Abend-Ausgabe^
89. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: In Wiesbaden und den Landortcn nut Zweig- Erpeditionen 1 B!k. 50 Pfg., durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. für das Vierteljahr.
Verlag: Langgasse 27,
13,000 Abonnenten.
Auzeigen-Preisr
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfq. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Psg.
Uo. 235.
Samstag- den 3. Ortober
1891.
Znr gefl. Kenchtung!
Wir machen hierdurch nochmals ausdrücklich daraus aufmerksam, daß das „Wiesbadener Tagblatt" trotz der zwei Ausgaben ohne jeden Preisaufschlag erscheint, sonach auch künftighin nur Mk. 1.50 das Vierteljahr für die beide» Ausgaben ohne Bringerlohn kostet.
Der Verlag.
ßorales.
(Nachdruck der Originalcorrespondenzcn nur unter deutliierQuellenangabe geliaNet.) Wiesbaden, 3. Octobcr.
— Uerven-Aeilanstalt. Herr Dr. F. Pleßner, dirigir. Arzt des Sanatoriums für Nerverkranke in Freiburg t. B., hat die Dr. Schmidt'sche Heilanstalt für Ncrvenleidende (fpec. Morphium- kranke) in Wiesbaden, Sonnenbergerstrabe 43, „Villa Constanze", welche in letzter Zeit von den Herren Dr. Berna und Dr. Fromme geleitet wurde. Übernommen und wird dieselbe unter dem Namen: Dr. F. Pleßuer'L Kurhaus für Nervenkranke (specicll Morphium- kranke) wirthschastlich und ärztlich leiten.
(*) Der letzte HHimetalsmechfel gab und giebt sich noch in großem Maßstabe zu erkennen. Es ist ein eigenartiges Bild, das sich auf der Straße entrollt. Der größte Thcil des Fährverkehrs dient dem Auszug; unzählige Hände sind beschäftigt, die alte Wohnung zu räumen und die neue einzurichteu. Um die nöthigen Arbeitskräfte zu stellen, werden sogar die Jnsasten der Strafanstalten herangezogen. Namentlich sind cs die Stadttheile mit neuerbauten Wohnungen, welche den Hauptstrom der Auszügler aufnehmen. In den Wohnungen selbst entfaltet sich dann die regste Thätigkeit; ganze Tage, ja Wochen sind erforderlich, bis auch der kleinste Hausrath wieder den Platz gefunden Hal, an deut er am meisten zu einem gcmüthlichcn beharrlichen Heim beiträgt. Im Allgemeinen scheint man die Zeit des Auszugs immer mehr auf April und October zu verlegen, und das mit Recht. Sechs Monate sind in den meisten Fällen nicht zu lang, um eine Aenderung der Verhältnisse, die sich vielleicht unbequem gestaltet haben, herbeizuführen. Die halbjährige Kündigungsfrist setzt einem zu häufigen Wohnungswechsel w.ohlthätige Schranken und sichert dem Wohnung Suchenden eine bessere und größere Auswahl. Im Große» und Ganzen aber sollte man die Wohnung so wenig wie möglich wechseln, denn wenn auch bei unseren vorzüglichen Beförderungsmitteln und bei ber unbedeutenden Entfernung das alte Sprichwort: „Dreimal ausziehen ist so schlimm als einmal verbrenneit" nicht mehr zu Recht besteht, so ist doch ein Auszug kostspieliges und Zeit raubendes Vergnügen, abgesehen von den Unbequemlichkeiten, die er int Gefolge hat. Außerdem sollte ein jeder Vater sich sagen, daß bei einem allzu häufigen Wohnungswechsel seine Kinder nie ein rechtes Heimathsgesühl bekommen werden. In dieser Beziehung fittb die Kinder der Hausbesitzer namentlich in ländlichen Verhältnissen zu beneiden; die althergebrachte, dauernde Seßhaftigkeit kommt der gcsammten Erziehung sehr zu Statten.
Nachdruck verboten.
Soziale Wirrnr, Plilizeiwesell und Stadtverwaltung pi Wiesbaden im vorigen Jahrhundert.
Von tzß. Schükcr.
