaltete große Todteufeicr statt.

* Kaustrhaudet. Vor Kurzem ist eine Verordnung über Beschränkung des Hausirhandels veröffentlicht worden. Wie nach­träglich bekannt wird, ist dem bezüglichen Ministerial-Erlaß eine sehr umfassende Erhebung voraugegangen, um den Umfang kennen zu lernen in welchem Handel und Industrie durch den Handel im Umherziehen eine Schädigung erfahren haben. Mau hatte sich dabei befouders mit der Frage beschäftigt, wie sehr dabei dem Be- dürfniß, nameutlich der ländlichen Bevölkerung, von dem Hausir- ? anbei Nutzen zu ziehen, Rechnung zu tragen ist. Die jetzt vorge- d)riebenen Einschränkungen des Hausirhandels dürften den An­sprüchen der ländlichen Bevölkerung freilich einige Uubequemlich- tnten bereiten, doch glaubt man, daß der jetzt erzielte Schutz vor Uebervortheilung immerhin eine Entschädigung dafür bietet.

* Herlitt, 8. Oct. Genügender Stoff für ununter­brochene Plenarsitzungen des Reichstages wird, wie man an maßgebender Stelle glaubt, wen» nicht schon am 10. November, mit Ablauf der Vertagung, doch etwa eine Woche später vorhanden sein, und der Präsident des Reichs­tages, Herr v. Levetzow, nimmt daher an, daß die erste Sitzung etwa 17. November stattfinden kann. DieKreuz- Zeitung" bringt die Nachricht, cs sei begründete Aussicht vorhanden, daß auf Veranlassung Caprivi's demnächst gegen Bleichröder in Sachen des ihm von dem anti­semitischen Schulrcctor Ahlwardt zugeschriebenen Meineides bas Verfahren von Neuem werde ausgenommen werden. Dieser vermeintliche Meineid soll in einer Alimcntations- sache geleistet worden sein.

* Rundschau im Reiche. In Gotha ist dem Militär in Anerkennung seiner tüchtigen Leistungen beim Kaisermanöver der Zapfenstreich von 9 ans/dO Uhr Abends verschoben worden. Der Export-Ausweis des amerikanischen Consulats in Ammberg im Erzgebirge eoustatirt im abgelaufenen Quartal eine Mehr­ausfuhr nach Amerika von etwa l/,Mill. Mk. Den Haupt- antheil haben Posamenten und Spitzen mit mehr als 1 Mill. Mk.

Unlängst lief durch die Blätter die Nachricht derRheiu.-Westf. Ztg.", daß gegen den Bahnmeister Düpmanu eine Disciplinar- Umersuchuug eingeleitet sei. Derselbe halte, wie berichtet, in einer Fachzeitschrift öffentlich nach seiner langjährigen Erfahrung das Urtheil abgegeben, daß von allen Schienen, die ihm vorkamen, die Bochumer die schlechtesten gewesen seien. Jetzt berichtet dieKöln. Volksztg.": Bahnmeister Düpmanu hält fein Urtheil hi Sachen der Bochumer Schienen entschieden auf recht. Von einer Diseipliuirung von Amtswegen ist ihm nichts bekannt. Die Tarif--Unterhandluiigen der Buchdrucker, die am Dienstag und Mittwoch in Leipzig geführt wurden, sind, wie wir erfahren, gescheitert. Die Gehilfen bestanden auf der Bewilligung des neunstündigen Arbeitstages, die Prinzipal-Vertreter lehnten diese Bewilligung natürlich ab. Infolge besten erklärten die Vertreter der Gehilfe», nicht weiter verhandeln zu können. Die Folge davon war, daß die Prinzipal-Vertreter auch die bereits bewilligte fünf- procentige Lohnerhöhung zurückzogen. Der Reichs-Anzeiger" veröffentlicht das Privilegium für die Stadt Dortmund zur Annahme einer Anleihe von 7,800,000 Mk. Der deutsche Wirthe -C ougreß in Stuttgart beschloß bezüglich des Trunffucht- Gesetzes eine Eingabe an den Reichstag des Inhalts, die Conccssions- Ertheilnng für neue Wirthschafteu solle reichsgesetzlich geregelt werden. Das Trunksuchts-Gesetz sei nicht ganz verwerflich, nur die Para­graphen 6 bis 10 müßten, als das Wirthsgewerde schädigend, nebst den entsprechenden Strafbestimmungen gestrichen werden. Der Allgemeine evangelisch-protestantische Missions-Verein eröffnete in Bremen seine 7. Jahresversammlung mit einem Festgottesdieuste im Dome, bei welchem Prediger Lie. Dr. Kirmß aus Berlin vor einer äußerst zahlreichen Gemeinde die Predigt hielt.

