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Abend-Ausgabe.

WikMenkr TilgM

39. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

AZMOO AvouurnLett

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bczngs-Prcis: In Wiesblidcn und den Landorten nut Zweig- Expeditionen 1 Mk. 50 Pfg., dnrch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.

Auzeigtn-Preisr

Die einspaltige Pctitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Neclamcn die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

N-. 339.

jocale».

r$a<6btud der Origttwkcorrelpondcnzcn nur unter deuinzcrQuellenangabe gellattet.)

Miesbadrn, 6. October.

-o- Seine Durchlaucht der Fürst Giiuther von Schmarrburg-Sonrershause» ist gestern Abend hier ein­getroffen und hat, wie auch früher, in „Villa Nassau" Wohnung genommen. Der hohe Gast unterzieht sich bei Herrn Dr. Mczger einer Massagckur, wie er sie in den letzten Jahren wiederholt mit Erfolg gebraucht hat.

— Da» Dechtsduch des „Mieobadenrr Tagblatt", die bekannte, zwanglos wiederkehrende, ebenfalls unentgeltliche Sondcr-Veilagc unseres Blattes, enthält in seiner No. 7 einen Aussatz: „Neber Prozeßkosten und über die Mittel zn einer möglichst billigen Nechtsverfolgung" und „Das Wildschaden- Gesetz Dom 11. Juni 1891." Diestlbe wird der nächsten Morgen- Ausgabe beigcsiigt fein.

* Kunstgewerbe. Mehrere vortreffliche photographische Ausnahmen in verschiedene» Gröben und verschiedener Auffassung hat Herr Phothograph K. Schipper jr„ Nheinstraße, von dem jüngst in hiesiger Stadt weilenden Bischof von Limburg, Herrn Dr. Klein, angesertiat. Die Photographien dürsten in den nächsten Tagen durch die Buchhandlungen zu beziehen sein, worauf wir fpccicll unsere katholischen Leser aufmerksam machen.

x Unfall Nerfircherimg. Seit Inkrafttreten der llnfall- Versichcrnngs- und diesbezüglichen Ausdehnungs-Gesetze tritt die | segensvolle Wirkung derselben für die arbeitenden Klassen immer mehr zn Tage. Leugnen läßt sich nun allerdings nicht, daß die ein­zelnen GcsktzcS-Destimmungen zum Oeftercn sehr complicirter Natur sind und dadurch bei der praktischen Durchführung ein manchmal schwerfällig gehendes und langsames Verfahren geschaffen wird, bei welchem das Prinzip: „Wer schnell hilft, hilft doppelt", leider bis jetzt noch nicht zu seiner vollen Geltung gelangt ist. Jur die von einem Unfälle Betroffenen bilden aber iene vielen, den Laien schwer | verständlichen Gesetzes - Bestimmungen, welche bei etwaigen Ent- schädianngS-Ansprüche» zu beobachten sind, grobe Schwierigkeiten, f Die Mehrzahl der Arbeitnehmer kennt diese Bestimmungen säst gar nicht oder nicht genau und dadurch steht oftmals die Entschädigung nicht im richtigen Verhältniß zu der entstandenen Erwerbsnnsähigkeit. s Es sind in dieser Beziehung schon viele Klagen laut geworden, meistens jedoch auf das eigene Verschulden der Verletzten und deren Angehörigen znrnckznsühren, welche die Geltendmachung ihrer An­sprüche in gesetzlicher Weise unterließen. Diesem Uebelstände dürste für die Zukunft wohl abgeholfen sein, wenn die Betheiligten sich der höchst zeitgemäßen Einrichtung eines „Geschäfts- und Anskuufls- Vüreaus für Unfall-Angelegenheiten" bedienen, welches der frühere Geschäftsführer der Scction III der Hessen-Nassauischen Baugcwnks- Bernssgcnosscnschast, Herr Heinrich Morasch, seit 1. Oclober dahier errichtet hat.