(Original-Aufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt.")
I.
(Schluß.)
Damit war jedoch den unruhigen Köpfen noch nicht gedient. Wie die Geistlichen berichten, verließ während der nach der Predigt üblichen Bekanntmachung der amtlichen Verordnungen ein großer Thcil der Kirchenbesucher das Gotteshaus mit Husten und ungewöhnlichem Geräusch. Jung- Wiesbadeii^namentlich zeichnete sich durch „Schreien, Werfen auf den Straßen, Fenstereinschlagen, Lauschen an Thürcn und Fenstern" derart aus, daß dergleichen Unfug mit achttägiger Thurmstrafe bedroht und der Schloßsergeant angewiesen wurde, die allabendlich auf dem Kranz und am Wiesenbrunnen zusammentretenden Schwärm-Gesellschaften mit dem Stock auseinander zu treiben.
Unter fortgesetztem Parteihader kam der Sommer 1752 >u's Land. Von der unzufriedenen Bürgerschaft war bereits angezeigt worden, daß das Stadtgericht sein Zechen lustig fortsetze und neue Controleure einzusctzen sich weigere, als am 1. Juni der Auszug der Bürgercompagnie nach dem Wiesenbrunnen stattfand. Die Exercitien waren beendet, teder Bürger hatte seine» Concurrcnzschuß um die von der «tadt ausgesetzten Preise abgegeben, und damit den Nachweis einer zweckdienlichen Führung seiner Muskete erbracht, um 1 Uhr Nachmittags die Bürgeroffiziere weitere Gaben zum Ausschicßen herbeibrachten, um Stimmung zum Absatz
— Der heutige 3 Oktober ist nach Falb ein kritischer Tag zweiter Ordnung. Es ist bis jetzt wieder nichts Kritisches bemerkt worden.
— Geschäfts-Jubiläum. Am Donnerstag, den 1. October, feierte der hiesige Bitchdruckereibesitzer Herr Jac. Edel fein 25-jähriges Geschäfts-Jubiläum unter Bethciligung seiner Freunde und Verwandten, sowie des ganzen Geschäfts. Dein Jubilar wurde eine große Freude bereitet durch die Ueberreichuug eines prächtigen Gedeukblattes.
iS Mocheu-Kalender. 4. October: 1471. Lucas Cranach, berühmter Maler, geb. 1787. Franz Gustot, franz. Staatsmann, in Nimes geb. 1801. Prof. Dr. Jul. Weiske, in Erlbach bei Chemnitz geb. 1807. Stein wird an die Spitze des preußischen Ministeriums berufen. 1819. Crispi, ital. Minister, zu Ribera geb. 1822. Ad. Heinr. Fr. Schlichtegroll, Numismatiker, gcst. 1877. Eduard Devrient, berühmter Schauspieler, zu Karlsruhe gcst. — 5. October: 1582. Annahme des Gregorianischen Kalenders und Verrückung des Datums um 12 Tage. 1713. Deins Diderot, der Encyclopädist, geb. 1829. Ludw. Knaus, bedeutender Maler, geb. 1847. Henry Howard, ausgez. engl. Maler, gest. — 6. Oct ober: 1809. Eroberung der Ionischen Inseln durch die Engländer. 1821. Jemiy Lind, berühmte schwedische Sängerin, geb. 1825. Graf de Lacepede, franz. Naturhistoriker, gest. 1849. Ludw. Vatthyaui zu Pest auf Haynau's Befehl erschossen. 1870. Gcsccht bei St. Die. 1884. Moritz v. Gerold, hervorragender Buchhändler in Wien, gest. — 7. October: 1794. Will). Müller, lyrischer Dichter, geb. 1795. Auguste Crelinger, berühmte Schauspielerin, geb. 1855. Das Ministerium Hassenpflug wird entlassen. 1876. Gg. Hch. Pertz, Hcrausg. d. Monumenta germanica historica, gest. 1880. 100-jährige Jubelfeier der König!. Thierarzneischnle in Dresden. 1886. Fricdr. Gerold sen., hervorragender Buchhändler in Wien, gest. — 8. tuet ob er: 1669. Paul Rembrandt, ber. Holland. Male» gest. 1798. K. Ludw. Bruck, Gründer des öftere. Lloyd, geb. 1803. Vit- torio Alfieri, ital. Dichter, gest. 1805. Fr. Milan, Professor und staatswissenschastlichcr Schriftsteller, in Freiburg geb. 1834. Fr. A. Boieldicu, franz. Operncomponist, gcst. 1858. König Wilhelm IV. von Preußen ernennt den Prinzen Wilhelm von Preußen zum Regenten. 