Ausland.

* Oesterreich-Uttgartt. Dcr Prager großindustriclle Baron Leitenberger erhöhte die auf die Ergreifung des Rosenthaler Attentäters ausgesetzte Prämie aus eigenen Mitteln um weitere 2000 Gulden.

* Frankreich. Das vom Cultusminisier Falliöre 8 an die französischen Prälaten gerichtete Rundschreiben lautet: Herr Bischof (Erzbischof)! Sie kennen die bedauerlichen Zwischen­fälle, die zu Rom im Verlauf der sogenanntenPilgerfahrten der französischen Arbeiter" stattgefunden haben. Sie haben allzusehr Gefühl für die Jutereffeu der Nation, als daß Sie nicht, wie ich, denken follteu, daß alle Behörden des Landes vermeiden müssen, in Kundgebungen bloßgestellt zu werden, die leicht ihren religiösen Charakter verlieren können. Ich habe folglich die Ehre, Sie ein- znladen, sich für den Augenblick jeder Theiinahme au diesen Wall­fahrten zu enthalten. Genehmigen Sie 20.

DerSiecke" bemerkt dazu:Wir können dieses be­deutende, nüchterne, bündige, lapidare, wahrhaft französische Schriftstück nicht genug loben. Da ist keine behördliche Phrasenmacherei; das ist eine gute Regierungssprache, und wir wünschen, daß die Minister niemals eine andere Sprache reden oder schreiben möchten." Die König in von Serbien, welche Dienstag in Paris eintraf und bei ihrer Schwester, dcr Fürstin Ghika, absticg, reist in einigen Tagen nach Biarritz weiter.

* Italien. Der Abgeordnete Rossi überreichte der Kammer eine Interpellation anläßlich der Vorgänge vom 2. October, worin er verlangt, den niederen Klerus vom Vatikan unabhängig zu machen und ihn so zu nationalisiren. Ferner verlangt die Interpellation die Beseitigung des Garantie-Gesetzes. Unter der Spitzmarke:Das Pantheon im Interdikt?" schreibt man denMünch. N. N." aus Nom: Die Intransigenten des Vatikans suchen Leo XIII. zu be­wegen, daß er jede gottesdienstliche Handlung im Pantheon suspcndire, gestützt auf die Reden, welche darin gehalten wurden, und das wüste Treiben, das als eine Entweihung aufzufassen sei. Ich glaube, Leo XIII. werde sich lauge besinnen, ehe er sich dazu entschließt; denn damit würde er einen Fall schaffen, dcr schwere Folgen nach sich zöge. Als die Minister dem König Humbert bei dem Tode seines Vaters sagten, die Nation wünschte, daß die Leiche Victor- Emanuels in Nom bliebe, da antwortete er:Ihre For­derung hat zwei Seiten, eine politische, über die Sie urtheilcn mögen, und die andere, welche die Familie, mich allein, an­geht. Nun wünsche ich durchaus, daß die Ucberreste meines Vaters in einem geweihten Tempel ruhen." Es wurden Uuterhandlungcn mit Pius IX. angeknüpft, dcr darein willigte, daß die Leiche im Pantheon beigesetzt würde unter der ausdrücklichen Bedingung jedoch, daß das Grab, die Kränze und der Schmuck überhaupt keine Inschrift oder keinen Zierrath hätten, welcher irgendwie das Papstthum verletze» könnte. Bisher kam man dieser Vedingnng ge­wissenhaft nach. So gelangten zum ersten Male italienische

er es auch in einer etwas wilden Anordnung auf einander folgen ließ. Freilich hatte er noch keine Ahnung, daß sich der eigcnthümliche Gast nur für die gastronomische Ent­behrung stärkte, die ihm das unvermeidliche Gefängniß bald wieder auferlegcn würde. Aber auch davon hatte dieser glatte Kellnerfrack keine Ahnung, daß ein Genie sich stets seine Wege sucht, selbst wenn diese vom Apfelmeubes zum Hummersalat führen. Sch. v. B.