* Alters- nnd Invaliditats-Gcsrtz. Es ist zur Kennt- niß der Behörden gekommen, daß Arbeitgeber, ehe sie die Oniltungs- karte für die Juvaliditäts- und Alters-Versicherung mit Marken versehen, das Feld für die Marken mit einem Vermerk oder Stempel bezeichiien, um einen späteren Nachweis für das Einkleben der Marken erbringen zu können. Dieses Verfahren ist nach § 108 des Gesetzes vom 22. Juni 1889 unzulässig und wird nach 8 151 desselben Gesetzes mit Geldstrafe bis zn 2000 Mk. bezw. 6 Monate Gesängniß geahndet. Eine solche Zuwiderhandlung unterliegt be­reits zur Benrtheilung der Staatsanwaltschaft.

- An» Sporlkreisen wird uns geschrieben: Bei dem am Lonntag vom Wiesbadener Nadfahrvereiu adgehaltenen Velocipeb- Wcttreiinen erhielt Herr Ang. Oesterling sämmtliche erste Preise. Ocsterling war seinen Gegnern weit überlegen, denn er gewann.

Dienstag) den 6. Getoüer

1891.

trotzdem er 100 Meter vorgeben mußte, bei allen drei Rennen, tote er wollte und fuhr stets, seine Gegner mehrere hundert Meter hinter sich lassend, als erster durchs Ziel. Die Rennen hätten sich inter­essanter gestaltet, wenn Oesterling auch nur einen annähernd eben­bürtigen Gegner gehabt hätte. Dies war jedoch nicht der Fall, da die Rennen nur für Mitglieder des obigen Vereins offen waren und wird auch Oesterling im Radfahrverein so schnell teilten Gegner finden, der ihm den 1. Platz streitig machen kann. Oesterling fuhr 5000 Meter in 10 Miu. 28 See. und ist die Zeit eine gute zu nennen, da er bereits das ganze Rennen führte.

A Das VMckcrr des Obstes wird gewöhnlich zu den Tageszeiten vorgcnonimen, an denen die meiste Zeit übrig ist, oder aber, wenn gerade Bedarf vorhailden ist. Das ist jedoch durchaus falsch. Jede Art von Obst, gleich­viel ob Beeren, Stein- ober Kernfrüchte, sollte nur in den frühesten Morgenstunden gepflückt werden. Zn dieser Zeit sind die Früchte am frischesten, saflreichsten und schmack­haftesten; diese Eigenschaften vermindern sich im Laufe des Tages und auch am Abend sind sie nicht in dem Maße vorhanden, wie am Morgen. Die große Menge welken Obstes, das auf die Märkte kommt, zeigt, wie wenig die Nothweiidigkeit bekannt ist, das Obst Morgens zu ernten. Wer aber einen Versuch damit gemacht Hat, wird nie mehr davon abgehen. In der gesummten Natur tritt am Abend eines jeden Tages eine Erschlaffung ein. Der Mensch ver­mag sich durch künstliche Mittel frisch zn erhalten, beim Obst ist dies nicht der Fall.

— Das Anffpringkn auf einen im Fahren befinblMjeit Dampf-Straßenbahnwagen ist strafbar und kann unter Umständen neben dem Schaden des Poitemouuaies auch dem Köiper des Be­treffenden Nkachtheil bringet. Einem junge» Manne, der am Montag Nachmittag jenes Kunststiiek versuchte, hat dasselbe mir den erst­erwähnten Schaden gebracht, indem er von dem betreffenden Be­amten zur Anzeige gebracht und bestraft wurde.