1890. Dr. I. von Tschudi, ber. Naturforscher, gest. — 9. October; 1477. Stiftung der Universität Tübingen. 1555. Justus Ionas, Mitreformator, zu Eisfeld gcst. 1601. Enthauptung des Kanzlers Krell zu Dresden. 1801. Krönung Alexander I, Kaisers von Rußland. 1805. Ney schlägt die Oester- reicher bei Günzburg. 1813. Georg Waitz, berühmter Historiker geb. 1814. Giuseppe Verdi, bedeutender Operncomponist, in Noncola geb. 1889. Pros. Dr. M. Leidendorf gest. — 10. October: 1716. Gen. Freiherr v. Laudon, öftere. Generalissimus, geb. 1776. Heinrich v. Kleist, Dichter, zu Frankfurt a. O. geb. 1794. Kosciusko bei Macpinjowiva geschlagen und gefangen. 1806. Treffen bei Saatfeld, Prinz Louis Ferdinand gest. 1858. Karl Ang. Varnhagen von Ense gest. 1867. Julius Mosen, zu Oldenburg gest. 1879. Geh. ^ustizrath Dr. Grnchot, ber. Jurist, in Hamm gcst. 1884. Jean Becker, Gründer des Florentiner Quartetts, m Mannheim gest.
* Karbarri in brr Küche. Es wird behauptet, daß Mitglieder des „zarten Geschlechts", lvenn sie einmal angefangen haben, sich des menschlichen Gefühls zu entledigen, es in der Grausamkeit- zu „ viel schlimmeren Excessen bringen können, als abgehärtete Männer. Und in der That, wenn man die oft scheußlichen Znrichtungs- artcn kennt, die an unglücklichen Thieren von Köchinnen vor- genommen werden, an Fischen, Krebsen, Geflügel, so muß man obiger Behauptung beipflichten, besonders aber, wenn man in Kochbüchern, bereit Verfasser dem weiblichen Geschlecht angehoreu, Unterweisungen in der rassinirtesten Grausamkeit lieft. So sanden wir jüngst in dem „Illnstrirten Victoria-Kochbuch" von Hedwig Hoheu- wald (Orattienburg 1891, Ed. Frcyhoff's Verlag), Seite 457 in einem Recept zum Einmacheu von Hummer die Vorschrift: „Ter Schwanz und die Schceren der lebenden Hummern werden abgerissen :c." Jede brave, verständige Haussrau wird ja ihre Küche soweit überwachen, daß darin solche Thierqnälereien von
rohen, herzlosen Köchinnen nicht verübt werden. Sie muß aber auch Sorge tragen, daß Kochbücher der oben bezeichneten Art in ihrem Hause keine» Eingang finden.
-o- Selbstmord. Gestern Abend hat sich der Sergeant a. D. Carl Köpke in einem von ihm gemiethetenZimmer eines hiesigen Gasthauses erschösse n. Köpke war in Carow, Kreis Jerichow, geboren, 27 Jahre alt, diente zuletzt bei der hier garnisomrcnden 4. Compagnie Füsilier-Negiments von Gersdorff (Hess.) No. 80 und ist nach zehnjähriger Dienstzeit am 1. October er. ansgeschieden. Persönliche Verhältnisse sollen ihn dazu veranlaßt haben, int Civil- lcben einen Verdienst zu suchen. Die dessallsigen Bemühungen des Köpke waren jedoch erfolglos gebtieben. Da man nach feinem Tode nur noch 23 Pfennig in seinem Besitze fand, so scheint die Annahme, dem K. habe die Sorge um seinen Lebensunterhalt die todtliche Waffe in die Hand gedrückt, nicht unbegründet. Der Umstand, daß diese Waffe ein dem hiesigen Bataillon gehöriger Ilrmee-Rebolver ist, läßt darauf schließen, daß K. schon mit Selbstmordgedanken die Kaserne verlassen und sich deshalb den Revolver verschafft hatte. Die zwei Kugeln, welche sich K. in die rechte Kopfseite schoß, waren auf der anderen Seite wieder herausgedrungen, sie hatten die ganze Schädeldecke, zerriffeu, führten aber erst nach einer Viertelstunde den Tod herbei.