Irritable Suggestionen."

Daß Hexen und andere Schwarzkünstler auch heutzutage noch ihr Unwesen treiben und ganz den Zeitverhältnissen entsprechend jetzt sich hochmoderne Mittel, wie den Hypno­tismus, für ihre unheilvolle Thütigkeit zu Nutze machen, lehren einige Fälle, die, wie Dr. E. Frank derAllg. Wiener Med.-Ztg." mitthcilt, int hypnotischen Laboratorium der Pariser Charitff zur Beobachtung kamen. Im ersten Fall Handelte es sich um ein 18-jähriges Mädchen mit einer auf hysterischer Grundlage beruhenden Contractur des rechten Armes. Mittelst Hypnose behandelt, ist die Kranke schon am vierten Tage genesen. In der folgenden Nacht jedoch wird sie plötzlich stumm. Alle möglichen Versuche, dieses neue Leiden durch Suggestion zu beseitigen, schlagen fehl. Gk schriftlich um Aufklärung zu fragen, fiel Niemand ein; schließlich kommt aber Einer auf den Einfall, daß fei' Kranke unter dem Einflüsse einer Suggestion, die früher einmal von irgend wem auf sie ausgcübt wurde, stehen könne. Da ein guter Hypnotiseur jedoch nie­mals verzweifelt und auch durch Jnscenirnitg eines deiner. Schwindels fein Ziel zu erreichen weiß, so wurde wie'oe' hypnonsiri imd im Zustande desluciden Somnam­bulismus" ihr suggerirt, die Person, welche das Leiden

hervorgerufcn, stehe vor ihr. Die Rolle des unbekannten Missethätcrs übernimmt ein Zuhörer. Die Kranke zeigt in ihrem Gesicht sofort den Ausdruck des Entsetzens und der höchsten Angst. Der angebliche Missethäier suggerirt ihr jedoch mit lauter Stimme, sie sei von jetzt ab ganz gesund und siehe da, sie wurde redend. Dieses junge Mädchen war die Tochter eines Mannes, der auf seinem Dorfe als Zauberer ein gewisses Ansehen genoß. Als sie gegen den Willen des Vaters nach Paris in den Dienst ging, rief ihr dieser zum Abschiede wüthend die Worte zu:Von heute ab wirst Du immer krank sein, und Niemand sonst als ich wird Dich heilen können." Wiewohl bis dahin gesund und niemals hysterisch, machte dieser väterliche Fluch einen so tiefen Eindruck auf das zarte Mädchen, daß es schon nach einigen Tagen die Contractur am Arme besaß. Von dieser geheilt, wirkte der Fluch des Vaters weiter, sie wurde bald stumm. Als nun derfuggerirte" Vater ihr verzieh und seine Verwünschungen ganz zurückzog, da genas sie auch vollkommen. Ein zweiter Fall ist ebenso interessant. Eine 27-jährige Frau bietet das Bild eines schweren hysterischen Anfalls. Früher mit allen möglichen Arzneien behandelt, wird sie durch Hypnose schnell geheilt. Die Ursachen ihres Leidens blieben allerdings etwas räthsel- haft, jedoch Nervosität und Hysterie bringen ja bekanntlich Unglaubliches fertig. Nach kurzer Zeit kommt sie mit dem­selben Leiden wieder und gesteht nun nach eindringlichem Nachfragen, daß sie sich vor Jahren in ihrer Heimath von einem Weibe behandeln ließ, welches allgemein als Hexe galt. Als sie der Frau einmal kein Geld mehr geben wollte, sei diese sehr böse geworden und habe ihr zugerufen, sie werde von jetzt ab stets krank fein und kein Arzt werde sie heilen können". Diese wiederumöeritable Suggestion" in wachendem Zustande war also ebenfalls von Erfolg be-