(*) Specht nnd stink Nahrung. ES ist eine bekannte Thatsache, daß der Specht von den Jusekten lebt, welche sich tu den Stämmen unserer Wald- und Obstbaume aushalten. Es ist eine Luft zu scheu, ivie er aus der eineu Seite bett Stamm mit seinem harten Schnabel aiihämmert und dann geschwind hinubcrläust, mit nachzuseheit, ob auf der entgegeitgesetzlen Seite Käfer oder bereit Larven, die sogenannten Holzwürmer, herauslaufe». Hat er ver­möge seiner seinen Sinueswerkzenge bestimmt entdeckt, daß ein Baumstamm oder ein Ast von Larven bewohnt ist, so hackt er Löcher in dieselben, um seine Beute heratisznholen. Bisher glaubte man allgemein, der Specht ließe sich bei seiner Suche nach Nahrung mir von dcm Geruchssinn leiten, und es giebt naturaeschichtliche Bücher genug, welche behaupten, der Vogel bohre mir Bäume an, die auch wirklich von Kerbthieren angefressen seien. Daß diese An­nahme irrig ist, davon kann sich der Besucher der Frankfurter Ausstellung in der Abtheiluiig für „Deutsches Reichspost- toefen" überzeugen. In derselben befinden sich zwei Abschnitte von Telegraphenstangen, welche vom Specht angebohrt sind. Ei» beigegebetter ausgestopfter Buntspecht macht auf die Thatsache aus- merksam. Das Holz ist vollsländig gcstind also tourmfrei, und der Specht liefert somit selbst de» Beweis, das er sich von seinem Gehör leiten läßt. Wird nämlich dcr Telegraph in Tbätigkeit gesetzt, so theilt sich das klopfende Geräusch, das durch das Schließen und Unterbreche» des elektrischen Stromes bedingt ist, auch der Leitung und ihren Trägern, den Stange», mit, und der Specht beginnt fein Werk, auch toemt es, ivie bei bett ausgestellten Probe», nutzlos ist. Wie sein aber muß sein Gehör fei», mit ein Geräusch wahrzunehme», das für unsere Organe überhaupt nicht besteht, das wir nur mit guten Hilfsmitteln feststellen können.

-o- Unfall. Aus dem gestern Abend 6'/« Uhr vom Rhein- bahnhof nach Langeuschivalbach abfahrcndeu Zuge sprang unmittelbar nach der Abfahrt ein Arbeiter, der mit der Rhciiibahn nach seinem Heimathsorte wollte, irrthümlicher Weise aber in den Langen- schwalbacher Zng gestiegen war. Er wurde seinen Jrrthum erst gewahr, als der Zug sich schon bewegte und suchte nun durch einen Sprung aus dem Zuge der Beförderung nach einem falschen Be­stimmungsort zu entgehen. Dieser Sprung hatte aber verhängniß- volle Folgen, beim der Betreffende erlitt einen Schädelbrnch und andere Verletzungen am Kopfe, u. A. ist eilt Ohr schwer beschädigt. Der Verletzte verlor gleich nach dem Aufsiuden die Besiuttung nnd wurde mittelst Tragkorb nach dem städtischen Krankeuhaiise verbracht, wo er heute Morgen noch ohne Besinnung war. (Der Verunglückte ist der 51 Jahre alte ledige Schreiner Heinrich .Hiels aus Geisenheim.)

= Kesttzwkchstl. Herr Briefträger Peter Thomas hat fein an der Waldstraße belegenes Wohnhaus nebst angreuzeudem Acker zum Preise von 13,000 Mark an Herrn Joh. Conradi hier verkauft. — Das Haus des Herrn Schmidt-Casella, Elisabethenstraße 19, mit Garten und Zubehör, ging durch Kauf für die Stimme von 80,000 Mk. in den Besitz des Herrn I. Ehr. Glücklich über. — Herr Maurermeister und Bamiuternehmer A. Grün hat fein Haus Nicolasstraße 28 für 149,000 Mk. an Herrn Weinhciitdler Paul Wollweber hier verkauft. — Herr Bürgermeisterei - Secretär Otto Mäntel verkaufte feilt Haus Platterstraße 21 an Herrn Marmorschllifer Anton Decker.

Ucrelns - Nachrichten.