— König!, preußische Klasseir-Lottcrie. Wir machen hiermit unsere Leser darauf aufmerksam, daß die Erneuerung der Loose zur 3. Klasse 185. Lotterie bei Verlust dcs Anrechts spätestens bis zum 8. d. M., Abends 6 Uhr, vorgenommen sein muß.
-o- Ucbcrfällcu. Gestern Vormittag wurde ein stellenloser Kellner von hier, während er mit einem jungen Mädchen einen Spaziergang machte, im Walde in der Nähe des R'ettnngshauses, von einem dem Arbeiterstande angehörigen Manne ohne Weiteres überfallen und gehörig durcbgeprügelt. Auf die Hilferufe des Ueber- falleneu eilte ein in der Nähe befindlicher Beischütze herbei, der den gefährlichen Menschen festuahm und nach dem Polizei-Revier ab- siihren wollte, davon aber Abstand nahm, weil ihm derselbe ohne Weigernng seine Personalien angab.
-o- Mrgetr des Schiersteiner Raubanfalls, der schon vor einigen Monaten verübt wurde, ist, wie bereits mitgetheilt, kürzlich eilt Maun in Untersuchungshaft genommen worden, welcher jedoch nicht der Taglohner B., sondern der Taglöhner Nicolaus N.» eine mehrfach bestrafte Persönlichkeit von hier, ist. Derselbe leugnet zwar, der gesuchte Räuber zu fei», wird aber von den Personen welche damals angehalten worden sind, auf das Bestimmteste wiedererkannt.
-o- Zn dem Unfälle, beit eine Frau am Freitag Nachmittag in der Faulbrunnetistraße erlitt, fei in Ergänzung und Berichtigung der in der gestrigen Morgen-Ausgabe darüber gebrachten Notiz bettlettt, daß die Betreffende die verwittwete Fran Seyberth von hier ist, welche Ecke der Bleich- und Schwalbacherstraße von einer ganz langsam fahrenden Droschke, gegen welche sie nach dem Polizeiberichte anrannte, nmgestoßen wurde. Sie erlitt aber keineswegs schwere Verletzungen, sondern nur unbedeutende Hantabschürfnngen am Kopf und eine leichte Contufion am rechten Bein.
— Erwischt. Heute Morgen 5 Uhr wurde wiederum ein Obstdieb, eilt junger Bursche aus Dotzheitn, im Garten der „Villa Friedberg" (District Alter Geisberg) von dem Feldhüter Merkcl- bach auf frischer That ertappt. Derselbe hatte schon verschiedene Male dem genannten Garten bei Tag und Nacht Besuche abgestattet uni) das Zwergobst ziemlich gebrandschatzt.
P. B. Diebstähle. In der Nacht vom 1. zum 2. October wurde in ein Hans an der Gothestroße eingestiegen. Der Dieb hat Kleidungsstücke, eine Weckeruhr und Eßwaären gestohlen. — Einem in der Metzgergasse logirenden Dienstmädchen wurde ein Zwanzig- Markstück aus dem Portemonnaie entwendet.