39. Jahrgang. No. 243.

Fahnen in das Pantheon und bei der Feier des erftd Jahrestages verhinderte die Geistlichkeit sogar, daß bl Katafalk mit den Standbildern der großen italienisch! Städte geschmückt würde. Die Einstellung des Gottesdiens» wäre eine sehr ernste Maßregel, welche Repressalien nal sich ziehen könnte. Es ist warscheinlich, daß man sich, ul den Intransigenten eine Genugrhuung zn gewähren, ntj einem Sühne-Triduum begnügen wird.

* Großbritannien. Parnell, welcher Mittwolf um Mitternacht in Brighton starb, war seit Freitag af einer Erkältung bettlägerig. Das gemeldete Gerücht v» einem Selbstmord scheint sich nicht zu bestätigen. De Tod des ersten Lords des Schatzes und Führers der Conseß vativeu im englischen Unterhause, W. H. Smith, nimmt dcy Interesse der politischen Kreise Londons ausschließlich ij Anspruch. Der Verlust desselben wird von allen Partcie bedauert, denn der Verstorbene war auch bei seinen politische i Gegnern sehr angesehen und beliebt, lieber die Person de Nachfolgers von Smith hat noch keine Bcrathung ftat gefunden. Sicher ist, daß dessen Tod wichtige Veränderungen im Cabinet zur Folge haben wird. Für das Wahrschein lichste gittjehie Ersetzung durch den gegenwärtigen Staats fecretär für Irland, Lord Balfour, lieber die Beifetznn des Verstorbenen sind noch keine Bcstimmnngen getroffen

* Spanien. Eine nmfassiendc Verschwörung ist i mehreren großen Städten Spaniens, wie Barcelona, Saragossa un Cartagena entdeckt und infolge dessen eine größere Anzahl von SB et ' Haftungen vorgenommen worden. Da sich unter den Verhaftete! viele Offiziere befinden, liegt die Annahme nahe, daß es sich un die Vorbereitung eines jener militärischen Pronuiiciamientos hau beite, an welchen die politische Geschichte Spaniens so reich ist Barcelona, wo ein großes Waffeu-Depot aufgefunden wurde, schein der Mittelpunkt der geplant gewesenen Erhebung zu sein. Di reichste Stadt Spaniens hat allerdings keinen Mangel an politiß und sonst unzufriedenen Elementen, und es gingen in beit letzt« Monaten wiederholt Gerüchte um, welche von dortigen Anzeich« revolutionärer Minirarbeit wissen wollten. Als treibende Kraft wurden einmal die in den östlichen Jndustriebezirken besonders fiar vertretenen Socialisten und dann wieder die Republikaner Zorrilla'l genannt. Man erinnert sich des ettva vor Monatsfrist in Barcelon« bei helllichtem Tage während eines Jahrmarktes ausgefährtei räthselhaften Anschlages auf eine der großen Kasernen und "der Auf regung, welche dieser Vorfall hervorgerufen. Man lvar damall geneigt, dte Schuld den Zorrillisten zuzuschieben, welche die Ver dächttgung jedoch mit größter Entrüstung zurückwieseu. Die jetz vorliegende Meldung wird unzweifelhaft mit jenem Vorfälle ir Barcelona in Verbindutrg gebracht werden und möglicherweise $ui Lösnng des Rätlffels führen.