-ss. Die launige Dame „Natur" hat zwar nicht immer die Ge- pflogenheit, bei Sonntags-Ausflügen und festlichen Veranstaltungen ihre Sonne hierzu auch huldvollst lächeln zu lassen. Doch sie scheint dem „Beamten" aiiffallenbe Sympathie entgegen zu bringen, denn sie stellte im vergangenen Sonntag einen ihrer prächtigsten Herbst­tage dem hiesigen „Bezirks-Beamteu-Verein" zur Verfügung, welcher in den Räumen des „Hotel zum Taunus" in Biebrich eine gemein­schaftliche Familieu-Zusammenkunft veranstaltete. Eine süchtige Musik-Capelle und humoristische Darbietungen aller Art versetzten bald die katim zu bergende Zahl der Besucher in die heiterste Stimmung. Unter dem vielen Gebotenen müssen wir die geradezu künstlerischen Leistlingen des Herrn A. erwähnen, der mit seinem schönen Talent berciilvilligst den genannten Verein unterstützte. Ferner überraschte der an der Festlichkeit theiliiehmende „Verein der Staatsbahn-Civil-Supermimerare" von hier mit der vortreff­lichen Wiedergabe zweier rcizenben Cböre nnd erntete für seine wohl- aelungencit Vorträge unter der Leitung des Herrn N. wohlverdienten Beifall. Wir wünschen diesem jungen Verein, welcher hier zum ersten Male an die Oeffcittlichkeit trat, Glück, daß er neben seinen ernsten Bestrebungen sich auch den Sinn für die Pflege des Liedes bewahrt. Schließlich wurde auch der Tanzlust der uitumgängliche Tribut gezollt, und erst zu später Stunde führte das Tanipfroß die loohlbefriedigteu Festgenossen von bannen, die erfüllt waren mit aufrichtigem Dank für die genußreichen Stunden und der fröhlichen Gcniigthuung, daß der „Bezirks-Veamten-Verein" eine neue Perle in de» schönen Kranz seiner Veranstaltungen eingerciht habe.

Skimme» ans -em pnbtillnm. *)

* In der No. 227 des „Wiesb. Tagblatt" befindet sich eine „Stimme", eine Klage über Unregelmäßigkeit iin Leeren der Äahn- hofs-Vrieskasten. Diese Klage entbehrt der Begründung. Die an

*) ES sei bemerkt, daß wir Stimmen ans dem Publikum im Allge­meinen nur bann aufnehmen, wenn bie betreffenben Einsender sich unserer Rebaction gegenüber namhaft machen. Anonyme Einsenbuugcn können keine Berücksichtigung fiiibeu. D. N.

Nachdruck verboten.

SoziaLe Wirre«, Polifeirvesen itnlr Stadtverwaltung fit

Wiesbaden im vorigen Jahrhundert.

Von HH. Schüler.

^Original-Aufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt.")

II.

(Schluß.)

Da diese Vorladung den Beklagten jedes Handeln in der Sache bei Strafe von zehn Mark löthigen Goldes unter­sagte, so konnte von einer Neubesetzung der Aemtcr nicht Mehr die Rede sein. Und doch mußte Etwas geschehen, wenn die ganz ungenügend bediente Stadtverwaltungs- Maschine nickt plötzlich still stehen sollte. Nach vielem Kopfzerbrechen kam man auf die Idee, eine „Vacanz- Deputalion" von vier bis fünf Bürgern einzusetzen, ohne diesen die Würden der Dispensirtcn beizulegen oder sie in Eid und Pflicht zu nehmen. Doch auch das war leichter beschlossen als ausgeführt, da die von dcm Oberschultheißen aus dem Anhänge des Stadtgerichts als geeignet Bezeich- "«en, theils aus Furcht vor Verletzungen, theils ans Oppositionsgelüste die Wahl ablchnten, die von der Gegen­partei Vorgcschlagenen aber keine Gnade fanden vor den « ‘fer grldstslzen Gerichtsmitglieder. Wie sehr der ^auernstoiz sich srtmais hier ausgeprägt fand, läßt so recht aeren gutachtliche Acnßernng über die von ihrem äBtier» Part Vorgeschlagencn erkennen. Da war zunächst „Tobias : ^schwitz" mit neun lebendigen Kindern, welche er ~on seinem Bäcker-Handwerk ernähren muß; er bc- ll»et weiter Nichts als sein Haus und etwa einen Wen Morgen an Weinbergen, mithin würde es