ihres Weines, dc» sie nach alter Gcrcchtsamc Henle accisfrci verzapfen durften, zu machen. Wie gut ihnen das gelang, läßt die Thatsache ahnen, daß ein mit Wein gefülltes zinnernes Nachtgeschirr, das ein Spaßvogel als Schützenprcis gestiftet, die Runde machte. Bei der mehr und mehr um sich greifenden Ungebundenheit mochte es der Oberschulthciß endlich an der Zeit halten, an den Ausdruck zu denken. Er ließ die Trommel zum Abmarsch rühren, erstaunte aber nicht wenig, als diesem Zeichen Niemand Folge leistete. Die Bürger wurden nämlich von ihren Offizieren durch Winke zntn Bleiben aufgefordert, und es halte dies bei der vorhandenen Oppositionslust genügt, wenn auch die Weinfässer schon leer gewesen wären. Es kam zu lebhafte» Erörtcritngcn, die mit ber Einthürmung einiger Bürger endeten. Daß der Schluß des Festes und die Heimkehr der Compagnie nicht ganz programmmäßig verlief, läßt sich begreifen; jedenfalls anderen Tages machten sich die Freunde der Juhaftirten nach Biebrich auf den Weg, um beim Landesvater deren Loslassung zu erwirken, bezw. ihm vor Augen zu führen, wie unrecht das Stadtoberhaupt gehandelt, das sich den Wein aus dem sonderbaren Trinkgefäß zum Gaudium der Jugend selbst habe recht wohl schmecken lassen. Zur Rede gestellt, gab der Oberschultheiß zwar zu, der Autorität dcs Stadtcapitäns vorgcgriffcn zu haben, doch entwarf er von dem Verlauf dcs bürgerlichen Auszuges ein so abstoßendes Bild, daß der Landesherr verordnete, die Bürgercompagnie habe zur Verhütung von Excessen, und damit sie nicht mehr zum Gespötte der Einheimischen und Fremden am Abend wackelnd und taumelnd zurückkehre, in Zukunft Mittags nach beendetem Exerciren und Schießen mit fliegender Fahne und klingendem Spiel nach der Stadt zurückzn- marschiren.
Diese und ähnliche Reibereien erweiterten die Kluft zwischen de» Parteien immer mehr und veranlaßten im |
Sommer 1753 die Unzufriedenen znr Vorlage einer neuen Klageschrift gegen das Stadtgericht und seinen Anhang, in welcher das alte Lied von dem ungerechte» Schätztiiigsansatz, dem »»ordentlichen Gcmeindehaushalt, der ungetreuen Verwendung öffentlicher Gelder aiigestimmt, besonders aber auch das Stadtgericht der Sportclüberhcbung bei Inventarisationen, Theilungen w.-geziehen war. Diesmal lieh der Landesfürst den Klagenden sein Ohr um so lieber, als ihn ein auf Beförderung zählender Kammcrbeamter z» überzeugen gewußt hatte, daß dcrStadtvorstand,der die herrschaftlichenStenern nach einem uralten, den Zeit- und Ottsvcrhaltnissen nicht mehr angcpaßten Simpclsanschlag erhebe, viel zu wenig znr herrschaftlichen Casse abführe. So fuhr denn in der Frühe des 11. August 1753 Fürst Karl in Begleitung seines jüngeren Bruders, des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken, des Saarbrücken'schcn Geheimen Rathes Schncrr und anderer Beamten am Schloß zu Wiesbaden vor und befahl den anwesenden Rcgicriytgsbeamtcn die sofortige Einleitung einer Untersuchung gegen die Mitglieder des Stadtgerichts. Sic wurden sofort ziisainmengetrommelt, vom Rathhause nach der Hofkammer geleitet und hier von dem Fürsten von Nassau-Saarbrücken mit der Anrede empfangen: man werde jetzt ihre» Wdnkeindchaushalt untersuche» und zusehen, wie es mit 8dr Schatzung stehe, da die Stadt sich seit Beginn des Jahrhunderts sowohl an Häusern wie an Bürgeru^nisehnlich vermehrt, ihrem Fürsten gleichwohl nicht mehr als' früher in simplo entrichtet habe. Man sei begierig, zu Dernennten, mit welchem Rechte die Stadt sich dergleichen anmaße und wie sich das Stadtgericht über diese ungerechte Hintcrhaltung herrschaftlicher Gelder zu verantworten gedenke. Dann setzte Rath Schnerr hinzu: Ihre Hochfürstliche Durchlaucht habe sich auf vielfältiges Supplicire» der Bürgerschaft bewogen gefunden, zur ferncrcu Untersuchnng der dem Stadtgericht zur