* Rußland. Wie dieBörsett-Zcitung" erfährt, siul die Reichs-Ei nu ahmen auch im Juli derart befriedigend/ daß der Ueberschuß der Eiunahmen über die Ausgaben pei 1. August immer noch 15 Millionen betrug. Wie bii Moskauer Zeitung" hört, sind für Korn zur Bestcllnnl dcr Felder in den Nothstauds-Gouvernements ca. 20 Mil lionen verausgabt worden. Zur Verforgung der Noch leidenden mit Brod sind 100 Millionen erforderlich. DerStandard" erhalt aus Odessa die Nachricht, daß n dcr Umgegend von Bakum Tausende von Bauern Hunger! sterben. Aehnliche Berichte liegen aus anderen District» vor. Aus Warschau wird derN. Fr. Pr." gemeldch daß in der Ortschaft Zawiercie infolge der Erhöhung d« Brodpreise Excesse entstanden sind. Ungefähr 500 Arbeite! rotteten sich zusammen und zertrümmerten Thüren uni Fenster der Kaufläden und Bäckereien. Zahlreiche Bäckei wurden mißhandelt und Einer derselben so stark, daß ai dessen Aufkommen gezweifelt wird. Die Excedcnten wer trieben die Sicherheitswache, welche Ruhe und Ordnung wieder Herstellen wollte, und befreiten ihre festgettominene«» Genossen. Erst nach Eintreffen einer Sotnie Kosaken nahmen die Tumulte, denen 12 Kaufläden und 5 Bäckereien zum Opfer fielen, ein Ende.

* grrbirn. Exkönig Milan ist Vjieber flott. Mit Ge­nehmigung solvoh! der russischen als ter serbischen Regierung ha! die Petersburger Commerzialbauk ihm zwei Millionen Fraucj zn drei Procent und einhalb Procent Jahramortisaticm vor>! gestreckt. Als Sicherstellung bieser Summe wurde» beim Beb grober Stadtgericht mehrere Krongüter ans obiges Institut intabulirt

* Amerika. Rach demConfectionär" ist für die Chicagoei Weltausstellung jetzt ein Garantiefoubs von 16,100,000 Dollars Vorhauben.

* Australien. Auf einigen Inseln der Neu-Hebriden ff ein Krieg unter den Stämme» am.gebrochen. Die Menschen treffeni soll infolge dessen wieder sehr im Schwange sein.

gleitet. Man leitete nunmehr auf Grund dieser intcressantci Aetiologie eine neue Suggestivbehaudlnng ein, und feil Kranke genas vollkommen wohl zum großen Aergei feer Hexe.

Nach feen jüngsten Wahlen in's österreichische Abgtz ordnetenhaus erzählte man sich in Wien folgende Geschichte Einem Candidaten, der sich um ein Mandat in GaUziei bewarb, berichtete man, ein Herr Soundsou bekämpfte feil- Candidatur mit allen möglichen Mitteln. Darauf sagte fee Abgeordnete:Was kann ich da thun? Es wird ihn scho! der Schlag treffen!" Und siche fea, schon Tags daran meldete man dem Abgeordneten, fein Feind habe that sächlich der Schlag getroffen. Man lachte damals in Wiel über diesen Witz. Heute aber nach den wunderlichsten Ent bedungen auf dem Gebiete der Hypnose und des thierischcl Magnetismus werden Viele auch diesen Fluch als eine - veritable Suggestion" ansehen, welche unter Umstände! ebenfalls von den besten Erfolgen begleitet fein kau« Also und das beherzige Jeder Schimpfen uni Fluchen kann die traurigsten Folgen nach sich ziehen. Un eingedenk dessen schließen wir schleunigst, denn sonst könnte! noch einem Leser die unwilligen Worte entschlüpfen:Ma sich der Schreiber selbst zum Teufel schceren!" und da Unheil wäre da.

Kunst, Wissenschaft, Literatur.

* Gprr und Musik. Es siebt wenig Lieber, die, bei leichv Siugbarkeit, mit Empfindung vorgetragen, von so durchschlagend Wirkung sind, als bas kürAich bei Carl Grümnger in StnttgaH erschienene:Grüßt mir bas blonbe Kinb aiu Rhein", compouW von A. Spiller. Die schöne Aurftattung unb der billige PE von 70 Pf. machen dasselbe auch vorzüglich als Geschenk geeigNI Johann Strauß hat ben Antrag erhalten, nach Amerika F gehen, um im Laufe des Winters 50 Coneertc zu birigiren, toofl