sein größter Ruin sein, wenn er zu einem solchen Amt, das viel Zcitvcrsäumniß mit sich bringt, gezogen würde. Der Zweite, Michael Beycrle, ist ein Schröpfer und be­sitzet außer seinem Badhaus nur ein Paar Feldstückcr, da­bei soll er des Schreibens und Nechnciis gar schlecht er­fahren fein, weiß auch über das als fremder Ankömmling (Hargeloffener) von dem Stadtwesen gar wenig und ist des Feldwesens ebenso unkundig. Der Dritte, Heinrich Knefeli, hat ebenfalls nichts als sein Badhaus nebst einem Paar Ruthen Weinberge und muß davon wie von dem Schröpfen, gleich dem Vorigen, sich ernähren, welche Profession in Bekleidung eines solchen Amts als anstößig und unanständig dem publica in die Augen fällt. Der Philipp Bender, als der Vierte, hat gar keine Zeit über ein öffentliches Amt zu versäumen, indem, wann er sich ernähren will, der Schmiedhammer sich täglich und stündlich brav in seiner Hand regen und wenden muß; auch hat er nicht einmal ein eigenes Haus. Bei dem Fünften, dem Seiler Michael S., ist der Anstand, daß er eine con- traete Frau und dadurch viel Hauskreuz hat, zu geschwcigen, daß die Kircheu-Seniores ihn als einen Collegen recusiret, weil er ein Spitz-Arbeiter fein soll. Wir finden also unter allen Diesen keinen Einzigen, der in Ansehen des Ver­mögens und der übrigen Qualitäten diesem Amt tüchtig vorstehen könnte.

Aber auch auf der anderen Seite fehlte es in diesem Wahlkampfe an „üblen Nachreden, empfindlichen Be­schuldigungen, Pasquillen" und dergleichen nicht, und es glichen die Gasthäuser „Zum Löwen" und „Zum Anker" den Hauptquartieren zweier feindlichen Heerlager, von denen aus ein eifriges Werben unter derjenigen Einwohnerschaft stattfaud, die noch nicht Farbe bekannt hatte.

Um den Wirrwarr zu vervollständigen, legte sich auch die Geistlichkeit in's Mittel, bis ihr Fürst Carl unter'm

16. November 1753 fein Mißfallen darüber auSdrückte, daß sie diese „politischen" Vorgänge zum Gegenstände der Er­örterungen bei den sonntäglichen Predigten mache, durch Parteinahme die Gemüther beunruhige oder zu schädlichen Factionen verleite und durch die ad facta specialia ge­haltenen Strafreden die Neutralen in der Erbauung ihrer Seelen störe.

Die Langmnth des Fürsten schien endlich erschöpft, da er gleichzeitig dem Oberamtmann den Befehl zugehen ließ, die Versammlungen und Wirthshausgelage der Parteien nicht länger zu dulden und gegenseitige Verunglimpfungen und Zunöthigungen zum abscheulichen Exempel der Ruhe­störer mit den schärfsten Geld-, Freiheits- und Leibesstrafen zu ahnden.

Waren es diese scharfen Maßnahmen, oder kühlte der kalte Winter die erregten Gemüther in Etwas ab? Genug, es folgten einige Monate der Waffenruhe. Doch mit Beginn des Frühjahrs 1754 eröffneten die „Dispensirten" den Feldzug von Neuem dadurch, daß sie — mit Ausnahme eines Einzigen, dem im letzten Augenblick das Herz in die Schuhe gefallen sein mochte, — am 17. Februar die feit ihrer Amtsentsetzung leer gebliebenen Gerichtsstände in der Kirche wieder einnahmen und am nächsten Tage in der Sitzung des Stadtgerichts mit der Erklärung erschienen: sie erachteten sich nach bett bislang gethanen Schritten des ReichSkammergerichis zur Weiterführung ihrer Aemtcr für qualificirt und seien gekommen, den Dienst sofort auf- zunchmcit. Nur dem besonnenen Auftreten des Ober- schulthcißen war es zu danken, daß bei seiner Weigerung, sie zuzitlassen, Eewaltthätigkciten vermieden wurden. Das Alles gab natürlich wieder genügenden Stoff zu Er­örterungen und Zusammenkünften; es waren Ereignisse, durch welche die Aufregung der Bürgerschaft und die Rath- losigkeit der Behörden ihren Gipfelpunkt erreichten.